Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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trankgeld, n.

trankgeld, n.,
vom 14. bis zum 19. jh., immer spärlicher werdend, mundartlich bis heut neben trinkgeld.
1)
ältere, nur vereinzelt begegnende bedeutungen: 'geld für genossenen trank', 'zeche', 'zechschuld': von ausgetragen gelde umb trank. wer einem sein trankgelt austret (mit der zeche durchgeht) und wil ym des nicht gelden, und begreyffet yn auff der flucht, er heldet yn wol mit recht auff (14. jh.) Tomaschek der oberhof Iglau 371; ähnlich: wil eyn man den anderen beschuldigin umme trancgelt, des entgheet er em mit syner unschult, alz umme ander gelt, do er keine gewere an gezugen mag (pro pecunia contracta vino ac alio potagio) sächs. weichbildrecht 1, 143 Daniels u. Gruben. feste dotation für die auslagen an getränken: item 111⁄2 schog ... dem pfarrer zu sandt Benedicten vor tegeliche koste, trankgelt und vor badegelt (1403) Marienburger treszlerbuch 242 Joachim.
2)
in der hauptsache eine summe geldes für auszer der regel geleistete arbeiten und dienstverrichtungen. vornehmlich von höhergestellten oder vermögenderen an personen in dienender stellung, vgl. bibales dranggelt, dranckgelt, tranckgelt (15. jh.) Diefenbach 72ᶜ; dranghelt ders. nov. gl. 52ᵃ; tranckgeld honorarium Aler 1910; mercedula Steinbach dtsch wb. 1, 586: ouch sullen die wazzerknechte in der czolnere huse nicht gehen, keyn trankgelt odir andirs icht von dem czolnere czu eyschen (1351) Lambert Mühlhauser rathsgesetzgebung 135. in fügung mit zu und vor, so bis ende des 16. jh.: unde 4 sh. alde zue drang-gelde (1376) deutsche reichstagsakten 1, 87 Weizsäcker; 30 gr. vor mehel, vor bern und vor trangeld den kochin und kelnern unsz frouwen der herczoginne (1437) F. Bech beiträge (1887) 2. vom 15. jh. an flieszen die belege reichlicher: item 2 schilling trankgeld den smedeknechten, do sy dy stange smitten (1400) Marienburger treszlerbuch 63 Joachim; heft he ome gegeven to drancgelde 1 ferd. (1426) bei Schiller-Lübben 1, 567ᵃ; szo gab man den pfeyffern funff schog czu tranckgelde Michelsen rechtsdenkmale aus Thüringen 523; sein buben hab ich 2 stüber dranckgeldt geben Dürer tagebücher 61; den fischern zu tranckgelde, die do haben die hern ... mit vier chanen (kähnen) gefurt, geben ix gr. Leipz. stadtrechn. (mscr. 1540/1) fol. 147; hundert gülden zu findelohn oder zu tranckgelde Bütner Claus Narr (1572) a a 8ᵃ; so musz man den schelmen unter wegen viel tranckgeld geben, das haben sie auff italianisch lernen fordern und heiszen es biberago, von unsern teutschen trinckgelt reyszbuch d. heyl. lands (1584) 378ᵇ;
wann ich es aber hab auszgericht,
soll ich ein tranckgeld haben
engl. comedien u. trag. (1624) b b b 2ᵃ;
verdinge dich da und dorthin, da gibts tranckgeld, meszgrahm, verehrungen
Dannhawer katechismusmilch 3, 391;
gärtner betriegen ..., wenn sie gegen ein tranckgeld dem fremden die besten früchte und blumen ... spendiren
Hönn betrugslexicon (1721) 158;
bey müszigen stunden hab er dem todtengräber ... dann und wann ein grab gegen ein trankgeld auswerfen helfen
Musäus physiogn. reisen 4, 63;
er war in trankgeldern genau
Jean Paul 6, 15 Hempel;
und wer sie findet und wer sie bringt,
ein trankgeld soll er empfangen
Rückert 5, 290.
in nd. und md. mundarten: drankgeld Dähnert 86; vgl. Kisch vergleichend. wb. 60; Hofmann niederhess. 240; trankgeld Gerbet vogtl. 427; Spiesz henneberg. 257; Müller-Fraureuth sächs. volkswörter 85; Knothe schles. 184. gutes, redliches, ehrliches trankgeld:
eins guten tranckgelds bin ich hoffen
H. Sachs 1 (1558) 516;
wirst die sach wol auszrichten du,
so soll es dir gut tranckgelt tragen
J. Ayrer dramen 376 Keller;
ich gedachte etwan dadurch ein gutes tranckgeld davon zu tragen Zendorius a Zendoriis winternächte 168; da wurden als balt etliche leute bestalt, welche, ein redlich dranckgelt zuvordienen, die krancken hin und wider in der stadt besuchten C. Spangenberg historia der pestilentz (1552) l 2ᵃ; an eim ehrlichen tranckgeld würde es nicht mangeln müssen S. Artomedes christl. auszlegung (1609) 2, 596. sprichwörtliche anwendung: ad colophonum usque deducere eine sach gar aus machen, das tranckgeld verdienen Seybold viridarium (1677) 6. verachtung bezeigend: ich mags tranckgeld nich mied em theelen Robinson curieuse samml. von sprüchw. (1724) 35. eine geringfügige summe wird verächtlich als trankgeld bezeichnet:
was gab man dem Homer der Britten
für sein unsterbliches gedicht?
ein trankgeld! dasz der mann doch nicht
die federn ganz umsonst verschnitten
v. Gökingk gedichte 1, 189;
soll er (der schriftsteller) ... jede messe mit alphabeten von mittelmäszigkeit und erbärmlichkeit beschicken? ... da es nicht jedermanns sache ist, seine ehre vor welt und nachwelt auf jeder messe für ein paar louisd'or trankgeld feil zu bieten Bürger 332ᵇ Bohtz; ähnlich für eine sache:
wenn aber das geschenk (ein elephant), — es sieht
beinah so aus! — blosz für die ehre
der dedikation, ein trankgeld wäre:
nun! gnädger herr, so sind wir quit!
v. Gökingk gedichte 2, 98.
3)
vom vorigen weiterführend, ist trankgeld auch bezeichnung für geldliche leistungen anderer art. ein zuschlag zum eigentlichen preis, den der käufer oder kunde entrichtet: (die bäcker) sullen eyme ydermanne huszbackens backen und vii d. von eyme scheffel und nicht mehir nemen, und man sal doruber kein tranckelt geben (1470) Freiberger urkundenbuch 1, 272; wofern aber der müller sein gewissen beobachten will, musz er das mahl- und beutelgeld, wie es einmal gesetzt, von einem jeden abfordern, die leute mit keinem neuen tranckgelde beschweren allg. haushalt.-lex. (1749) 2, 369ᵇ. s. trankgroschen. 'auszerordentliche lohnzuwendung', heute nicht eben schön 'gratification' genannt: yme gelonet und noch 1 fl. zu trangkgelde gegeben (1532) Freiberger urkundenbuch 1, 501; ein ... treuer schmeltzer ... ist nicht allein seines lons ..., sondern auch zimlicher verehrung, tranckgelt und förderung werd Mathesius Sarepta 155ᵇ; ähnlich in naturalien: und das kömmt dahero, dasz ... jeden träger auff einen tag vier zöber sole zum lohne zugeeignet und über dies noch ein zober zum tranckgelde Hondorff saltz-werk zu Halle 9. 'mehrverdienst durch mehrarbeit' (oder diese arbeit selbst?): das obgemelte dranckgeldt sollen die gesellen und jungen machen nach feirabendt; des sollen sie ... um 7 feirabendt haben und ihr tranckgeldt machen bis auff glocke 9 (1581) schragen der stadt Riga 446 Stieda. 'entschädigung', mnd.: isset sake, dat Hinrik Bovendorp des verscrevenen huses affhendich wert, so schal Hinrich Lipperode Hinrike Bovendorppe to dranckgelde geven viff mr. Lub. lübische urkunde im nd. jahrb. 45, 51. 'angeld, handgeld': draᶇge̜ld das geld, das das gesinde bekam, sobald es gedingt war (für den älteren 'mietpfennig') Wenzel Wetzlar 32.
4)
uneigentlich und bildlich ist trankgeld mit verschiedener bedeutungsfärbung reich gebraucht.
a)
nach dem zusammenhang als 'undank' oder als 'böser dank', 'übler lohn', 'üble behandlung als dank'. stereotyp: solches ist der welt trankgeld und lohn fur getrewe dienste Luther 16, 7 W.; also hat der wolverdiente theure mann vor seine allergetreuste dienste der welt lohn und tranckgeld auff einmal empfangen, gleich wie vor jahren Themistocles, Alcibiades A. Werner chron. v. Magdeburg (1584) 164. — nun aber doctor Luther mit groszer sorg und gefahr, mühe und arbeit den wagen auffs drucken gebracht, emphehet er das tranckgelt von den losen leuten J. Schütz sacrament-teuffel in theatr. diabol. 2, 207ᵇ; weil daroben gemeldet, dasz umb neidische leute kein danck zu verdienen, so folget, dasz neid das gemeine tranckgelt aller wolverdienten leute musz sein J. Rhodius neid-teuffel, ebda 2, 82ᵇ; unangesehen ich sehr wol weisz, dasz, dieweil ich abermahl ein lied von der warheit habe gegeiget, man mir die geige gern wolte ümme die ohren schmeiszen und meine mühe mit einem solchen dranckgeld auffs danckbarlichste bezahlen Rist baptistae armati (1642) 4ᵃ.
b)
als 'lohn' im sinne von 'strafe', 'vergeltung': das war des unglaubens lohn und tranckgeld Luther 28, 540 w.; erhebe dich alsbaldt ... in die höhe, dasz er also selbst in die klingen laufft, und kanstu ihn also durchstoszen oder dasz er sich selbsten durchlaufft, das ist einem jeden sein tranckgelt vor sein einlauffen, wenn er es nicht wol gelernet hat Sutor fechtbuch 77 Scheible; was des soldatenteufels endlicher lohn und tranckgeld seyn werde Mengering kriegsbelial (1633) 520; haec res erumpet in nervum so wirds nausz lauffen, dasz stock und eisen das tranckgeld seyn wird Corvinus fons latinitatis (1646) 578; bistu ein christ und weiszest nicht, was den lästerern endlich für ein tranckgeld und lohn zuerwachset? Moscherosch gesichte (1650) 2, 175; und hat ihm denn der nicht mit einer tüchtigen tracht schläge das trankgeld gegeben? theater d. Deutschen 6, 335; so direct 'hiebe, schläge': trankgeld scherzhaft von hieben (18. jh.) Fischer schwäb. wb. 2, 317; ey ja habe ich doch einem das dranckgeldt schon darumb gegeben, dasz er oben zum dachfenster muste hinausz springen discursz etzlicher personen (1621) b 2ᵃ; militärisch: wenn er auch brennen wolte und Oberbillinghausen anlegen, solte er ein gut dranckgelt kriegen supplication an kaiserl. maiest. der mordbrenner halben (1541) a 4ᵇ. sogar: der (maus) man dann zuletzt durch mausfallen oder auf andere weise das tranckgeld geben könne v. Hohberg georg. cur. 1, 475.
c)
die beziehung zu einer vorausgehenden leistung oder tat fehlt. selten: und haben sich auch alsolche leut gefunden, so den unglückhafftigen bothen (friedensunterhändler) für das geschenck und dranckgelt des angebottenen friedens tödtliche stich gegeben Th. Graminäus v. Roermond relation (1580) o o 4ᵇ; im üblen sinn: es stund auff unserm büchlein (schmähschrift gegen Luthers ehe) zumal ein schöner, meysterlicher titel ..., das es solt ein geschenck sein ... Kethen von Boren zugefertiget. aber der teuffel, welch ein schendlich tranckgelt haben sie für das geschenck gegeben Luther 26, 541 W.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1933), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 1225, Z. 11.

tränkgeld, n.

tränkgeld, n.:
welcher aber umb ain oder mehr kue weniger küe hete, und von ainen andern nicht gedingt, sol er von ainer kue mangel trenkgelt geben 40 kr. (16. jh.) österr. weisth. 5, 37. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1933), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 1227, Z. 56.

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Zitationshilfe
„tränkgeld“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tr%C3%A4nkgeld>, abgerufen am 25.09.2021.

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