Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

trallern, trällern, vb.

trallern, trällern, vb.,
eine melodie ohne worte singen, meist mit trala (vgl. sp. 924); onomatopoetische bildung von diesem schallwort; ablautend zu trillern empfunden, vgl.: hörte der jüngste bruder Trilltrall die vögel im walde so trillern und trallern C. Brentano 2, 156 Morris. trällern zuerst 1742 bei J. J. Schwabe belustig. (s. u.) bezeugt, ohne umlaut trallern zuerst 1759 im polit. hanswurst 27 (vgl. klempern neben klampern th. 5, 1143 oder kläppern neben klappern th. 5, 975). beide formen im 18. jh. gleich häufig. im 19. jh. stirbt trallern in der schriftsprache aus (noch bei Brentano 2, 156 u. 410; Göthe Faust 7175; Böhme gesch. d. tanzes 1), vereinzelt noch mundartlich tralrn Göpfert sächs. erzgeb. 42. von trillern unterscheidet sich tr. durch die wesentliche beschränkung auf die menschliche stimme (s. u.) und dadurch, dasz die töne nicht auf zwei nebeneinanderliegende beschränkt sind, ihre lage nicht so hoch und ihre folge nicht so schnell ist, vgl. Maas-Eberhard synon. (1818) 5, 93.
1)
intransitiv: dasz sie ... die karten mischen ... zwischen jedem stiche liebäugeln, plaudern, ... trällern J. J. Schwabe belustig. 2 (1742) 348; gegen singen abgesetzt:
singt ein kinderliedchen! singet:
macht ein tänzchen, hüpft und springet!
fehlt musik? wer trällern kann,
stimm ein lustig stückchen an
Chr. F. Weisze kinderfreund 1, 262;
Arabella schwieg, sang nicht, trällerte nicht Gutzkow 4, 151; nicht selten neben pfeifen, das ebenfalls eine melodie ohne worte trägt: wenn ich so pedantisch wäre und ihnen verwehrte zu trällern und zu pfeifen Rabener 2, 95; der offizier ... ging pfeifend und trällernd durch den garten davon Zschokke 20, 219; freudige stimmung ausdrückend:
ein armer schuster sang und trallerte vom morgen
bis in die nacht. entfernt von gram und sorgen
war stets sein herz, stets heiter sein gesicht
Chr. F. Weisze kinderfreund 2, 244;
die freude, die aus seinem auge blitzt und unbewusst ihn zum trallern reizt, belebt seinen gang F. M. Böhme gesch. d. tanzes 1; es verstummte ... so mancher von den fröhlich trällernden voltigeurs, als sie die höhe mit der schanze Cavallo erklommen hatten v. Gaudy 14, 128; lustiger trällerte es (das Barfüszele) noch nie durch haus, hof und stall Auerbach dorfgesch. 6, 184, oder ausgelassenheit:
er sang und trallerte wie toll,
dasz rings umher das feld erscholl
Zachariä hinterl. schr. (1781) 76;
da lief ein trupp im schauspielhause herum und schrie, sang und trallerte, dasz man kein wort von den schauspielern vernehmen konnte Schink theater zu Abdera (1787) 1, 27; der (kerl) aus vollem halse trallerte F. H. Unger Julchen Grünthal 133; als unterhaltung beim alleinsein: beim geräusch der schritte sah er sich um und hörte auf zu trällern Pichler marksteine (1874) 139; so vor sich (hin) trällern: sie trällert und brummt vor sich, indem sie auf ihre arbeit ... sieht Kotzebue 7, 166; und er (nachdem er lange lesend allein gesessen hatte) sprang auf und trällerte vor sich hin, um sich alles, was ihn ängstigte, fortzusingen Fontane I 6, 45. verächtlich, in uneigentlichem gebrauch:
wo aus der kehle, von den saiten
ein ton sich um den andern flicht.
das trallern ist bei mir verloren,
es krabbelt wohl mir um die ohren,
allein zum herzen dringt es nicht
(von der reimklingelei der romantik) Göthe 15, 118 W.;
er trallert als ein narr und läuft zum bauer hinein, voller entzückung den übergang der alliirten über den Rhein zu melden polit. hanswurst am Saalstrom (1759) 27; anstatt Franzosen können wir sicher sagen: trallernde sklaven — das beiwort paszt auf keine lebendige nation weiter als auf sie Schummel empfindsame reisen (1771) 1, 102.
2)
transitiv. aus 1 entwickelt; erst seit 1771 bei Chr. H. Schmid parterre 157 bezeugt, s. u.; für die form trallern nur selten belegt, s. u. den übergang mögen fälle folgender art erleichtert haben: ich trällere unwillkürlich: 'am Rhein, am Rhein, da wachsen unsre reben' Heine 3, 181 E.; 'probiren geht über studiren lalalalala' trällerte Agnes Auerbach (1857) 2, 187. mit objecten wie melodie, lied, tanz u. ä.: wenn der eine schauspieler ... ein lustiges liedchen trallert J. J. Engel schr. 7, 320;
so laszt uns jubeln. wollt ihrs liedchen
trallern, das ihr mich erst gelehrt?
Shakespeare 3, 88;
die gewohnheit, dasz ich, wenn mich etwas wurmte, ins freie ging und etwas trällerte. gemeiniglich trällerte ich die melodie ..., nach welcher das lied gesungen wird 'es lebe Leopold, der deutsche kaiser, hoch!' Salzmann Conrad Kiefer (1845) 26; er ... trällerte sein rheinisches lied H. Laube 8, 67; der heilige Michael trällerte den Dessauer marsch Kürnberger siegelringe (1874) 109; wir wollen den tanz wiederholen, den wir vor dem jahre auf ihrer hochzeit tanzten. jungfer Philippine mag ihn trällern Gellert 3, 429;
(sie) trällert eine menuet
Gotter ged. 3, 389;
eine putzmacherin sei eine art von ätherischem wesen, das ... fortwährend liedchen trällert Seidel Leberecht Hühnchen (1899) 172; von einer melodie, die man erst gehört hat und zu der man den text noch nicht kennt:
im bette trällern sie (die töchter),
so wie der morgen graut, die ständchenmelodie
J. D. Falk satiren (1800) 3, 32;
der ... die weise des liedchens, welches Sismunda vorhin gesungen hatte, zu trällern anhub Fouqué altsächs. bilders. 4, 202; er ... hub an, allerlei liedchen zu trällern, wie er sie von den knechten gehört hatte Rosegger I 1, 75; vgl.: der alte kuttenmann ... trällerte die melodien mit L. Richter lebenserinn. 1, 212; bes. etwas wohlgefälliges, eingängiges: tag und nacht trällere ich ihr leztes stück an unsre honette matrone, das doch ein gar überirdisches stück ist Cramer (1773) in briefe von und an Bürger 1, 80 Strodtmann; alles, was odem hatte, sprach, sang, trallerte, leierte und pfiff, wachend und schlafend, viele tage nichts als stellen aus der Andromeda des Euripides Wieland I 10, 169 akad.; auf den gassen zu Leipzig und in den schenken werden jetzt 'als ich auf meiner bleiche', 'ohne lieb und ohne wein' und andere gesänge aus Weiszens opern statt elender gassenhauer selbst von denen getrellert, die nicht wissen, woher sie sind Chr. H. Schmid parterre (1771) 157; vermögen die meisten komponisten gar keinen flotten tanz zu schreiben, der ... so in den ohren sitzen bleibt, dasz man ihn auf der gasse trällern hört Böhme gesch. d. tanzes 277. occasionell im sinne von lallen: mein oheim trällerte unverständliche worte vor sich hin Schreyvogel 1, 2, 129.
3)
nur gelegentlich ist tr. nicht auf die menschliche stimme bezogen: (ich) trällerte etwas auf dem klavier G. Müller a. d. Herderschen hause 83; er trällerte auf seiner pfeife dazu Bettine C. Brentanos frühlingskranz (1845) 53; von vögeln, mit trillern lautspielend, s. o.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1932), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 1174, Z. 14.

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Zitationshilfe
„trällern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tr%C3%A4llern>, abgerufen am 25.09.2021.

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