Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

träger, m.

träger, m.,

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in den verschiedenen anwendungen des verbums tragen; von personen und dingen. seit dem 8. jh. bezeugt; bis zum 14. jh. vorwiegend ohne umlaut: ahd. tragari ahd. gloss. 3, 141 Steinm.-Siev.; as. dragari Wadstein s. u.; dagegen lihtrægere ahd. gloss. 3, 420 neben lichtragere ebda 418 in der Straszburger hs. der glossae Herradinae; trêgere, tregere ebda 3, 225. im obd. herrscht die umlautlose form noch länger vor: trager (1338) monum. Zollerana 3, 42; (1345) 3, 130; (1403) 1, 387 neben triuweträger (1309) ebda 1, 122. im 14. und 15. jh. stellt sich der umlaut immer häufiger ein, vor allem md. und nd.: treger neben seltenem trager Dietrich von Gotha s. Türk wortschatz 125; dreger : pleger pilgerf. d. träumd. mönchs 6143 Mejboom; dregers (Lübeck) städtechron. 26, 351 u. ö. vom ende des 15. jhs. ab fehlt der umlaut auch in der obd. schriftsprache nur gelegentlich: trager Dasypodius (1536) 439ᵃ (neben last-, sackträger); Paracelsus opera (1616) 2, 571 Huser; Guarinonius (1610) 1205; Dentzler (1716) 2, 288ᵇ. heute ist trager nur dialektisch, namentlich obd. s. Schmeller-Fr. 1, 653; Schöpf tirol. 750; Lexer kärnt. 66; Hunziker Aargau. 57; im schwäb. drängt sich die schriftsprachliche umlautform vor Fischer 2, 308; auszerhalb des obd. ist die nicht umgelautete form nur vereinzelt bezeugt: trajr Hentrich Eichsfeld 54; drā̜jer Hofmann niederhess. 240ᵇ. — plur. auf s im nd.: dregers städtechron. a. a. o., vgl. A. Lasch mnd. gramm. 195; dazu trägers v. Fleming jäger (1719) 238.
1)
von personen, träger, d. i. der etwas tragend bewegt oder hält. eine bewegungsvorstellung ist nur gelegentlich durch eine locale bestimmung ausgedrückt; seit dem 8. jh. in den glossen für baiulus, gerulus s. Graff 5, 500; ahd. gloss. 3, 141 und 3, 225 (summarium Heinrici); Diefenbach gloss. 261ᵇ; 66ᵃ; nov. gloss. 46; für portitor as. sprachdenkm. 177ᵇ Wadstein; portator Diefenbach 448ᵇ; Niger Abbas 3908.
a)
als mehr oder weniger feste berufsbezeichnung, 'lastträger', vgl.trager, der etwas tregt umb lon Maaler (1561) 406ᵃ; träger, arbeiter facchino, bostagio, cestaruolo portatore Hulsius (1618) 249ᵃ; auch capitler (s. th. 5, 187), hellerman genannt bei Comenius ian. iv ling. (1643) § 462; Zehner (1663) 540; Reyher (1668) 1, 649; vgl. last-, sack-, pack-, kohlenträger u. ähnl.:
ein armer tragære, ...
er wolt an sîn werch gân
kaiserchron. 3039 E. Schröder;
ein smit sol smiden, ein bader baden, ein jager jagen,
ein trager tragen
Heinrich v. Meiszen frauenl. 58;
Salomo ... macht aus denselben (den fremdlingen) siebenzig tausent treger und achzig tausent hawer auff dem berge 2. chron. 2, 18; es handelte sich nun um beschaffung der zum transport erforderlichen 25 bis 30 träger Soyaux aus Westafrika 2, 84. bis tief in die neuzeit hinein ist das tragen von lasten in den handelsstädten an der see und im binnenlande ein wichtiges gewerbe, das von den kaufleuten beansprucht wird: 3 fird. und 1 sol. vor das bir ... den tregern spondelon und traglon und vor 3 vas wynes uss des meisters keller czu schiffe czu brengen (1416) ausgabebuch des Marienburger hauskomturs 198 Ziesemer; item 1⁄2 m. den tregern us der stath gerste in das melczhus zcu tragen (1418) ebda 292 u. ö.; vort sall eyn koylenmeister dat ... bewaren, dat gheyne koylen van den knechten ind dreigeren up eynche steide off ende gedragen en werden (1432) verfass. d. stadt Köln 2, 268 Stein; der dregere off arbeydere eydt, die dat saltz arbeyden (1479) ebda 2, 567; in zünften zusammengeschlossen, in Riga z. b. die bier-, wein-, kalk- und salzträger, s. Mettig rigasche gewerbe im 13. und 14. jh. (1883) 75 ff.; ähnlich in Danzig s. Frischbier preusz. 2, 407ᵇ; de drägercumpenij 'gesellschaft der kornträger in den seehäfen, welche die getreidesäcke und andere kolli aus den speichern auf die schiffe tragen und umgekehrt' Berghaus Sassen 1, 357ᵇ; die zunft der sackträger s. th. 8, 1627; öfter auch mit andern pflichten und aufgaben betraut; in Riga wurden im 16. jh. (nichtdeutsche?) dregers neben knechten auch zum kriegsdienst verwandt s. Gutzeit Livland 1, 197, in Ingolstadt und Augsburg zugleich als stadtwächter, s. Schmeller-Fr. 1, 653; ferner: ouch habent die wintrager unde alle trager daz reht, daz si ane stiure sint ... unde suln auch die sturmgloggen leiten (1395) städtechron. (Augsburg) 4, 99, vgl. auch ebda 4, 108 anm. 2. im salzwerk, vgl. jb. des ver. f. nd. sprachforsch. 5 (1879) 122: treger tragen die sahl (soole) in groszen zübern in da köt (kote) Mathesius Sarepta (1571) 125ᵇ; 32 träger oder jahrknechte, welche die sole von dem brunnen weg vor die kothe tragen Hondorf saltzwerk (1670) 8. beim zoll: meinen bruder, der trager auf der mauth ist Bäuerle kom. theater 1, 11; mit einigen trägern von der hauptmauth Bremser mediz. paröm. (1806) 46. als hausierer im bair.: trager, trägler, 'der die geringen waren, mit denen er handelt, vom land auf den markt oder von einem land ins andere oder von haus zu haus zu tragen pflegt' Schmeller-Fr. 1, 653; vgl.ummartragar Lexer kärnt. 66; feilträger th. 3, 1450; moldendrager 'der mulden und verwandte holzgefäsze feil trägt' Bücher Frankf. berufswb. 85ᵇ. vom sänftenträger:
indessen lässt Sylvan die thür der sänfte schlieszen,
die träger schreiten fort mit weitgedehnten füszen
Schwabe belustigg. (1741) 6, 254;
für meinen sohn hatten wir einen tragsessel mit uns ... als ich ... träger für ihn bestellte grafen zu Stolberg 6, 173; der ist ein thor, welcher berge mit seinen füszen erklimmt, wenn er träger haben kann Immermann 10, 124 Boxb. heute am verbreitetsten vom gepäckträger: der koffer ... ist wohl sehr schwer ... ich will gleich einen träger schaffen Lessing 2, 155 L.-M.; vgl. Loritza Wien (1847) 132ᵇ; ebenso vom leichenträger; schon seit alters, u. zw. nicht nur vom beruflichen: der tote hatte vir treger, dy en truͦgen uz der stat Dietrich von Gotha bei Türk wortschatz 125; und (Jesus) trat hinzu und rüret den sarck an, und die treger stunden Luc. 7, 14; meinen seligen bruder mit 8 trägern ... und mit 8 sterblichtern bis an die grenze des gutes ... tragen lassen v. Schweinichen denkw. 339 Österley; ich sehe die stummen träger den zerrissenen leichnam meines gemahls mir entgegentragen Schiller 3, 130 G.; allzufrühe ... starb der vater, und ich sehe den schwarzen sarg, die träger J. Grimm kl. schr. 1, 1; oft im volkslied:
ihr träger, lasset die bahre stehn,
ich muss noch einmal mein liebchen sehn
F. M. Böhme volksth. lieder 133;
dann kommen bald die schwarzen träger
und tragen mich ins kühle grab
Frischbier 100 ostpreusz. volksl. nr. 61;
auch in den maa. vor allem in dieser bedeutung verzeichnet: Fischer schwäb. 2, 307; Hofmann niederhess. 240ᵇ; Hentrich Eichsfeld 54; Bauer-Collitz waldeck. 22ᵃ; Schambach Göttingen 47ᵃ; Mensing schlesw.-holst. 1, 853; vgl. trägermahl im steir. s. sp. 1127.
b)
auszerhalb der berufssphäre in mehr occasioneller verwendung, namentlich in literarischer sprache:
dô neigten sich gegen im die van,
und mahten daz nit understân
die trager, die si truogen
Walther v. Rheinau Marienleben 207, 5;
die fahne ging von hand zu hand, je nachdem ihre träger sanken Moltke schr. u. denkw. 3, 36; G. Keller 6, 312; depositor eyn dregher der spise Diefenbach nov. gloss. 131ᵃ; die träger (die den tisch hereintrugen) ... machten ihre possirliche spring umb den tisch Harsdörffer frauenz. gesprächsp. 2, 257; die vier lebendigen (eine gruppe von engeln) trugen den thron (gottes) ... genüge dich an dem gesicht, das dir die träger des thrones gaben Herder 26, 356 S.;
o! wenn sie doch ...
zu dem schweren topf gleich einen träger hätte
Gellert 1, 210;
erscheint er (Atlas auf einem bild) als gewandter träger der ihm anvertrauten einfachen oder zwiefachen last Gerhard akad. abhandl. 1, 19; naturgesetze, nach denen die umgestürzte fackel ... ihren träger verzehrt R. Schumann ges. schr. 1, 10; so auch in zahlreichen compositionen: licht- (liehtdragere acoliti ahd. gloss. 3, 180), kerzen-, laternen-, fackel-, speisz-, teller-, schüssel-, essen-, axt-. beil-, fahnen-, spiesz-, schlauch-, korbträger u. s. w. blasser, vgl. tragen III A 1 e: die ... arme erreichen, wenn sich ihr träger (gibbon) aufrecht stellt, den boden Brehm thierl. 1, 103; volkswahn, dasz in der behausung der abgeschiedenen der vormalige träger des schädels dem späteren inhaber sklavendienste leisten werde Peschel völkerkde 379. bildlich gern in beziehung auf das kreuztragen Christi, vgl. kreuzträger th. 5, 2200: Christus hat jetzt viel liebhaber seines himmlischen reichs, aber wenig trager seines creutzes J. Arnd Thomas a Kempis (1631) 57;
du gottes sohn, du menschenlust,
du träger aller bürd und last
P. Gerhard in Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 3, 411ᵃ.
sonst: wie bistu schöner engel zu einem träger des sündensacks worden J. Böhme (1620) 4, 229; ihre (der wissenschaft) last will zuweilen ... von den händen aller, damit ... der träger nicht strauchle, gehoben sein J. Grimm kl. schr. 7, 573. vom menschlichen körper:
we dat de sele den licham drage,
de bynnen is ind he buyssen alle dage ...
ind mich duncket bas sijn dreger
der van en buyssen ind haldenspleger
pilgerfahrt d. träumend. mönchs 6143 Mejboom;
(man) suchte ... dem geiste ... das übergewicht über seinen sündhaften träger zu geben Büchner kraft u. stoff (1856) 26. selten von thieren: ich suchte mir einen viel stattlichern träger (lastesel) aus Göthe I 24, 26 W.;
auf seinem (des hundes) rücken liegt ein kind, ...
die hände hat es eingeklemmt
in seines trägers rauhe ohren
A. v. Droste-Hülshoff 2, 58 Schücking.
auf waffen, kleider, schmuck, haare u. ä. als object bezogen, vgl. tragen III C: obzwar diese waffen (der küris) ihren träger vor feindlichen büffen zubeschützen erfunden worden Grimmelshausen Simplic. 179 Kögel; andere feinere waffen ..., besonders kostbare degen und schwerter, deren abbilder man auf manchem bildnisse ihrer ehemaligen träger wieder erkannte G. Keller 3, 173; vgl.waffen-, degen-, schwertträger u. ä.; er ... einen weiten dunkelgrauen radmantel trug ..., der seinem träger ein edles und romantisches aussehen lieh G. Keller 5, 11; diese (schutzmaszregeln gegen gas) bestehen ... in groszen schutzpäckchen mit binden ..., eine einrichtung, die ihre träger ... gegen die wirkung des gases zu schützen scheint Knieling-Bölsche res. inf.-reg. 234, 159; eyn costel steyn, synen dregher gracioes makende achates v. d. Schueren Teuthonista 192ᵃ Verdam; tr. des edelsteins Hebbel (1891) 7, 153;
o du trager gottes kron (kaiser Ferdinand III.)
Wasserhuhn kauffenster (1644) 8;
das prestige der preuszischen krone und ihres trägers Bismarck ged. u. erinn. 1, 77 volksausg, vgl. kronenträger; einem geheimen rat und träger des ordens pour le mérite Varnhagen v. Ense tageb. 5, 227; (das amulett) macht sein trager glückhafftig Paracelsus opera (1616) 2, 571 Huser; dem pflantzten har, das uff dem houbt sinem trager so werd ist buch der beispiele 12 lit. ver.; tr. der bartzier Auerbach (1857) 3, 127. auf gleicher linie: geschwülste, die ... oft 10-20 jahre lang bestehen ..., ohne dasz sie ihren träger bedeutend belästigen Sömmerring v. baue d. menschl. körpers 8, 1, 196.
c)
mit abstractem genetivobject; dem sinnlichen bereich (vgl. lator treger der briff Diefenbach gloss. 320ᶜ) noch nahe bleibt träger einer botschaft, einer kunde: du wirst nit ein trager einer guͦten botschafft (boni nuncii baiulus) erste dtsche bibel 5, 203; die (die menge) die unschuldigen träger der botschaft ... die schreckenskunde entgelten liesz Mommsen röm. gesch. 2, 27; dasz die antwort betreffend er derselben träger selbst seyn wolle (le porteur) Dhuez le vray guidon (1646) 296; neben der heiligen gab es eine profane tradition, deren träger seltsamerweise in die untersten schichten der gesellschaft eingereiht wurden Ratzel völkerkde 2, 131; vgl.lugetragere ahd. gloss. 3, 142 Steinm.-Siev.; mären-, märleinträger th. 6, 1624 und 1659; geschichtenträger th. 4, 1, 2, 3866. entsinnlichter, im sinne von tragen III D, und einem bloszen inhaber, pfleger u. ä. gleich, mit dem es zuweilen in synonymischer verbindung steht: der eigentliche träger und bewahrer der gesänge war das volk Gervinus gesch. d. deutschen dicht. (1871) 1, 49; die innehaber dieser ämter waren ... die träger und pfleger des fas R. v. Jhering röm. recht 259; Steffens was ich erlebte 5, 147; Holtei erz. schr. 6, 9; sie (die juristen) gaben sich für die träger und verwalter der gerechtigkeit aus Gotthelf schuldenbauer 179; die Cistercienser waren die vornehmsten träger der verehrung der jungfrau Maria Ranke 25, 14; Lessing, Fichte, Rietschel ... jeder in seiner weise ein träger der besten deutschen tugend, der wahrhaftigkeit Treitschke hist. u. polit. aufs. 1, 114; wohlwollen und liebe können nicht gehegt werden, ohne den träger selbst zu veredeln G. Keller 1, 38. auch in übertragung auf leblose subjecte: die blosze menschliche gestalt ... wird ihm (dem menschen) am leichtesten zum träger des göttlichen, wenn in ihrem ausdrucke sich dieses göttliche spiegelt Stifter 14, 216; dasz mit diesen trägern der erinnerung (der correspondenz) auch die erinnerungen selbst hinschwinden würden Fontane I 5, 288; die atome, die doch nicht träger einer höheren einheit sein können Lange gesch. d. materialism. 405; das geheimnüss der natur der drey principien als träger der geformten weiszheit gottes J. Böhme schr. (1620) 2, 463; da leiht ihnen der teufel den sinnlichen genusz als träger des übersinnlichen A. v. Arnim 15, 31 Gr. als besondere anwendungen heben sich heraus: träger des amts, der würde, macht u. ä.; bereits im 16. jh.: papstlicher und ander geystlicher gwalt steet nit an iren personen als der gwalt trager, sonder in Cristo Berthold v. Chiemsee tewtsche theol. 633 Reithm.; O. Geszler die träger der reichsgewalt 1931 (titel); wir leben in der unumschränktesten monarchie ... der träger der obersten macht ist alles bei uns Immermann 6, 165 Boxb.; mit den patricischen ämtern war es ein ganz anderes, da ihre träger in das decemvirat übergehen konnten Niebuhr röm. gesch. 2, 352; träger und inhaber der höchsten würde der christenheit Ranke 1, 250, vgl. würdenträger (z. b. Scherer kl. schr. 1, 709). träger des namens, titels: wo fünfundzwanzig familien Müller oder Schmied in derselben stadt wohnen, macht solch ein name seinen träger fast namenlos H. W. Riehl dtsche arbeit 151; viele Deutsche, träger berühmter namen Sven Hedin Bagdad (1918) 142; träger des kaisertitels Bismarck ged. u. erinn. 2, 139 volksausg. träger der kunst, wissenschaft, bildung, kultur u. ä.: dasz er (der buchhändler) kein gewöhnlicher händler sei, sondern 'träger der wissenschaft und geisteskultur' K. Bücher dtsch. buchhandel³ 49; er ehrte beide (kunst und wissenschaft) in ihren trägern und betrachtete den gelehrten und künstler nicht wie einen gewöhnlichen beamten Hoffmann v. Fallersleben 7, 178; das rittertum ... wird der träger der internationalen bildung Scherer litt.-gesch. 66; mit allen damaligen trägern der intelligenz Berlins J. Fürst H. Hertz (1858) 42. träger der idee, gedanken, bestrebungen u. ä.: diese ideen ... durch einen träger vertreten A. Grün 5, 167; das volk, der lebendige träger der rechtsidee R. v. Jhering röm. recht 2, 1, 148; diese träger eines neuen ... parteigedankens v. Bennigsen nationallib. partei 14; träger dieses (gleichgewichts-)prinzips H. Brunn kl. schr. 2, 108; Lachmann ... ein philologischer träger jener richtung auf das individuelle Scherer kl. schr. 1, 109; träger der hierarchisch-feudalen bestrebungen Wackernagel-Martin lit.-gesch. 2, 469; träger der maritimen intentionen Ranke 30, 288; die träger dieser bewegung waren die Parther Mommsen röm. gesch. 2, 60. gelegentlich mit einem rest der sinnlichen vorstellung: der groszhandel, von jeher der träger der culturideen durch den ganzen orient Ritter erdkde 1, 460. im literarischen bereich spricht man vom träger der handlung, fabel, geschichte u. ä.: von der corruption aller verhältnisse ... werden (im Figaro) sämtliche träger der handlung ... berührt O. Jahn Mozart 4, 205; G. Freytag 14, 21 u. ö.; der bär ist ... dritter träger der thierfabel J. Grimm Reinhart fuchs liii; das komische heldengedicht ..., das ... im fünfzehnten jahrhundert die bauern zu seinen trägern wählte Scherer lit.-gesch. 406; der träger dieser kleinen geschichte ist kein andrer als unser — Franz Defregger Rosegger I 6, 395; kein anderer (charakter) hätte sich so gut zu einem träger der begebenheiten geschickt Schiller br. 5, 12. für sich steht trager der ee als übersetzung von legislator: keiner under den tragern der ee erste dtsche bibel 7, 223 (Hiob 36, 22); auch in den Augsburg. bib. (15. jh.) Jak. 4, 12, s. Fischer schwäb. 2, 308; o herre, schick den trager der e über sy bei Birlinger schwäb. 121; vgl. legifer rechtsprecher vel trager (a. d. anf. d. 15. jhs.) bei Diefenbach 322ᶜ; o herr, unser richter und unser eetrager bei Birlinger vgl. tragung der ee unten sp. 1166 sowie ahd. eatrago legefer gl. 1, 620, 43; legislator edrager Folz meisterl. 57, 67 M.; den eobringen Notker 2, 27, 11.
2)
in der rechtssprache ist träger der vormund, stellvertretender lehnsträger, lehnsvertreter. auszugehen ist von der bedeutungsvorstellung: derjenige, der die juristische verantwortung für eine unmündige person oder die juristische verpflichtung bei einem lehen für einen lehnsunfähigen oder für die gesamtheit der lehnstheilhaber trägt. träger ist also ein verkürzter ausdruck, vielleicht für ursprüngliches mhd. triuwetragære, das zuerst 1309 als 'stellvertretender lehnsträger' in den monum. Zoller. 1, 122 bezeugt ist, d. h. fast gleichzeitig mit dem ersten beleg für träger in dieser verwendung (1302 in monum. Boica 18, 40). dafür spricht, dasz treu(s)träger bis in die moderne zeit neben träger steht und dasz sich öfter nähere bestimmungen wie mhd. getriuwe, in getriuwer hant bei tr. finden, s. Fischer schwäb. 2, 307; Schmeller-Fr. 1, 653 und die unten folgenden belege. möglicherweise kommt eine beeinflussung durch lat. baiulus hinzu, das in mlat. urkunden häufig im sinne von tutor, curator begegnet, s. du Cange - Henschel (1883) 1, 526ᶜ; J. Grimm rechtsalterth. 1, 640. heute mit der sache im aussterben begriffen; im schwäb. noch die sprichwörtliche redensart dem braucht man keinen trager (aufpasser) setzen ('er ist schon selber ständig') Fischer 6, 1763, aber selbst im Allgäu, auf das im schwäb. diese anwendung von tr. in moderner zeit beschränkt ist, heute veraltet, s. ebda 2, 308; Reiser sagen des Allgäus (1902) 2, 741.
a)
vormund, curator, tutor: die minderjärigen mögen on ir trager weder burgerlich oder peinlich clagen U. Tengler der neu layenspiegel (1518) 7ᵇ; 1225 ist herzog Ludbig trager worden des jungen küng Hainrich des anderen V. Arnpeck s. chron. 510 Leidinger; meist neben synonymen wörtern: so solten die vorgnanten dry ... der selben miner erben vormunt sin und trager in getriwer hant (1337) monum. Boica 40, 109; von bemelter person tragern genant testamentarii (überschrift). es werden also offt vormunder, gerhaben, trager und in latein tutores oder curatores, fürpfleger genant U. Tengler d. neu layenspiegel (1518) 11ᵃ; s. auch 12ᵃ; Jorg Tanhauser zu Ynning als verorndter trager und gerhab der verlassen khind seines schwagern altbaier. landst. freibr. cccxxxvi note 980 v. Lerchenfeld; in disem vall, wo man in kaufen, verkaufen, tauschen ... mit unvogtpern kinden handln soll, ... so soll man die durch freund und ordenliche herschaft mit gewaltigen gerhaben oder mit versorgern, tragern, vormunden, beistand und verantwurtern notturftiklich versechen (1565) österr. weisth. 1, 211; s. auch: den trager des wybs (istum patronum mulieris) mit der glosse: in etlichen orten spricht man pleger, an etlichen vogt Terenz deutsch (1499) 124ᵃ; vgl. mittrager mitvormund Schmeller-Fr. 1, 654.
b)
stellvertretender lehnsträger, d. h. derjenige, der beim erwerb eines rechten lehens durch einen lehensunfähigen für diesen das lehen empfängt, vgl. R. Schröder rechtsgesch.⁶ 1, 430 und 438: daz wir (graf Rudolf v. d. Pfalz) für uns und unsern liben bruder Ludwig des hofs ze Teumenhausen ... trager (für einen ordensconvent) und schermar sein (1302) monum. Boica 18, 40; (1325) ebda 9, 154; B. Pf. den hof dem hailigen sant Niclausen ze Richenbach erkouft haut, der ouch ietzo der hailgen trager ist und es (das lehen) ouch an der hailgen stat von uns enpfangen haut (1403) monum. Zollerana 1, 387; daz si siner kinde dez lehens getriwe trager sulen sin (1338) ebda 3, 42; dasz der spital das gericht haben sölt ... und dasz sölich gericht lehen von dem gotzhus sin und ainen besondern trager haben solte J. v. Watt dtsche histor. schr. 2, 297 Götzinger. oft in trägers weise formelhaft im sinne von als träger: ... hat mir die ... lehen gelihen als ainem getrüwen trager (für seine ehefrau) und in tragers wise und mit worten und mit handen (1391) urkdb. der stadt Stuttgart 64 Rapp; sulchen tzehendt hat der alt Cuntz ... dem gotzhausz in tragersweisz empfangen (zwischen 1427 und 1431) monum. Boica 47, 310; s. auch (ca. 1427) ebda 47, 337; dieselben lehen den vorgenanten kindern getreuwelichen in tregers wise vorzutragen (1433) bei H. Chr. v. Senckenberg samml. von ungedruckten schr. (1745) 3, 319; Jerg Boller anstat und in namen Henslins und Magdalenen, Bärtellis Kanczlers säligen kind und in tragers wise der selben kind ... wir ... haben im die selben guͦt an stat und in namen der obgenanten kind und alz einem trager der selben kind gelúhen (1481) monum. Zollerana 1, 436; (1475) quell. z. Schweizergesch. n. f. II 1, 144.
c)
bei einem getheilten lehen der vertreter, vertrauensmann aller theilhaber; zuerst bei erblehen der älteste bruder, dann einer der lehnstheilhaber, der von den andern als ihr vertrauensmann aufgestellt ist, oft der älteste erbe oder der besitzer des gröszten antheils; er hat die abgaben von den mitbelehnten einzuziehen und sie dem grundherrn zu überbringen, vgl. Th. Knapp ges. beitr. z. rechtsgesch. (1902) 207 und neue beitr. 1 (1919) 116 u. ö.; R. Schröder rechtsgesch.⁶ 1, 437 und 445; in rechten wird ein träger genennet derjenige, der eine pflicht oder schuldigkeit, so mehrern oblieget, vor alle gesammt zu leisten übernimmt Beier-Struve (1722) 433ᵇ; Krünitz (1845) 186, 596; auch voll-, lehns-, gültträger, treuhänder, salmann, sammler, einsammler u. ä. genannt, s. Fischer schwäb. 2, 307: und mogend iren kindern geben die guͦter, ... also doch, das der eltist trager sye der guͦter ze hof und den zins geb von denselben guͦttern (1415) weisth. 1, 321; form, wie sich einer umb iärlichen zins, den anderlüt zegeben pflichtig sint, zetrager verschribt ... Riederer spiegel d. war. rhetor. (1493) x 4ᵃ; H. R. zuͦ Sch. ... hat den junker gebeten, diese teilung gutzuheiszen und verpflichtet sich als trager für den gesamten zins (1573) Aargauer urkden 2, 82 Merz u. ö.; auch hat das closter daselbst vierundzwanzig huebe ... so ein träger stirbt, ist er schuldig ein fal. wo aber ein hueb kein träger hat, so gibt jede person einen fal, die tail an der hueben haben (1476) badische weisth. 1, 1, 96 Brinkmann u. ö.; vgl.: trager 'einer, der bey einem vertheilten lehen- oder bodenzins die lehen- oder bodenzinse einzuziehen verpflichtet ist' Stalder schweiz. idiot. 1, 294; träger 'hieszen früher die berainseinzüger' (berain heiszt das verzeichnis der bodenzinsflichtigen grundstücke oder die zinspflichtigen stücke) Seiler Basel 82ᵇ; dazu trägerrodel, das vom träger anzufertigende verzeichnis der einzelnen schuldner Staub-Tobler schweizer. idiot. 6, 614; s. auch trägerei, trägereibrief, -zettel.
3)
von dingen. occasionell, bes. literarisch, kann alles, was irgend etwas trägt, als träger bezeichnet werden, z. b.:
... die wolgesenkten träger (= lastkrähne)
der weitgeholten lasten
Richey bei Weichmann poesie d. Niedersachsen 3, 77;
die ... träger (rohrstengel) dieses nestes (des teichrohrsängers) sind mit den materialien ... fest umwunden Naumann naturgesch. d. vögel 2, 2, 625; sie (die festen theile des menschlichen körpers) sind nichts als gefäsze, hüllen und träger des ... safts, durch den wir genieszen und leben Herder 13, 253 S.; er nimmt an, dasz faltenreiche verlängerungen der decidua serotina ... die träger des capillargefäsznetzes der uteringefäsze seyen Sömmerring v. baue d. menschl. körpers 7, 140; die erde als planet der mütterliche träger des ganzen menschengeschlechts Ritter erdkde 1, 56; der wohnungs- und wegeboden erscheint unmittelbar nur als der träger der menschen selbst handwb. d. staatswiss. 4, 800. speciell von einzelnen bestimmten gegenständen, z. th. noch functionell, zumeist aber als feste benennung:
a)
in der botanik und zoologie; für stilartige pflanzentheile: drey honigbehältnisse ... sitzen auf ... trägern allgem. dtsche bibliothek 30, 5; die ähren (des hexenbärlapps) stehen paarweise ... auf einem langen locker beblätterten träger Schlechtendal flora v. Deutschl. (1880) 1, 173; mehrere blasen oder bälge (sind) durch einen stock oder träger ... vereinigt, wodurch sie (die blütenpilze) das ansehen gestielter pilze erhalten Oken allg. naturgesch. 3, 90. insbesondere: 'filamentum, der staubfaden oder träger, der untere meist stilartige, oft fädliche, zuweilen aber auch verbreiterte theil des staubgefäszes, welcher die anthere (staubbeutel) trägt' Bischoff wb. d. botan. (1839) 77; 'träger, podetium, ein stielartiges gebilde im lager der flechten' Behlen forst- und jagdkde 6, 80. — träger, trägel 'der erste halswirbel (atlas), der nach früherer vorstellung den kopf trägt' Höfler dtsch. krankheitsnamenb. 744ᵇ; Behlen lex. der forst- und jagdkde 6, 79, dazu das compos. trägermuskel, vom träger kommender muskel: so kömmt der hintere innere kopf und trägermuskel von der rauhigkeit am hintern bogen des trägers ... Campe 4, 857ᵇ; laden (s. th. 6, 38), träger, lager, bühler der theil im pferdemaul, auf dem das mundstück liegt Nemnich wb. d. naturgesch. 344; Höfler a. a. o.in der österreichischen weidmannssprache 'der hals des rotwildes', s. zs. f. dtsche wortf. 9, 61: hellrot streckt sichs vor dem weidmann im grase und verendet, den träger unter den leib gebohrt R. H. Bartsch frau Utta (1915) 142.
b)
traggeräte oder haltevorrichtungen mannigfacher art: gerula krug oder treger Diefenbach nov. gloss. 191ᵇ; die furckeln und hefftel werden an der wand auff trägers hin geleget v. Fleming jäger 1 (1719) 238; vgl. das tragerl 'kleines hölzernes traggestell für biergläser in gasthäusern' Unger-Khull steir. 165ᵃ; bei den schieferdeckern ein gerät, um die schiefer darauf zu legen Jacobsson technol. wb. 4 (1784) 422ᵃ; am wagen querholz, brett oder balken Kisch nösn.-siebenbürg. 59ᵇ; Hunziker Aargau. 57; Fischer schwäb. 6, 1763; Mensing schlesw.-holstein. 1, 853 oder eisenband Fischer a. a. o.; 'stück holz zum nachhauseschaffen einer tragete' (traglast) Martin-Lienhart els. 2, 745ᵃ; im seewesen trager der ruderpinne das die ruderpinne haltende eisenstück (bolzen oder kramp) Röding wb. der marine 2, 801; beim saiteninstrument der steg, auch steffen (s. th. 10, 2, 1372) oder balken (s. th. 1, 1090):
lasz sie (die saiten) bis hinunter gan,
da du den treger findest stan,
welcher gnant wird der steffen
M. Agricola musica instrum. 200 Eitner;
in der buchdruckerei 'ein dicker span, welcher an demjenigen orte der columne, wo die lettern allzu scharf herauskommen, mit kleister aufgepappt wird' Jacobsson technol. wb. 8, 3. weiterhin schulterbänder verschiedenster art, die ein kleidungsstück halten, speciell vom hosen-, schurzträger: ein kleiner junge ... ein hemd und ein höschen, mit einem träger querüber festgehalten, bildete seine ganze bekleidung Anzengruber 2, 39; s. auch Fischer schwäb. 2, 307; dazu die composita trägerschurz, schurz mit tragbändern über der schulter Fischer schwäb. 2, 308;
trägerschürze
schürze mit achselbändern: drärschörte Block Eilsdorf 58; in der Schweiz trägerschäuben, f., genannt Staub-Tobler 8, 80; trägerrock, -kleid für frauen u. ähnl.
c)
im bauwesen jeder zum tragen dienende bautheil aus stein, holz, und bes. aus eisen, zumeist ein wagerechter balken, der auf zwei oder mehr stützen ruht, doch auch ein senkrechter stützender pfeiler, s. Schönermark - Stüber hochbaulex. (1902) 827; der wagerechte wird auch durchzug (s. th. 2, 1720), dolme (s. th. 2, 1220) genannt, s. Hartig forstl. convers. lex. 205, oder zwerholtz, zwerchholtz Harsdörfer teutsch. secretar. (1656) 1, 473; Gueintz rechtschreib. (1666) 34 und als deckenbalken glossiert mit lacunar, laquear ein balck oder träger Faber thesaurus (1587) 429ᵇ; gespan, balck, träger interstitium tignorum ein fach oder unterscheid oben an der decken lacunar, laquear Henisch (1616) 1565. für den senkrechten erscheint als synonymon und glossierung: tigilla sunt ut pile, stile, parastate etc. sulen, band, treger Diefenbach nov. gloss. 364ᵃ; columen ... ein träger an einem gebäu Corvinus fons latin. (1646) 214:
du (balken) magst dich hindern ohrn wol krawen,
wenn dich die zimerleut behawen,
zum treger oder stender machen:
so tregst, das dir der halsz musz krachen
B. Waldis Esop 1, 264 Kurz;
das tragwerk (einer brücke) besteht aus tragebalken (träger, streckbalken) v. Alten handb. 2, 563; in der kirche sind aufgestellt ... als träger 106 (säulen) Raumer gesch. d. Hohenst. 6, 530; die (luftschiff-)hallen ... sind explodiert. die ungeheuren träger knicken wie streichhölzer zusammen Hamburger fremdenblatt nr. 13 (13. 1. 1931) 3. auch das aufrechtstehende stück im sparrenwerk des daches Jacobsson technol. wb. (1784) 4, 422. bei maschinen: die retorten ... ruhen auf ... breiten trägern Muspratt chemie 5, 402. allgemeiner 'stütze', an bildwerken: tiefer, als es der umfang der hand erlaubet, die nicht frey stehen kann und einen träger (support) haben müszte. was für einen träger hätte er ihr geben können? ... keinen andern als den eignen arm Lessing 10, 367 L.-M.; einige statuen waren ... unten als träger der armlehnen angebracht H. Meyer gesch. d. bild. künste 1, 16. bildlich und übertragen: das gottliche wort ... ist der grundtstein oder der balck und treger Luther 33, 652 W.; spricht er, die engel müssen sie (die welt) heben und tragen, sonsten fiele sie nieder, so sprich, so ist gott nicht ein vollkommener bawmeister, das er könte die welt ohne träger hinsetzen V. Weigel lib. disput. (1618) 39; dasz dieses grosze werk der neuen zeit (das system Alexanders) in sich fest und vollendet dastand, so dasz das gerüst und die stützenden träger seiner gründung hinweggebrochen werden konnten Droysen Alexander d. gr. 517; blasser: die wile das sü (die priester in der alten e) under fünfzig joren worent, do worent sü trager (nachher hüter) des tempels mit arbeiten der uͤbunge Tauler predigten 423 Vetter; das verhältnisz Guizots zu den beiden ... trägern des staates (generale und ministerpräsident) Heine 6, 227 E.; der träger des alten testaments, der seher und mann gottes, Moses E. M. Arndt 1, 250 R.-M.
4)
in der physik spricht man vom träger des lichts und der lichtwellen; occasionell schon bei Herder: in sanften strömen flöszet das licht sich fort und findet allenthalben seinen homogenen träger, die himmlische aura 23, 538 S.; ebenso vom träger des schalls und der schallwellen: der träger der schwingungs- und wellenbewegung kommt (in der physikalischen akustik) wesentlich in betracht F. Auerbach akustik (1909) 2; vgl. trägerin. neuerdings auch: träger, von Lenard vorgeschlagene bezeichnung für elektrisch geladene atome oder moleküle, also für ionen und elektronen Berliner-Scheel physikal. handwb.² (1932) 1254ᵃ; vgl. leiter.
5)
in der musik träger der melodie: den träger ... der reinen melodie lernten wir im ... harmonischen orchester erkennen R. Wagner ges. schr. u. dicht. 4, 191; (die alte tanzart) war fähig, träger des wortes und der melodie zu sein F. M. Böhme gesch. d. tanzes 51; ähnlich: auch scheint es mir, als ... ob die singstimmen ... nur als die abstrakten träger der contrapunktischen ausführung behandelt seien O. Jahn Mozart 1, 512. anders und nur als term. techn. im brauch, vgl. tragen II A 2 b: das portamento oder der träger C. D. Schubart ges. schr. 5, 295; der erste, der colorit ins clavicord brachte, der das schweben und beben der töne, den träger, eine art von mezzotinto ... erfand ebda 5, 185; die sanften übergänge, die träger und mitteltinten ders. ästh. d. tonkunst 118 u. ö.; gewöhnlich portament Riemann musiklex.⁸ 865ᵃ.
6)
vereinzelt in der geometrie: die geraden linien, die vom brennpunkte bis zum umfange der krummen linie (d. i. einer parabel) gezogen werden, heiszen die träger (radii rectores) Bürja gröszenlehre (1799) 1, 85, wohl übertragen von 3 c.
7)
zusammensetzungen mit träger- als erstem bestandtheil finden nur mit substantiven statt; schon seit dem 14. jh. in der bedeutung 1 a 'lastträger' (vgl. trägeramt [1394], -knecht [1445], -lohn [1447], -meister [1461], -kleid [1592]) und vereinzelt seit dem 16. und 17. jh. im bauwesen in der verwendung von 2 c (vgl. trägerzeug [1582], -karn [1634]) bezeugt, entfalten beide gruppen, bes. die bautechnische, erst im 19. jh. die fülle occasioneller und fachsprachlicher bildungen, aus der hierunter eine beschränkte auswahl folgt:
trägerabstand
eine decke ... erhält I-träger, normalprofil 14 bei 1 m trägerabstand Schönermark-Stüber hochbaulex. 341;
trägeramt
(ca. 1394) so soll an dem heiligen feiertage kein treger noch bierspunder tragen oder laden noch anderley arbeit thun, die da angehoret dem tregerampt bei verlust einer halben mark monumenta histor. Warmiensis 5, 256;
trägerart
je nach der anzahl und anordnung der auflager und scheiben unterscheidet man verschiedene trägerarten (wie balken, bogen, ketten, gelenkträger, kombinierte träger etc.) Lueger 7, 694 und ff.;
trägerbelastung
dieses gitterwerk (einer brücke) wird bei totaler trägerbelastung gar nicht beansprucht Karmarsch-Heeren 2, 90;
trägercolonne
da die landesproducte aus norden und süden ... durch lange trägercolonnen nach D. gebracht werden Soyaux aus Westafrika 2, 17; das ... sanitätspersonal kann ... durch trägerkolonnen verstärkt werden v. Alten handb. 1, 46;
trägerebene
diese trägerebene ..., welche bei berücksichtigung des eigengewichts nur eine vertikalebene sein kann Lueger 7, 694;
trägerfläche
indem (in den trägern für die decke aus cementbeton mit eisenstabeinlagen) die eisenstäbe auf halber trägerlänge ziemlich nahe der unteren trägerfläche liegen, während als druckfestigkeit an der oberen trägerfläche die im cement genügt Schönermark-Stüber 334;
trägerform
der verlauf der begrenzung oder axe gibt veranlassung zur unterscheidung verschiedener trägerformen (als parallelträger, dreiecks-, trapez-, parabel-, halbparabelträger usw.) Lueger 7, 694; 2, 567;
trägergebühr
trägergesellschaft
die Schwarzwaldindustrie ... verdankt ... trägergesellschaften ihren ursprung handwb. der staatswiss. 3, 808;
trägerheer
indem erschien in langen reihn
ein trägerheer. man trug herein
viel kistchen, kästchen, schächtelchen
Zachariä hinterlass. schr. 64;
trägerkarn
sarracum ein wagen zu bawhöltzern, ein trägerkarn nomenclator lat.-germ. (1634) 371;
trägerkleid
eine grosze verrheterey zu Dantzig ... hatten auch allbereit nicht wenig knechte des ordens bey sich in der stad heimlich, die sie in bosmans- (matrosen) und tregerkleidern bey wenigen unvermercket hineingebracht M. C. Schütz hist. rer. Prussic. (1592) 7. buch n 6ᵇ;
trägerknecht
(ordnung der salzmesser 1445) dat geyne dragerknechte eynche secke mit saltz achter sich neymen verfassung u. verwaltung der stadt Köln 2, 314 Stein; den dregerkneichten (1446) ebda 2, 316;
trägerlast
eines tages war jemand (von den negern) in sein (des weiszen) lager eingebrochen und hatte mindestens eine trägerlast waren gestohlen tägl. rundschau 1905 unterh.-beil. 294ᵃ;
trägerlohn
s. u. sp. 1129;
trägermahl
'schmaus nach dem leichenbegängnis, an dem vor allem die leichenträger teilnehmen' Unger-Khull steir. 165ᵃ;
trägermast
trägermasten für die elektrische beleuchtung tägl. rundschau 1902 nr. 416, 4ᵃ; zwei auf dem Tempelhofer felde stehende trägermasten der straszenbahn ebda 1904 nr. 346, 4ᵃ;
trägermeister
bei der feuerwehr, aus einer feuerordnung von Lübeck a. d. j. 1461 im handwb. d. staatswiss. 3, 852;
trägerquerschnitt
(bei einer brücke) wird in jedem trägerquerschnitte der eine gurt auf 'zug', der andere auf 'druck' beansprucht Karmarsch-Heeren 2, 81;
trägerreihe
reihe kleiner bogen in der baukunst, bogenfries Hoyer-Kreuter 1, 772;
trägerruf
der hämmer klapperschall, was vieh und karren treibt,
verkauf- und trägerruf und was noch übrig bleibt
Heräus bei Gottsched vers. e. crit. dichtk. 331;
trägerschwelle
oberschwelle einer säulenwand Mothes illustr. baulex. 4, 363; Hoyer-Kreuter 1, 772;
trägertrupp
immer wieder kommen trotz des feuers trägertrupps zu uns (in die vorderste kampflinie) mit material und hindernis ... die trägertrupps nehmen (an verwundeten) mit zurück, was sie nur eben schleppen können Knieling-Bölsche res.-inf.-reg. 234, 289; 292;
trägertuch
tuch für träger zum tragen von tragballen, a. d. j. 1793 belegt bei Unger-Khull steir. 165ᵃ;
trägerwechsel
(beim transport einer todtenbahre) mit hilfe häufigen trägerwechsels war es doch möglich, in ... raschem marschtempo zu bleiben Fontane I 6, 114;
trägerwesen
wäre ein trägerwesen zur nahrungszufuhr organisiert gewesen Behrmann im stromgebiet des Sepik 84; tägl. rundschau 1897 nr. 301 b;
trägerwiderstand
die träger (der eisernen brücke) selbst werden nach verschiedenen hauptsystemen, welche mit der art des trägerwiderstandes im zusammenhange stehen, eingetheilt Karmarsch-Heeren 2, 80;
trägerzeug
s. sp. 1130.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1932), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 1118, Z. 67.

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Zitationshilfe
„trägerquerschnitt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tr%C3%A4gerquerschnitt>, abgerufen am 20.09.2021.

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