Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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thräne, träne, f.

thräne, träne, f.
lacrima.
I.
Formelles.
1)
das anlautende tr ist wie in treu u. s. w. im germanischen unverschoben geblieben, s. t, 2 (oben sp. 1): alts. trahan (zu folgern aus dem plur. trahni, in den altnd. ps. contrahiert trâni, mnd. trân, plur. trâne), ahd. trahan drahan, trahen, contrahiert trân drân, mhd. trahen trân, trehen trên, plur. trahene trehene trêne, durchaus m., und mit diesem geschlecht auch noch nhd. bis ins 17. jahrh. nachweisbar; thran, thren, und schwachformig thrane, threne:
er liesz so manchen heiszen thran.
Ambras. liederb. 255, 42;
und lieszen heiszen thran (: hinan).
Ringwald ev. g 1ᵇ;
kein thren ist, der umbsonst von mannes augen fällt.
Opitz 2, 151;
und alle threne in gottes sack gefasset, das nicht einer sol .. vergessen sein. Luther 8, 344ᵃ; noch ist hie kein bischoff noch geistlicher, der ein threnen liesze für solche greszliche, hellische lesterung Christi. 5, 81ᵃ;
des mustu manchen tranen gieszen.
Dedekind christl. ritter (1590) 95ᵇ;
thran vom balsambaum. Zesen Assenat 115, schweiz. der trän tropfen Stalder 1, 296; bei Keisersberg noch in vollerer form der trehen, plur. die trehen Marie himelfart 12ᶜ. narrenschiff (1520) 211ᵃ.
2)
der mhd. plur. trêne ist schon im 15. jahrh. als femin. singular aufgefaszt und daraus ein neuer schwachformiger plural gebildet worden:
meine augen trenen gieszen.
fastn. sp. 935, 7,
woraus unser die thräne (früher trene, threne) entstanden ist, ein den oberdeutschen mundarten ungeläufiges wort: das Basler bibelglossar hat dafür zeher und treher (Kluge von Luther bis Lessing 89ᵇ), der cod. Tepl. trecher Luc. 7, 38. 44. offenb. 7, 17, Maaler 405ᵇ träher; schwachformig: die trähern sollen das lachen vertreiben. Ambach vom zusaufen (1544) D 3ᵃ; bair.-östr. der zächer, s. zähre.
3)
die eben genannte oberd. form treher träher entspricht dem mhd. traher treher, einer wol in anlehnung an zaher gebildeten nebenform von trahen, trehen, wie denn überhaupt trahen und traher (germanische grundform trahnu trahru) etymologisch von zaher (germanische grundform tahru) kaum zu trennen sind, s. zähre und Kluge⁴ 354ᵇ.
II.
Bedeutung und gebrauch von nhd. thräne.
1)
ein durch die thränendrüsen abgesonderter, aus den augen quellender, rinnender tropfen (s. thränentropfe) von schwachsalzigem geschmacke (s.thränensalz): wenn man das auge drückt, so gehen threnen heraus. Sir. 22, 23; besonders versteht man darunter die durch irgend eine gemütsbewegung verursachten thränen.
a)
als subject:
eine thräne (vgl. thränenpaar), die mir still den wangen entfiel.
Klopstock od., krit. ausg. 1, 33;
freude wurde meine thräne.
2, 8;
ihr helles aug umwölket eine thräne.
Uz 381 neudr.;
in diesem schlosz ist keine thräne (des mitleids) .. für uns. Klinger theater 1, 109;
da trocknete die thräne.
Göthe 9, 320 (nat. tocht. 3, 4);
eine thräne stand mir (beim abschied) im auge. 16, 51; hier fiel eine thräne — die lezte. Schiller 2, 390;
keine thräne flieszt hier mehr dem leiden.
11, 60;
auf der menschenwange, wo die thräne rinnt.
G. Keller ged. 1, 33;
dein ist das lächeln und die thräne mein.
F. Dahn ged., zweite sammlung 1, 298.
im plural: sie weinet des nachts, das ir die threnen uber die backen lauffen. klagel. 1, 2;
die thränen füllten mir oft beide lichter (augen) an.
Hofmannswaldau heldenbr. 10;
wo seufzer, klagen, thränen rollen.
Pyra u. Lange 53 neudruck;
izt entflossen thränen den augen des vaters. Geszner 1, 25; die thränen quollen stärker. 185; mir werden die thränen los, da ich dieses schreibe. Stilling jugend (1780) 100;
ach! wenn dich doch thränen erweichten!
Klopstock od., krit. ausg. 1, 76;
und thränen flieszen gar so süsz,
erleichtern mir das herz.
Göthe 1, 96;
thränen mischen sich in ihre lust.
1, 247;
thränen entquollen dem blick.
1, 268;
ihm standen thränen in den augen. 16, 123; mir kamen die thränen in die augen, ... meine thränen flossen. 140; die thränen liefen die wangen herunter. 107; meine thränen sind getrocknet. 115; seine thränen trockneten, seine schmerzen linderten sich. 17, 410;
ach die thränen rolleten auf und nieder.
Lenz ged. 229 Weinhold;
ein armer trost sind thränen
für eine mutter, der die tochter stirbt!
Schiller 6, 198;
aus seinen augen brechen thränen.
11, 307;
die thränen im auge reden.
Körner 89ᵃ;
schmerz und thränen sprachen aus den augen. Siegw. 1, 75.
b)
als object:
die seraphim sagen,
damals habe der ewige vater die andere thräne
still geweint. die erste weint' er, da Adam verflucht ward.
Klopstock Mess. 3, 38;
er schien keine thräne mehr zu haben, keines schmerzes weiter fähig zu sein. Göthe 17, 412; es hätte mich eine thräne gekostet. Schiller 2, 147; die erste thräne, die du der liebe weinst. 6, 306; Ferdinand weihte dem schicksale seines generals eine thräne. 8, 351. elliptisch:
kein wort! keine thräne!
Lenz ged. 55 Weinhold;
im plural: las dein schreien und weinen, und die threnen deiner augen. Jer. 31, 16; gott wird abwaschen alle threnen (ainen ieglichen trecher cod. Tepl.) von iren augen. offenb. 7, 17;
es ist, das meine thränen stillt.
S. Dach 319;
gott hat meine thränen gesehn.
Klopstock Mess. 2, 47;
sein treuer zeuge, das auge
weint', und verbarg nicht die thränen.
4, 239;
wo das auge des geliebten
seine thränen ausgeweint.
Bürger (1778) 245;
euer elend .. hat mir schon viel thränen ausgepreszt. Siegw. 1, 80; verbirg deine thränen! verbirg dein leiden! Klinger theater 2, 361; ein schauspiel, das tränen in deine augen lockt. Schiller 2, 115 (räuber, schausp. 3, 2); liebe hat thränen und kann thränen verstehen. 3, 131 (Fiesko 4, 14);
tränen, die die sanfte rührung gieszet.
1, 48;
wenn dieses auge tränen
verlernte, die es sonst geweint.
5, 1, 63 (don Carlos 2, 9);
die thränen erstickt' er gewaltsam.
Rückert Nal 257.
elliptisch:
(ich bete) tränen in den augen.
Lenz ged. 116 Weinhold.
c)
im genetiv (s. die zusammensetzungen), z. b.: sie enthielt sich kaum einer thräne. Engel 12, 338; ich habe der thränen nicht geachtet. Bettine br. 2, 305; sich der thränen nicht erwehren. Schiller 6, 173; der thränen balsam Schubart schriften (1830) 248, quell 1, 192, bach 2, 182 (s. bach 2), brunn Haller über den ursprung des übels 1, 170;
es rinnet der thränen
vergeblicher lauf,
die klage sie wecket
die todten nicht auf.
Schiller 11, 290;
und ungehemmt flieszt meiner thränen lauf.
G. Keller ged. 1, 29;
es regnet meiner thränen flusz
wie toll zu jeder stund.
2, 17;
es perlte seiner thränen flusz.
86;
voll, voller thränen (s. thränenvoll): du ... trenkest sie mit groszem mas vol threnen. ps. 80, 6;
sein augen stehn vol threnen.
Opitz 2, 117;
(als) nun die augen voll thränen wurden. Göthe 16, 83;
kaum konnt' er augen voll tränen öfnen.
Lenz ged. 62 Weinhold;
(blick) voll heller thränen.
Bürger (1778) 67;
die äuglein voller thränen.
G. Keller ged. 1, 83.
d)
im dativ, z. b.:
trotz thränen und jammer.
Körner 54ᵃ;
nunmehr liesz er seinen thränen freien lauf. Siegw. 1, 123; lasz mich ... meinen tränen den lauf lassen. Schiller 2, 53;
theures weib gebiete deinen thränen.
11, 8;
den tränen will ich widerstehn,
du engel sollst sie nimmer sehn
auf meine wangen flieszen.
Lenz ged. 118 Weinh.;
die mutter gab den thränen nach,
mit denen das die tochter sprach.
Rückert Nal 216.
e)
einige präpositionale fügungen:
dasz dein sarg an thränen mangel spürt.
Günther 606;
die wehmuth leget ihren zoll durch thränen ab.
Hofmannswaldau begräbnisged. 16;
er sieht mit einem blicke,
der sich durch thränen zwingt (s. thränenblick) noch einmal stumm zurücke.
Uz 265 neudruck;
das man einander durch .. thränen die stärkste liebeserklärung machen kann.
Gellert 3, 45;
sich in tausend thränen baden (s. thränenbad) bringt nur schaden.
Hofmannswaldau verm. ged. 16;
sieh, wie ich mich betrübe,
in thränen bad ich mich.
Uz 285 neudruck;
wenn mein leid
in thränen frei und unbehorcht zerflieszt.
Haller 185 Hirzel;
schlafend sieht sie den jüngling, wie er in thränen zerflieszet.
Klopstock od., krit. ausg. 1, 61;
chor, das zuerst in thränen dahinflosz.
Mess. 12, 111;
(ich) sah dein göttlich aug' in thränen stehn.
Lenz ged. 88 Weinhold;
ihr auge schwamm in thränen.
Schiller 12, 493 (M. Stuart 3, 3);
die königin in thränen (weinend), und auf ihrem
gesichte blut.
5, 2, 353 (don Carlos 4, 10);
(ich bin) es nicht gewohnt, die mir mit freude dienten,
in tränen zu entlassen.
5, 1, 51 (2, 6);
in tränen ausbrechen 2, 191. Göthe 17, 188. s. ausbrechen 22. — meine augen müssen mit threnen flieszen. Jer. 13, 17, vgl. 9, 18; die mit threnen seen, werden mit freuden erndten. ps. 126, 5 (Klopstock Mess. 19, 664, vgl.thränensaat); sie fieng an seine füsze zu netzen mit threnen (mit den trechern cod. Tepl.). Luc. 7, 38. 44; er nezte den einsamen weg mit thränen Geszner 1, 252; freude, in der er mit diesen thränen mich umarmt. 1, 33;
den die propheten .. mit thränen (weinend) verlangten.
Klopstock Mess. 4, 402;
wer nie sein brot mit thränen asz (vgl. thränenbrot).
Göthe 2, 122;
wie kann ich ohne thränen denken
an jenen tag.
Haller 160 Hirzel;
ist mir denn kein glück beschieden,
dasz sich ohne thränen freut?
Siegw. 2, 284;
sie schlief unter thränen (weinend) ein.
1, 106;
sie war unter thränen aufgewacht.
346;
unter thränen rissest du dich von meinem halse.
Mörike ged. 117;
(sie liesz) den lieben gast davon
unter thränen und klagen.
Rückert Nal 203;
indesz ihm die augen flossen von thränen.
267;
stimme, von thränen erstickt.
214;
voll scham und reue sie dannen schlich,
von thränen geröthet.
Wackernagel ged., ausw. 53;
deine augen lasz frei von thränen sein,
dasz die lieblichen sterne nicht versiegen.
G. Keller ged. 2, 18;
wie so schwer bist du (das tuch) von thränen.
49;
sie konnte kaum vor thränen sprechen. Siegw. 1, 75; vor den thränen, s. 2, a; zu thränen, bis zu (den) thränen rühren u. dergl.: das menschliche .. seines benehmens rührte jeden bis zu thränen. Engel 12, 161; das rührte die alten bis zu den thränen. Stilling wand. (1780) 174;
sie verachtet
alles, was bis zur thräne nicht erhebt.
Klopstock od., krit. ausg. 1, 192;
so verflossen ihm seine tage zwischen thränen und heiterkeit. Göthe 17, 186.
2)
mit genauerer bestimmung (construction wie bei 1).
a)
in bezug auf den weinenden:
ich habe gesehen
die thräne des christen rinnen.
Klopstock od., krit. ausg. 2, 2;
thränen der mutter. Engel 12, 50; die augen, die ganz Genua in knechtisches zittern jagen, müssen sich izt vor den thränen eines weibes verkriechen. Schiller 3, 87 (Fiesko 3, 3); thränen der waisen 2, 103, der unterthanen 3, 491, des landes 394, des dulders Körner 29ᵃ, eines kindes 107ᵃ, des büszers Schubart ged. (1839) 1, 41, der bedrängten. G. Keller ged. 2, 155 u. s. w. statt des genetivs ein adjectiv: mütterliche Siegw. 1, 81, jungfräuliche Klopstock Mess. 5, 99, männliche 5, 245, kindliche F. Dahn Bissul. 94, christliche thränen. Herder lit. 17, 276.
b)
in bezug auf die ursache, thränen der freude, wonne, rührung, sehnsucht, wehmut, trauer, reue, des dankes, mitleids, jammers, abschieds, elends, armuts, zornes u. s. w.:
wenn alle thränen der freude
redlich verweint sind.
Klopstock od., krit. ausg. 1, 44;
schon wart ihr gezählt, ihr thränen der freude.
Mess. 7, 524;
kommen sie, theilen sie unsre freude; weinen sis eine zähre der rührung in unsre thränen der freude, der dankbarkeit. H. L. Wagner der wohlth. unbekannte 35; vermischen sie ihre thränen der rührung mit unsern zähren der dankbarkeit. 46;
thränen der wonne, dankende thränen sein unser opfer!
Klopstock od., krit. ausg. 1, 146;
weinen thränen der wehmuth.
1, 61;
trockn' .. die thräne der wehmuth.
Mess. 12, 858;
thränen, die mein leiden
billig scheidewasser nennt, ..
weil es nach dem schwehren scheiden
augen, hant und seele brennt.
Günther 302;
thränen der zärtlichkeit Geszner 1, 22, der liebe Göthe 1, 92. Bürger (1778) 42, der unschuld 71, der sehnsucht Stolberg ged. 90, der reue 24, der busze Geszner 1, 251, der seligkeit Hölty 77 Halm, des entzückens Hölderlin Hyp. 1, 128;
ihm rannen nur thränen des mitleids.
Klopstock Mess. 12, 743;
du müssest weinen thränen der menschlichkeit,
... wenn du die dulder siehst.
Od. 1, 68;
ausz betrübnusz kommen threnen, die doch sind so hell und klar.
Logau 2, 9, 97;
thränen der trauer Geszner 1, 123, des elends 231. Siegw. 2, 315, des jammers Schiller 3, 81, des kummers Rückert Bostan 114, 17; der verdrusz und schmerz .. lockte ihm thränen in die augen 2, 163;
habt ihr thränen, ..
thränen des tiefsten grams, .. so weint!
Klopstock od., krit. ausg. 2, 102;
er weinte die bittersten thränen des unmuths und lebensüberdrusses. Moritz A. Reiser 322, 35 neudr.; wenn manchmal .. im zorne mir eine thräne ins auge trat. Hölderlin Hyp. 1, 8; der ... mit mühe in den himmelblauen augen zwei thränen des zornes zerdrückte. F. Dahn kampf um Rom 1, 230; thränen der wuth traten in ihre augen. Bissula 222;
im aug' der kränkung bittre thräne.
G. Keller ged. 2, 92.
statt des genetivs ein adjectiv z. b. dankbare Siegw. 1, 76, wehmuthvolle thränen Uz 162 neudr., vgl. c, β.
c)
sonst mit einem adj. oder particip.
α)
innerliche thränen, introrsus erumpentes lacrimae Stieler 32, 33 (thränen der seele Wieland Herm. 3, 313);
dieweil die innre thräne
sich in die brust gebrannt.
Lenz ged. 134 Weinhold;
eine helle thräne glänzt drinn (in den augen). Siegw. 1, 359;
(da) brach hervor in den hellen thränen
ihrer brust verschlossenes sehnen.
Rückert Nal 195;
sie weinte zwei thränen klar.
ebenda;
er weinte grosze thränen.
Hölty 29 Halm;
nur eine schwere thräne rinnet
über das kranke angesicht.
Wackernagel ged., ausw. 31;
warme, heisze, kalte thränen: ich zweivel nicht, das gott meine heisze threnen .. erhöret habe. Tob. 7, 13 (s. heisz 4, e);
(wer) kan hier die heiszen threnen hemmen.
das zollgeld der natur bei unsrer sterbligkeit.
Mühlpforth leichenged. 255;
da ergieszt in heiszen thränen
sich der seele banger schmertz.
Matthisson ged. (1797) 137;
lasz mich weinen,
an deinem herzen heisze thränen weinen.
Schiller 5, 2, 152 (don Carlos 1, 2);
hitzige thränen trocknen bald (man vergiszt das leid in kurzer zeit) Lehmann 754, 5, anderes sprichwörtliches bei Wander 4, 1163—66; so entstürzte mir manche glühende thräne. Schubart schriften (1839) 2, 60; wo in warme thränen felsenharte mörder schmelzen. Schiller 3, 183 (Fiesko 5, 15);
seine augen werden
von warmen thränen (der rührung) übergehn.
Schiller 5, 2, 413 (don Carlos 5, 3);
kalte thränen rinnen ihr vom auge. F. Müller 1, 101. — milde, süsse, salzige oder bittrre, schmerzliche thränen (der freude, des schmerzes), s. bitter 1:
vil süszer thränen sie vergosz.
Kehrein kirchenl. 1, 87, 3;
busze! fang die milden thränen,
so mir jetzt im auge stehn.
Günther 117;
(sohn,) den unter süszen thränen
an ihrer brust sie nährt.
Uz 169 neudruck;
(meine) salzgeschmolznen trähnen.
Schwieger geharn. Venus 104 neudr.;
(du siehst) vor den perlenschmuck gesaltzne thränen stehn.
Günther 631;
o weint nicht zu bittere thränen!
Klopstock od., krit. ausg. 2, 91;
ich möchte bittre thränen weinen.
Göthe 12, 80 (Faust 1555 Weim.);
(Amor,) unsrer bittersten thränen quelle.
Götz 1, 181;
im aug' die bittre thräne blizt.
Mörike ged. 128.
schmerzliche thränen vergieszen wir im leben gnug. Herder lit. 12, 215. — laute, stumme, stille, heimliche thränen:
da die lauten thränen im sehenden auge verstummten.
Klopstock Mess. 4, 1062;
er entdeckte durch laute thränen, wie weit er mit seinem herzen schon müsse gekommen sein. Engel 12, 139 (s. laut 3, a); er faszt ihre hand und überschwemmt sie mit stummen thränen. Göthe 17, 404; diebische (heimliche) thränen. Schiller 2, 133;
so manche stille thräne quoll
auf deinen blumenstrausz.
Stolberg ged. 88.
blutige thränen, thränen des tiefsten schmerzes, s. blutig 2 und blut 3 (die thräne der seele, das blut. J. Paul Qu. Fixl. 46) und thränenblut: insonderheit ist mit blutigen thränen zu beweinen, dasz. A. a s. Clara auf, auf ihr christen 17, 39 neudr.;
du würdest sie (die verstorbene)
mit thränen voller blut zurücke niederziehn.
Mühlpforth leichenged. 102;
dann wehklagt's,
als flösse die blutige thräne des volks.
Klopstock od., krit. ausg. 2, 74;
weine blutige thränen!
2, 85. Mess. 16, 526.
β)
bittende, jammernde, dankende u. s. w. thränen (der bitte, des jammers u. s. w.):
beim anblick
einer bittenden thräne.
Klopstock Mess. 18, 173;
jammernde thränen
stürzen vom auge.
2, 126;
lindernde thränen, euch gab die natur dem menschlichen elend
weis' als gesellinnen zu.
od. 1, 39;
(sie vergosz) trübender thränen zu viel.
1, 112.
3)
übertragen (wie lat. lacrima) auf thränenähnliche flüssigkeit oder tropfen.
a)
herabträufelndes harz: hierauf bestrich sie ihr angesicht .. mit trahne vom balsambaum (s. I, 1). Zesen Assenat 115, vgl. thranpech.
b)
deine fülle und threnen soltu nicht verziehen. 2 Mos. 22, 29 mit der randbemerkung (Bindseil 7, 484): fülle heiszet er alle harte früchte, als da sind korn, gersten, apfel, birn, da man speise von machet. threnen heiszet er alle weiche früchte, da man saft und trank von machet, als da sind weintrauben, öle.
c)
thränen des weinstockes was rebenthräne, -wasser Göthe 16, 140;
wenn niederrollt
im lenz die thräne, bringt der herbst den wein.
Wackernagel ged., ausw. 381;
süsz und selig ist zu trinken,
was man Christi thränen nennt (der lacrimae Christi genannte wein, vgl. thränenwein 2).
G. Keller ged. 2, 22;
dort füllen meinen becher
wohl thränen Christi nicht.
105;
schweiz. der trän tropfen, demin. ein tränelein wein. Stalder 1, 296; nassauisch ich habe noch keine thräne wein getrunken. Kehrein 1, 404.
d)
weidmännisch: thränen, also wird der balsamisch riechende saft genennet, der sich vor des hirschen augen zusammen setzet. Heppe wohlred. jäger 295, sie kommen aus der thränenhöhle (s. hirschthränen).
e)
der wolken, des himmels, des thaues thränen:
wann dort der sonne licht durch fliehende nebel strahlet
und von dem nassen land der wolken thränen wischt.
Haller die alpen v. 372;
die schönen thränen des himmels rollten an ihm (dem steine) herunter. Göthe br. 1624 (6, 90) Weim.;
und wie es glühend dort im osten graut
und ihre (der nacht) letzte thräne niederthaut.
Körner 194ᵇ;
sie (die blüthen) hingen all voll thränen,
noch war der thau vom tag nicht weggeküszt.
149ᵇ.
f)
feste, tropfenähnliche körper, s. glasthräne:
längs dem ufer
flossen die thränen dahin als bernstein.
Wackernagel ged., ausw. 78;
in pflanzennamen, s. frauen-, Marien-, herrgottsthränen u. a. Pritzel-Jessen 686ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1891), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 407, Z. 45.

trane, f.

trane, f.,
s. tratt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1932), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 1188, Z. 63.

träne, f.

träne, f.,
s. thräne.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1932), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 1188, Z. 64.

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Zitationshilfe
„träne“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tr%C3%A4ne>, abgerufen am 22.09.2021.

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