Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

tränklein, n.

tränklein, n.;
daneben tränkchen; das jüngere suffix ist vor dem 18. jh. nicht belegt. s. auch tränkgen Zedler 44, 1865. die bedeutungen schlieszen an die von ¹trank an.
1)
als nomen actionis. in verschiedenem sinn: wenn aber einer von uns ... dennoch ein tränklein wein noch für sich allein thun will nach älterer quelle bei Bauer durst 331; nach dem zweiten tränklein aber sei er stille geworden Hauff 1, 122; tränkchen (haustus) J. Liebig handbuch d. chemie 150; mundartlich: e trankl ein guter trunk Wenisch nordwestböhm. ma. 41. mit beziehung zu ¹trank II 6:
o Nicolae in undis,
helff ihnen in profundis.
o lang Christoffs schenckel,
helff ihn ausz disem tränckel!
Fischart 3, 372 Kurz.
2)
als deminutiv zur hauptbedeutung von ¹trank I A 'getränk' ist es selten; träncklein potioncella, potioncina, beveraggietto, bevandetta, sorbitioncella Kramer d.-it. 2 (1702) 1145ᵇ; ein träncklein einnehmen pigliare qualche bevandetta ebda; träncklein von perlen ein geben sorbitionem perlarum alicui dare Steinbach dtsch. wb. 2, 875: by disem dryockers (theriak) sol der arm bilger etwas me haben, do mit er sin spyszlin und trencklin gebesser Keisersberg bilgerschafft 17ᵈ;
aber den bischof (punsch)
hebe doch auf, das ist ein gesundes und liebliches tränkchen
Voss sämtl. gedichte 1, 180.
3)
die bedeutung 'arzneitrank' wiegt vor; medicata potio trencklein ausz der apoteck Golius onomasticon (1585) 283; tränkgen, tränklein formel eines flieszenden medicaments Zedler 44, 1865: ein artzot der kan dir gesuntheit nitt geben, er geb dir in artznypillulen oder trencklin oder was er well Keisersberg postill (1522) 2, 39ᵃ; salben, baden, latwerg, trenklach, pulver (anf. 16. jh.) bei Fischer schwäb. wb. 2, 317; ein nützlichs träncklin bereydten Ryff confect-buch u. hauss-apoteck 17ᵇ; die bibergeyle in trencklinen eyngenomen Herold-Forer Geszners thierbuch 26;
clystiren, träncklein und artzney
gebrauch nicht, sondern diese drey,
freud, mäszig mahlzeit, ruh darbey
Harsdörfer frauenzimmer-gesprechsp. 1, Ⅹ 4ᵃ;
machts auch ein artzt böse mit dem krancken, wann er ihm ein bitters träncklein eingibt
H. Müller geistl. erquickstunden (1714) 667;
heute nur noch altmodisch:
bedenken sie nicht, dasz ein guter arzt seine tränkchen und pulver nach der artung der leiber abmiszt
P. de Lagarde deutsche schriften 182;
der doktor ... gab ... mit bedeutsamer miene ein klein tränklein
Gotthelf 5, 24.
häufiger noch als mittel der 'unteren' heilkunst: auch konnte sie (eine alte frau) allerhand künstliche salben und tränklein bereiten Hauff (1860) 4, 233; der mit seinen wunderkuren und seinen alles heilenden pillen und tränkchen die märkte besuchte M. Busch deutscher volkshumor (1877) 6; er litt oft an katarrhen ... die tante war dann unerschöpflich in tränkchen und süppchen H. v. Kahlenberg Eva Sehring (1901) 66; bildlich: so söllen doch sölche hohen personen, wie die zusagung lautet Matthei am 5. ca. auch gewiszlich getröstet werden und das bitter trencklin mit hönig und zucker gemenget und gelindert werden Hedio trostgeschrifft (1546) l 3ᵇ; auf dem wege der juristischen instanzen wird die gesetzgeberische wohlthat so offt verdünnt, dasz sie schlieszlich bei den kranken als ganz schwaches tränklein ankommt v. Polenz d. Grabenhäger 2, 355. mundartlich so hauptsächlich im obd.:
olli kräuder und sáft,
olli tránkl und stupp
laszt dá bringár und schlickst
Stelzhamer 1, 134 Rosegger;
in den wörterbüchern: tránkl Lexer kärnt. 71; Jakob Wien. 194; Wiener tränklein Fischer schwäb. 3, 316; träichli Friedli Bärndütsch 1, 458; s. auch drankje medizintrank Dijkstra fries. 1, 291.
4)
'zauber-', bzw. 'liebestrank': sehet die todtschlägerin, so unsern lieben sohn, um dasz derselbe ihrer angemaszten lieb nicht platz gegeben, vermittels eines tränckleins das leben ertränckt Abele gerichts-händel (1654) 108; gegen den husten helfen gebratne äpfel und gegen den liebeskummer etwas anders ... ein tränkchen ... bei zunehmendem mond gebraut ... und ihr werdet wunderdinge erleben v. Gaudy 14, 90; hätt ich einen kleinen fürstlichen hof, die (Hoppenmarieken) liesz ich auf hokuspokus abrichten, auf tränkchen und wahrsagerei Fontane I 2, 140.
5)
'gift':
wir wollen rache nehmen, sorge nicht:
drum weine du nicht mehr. ich send an jemand
zu Mantua, wo der verlaufne lebt;
der soll ein kräftig tränkchen ihm bereiten,
das bald ihn zum gefährten Tybalts macht
Shakespeare 1, 117;
Splendheim's bekannter ... hätte dem 'baron' das gewünschte wahrscheinlich ohne zögern anvertraut, wenn dieser ... ihm unbefangen erklärt, für wen das bittere tränkchen bestimmt sei; denn was kümmerte ihn ... leben oder tod einer räudigen hündin Holtei erzähl. schriften 25, 110.
6)
vereinzelt, zu ¹trank I B 3 gehörig: trankel im wasser gekochte kleien für die kühe zum trinken Loritza id. vienn. 132.
7)
selten als mengenbezeichnung: ein träncklein artzney in einer butte einnehmen potiunculam medicam in ampulla sumere Steinbach 2, 875. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1933), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 1228, Z. 55.

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Zitationshilfe
„tränklein“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tr%C3%A4nklein>, abgerufen am 20.09.2021.

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