Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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trage, f.

trage, f.,
der träger, das getragene, das tragen. als nomen agentis nur im ahd.: 1) traga, magozoha nutrix, gerula; traga, diorna gerula Graff 5, 500 und 2) in compositis obaz-, scala-, turritraga ebda. als unpersönliches verbalsubstantiv zuerst frühmhd. bezeugt, s. u., und noch heute gebräuchlich. bis zum 17. jh. stehen stark- und schwachflectierte formen nebeneinander; stark: twe drage acc. (a. d. j. 1471) staatsbürgerl. magazin 9, 464 Falck; trage n. (acc.?) sg. M. Grosser kurtze ... anleitung zu d. landwirthsch. (1590) o 5ᵇ; trage acc. sg. Fr. Seidel türk. gefängn. (1629) f 1ᵃ; schwach: van der dragen (a. d. j. 1554) Strals. chr. 1, 139 Mohnike-Zober; tragen acc. pl. Marienbg. treszlerb. a. d. j. 1402 143 Joachim; desgl. a. d. j. 1528 chron. d. d. städte 23, 213 (var. zu 3); auff einer tragen Tectander iter Pers. (1610) 77; die schwache form der obliquen casus ist auch in den nom. sg. gedrungen: tragen Diefenbach 261ᵇ s. u.; Spreng Ilias (1610) 313ᵇ. mehrdeutig ist der mhd. beleg: Milst. gen. u. exod. 138, 30 Diemer, s. u. heute herrscht mischflexion auch in den mundarten; vereinzelt ein schwacher sg. trāgen (n.) Kleemann nordthür. 23ᶜ.
A.
der träger, nur von sachen; zuerst:
dei lantloute roumeten ir selede
mit tragen joch mit menede
von den chroten
Milst. gen. u. exod. 138, 30 Diemer;
gerula tragen dar uff man etwas tregt Diefenbach 261ᵇ; gerula trag vocabul. rerum, s. Mone anz. 8, 251; gestatorium drage Diefenbach 261ᶜ.
1)
traggerät verschiedenster form und bestimmung für eine person: die tr. steht auf der sitzbank, der träger daneben Rosegger 4, 73; gockel hob sie (gackeleia) aus dem korbe heraus und hängte sich denselben noch hinten auf die tr. Brentano 5, 28; ersuche die platte ... durch einen boten auf der tr. herüberzusenden Göthe IV 26, 202 W.; in Schlesw.-Holstein 'vorrichtung zum lasttragen auf dem rücken, die nur aus einem senkrechten und einem wagerechten brett besteht' Mensing 1, 828; in der weidmannssprache ein viereckiger, mit bändern über der schulter zu tragender rahmen, in dessen mitte der falkonier auf der reise oder auch bei der beize geht, wenn er mehrere falken zu tragen hat, s. Schöpffer Friedr. II. falknerei 202; die ritter ... nahmen sie (die falken) von der tr. und setzten einen derselben je einem der fräulein ... auf den ... handschuh der rechten hand Dahn weltuntergang (1889) 58; so wohl auch: gage oder trage, die beizvögel auf einer tragevorrichtung vereinigt H. Laube jagdbrevier (1841) 255. im sinne von ¹tracht II a: in der küche wurden schwere milcheimer auf die steinfliesen gesetzt; man hörte das kettenklirren der tragen, die Gretchen an die wand hängte Kröger wohng. d. glücks (1897) 160, von Adelung 4, 638 als dialektisch bezeichnet. tablett: die schüsseln erschienen, ... jede auf besonderer tr. Mommsen red. u. aufs. (1905) 284. ähnlich: 'das brett, worauf brot, fleisch u. s. w. gelegt wird', draghe, broddraghe, spisedraghe, s. Schiller-Lübben 1, 563; de worste, speck uth dem wimen (lattengerüst), brodt van der dragen Strals. chron. 1, 139 Mohnike-Zober; heute in Waldeck drage 'freihängendes brotgestell' Bauer-Collitz 309. obd. querholz auf dem langbaum des wagens zum tragen der leitern: Martin-Lienhart 2, 745; Stalder 1, 294; ähnlich Seiler 82ᵇ. bei den färbern 'eine hölzerne leiter über der blauküpe, den gefärbten zeug zu tragen' Adelung 4, 638. — in der feldtelegraphie werden die trommeln (vom feldkabel) ... auf eine hölzerne tr. oder auf einen eisernen trommelbock gelegt, der sich am hinteren ende der feldtelegraphenfahrzeuge befindet v. Alten hdb. f. heer u. flotte 1, 35. — in der weberei: 'das weberschiffchen oder die fadenspule aus pappe im weberschiffchen' Fischer schwäb. wb. 2, 303; K. Reiser sagen, gebr., sprichw. d. Allgäus 2, 740. tragband verschiedenster art: ohne genauere angabe 'das trageband' Tobler app. 149ᵇ; 'der tragriemen' wb. d. luxbg. ma. 72; Follmann dtsch.-lothr. 105; 'das strangleder des angeschirrten pferdes' luxbg. ma. a. a. o.; lederriemen mit zwei ösen für schubkarren und bahnen Vilmar kurhess. 414; Hofmann ndhess. 240ᵇ. im obersächs. gibt es das compos. die hosentrage für den hosenträger Müller-Fraureuth 1, 236ᵃ. — das achselband der weiblichen kleidung: (die frauen tragen) achseln-ermeln, die einer alten kleidung, welche man die hufsecken genennet hat, für tragen gedient haben und als solche zugeschnitten sind; die tragen werden annoch auf den achseln behalten, da man die last des habits, für welche sie erfunden worden, abgelegt hat Bodmer-Breitinger disc. der mahlern (1721) 3, 77. der tragsack der thiere im obd., vgl. ¹tracht II c, 'bes. der kühe' Martin-Lienhart 2, 745; Straszbg. stud. 2, 268 (Münsterthal); Schmeller-Fr. 1, 653.
2)
in der schriftsprache gewöhnlich das von zwei personen getragene, mit zwei 'tragstangen' versehene transportgerät: ein höltzerne tr. mit vier füszen ... darauf man scherben und eingesetzte gewächse hin und wieder bringen kan v. Hohberg georg. cur. (1682) 1, 470; eine wildprets-trage zu machen. diese gehört zu einem completen jagdzeuge ... mit dieser tr. werden bey denen jagden das gefällete wild zusammen und vor den schirm getragen Döbel eröff. jägerpract. (1746) 2, 35; zwei starke männer ... brachten auf einer tr. allerlei geschenke A. v. Arnim 12, 41 G.; in ziegeleien dient eine tr., ein leiterähnliches gerät, das auch vogel genannt wird, dazu, den ton aus der grube zum formtisch zu bringen Mothes ill. baulex. 4, 360. zumeist zum transport von kranken und verwundeten menschen: wegen meines herren schwachheit, den wir auff einer tragen ... tragen lassen Tectander iter Persicum (1610) 77; schlug des Kretschmers knecht, dasz man ihn auf der tr. trug Karschin (1792) 383; einige rasch abgeschnittene stämmchen ... zu einer einfachen tr. herzurichten, wie sie für den zustand der leidenden am angemessensten erschien E. Höfer auf deutscher erde 2, 185; ähnlich: sie verwandelten den schlitten in eine tr. Holtei erz. schr. 25, 225. speciell das fabrikmäszig hergestellte sanitätsgerät: die beiden wärter (brachten) den operierten auf der tr. zurück tägl. rdschau 1901 unterhbeil. 113; gelegentlich als leichen-, todtenbahre: die aber todt gefunden werden, die leget man auff eine tr. Fr. Seidel türck. gefängn. (1629) f 1ᵃ; erschienen vier kerle mit einer tr. und jeder mit einem spaten versehen (um die leiche zu begraben) Nettelbeck lebensb. (1821) 1, 57; brachten zwei armendiener einen schlechten sarg auf einer schmutzigen tr. heraus Holtei erz. schr. 12, 215. heute in der schriftsprache selten verwandt, in der umgangssprache dafür tragbahre; doch in einigen dialekten bezeugt: Mensing schlesw.-holst. 1, 828; Hertel Thür. 245; Knothe Markersdf. 117; wb. d. luxbg. ma. 72; Fischer schwäb. 2, 303; vgl.traͦge, f., vorrichtung zum tragen Lexer kärnt. 66.
B.
das getragene.
1)
die traglast, bürde, vgl. ¹tracht III C; namentlich obd. verbreitet, wo ¹tracht in dieser bedeutung gar nicht oder selten gebraucht wird: Martin-Lienhart elsäss. 2, 745; Schöpf tirol. 749; Unger-Khull steir. 164ᵇ. vereinzelt auch literarisch: einen menschen, der eine ungeheure tr. von zeitungspaqueten auf die post trug Hebbel tageb. (1903) 2, 309. — wie ¹tracht als maszangabe, soviel man auf einmal mit der tr. tragen kann: Birlinger schwäb.-augsburg. 121ᵃ; Fischer schwäb. 2, 303; auch in Lothr.: Follmann 105; Luxembg.: wb. d. l. ma. 72; Schleswig-Holstein: 'soviel eine bahre faszt' schon im 16. jh. bezeugt und heute noch dort in einigen gegenden 'für eine anzahl von 60 garben reth, stroh oder korn gebräuchlich'; in der kürze des vocals durch tracht beeinfluszt Mensing 1, 828 f. im obd. auch 'das collectiv von 40 fäden an einem zettel leinenen tuches': Stalder schweiz. 1, 294; Friedli Bärnd. 1, 381 f.; 2, 480; Tobler appenz. 149ᵇ; Martin-Lienhart 2, 745; auch in Luxembg.: wb. d. l. ma. 72.
2)
'die nachgeburt bei der kuh' Martin-Lienhart elsäss. 2, 745. vgl. foetus trag, zug oder frucht, kindlin Junius nomencl. (1567) 17ᵃ. hierhin?
C.
das tragen. 'die vormundschaft, auch die tragnei (daher das tragkind ... für mündel ...)' J. Ch. A. Heyse hdwb. 1255 nr. 2. — als poetische neuschöpfung im sinne von 'tragezeit':
mir sagt das samenkorn im untren schacht:
... sei nicht erschrocken über so viel nacht —
es sind die mühen der notwendigen trage
St. George der stern des bundes (1928) 69.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1931), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 1035, Z. 4.

trage, m.

trage, m.,
der träger, das getragene; ahd. trago. 1) der träger: vornhd. besonders in compositionsbildungen lebendig: ahd. bogo-, êa-, gold-, unnuzi-, swerttrago Graff 5, 500; mhd. honic-, krône-, liehttrage, vgl. mhd. wb. 3, 77ᵃ. nhd. nur vereinzelt dialektisch: trag mörtelträger, pflasterbube, maurerhandlanger, knecht niedrigster ordnung Tappolet alem. lehnw. in d. frz. Schweiz 2, 174. als sachbezeichnung 'tragbahre, traghimmel' mit anorgan. umlaut:
den schaft und träg gib ich (die messe) zuͦ der kuche daselbst
N. Manuel 235, 20 Bächt.;
heute mundartlich: (neben dem fem. dro = trage) tra', m., der. 'tragbalken' Follmann lothr. 98ᵃ. — 2) das getragene: als maszbezeichnung (vgl. ¹tracht III C 2): ein santchretz der sol haben zwelf tragen, daz ieglicher trag gefächt sî d. stadtrecht v. München 476 Auer.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1931), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 1037, Z. 9.

träge, adj. und adv.

träge, adj. und adv.,
tardus, lentus, piger.
herkunft und verbreitung. ahd. trâgi adj. und trâgo adv., mhd. überwiegend træge, selten trâge (s. u.) adj. und trâge adv.; as. trâg adj. (Gallée vorstudien 325; Wadstein as. sprachdenkm. 96, 11; 105, 5; 107, 5); mnd. trâch adj.; daneben trêge und trâge, s. Lasch mnd. gramm. § 60; mnl. traech und traghe adj.: überall von der langsam-mühsamen bewegung des körpers und geistes. dagegen steht ags. trâg adj. und trâge adv. mit der bedeutung 'schlecht' abseits (über das subst. trâg des ags. s. u.). das træg des dän. ist erst in jüngerer zeit aus dem nhd. entlehnt Falk-Torp 2, 1291. im ablaut zu träge stehen: an. trego, adj., widerstrebend, unwillig, langsam; an. tregliga, adv., mit mühe, not; mit kummer, sorge; isl. tregur, adj., unwillig; langsam, träge; schwierig, auch schwer und selten zu fangen; norw. treg, adj., fest, dicht und stark, bes. vom leder und lederzeug; unwillig, abgeneigt; (auf den Shetlands) langsam. bei den verben und subst. überwiegt die vorstellung 'trauer, kummer': as. tregan, st. vb., (jemandem) leid sein, betrüben; ags. tregian, sw. vb., und an. trega, st. u. sw. vb., bekümmern, betrübengot. trigo, f., übersetzt λύπη; ags. trega, m., kummer, trauer; dagegen an. tregi, m., nicht nur 'sorge, kummer, trauer' (vgl. treginn, adj., traurig, von dingen Neckel eddagloss. 173ᵃ), sondern auch 'widerstreben'. hierzu weiterhin ags. trâg, f., leid, kummer.wegen der übereinstimmung von norw. treg 'fest, dicht und stark' mit lit. dir̃žti 'zäh, hart werden', dir̃žas 'riemen, gürtel', diržìngas 'fest, dicht, stark' (auf idg. drg̑h- zurückgehend) bildet wahrscheinlich eine concrete bedeutung, etwa 'fest, dicht, zäh' den ausgangspunkt, vgl. Falk-Torp 2, 1292; J. Franck nl. etym. wb. ²705. neben den umgelauteten formen stehen solche ohne umlaut: trâge : wâge Lamprecht Alexander 3618 K.; m. Altswert 4, 12 lit. ver.; einsilbiges, umlautloses trag im nd. trâc : bâc Karlmeinet 225, 40; Morant u. Galie 660 Kalisch; : mâc Reinke de vos 2539 Lübben; : bach Stephan schachbuch 5014; im md. trâc : mâc Athis u. Prophilias 96, 134 Grimm; : wâc livländ. reimchron. 3960; im obd. trâc : slac Ottokar v. Steiermark 77567 S.; vgl. er wart nie sô trâger : swâger ebda 8884; die trâge (n. sg.) : gemâge jüng. Titurel 5422, 3. später auszerhalb des nd. nur vereinzelt: traag Herold-Forer Gesners thierb. (1563) 2, 122ᵃ; trag Weismann lex. germ.-lat. (1698) 377. heute ausschlieszlich nd.: draak, draag Mensing schlesw.-holst. 1, 829; traag brem.-ndsächs. wb. 5, 94; traag Dähnert plattdt. 493ᵇ; trag Schambach Götting. 233ᵃ; traͦ Bauer-Collitz waldeck. 105ᵃ; trāg Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 428ᵇ; vgl. nl. traag. — im 16.-18. jh. meist träg mit obd. apokope. träge ist heute vor allem in der schriftsprache, seltener in der umgangssprache gebräuchlich. dialektisch ist es im nd. verbreitet (s. o.), weniger im md. und obd., wo dafür meistens faul üblich ist (Müller-Fraureuth obersächs. 1, 236ᵃ; Lenz Handschuhsheim 71ᵇ; Fischer schwäb. 2, 303; Schmeller-Fr. 1, 657; dagegen wird träge verzeichnet bei Hunziker Aargau 57, Bacher Lusern 406).
bedeutung und gebrauch. die zurückführung auf eine concrete grundbedeutung (s. o.) scheint sich auch dadurch zu empfehlen, dasz dem worte bis auf den heutigen tag die vorstellung von etwas körperlichem anhaftet. der gang der bedeutungsentwicklung war offenbar der, dasz eine ursprünglich nur concreten objecten beigelegte zähigkeit, schwerbeweglichkeit ins geistige übertragen wurde. das ist früh geschehen, offenbar schon vorahd., und wirkte sich dahin aus, dasz die beiden anwendungsmöglichkeiten 'körperlich und geistig schwer beweglich' sich vielfach vereinigten. die folgende darstellung versucht aus gründen der anschaulichkeit nach dem überwiegen der einen oder anderen componente zu sondern, was für das sprachgefühl oft kaum zu scheiden ist.
A.
von der körperlichen bewegung: langsam und mühsam, schwer beweglich, schwerfällig: in den glossen für tardus seit dem 8. jahrh. Graff 5, 502; Diefenbach 573ᶜ; tardiusculus 573ᶜ; argus 47ᶜ; morosus 368ᵇ; lentus 324ᵃ; nov. gloss. 231ᵇ; Diefenbach-Wülcker 875. meist mit langsam verbunden: passus aegri ... das langsam träg und gemach gon Frisius diction. (1556) 46ᵃ; mit langsam und trägem schritt buch der liebe (1587) 109ᵇ; dann die kälte langsam und träg (ist) wie dann auch der abnemmenden sitten, geberden und leibs bewegungen langsamer und träger Guarinonius grewel der verwüstung (1610) 20. im gegensatz zu träge steht besonders schnell:
man mohte dâ zen stunden
gescheiden niht die trægen noch die snellen
Kudrun 1428, 8;
wie ... zwischen dem schnellfüszigen und dem trägen (hund) ... ein groszer unterschied ist H. L. Wagner theaterstücke (1779) 70;
ainer ist träg, der ander tratt
ainer ze haisz, der ander ze kalt
Hätzlerin 151;
zu hastig und zu träge kommt gleich spät
Göthe 9, 208, 677 W.
1)
von lebewesen, besonders von menschen:
over dat water gynck en brugghe,
dar mennich trach unde vlugghe
over gynck umme syn beyach
meister Stephan schachbuch 4443;
o Peter, Peter, du alter priester,
wie zeuchstu so träg nach dier deine riester
altdeutsche passionssp. a. Tirol 238 Wack.;
ihr keiner war im lauffen treg
Spreng Ilias (1610) 307ᵃ;
o ihr musen! ... fördert unsern trägen lauf,
um ihm schneller nachzueilen
Neukirch ged. (1744) 5;
seine (des menschen) augen tragen ihn zu dem sonnenziele der gottheit, aber er selbst muss erst träge und mühsam durch die elemente der zeit ihm entgegenkriechen Schiller 4, 37 G.; (Thiel) trat ... langsam ins freie und bewegte sich trägen und schlürfenden ganges über den schmalen sandpfad G. Hauptmann bahnwärter Thiel (1892) 25; aber nicht träger wurde der schritt; schuh trat vielmehr immer unablässiger und hastiger an schuh das W. Schmidtbonn-buch (1927) 186; ebenso von thieren:
noch die soumere   snelle odir træge
noch horn deheinez   groz noch chleinez
Milst. gen. u. exod. 137, 21;
ehe ich träge pferde reite, gehe ich lieber zu fusz O. v. Bismarck br. a. s. braut u. gattin 52; gram? — diese natter schleicht mir zu träge Schiller 2, 58 G. gern von den körpertheilen, in denen die bewegung sichtbar ist:
sanft und gar lancseime
siht man si werben unde gân ...
als in gar træge sîn diu lider.
daz houbet senkent si dâ nider
und lânt ir ôren hangen
Konrad v. Würzburg Troj. 27557;
sie (Galathea) naht der thüre sich mit immer trägerm fusze
und hält ihm röthend still bey seinem abschiedskusse
Pfeffel poet. versuche (1812) 1, 50;
verwandelt sei in einer eule leib,
befiedert grau sollst du auf trägen schwingen
des nachts dein krächzend lied im walde singen
Fr. Pocci lust. komödbüchl. 4, 233; s. auch sp. 1042.
für sich steht, unsinnlicher zu nehmen, die träge zunge:
hiute ist der dritte tach,
daz ich reden nine mach,
min zunge ist trægere
danne ich gewon wære
Milst. gen. und exod. 129, 24;
ich bin saumsame und einer tregen zungen erste deutsche bibel 3, 231; 10. capitel: von trägen und allzeitfertigen zungen J. J. Chr. Bode Montaigne 1, 69; vgl. weiter gegen westen wird die sprache ... immer träger, tonloser und plattdeutscher E. M. Arndt 1, 202 R.-M. verursacht erscheint die unbeholfene träge bewegung durch die länge, durch das schwere, massige des körpers:
trag ist sin (eines drachen) ganc
Boppo in minnes. 2, 380 v. d. Hagen;
do man si zu der milte treip,
so man die tregen ochsen tut
kl. mhd. erzählungen 193, 183 Rosenhagen;
dort drängt ein träger schwarm von schwerbeleibten kühen
... sich im bethauten steg
Haller ged. (1882) 5, 28;
das der valck (mit den blauen füssen) swär und träg ist Mensinger v. d. falken 4 lit. ver.; wie zehn jahre früher Lessing, ... wurde Schubart in seiner letzten zeit dick und träge Schubarts briefe 2, 225 Strausz; der Italiener Gerosa ... war träge, weil sein körper von siechthum ... aufgedunsen und schwerfällig war Kerner bilderbuch (1849) 304;
als er so langsam um die ecke bog,
und träge schob die langen glieder vor
A. v. Droste-Hülshoff 2, 104 Schücking.
vgl. das grosz und lang kompt gleichwol langsam und träg, weret aber lang S. Franck sprüchw. (1541) 2, 150ᵃ, siehe auch u. A 2 b, durch zu reichliche nahrungsaufnahme: (der habicht) überfüllt sich wie ein mensch, zuͦ welcher zeyt er minder sicht und gantz traag und schwär ist zum flug Herold-Forer Gesners thierbuch (1563) 2, 122ᵃ; (die schlangen) schlingen tiere ganz hinab, die dicker als sie selbst sind, ... werden aber alsdann träge und unbehilflich Hebel 2, 26, 4 Beh.; in der nächsten nacht, wo die Kalabresen von der feier eines festes noch träge und trunken sind Raumer gesch. der Hohenst. (1823) 1, 572; der sieg war leicht erfochten ..., da die überfütterten pferde der feinde ... nur träge fort konnten Dahlmann gesch. v. Dännem. 1, 175, durch ermüdung, erschöpfung des körpers: lassus Diefenbach 319ᶜ; nov. gloss. 229ᵃ; remissus gloss. 491ᶜ; torpidus 589ᵃ; vgl. s. v. torpere, torpenta, torpor 589ᵃ u. ä.:
er was des libes trege
von der burden unser schult
(von Christus, der beim kreuztragen ohnmächtig wird)
Daniel 4260 Hübner;
he klagede alle tît unde kermde
sô sêr, dat it mi entfermde,
wente he wart krank unde trach
Reineke de vos 2539 Lübben;
da (wenn die schwangeren frauen ein meidlein tragen) seynd sie bleicher, träger, schwermütiger und mit mehr last beschwert Wirsung artzneybuch (1588) 541ᵈ; es ist einem (in ruinen) gerade zu muth, als wenn hinter jedem trümmer ein geist der vorwelt träge das morgenlicht angähnte Jung-Stilling 4, 324; occasionell gesteigert zur bedeutung 'müde': dann sollte ... dies händeringen meine arme träge machen A. G. Meiszner Alcibiades 1, 53; 'starr':
Karlle wart also traich
over alle syne lede,
of hey hedde den rede (= fieber)
Karlmeinet 225, 40;
heute im nd.: traag 'matt, kraftlos, ermüdet' brem.-nied.-sächs. wb. 5, 94 f.; traag 'träge, müde' Dähnert plattdtsch. 493ᵇ; traͦ 'schläfrig' Bauer-Collitz waldeck. 106ᵃ, bes. im alter:
die mîne gespilen wâren,   die sint træge und alt
Walther v. d. Vogelweide 124, 9;
daz alter ... machet man und wip
im selben gar unmere,
siech, trege und also swere,
daz er gerner sanffte lege
den er anders ichtes pflege
kl. mhd. erzählungen 66, 4 Rosenhagen;
auch den kaiser Tiberius das alter träg und nachlässig machte A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 50;
ein abgelebter greis wird mit den jahren matt,
... ist träge, wünscht zu viel ...
Gottsched versuche e. krit. dichtk. 29.
als stehendes beiwort bei bestimmten thieren:
ein træges sneggen slîchen,
einr sneller swalwen vluk
der Kanzler in minnes. 2, 388ᵃ v. d. Hagen;
Tardif, die träge, zögernde schnecke J. Grimm Reinh. fuchs ccxxxix; vgl.schneckträge J. H. Voss Shakespeares schausp. (1818) 2, 46; sie hatte auf dem fischmarkt einige grosze schildkröten gekauft ... sah den trägen tieren zu Werfel Verdi (1930) 262;
waz hilfet, daz man trâgen esel
mit snellem marke rennet
Spervogel in minnes. frühl. 20, 7;
pfuy! spricht der hund, du (esel) träges thier!
man kömmt ja nicht vom fleck mit dir
Ramler fabellese 1, 18;
er hat ein liebes weib, das ...
nicht stets im hause steckt als wie ein träger dachs
Triller poet. betrachtg. 2, 281.
2)
abgeschwächter und unsinnlicher, namentlich wenn die bewegung bei den lebewesen nicht sichtbar ist oder überhaupt nicht von lebewesen herrührt:
a)
im hinblick auf den schnelligkeitsgrad der bewegung, 'langsam':
thiu zuelif zeichan ellu ...
Saturnum ouh then dragon,   Polonan ouh then stetigon
Otfrid V 17, 31;
der feind erhascht ein träghinsegelndes fahrzeug
Pyrker Tunisias (1820) 4, 530;
als technischer ausdruck im seewesen: träge = langsam in der wendung Hoyer-Kreuter technol. wb. 1, 772; gelegentlich mit activischem sinn, träge d. h. langsam machend, schwer befahrbar: wann die wege träg sind, soll ein jeder an seinem anschlusz die traden oder wagenleisten instechen aus Jülichischer policei-ordnung bei Frisch wb. 2, 379ᵃ; bes. vom wasser, blut:
von erst geschmoltznem schnee kommt hier ein träger bach
Brockes ird. vergnüg. i. gott (1721) 4, 223;
der flusz ... zog träge ... fast ohne fall im flachen gelände dahin W. v. Polenz Grabenhäger 2, 251; vgl. das mesopotamische gebiet zwischen Weser und Elbe durchzogen von zahlreichen trägflieszenden wasseradern Wimmer gesch. des dtsch. bodens 153; die ufer der trägvorüberrollenden Etsch v. Gaudy 22, 91; auch in flurnamen: die Träge Ach bei Lechhausen Buck flurnamenb. 280; des menschen cörper, so sonder benöthigte bewegung, ... zeigt einen trägen umlauff des geblüts Abr. a s. Clara etwas für alle (1699) 2, 69; das blut flieszt träger, und das herz schlägt matter Herder 13, 209 S.; sein auge war ein etwas, was das träge blut in Bewegung brachte Alexis ruhe ist d. e. bürgerpfl. (1852) 1, 137; poetisch auch vom rauch, wind: aus hundert kahlen mauern ... stieg träger rauch auf Rosegger wildlinge (1906) 263; ein kalter nebel ... zog mit einem trägen winde dünne, graue tücher über das ganze land Frenssen Jörn Uhl (1902) 503; gern von der zeit:
die träge zeit! kein jahr ward mir so lang
als dieser morgen
Lessing 3, 364 L.-M.;
o träge lange nacht, verkürze dich!
Shakespeare 1, 251;
es wird aus trägen stunden
am ende doch auch ein tag
Chamisso 4, 164;
mhd. wird das adv. trâge 'langsam, zögernd' vgl. etwa
vil trâge sprach er: nu lâ in în
Schlegel 221 Pfannmüller
häufig als litotes verwandt, d. h. in der bedeutung 'gar nicht':
swaz der mensche niht verstêt,
trâge ez im in die ôren gêt
Hugo von Trimberg renner 1212 Ehrism.;
vgl. Alfr. Hübner die mhd. ironie (1930) 113 und B 1 d.
b)
die vorstellung der schwere, zähigkeit steht im vordergrund, träge ist 'schwer', 'zäh', meist bis zu 'unbeweglich' gesteigert: biblisch-kirchlich vom fleisch des menschen im gegensatz zum geist vgl. th. 4, 1, 2, 2658 und die anklingende bibelstelle (der geist ist willig, aber das fleisch ist schwach Matth. 26, 41): der geist ist schnell, aber das fleisch ist träg Keisersberg predigen teutsch (1508) 41ᶜ;
auch das sich nicht erschwing der gaist,
es sei denn gzämmt das träge flaisch
Fischart 3, 95 Hauffen;
hie in der welt hat man und weib
ein unbehenden tregen leib
Ringwaldt christl. warn. b 8ᵇ;
seine liebe musz zum himmel schweben,
von dem trägen leibe keusch entblöszet,
kann zu gott der engel sie erheben
Brentano ges. schr. 2, 203;
in einer stunde verrichtet der geist mehr thaten des gedankens als der träge organismus unseres leibes in jahren nachzuthun vermag G. Büchner nachgel. schr. 83. von dickflüssigem: berufssprachlich träge milch 'infolge fütterung, altmelken zustandes oder krankheit dickflüssige und darum nur schwer und unvollkommen ausrahmende milch' Martiny milchwirtsch. 129; poetisch:
fuhr er, auf der trägen pechfluth ...
lag sie da, bedeckt mit moder ...
reglos, leblos, traurig, öde
Freiligrath ges. dicht. 6, 73;
das hohe meer empört sich dem orcan ...
der träge sumpf allein bleibt unbewegt
Collin Regulus (1802) 124;
das ferment, das aber in den trägen teig der zeit dadurch kommt Gervinus an Dahlmann 2, 344 Ippel. als fachausdruck in der chemie: 'träge heiszen stoffe, die schwer oder gar nicht zur reaction zu bringen sind' Remy chem. wb. 358; bleiben ... nur die kohlen an den ofenwänden stehen (träger oder todter mantel), während die erze nach der mitte rollen Muspratt chemie 2, 1282; schon bei Fronsperger: nun ist salpeter gar kalter, fauler, träger art, und so er angebrennt oder angezünd wirt, begert er under sich kriegsb. (1578) 1, 174ᵇ; wilt du ausz einem groszen stück feuwer schieszen, so nimb ein steynern kugel, ... lasz ein creutz einer halben spannen weyt darein hauwen, fülle das creutz mit trägem zeuge (pulver) und umbwindt den stein mit geschweffeltem hanff, dasz der zeug nicht herausfalle ebda 2, 201ᵇ; ebenso träges pulver 200ᵇ; 202ᵃ im gegs. zu resch pulver 200ᵇ. ähnlich häufig in der poesie:
(vom geist des octoberfeuers)
dasz, wo in den trägen stoffen
ew'ges schlummert in der nacht,
es, vom himmelsstrahl getroffen,
sei zum leben angefacht
Rückert 1, 158;
es war ein heiterer der menschheit würdiger gedanke, ihre todten der hellen reinen flamme statt der trägen erde zu überlassen J. Grimm kl. schr. 2, 307;
ist der wesen kette schon gebunden?
schon des lebens stoff im trägen stein,
schon des feuers heiszer born gefunden?
Overbeck verm. ged. (1794) 95;
die mine bereite mir einer, dasz ich die trägen klötze aus der erde sprenge Hölderlin ges. dicht. 2, 87 Litzm.; gelegentlich auch unsinnlicher: das mondlicht ... ist so kalt und träge Görres ges. br. (1858) 1, 80;
der träge buchstab werde geist-durchdrungen
A. v. Arnim 16, 185 Gr.;
schmetterlinge ... summen hier und summen dort,
summen ihre träge lieder
Tieck schr. (1828) 7, 36.
c)
die geringe intensität der bewegung ist betont, 'schwach':
greiff an mein arm und tast,
schlecht mir der puls nit vast?
ist er schnell oder träg?
Hätzlerin 146, 59;
der puls ist trege Ortolff v. Bayrlandt artzneybuch (1477) 2ᵇ; ain tregen pulsz H. Braunschweig chirurgia (1539) 18ᵃ; da im gegentheil beim trägen puls der phlegmatischen die folge der ideen äuszerst matt und langsam ist Schiller 1, 86 G.;
und fühlte, wie der herzschlag kam und schwand,
in stöszen bald, dann wieder träg und lasz
A. v. Droste-Hülshoff 2, 222 Sch.;
hierdurch werden die gedärme geschwächt, werden träge in ihren verrichtungen Bremser mediz. paröm. (1806) 93; in kindern ist die wurmförmige bewegung (des darmcanales) lebhafter, in greisen träger Sömmerring v. bau d. menschl. körpers 5, 114. ähnlich vom markt bei geringem umsatz; bereits im 15. jh. im sprichwort lebend: die tregen märckte werden gern gut Agricola sprichw. (1534) A a 5ᵃ; Friedrich Wilhelm sprichw.-reg. (1577) d 2ᵃ; B. Faber thes. (1587) 697ᵃ; Eyering prov. copia 1, 729;
treger marckt wird offt gut
H. Sachs 9, 84 Keller;
jetzt auf die kaufmannssprache beschränkt, oft in handels- und börsenberichten: der markt ist (sehr) träge s. Schirmer kaufmannsspr. 192; vgl. bei einem stillen markt und trägem begehr Weserzeitung 1859, 4882; in jüngster zeit ist dafür schwach, flau gebräuchlicher.
B.
vom geistigen und seelischen verhalten.
1)
schwer beweglich, schwerfällig.
a)
auf grund von veranlagung oder gewohnheit:
α)
die kalten tier bedäutent die trægen schuoler ze lernen, die die hailigen geschrift swærleich enphâhent Konr. v. Megenberg buch d. nat. 119 Pfeiffer; wie dann du von gott mit lärem und trägem unartigen gemüt bethailt bist, hast nichts über die zierhait des leibs Schaidenraiszer Odyss. (1537) 31ᵇ; also gar laszt sich die welt in so wenig jahren nicht erkennen. eines mänschen leben ist vil zu kurtz: das hertz ist viel zu träg Moscherosch ges. 1 (1650) 47; man ... wie mit einer spiessruthen ihre träge gemüther auffwecke Schupp schr. (1663) 273; dem wahren gelehrten ..., dessen geist nicht klein, nicht träg genug ist, sich auf einen einzigen mittelmäszigen gegenstand einzuschränken Kästner verm. schr. (1772) 2, 36; die Bündner waren eben durch ihre freiheit ein rohes und träges volk K. Fr. Bahrdt gesch. s. leb. (1790) 2, 331; sie (die Gepiden) sind auch grosz an leib und träg von geist W. Grimm dtsche sagen (1891) 2, 12;
wie träg ein mann auch sei, er taugt doch zwirn zu winden
Müllner dram. w. 7 (1828) 156;
was willst du länger trägen sinnes seyn und nicht gedenken, wer deine väter gewesen? E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845) 1, 260; die nähere bekanntschaft mit der bibliothek und ihren verhältnissen leitet zu allerhand bemerkungen, die wahrlich ... auch den trägsten und stumpfsten aus der lethargie wecken müszten J. G. Forster s. schr. (1843) 8, 4; in jüngerer zeit bes. von der volksmasse: einer jener radicalen sätze ..., die mit ihrem schneidenden klange die träge welt aus dem schlafe rütteln Treitschke histor. u. polit. aufs. (1886) 1, 17;
verwundernd staunt es (das ziel) an die träge menge,
doch wenige vollenden hin den lauf
Novalis schr. 1, 217 Minor;
in der trägen masse des volks war ein unheimliches leben ... erwacht v. Ebner-Eschenbach 2, 131; an dem kalten, trägen publikum ... liegt es Bürger 1, 320 Bohtz; vgl. grosze herren wart ihr, die sich über das träge jetzt ... huben Herder 12, 50 S.; die kritik ... eilt mit riesenschritten dem trägen jahrhundert voraus Bauernfeld ges. schr. 3, 291; auch in occasionellen compositionen wie trägverständig, -sinnig, -herzig: damit aber den trägverstendigen nüts breste, wellend wir etliche ding zemen halten Leo Jud von warem und falschem glauben (1526) n 7ᵃ;
o ihr trägsinnigen von blöder zuversicht!
was die propheten selbst euch sagten, glaubt ihr nicht?
Rückert 11, 189;
o die Teutschen, die stumpfen, kalten, trägherzigen Teutschen Wieland an Lavater s. Schnorrs archiv 9, 428; vgl. wie konnte er nur so herzensträge, so kalt, so gleichgültig sein ..., seinen einzigen ... freund zu vernachlässigen Werfel Verdi (1930) 191.
β)
spec. vom temperament, 'phlegmatisch', flecmaticus Diefenbach nov. gloss. 177ᵃ; frigidus glossarium 247ᶜ. schon im mittelalter bezeugt: es sint och noch ander steine, das der mensche von innen wirt gelossen, der von allem sinem herzen got begert und vindet sich hert, dúrre, kalt und trege Tauler 283, 30 Vetter; drum müszten sie niemahl bediente nehmen, die von zornigem temperament seynd, ... sondern die von feuchter und träger natur sind Hafner ges. lustsp. (1812) 2, 180; sie (die königinmutter) hat ein träges naturell Laube ges. schr. 5, 132; die tiefe wehmut und die passive rolle der betrogenen frau lag ihrem trägen temperamente R. H. Bartsch vom sterbenden rokoko (1913) 52; entschieden ein schönes mädchen! aber träge ohne feuer in den blauen augen Kahlenberg Eva Sehring (1901) 79.
b)
mit dem nebensinn des widerstrebens, der unlust: synagoga so trâgo (variante des 12. jh.s für umbequâmo) sich bekêret Williram 110, 3 Seem.;
swie rîlich êre und manic nuz
an sînem râte læge,
doch wâren si vil træge
ze sîner volge bî der zît
Konrad von Würzburg Troj. 19338;
dasz die, die sust träg und unlustig wärind, ze hören gereizt Zwingli dtsche schr. (1828) 1, 66;
wo auch ein stück weit von dir läg,
und andre gest all weren träg,
dasz dirs niemant für legen wolt
Scheit Grobianus 714 ndr.;
mir ist nit treg euch ze schreiben cod. Tepl. Philipp. 3, 1 (Jelinek mhd. wb. 721); erste dtsche bib. 2, 179, 45 = mihi non pigrum; bisz nit träg oder unfruͦtig ze schreyben scribere ne pigrere Maaler (1561) 405ᵃ; schreiben sie (anr.) mir bald — aber bald, und sollten sie vielleicht zu träge dazu sein, so lassen sie den Salmann kommen und dictiren sie ihm den brief O. Jahn Mozart 3, 328. gelegentlich tritt der affect noch stärker hervor: trag accidiosus a. d. 14./15. jh. Herrigs archiv 47, 442ᵇ; trege ... sin accidiari Diefenbach 7ᶜ;
dô rief er sînen mâgen dar ...
daz sie im hülfen von der nôt ...
sumlicher tet ez trâge,
dô was ouch der, der ez gerne tet
gesamtab. 2, 202, 198 v. d. Hagen;
an im (Jesus) was nie kain uppekait
træge noch trurig was er nút
schweizer Wernher 5669;
di lib ... kan ... in keinem alt- und erkalteten, in keinem trähg- und verdrossenen härzen haften Zesen adriat. Rosemund 7 ndr.;
soll ich mit finsterm blick und träge
tief in mich selbst verhüllet gehn?
Gotter ged. (1787) 1, 6;
und müszten wir uns nun bequemen
und uns die puppe lassen nehmen,
die uns itzt so am hertzen liegt,
wir würden träg und miszvergnügt
Stephanie d. j. sämtl. singsp. (1792) 83, 4;
an dem schönen morgen ... wenn selbst durch die finstern straszen in die stadt der laue west zieht, ... da schleiche ich träge und unmutig in herrn Elias Roos' räuchrichtes comptoir A. Th. A. Hoffmann 6, 150 Gr.
c)
gern mit subjectiver beziehung auf zustandsbezeichnungen übertragen: auch hatten grosze dichter ihre wercke ... niemals dazu bestimmt, ... einem müszigen Midas den trägen schlummer zu versüszen Ramler einl. i. d. schön. wissensch. (1758) 1, 135;
und die erinnrung meiner frühen jugend
ruft meine rache aus dem trägen schlaf
Beer s. w. 25;
dasz du (mein mund) im hohen drange
den reichen riefst aus träger, stumpfer ruh
Novalis schr. 1, 154 Minor;
nach einem halbstündigen gespräche, das manche träge pause unterbrach Pfeffel pros. vers. (1810) 7, 53;
nun gilts erwachen aus der trägen ohnmacht
Bauernfeld ges. schr. 3, 112;
fürst ..., der statt träger mönchischer beschaulichkeit die jagd und den kriegsdienst liebte Häusser dtsche gesch. 1, 34; gemeine Christen arbeiteten, erhabene Christen ruhten. also war ... die träge und lichtscheue mystik das product aller dieser schwärmerey Zimmermann üb. d. einsamkeit 1, 159; im sprachbewusztsein kann die subjective beziehung so verblassen, dasz gelegentlich träge activische bedeutung erhält:
des eifers glut steigt allgemach empor
und wirft beschämt der trägen demut vor ...
Weichmann poesie d. Niedersachs. 1, 42;
das bild ... schien ...
die träge schlafsucht vorzustellen
Triller poet. betrachtg. 1, 705;
träger schlaaff, der ein faul und träg macht somnus deses J. Maaler (1561) 405ᵃ; vgl. auch träger winter, der einen träg und faul macht bruma iners ebda.
d)
mit näherer bestimmung, durch gen. nur mhd.: dienstes Konrad von Haslau zs. f. d. altert. 8, 550; êren Suchenwirt 21, 144; antwürt 25, 74; als litotes (vgl. A 2 a) valsches jüng. Titurel 1406; 5537; durch präposit. wendungen oder infin. mhd. und nhd.: gegen, mit und vereinzelt für: gein valscheit Wolfram v. Eschenbach Parz. 66, 12; mit listen H. Sachs 9, 184 Keller; für alles gute Zimmermann vom nationalstolze (⁴1783) 49; — zu, heute ungewöhnlich (doch s. u.): ze dienste Hugo v. Trimberg renner 18313 Ehrism.; zuo êren Altswert 4, 12 Holl.-Kell.; zu der arbait Steinhöwel Äsop 43 lit. ver.; zuo aller gerechtikeit Arigo decam. 50, 14 Keller; treg ze reden und treg zuo dem zorn erste dtsche bibel 2, 414; zu allem guten Scheit Grob. 6 ndr.; zu allem träge und fast untüchtig Abbt 6, 3, 44; zu fleisz und arbeit Gellert w. 2, 105; tr. und lästig zu jeder art von mittheilung Göthe IV 11, 271 W.; — an, nur bis etwa 1500 belegt, (an tugenden Athis und Proph. 96, 134 Grimm; an freuden jüng. Titurel 5422; an dem glauben altdeutsche passionssp. 478 Wack.; an götlichem dienst summer teil der heyligen leben [1472] 81) durch in abgelöst, das bis heute gebräuchlich ist: in irem dinst H. Folz meisterl. 25, 143; in fürsichtigkeit H. Sachs 19, 139, 2 Götze; in meinem gebet Grimmelshausen Simplic. 36 Kögel; in handlungen und worten G. Keller 7, 365; — mit infinitiv: træge ze lernen Konr. v. Megenberg buch der natur 119 Pfeiffer (s. o. B 1 a α); yedes frommen mentschen mund (sye) behuͦtsam, rein und ze reden träg Riederer rhetoric (1493) a 3ᵇ; seit dem 17. jh. zu träge (um) etwas zu tun:
weil wir zu träge sind, die rechte bahn zu gehn
Lohenstein geistl. ged. (1680) 2, 63, 1159;
nicht ruhig genug oder vielleicht auch zu träge, seine nunmehrige begriffe in ein system zu bringen Wieland Agathon (1766) 2, 68; zu träge, um sich durch gefährliche ränke emporschwingen zu wollen Schleiermacher 2, 4, 59; so auch mit substant. infin.: zum urtheilen und vergleichen zu träge J. G. Forster 3, 44.
2)
kritisierend, abschätzig 'lässig', 'säumig', namentlich 'faul', das in der schriftsprache als zu harter, meist mit affect vorgebrachter ausdruck gemieden wird. bereits seit dem 8. jh. in den glossen für piger, iners, deses, desidiosus, ignavus, reses, hebes u. a., s. Graff 5, 502; piger u. ä. Diefenbach gloss. 434ᵃ; nov. gloss. 291ᵃ; girenus gloss. 263ᵇ; iners 295ᶜ; inerticus 296ᵃ; deses 176ᵃ u. nov. gloss. 131; desidiosus gloss. 176ᵃ; ignavus 285ᵃ; muriscidus 372ᵇ u. ö.:
so mod ok doen de trage man,
de nicht wyl arbeyden, wan he wol kan
Hans v. Ghetelen narrenschyp 70, 27 Brandes;
träg, faul, der nicht arbeiten mag paresseux Hulsius-Ravellus (1616) 326ᵃ;
es ist gur als gaul, treg als faul,
es sind vier hosen eins duchs
Eyering prov. copia 2, 535;
ein weidmann und ein jäger,
ein fauler und ein träger ...
sind all geschwister-kind
Moscherosch ges. 1 (1650) 465;
so gern mit faul verbunden:
er und zwei tûsent Sarrazîn
niht ze trâge noch ze vûl
kâmen gegen Mabriûl
Konrad von Würzburg Part. und Mel. 20429;
ähnlich 19359; als doppelformel namentlich im 16. jh.: hütet euch, das ir euch nicht lasset ... müde und matt machen, das ir davon lasset oder faul und träge werdet Luther 34, 2, 373 W.;
schaw doch lauffen
den faulen, trägen hauffen
auff der gass hin und wider
H. Sachs 17, 317 G.;
vgl. 6, 224 K.; 17, 133 G.; Murner narrenbeschw. 199 ndr.;
ein myl wägs nach eim tanz ze gan,
darzuͦ sind sy nit ful und träg
H. R. Manuel weinsp. 1835 ndr.;
so treg und faul sind wir Dedekind der christl. ritter (1590) a 3ᵃ; im gegs. zu fleiszig, eifrig u. ä.: die fleiszigen arbeyter lobet er (der herr), die faulen und trägen straffet er M. Herr der feldbau (1551) 27ᵃ; ähnlich J. v. Müller (1810) 1, 100; J. A. Naumann naturgesch. der vögel (1822 ff.) 2, 1, 334; die menschen bleiben nicht immer wie sie waren, der beste kann schlecht, der eifrigste träg ... werden Haller restaur. der staatswiss. 2, 145, 9; sie ... liesz es (ihr land) um den taglohn von denen bearbeiten, die für eigene rechnung zu träg dazu gewesen, und so brachte sie alle mit einander dazu sich zu rühren G. Keller 3, 373. nicht träge im sinne von 'sehr eifrig, fleiszig, rührig':
möht ir siges machen bar
all iwer vînt mit einem slac,
darzuo wæret ir niht trâg
Ottokar von Steiermark 77567 S.;
das ist, du Christ, sey ja nicht treg,
das gbet, dein wehr, nit von dir leg
Ringwaldt die lauter warheit (1597) v. 48;
auf denn, nicht träge denn,
strebend und hoffend hinan!
Göthe 2, 65 W.;
kaiser und könig würden sich in einer sache, die sie so nahe angehe, nicht träge finden lassen Ranke 4, 36.
a)
im sinne moralischen vorwurfs:
si gebârent umb dich trâge,
die durch dich ûf die wâge
solten setzen lîp unt guot
Dietr. flucht 4142 (dtsch. heldenbuch 2);
die fürsten tuont ze trâge
umb iuwer synagôge,
die ir ûfrihtet
Seifrid Helbling 2, 1181 Seem.;
das merer tail waren treg und saumig und lieszen sich kriechischen wollust übergeen chron. d. dtsch. städte 3, 57. mit nachlässig, saumselig, lasterhaft u. ä. verbunden: wer nit also zürnet, der ist träg und nachlässig A. v. Eyb spiegel der sitten (1511) e 7ᵇ; das etlich desto minder achteten, das sie umb ir guot kemen ... und zügen damit träg, unfürsichtig bürger Carbach Livius (1551) 39ᵇ; die diszfalls saumseligen und trägen gemüther werden ... noch dazu bestrafft v. Fleming soldat (1726) 136, 8; die könige selbst führeten sich sehr träge und unverantwortlich auf Hahn einl. z. d. teutschen staatshistorie (1721) 1, 10, 1; in der (stimme gottes) er ihm den untergang des bisher regierenden lasterhaften und trägen priesterhauses anzeigte Herder 12, 200 S.; im gegs. zu sorgsam: hassent das ubel: zuohaftent dem guoten ... mit sorgsamkeit nit trege: mit hitzigem geyst: dient dem herrn erste dtsche bibel 2, 49, 14. gern substantiviert und bes. aus dem 15.-17. jh. sprichwörtlich belegt: der treg spricht: der lew ist an dem weg und die lewin ist in den steigen (pigerLuther der faule) bibel (Nürnberg 1483 Koburger) 304 (sprüche 26, 13);
de trage, de nicht gern gheyt hirvor,
de sprickt: 'de lauwe steyt vor der dor!'
Hans v. Ghetelen narrsch. 97, 23;
so kert sik unde ummewend de trage
in sime bedde alle dage
laiendoctrinal 118 (sprüche 26, 14);
dem tragen is quât to bevelen
Tunnicius nr. 1143 Hoffm. von Fall.;
ir solt wissen, dasz die klein müh von den tregen gesucht wird
buch der liebe (1587) 162ᵇ;
der teufel hat ausz disen dreyerley ständen den vierten standt auszklaubt, nemblich die trägen und faullentzer
Albertinus Lucifers königreich (1616) 391;
'wenn man könnte, was man will' — ist die entschuldigung des trägen
C. G. v. Brinckmann filosof. ansichten (1806) 237;
das ist das wahrzeichen der trägen,
sie finden schwierigkeiten allerwegen
Lipperheide spruchwörterb. 869ᵇ;
in früher jugend muszt du schon
... den unverstand und stolz der trägen meiden lernen
Gottsched neueste ged. (1750) 19;
er (gott) schlägt den trägen mit armuth Schleiermacher predigten (1801) 107; charakterschilderung des gleichfalls zu dieser parabelgruppe gehörigen trägen freundes (Luc. 11, 5 f.) D. F. Strausz 3, 327; auf den erblichen lehngütern saszen auch träge und rohe, welche rittersitte nicht übten Freytag 18, 43. mit subjectiver beziehung: wol uf, ir úpigen herzen, usz der lawkeit úwers tregen, hinlessigen lebens Seuse dtsche schr. 28, 27 Bihlm.; die handfröner ... wurden von den meystern irs dregen dinsts halben abgesetzt Aymont (1535) f 3ᵃ;
ich musz mich in mir selbst der trägen schwachheit schämen:
dasz ich nicht starck genug, zu tode mich zu grämen
Besser schr. (1732) 217 König;
ein groszer unterschied zwischen dem freien preisgeben ... eines erworbenen ... gutes und zwischen dem trägen fahrenlassen dessen, was man nie besessen hat G. Keller 1, 384; vgl. trägmütige hinlässigkeyt Fischart 3, 278, 27 Hauffen. occasionell auch hier wie oben sp. 1040 in activischen sinn hinüberspielend: üppige völker, von der glühenden sonne und von träger wollust entnervt Wieland 1, 3, 51 S.; geographie und geschichte ... dazu beigetragen haben, eine reihe träger vorurtheile abzuschütteln Herder 30, 100 S.
b)
sehr üblich in religiöser sphäre, und zwar meist mit präpositionalen wendungen verbunden:
träg waz ich an gotz gebot
schausp. des mas. 2, 282 Mone;
o ier toren und ir vaigen
und an dem glauben ier trägen
altdeutsche passionssp. 478 Wack.;
sy ... was übermüttig und waz träg an götlichem dienst summer teil der heyl. leben (1472) 81ᵃ;
sind treg zu gottes wort und tisch
Hollonius somnium vitae hum. 41 ndr.;
in godes denste sy nicht trag noch kalt Husemann spruchsammlg. (1575) b 60 Weinkauff; je mehr ich anfing zu wancken, je träger ward ich in meinem gebet Grimmelshausen Simplic. 36 Kögel;
wenn mein fleisch ... zur busse, die uns heilt,
sich viel träger als zur sünden
und zur bosheit lässet finden
P. Gerhardt in ev. kirchenld. 3, 443ᵇ Fischer-Tümpel.
ohne derartige bestimmung:
nun wacha, sünder träge,
bedenck dein grosze sünd
Hätzlerin 31;
er dem euangelio zuo glauben ermanet und reitzet die trägen Hedio chron. german. (1530) f 1ᵃ; so gar faul, treg und lessig stellen wir uns zu dem lieben wort Luther 28, 451, 35 W.; wenn die verehrer der wahren religion anfangen, lau und träge zu werden Jung-Stilling w. 3, 59 Grollmann.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1931), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 1037, Z. 25.

träge, f.

träge, f.,
die trägheit. ahd. trâgî; mhd. træge; as. trâgi (Gallée vorstud. 325; Wadstein as. sprachdenkm. 16, 13). das wort glossiert desidia (ahd. gl. 2, 170 St.-S.), ignavia (Graff 5, 503; vgl. Kelle Otfrid-glossar 75ᵇ), torpor (Graff a. a. o.; Gallée a. a. o.), stupor (Gallée a. a. o.), segnities (mhd. wbb.). daneben stehen vornhd. ein nach der ô-flexion gebildetes fem. ahd. trâga (Graff a. a. o.), mhd. trâge (: mâge Herb. v. Fritzlar 17956), sowie ein starkes masc. trâc (: mâc : Isââc in dem Gotfrid v. Straszburg zugeschriebenen Marienpreis 94, 13 Wolff). träge ist nur bis ins 16. jh. lebendig gewesen, später nur selten als alterthümelndes, poetisches wort, das besonders Herder liebt, s. 8, 660 Suph. an seine stelle ist im allgemeinen trägheit oder faulheit getreten, im schwäb. fäule, das 'fäulnis' und 'faulheit' bedeutet, s. Fischer 2, 303.
1)
von der körperlichen bewegung, 'langsamkeit', 'schwerfälligkeit':
Pirrus sunder trâge (: mâge n. pl.)
spranc von deme steine nider
Herbort v. Fritzlar 17956;
träge tarditas J. Maaler 405ᵇ; zu dummen oren, welches du merckst auss trege, faulkeit, sol im (dem hund) roossöl ... in die oren getröufft werden Herold-Forer Gesners thierb. (1563) 87ᵃ; so sich ... Esopus von trägi wegen syner zungen (linguae tarditate) nit kan versprechen Steinhöwel Äsop 39 lit. ver.
2)
vom geistigen verhalten:
a)
'schwerfälligkeit':
in thiu wari uns al ginuagi,   iz dragi uns ni biluagi,
fon herzen iz ni intfuarti   thiu unser ubarmuati
Otfrid II 3, 47;
was uns in unserm trägen kreise und niederen ordnung wahrheit, ruhe ... scheint, kann im medium eines gegebnen höhern begriffs, einer empfindung höherer ordnung unwissenheit, träge, geheime blindheit und hasz der wahrheit werden Herder 8, 301 S. speciell vom temperament, 'phlegma': dies (das weibliche geschlecht) mit seiner leichtigkeit, jenes (das männliche) mit seiner träge. eins, das begriffe empfing, verband, dichtete, suchte; das andre, das sie festhielt und formte Herder 7, 89 S.; mit affectgehalt 'verdrossenheit': swaz si tuͦnt, daz tuͦnt si mit murmeln und mit traͤgi; wan inen ist swaͤr aͤllú arbait, wie si doch gesunden und vrischen lip habent s. Georgener prediger 13.
b)
kritisierend-abschätzig, 'lässigkeit', 'faulheit': (im beichtspiegel) ik iuhu ... tragi godes ambahtas as. sprachdenkm. 16, 13 Wadstein;
daz man der træge (hauptsünde) wirt gehaz
und daz man laz
wirt gegen übeler sünde
der Gotfrid v. Straszburg zugeschrieb. Marienpreis 36, 2 Wolff;
vrouwe, ich mein anders icht, wan daz ich immer
mit dienest mich versuoche,
durch keinerlei træge lâz ichz nimmer
Hadamar v. Laber 638, 8;
laboris fuga desidiam coarguit ... fliehung oder abscheuhung der arbeit zeigt ein träge und feule an Frisius (1556) 590ᵇ; wird er (ein mensch, der stark in sich selbst ist) je aus schwachheit träge? und aus träge menschenfeindlich ... sein können? Herder 8, 309 Suph.; vgl. 27, 110; 29, 130.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1931), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 1047, Z. 18.

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Zitationshilfe
„träge“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tr%C3%A4ge>, abgerufen am 20.09.2021.

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