Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

trödler, m.

trödler, m.
seit ende des 15. jh. belegt. der stammvokal ist meist ö; mit ostmd. entrundung schon im ältesten beleg tredler P. Eschenloer stadt Breslau 1, 108 (s. u. 1); tredeler Corvinus (1646) 305; hierher auch trädeler Garzoni (1641) 1064ᵃ; Reyher thes. (1668) öfter, s. u. 1. ostmd. treud(e)ler in der bedeutung 1 bei Luther (neben trodler 32, 107 W. und trödler s. u.) und Calvisius thes. lat. (1666) 643. als treidler auch bair. bei Rosegger 1, 142.
1)
händler, auch hausierer, insbes. mit alten oder billigen sachen. dafür heute schriftsprachlich althändler üblicher: zuerst ende des 15. jh. bei P. Eschenloer: da war ein tredler, var. tendler gesch. d. st. Breslau 1, 108; frivolarii ... trödeler, die alte hausgerölle verkaufen B. Faber thes. (1587) 340ᵃ; trödeler ... ein krämer, der schlechte und liederliche ding feyl hat H. Decimator (1608) 539ᵃ; circuitor ein feiltrager, hausierer, tredeler A. Corvinus (1646) 305; trödeler mango, vestiarius, veteramentarius, scrutarius Steinbach dt. wb. (1734) 2, 861; den allerweltsmann von trödler, welcher silberne uhren, ... schnallen, knöpfe, gott weisz was, feil bietet Gaudy w. (1844) 5, 58; gehe zum trödler, verkaufe meinen livreerock und kaufe die säge G. Freytag w. (1886) 2, 213; in Deutschland (wurden) die subhastationen den trödlern übertragen hwb. d. staatswiss. (1898) 2, 27; vor meinem hause neben der universität hielt ein büchertrödler seinen tisch Zelter an Göthe 6, 312; der trödler ist auch pfandleiher:
sie selbst versetzt geschmeid und ringe
und gibt es einem trödler hin
Chr. Fr. Henrici gedichte (1727) 2, 5161.
in älterer zeit auch von den umziehenden, mit heilmittel handelnden wanderärzten, vgl. s. v. trödelkrämer: dieser unser theil (des gebirges) hat viel solcher ärtzte, tyriaksmenner und trödeler gehabt, die den reichen ihre blattern auffgestoszen haben J. Matthesius Syrach (1586) 2, 115ᵃ. den kleiderhändler meint vor allem das durch seine form auffallende trädeler bei Reyher: vestiarius, qui vestes vendit, ein kleiderkrämer, trädler thesaurus (1668) 3, 2127; sagarius 3, 1221; trädeler, der gewand oder kleidung zu verkauffen umbher trägt 1, 1068. seit alters hat die bezeichnung trödler meist einen geringschätzigen beiklang: auch die häcker oder verkäuffer und die krämer und die budensitzer und die störzer oder landstreicher und die trödeler mit jhrem altgerümpel oder trödelmarck und die händtschuchkrämer wollen alle handelssleut sein Comenius ian. aurea IV ling. (1644) 146; wenn auch mein mann nur ein reicher trödler war K. Meisl theatral. quodlibet (1820) 5, 69; trödler, krämer und händler galten stets als verachtete mitglieder der menschlichen gesellschaft Doren Florentiner wollindustrie (1901) 144. häufig schlieszt trödler die vorstellung eines jüdischen händlers und hausierers ein, da die juden unter ihnen bes. zahlreich sind, vgl. trödeljude: ... (eines jeden) Israeliten, der kinder hat, sie nicht gern alle trödler und ärzte seyn lassen möchte M. Mendelssohn ges. schriften (1843) 5, 678;
(den dolch) auf der
Frankfurter messe von einem jüdischen
trödler gekauft
Hebbel werke 8, 270 Werner.
wie trödel und trödeln von Luther gern als vergleich benutzt: alle die mit viel guter werck gott sich wohlgefellig machen wollen, und gotte sein huld gleich abkeuffen, als wer ein treudler oder tagloner, der sein huld nit umbsonst geben woll werke 6, 210 W.; die werckheiligen, die zu gott sprechen, zall mich, als ob er ein trödler sey, der seyn himelreich verkeuffe 16, 400; vgl. noch 10, 1, 1, 309. ähnlich auch bei Mathesius: lass andre trödler und hümpler geschenke geben und nemen wie sie wollen Syrach (1586) 2, 58ᵃ. später von unoriginalen schriftstellern gesagt: unsere meisten schriftsteller, auch etliche von den sogenannten besten, sind blosze trödler G. Chr. Lichtenberg ges. schr. (1800) 3, 14;
der trödler handelt itzt mit der empfindsamkeit.
kraftsprache, bardenton, des minneliedes säuseln
antiquitäten sinds
S. G. Bürde vermischte gedichte (1789) 125;
Homer mus durchaus nicht als physischer und alchymystischer weisheitströdler betrachtet werden Matthisson schr. (1825) 2, 24.
2)
'zauderer': der gnädigste herr hat euch wohl zehn mal einen berenheuter geheiszen, dasz ihr ein solcher trödler seid Chr. Weise Masaniello (1683) 306; war der unglaublichste verzögerer und trödler, der je unter der sonne gelebt, und ihm allein habe ich es schuld gegeben, dasz meine sache so auf die lange bank geschoben wurde Lessing w. 18, 88 L.-M.;
singe doch endlich das lied, du trödeler, oder ich gehe!
J. H. Voss sämtl. ged. (1802) 2, 302.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1936), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 780, Z. 62.

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Zitationshilfe
„trödler“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tr%C3%B6dler>, abgerufen am 18.09.2021.

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