Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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trampel, m., auch f.

trampel, m., auch f.;
rückbildung aus trampeln.
1)
'ungeschickter, plumper mensch', meist von frauen gesagt. in neuerer zeit daher auch als fem. auftretend Fulda versuch 552; v. Klein prov.-wb. 2, 193; Schmidt westerwäld. 262; 269; Spiesz hennebg. 259; v. Schmid schwäb. wb. 135; Lexer kärnt. 67; Martin-Lienhart els. 758ᵃ; Fischer schwäb. 2, 314: der Spiegelschwab ging auf die zigeunerin zu und sagte: alte trampel! Aurbacher volksbüchlein 199; Brentano ges. schr. (1855) 8, 89. für gewöhnlich und seit alters masc., über ganz Deutschland mundartlich verbreitet, zur verächtlichen bezeichnung selten von männern, fast ausschlieszlich für plumpe, schwerfälige frauen niederer herkunft, z. b. bei Bernd Posen 318; Teuchert neumärk. 241; Meyer-Mauermann richt. Berliner⁹ 178ᵃ; Müller-Fraureuth 1, 237; Kehrein Nassau 1, 407; Reinwald hennebg. 1, 168; Crecelius oberhess. 287; Follmann lothr. 99ᵃ; Schöpf tirol. 751; Hügel Wien. 166ᵃ; Unger-Khull steir. 166ᵃ. zur verstärkung der pejorativen wirkung gern mit charakteristischem subst. componiert: misttrampel Stranitzky ollapatrida 303 Wien. ndr.; kuhstallstrampel Jecht Mansfeld. 113ᵇ; bauerntrampel Hertel Thür. 246; Kleemann nordthür. 23ᶜ; Fischer schwäb. 2, 314; dorftrampel Serz id. 32ᵃ. wegen dieser beschränkung auf die 'niederen sprecharten' in den älteren wbb. nur selten notiert Adelung 4, 1026; Kramer (1702) 1100ᵃ. literarisch daher nur in derber ausdrucksweise; in älterer zeit zur bezeichnung des ungeschickten, bäurischen benehmens eines menschen: wie sauber ist derselbe unsaubere kerl zu der thür hinausgeworffen worden, der ohne hochzeitliches kleid auf dem saal erschienen; der trampel hätte ja sollen ein hochzeitliches kleid anhaben Abr. a s. Clara etwas f. alle 2, 103; Isaac der vatter ein engel, Esau sein sohn ein pengel; Jacob der vatter ein lämbl, Ruben sein sohn ein trampel Conlin glückl. narrenfur (1725) 253; verallgemeinerter:
denn jeder tag ...
hat sein ertragenmüssen
der neidlinge und nüchterlinge,
der ... trottel und trampel
Liliencron s. w. (1896) 9, 155.
von anfang an besonders gern angewandt auf körperlich ungeschlachte, tölpelhafte, bäurisch ungebildete frauen: nennet der edelmann (seine nichtebenbürtige frau) ein grobe bäurische drampel Albertinus hirnschleiffer (1664) 503; zanckente eheleuth seynd in allen zuwider ... sie ist ein trampel und er ist ein bauer Neiner cur. tändlmarckt (1734) 88; schlieszlich bloszes schimpfwort: (Apoll zu Melpomene:) willst du dein maul halten, du trampel marionettentheater (1778) 188; Aurbacher s. oben. im 19. jh. gern als bezeichnung für dienstmädchen, die vom lande stammen: bin ohne kammermädchen. hab einen trampel nehmen müssen, eine latsche Holtei erz. schr. 22, 211; vgl. 28, 108; ein sauberer dienstbot kann auf jeden fall in Wien sein glück machen ... nur d'frauen sind nicht so gut; die rutschen gleich mit einem trampel oder mit so was heraus Raimund w. (1881) 3, 401;
ein trampel mit schwarzer hauben und korsettel vom land,
erscheint in acht tagen im salopp, wie vom stand
Meisl theatral. quodlibet 1, 30.
daher als halb scherzhaftes schimpfwort küchentrampel; vgl. ferner trampelgunde, sp. 1180; trampelthier 2, sp. 1183.
2)
'tritt', mundartlich auf ein kleines gebiet beschränkt Leihener Cronenbg. wb. 124ᵃ; Leithäuser Barmer wb. 159ᵇ; Elberfeld. wb. 164ᵃ. — 3) 'holzpantoffel, schwere stiefel' Müller-Fraureuth 1, 238; vgl. tramper 1, sp. 1184. — 4) s. trämpel.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1932), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 1178, Z. 59.

trämpel, trempel, m.

trämpel, trempel, m.,
zu trämpeln, s. trampeln. 1) wie trampel 1, s. Knothe schles. ma. in Nordböhmen 186. — 2) 'schar; trupp; menge' Hertel Thür. 246, neben trampel Müller-Fraureuth 1, 237. — 3) in der studentensprache 'fensterpromenade':
und wer sich läst die grillen treiben,
dasz er die gassen nunter schwäntzt,
ob etwan durch die fensterscheiben
ein weiszes jungferhäubgen gläntzt,
und meint, er habe durch den trempel
der liebespflicht genug getan,
der heiszt ... ein lauff- und pflastersteingalan
Chr. Weise grünend. jugend 13 ndr.;
ebenso liebestrempel ebda 64. vgl. trampelcharmante; -galan; trampler 1.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1932), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 1179, Z. 51.

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Zitationshilfe
„trämpel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tr%C3%A4mpel>, abgerufen am 16.09.2021.

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