Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

tröhlen, vb.

tröhlen, vb.
1)
rollen, wälzen, 'volvere' Frisius (1556) 1405. mundartlich fürs alem. und das tirolische des Oberinntals bezeugt (Schöpf 758). die von Stalder 1, 307 fürs schweizer. verzeichnete, durch beiträge z. schweizerdeutschen grammatik 4, 63; 10, 78 und 79; 16, 61; 19, 136 und 138 bestätigte unterscheidung von trans. tröhlen und intrans. trohlen entspricht offenbar ursprünglichen bildungsunterschieden von tröhlen als schw. vb. 1. kl. und trohlen als schw. vb. einer andern klasse. nicht umgelautetes trohlen findet sich aber auch in trans. verwendung, vgl. bereits Frisius a. a. o.: volubilis das sich trolen laszt; ebenso allgemein mundartlich. intrans. gebrauchtes tröhlen ist dagegen selten, vgl. das elsäss. und Forer (s. u.). gelegentlich mit lenisiertem anlaut, s. Fischer schwäb. 2, 396, Seiler Basel 85ᵃ. vereinzelt mit u, s. Martin-Lienhart elsäss. 2, 754. gewisz im ablaut mit nd. trülen, trulen, s. Danneil altmärk. 227, brem.-niedersächs. 5, 117, Schambach Götting.-Grubenhagen 235 u. a. m., wohl auch mit gleichbedeutendem trollen, trüllen, s. d. schriftsprachlich nur selten bezeugt: (der steinling, ein fisch) sol auch fleyssig acht haben auff die vögel, so zuͦ solchen zeyten die fisch auffrässend: dann wo er einen ersicht, so weltzet er und trölet mit viel sprüngen und grosser schnälle in das meer Forer Gesners fischb. (1575) 15ᵃ; etliche vermeynen, dasz die eier mögen gekochet werden, wann man sie lang herumbtroͤlet H. Frölich offenbarung der natur (1591) 292; J. Gotthelf ges. schr. 21, 6. secundär ist bei trohlen die bedeutung 'donnern' Stalder a. a. o.
2)
in übertragener bedeutung: sequi lites sich rächtshendlen vnderwinden, trölen Frisius a. a. o. 1203ᵃ. in diesem sinne nur schweizer. bezeugt, gewöhnlich in der umgelauteten form, gelegentlich auch umlautlos wie in Basel, s. Seiler a. a. o. zu den bei drollen 7, teil 2, 1429, gegebenen belegen, unter denen die verweise auf mhd. trüllen und auf auszerdeutsche parallelen zu unrecht stehen, ist als älteste bezeugung anzuführen:
ich merk schon, was die urteil git.
sönd denn wir die sach verlieren
und denn gen Rom appellieren,
so ist es in unserm vermögen nit;
dann disem volk ist wol darmit,
dasz man den handel trölt und trybt,
dasz uns nit ein haller blybt
Nicl. Manuel 280 Bächtold;
ferner dröhlen neben tröhlen bei Pestalozzi 2, 33 Buch.-Spranger-Stettb., bzw. 2, 407. in zusammensetzungen im sinne von tröhlen 1: tröhlbach, -baum, -fasz u. a. m., s. Staub-Tobler 4, 955; 4, 1428; 1, 1054; im sinne von tröhlen 2: tröhlhandel, -schulden, -sucht ebda 2, 1399; 8, 656; 7, 286. im gleichen sinne in ableitungen wie tröhlhaft, tröhlig prozeszsüchtig Stalder schweizer. 1, 308; trö(h)lung s. unter drollung teil 2, 1432; trö(h)lerei s. unter drollerei 1, teil 2, 1430, wo der verweis auf schwed. trolleri zu streichen ist; tröhlerisch dasselbe wie tröhlig Pestalozzi 3, 357 Buch.-Spranger-Stettb.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1936), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 797, Z. 15.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
trotzteufel tröpflein
Zitationshilfe
„tröhlen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tr%C3%B6hlen>, abgerufen am 25.09.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)