Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

geträuft, participiales adjectiv

geträuft, participiales adjectiv
zu träufen, das sich in der mundart des Innthales vom verbalstamm isoliert, geträufft ('tráfft), blödsinnig, er is 'tráfft, er ist ein tölpel, ein tropf Schmeller 1², 650.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1897), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4446, Z. 40.

träufen, vb.

träufen, vb.,
stillare, guttare.
herkunft und form.
1)
causativum und iterativum zu triefen. ahd. troufen, mhd. troufen; ags. dríepan, drîpan, engl. to dripe; mnl. dropen, nnl. dial. droopen, mnd. dröpen; an. dreypa; got. nicht überliefert. in den dialekten durch die synonyma tropfen, tröpfeln, trupfen zurückgedrängt. nur noch obd. häufig: trâfn Lexer kärntn. 67; träufen, träupfen Unger-Khull steier. 167; trâfen Schöpf tirol. 749; träufen Schmeller-Fr. bair. 1, 650; træupfen ebda 1, 673; träufen Stalder schweiz. 1, 300; traufen, dröufen Fischer schwäb. 2, 333; trœyfə Martin-Lienhart elsäss. 2, 743. md. nur selten: dröhfen Waldbrühl Rhingscher klaaf 156; träfen Müller-Fraureuth obersächs. 1, 241ᵇ, nd. anscheinend garnicht verbreitet. zur etymologie vgl. triefen.
2)
im mhd., frühnhd. bis zum 18. jh. häufig und mit träufeln, triefen, trüpfen, tropfen, tröpfeln in poesie und prosa ohne unterschied gebraucht. bei Klopstock, Hölderlin und Novalis besonders beliebt; seitdem ist dem wort ein eigentümlicher stimmungsgehalt geblieben; daher seit dem 19. jh. in der alltagssprache immer mehr durch jene verben verdrängt.
3)
die grundform *traufjan erscheint im mhd. als tröufen: getröufet Konrad v. Würzburg Troj. 20255 K.; tröuffent kl. mhd. erz. 94 Ros.; troift Konrad v. Megenberg buch v. d. nat. 326 Pf., neben traufe (imperativ) 381; der umlaut äu, eu bleibt auf md. gebiet die regel: treuffen Hesekiel 46, 14; träuft D. W. Triller poet. betracht. (1750) 2, 157, und ist die normalform der nhd. schriftsprache geworden; bei frühen Oberdeutschen seltener: getreuffet H. Braunschweig chir. (1539) 48ᵈ; treuffen S. Brant in Alsatia 10, 79; getröufft P. Heuszlin Gesners vogelbuch (1557) 37ᵇ; auch in die oberdt. maa. eingedrungen, s. oben. daneben überall die umlautlosen formen mit au: troufe Rudolf v. Ems Barl. 87, 2 Pf.; troufet (13. jh.) zs. f. dt. altert. 15, 453; troufen Hiob 3454 Karsten; Heinrich Hesler apok. 14196 Helm; später vornehmlich obd.: trauft d. hl. leben sumerteil (1472) 87ᵇ; getraufft Paracelsus op. (1616) 1, 74ᵃ Huser; drawffen H. Sachs 17, 418 lit. ver.; getrauffet Tabernämontanus kreuterb. (1588) 646ᵇ; traufen Schwab ged. (1838) 338. md. weniger verbreitet: draupffet Apherdianus meth. disc. (1601) 182; trauffet Amaranthes (1710) 470; traufe Musäus volksmärch. 2, 125 Hempel; traufen Kosegarten rhaps. (1800) 1, 173. Campe 4, 867ᵇ scheidet traufen und träufen fälschlich nach trans. und intrans. gebrauch. entrundete formen treifen bis ins 17. jh. sie finden sich besonders im elsässischen des 16. jh.: treyffest Gersdorf wundarznei (1517) 21, aber treuffe (1526) 23ᵇ; treiff H. Braunschweig chir. (1539) 31ᵇ, daneben getreuffet 48ᵈ; treyffen Sebiz feldb. (1580) 76; Ruoff heb. (1580) 214; treifft Wickram 5, 206 Bolte; Fischart Garg. 62 ndr.; schwäb.: getraifft Widmann chron. d. stadt Hall 23 Kolb; Schwelin württ. kl. chron. (1660) 327; nürnbergisch: treiffen Eichmann voc. predic. (1483) s. v. stillare; bei H. Sachs entrundung nur in den flectierten formen des verbs treiffet 9, 268; treift 9, 462; trayfst 4, 297; 5, 334 lit. ver., gegenüber dem inf. drawffen 17, 418; österr.: getraifft Hohberg georg. cur. (1682) 2, 131. md. seltener: treiffet Fuglinus de praest. daem. (1586) 65ᵇ; Lonicerus kreuterb. (1604) 71ᵇ. im 17. jh. gehen diese entrundeten formen zurück: treiffte grillenvertreiber (1605) 266; treiffende Harsdörffer gesprächsp. 3, 83; getraifft Grimmelshausen 1, 711, daneben getrauft 1, 385 Keller; getreifft J. Riemer polit. hasenkopf (1680) 393. auch mundartlich: dre̜ifə Fischer schwäb. 2, 333. monophthongierung des diphthongs au bzw. seines umlauts äu ist literarisch nicht allzu häufig: träffen Mynsinger von den falken 30 lit. ver.; tref (Augsburg 1494) bei Fischer schwäb. 2, 333; trefen (15. jh.) Diefenbach 552ᶜ; getröfft Österreicher Columella 2, 26 lit. ver.; tröffen urkdb. von Eszlingen 2, 187 Diehl; treffen, trauffen Stör dict. (1663) 2, 487ᵇ; vgl.trefften (part. perf.) unten sp. 1419. in den mundarten üblich: trâfn Lexer kärntn. 67; trâfen Schöpf tirol. 749; trâffə Schmeller-Fr. bair. 1, 650; trapfə ebda 1, 673; drâfə Fischer schwäb. 2, 333; traͦaͦft Müller-Fraureuth obersächs. 1, 241ᵇ; träfen ebda; drêfə Fischer schwäb. 2, 333; betrooft Müller-Fraureuth 1, 241ᵇ; dröhfen Waldbrühl Rhingscher klaaf 156. neben der üblichen spirans findet sich die affricata auszer bei Apherdianus draupffet meth. disc. (1601) 182, nur in bair.-österr. und schweiz. dialekten, vgl. Reuter nhd. beitr. z. westgerm. consonantengem. (diss. Freiburg 1906) 75: träupfen (neben träufen) Unger-Khull steir. 167; træupfen mit der weiterbildung træupfezen (neben traufen) Schmeller-Fr. bair. 1, 673. unsicher drapfen J. F. Castelli Österr. 114, vielleicht zu tropfen.
A.
transitiv.
1)
flüssigkeiten in tropfen fallen machen: trouftun distillaverunt (sc. myrrham cant. 5, 5) ahd. gl. 2, 282, 57 St.-S. (10./11. jh.).
a)
eigentlich.
α)
ohne angabe der herkunft oder des zieles des tropfenfalles:
und macht (beim essen) auf dem tischtuch ein strasz
mit der gestreifften suppen sein
H. Sachs 21, 251 lit. ver.;
(beim martyrium japanischer christen) mit ... wasserschöpfern ihnen dasselbige wasser fein langsam über den gantzen leib getröpfelt ..., wann etzliche darunter waren, die vom treiffen des wassers ... schwach wurden Chph. Arnold wahrh. beschreib. (1672) 420;
o wie lieblich träuft die weisze stirne,
träuft die rosenwange silbernässe
Mörike (1905) 1, 107 Göschen;
fachsprachlich in der mineralogie: tropfeinsteinartig oder getreuft, benennungen, welche ... solchen fossilien gegeben werden, welche durch das herabtropfen der mit mineralteilchen geschwängerten wasser sind gebildet worden Zappe mineral. handlex. 3, 194; die traubigen ... gestalten des psilomelan, die getrauften des hyalith sind solcher (amorpher) entstehung F. v. Kobell in Westermanns monatsh. 232 (1876) 390ᵇ; vgl. tropfen A 1.
β)
im allgemeinen mit localen bestimmungen:
unde bite in (Lazarus) des, dasz er
netze den kleinsten vinger
und mir mache ringer
mit einem trophen mînen pîn,
den er troufe an die zungen mîn
Rudolf von Ems Barl. 87, 2 Pfeiffer;
gleich als wann man ein hembd wol seifft
oder ins wasser etwas treifft
Fischart Eulenspiegel 189 Hauffen;
ihres geifers gift hat mich berücket,
denn sie traufen ihn in süszen wein
Kosegarten rhaps. (1800) 1, 173;
ein dritte teil von einem hin öle, auf das semelmelh zu treuffen dem herrn zum speisopffer Hesekiel 46, 14; (Nero) ... träufft schwefel auf die haut Lohenstein Agrippina (1685) 1, 69; lasset sie (die enten) fein gemählig und gelinde braten, trauffet auch butter drauf Amaranthes frauenzimmerlex. (1710) 470. in älterer zeit besonders häufig im medizinischen bereich, wo heute tropfen, tröpfeln, träufeln üblicher ist, immer mit richtungsangabe:
daz olei troufet in die wunden,
diu wolle si dar uf gebunden
zs. f. dt. altertum 15, 453 (13. jh.);
der alt (schmerz) wiert gebrent und uber den brand getröfft schmaltz oder gaisz faistin Österreicher Columella 2, 26 lit. ver.; wann ob die schal (schädeldecke) durchgodt, so hute dich, das du kein öl oder balsam drin treyffest Gersdorff wundarzney (1517) 21ᵃ; nim schäffin unschlit oder schmaltz, träuff es in die wunden, so sterben die maden O. Gäbelkover artzneybuch (1594) 2, 234, daneben trieffe (Eisleben 1595) 2, 234; bes. oft in die ohren, augen träufen: wer des öls in sein orn tröift Konrad von Megenberg buch v. d. nat. 326 Pf.; schaffgall ... mit frauwenmilch in die ohren getreufft, heilt ... alle bruch der ohren J. Heyden Plinius (1565) 258; Sebiz feldbau (1580) 76; Tabernämontanus kräuterbuch (Basel 1588) 646ᵇ; die pflegerin sol ihm (dem neugeborenen) auch ein wenig baumöl in die augen treiffen J. Ruoff hebammenbuch (1580) 214; aus dem 17. jh. nur noch selten zu belegen, z. b.: für die würm in den ohren, ... nimm zwibeln ..., stosz die mit alten harn, und treuffs in die ohren v. Hohberg georg. curiosa (1682) 1, 158; später wohl nur im bilde: die gute seele möchte gerne ... mit samaritermilde balsam in seine wunde träufen Schubart sämtl. ged. (1825) 1. vorbericht v., s. u. A 1 b.
γ)
gelegentlich mit ellipse des objects, vgl. auch A 1 c:
und eh er bracht ein bissen nein,
so griff er nach eim andern wider
und treiffet auf das tischtuch nieder
H. Sachs 9, 268 Keller;
der mit mir in die schüssel greifft, hic est, welcher treyfft Fischart Garg. 62 ndr.; treiffet und geiffert inn die supp 197; also name er (ein würzkrämer) das spanische wachs, hielts ubers liecht und treiffte ihm (einem schlotenfeger) also heisz auf die nasen grillenvertreiber (1605) 266;
die fackel träufte glühnd auf deine hand
Brentano ges. schr. (1852) 6, 162;
an den öden strand des lebens,
wo sich dün auf düne häuft,
wo der sturm im finstern träuft
Göthe 3, 65 W.
euphemistisch: von dem alten Tobia ist bekant, dasz er durch eine, vom dach treiffende schwalbe in blindheit gerahten Harsdörffer gesprächsp. 3, 83.
b)
bildlicher gebrauch:
got mit sunderlichen roren
wirt waz troufen in ir oren,
widerrufende sy gerade
zu hulden und zu genade
(Lyra: per speciales instinctus revocando ad bonum)
Hiob 3454 Karsten;
... die gegend fern und nah
treuft lauter mark und fett
J. Schwiger Cynthie (1660) a 4ᵇ;
seit Klopstock in der dichtung des 18. u. 19. jh. auszerordentlich beliebt:
ceder, die ...
schlummer und thau auf die ruhenden träufte
Messias 3, 531;
trost von des freundes holdem munde
träuft balsam in das wunde herz
J. A. Schlegel verm. ged. (1787) 2, 377;
vermöcht ich doch gelind zu träufen
in deine brust ...
nur wenge tropfen leichtes blut!
Platen 1, 54 Redlich.
oft ganz unsinnlich von abstracten objecten:
diesz maul, das frevel träuft, und falsche netze flicht
J. E. Schlegel 1, 353;
ihn, dessen magischer duft
ein süszes vergessen der sorgen
auf unsre stirne träuft
Wieland 10, 115 Göschen;
hier, wo heldenschatten niederrauschen,
träufe vatersegen auf den sohn
Hölderlin 1, 110 L.;
aus ihm träuft dir die fülle segen
ins herz und innre seligkeit
Novalis schr. 1, 149 Minor;
gern wohl träuft (ich) einst mit gelindrem wohllaut
übers herz euch hin den geklärten sangstrom
M. gr. Strachwitz ged. (1850) 177;
in der prosa verhältnismäszig selten: den sturm der inversion, der den hauptgedanken wie in einem feuerregen auf die seele des höhrers träuft, liebte er gar nicht Schubart ästhetik d. tonkunst 45; die musikanten drehten ihre instrumente um und lieszen die überschüssige kraft ihres hineingeblasenen hauches aus den schallöchern träufen J. Lauff Pittje Pittjewitt (1903) 71. für sich steht eine mehr gelegentlichere verwendung in der reformationsliteratur; wohl im zusammenhang mit dem gebrauch von c: aber es ist noch kein execution geschehen, vileicht derhalben das got seinen zorn über uns last treüffen, in meinung seinen gantzen zorn über uns ausz zuschüden, wu wir also blind bleiben Carlstadt von abthuhung der bylder (1522) d 1ᵃ; es wirt geliebkost den grossen, und sie verachten die geringen ... die selben trucken sie undter, und für die haylsam leere, so trewffen sie in (eis) ain schmeichelwort N. Krumpach herrn Erasmi ... vermanung ... (1522) a 5ᵃ.
c)
ein eigenartiger bildlicher gebrauch von träufen begegnet in biblischer sprache als genaue übersetzung von stellen wie 'stilla ad sanctuaria' Hesekiel 21, 2, zu der schon ahd. die glosse trouphi 1, 645, 58 Steinm.-Siev. belegt ist: treuffe wider die heiligthüme Hesekiel 21, 2; richte dein angesicht gegen dem südwind zu und treuffe gegen dem mittage und weissage wider den wald (et stilla ad africum) Hesek. 20, 46; sie sagen man solle nicht treuffen, denn solche treuffe trifft uns nicht (ne loquamini loquentes: non stillabit super istos, non comprehendet confusio) Micha 2, 6. in den revidierten ausg. seitdem durchweg durch predigen und weissagen ersetzt; vgl. noch: treuffen heist predigen: daher durch regen (ps. 68) die predigt des evangelii verstanden wird ...; daraus wolzuverstehen, das er mit disen worten (sie sagten man solle nicht treuffen) anzeigen wolle, das die gottlosen zu den propheten gesagt haben, sie sollen nicht solch gros unglück dem volck drewen und weissagen J. Draconites vom durchbrecher Jesu Christo (1550) a 3ᵃ. vgl. träufeln A 4 sp. 1411; träufe 2 c sp. 1407; träufler sp. 1423.
2)
'beträufeln, mit tropfender flüssigkeit bedecken'; diese objectsverschiebung, durch die das ursprüngliche object zur instrumentalen bestimmung wird, erscheint seit dem 15. jh.
a)
allgemein: und träuft sie mit den flammen hitzigen wachstropfen auf ir blos fleisch der heiligen leben sumerteil (1472) 87ᵇ; zerdruckt mit den henden uber das gebratens grewliche krötten und treiffet es damit uber und uber J. Fuglinus de praest. daem. (1586) 65ᵇ. häufig für das beträufeln der speisen: carnem assam in veru aspergere, butyro imbuere den braden am spiesz treuffen Pomey indic. 358; ähnlich im schwäb., vgl. Fischer 2, 333; das pratas sol als safftig gepratten werden und nit bey dem grossen feier oder mit dem treffen verbrennt werden, das das ain herte haut gewynne (1520) bei Fischer nachtr. 1768;
(die köchin) würget zwey hüner an der stet,
füllt sie und steckt sie an den spiesz,
und sie fein sittlich praten liesz,
treifft sie und priet sie in dem saft
H. Sachs 9, 462 lit. ver.
b)
besondere anwendungen.
α)
in älterer zeit für jetzt übliches bekleckern (beim essen):
ob du gleich in den pecher huest,
das du dein part mit drawffen thuest
H. Sachs 17, 418 lit. ver.;
mit wein getraifft, die mewler geschmutzt,
das war ir hoffweis wol erbutzt
H. Sachs 5, 334 lit. ver.;
nur in dieser bedeutung wird traufen auch reflexiv gebraucht:
nemb auch den löffel nit zu vol,
wen du dich trayfst, das steht nit wol
H. Sachs 4, 297 lit. ver.;
übertragen:
wer sint die sich so tröuffent,
daz si got noch verchöuffent?
(daz sint die verschampten pfaffen)
kl. mhd. erzähl. 94 Rosenhagen.
β)
in specieller, fast fachsprachlicher beschränkung übertragen gebraucht für distinguere vario colore treuffen mit farb Dentzler clav. ling. lat. (1716) 290ᵃ; nur als part. perf. pass. belegt im sinne von 'gefleckt, gesprenkelt'; s. auch getreift teil 4, 1, 4496: guttatus getröuft, hin und här gedüpfflet, gefläcket Frisius (1556) 615ᵃ; guttatus getreufft, gesprengt Calepinus xi. ling. (1598) 632ᵇ; guttatus, colorem habens, maculis quibusdam instar guttarum distinctu getreufft, hin und her getröpfflet, geflecket, gesprengt Decimator 576ᵇ: der bauch ist heiter äschenfarb mit vil düpfflinen getröufft P. Heuszlin Gesners vogelb. (1557) 37ᵇ; an der käl ist er mit roten fäderen getröufft, als auch am bauch ebda 9ᵇ; träuft 'adj. und adv. wird von der farbe einer taube gesagt, auf deren flügeln gewisse einzelne federn von einer andern farbe sind (Bern)' Stalder schweiz. id. 300; sondern ist zu mercken, dasz die (hunde), so ... ein farb haben, als da ist gar weisz oder mit rothen traifft, die besten, und die andern, so mit schwartzen und grawlechten getraifft ... nicht grosz schatz werth seyen new jägerbuch (Straszb. 1590) 3ᵇ; (hunde) von farben schiltecht oder getreuft M. Herr feldbau (1558) 154ᵃ. mehrfach von pferden (vgl. ²trauf):
der weisze gaul geträifft vom schwartzen haar und roth
W. H. v. Hohberg georg. cur. (1682) 2, 131;
'bis ins 17. jh. hinein rühmt man die trefften, muckentrefften oder träufe, mit welchen namen man gesprenkelte pferde mit roten oder schwarzen tippeln bezeichnete' M. Jähns rosz 1, 42.
γ)
im 17. jh. vereinzelt für das auflegen eines kuchenteiges: wäge hernach so viel mehl als des zuckers ist, streue immerzu eines in den teig, bisz er so dick wird, dasz man ihn treuffen kan, wann gleich ein mehl überbleibt, schmiere das tortenblätlein ein wenig, und streu ein wenig mehl darauf und treuff also die zeltel (dünnblättriger kuchen, s. teil 15, 625) so grosz du wilt darauf Hohberg georg. cur. (1682) 1, 233ᵇ; hierzu etwa: die tröuffele gebäck in darmform geschlungen Hunziker Aargau 61; trauffele gewundenes backwerk Seiler Basel 84. wohl auch hierher, aber im einzelnen nicht durchsichtig (s. auch getreift teil 4, 1, 4496):
(das gestorbene kind) hat itzt des konfektes vol auf;
bauet zuckerhäuser auf,
trinkt getreuft korelkonfekt,
das ein engel selbst ihm rekt,
schmekt den süssen marzepan,
beist zitronpomranzen an
S. v. Butschky kanzelley (1666) 4, 18.
c)
im bildlichen gebrauch haben sich stellenweis besondere bedeutungsschattierungen eingestellt:
wir treuffen sie (die pfaffen) mit unserm schmaltz,
dargegen crütz, esch, wasser, saltz
geben sie uns
S. Brant in Alsatia 10, 79;
die bauren sehens für ein blut, der arzt aber nicht, er sey dann mit der bawren adern getraufft worden: das ist, er wene, er sey ein arzt, so er doch seine scientiam als ein baur versteht Paracelsus op. (1616) 1, 74 Huser; die hocheingebildeten herrens werden wie billig in ihrem eigenen fett gebraten und geträuft C. Herder bei Düntzer z. dt. lit. u. gesch. 2, 36, vgl. das sprichwort einen mit seinem eigenen fette (schmalz) beträufen teil 1, 1710; noch stärker redensartlich: da doch wohl ... einer so wenig courage als der andere hat, und beyde mit hasenschmalz getraufft Grimmelshausen 1, 385 K.; der hase ist nicht nur feige sondern auch ein geiles tier, daher: indessen aber ware er doch mit etwas hasenschmaltz getraifft und von liebe übermacht, nach dem bauerngretel eingenommen ebda 1, 711; so ein paar ungleicher liebeseyfferer und eyffersüchtige liebhaber waren dieses, alle beide mit hasenschmaltz getreifft J. Riemer der polit. hasenkopff (1680) 393. ohne nähere bestimmung bedeutet einfaches geträuft, mundartlich öfters 'töricht, dumm', vgl. in derselben bedeutung begossen und dialektisch bedrippt: er ist 'tráfft Schmeller-Fr. 1, 650; Zaupser 77; s. auch betrooft Müller-Fraureuth obersächs. 1, 241ᵇ; so wohl auch zu verstehen:
und wird ihm zu lang das harren,
einer rast, der ander bittet,
einer klagt, der ander wütet,
wohl ein paar getreiffter narren
Riemer a. a. o. 393;
ebenfalls wahrscheinlich hierher: kompt ain arms kint zu in, so sprechent sy, es ist ain treuffet oder torhatt mensch Tauler sermones (1508) 51ᵇ, entgegen Ch. Schmidt, der lat. trufator heranzieht, hist. wb. d. elsäss. ma. 362.
B.
intransitiv. 'in tropfen fallen', gleichbedeutend mit triefen, s. auch dort. vereinzelt schon mhd.:
die zeher trouffent mir under die ougen
minnefalkner 43, 7 bei Hadamar jagd Schmeller;
häufiger erst im frühnhd., wo auch lautlich triefen und träufen in der 2. u. 3. pers. sg. praes. und 2. pers. imp. überall dort zusammenfielen, wo die umgelauteten formen herrschten und wo mhd. iu zu eu wurde. daher eine aufteilung zwischen beiden verben nicht immer sicher:
es wardt kein braten nie so mager,
auch den man vor drey schilling keufft,
das nit davon ein wenig treufft
B. Waldis Esop 2, 29 Kurz;
es wechst und treufft der wohlriechende balsam für und für M. Ch. Irenäus spiegel d. ewig. lebens (1589) a 2ᵃ;
der schweisz auch überall aus seinem (des baumes) baste treuffet
D. v. d. Werder ras. Roland (1636) 6, 32;
nu steh ich hier, der regen treufft auff mich
Stieler geharnschte Venus 71 ndr.
1)
subject ist die herabfallende flüssigkeit.
a)
eigentlich.
α)
ohne nähere bestimmungen:
die quelle rinnt! es träuft der thau!
Klopstock (1823) 7, 82;
an heiszer glut gegohren,
träuft reich der traube saft
F. Kind ged. (1817) 4, 5;
ha, dir träuft die wonnetrunkne zähre
Hölderlin 1, 97 L.;
der eine suchte honig, der im walde träuft
Göthe 11, 19 W.
β)
mit angabe der herkunft oder des zieles:
... ein lautres zuckerwasser ...,
das in dem kelch (der blüte) zusammen läuft,
und endlich aus demselben träuft
D. W. Triller poet. betracht. (1750) 2, 157;
er bringt es den hügel herab (das blut),
wie es glanzvoll von dem quell träuft
Klopstock od. 1, 253 M.-P.;
thränen des danks
träufen ins farbengemisch
Schubart sämtl. ged. (1825) 2, 29;
ich will dich ... ängstigen, dasz kalter todesschweisz von deiner stirne träufen soll Klinger 10, 149;
schützen dich vor hitze und vor regen,
welcher heftig aus gewittern träuft
Novalis schr. 1, 139 Minor;
träuft ein quell vom paradiese,
leiser, frischer morgenthau
Uhland ged. (1898) 1, 41;
wird mir auch honig von den
bäumen träufen?
Freiligrath ges. dicht. (1870) 1, 176.
b)
bildlicher gebrauch:
seht wie der kühle wind die volle wolcken häufft,
woraus des himmels fett und unser segen träufft
J. V. Pietsch geb. schriften 58;
niemand vermuthete, dasz ein nägelmagazin das eigentliche füllhorn sei, aus welchem das öl des überflusses traufe Musäus volksmärchen 2, 125 Hempel;
hinter sanfter hügel schirme
wo ... der liebe nektar träuft
Bürger 74ᵇ Bohtz;
doch die erinnerung träuft wie blüthenschauer
im maienmond so süsz auf unser herz
E. M. Arndt werke 3, 51 Rösch-Meisner.
abstracter:
dasz mir deine palme kühlung wehe,
kühlung, wie von lebensbäumen träuft
Hölty ged. 63 Halm;
mein unglück träuft auf sie herunter, mein verworfenes geschick besudelt sie Göthe 24, 317 W.;
in den regen wipfeln träuft
dichterwort von vogelzungen
C. A. Overbeck samml. verm. ged. (1794) 12;
o vater! es träuft aus deiner hand
der segen über berg und land
Loeben ged. 20 Pissin;
da träuft dem armen lügenwicht
die angst vom bleichen angesicht
F. A. Schulze ged. (1828) 105;
ruhe träuft von seinem (des abends) flügel
Grillparzer 2, 81 Sauer;
hatte man sich vorher in überträufende begeisterung für den reisenden hineingesprochen Alexis in novellenschatz von Heyse-Kurz 10, 108;
die menschen sind furchtbar vom licht entstellt,
das von ihren gesichtern träuft
R. M. Rilke buch d. bilder² 39.
2)
subject ist der gegenstand, von dem die flüssigkeit herabfällt, die frühesten belege gegenüber triefen nicht ganz gesichert; wann das tach so starck zesamen gemacht ist, das es nit treufft (tectura ... quod non stillat) offenb. d. hl. Birgitte (Nürnberg 1502) n 1ᵃ; süszer dan honig, unt was von honigsaim treuffet Melissus psalm. 70 ndr.; (Jesus im ölgarten) du treuffest im zornfewer deines vaters wie ein braten V. Herberger trawerbinden (1619) 6, 268;
wenn Reinke gleich gantz überteufet
von list und boszheit treufet
Reinicke fuchs (Rostock 1650) 145.
a)
concret.
α)
ohne nähere bezeichnung der flüssigkeit: ... (ein märtyrer) gleich wie einen hammelschlägel gebraten, und wann sein fleisch getreifft ... hat Schwelin württ. kl. chron. (1661) 327; wohl auch hierher: ez sulen ... ir oberhus bedecken, daz den undern gemachern ... kain schad beschehe weder mit tröffen noch mit schutten usz der kuchi urkdb. d. stadt Eszlingen 2, 187 Diehl;
die stürme wehn, die bäume traufen
G. Schwab ged. (1838) 338;
die steine träuften nur wenig (in einer tropfsteinhöhle) Platen tageb. 1, 317; das gefäsz drohte überzulaufen oder es träufte wirklich schon Alexis hosen (1846) 2, 3, 170; formelhaft: ein dach, das träuft, und böse weiber können gute männer vertreiben Dühringsfeld sprichw. 1, 155ᵇ, vgl. trauf 1 a sp. 1400; häufig vom menschlichen körper, wenn er schwitzt oder sonst nasz wird: der hette sich verweint, das sein gantzer leib träuffet J. Ayrer hist. processus jur. (1600) 386; als er erwachte, lag er so sehr in einem schweisz, dasz bald jedes haar an ihm traufte Pestalozzi sämtl. schr. (1819) 4, 120; ich ... versank in die wellen ... träuffend, ... stieg ich nun am andern ufer hinauf maler Müller (1811) 1, 52.
β)
die herabtröpfelnde flüssigkeit wird genannt: er draupffet von wein madet vino P. Apherdianus meth. disc. (1601) 182; besonders häufig ist von blut träufen:
und er (der jüngling) sollte schon das schwert, das vom blute träuft, erlangen?
C. O. v. Schönaich Heinrich d. Vogler 81;
das birkenlaub,
das vom duftigen frühthau träuft
v. Salis ged. (1793) 76;
denkt euch einen von regen träufenden, breitastigen ulmenbaum Gutzkow zaub. v. Rom 3, 362.
b)
bildlich nur selten vor dem 18. jh.:
sobald der seckel nimmer treifft
und man zu tieff am boden greifft
(ist man ein unerwünschter gast)
Wickram 5, 206 Bolte;
dein (gottes) fusztritt in den wolken, träuft
von fett
J. A. Cramer nord. aufseher (1781) 1, 195;
(der frühling) träuft von thau und duft und segen Claudius werke 1-2, 118;
hain! der von der götter frieden,
wie vom thau die rose, träuft
F. v. Matthisson schr. (1825) 1, 65;
auch:
von golde träufte das gestein, vom puren
F. Rückert werke (1867-69) 3, 146;
in sommerwarmer, von den süszesten düften träufender luft O. Ludwig 2, 430; ganz abstract:
den glauben der von frieden träuft
Geibel 2, 96.
3)
unpersönliches es träuft nur mundartlich belegt; schwäb.: wenns auf deⁿ baureⁿ regnet, traufts auᶜʰ auf den knecht Fischer 2, 333; im elsäss. von anhaltendem feinen regen Martin-Lienhart 2, 743ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1934), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 1415, Z. 11.

träufte, f.

träufte, f.,
vereinzelte ableitung zu träufen: were mein rath, das der patient ... das wasser auf das beschwerte glied des leibs trieffen liesse. aber wieviel stunden man der trefften sonst gebrauchen soll, solches wird ... die geschicklichkeit der glieder am leibe, welche die trefft von nöten haben ... den patienten selbst leren M. Sommer keysers Carls Warmbad (1592) l 4ᵃ; zur lautform vgl. träufen, treifen, trefen sp. 1415 u. 1419, s. auch triefte.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1934), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 1425, Z. 11.

treufe, f.

treufe, f.,
s. traufe. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1935), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 346, Z. 11.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
trotzteufel tröpflein
Zitationshilfe
„träufen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tr%C3%A4ufen>, abgerufen am 16.09.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)