Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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trockne, f.

trockne, f.,
trockenheit, trockene stelle. dem ahd. adjectivabstractum truckni (Graff 5, 512) entsprechende umlautsformen mit ü finden sich nur in obdt. dialekten, z. b. bayr. trückene Schmeller-Fr. 1, 646 oder entrundet schwäb. drĭgene, trikne Fischer 2, 417. sonst trat meist angleichung an den stammvokal des grundadjectivs ein, doch ist bei formen wie truckene (z. b. Sperander 5ᵇ) auch mit umlautshinderung durch geminiertes k zu rechnen. wurde (in md. oder alem. mundarten) schon frühzeitig der stammvocal o in die ableitung übernommen (vgl. trohkini ahd. gl. 1, 165, 27 keron. gl.), so konnte dieser noch umlaut erfahren, so z. b. tröckne Maaler 409ᵃ, tröchni Seiler Basler ma. 85, sonst entstand trockne, das in der älteren schriftsprache die überwiegende form ist. in md. dialekten finden sich formen ohne n: druck Follmamm lothr. 107ᵃ, henneberg. trücke, tröcke neben trockene Spiess 260, thür. tröcke Hertel 248, so vielleicht schon die trucke passional 1ᵃ Hahn, die truck erste dt. bibel 7, 400 lit. ver., ohne dasz aus solchen formen ein schlusz auf eine ursprünglich (germanisch) -n-lose bildung berechtigt wäre. im obdt., bes. im bairischen, hat sich bisweilen die alte nebenform auf -în erhalten, z. b. ariditas die dürrin, trücknin Megiser thes. polygl. (1603) 1, 120ᶜ; auch ein tirol. trikχnə musz auf trucknîn zurückgeführt werden (Schatz ma. v. Imst § 116). seit dem anfang des 18. jhs. wird trockne schriftsprachlich allmählich durch trockenheit (s. d.), das schon für Steinbach (1734) 2, 860 als gebräuchlicher gilt, abgelöst, findet sich aber noch häufiger bei Göthe, s. Fischer wortschatz 631ᵃ; spätere schriftsprachliche belege bleiben vereinzelt, z. b. trockene Karmarsch-Heeren 10, 8, doch bleibt tröckne im schweizerdeutschen bis zur gegenwart lebendig: in halbjähriger tröckne J. v. Müller sämtl. w. 14, 61; bei der tröckene der bund (Bern) 6. august 1904.
1)
begriffen wie nässe, feuchtigkeit entgegengesetzt:
du zuscheides ...
die trocken von der vuchten,
die werme von der kelden
Hesler apokalypsc v. 90 Helm;
von der trüchen wirt ein iegelich dinch smal oder dunne Bartholomäus 128 Pfeiffer i. d. Wiener sitz.-ber. 42; wo ein füer ist, do ist ouch ein durre und truckene Geiler v. Keisersberg bilgerschafft (1512) 15ᵇ; der conflict zwischen trockne und feuchtigkeit (scheint) dieses phänomen hervorzubringen Göthe II 1, 220 W.; vom menschlichen körper: das drit zaichen (der pest) ist groszer durst, truckne des mundes Steinhöwel regimen pest. 395 Ehrle; dasz sich das kind an der geburt verhindern oder seumen wolte ... von wegen der trückne und enge des fordern leibs oder geburtglieds Ruoff hebammenbuch 55; in der heisere und trückne des hals Tabernämontanus kräuterbuch (1687) 623ᵇ; nun habe ich schon, solange der winter dauert, eine trockne in den augen, doch ganz ohne verdunkelung Annette v. Droste br. 24 Cardauns; bildlich:
durch deinen gnadentau mein drückne zu befeuchten
Weckherlin 2, 140 lit. ver.;
von der trockenheit des erdbodens: das ärdrich spalt auf oder zerkleckt von tröchne oder dürre Frisius 430ᵃ; ähnlich, nach trocken A 5: truckne sol komen uber ire wasser, das sie versiegen Jeremias 50, 38; im sinne von trockner, fester zustand: zur trockne verdampft heiszt er (der gelee) leim Liebig hdb. d. chemie 172; beachte auch nach trocken C 1 c α: tröchni ... des imbisses ohne flüssige beigabe Friedli Bärndütsch 6, 72.
2)
in speciellerer verwendung.
a)
von klimatischer trockenheit, niederschlagsarmer witterung, synonym etwa mit dürre:
got hête in gesendet
ein truchenne uber allez daz lant
diu vrône botschaft 827 Priebsch;
sover (wenn) ain trickne einfiel, dasz die gemain genötiget wurde, ... zu wässern anzuverordnen tirol. weist. 3, 124; entstuͦnd grosze teure ... wegen der groszen tröchne diss jars Stumpf Schweizerchron. (1606) 112ᵇ; wenn derselbe (boden) lange nicht beregnet worden, oder wenn eben eine grosze tröckne eingefallen ist C. v. Heppe aufr. lehrprinz 26; regenwetter nach langer trockne Göthe III 4, 30 W.; dasz bei der tröckene der graswuchs mitten im schönsten triebe zu wachsen aufgehört hat d. bund (Bern) 6. aug. 1904.
b)
in der älteren naturlehre (vgl. trocken E):
der êrste ist Sâturnus gnant,
an dem ist kelde und trücken erkant
Thomasin v. Zirclaria wälsche gast 2364 Rückert;
daz uns verjehent astrôlogî ...
ir (der gestirne) kelde, ir hitze, ir trucken, ir naz
Heinrich v. Freiberg Tristan 231 Bernt;
iedoch ist daz kraut haiz und trucken, aber sein hitz ist klainer wan sein trücken Konrad v. Megenberg buch d. natur 394 Pfeiffer; die magerheit ist von starker hitz und trückne Dryander arzenei (1542) 26ᵃ; die weisen überkamen miteinander von seiner (des essigs) trückne M. Herr schachtafelen (1533) c 3ᵃ; kalte und trockne leiber brauchen wegen ihrer kälte einiger übungen, wegen ihrer trockne aber sollen solche übungen weder zu geschwind geschehen W. H. v. Hohberg georg. cur. aucta 3 (1715) 109ᵃ.
3)
concret als bezeichnung für trockne oder zum trocknen gebräuchliche orte.
a)
als der von feuchtigkeit, regen oder flut unbenetzte ort, specieller als ufer, continent oder sandbank im gegensatz zum meer: aber Israhelis sune durchkiengen uz in druccheni (per siccum) Notker 2, 619 Piper; (inaquoso) in dem unwazzervollen, daz ist, da des wazzeres nih ne was, in der truchene, in der durre Windberger ps. 361 Graff;
grôz was diu herzensêre,
dô man die tôten sach tragen
an die trucken ûz dem bluote
heldenbuch 2, 300ᵇ (Rabenschlacht);
hierher auch (vgl. die trocknete 3): einen teil (der oblate) leit er (der priester) in den kelch in das bluot ..., den andern teil leit er an die trüchni (aufs trockne) uf die batenun (geweihte hostienschale) altdt. predigten u. gebete 74 Wackernagel; noch ein cleinis, so wil ich bewegen den himel und di erde, daz mer und di trochkene Claus Cranc propheten 357 Ziesemer; zuͦ zeiten sol er (der walfisch) auf das gestad häraus gon und ... zuͦ zeiten gar nach auf die tröckne häraus lassen, sich bei der sonnen zuͦ wermen Forer Gesner fischbuch (1575) 98ᵇ; als sandbank (vgl. trockenhaftig): von der gefärlichen truckne im munde der Wolgen P. Fleming 483 lit. ver.; (da der könig) auf einer trocknen sandbank sasze und sonder zweifel gar geblieben wäre, wann nicht die ... vorsehung gottes das schiff ... von der trockene abgezwungen ... hätte M. Krämer leben u. tapffere thaten 160; im wortspiel:
an der trückne kann er (der krebs) nicht leben.
die natur hat der lanzknecht eben,
das er frü und spat foll musz sein,
sich stets füllen mit bier und wein
Hans Sachs 9, 243 K.-G.;
bildhaft: es schlegt mancher an der trückne aus, des er im regen und nässe nimmer mehr mag erlangen Seb. Franck sprüchw. (1541) 1, 152ᵇ; nach trocken A 3 d: er ist uf der tröcheni 'in geldnot, gleichsam wie ein auf den sand geworfener fisch' Friedli Bärndütsch 1, 36.
b)
als ort oder vorrichtung zum trocknen von wäsche und dergl. mundartlich weit verbreitet, z. b. thür. tröcke 'gang hinterm hause zum wäschetrocknen' Hertel 247; steir. trückne, trücken 'platz zum trocknen' Unger-Khull 176ᵇ; lothr. durck 'vorrichtung zum wäschetrocknen' Follmann 107ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1936), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 761, Z. 9.

tröckne, m.

tröckne, m.,
alemannisches wort, seiner bildung nach nicht durchsichtig. im sinne von trocken F 1 d: der tröchni 'ist ein trockener mensch, idealloser philister' Friedli Bärndütsch 1, 36; der 'übernüchterne, geistestrockene' tröchni ebda 6, 72; wohl in semasiologischer vermischung mit drucker, druckser, trocker (s. d.): er war, was man sagt, ein trökni, er schaffte immer, aber nur langsam, komme ich nicht heute, komme ich doch morgen, meinte er Gotthelf schuldenbauer (1854) 254; im sinne von 'tropf, duckmäuser': du bist so ein tröckni und trappi, dem es am liebsten wäre, wenn man ihn annagelte an den kuttenfecken (rockschosz) ders. ges. schr. 17, 238.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1936), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 762, Z. 74.

trocknen, vb.

trocknen, vb.,
siccare, tergere. in nhd. trocknen sind zwei ursprünglich formal und functionell geschiedene formen zusammengefallen: causativ (transitiv) germ. *druknjan hätte nhd. trücknen, inchoativ (intransitiv) germ. *druknēn nhd. trocknen ergeben sollen, doch ist eine unterscheidung beider bildungen in dieser form nirgends mehr erhalten. vielmehr ist schon in früher zeit, ähnlich wie bei dem fem. trockne, der stammvocal beider bildungen nach dem des grundadjectivs ausgerichtet worden (doch beachte das vb. druknide Heliand 4507 Monac. neben dem adv. drokno 2937), so dasz in alem. und md. mundarten o, im übrigen u in beiden formen fest wurde, wobei freilich die causative bildung bisweilen durch umlaut charakterisiert wird: trocknen, trocken werden, siccescere, tröcknen, trochen machen, siccare Maaler 409ᵃ; dröchne, tr. vb., trocknen, drochne, intr. vb., trocken werden Seiler 85; caus. trückna, inchoat. truckna Neubauer Egerländer ma. 24; wetterauisch caus. dreckne (˂ dröcknen), inchoat. droackne (˂ drocknen) Weigand dt. wb.³ 3, 913. im allgemeinen ist jedoch auch diese unterscheidung aufgegeben worden, so dasz der gleiche vocal (sei es mit oder ohne umlaut) in beiden functionen gilt. schriftsprachlich wurde, dem md. gebrauche entsprechend, o in beiden functionen während des 18. jhs. allgemein gültig, nachdem die nebenformen schon im laufe des 17. jhs. einbusze erlitten hatten. in frühmhd. zeit finden sich sporadisch präterita mit o, z. b. trucchenota bei Steinmeyer sprachdenkm. 157 (obdt. 11. jh.), er truchenot bei Waag ged.² 118 (hochzeit, 12. jh.); doch ist aus ihnen keineswegs ein altes *truckanon zu erschlieszen, s. Schatz germanica f. Sievers 366 ff. das stammbildende n unterlag gegenüber dem n der infinitivendung landschaftlich vielfach der dissimilation zu l oder r: truckeln Kramer dict. 2 (1702) 1156ᵃ trückle(n) neben tröckne(n), trückne(n) Martin-Lienhart 2, 753ᵃ; tröckeln, tröckern Hertel Thür. 247; trückern Anzengruber ges. w. 4, 56; trückern Unger-Khull 176ᵇ; bisweilen wurde es völlig zerstört: tergeret trichot (˂ *trüchnot) Mones anz. 6, 348 (15. jh.); trugket Egranus ungedr. pred. 97 Buchwald; es drücket bei Brenner-Hartmann Bayerns maa. 1, 80 (bayr. wald).
1)
inchoativ, siccescere. in der perfectumschreibung überwiegt seit alter zeit das hilfsverb sein: du bist noch nit genuͦg getrücknet bei dem feur Geiler v. Keisersberg has im pfeffer (1510) E e 3ᵇ; der ... weg war schon besser getrocknet Göthe I 33, 23 W.; ebenso bei Adelung 4, 687, Campe 4, 889ᵃ, Seiler Basler ma. 85, rhein. wb. 1, 1521 s. v. drügen; für Herm. Paul gilt dagegen die umschreibung mit haben besser: die wäsche hat gut getrocknet abh. d. bayr. ak. d. wiss. 22, 180.
a)
trocken werden an luft, sonne oder in der wärme: alsdann lasz ihn (den ofen) an der sonnen sehr wol trucknen Ercker mineral. ertzt (1580) 6ᵃ; so du ein leder netzest, du machest es zwar gelind, so es aber trücknet, so wirt es härt und schrundächtig Minderer kriegsartzney (1634) 121; seinen wolfsbelz liesz er trücknen zu morgens am luft Moscherosch gesichte Philanders 2, 82; o götter, hier trucknen zerrissne eitervolle lappen, zeugen seiner krankkeit Steinbryckel Philoctetes (1760) 7;
und rings um die hütte
trockneten reusen und netze
J. H. Voss ged. 123 Sauer;
die straszen trocknen überall
im warmen sonnenschein
Miller ged. 388;
in dem groszen ofen brannte ein feuer, damit das ganze gemach lüfte und trockne A. Stifter sämtl. w. 2, 196; mundartlich: d kuhhaut, die dort zum trückern ausgspannt war L. Anzengruber ges. w. 4, 56; wo der boden so stark trochnet Friedli Bärndütsch 6, 72; sprichwörtlich: wenn einem ein sau den mantel besudelt, so ist das ein recept, dasz mans läst trucknen und ausreiben Lehman florileg. polit. (1662) 2, 722; bei zeit auf die zeun, so trücknen die windlen Seb. Franck sprüchw. (1545) 1, 74ᵇ, Göthe I 28, 201 W. technisch: trocknende öle ... sind durch die eigenschaft ausgezeichnet, an der luft ... in feste, harzige massen überzugehen, d. i. zu trocknen Karmarsch-Heeren 6, 409; von pflanzen, früchten u. dergl., deren saft austrocknet:
denn es stehen reben gepflanzt im sonnigen weiten
raum, es trocknet daselbst ein teil der trauben am stocke
Göthe I 4, 327 W.;
dörfchen mit ... steinbeschwerten dächern, unter denen die kürbisse und die gelben maiskolben trocknen Steub drei sommer i. Tirol 1, 53; vom getrockneten nasz der tränen: endlich nach etwas getrockneten wangen stiesz sie ... diese kläglichen worte heraus A. v. Ziegler as. Banise (1689) 318;
trocknet nicht, trocknet nicht,
tränen der ewigen liebe
Göthe I 1, 97 W.:
sprichwörtlich: hitzige zäher trücknen bald Seb. Franck sprüchw. (1541) 1, 162ᵃ, Binder sprichwörterschatz 194.
b)
specieller 'austrocknen, versiegen' von gewässern: und daz wazzer wirt swinden von deme mere und daz vlyz wirt vorgên und trocken (siccabitur) Claus Cranc propheten 26 Ziesemer; am ersten tag des ersten monats trocknet das wasser auf erden Züricher bibel (1531) 4ᵇ;
ach, trocknetest du (quell) nicht für glut,
als sie (die geliebte) sich legt in deine flut?
Lenz ged. 158 Weinhold;
quell, der nicht trocknet,
quell, der nicht friert
Martin Greif ged. (5. aufl.) 3;
ähnlich: und zehant truckent (Luther: vertrucket Marcus 5, 29) der brunn irs siechtumbs erste dt. bibel 1, 138 lit. ver.
2)
causativ.
a)
trocken machen oder trocknen lassen durch luft, wärme u. dergl.: ein kolfür ist gut des nachts in der kammere, daz trokkend di luft arch. f. gesch. d. med. 3, 145 (schlesisch um 1400); im mittage trockent sie (die sonne) die erde, und wer kann fur irer hitze bleiben? Syrach 43, 3; (das papier wurde) aufgehenkt und getrückent am luft under dem dach Turmair 4, 373 akad.; es (das ichneumon) besudelt sich oft im kot und trücknet sich an der sonnen v. Eppendorf Plinius 60; (habe in der Oder) min heimbdlin gewäschen, an ein studen gehenkt, getröcht Th. Platter tageb. 22 Boos; im wind sind viel eigenschaft, er tröcknet, und niemand sicht, das da tröcknet Paracelsus opera (1616) 1, 277 b;
einen fischer fand ich zerlumpt und arm,
der trocknete singend die netze
Schiller 11, 326 Göd.;
wind und sonne, die trocknen rasch Clara Viebig schlaf. heer 1, 89; mundartlich:
und dei sunn hat mi trickert,
wenn mi gnetzt hat dei regn
R. Hamerling w. 7, 39;
'eintrocknen lassen': man ... trücknet ... den ausgepreszten saft Ryff confectbuch a 2ᵇ; bildlich: (Eva hat) den Adam in ein solche wäsch gebracht, woran wir noch zu trücknen Abr. a s. Clara Judas 1, 43; redensartlich:
wer sucht zu genau (zu geizig ist),
trocknet den tau
Sebiz feldbau 39;
ein paar ohren trocknet zehen paar zungen M. Kramer dict. 2 (1702) 181ᵃ (wohl: viele müssen sich die zunge trocken reden, ehe sie einen neugierigen befriedigen können).
b)
organische dinge zur aufbewahrung trocknen, insbes. von früchten, fleisch und fischen: gesalzen rintvleisch unde schefin vleisch unde wurste unde waz getrockent ist Freiburger stadtr. 246 Ermisch (um 1300); so nimm einen fisch, wirf das eingeweide weg, truckne ihn in dem rauch Walther pferde- u. viehzucht 69; die angehäuften getrockneten fische verbreiteten einen höchst widrigen geruch H. Steffens was ich erlebte 3, 75; (körbe) mit saftigen und getruckneten früchten Bodmer Noah 42; wolzeitige pflaumen, oder dieselbige getrucknet als zwetscken essen Wirsung artzneybuch 543ᵃ; das gesicht schrumpfte wie eine getrocknete zwetsche zusammen Gutzkow ges. w. 11, 4; specieller von den im herbarium oder einfach zwischen buchseiten gepreszten und getrockneten pflanzen: folianten ..., in denen er beinahe alle merkwürdige pflanzen des erdbodens ... getrocknet hat Sophie v. Laroche frl. v. Sternheim 2, 165; in einer getrockneten flora, die unser groszherzog mit von Wien gebracht Göthe IV 29, 152 W.;
was erzählt ein getrocknetes rosenblatt
oft für lange geschichten!
Frida Schanz ährenlese (2. aufl.) 73;
bildlich: wir haben schon genug in diesen herbarien voll getrockneter gefühle geblättert Ernst Jünger wäldchen (1928) 61.
c)
tergere, trocken wischen oder reiben. trocknen und wischen stehen hier vielfach synonym: pertergere wuschen ader drocken (15. jh. md.) Diefenbach 430ᵇ; damit sie ir augen wüschet und drücknet Amadis 304 lit. ver.; beachte auch: gewisse wörter hat der dichter (Klopstock) zu gemein befunden ...; wo es vorher hiesz: wische dem knaben die zähre vom antlitz oder: wischet mit mir, wenn er stirbt, das blut von seinem gesichte ist beidemal für wischen trocknen gesetzt Lessing 8, 51 L.-M. die ältere sprache verfügte in diesem anwendungsbereich über ein (auch dem got. eigenes) synonymon swërban tergere, siccare Graff 6, 896, das freilich früh unterging.
α)
vom körper und seinen teilen. der älteste beleg spiegelt noch den kampf der beiden synonyma trocknen und swerban wieder:
endi thar is iungrono thuog
fuoti mid is folmon endi suaraf sia mid is fanen after
drucnida (druknide Monac.) sia diurlico
Heliand 4507 Cotton.;
(Maria Magdalena,) diu mit ira zaheren gotes fuoze dwuoch unde sie mit ira vahsen trucchenota bei Steinmeyer ahd. sprachdenkm. 157 (11. jh.); rat, was ist das? tuͦt man es, so geschicht es, tuͦt man es nit, so geschicht es dennocht. es ist die hend trücknen: trücknest du si, so geschicht es, trücknest du sie nit, so geschicht es dennocht, dan si werden on das von inen selber trucken Geiler v. Keisersberg narrenschiff (1520) 209ᵃ; so trocknet (var. wischt) ich mich ... an die lange schleierstürz Fischart Gargantua 215 ndr.; heute steht einfaches trocknen hinter abtrocknen oder sich trocknen mit accusativobject zurück: sie trocknet sich noch die vom waschen nassen hände G. Hauptmann biberpelz (1893) 53; vom trocknen des hauptes oder haares: das har mit warmen tüchern wider tricknen Steinhöwel regimen pestil. 407 Ehrle; zwagen ... ist das zeitwort der balbierer, wann sie einen butzen und den gewaschenen kopf mit warmen tüchern reiben und trucknen Harsdörfer secretar. 1, 554.
β)
tränen aus dem auge oder von der wange trocknen: als nun Sigismunda genug geweinet het, hube sie auf ir gesichte, drucknet die augen und sprach A. v. Eyb dt. schr. 1, 58 Herrmann; ihre nasse augen trücken und abwischen H. Braun kinderspiegel (1610) 158; mein weib trücknet augen und wangen Grimmelshausen 4, 532 Keller; Zulma wagte es nicht, ihn anzusehen, sie trocknete sich heimlich kalte tränen des entsetzens von den augen Tieck schr. 8, 231; sagte die gute frau schluchzend und trocknete mit ihrer schürze die augen G. Keller ges. w. 4, 133; in anderem sinne: dasz der gram über dein schicksal die säfte aus deinen augen trocknet (versiegen läszt) J. J. Engel schr. 1, 244; als bildlicher ausdruck für 'schmerz lindern, trost zusprechen, aufheitern', 'helfen':
dein trost trocknet mir mein weinen,
das mir aus den augen flosz
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 411ᵇ;
der könig der Hunnen
sagte mit unschuld: ihr habt durch eure herkunft die tränen
meiner gemalin getruknet
Bodmer rache d. schwester 424;
segnender ist kein menschenfreund, als ein vorsichtiger arzt, der die träne des vaters, des freundes trocknet H. P. Sturz schr. (1779) 1, 207; jeder ist verpflichtet, die tränen seiner brüder zu trocknen und die hülflosen zu leiten Meisl theatr. quodlibet 1, 207.
γ)
schweisz trocknen: Golo trocknet sich die stirn maler Müller w. 3, 262; mit dem seidenen schnupftuch sich den schweisz trocknend Eichendorff sämtl. w. 3, 159; vom blutschweisz Christi: Veronica ... hat ... im getrucknet sein heiligs angesicht geystl. strasz (1521) g 3ᵃ; ähnlich spricht die seele vor dem gekreuzigten:
mit so linden herzenwinden
wil ich trücknen allen schweisz,
alle masen (wundmale) wil durchblasen.
kühlen alle wunden heisz
Fr. v. Spee trutznacht. (1649) 295.
δ)
den letzten beispielen steht nahe das trocknen (der zuweilen zuvor ausgewaschenen) wunden, um sie zu reinigen und das blut zu stillen: siccabat (veste cruores) truchinita ahd. gl. 4, 351 St.-S.;
ein duch, daz waz snewiz,
do wart er in gebunden,
man druckent im die wunden
Heinrich v. Neustadt gottes zukunft 3456 Singer;
die weiber (der Germanen) muesten ... die wunden zelen, trücknen, pinden, heilen Turmair bair. chron. 1, 111 Lexer; er trocknete und verband die wunde Eichendorff sämtl. w. 3, 297.
d)
trocken legen, entwässern, drainieren: unde irrafsta er den roten mere, fone diu inteta er sih unde getrucchenet ward er (exsiccatum est) Notker 2, 452 Piper; du druchende diu wazzer Ethanes Trierer ps. 73, 16 Graff; auch öffnen wür, das man uns die pachrunst ... nimmer gar ab soll trucknen, damit das dorf alweeg wasser hab tirol. weist. 1, 259 (16. jh.); trocknen eine grube, gesenke u. s. w. Chemnitzer bergm. wb. (1778) 561; sie trocknen eben einen sumpfigen strich und legen eine strasze an A. Stifter sämtl. w. 3, 207.
e)
trocknen als terminus der älteren naturphilosophie und medizin, im sinne einer den dingen innewohnenden oder zugeschriebenen kraft (vgl. trocken E 2-4): nicht allein, das es (das pulver) das bluͦt stelt, sonder auch darzuͦ hailet und trücknet H. Braunschweig chirurgia (1539) 18ᵇ; dieweil er durch zuviel fisch essen ein flegmatisch ... hirn und ein schwach gedächtnusz, die man ihm mit gepulvertem helleboro Nigri Bertoldi stärken und trucknen solt, möcht bekommen haben Fischart binenkorb 215ᵃ; trocknende kräuter und blätter Lohenstein Arminius 2, 208ᵃ; daher der wahlspruch trucknet bei Neumark palmbaum 257 für ein mitglied der fruchtbringenden gesellschaft, dessen symbol der sinnau war, denn: sinnau ... hat darneben eine kraft ... zu trucknen Tabernämontanus kräuterbuch (1687) 249 g; (das salz) ist von einer zusammenziehenden und trucknenden natur, behütet vor fäulung, verzehret die überflüssige feuchtigkeit allg. haushalt.-lex. (1749) 3, 52; ähnlich von flüssigkeiten: (erdbeerwasser) truckenet die trieffende augen Sebiz feldbau 412; essig ... drucknet die geschwär Bock kreutterbuch (1587) 425ᵇ; ein trank für die flüsz im haupt, welches trücknet Gäbelkower artzneybuch 1, 14; die rote weine seind gemeiniglich etwas trocken, trocknen gemeiniglich, sie sind räsz, herb, nicht süsz M. Kramer il nuovo dict. (1693) 74ᶜ; auch geistige oder körperliche überanstrengung wirkt trocknend auf den menschen: also zorn hitziget vast, truren dörret und trucknet ser Steinhöwel regimen pestil. 408 Ehrle; das fasten heilet krankheit, trocknet auch die flüsse Nigrinus von zäuberern 68; viel wachen trocknet das hirn M. Kramer dict. 2 (1702) 1156ᵃ; so trocknet doch die unmäszige und allzu viele arbeit W. H. v. Hohberg georgcur. aucta (1715) 108ᵃ; hierher:
gedrücknet durch die frewd und pein
der kinder, welche ich geboren
Weckherlin ged. 1, 441 Fischer.
f)
die mittelalterliche anschauung begreift im sinne der naturlehre die sünde als böse feuchtigkeit, die durch die busze getrocknet wird: er (gott) truckente ouch ir sunde in der bicht mit der buoze altdt. pred. 64 Schönbach; leg die gabel dines herzen ... in dis vorgenant füer (der zerknirschung), bis es erhitziget würt und alle böse füchtigkeit der sünden von dir kommen und ganz usgederrt und getrücknet werd Geiler v. Keisersberg bilgerschaft (1512) 15ᵈ; ähnlich: sie (die widerwärtigkeit) trücknet ouch das herz des menschen von dem wasser und wollust, als das für ustrücket alle füchtigkeit ebda 69ᶜ; buszkohlen, die den unflat und aufsteigende dünste und feuchtigkeit trücknen Dannhawer catech.-milch 2, 185; vgl.:
durch deinen angstschweisz truckne mir
die sündenstriemen ab alhier
Fischer-Tümpel 5, 442ᵇ.
g)
übertragen. in obdt. mundarten 'prügeln', vielleicht ursprünglich nach trocken C 1 c γ im sinne von schlagen, ohne dasz dabei blut flieszt: tröchne fustibus caedere Schmidt-Tobler id. Bernense 67; trückne prügeln Martin-Lienhart 2, 753ᵃ; trickern dass. Jakob Wiener dial. 195ᵇ. aus der mundart auch: den wollte ich tröcknen, dasz er nach gott schreien lernte! Gotthelf schuldenbauer (1854) 222.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1936), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 763, Z. 14.

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„tröckne“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tr%C3%B6ckne>, abgerufen am 23.09.2021.

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