Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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getränkt, participiales adj.

getränkt, participiales adj.
zu tränken (s. d.), nur in zusammensetzungen vorkommend und der neueren sprache angehörend.
1)
mit beziehung auf flüssigkeiten.
a)
ölgetränkt vgl. theil 7, 1286: ein holtz, das geferbt ist und olgetrenkt. Agricola sprichw. 186; mit öhl getränktes papier. Adelung 4, 1028; so ist es auch wohl kaum nöthig zu erwähnen, dasz mehrere farbige gläser über einander, nicht weniger ölgetränkte, durchscheinende papiere, alle und jede arten von mischung hervorbringen. Göthe (farbenlehre § 570) 52, 234. ebenso 26, 83.
b)
umb diesen wald und schatten haben wir
biszher gesehn das blutgetränkte thier.
Opitz (Dafne) 1, 70 (1690)
vgl. blutgetränkt in th. 2, 183;
schweisz entrollt den kühnen stirnen,
und ihr auge glüht im zorne,
drohend klirren ihre säbel,
ihre blutgetränkten sporne.
Lenau 'die botschaft'.
c)
des wäldchens bachgetränkte frische wildnis. Platen 19, vgl. theil 1, 1062.
d)
da gedachte sie
des täuschungsraths, den Nessos, sterbend von
Herakles hand und giftgetränktem pfeil,
ihr gab, durch liebeszauber ewig fest
an sich zu bannen ihres gatten herz.
C. Stolberg (prolog zu den Trachinerinnen) 14, 86.
2)
übertragen auf andere elemente:
reisz' ich die höchste tanne,
und tauche sie ein
in des Aetna glühenden schlund und mit solcher
feuergetränkten riesenfeder
schreib' ich an die dunkle himmelsdecke.
H. Heine nordsee 1, 6;
auf Murillos sonnegetränkten, leidenschaftdurchglühten bildern. Spielhagen problem. nat. I, 12. cap.;
ist diesz der hoffnung junges grün,
so duftgetränkt von süszem blühn?
K. Mayer frühlingsbürde 11 u. a.
3)
übertragen auf gefühle und empfindungen, die den menschen durchströmen: des vaters leidenschaftgetränkte seele. Spielhagen die von Hohenstein 1, 260.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1897), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4425, Z. 14.

tränke, f.

tränke, f.,
handlung, ort des tränkens, tränksubstanz. nomen postverbale von tränken (s. auch trinke). ahd. trenka, mhd. trenke; mnd., mnl. drenke (nl. durch drenkplaats, -wed verdrängt); as., anfr., afries. nicht belegt; ags. drenc 'ertränkung' weicht in der bedeutung ab und ist selbständige neubildung. aus dem alem. in die französ.-schweiz. maa. als trẽka, f., 'nachwein, tresterwein; schlechter wein' entlehnt Tapolet 175. — formen. älter alem. finden sich nicht selten formen vom ī(n)-stamm, z. b. von der trenckin Wickram 4, 241 Bolte; über die trennckin (14. jh.) Fischer schwäb. 2, 317; hilba und trenckinan (nom. plur.) Österreicher Colum. 1, 33; an den trenckinen Herold-Forer Geszners thierbuch 43. — starker plural ist vereinzelt: auch ändert sich die farb der woll, so man sie (die lämmer) in vilerley tränck und wasser treibet Eppendorff Plinius 82; für das viech soll man tränck, schwämm, teuch und weier zurüsten Sebiz feldbau (1580) 18. — die formen der modernen maa. s. 2 a α u. 3.
1)
die handlung des tränkens. seit dem 16. jh. zu belegen, aber nicht häufig.
a)
Hannibal legert sich auff eynen bühel, der was von allem vortheyl auszerwelt und geschickt ... doch was er ungelegen zuͦ der wässerung und trenckin Carbach Livius 190ᵃ;
er furt in zur trenck in die quellen
Wickram 8, 51 Bolte;
darauff liesz der keiser eine grosze weite schantze auffwerffen, darein auch der grund sampt dem dorffe Keuschberg gefasset ward, das sie die Salah (Saale) zur trencke an der hand hetten C. Spangenberg mansfeld. chron. (1572) 116ᵃ; (die Damascener) verhinderten die unsern an der träncke und provianthierung Bentzius päbstl. chron. (1604) 279; am 22. maij fand man bey Wien in der juden stadt in einer pfützen, dahin man die rosse zur träncke reitet, einen sack Prätorius glückstopf 470; wiewol wir einen viel nähern weg mitten durch die heyde gehen können, musten wir doch der träncke halber solchen umbschweiff an den bach nehmen Olearius persian. reisebeschreib. 237; so sollen in riedern und beim gatterhof, als eingezäunten kälberwaiden, die gätter, wie zumal ieden orts ain trögl zur tränk durch die verordneten angeordnet ... werden tirol. weisth. 4, 579; so hat man tränkheerde (s. d.), wo man fast alle waldvögel bei der tränke ... fängt Naumann naturgesch. d. vögel 1, 137; man muszte zur tränke der lastthiere fast jeden abend brunnen graben Ritter erdkunde 2, 301; die zeit der tränke ist nachmittags gegen 4 uhr Brehm thierleben 1, 191 Pechuel-Lösche; ähnlich: tränke appulsus pecoris ad aquam Zedler 1, 968.
b)
in anderm sinn, zu tränken 5 b gehörig: erste, zweite tränke beim rauhen des tuchs first, second etc. water or drench, première, deuxième etc. eau Hoyer - Kreuter 1, 773; vgl. leimtränke th. 6, 702.
2)
der ort des tränkens, trinkstelle.
a)
die umfassende anwendung findet auf thiere aller art statt.
α)
den hauptanwendungsbereich nimmt ein die tränke des weideviehs und der hausthiere, worauf die frühen belege durchaus deuten. noch specieller herscht in den meisten ersten belegen die bedeutung 'pferdetränke' vor (s. u. 2 b β in die tränke reiten): (pferde) an ainem zom oder helsling über die trenckin ziehen (14. jh.) Fischer schwäb. 2, 317; wert ein kint myt eineme perde to der drenke ghesant quelle bei Schiller-Lübben 1, 571ᵇ; wurde des folckes und pherde als vil, das den rad duchte, das not wurde die farporten zu bestellen, umb uffleuffe und zweyunge willen, die sich in der drencke machen mochten (1442) Frankfurts reichskorresp. 2, 32; ähnlich in späteren lexikal. belegen: träncke, da man die pferd pfleget zu träncken Hulsius-Ravellus (1616) 326ᵇ; träncke, da man die pferde träncket Wiederhold 340ᵃ; gelegentlich heute noch mundartlich: dränk pferdetränke Rovenhagen Aachen 24; die bedeutungsgrenze gegenüber 'schwemme' verflieszt dabei in einigen belegen: (dr. Faust) sagte dem rosztäuscher zuvor, er solte ihn (das pferd) uber kein träncke reiten. der rosztäuscher wolte sehen, was er doch mit meynete, ritte in eine schwemme, da verschwand das pferd volksb. v. dr. Faust 85 ndr. Petsch; vgl. noch: träncke wasserschwemme acquario, abbeveratoio, luogo dove bevono ei cavalli Hulsius (1618) 249ᵃ; drenke schwemme Stürenburg 38; sodann als tränke des viehs überhaupt: (nachbarn müssen einander) steg und weg geben zu trenkinen (1538) Friedli Bärndütsch 3, 242; aber allein trinckt er (der esel) gern an den trenckinen, deren er gewon Herold-Forer Geszners thierbuch 43; den belägerten die trencken, brunnen oder ander wasser abzustricken ... seyen H. W. Kirchhof milit. discipl. 33; nuhn wie ihr wisset, dasz die kuh der trencke nachgehet Paracelsus opera (1616) 1, 97 H.; sie folgen ihm wie schafe dem widder von der weide zur tränke Göthe I 41, 1, 295 W.; ein tümpelchen ..., das in der sommerzeit eine tränke für das vieh war Fontane I 2, 463; in solcher bedeutung in fast allen deutschen mundarten belegt, nd. durch trinkeldobbe Doornkaat-Koolman 1, 334, börn Mensing 1, 486 und wätering Dähnert 535ᵃ, obd. durch hülbe Fischer 3, 186 in seinem raum geschmälert: drenke tränke, brunnen, grube mit wasser Doornkaat-Koolman 1, 332; dränke viehtränke Berghaus 1, 357; dreᶇke Bauer-Collitz 23; dränk wb. d. Elberfelder ma. 41; Hönig Köln. 36; drenk, drëng Crecelius oberhess. 299; drenk Lambert pennsylv.-germ. dial. 44; dränk lux. wb. 68; tränkì Hunziker Aargau. 58; treichi Bühler Davos 1, 166. auf den menschen nur dort angewandt, wo er dem vieh gleichgestellt wird: corrivales die ausz einer trencke, oder ausz einem bach oder flusz trinckend Frisius 338ᵇ; die endlosen züge der gefangenen, die wie das vieh einmal am tage zur tränke geführt wurden Mommsen röm. gesch. (1894) 5, 431; als 'ort des zechens':
wenn sie (das weib) von der trencke heim thut lenden
geht sie gwoncklich heim an den wenden
Hans Sachs 21, 189 G.;
abgeschwächter lusernisch: də manən gian ka treᶇk 'ins wirtshaus' Bacher 407; zu den beiden letzten stellen vgl. jedoch tränken 2 und tränker 2 a.
β)
eine naturgemäsz ärmere anwendung findet im spracheben die tränke der wilden thiere und vögel:
das gwild
das sprang daher, sam wer es zam
und allererst von der trenckin kam
Wickram 4, 241 Bolte;
(wir) wusten zwar nicht, ob sie (eine herde skorpione) unser getümmel erhöret und darumb auff uns zu lieffen, oder ob sie ihre gewöhnliche trencke in dem see hatten Gabr. Rollenhagen indian. reysen 14; die wilden tauben ... werden ... bey der träncke und groszen flieszwassern gefangen Aitinger jagdbüchlein 105; das malachitbecken schien die tränke der vögel zu sein Liliencron 6, 88.
γ)
eine reihe von belegen deutet auf 'künstlich hergestellte trinkstelle': so söllen gebuwen werden witt zisternen den menschen und dem vich hilba und trenckinan H. Österreicher Columella 1, 33; und eilet und gosz den krug aus in die trencke (in canalibus vulg.) und lieff aber zum brun zu schepffen 1. Mos. 24, 20; und füllend die trencke, die schaaff ... zetrencken Zürch. bibel (1531) 1, 27ᵇ; wie man für die menschen hat bronnen und cisternen erdacht ... also für das viech soll man tränck, schwämm, teuch und weier zurüsten Sebiz feldbau (1580) 18; in der grösten hitz, wo grosze, trockene, dürre wälder sind und wenig wasser darinnen, kan man dem geflügel eine träncke graben Hohberg georg. cur. 1, 129; sodann direct 'trog': tränke der trog, aus dem das vieh getränkt wird Chr. Fr. Schrader 2, 1374; drenk, drëng trog oder bachstelle Crecelius oberhess. 299.
b)
gebräuchlichere verbale fügungen.
α)
mit gehen verbunden: (die eselin) trincket auch nit, dann usz den gewonlichen brunnen bey den vihe ställen, also das sie truckens fussz zu der trencke geen Eppendorff Plinius 78; da sol das viech zu der trenk gen niederöst. weisth. 1, 538; das zur tränke gehende vieh A. v. Humboldt kosmos 3, 211; vgl. das sprichwort:
der krug geht so lang zur tränk,
bis er bricht hals oder henk
Schmitz Eifler volk 1, 184.
mit kommen: vacce corrivant kummen zur trenck Alberus u 2ᵇ; und sol die geysz gemolcken werden, eh sie zur trencke komme Herold-Forer Geszners thierbuch 60; (kameele) können bisz auff den vierdten tag ungetruncken seyn, und, wenn sie zur trencke kommen, trincken sie für den gegenwertigen und zukünfftigen durst Heyden Plinius (1584) 113; kein hirsch kam zur tränke Gotthelf ges. schr. 16, 121; taubenzüge kamen ... zur tränke Ratzel völkerkunde 2, 14. seltenere fügungen: der drach ... nimpt ... acht, wohin sich der helffant zur trencken begebe Heyden Plinius 102; wenn der rhinocer zum bache trincken kompt, und andere thiere sich auch zur tränke finden, sie sollen aus respect gegen ihm warten, bisz er erst getruncken hat J. Andersen orient. reisebeschr. (1669) 14 Olearius; die thiere der erde regten sich; nun fuhren alle der tränke zu maler Müller 1, 83; als ich ... einst mit meinem jagdbogen im waldversteck lag, wo das wild zur tränke läuft Freytag ges. w. 9, 85.
β)
mit führen: trugern (trüger), eur ieglicher enbint er nit seinen ochsen oder seinen esel an dem samstag von der krippen und furt in zu der trenke? cod. Teplensis 49 Huttler (vgl. ahd.: inti leitet inan zi trenku? Tatian 103, 4); wöllet fleiszig auffmercken und sehen, wen die unvernünfftigen thörechten thire zur trenck gefuͤrt, ihren durst gelescht haben Ambach zusauffen u. trunckenheit eᵇ; wo du si an ein ungewonte trencke fürest ... must du sie nötigen Herold-Forer Geszners thierbuch 43;
rasch zur tränke führt die pferde!
A. Grün (1877) 5, 132;
sprichwörtlich: junge gänsz wollen die alten zur tränck führen Lehman floril. polit. 1, 444; vgl. schweizerisch: 'einen des verweisens bedürftigen füehrt man zur träihi' Friedli Bärndütsch 6, 242. mit treiben:
daz vihe man ze trenche treip
Milstätter genesis 42, 10 Diemer;
(der hirt) verwaret dich (das schaf) durch seine hund,
trieb dich ind trenck zu rechter stund
H. Sachs 9, 211 lit. ver.;
(die gerechtigkeit) auff eines andern grund ... das vieh zur trenck zu treiben statutenbuch (1572) 113ᵃ; der elephant ward zur tränke getrieben M. Claudius Asmus 3, 141. mit reiten:
reit mir in die trenck mein rosz
H. Sachs 20, 98 Götze;
equum aquare das ros in die trenck reitten Golius onomast. (1585) 306; als nun ... (des freiherrn) knechte die pferde zur träncke ritten, da verschwunden die pferde alle volksbuch v. dr. Faust 107 ndr. Petsch; dann schlich er sich wieder in den stall, besah die pferde, und ritt sie an die tränke Miller Siegwart (1777) 1, 7; bildlich:
noch einmal will ich den gaul Pegasus zäumen
und, um 'nen dritten theil zusammen zu reimen,
reiten in die tränke Hippokrene hinein
Kortum Jobsiade 3, 1;
mit erotischer beziehung: darumb seint alt leut argwenig, wan sie haben vil erfaren und was sie andern gethon haben, das truwen sie andern leuten, sie ... haben ir rosz auch in die trencke geritten, sie wissen, wie die jungen frawen anfechtung leiden, die alte männer haben Keisersberg narrenschiff (1520) 72ᵈ.
γ)
mit ellipse des objects (s. tränken 1 a γ), schon früh bezeugt: von dem kouffhus bisz hinüber über die strasz, als man in die träncken rytet Tschudi chron. helv. 2, 87; auch so ridden die reyssener die gassen uff unde abe in die trencke Wigand Gerstenberg chron. 399 Diem.; aquare in die trencke reiten A. Sieber gemma 117; bildlich (vgl. 2 a α): wann sie (die groszen herren) nachts zu spat beim schlafftrunck gesessen und zu tieff in die drencke geritten seind Bock kreutterbuch (1587) 448ᵃ. bis in die hülb oder threnk zu treiben und daselben ir väch trenkhen (1536) bei Fischer schwäb. 2, 317; ago potum ich treib zur trenck Alberus u 2ᵇ; appellere ad aquam animalia zuͦ der trencke treyben Frisius 106ᵃ. gar manche (edelleute) hab ich zur tränke führen, vor der schmiede halten sehen Göthe I 33, 10 W. auch hier mit reconstruiertem präpos. object wie bei tränken 1 a γ: do ritten der herren knecht und knapen in die trenke mit den pferden E. Windecke denkwürdigk. 468; darzue haben die nachpern ... die recht zu farn mit irem vieh zu der trenk österr. weisth. 3, 63.
δ)
auszer den gewöhnlich mit tränke verbundenen präpositionen an, in, zu ist bemerkenswert eine wenigstens lexikalisch bis ins 18. jh. bezeugte verbindung mit über: wann ich mein esel über die trenck füre oder treibe Frey gartengesellschaft 51, 10 B.; die biene fliegt über die tränke aquatum volant apes Overbeck gloss. melitt. 83. vgl. noch die unter 2 a α angeführten belege.
3)
'trinkflüssigkeit', die das vieh zu sich nimmt. schon mhd.:
alsô tet er in dem marstal
aller êren genuoc,
der diu erde ie getruoc
von korn und von höuwe
und von weicher ströuwe,
ouch von lûter süezer trenke
Heinrich v. d. Türlin crone 28803 Scholl;
dann seit dem 17. jh.: die ... Pegnitz ... mit ubergieszung der auen ihren schafen ... gesunde tränke zuflöszet S. v. Birken forts. d. Pegnitzschäferey 80;
und leichter findet nahrung man dem heer,
den rossen tränke
Fouqué altsächs. bildersaal 1, 130;
es ist erfahrungssatz, dasz ... bereiftes gras, sehr kalte tränke u. s. w. verwerfen (abortus) hervorrufen v. Schwerz prakt. ackerbau 773; dann schöpfte sie aus einem trog tränke in einen sechter und trug sie hinaus in den schweinestall Rosegger laszt uns v. liebe reden 16; die ... dem vieh zugehaltene 'dränki', die den durst löscht Friedli Bärndütsch 6, 397. — wie ¹trank I B 3 nimmt dann auch dieses concretisierte tränke die bedeutung 'flüssiges viehfutter' und dann 'viehfutter' überhaupt, insbesonders 'saufutter' an; seit dem 16. jh.: sölichs (erkrankung) begägnet inen (den schweinen), so man inen ire trencke zu warm fürschütt Herold-Forer Geszners thierb. 145; häufig im 19. jh., zumal bei alem. schriftstellern: der mann ... wirft der frau die suppe samt dem teller vor die füsze. 'da frisz die tränke selber' J. P. Hebel 323 Behaghel; 'ich mache eine tränke für die kälberkuh', antwortete Barfüszele, mehl und kleie einrührend Auerbach (1864) 9, 151; vgl. tränke trogfutter Jacobsson 4, 423; in den alem. mundarten reich bezeugt: tranki schweinefutter Seiler Basler ma. 83; säuträihi, säudränki sautrank, -futter, spülicht Friedli Bärndütsch 1, 291; 6, 397; tränke schweinetrank, -futter Staub-Tobler 5, 671; traᶇkə, traᶇki, traᶇk futter fürs vieh, schlampe, gekochte küchenabfälle, insbes. schweinefutter Martin-Lienhart 2, 760; vereinzelt auch auszer dem alem.: tränke flüssiges futter für das rindvieh, sowohl für mastochsen als auch für kälber, welche erst von der mutter entwöhnt sind und aufgebunden werden sollen Spiesz henneberg. 257. anders, in beziehung zu tränken 5 b in verschiedenen gewerken eine flüssigkeit, gegenstände damit zu tränken: leimtränke s. th. 6, 702; talgtränke zum tränken von leder Heyne dtsch. wb. 3, 1014.
4)
eine abseitige bedeutung als 'wasserflut', im zusammenhang mit tränken 3, ergibt der folgende nordfries. beleg: anno 1436 do ginck de grote mandrenke ... ock was de storm so groth, dat he vell minschen in de drenke weiede quelle bei Schiller-Lübben 1, 571; wohl erneuert: die deiche brächen, und wir alle erlebten eine neue grosze mannes-tränke Willkomm bann und zauber 2, 131. vgl. dazu mnl. te drenke verwijzen besluiten om grond of land onder water te zetten Oudemans bijdrage 2, 143.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1932), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 1204, Z. 31.

tränken, vb.

tränken, vb.,
gemeingerm. causativbildung zu trinken. got. dragkjan; ahd. trenkan, mhd. trenken; altsächs. (or-)drenkian; mnd. drenken; anfr. drenkan, mnl. drenken (dranken), nl. drenken; afries. palatalisiert drentza, daneben drinsa, drenka, drinka; ags. drencan, mengl. drenchen, engl. drench; altnord. drekkia und aschw. dränkia̜, schwed. dränka 'ertränken', dän. drænke 'treten (vom paaren der vögel)', älterdän. auch 'ertränken'. — formales. rückumlaut findet sich nicht zu selten noch im 15. jh.: tranckten das vieh summerteil der heyligen leben (1472) 129ᵇ; ich kam in der tieffe des mers: und daz ungewitter tranckt mich erste dtsche bibel 7, 338; vereinzelt im 16. jh.: stackt in (den schwamm) auff ein ror und tranckt in (Jesus) Zürcher bibel (1531) 2, 217ᵇ. composita: auf- (s. 1 b β), ein- (s. th. 3, 326), er- (s. th. 3, 1032), ahd. ketrencan (s. Müllenhoff-Scherer denkmäler³ 1, 22), herauf- (s. 1 a α), vertränken (s. th. 12, 1, 1944).
1)
'ein lebendes wesen trinken machen, ihm zu trinken geben', potum dare trencken gemma gemm. (1508) t 6ᵃ; potionare i. potionem dare trencken Dief. gl. 450ᵇ; potum offero Steinbach wb. 2, 875; in älterer sprache von menschen ebenso wie von thieren gebraucht: si ne welle mich ... trenchen und mîne olbenten gen. u. exod. 42, 16 Diemer; also soltu inen wasser ausz dem velsz schaffen und die gmeynd trencken und ir vich Zürch. bibel (1531) 1, 75ᵃ.
a)
heute allerdings hat sich die bedeutung grösztentheils eingeengt auf thiere tränken; für die mundarten, die das wort in allen gebieten reich ausweisen (Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 332; brem.-ns. 1, 247; Schambach Götting. 48; Bauer-Collitz waldeck. 23; Hönig Köln. 36; Crecelius oberhess. 299; lux. wb. 69; Lenz Handsch. 71; Hunziker Aargau. 58; Seiler Basler 83; Martin-Lienhart elsäss. 2, 760; Schöpf tirol. 754 u. a.), wird man diese bedeutung, auch wo sie (weil selbstverständlich) nicht registriert ist, unbedenklich in anspruch nehmen dürfen; im nd. allerdings concurriert das wort, namentlich in der folgenden anwendung, mit börnen, s. th. 2, 245, Mensing holstein. 1, 487; Teuthonista 4, 149 und drinken laten Berghaus Sassen 1, 363.
α)
dem heutigen sprachgefühl zunächst liegt die vorstellung 'trinken lassen an einer natürlichen tränke':
dô treip er dicke in einen bach
daz vihe trenken in dem wâge
Konr. v. Würzburg Trojanerkr. 703;
schnitent spen da von und legten die in ein wasser und tranckten das vich summerteil d. heyligen leben (1472) 129ᵇ; also muͦsz ich meyne ochsen, so ich mit zuͦ acker gangen bin, auff des andern grund umb wassers willen oder der weyde halben treyben, sy da zuͦ trencken oder speysen clagantwurt (1497) 71ᵇ; al da sy abstigen, die rosz ausspannten, an dem gstad schwempten und trenckten Schaidenreisser Odyss. (1537) 24ᵃ; er ... sein herd schaff gegen dem brünnlein zu träncken füret theatr. amoris 382; (eben ritt) der stallknecht mit etlichen schönen pferden heraus, selbige in die schwemme zu reiten und zu träncken Lolivetta d. teutsch. gespenst (1684) 348; (feldservitute:) das wasser zu schöpfen, das vieh zu tränken, das wasser ab- und herzuleiten österr. allg. bürg. gesetzb. § 477; das comp. herauftränken fügt eine bewegungsrichtung zu dem inhalt des simpl.: da sollen die zwen höf ain gassen habn, das die von Arzell ir vich mugen herauf trenken in die harrössen (1540) österr. weisth. 2, 220. vom 16. jh. ab gewinnt das 'tränken von kriegspferden in den gewässern des feindlichen landes' symbolische bedeutung für 'kriegerische invasion'. der gefühlsinhalt ist natürlich je nach dem standpunkt des eindringenden siegers oder des preisgegebenen besiegten abgestuft: hat kein ansprach an das land ..., wann dasz er sin gwalt ... erzeigen wolt und ... jederman ze leid sine pferdt in dem Rhin träncken Tschudi chron. helv. 1, 462; es wird noch mancher ins gras beiszen, bis ihr eure rosse im Neckar tränket Hauff 1, 55; ähnlich (refl.):
dann dörft ich nicht die ströme krieger sehn,
die von den Alpen rollen; dörfte nicht
die heerden fremdes vieh sich tränken sehn
im blutgefärbten Po
Herder 27, 360 S.;
in einem beliebten dichterischen bild von der untergehenden sonne:
das auge dieser welt begunte sich zu sencken
und wil in grünem saltz die feuerhängste träncken
Treuer Dädalus 1, 9;
sprichwörtlich: er hat die frösch getrenckt Eyering 2, 270 (im sinne von 'eulen nach Athen tragen').
β)
dem gebrauch von 2 sachlich näher kommt das tränken durch 'eingieszen von wasser in einen trog' u. ä. oder 'vorsetzen eines tränkgefäszes', meist im stall, daneben ist zu trinken geben, trinken lassen in brauch: und du trinck: ich gib auch zetrincken deinen kemlein. und ich tranck und sy trencket die kemlein erste dtsche bibel 3, 118; aus dem schafft, darausz man die rösser im stall trencket Guarinonius greuel d. verwüstung 731; der abdecker ... einen eimer wasser in der hand, beschäftigt ..., einen dicken, wohlbeleibten gaul ... zu tränken H. v. Kleist 3, 198 E. Schm.; häufig in verbindung mit anderen vb., die stallwartung der thiere bezeichnend: des rats pferde drencken und warten (1468) Bücher Frankf. berufswb. 35ᵇ;
(ich will) mit fleisz versehen im sein pferd,
mit strewen, strigeln, füttern und trencken
H. Sachs 21, 104 Götze;
von körnerfutter, von decken, streu, putzen, von tränken im stall und regelmäsziger wartung (der pferde) ist nicht die rede Moltke schrift. u. denkwürd. 1, 137; häufig auch in thierärztlichen anordnungen: wann die pferd zu vil mager werden, soll man ihnen zum futer geröst korn oder gestoszne gersten zwifach fürschütten und zum tag dreimal träncken Herr feldbau 1866; wann ein pferd nit essen mag, so nimb ... roggenkleyen, thues in ein schaf mit bronnenwasser ..., trencks darmit, es wirt gesund Seutter roszartzney (1588) 118; von vögeln: und darnach sol man im (dem habicht) geben ain gantze gallen von ainem swein ... und alslang bis er gesunt wirt, sol man in trencken mit wasser des morgens (15. jh.) Mynsinger falken, pferd. u. hund. 45 lit. ver.; so auch oft mit qualitativen adverbialen bestimmungen: trencks (das pferd) nit kalt in 14 tagen Seutter roszartzn. (1588) 76; man trencks morgens law mit einer handvol kleyen darein gethan ebda 16; trencks warm ebda 77; oder allgemeiner, das adv. bezeichnet das ergebnis der handlung: wann ein rosz zu rehe geträncket worden M. Böhme roszartzney (1618) 27; rehe-gesoffenes oder hitzig geträncktes pferd caval rappreso Kramer 2 (1702) 200ᶜ.
γ)
besonderheiten. elliptischer gebrauch tritt früh auf: hie würt Parzifal vehtende mit eime rittere, der huote eins wassers, daz nieman drinne tranhte Wisse-Collin 359 Schorbach; (die von Arzell) solten auch in dem pach nit trenken (1540) österr. weisth. 2, 220; er war ein reutersmann, fütert, eh er trenckt, ein weidman, trib auff, eh er zu garn lauff Fischart Gargant. 75 ndr.;
doch erst trockne den schaum, dasz er kühl werd, ehe du tränkest
Voss sämtl. ged. 2, 207;
dem sprachgefühl geht das wissen um unterdrückte obj. zuweilen verloren, sodasz dann neue constructionen mit präpositionalem obj. möglich sind: darzue haben die nachpern zu Haimbingen die recht ... mit iren oxen zu trenken darin und daraus ungeverlich österr. weisth. 3, 63; ähnlich bei schwemmen 1 b, th. 9, 2514. natürlicher übergang vom transitiven zum reflexiven gebrauch tritt ein, wo subj. und obj. in eins fallen, also bei wilden thieren: gazellenheerden herbeieilen, die ufer des Nils hinabzusteigen, da sich zu tränken Ritter erdk. 1, 618; ähnlich: ein mann, in dessen blute sich die mücken um die wette tränckten Lichtwer äsop. fabeln 161; bei ellipse des refl.-pron. gewinnt tränken intransitive bedeutung (vgl. 3 b): ein brunnen ... gab das schönste motiv zu einem bilde: die tränkenden maulesel, deren haupt mit bunten bändern ... verziert war v. Gaudy 5, 137.
b)
menschen tränken.
α)
in der älteren sprache bis ins 16. jh. durchaus üblich: afþaursiþs was jan-ni dragkideduþ mik (ἐδίψησα καὶ οὐκ ἐποτίσατέ με) Matth. 25, 42;
vrouwe, trenche mich nu
Milstädter gen. u. exod. 42, 20 Diemer;
mich turst vast zuͦ menger stund,
da tranktent ir gern minen mund
Mone schausp. d. mittelalt. 1, 286;
(Rebecca) trenckt in 1. Mos. 24, 18 (ausg. v. 1523; in der von 1534 geändert in: gab im zu trincken); do gieng sy hin und füllet die fläschen mit wasser und trenckt den knaben Zürcher bibel (1531) 1, 10ᵃ; die durstigen trencken Ferdinand v. Tirol spec. vit. hum. 19 ndr.; das partic. prät. kann gelegentlich die bedeutung 'satt getrunken' annehmen: sesse ein mensch vor einem keler und were nach seines herczen gierde wol getrencket (14. jh.) Steinhausen privatbriefe 2, 7; mit präpos. bestimmung; selten enthält sie eine locale angabe: den stein zebrah er in demo einote unde tranchta sie samo in tieffemo uuage (adaquavit eos velut in abysso multa) Notker 2, 314; nu saz der biscof under das folk und trankt si uz ainem kelch trüebes trank (14. jh.) Marg. Ebner offenb. 159 Strauch; refl.:
wie oft hat er die herd und auch sich selbst getränkt
aus eurem bronnen hier
Neumark fortgepfl. mus.-poet. lustw. 2, 248;
substantielle beziehung tritt hinzu: mir was, wie ich vor dem selben bild stüend, ... so naigt sich min herr Jhesus Cristus her ab ... und trankt mich mit sinem bluot dar usse (aus seinem herzen) Marg. Ebner offen. 21 Strauch. sie herrscht vor (ab, mit, von etwas tränken): wann allso die mess auss und der pfarrer das volk ab dem hl. bluet getrenkt (1640) Fischer schwäb. wb. 6, 1765; (sie) tranchton mih turstegen mit ezziche Notker 2, 269; wer dieser geringsten einen nur mit einem becher kaltes wassers trenckt Matth. 10, 42;
bist ouch keim gfangnem gnedig gsin,
kein durstigen trenckt mit dinem wyn
schweiz. schauspiele d. 16. jh. 1, 39 Bächtold;
refl.:
darnach soltu gedencken,
wie du dich sollest trencken
mit wasser von pipinelle
tormentille scabiosa schnelle
tractat contra pestem (1500) c 3ᵇ;
(sie) fahen den regen und den tauw darinn (in tüchern), damit sie sich darvon trencken
Fronsperger kriegsb. (1573) 3, 146ᵃ;
als 'vergiften': einen mit gift tränken venenum alicui miscere Stieler 2332; ganz realiter vorgestellt auch:
dar usz (aus den krügen) saltu den alten judden schengken,
mit swebel und bech saltu sie drengken
Alsfeld. passionssp. 8, 271 Grein;
refl.: (die törichten jungfrauen in der hölle)
in smekendem nebele
sich trenken sie mit swebele
sälden hort 872 Adrian;
im bilde: aber den stoltzen und vorhin klugen ... welcher bauch ihr gott ist, welche allein am thiere der Babylonischen huren hangen, und sich von ihrem gifft träncken J. Böhme schrift. (1620) 2, vorr. a 3; über den rein sinnlichen vorgang hinaus tut die vorstellung vom getränktwerden mit Christi blut einen schritt ins uneigentliche: wie nun der son gottes sein ... blut ... den ertzvettern ... hat fürstellen lassen und uns im abendmal damit trencket zu vergebung der sünden Mathesius Sarepta 75ᵇ (ähnlich s. γ). lexikalisch wird der eigentliche gebrauch dann bis in das 18. jh. weitergeschleppt: träncken (einen durstigen) ihm zu trincken geben, to give drink to one that is thirsty Ludwig teutsch-engl. (1716) 2001; abbeveràre, beveràre einen tränken Castelli ital.-d. (1741) 1, 3ᵇ; mit wasser träncken aliquem aqua potionare Steinbach d. wb. (1734) 2, 875; in wirklichkeit ist er in der sprache des 17. jh. nur noch in relicten vorhanden und taucht erst im 18. jh. wieder stärker auf, allerdings nun fast ausschlieszlich der poetischen sprache angehörig, während der alltagsgebrauch dafür nun lieber zu trinken geben, trinken lassen u. ähnl. verwendet (s. im eingang dieses abschnittes Luthers correctur):
Minerva tränkte mich mit ihren nahrungssäften
Gottsched ged. 1, 366;
wo dich ein diener tränkt, wann ihm der herr nur winket
Dusch verm. w. 457;
so eben hab ich meinen kampfgefährten,
den Tartar, noch zum letzten mal getränckt
Z. Werner d. söhne d. thals 1, 313;
ähnlich in gehobener oder archaisierender prosa: die zeit, da die ritter auf die jagd ziehen und sich von den jungfrauen tränken lassen Laistner nebelsagen 312; gaben mir auch zu essen und tränkten mich mit dem besten wein Steub drei sommer in Tirol (1871) 1, 201; wie wir heute, wenn wir pastoral-salbungsvoll und mit betonung des charitativen sprechen, durchaus tränken statt zu trinken geben sagen können, so auch schon im 18. jh.: die durstigen tränken, ist erhabener, als den durstigen zu trinken geben Stosch versuch 2, 546. — auch wo sich die bedeutung mundartlich vereinzelt erhalten hat, ist sie eingeengt, z. b. trankə scherzhaft vom menschen, zu trinken geben Martin-Lienhart 2, 760; ên dränken jemandem vollauf und unentgeltlich zu trinken geben lux. ma. 69. das reichliche auftreten von subjectsverschiebung wird durch eben diese gehobene verwendung in der dichtersprache erklärlich. im bildlichen gebrauch allerdings ist sie nicht selten schon vornhd. zu belegen:
uuant er unsih freuuita   then guaton uuin uns sparota,
ther furdir uns ni uuenkit   ioh geistlicho drenkit
Otfrid 2, 10, 20;
uns trenkent da dri chopphe beuollen erlich
der driualtigen gelovbe.
div labet uns des herzen ovgen
in einir einekhaite
Diemer dtsche ged. 82, 27;
die ewige wune,
do der clar lauter prune
der gotheyt reych
ymer on end dich trencke
H. Folz meisterlieder 39 Mayer;
getrencket hat mich laides prunn
liederb. d. Hätzlerin 7;
im 17. jh. und später neben weiterer bildlicher, dann auch in wirklicher anwendung: denn es läge allein unter dem tempel ein solcher überflusz von wein, welcher hunderttausend menschen ein jahr lang träncken könte Lohenstein Arminius 2, 299ᵃ;
dort tränkt dich tag für tag der allerschönste wein
Gottsched deutsche schaubühne 5, 528;
aus lippen, welche stets dein offner becher tränkt
B. Neukirch ged. 191;
nektar, der die götter tränkt
Ramler lyr. ged. 146;
er sitzt am felsen, dessen born ihn tränket
A. W. Schlegel im Athenäum 2, 140;
freiwillig tränkt uns keine traube
Körner 1, 137 Hempel.
β)
eine einengung der bedeutung liegt vor, wenn tränken vom anlegen des säuglings an die mutterbrust gebraucht wird, wofür man jetzt häufiger säugen oder stillen sagt: wenn ein kind sich nicht genügen lesset an dem, dasz man es wartet, wieget, trencket etc., gibt ihm die mutter eins auffs mäulein Luther 34, 2, 252 W.; wenn ein kind solte in seiner mutter leib wieder gehen können ... und hernach abermahl gebohren würde ... und also noch einmahl sich stillen und träncken lassen Prätorius philos. colus 123; sie verdankt diese (jugendlichkeit) mit recht der sorgfalt, die sie gehabt hat, ihre beiden kinder selbst zu tränken Hermes f. eltern u. ehlustige 1, 81; Venus tränket den Amor. eine der lieblichsten gruppen, die man sehen kann (beschr. einer gemme) Göthe I 33, 256 W.; mit geändertem subject:
noch ehe die mutter
in die arme mich nahm und ihre brüste mich tränkten,
fasztest du zärtlich mich an
Hölderlin ges. dichtg. 1, 152 L.
mundartlich: drenke suckle Lambert pennsylv.-germ. dial. 44; von einer thiermutter: ja es würde die mutter auch diese jungen nicht mit milch tränken und auferziehen Göchhausen not. venat. 69; vgl. aber im comp.: auftränken ein thier ohne muttermilch aufsäugen Sallmann neue beitr. 88. bildlich: du solt getrenckt werden mit keisers brusten Jes. 60, 16 (mamilla regum lactaberis; von Luther später geändert in: der könige brüste sollen dich seugen); wir müssen andere brüste suchen, von welchen wir satt und zum ewigen leben getränckt werden mögen Dannhawer catechismusmilch 1, 30;
hätt ich (das alte jahrhundert) ihn (den könig) mit der milch der tugend nicht getränkt
Neukirch ged. 241;
seine majestät war die amme, an deren wohltätigen brust sich jeder getränkt und gelabt maler Müller 1, 193; naturbilder:
so oft ich trauben seh, so oft seh ich sie an,
als säh ich die natur mit hunderttausend brüsten ...,
woraus sie uns so reichlich schenkt
und mit der besten stärkmilch tränkt
Triller poet. betr. 1, 11;
die sonne brach hervor aus dem himmel und tränkte die erde, das alte kind, mit ihrer strahlen milch Heine 3, 223 f.; refl. personifizierend:
warum aus Junos brust die matte saat sich tränkt
Wieland natur d. dinge 1. buch v. 140.
γ)
in der festen verbindung speisen und träncken (vgl. speis und trank sp. 1191) hat sich der gebrauch von α bis heute durchaus erhalten. das ältere synonymon für speisen ist jedoch ätzen, schon bei Notker 2, 329, s. u. δ:
dar zuo er in æzzet unde trenchete
Milstätter gen. u. exod. 82, 15 Diemer;
der wirt in selbe trankte unt azte
mit willigen handen
Servatius in zs. f. d. altert. 5, 171;
wir seind unserm leibe schuldig, dasz wir ihn etzen, trencken, schlaffenlegen Agricola 750 teutsch. sprichw. j 7ᵃ; oft in rechts-, insbes. bannformeln: desselben helfer send durch den abt gehauset, gehoft, geesset und trenckt worden Knebel chron. v. Kaisheim 278 lit. ver.; der Aunsorg ... erlanget prieff, wer den Putrich huset oder hoffet, aust oder trankt oder geferlichen hin hulf, dem solt und möcht der Aunsorg zuͦ komen als dem Putrich (15. jh.) chron. d. d. städte 4, 100; weitere belege s. unter hausen II th. 4, 2, 660; vgl. noch:
so rufen wir, in unsers reiches namen,
die reichs- und oberacht ob deinem haupt,
dasz niemand dich behause, ätze, tränke
Z. Werner Martin Luther 255;
erst im 16. jh. wird ätzen durch speisen abgelöst; vgl. die häufung: gott hett die juden geätzt, gespiset und getrenckt Keisersberg s. th. 1, 596. der charitative beigeschmack (durstige tränken) ist hierbei noch stärker, als ihn das einzelne wort schon besitzt; demgemäsz in einzelnen belegen noch verstärkt: hungrigen speisen, durstigen trenckhen, frembden beherbergen Berth. v. Chiemsee teutsche theologey 602 Reithm.;
wer arm lüt spyszt, trenckt oder bekleydt
H. R. Manuel weinspiel 4190 ndr.;
ethisch gewendet: schaff, dasz ich versöhnlich sey und auch meine feinde liebe, ... die verfolger speise, träncke ... und das böse stets mit gutem dem beleidiger vergelte Schmolcke trost- u. geistr. schr. 1, 10; im übrigen ist der gebrauch seit dem 16. jh. unverändert: welches ist das leibliche brot? antwurt: do man den cörper mit speyset und trenckt zwei ält. katechism. 41 ndr.; nach dem der frauen leib seubern ..., auch die frau zu dem bett verordnen und legen, sie auch speisen und träncken Ruoff hebammenbuch 71; sie speiste und tränkte ihn, gab ihm neue kleider und fuhr mit ihm ... von dannen G. Keller 4, 198; refl.: auch weil es (das fieber) wehret und 2 stund darnach sich nicht speisen noch trencken, bisz sich dasselbig vollicklich gesetzet hat Wirsung artzneybuch (1568) 557ᵇ; wie unter 1 b α ins uneigentliche spielend, vom abendmahl; häufig: so ist unser seel gespyst und getränkt mit dem fleisch und blut Christi Zwingli dtsche schr. 1, 252;
schau, was dir gott vor gnad erweist
und wie er dich bedenket,
in dem er seinen leib dir speist
und dich genädig tränket
mit einer purpurrothen fluth
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. 97;
oft in bildern: sie (die weisheit) wird in speisen mit brot des verstandes und wird in trencken mit wasser der weisheit Jesus Syrach 15, 3; die arme kirche seugen, speisen, trencken Mathesius Sarepta 46ᵇ; mit beziehung zu 1 b β:
mit der millich, dem gottes wort,
sie (die kirche) die (christen) täglich trencket und speiszt
H. Sachs 6, 210 lit. ver.;
sprichwörtlich: wort speisen und trencken auch S. Franck sprüchw. 1, 112ᵇ.
δ)
aus der sinnlichen sphäre bilden sich festere anwendungen von sinnbildlichem rang heraus wie mit essig und galle, mit blut, mit tränen tränken. mit essig und galle tränken als 'etwas bitteres antun'; die quelle ist Matth. 27, 48 (bzw. Marc. 15, 36): und bald lieff einer unter inen, nam einen schwam, und füllet in mit essig, und steckt in auff ein rhor, und trencket in (vgl. noch: ich wil dis volck mit wermut speisen und mit gallen träncken Jerem. 9, 15); wie mag uwer Cristus got sin, sit er ist geborn und von dem tyfel versuchet, von sime junger verroten, mit gallen gedrenket, gekrüzeget, gemartelt und gestorben (1400) chron. d. d. städte 8, 364; und het in ussgemengt mit gemirten win, essig und gallen, do mit er getrenckt wart am stamme des heiligen crützes Keisersberg bilgerschaft 16ᶜ; den übergang vermitteln belege wie: wenn dein begird hat eines türstigen heischen genug, ... so wirt mit mir (Christus) dein dürstiger mund mit bitterkeit getrenckt d. ew. wiszh. betbüchl. 45ᵇ; aber der durst (des edlen worts) thuth nicht alleyn eynen groszen feylgriff mit seinen reden, sunder wurt auch mit gallen und essig getrenckt, wie Christus am creutz Luther 10, 2, 54 W.; voll emanzipiert:
wilt du mich kräncken,   mit gallen träncken,
und sol von plagen   ich auch was tragen
P. Gerhard bei Fischer-Tümpel 3, 430;
mit essig und galle tränkt ihr den sterbenden Hippel kreuz- u. querzüge 1, 436; er tränkte die jugend mit galle Treitschke dtsche gesch. 3, 710. mit seinem blut tränken als sinnbild liebevoller aufopferung, hingabe, im bilde des pelikans:
denn deine liebe gleicht dem treuen pelican,
der seine jungen tränckt mit seinem eignen blute
J. G. Neukirch anfangsgr. z. t. poes. 37;
hatte wie ein pelikan
dich mit eignem blut getränket,
und du hast mir jetzt zum dank
gall und wermut eingeschenket
Heine 2, 23 E.;
in anderer bedeutung 'im kriege fallen':
bevor nicht einer ... den grausen kriegesgott
mit seinem blut getränket haben wird
Bürger 161 Bohtz;
das land, die erde mit blut tränken vgl. 5 c α. mit tränen tränken 'betrüben': so inchist du uns daz du unsih azzest unde trenchest mit tranen be mezze (cibabis nos pane lacrimarum et potum dabis nobis in lacrimis in mensura) Notker 2, 329,; träncke mich mit dem masz vieler thränen Arnd Thom. a Kempis nachf. Christi (1631) 29; refl.: (nach dem bruch mit einer freundin)
nun ... rufe dich bey meinem namen heiser
und tränke dich von deiner thränen bach
v. Gökingk ged. 1, 106;
anders: ich will euch gerne mit meinen seufzern nähren und mit meinen thränen tränken Schubart br. 2, 17 Strausz; mit subjectsverschiebung: die thränen träncken mich, die seufzer seyn mein brot Hofmannswaldau bei Steinbach dtsch. wb. 2, 875;
verschluckter thränen bitterkeit
hat sie getränkt die ganze zeit
A. v. Droste-Hülshoff 2, 89;
etwas mit tränen tränken s. unten 5 c β.
ε)
in einigen typen hat sich bildlicher gebrauch besonders reichlich und fortwirkend herausgebildet.
αα)
einerseits gehen die bilder auf die ausspendung göttlicher gnade und liebe, göttlichen segens (vgl. auch die belege th. 8, 2550): noch dannoch dürstet in (gott) darnach, das er in uns ainen waren durst finden müge, und das wir uns nach im mit begierden dürsten wöllen laszen, so wölt er uns also herrlichen und süssiglichen trencken Tauler sermones (1508) 39ᵃ;
trenck uns dort ewicleiche
in susser mild
ausz deines heiles prunne
H. Folz meisterlieder 156 Mayer;
es wolle dich des himmels hand
mit lauter gnadenbrunnen träncken
Gottsched ged. (1751) 1, 66;
du tränkest die menschen mit den ausflüssen deiner liebe, und erfüllest die reinen geister mit dir selbst Wieland I 2, 358 akad.; in der dichterischen sprache besonders breit und tief nachwirkend ist das bild aus ps. 36, 9: torrente voluptatis tuae potabis eos, von Luther unsinnlicher gegeben: du trenckest sie mit wollust, als mit einem strom; stärker dem bild der vulgata sich nähernd: und von der güsz alles wollustes werden sy getrenckt Keisersberg buch granatapfel (1510) g 7ᵈ;
unt mit deiner wollusten flus
trenkest di abgematten
Schede-Melissus ps. 143, 9 ndr.;
und gott träncket sie (die engel) aus dem bache seiner wollüste Bodmer abh. v. d. wunderb. 43; häufig in religiöser lyrik:
o Jesu süsz, wer dein gedenckt,
sein hertz mit wollust wird getränckt
Bäumker kathol. kirchenl. 1, 385;
das bild wirkt dann auch in anderen (weltlichen) motiven und zusammenhängen:
du (Pyrmont) hast, nach schwerer last, die unsern Atlas drückt,
mit neuer kraft und wollust ihn getränket
Weichmann poesie d. Nieders. 1, 32;
wo die natur, uneingeschränkt,
uns ihren ganzen reichthum schenkt
und jeden sinn mit wollust tränkt
Ebert epist. 80;
lexikalisch ganz abstract paraphrasiert: mit wollust tränken voluptate afficere Frisch 2, 381; allgemein auf belebung, bereicherung deutend, greifen die bilder auch auf weltlichen bereich über: wann yhr euch denn selbs also habt wol unterweyset, so habt yhr schon eyn kunstbrun ynn ewer hertz und gedancken ..., der nymmer mehr austrücknen noch versiegen mag ... davon yhr denn alle welt muget leren und trencken Eberlin v. Günzburg 3, 189 ndr.; wie vortreflich, wenn der verf., der alle quellen dieser behandlung kennt, doch nur einige vorzügliche selbst kostete und damit seine schüler tränkte Herder 5, 372 S.; refl.: die quelle der jugend ..., aus welcher sich deutsches leben immerdar tränkt Immermann 18, 99 Boxb.; obige bilder von innerlichen und geistigen dingen als quelle, aus der man sich tränkt, schimmert noch durch ganz uneigentliche anwendungen hindurch:
mit thiu (den hl. schriften) sie unsih iagilicho   drenkent frauualicho
Otfrid 2, 9, 14;
da nâch begond er suochen
die bluomen in den buochen,
... daz er da heim ... sîn volc ...
mit süezer lêre trancte
Albertus st. Ulrichs leb. 218 Schmeller;
refl.: wenn wir uns aus der schrifft trencken und stercken wollen Luther 24, 468 W.; ganz sinnlich gesehen: gebt Beethoven den jüngeren nicht zu früh in die hände, tränkt und stärkt sie mit dem frischen, lebensreichen Mozart Schumann ges. schr. 1, 9.
ββ)
tränken im üblen sinn; erst wieder als göttliche verhängung: trangtost unsih mit demo uuine gestungedo (potasti nos vino compunctionis; Luther: mit dem daumel- [var. bitterm] weyn ps. 60, 5 laa.) Notker 2, 227;
hast schmertzwein eingeschenket
und uns damit gedrenket
Kehrein kirchenl. 3, 225;
auch sonst: es viel Babilon die michele: die do hat getrenckt alle leut von dem wein des zorns irr gemeinen unkeusch erste dtsche bibel 2, 505 lit. ver.; das ist ja klerlich gnug gered, das er die leute habe mit dem kilch seines zorns getrenckt, das ist mit mutwilliger tyranney hochbetrübt Luther 19, 418 W.; soll ich gott loben und bekennen, so werden sie mich drob trencken mit dem kilch der marter ebda 10, 1, 1, 715; Luther hat ir (der hure Babilon) den guldin becher vol grewel und unflats, ausz welchem sy die künig und alle völcker der erd getrenckt und truncken gemacht hat, ausz den henden geprochen Phil. Reugius v. luther. wunderzaychen (1524) b 2ᵇ; dort predigt der böse feind im talar und halskragen ... und tränkt die zuhörer mit einer brühe, dasz die schweine davon krepiren würden Görres ges. br. 3, 367; uneigentlich, doch mit stark sinnlicher kraft: da wird man ihn mit jammer tränken, dasz er erschwarzen möchte Grimmelshausen Simplicissimus (1684) 3, 287.
ζ)
losgelöst von sinnlicher anschauung bildet sich, hauptsächlich in dichterischer sprache, ein uneigentlicher anwendungsbereich heraus, in dem tränken je nach dem zusammenhang etwa die bedeutung 'erquicken, ergötzen, laben' oder (nicht ohne wirkung von 5 b her) mehr 'sättigen, erfüllen, überschütten' annimmt. vorwiegend mit unpersönlichem subject. vereinzelt schon in älterer sprache:
ist iz prosun slihti   thaz drenkit thih in rihti
(sive sit prosa simplex, hoc refocillat te recta)
Otfrid 1, 1, 19;
sich daz waren schöne wînreben (die heiligen und marterer). wann si hant braht manegen schönen wintruben. daz ist daz si manech schön werch hant gewurchet. mit dem manech sel ist getrenchet inwendeclichen deutsche pred. d. 13. jh. 1, 134 Griesh.; da wird der hochhaylige schaz (reliquie) von dem pfarrherrn empfangen, dass volkh darab getrenkht (ihm zum kusz dargereicht) (1640) Fischer schwäb. wb. 6, 1765. reichlich seit dem 18. jh.:
da gott dir ein gemahl geschenket,
das dich ... mit süszer anmuth tränket
Gottsched ged. (1751) 1, 348;
ihn ein blick von euch (den frauen) mit götterwonne tränkt
J. A. Schlegel verm. ged. 2, 234;
in ein meer von süszer lust versenket,
wallt die seele staunend auf und ab,
stürzt, von frohen ahndungen getränket,
sich im taumel des gefühls hinab
S. Mereau ged. 1, 45;
es grüszt dich wohl ein augenblick,
der ist so überschwellend voll,
als ob er dich mit selgem glück
für alle zukunft tränken soll
Hebbel (1891) 7, 153;
von 1. Cor. 12, 13 leitet sich der gebrauch von einem oder durch einen geist getränkt werden her, dort das sinnliche benetztwerden mit dem taufwasser und das übersinnliche überschüttetwerden mit dem geist in eins bindend: jah allai ainamma ahmin dragkidai sijum (καὶ πάντες ἓν πνεῦμα ἐποτίσθημεν); wan alle seyn wir getauft in aim geist, in ainem leip, ez sein juden, oder haiden, oder aygen, oder freyen, und alle seyn wir getrenkt in aim geist cod. Teplens. 2, 35; häufig in geistlicher literatur: wir ... seint alle in einem geist gedrenckt worden Murner a. d. adel 11 ndr.; im 18. und 19. jh. frei verwendet: durch den allgemeinen geist, wovon die völker getränkt waren, und durch die anerkennung dieses geistes ... ist geherrscht worden E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen 2, 421; er war durchaus getränkt von dem echten geiste protestantischer freiheit Treitschke hist. u. pol. aufs. 1, 10; in völliger verkehrung des ursprungs:
einer des ruchlosen volks ...,
das von dem schwindelgeiste getränkt von gott sich verirrt hat
Bodmer Noah 10.
η)
übertragungen auf ferner liegendes, meist dichterisch. düfte:
hierauf ergriff ich meine rosen von neuem wieder; tränkte mich
mit ihrem balsam, der aus ihnen, in unsichtbaren dünsten raucht
Brockes ird. vergn. 8, 126;
lüfte:
dann will ich auf der terasse
dich mit frischen lüften tränken
Göthe I 6, 213 W.;
komm in den süden, freund, und lerne,
ob geschmeichelt, getränkt von süszern lüften ...,
ob dein auge nicht bricht
Waiblinger ged. aus Italien 2, 129;
der luftstrom, welcher stets verklärte wesen tränkt Wieland I 1, 15 akad.; auf eine pflanze angewendet (s. 5 a): so verwandelte sich diese pflanze nach dem boden, der sie nährte, und der himmelsluft, die sie tränkte Herder 1, 2 S.
c)
mit specialisierter bedeutung als 'trunken machen, zu boden trinken' begegnet tränken vom mhd. bis ins 17. jh.; frühe belege lassen die möglichkeit zu, sie noch im sinne eines bloszen tractierens mit geistigen getränken zu interpretieren:
der bote des niht wart inne.
er warp mit unsinne,
daz er sich sus trenken lie,
dâ von vreuden vil vergie.
dô er erwachte, dô weste er niht
der ungetriuwen geschiht
Mai u. Beaflor 139, 22 Pfeiffer;
eindeutig:
he gebot ouch sinen schenkin,
daz si en soldin trenkin,
so daz he von der trunkinheit
virgeze siner selikeit
pfarrer zum Hechte in zs. f. d. altertum 17, 224;
(trunkenheit) die gibt ze trinken met und wein
und macht die leut frolich sein
und trenket also mangen man,
das er nimmer reden kann
meister Reuaus (15. jh.) in Wagners arch. 1, 27;
kum wir trencken in mit wein (inebriamus eum vino; var.: wöllendt in truncken machen) erste dtsche bibel 3, 100; und David der rieff im (Urias), das er esse und trunck vor im und in trenckt (et inebriavit eum) ebda 5, 168; das ist, man wird dich widder trencken und truncken machen, das man deine schame auch sehe Luther 19, 419 W.; die pfaffen trencken jetzt hertzog Georgen, und hertzog George trencket die pfaffen, was gilts, wenn sie nu truncken werden, so wird einer dem andern den bosen (busen) voll speien Luther bücher u. schriften 6 (Jena 1561) 16ᵃ; aber da es zum trincken kam, wer es nicht müglich gewesen, ihn zu träncken v. d. Sohle Don Kichotte 34; später gelegentlich ähnlich:
dich haben s' schon wieder in branntwein getränkt
Meisl theatr. quodlibet 2, 44.
2)
die seltene construction mit accusativ der sache ruft eine neue bedeutung 'schenken', 'ausschenken' hervor: ouch sol ein ietlicher, der an demme cruce tage kuͦmet gegen Selse mit veilem wine, trencken und schencken sinen win von einre vesper zuͦ der anderen vesper ... swer ein fuͦder wines zuͦ Selse trencket oder schencket, der sol von rehte demme abbete dez closters zuͦ Selse ... sehs becher wines geben ... der ein halb fuͦder trencket, der sol geben vier becher wines (1310) Mone anz. f. d. kde d. teutsch. vorz. 5, 302. der ausgangspunkt der construction ist in der formelhaften verbindung mit schenken zu suchen. vgl. tränker 2 a 'dator, praebitor potus' Stieler 2333 und mnd. drenker 'schenk' Schiller-Lübben 1, 572ᵃ.
3)
vom mhd. bis in das 17. jh. wird tränken in der bedeutung 'ertränken', 'ersäufen' gebraucht. diese bedeutungsentwicklung reicht über das deutsche hinaus, es teilt sie mit dem mnl., afries., ags., altnord., (alt)schwed. und älterdän. s. auch vertränken.
a)
wer trancte Phârâô in dem sê?
Frauenlob nr. 350 Ettmüller;
ber einem menschnn seinen sone oder tochtter verrett, das er verkaufft wirt, oder vorandert wirtt on seiner frund willn, den mon sol man raadprechnn, der es geton hatt, und des weib trenncken Schemnitz. stadtr. 27 in Wiener jahrb. d. lit. 104, anz.bl. 11; mnd.: dar quam hertoghe B., den hie dar na drenkede, wente hie gherede des rikes bei Schiller-Lübben 1, 571ᵇ; ich kam in der tieffe des mers: und daz ungewitter tranckt mich (et tempestas demersit me) erste dtsche bibel 7, 338; herzog Ernst von Münichen (liesz) seins suns herzog Albrechts puelschaft trenken Aventin 5, 570 L.;
vielleicht must gen Rom, mit den schwencken
lest er dich in der Tieber trencken
H. Sachs 14, 314 lit. ver.;
fürt (den mann) auf ein gefroren eis,
alles aus betrogner weis,
vermeint in zu träncken darin
Teuerdank 55 Gödeke;
häufig formelhaft in der verbindung henken und tränken, dann auch mit vb. ähnlicher art, die die gerichtsbarkeit bezeichnen: wen si dan nit ... sich flux packen, so peut man in bei henken und trenken ausz dem land Aventin 1, 247 L.; lies si ... ain tail alda henken, ain tail trenken, die maisten köpfen ebda 5, 588; sie zum hencker sprechen: schlag ab, henck, trenck S. Franck sprüchw. 2, 91ᵇ; weiter vermelden wir uns, das wir haben pann und gericht, auch über das pluet ze richtn ... mit henken, radtprechen, trenken, prennen (16. jh.) niederöst. weisth. 2, 679; vgl. auch th. 4, 2, 990; ähnlich im zeichen sinnlosen hinmordens: man sicht, wie der babst mit seiner teuffels rott ... wüttet mit hencken, trencken und prennen Luther 34, 2, 86 W.; ob wohl sich Christus ... stellet itzt, als sei er schwach, das er die türckischen tyrannen lesset also wüten, und seine christen morden, hencken, trencken und verbrennen ... aber haltu dich stille, er wird noch wol auffwachen Casp. Adler nötige ermanung (1548) b 3ᵇ; solches alles ist nun ... diesem Belial und soldaten teufel dermassen angeerbet, dasz er menschenwürgen, lutherisch blut vergieszen, hencken und trencken für kurtzweil helt Mengering kriegsbelial (1633) 118; reflexiv als 'sich ertränken' im selbstmord:
do si den herren tod ersach,
vor laid trancht si sich auch in ainem wasser
U. Füetrer Merlin 7 lit. ver.;
(teufel zum bischof:) henk oder trenk dich nur geschwint
Schade satir. u. pasquille 1, 153;
(die braut) schrie überlaut: nun will ich mich drencken und meinem (getöteten) bräutigam nachfolgen Abele unordnung 1, 313. — in nd. und md. vocab. des 15. jh. belegt: mersus gedrenket (1420) Dief. gl. 358ᶜ; mergere drengken ebda 358ᵃ; submergere drencken, vordrincken ders., n. gl. 353ᵃ; vgl. auch drenken, verdrenken demergere, submergere, submersare v. d. Schueren Teuth. 85ᵇ Verdam; in den westnd. und nordfries. mundarten noch heute: dränken ertränken, ersäufen brem.-ns. 1, 247; Berghaus Sassen 1, 357; drenk ersäufen Mungard Sylt 53; dranke ertränken Jensen nordfries. 78, woselbst belege.
b)
früh auf leblose dinge übertragen. das vortretende moment ist ein 'unter wasser bringen', 'versenken', 'in das wasser werfen' und somit von dem gebrauch unter 5 zu unterscheiden. mhd. gelegentlich dichterisch; unkräftig:
den satel manger trenket,
der fürte daran suͦchet
Hadamar v. Laber 429 Schm.;
kräftige belege bieten das 15. und 16. jh.: uns langt an, wie frömbd saltz ... in unser fürstentumb Österreich ... gefürt und darin verkauft werde, das uns nit gevellt, und emphelhen dir ernstlich und wellen, wo du ... solh frömbd saltz ankemest, das du das trennckhest, die ros wegen ... nemest und die semer und furleut ... in vencknuss wol bewart haltest (1478) monum. habsburg. I 2, 673; die feces (bodensatz, niederschlag des scheidewassers) halt sauber zusammen, geusz die ab, treug und trencke sie ins (flüssige) bley Ercker mineral. ertzt 71ᵃ: häufiger von schiffen:
was schiff für sie namen ir ker,
die tränckt sie an der überfart
Wickram 8, 200 lit. ver.;
passivisch, mit der intr. bedeutung 'untergehen': es sollen (infolge eines unwetters) 16 galeen vor Antdorfft getrenck worden sein chron. d. d. städte 15, 127; ähnlich: so man es (das schiff) durch dy prucken ... wolt füren ..., bracht das schiff zu drümern und versenckt sich, ... im grundt verdarb vill guz (gutes), ... es was auch tapffers gelt getrenck (d. i. getrenckt) städtechron. 15, 88; als 'vollaufen mit wasser': sonsten hat der wein fast gleiche schwäre mit dem wasser, blibe für sich allein so bald unden als oben im flusz, nach dem ihn der schwal truege. sol also, dieser rechnung nach, ein trenckt schiff mit lauter wein geladen, nicht gar versinken Kepler opera omn. 5, 604; ebenso refl.: ein schiff tränkt sich 'läuft voll' vgl. Schmeller-Fr. 1, 667. durch bestimmte subjectsveränderungen verschiebt sich die richtung des vorganges. die dadurch modificierte bedeutung ist ein 'unter wasser setzen', 'überschwemmen': welh man des niht tut, den mac sin nakebure zu dinge brengen unde gebe im schult darumme also ... daz in sin aizucht (abzugsgraben) trenkit (var.: drengeth) oder sin rinne oder waz iz ist (14. jh.) Freiburg. urk.-buch 3, 21; als bergmännisches fachwort für 'ersäufen': welch erbe denne daz andir erbe alzo trenkit ..., daz zal man eygen (eignen) von rechte zcu dem erbe adir lehen ..., dy alzo getrenckyt werden Iglauer bergrecht nr. 27 bei Klotzsch ursprung 244; ähnlich: kummet do keyne clage obir, das si di nehsten lehen trenken mit irem wassir, do sal man hensenden gesworne luͤte, di das besehen Freiburg. urk.-buch 2, 278; von kohlen: wann aber das wasser auszbricht, so solt derselb hamermaister von stunden wider machen lassen, auf das das wasser ... ire koll nit trenk (taiding d. 18. jh., doch wohl auf älterer vorlage fuszend) österr. weisth. 6, 278; ähnlich: auffallend ..., warum sich solche salze in den sie tränkenden ... körperflüssigkeiten nicht in sehr kurzer zeit auflösen Sömmerring bau d. menschl. körpers 8, 1, 312; mit vereinzelter, ungewöhnlicher übertragung auf wucherndes gehölz: aichen und buechen andrer gestalt zu schlagen sol nit erlaubt sein, weder wann sie auf wisen und äckern trencketen (1616) Schmeller-Fr. 1, 667 (hier auch ebenso vom unkraut). vgl. eintränken, vertränken und engl. dialekt. drank 'ackerunkraut'.
4)
vom vorigen weiterschreitend, nimmt refl. sich tränken (s. 3 a) die bedeutung 'ertrinken' an (ähnlich auch vertränken, s. d.). vornehmlich niederdeutsch: do se des hertoghen schepe seghen, se meenden, dat se zeerovere (seeräuber) weren, unde leden se an myt harder hand unde slughen erer vele doet; ok drenckeden sik vele van en (15. jh.) chron. d. d. städte 28, 12; mnd. belege bei Schiller-Lübben 1, 571 f.; auch heute noch im nd.: sik dränken ertrinken brem.-ns. 1, 247; Berghaus Sassen 1, 357; doch auch in anderen sprachlandschaften:
unz er von geschichte vant
ein stec smaler denne ein hant ...
(sc. der mûl) wolte dar ûf springen;
Kei begunde in wider twingen ...
und gedâcht: war umbe tet ich daz,
daz ich mich solde trenken?
Heinrich v. d. Türlin die krone 12858 Scholl;
wär ich darein (in das schiff) gesessen, es wären vill mer darein getretten und hetten uns getrenckht, dann die wellen giengen starckh (1. hälfte d. 16. jh.) v. Herberstein selbstbiogr. in font. rer. austr. script. 1, 185. intransitiv wird tränken, wenn die bedeutung 'ertrinken' nicht mehr reflexivisch gebunden ist (wobei doch wohl elliptischer gebrauch anzunehmen ist). blosz nordfriesisch: anno 1226 was groth waterfloet ..., unde drenkeden wol 30 000 menschen quelle bei Schiller-Lübben 1, 572ᵃ; vgl.: jü gratt māndrēnk das grosze menschenertrinken, sturmflut von 1362 Schmidt-Petersen 28ᵇ; in den nordfries. mundarten heute durchaus üblich: drēnk ertrinken ebda; ebenso: dranke Jensen nordfries. 78; drēnk Möller Sylt. 68.
5)
unmittelbar übertragen auf unbelebte objecte: etwas trinken machen als 'es benetzen, anfeuchten, durchfeuchten'.
a)
in bezug auf die erde und die darauf befindliche vegetation. zuerst im 16. jh. unter einflusz der bibelsprache, doch ohne vorliebe gebraucht, sodann untertauchend und erst vom 18. jh. an wieder häufiger in meist poetischer und gehobener sprache.
α)
als bedachte zweckhandlung zur anfeuchtung und bewässerung des bodens, zur erfrischung der pflanzen, wofür man heute lieber wässern, netzen, begieszen sagt: da wessere ich meine garten und trencke meine wise Jes. Sirach 24, 42; desselbigen gleichen bedarff es auch keynes solchen netzens oder trenckens, wo vil klee in matten steht Sebiz feldbau 458; ähnlich: man wil für gewisz sagen, dasz die rose von Jericho in der geburtsnacht Christi blühen soll ... (verständige leute) vermelden, dasz dergleichen rose ... zu einer jedweden zeit dergleichen prästiret, so offt man sie mit öl träncke Prätorius saturnalia 82; meist poetisch im 18. und 19. jh.:
ach Benoni, mein bruder! dich lasz ich im grabe zurücke.
ach nun wirst du mit mir die blumen künftig nicht tränken
Klopstock Messias 2, 230 dtsche litdenkm.;
die blumen wuchsen schöner, die
mir unser gärtner schenkte,
wenn pachters holdes Kätchen sie
mit klarem wasser tränkte
Miller ged. 64;
ward ein blümchen mir geschenket,
habs gepflanzt und habs getränket
Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. 2, 345;
als fachausdruck: tränken 'wasser auf wiesen leiten' vgl. Mothes 4, 364; mundartlich selten belegt: trankə begieszen Martin-Lienhart 2, 760; drenke to water Lambert pennsylv. 44.
β)
von den elementarischen niederschlägen. im anschlusz an das vorige vorerst von der gottheit, in bezug auf regen und tau: trenckest seine (des landes) furchen (parasti rivos eius inebria) ps. 65, 11;
du bauest das land früchte vol;
du trenckest im die furchen sein
H. Sachs 18, 258 lit. ver.;
du tränkst das land Gellert 2, 126; der regen ..., mit welchem der himmel unsere weinberge tränkt J. P. Hebel 2, 31 Behaghel;
du himmlische jungfrau, du,
du tränkst das dürre Peru
Platen 1, 329 Hempel;
mit dem antlitz gegen osten gewandt, beteten sie zu dem unbekannten gott, der ... die wasserströme darnieder stürzen liesz, um ihre äcker und weiden zu tränken Aurbacher volksbüchl. 46; auch: tränkst den erdball jetzt, dasz menschen und thiere leben maler Müller 3, 406; im bild: seine gütte, mit welcher er das land ... tränket Butschky Pathmos 221; mit nicht persönlichem subj., dichterisch:
denn pfiegt die sonne gleich viel dünste zu erheben
und dörrt sie oft der Tellus schoosz:
so tränkt sie bald den grund zu desto reicherm segen
durch kühlen thau und warme regen
Gottsched ged. (1751) 1, 32;
die kühle nacht streut schlummerkörner
und tränkt die trockne welt mit thau
Haller ged. 80 H.;
ich seh es gern, wenn der rest von mir da untersinkt, wo ... die wetterwolke aufsteigt, und die berge tränkt und die thale, die ich liebte Hölderlin 2, 170 Litzmann; subjectsverschiebungen: milde regen, die so gütig die durstige erde tränken Bräker 2, 260;
der hohe wald wird grau
und wiesen tränkt der thau
Zachariä poet. schr. 3, 115;
bildlich: sein segen ... träncket die erden wie eine sindflut Jes. Sirach 39, 27; dichterisch:
denn es will kein feuchter kusz
meine dürren lippen träncken
Weise überflüss. gedank. 87 ndr.
γ)
an das letzte anschlieszend, mit den subjecten strom, bach, quelle u. s. f.; vor dem 18. jh. selten: es gieng aus von Eden ein strom zu trencken (später: zu wässern) den garten (ad irrigandum paradisum) Luther 24, 68 W.; im vergleich:
(die zunge ist) ein strom, der träncket und erträncket
Gryphius trauerspiele 42 Palm;
vom 18. jh. an fast nur dichterisch:
der berge wachsend eis, der felsen steile wände,
sind selbst zum nutzen da und tränken das gelände
Haller ged. 34 Hirzel;
eins verjüngte mein alter, durchrann, wie der tränkende bach rint
durch die wiesen, mein herz
Klopstock oden 2, 79 M.-P.;
im lusthölzchen des herrn Naville gingen wir auf anmuthigen pfaden einen ... bach entlang, welcher bald zu felsen rauschet, bald blumen tränket grafen zu Stolberg ges. w. 6, 291;
es lacht die flur, von ihm (dem Rhein) getränkt
Böhme volksth. lieder 24.
mit kosmisch geschautem bild:
ihr quellen alles lebens,
an denen himmel und erde hängt,
dahin die welke brust sich drängt —
ihr quellt, ihr tränkt, und schmacht ich so vergebens?
Göthe I 14, 30 W. (Faust v. 459).
b)
im 16. jh. beginnt der neben 1 a heut vorherrschende gebrauch, bei dem tränken je nachdem 'einen festen gegenstand von etwas flüssigem durchdringen, es in seine poren eindringen lassen, ihn flüssig behandeln, imprägnieren', meist in technisch-praktischer anwendung, bedeutet. vgl. leim tränken th. 7, 1286 und öl tränken Schmeller-Fr. 1, 667. vor dem 18. jh. selten, zuerst in der alchemistensprache: domit das holtz, welches nach dem sulphure als einer erhaltung sehr durstig, mit dem frembden schwefel getrenckt und ersettiget ... werde Thurneysser magn. alchymia 3; also tränckte das öl (des ölbaums) auch frembdes holtz Lohenstein Arminius 2, 315ᵇ;
(die natur) weiszt in gebürg und see uns hundert farben an,
damit man woll und seid in ihnen tränken kann
ebda 1350ᵃ;
ähnlich:
salbest mein haubt mit gutem öl getrenket
Schede-Melissus ps. 85 ndr.;
mit beginn des 18. jh. setzt lexikalische bezeugung ein: träncken mit öl oleo imbuere Dentzler 2, 288ᵇ; imbibiren heiszt bey den malern träncken Spannutius 276; seither und mit dem fortschreiten der technik in immer reichlicherer anwendungsmöglichkeit: wenn man leichte, aber dichte zeuge ... mit der milch des baumes tränkte, trocknete und wieder tränkte Lichtenberg verm. schriften 8, 332; der stein ... ward ... in gutes licht gebracht, mit öl getränkt und ... ganz genau durchgesehen und gezeichnet Göthe IV 31, 127 W.; auch dem lumpen-papier hat man, durch öfteres tränken in starkem leim- und alaunwasser, einen ziemlichen grad von unverbrennlichkeit gegeben F. Th. v. Schubert verm. schr. 3, 267; sie hatten ihre hände und kleider mit einer phosphorauflösung getränkt A. v. Arnim 1, 170 Gr.; durch die aufsaugende anziehung des dochtes steigt die flüssige masse auf, und, indem sie sein gewebe vor zu schneller zerstörung tränkend schützt, gelangt sie bis zu einem punkte, durch dessen gesteigerte temperatur sie selbst entflammt wird Lotze mikrokosm. 1, 83; in zündmaschinen gebrauchtem schwamm giebt man seine zündkraft wieder ... durch tränken mit ... platinchloridlösung Muspratt chemie 7, 325; tränken von eisenbahnschwellen u. s. f. mit fäulniswiderstehender flüssigkeit, heute dafür häufig 'imprägnieren' vgl. Hoyer-Kreuter 1, 773; ähnlich, beim kochen: die köhlersfrau ... (war) gastfreundlich bemüht, erhitzte brotschnitten mit butter zu tränken und durchziehen zu lassen Göthe I 24, 52 W.; selten dichterisch auch von einer flüssigkeit als object:
der rebenberg am leichenthal
tränkt seinen most mit blut
K. Fr. Cramer Neseggab 3, 88;
hier in den rauchenden mit blut getränkten wellen
bin ich noch frei
samml. v. schausp. 5, 63;
bildlich:
dies erz, dies läutr' ich in der glut des jammers
hart mir zu stahl; tränk es mit gift sodann,
heiszätzendem, der reue, durch und durch
H. v. Kleist 2, 167 Schm.;
sinnliche übertragung; von lichtstrahlen:
doch gleich wie das licht der erden ...
alles lässet munter werden
und mit seinen strahlen tränkt
Morhof unterricht 2, 40;
jede handbreit erde kann von der lieben sonne durch und durch getränkt werden mit lebenweckenden strahlen Ebner-Eschenbach ges. schr. 2, 7; farben: tiefes blau tränkt die tiefe, in welche jenseits der blick hinunter fällt H. v. Barth Kalkalpen 16;
dort, wo das wasser sich am stadtwall bricht,
lag bunt der park im letzen abendlicht
und liesz die wipfel sich mit purpur tränken
Arent-Conradi-Henckell mod. dichtercharakt. 146;
phantastisch: wisset ihr nicht, dasz, wenn das meer keinen dampff mehr über sich werffen und die sternen darmit tränken wird, selbe eingeäschert herab fallen sollen? Lohenstein Arminius 1, 669ᵇ; bildlich: (der brief) ist furchtbar wie der tod! die natter hat ihn getränkt Gerstenberg Ugolino 242 Hamel. hieran schlieszt sich reicher uneigentlicher gebrauch, in dem tränken die bedeutung von entweder qualitativem 'durchdringen' oder mehr quantitativem 'überschütten, erfüllen' annimmt; vgl. 1 b ζ. besonders seit dem 18. jh.: womit man seine imagination von jugend auf tränkt, das gieszt sich über all unser gebild und gemächt aus Schubart leben u. gesinn. 1, 197; ich halte es für ein gutes zeichen, dasz die modernen handwerkervereine so vielfach wieder die arbeitssitte mit religiösem geiste zu tränken suchen H. W. Riehl d. deutsch. arbeit 167; häufig mit dem part. prät.: das deutsche recht ist von poesie getränkt, in weit höherem masze als das römische J. Grimm kl. schr. 8, 550; waren nun absicht und wirkung dieses bildes verneinender natur, so war dagegen die ausführung mit dem wärmsten leben getränkt G. Keller 2, 149.
c)
symbolischen gehalt tragen einige wendungen, die in der hauptsache an den vorigen gebrauch anknüpfen, teilweise auch in die bedeutung unter 5 a hineinspielen (vgl. 1 b δ).
α)
das land, die erde mit blut tränken. allgemeiner mit dem hintergrund kriegerischer ereignisse und blutopfer: auf einem boden, wo fast jeder fusz breit erde schon ... mit blut getränkt worden war Becker weltgesch. (6. ausg.) 14, 385; die republikaner fanden es unerträglich, dasz nach zwölfjährigem kampf ..., der das land mit blut getränkt habe, ein usurpator über diese freiheiten verfügen wolle Ranke 17, 133; wo anders ... wird endlich das schicksal der welt entschieden werden, als auf den fluren unseres landes, die schon von so vielem blute getränkt wurden? Holtei erz. schr. 13, 130; ähnlich: die unseligen begriffe des eigenthums und der alleingewalt tränkten die erde mit strömen von blut Forster s. schr. 7, 185; von der partei des stärkeren gesehen, erlangt die wendung einen sinn wie 'schonungslose grausame kriegsführung':
und es (das feld) kein Saracen mit blut der christen tränckt
Pietsch gebundene schr. 33 Bock;
dreiszig jahre lang tränkte Karl das weite Sachsenland mit blut Dahlmann gesch. v. Dännemark 1, 19; vom fallenden her gesehen: 'kriegertod' oder specieller 'opfertod':
dasz mit unser beyder blut werd
besprengt und getrencket die erd
bei Dähnhardt griech. dramen 1, 209;
als ... es immer mehr kund ward, dasz die teutschen krieger vergebens den väterlichen boden mit ihrem blute tränkten Klinger 8, 254; tausende waren gefallen und tränkten mit ihrem blute die grünen wiesen Allmers marschenb. 1/2, 401; in einem von der bedeutung 5 a stark befruchteten bild: von dem schlachtfelde an der brücke bei Warschau ... bis unter die mauern von Rastatt werden sie finden, dasz überall die wurzel preuszischer freiheit reichlich mit dem blute seiner edlen geschlechter getränkt ist Bismarck pol. reden 1, 151 Kohl. anders, etwas mit blut tränken als 'es zum leben erwecken, mit leben begaben':
du tränkst des dichters dämmernde gestalten,
die ängstlich zwischen sein und nicht sein schweben,
mit deinem blut und giebst den schatten leben
Hebbel w. 6, 313 Werner;
Hans brauchte nicht die schatten der todten mit blut zu tränken, um ihnen stimme zu geben ... sie kamen freiwillig Raabe hungerpastor 3, 189; ähnlich: soll ich diese maullose felsen mit herzwasser tränken? maler Müller 1, 179.
β)
etwas mit tränen tränken als symbolischer ausdruck der trauer, des schmerzes: komm, wir wollen ... unsere kränze mit diesen thränen tränken Bürger 254 Bohtz;
du wanderst mit den vaterlosen,
mit thränen neu das grab zu tränken
Lenau 192 Barthel;
mit thränen unaufhaltsam
mein einsam lager tränk' ich
Geibel (1888) 2, 18.
d)
in einigen anwendungen ist tränken bloszes 'benetzen', 'in eine flüssigkeit tauchen'. so insbesondere dichterisch von stichwaffen:
indem die andern den dolch in den neuvermähleten tränkten
Bodmer Noah 29;
tränket ein gegner in euch den blutigen spiesz?
Denis Sined 162;
ähnlich, symbolisch für 'hinmorden': ich trenck meine geschosz mitt pluͦt und mein waffen verwüst die fleisch erste dtsche bibel 4, 240; diese piken, mit dem blut so vieler edlen getränkt, mögen sich auch in meines tauchen Göthe I 13, 1, 327 W.; refl.:
auch das spricht noch von ihm: der held der menschlich denkt,
klagt, dasz sein siegreich schwert in menschenblut sich tränkt
A. G. Kästner verm. schr. 2, 175;
anders, im bilde:
wenn grübler
endlich die durstige feder tränken
Klopstock oden 2, 130 M.-P.
6)
ein zuflusz von wasser, wofür gewöhnlich speisen gebraucht wird, wird in einer anzahl belege des 19. jh. mit tränken bezeichnet: die grotte selbst, von zwei in krystall gefaszten springbrunnen belebt und getränkt ..., scheint ein gepflegtes spielwerk des königs gewesen zu sein Laube ges. schr. 4, 44; jener, dessen mühlwerk zum theil durch zuflüsse aus dem sogenannten see im garten getränkt werden muszte Holtei erzähl. schr. 3, 152; einen kleinen see, den unser waldbach tränkt Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 131; die norddeutschen moore, welche mit dem landwasser der geest getränkt werden Allmers marschenbuch 1/2, 75.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7,8 (1932,1933), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 1208, Z. 59.

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Zitationshilfe
„tränken“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tr%C3%A4nken>, abgerufen am 16.09.2021.

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