Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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trendeln1, vb.

¹trendeln, vb.,
rollen; zaudern; ags. ā-trendlian Grein 685ᵇ (engl. trend); nl. drentelen; vgl. tründeln und trindeln sowie ahd. thuruhtrennilon 'peragere' (gl. zu lustrare, circuire) ahd. gl. 1, 203, 24.
1)
rollen; vor allem nd. bezeugt: tröndeln, trendeln (in Niedersachsen) an der erde fortrollen Schrader dtsch.-frz. 2, 1386; 'mit kugeln spielen, kegeln': wur ein botzellek (kegelbahn) is ... dar me trendelt eder botzet umme penninge ... dewile dat me dare spelet eder de botzeklote eder de stene dar lopet, dar me pleghet to spelende eder to trendelende goslar. bergges. § 14 bei Schiller-Lübben 4, 610; 'würfeln': (den knechten der 'garbrader' ist verboten) nicht to dobelende noch to trendelende by 3 mk sulvers (1376) Lübecker zunftrollen 205 Wehrm.; vom spiel der kinder mit kügelchen u. dergl. Kehrein Nass. 1, 407; Pfister nachtr. z. Vilmars id. 299; 'auf eine besondere art mit bällen spielen' für Hildesheim d. dtsch. maa. 2, 123 Fromm.; die beschreibung des spieles (als trenseln) Schambach Götting. 234. für sich steht, auch lautlich abweichend: revolvirn wider umbhin walgen, widerweltzen, hinumb trandlen Sim. Roth diction. (Augspurg 1572) o 6ᵃ.
2)
aufs rad flechten: trendiln oder radebrechin rotare Konr. v. Heinrichau voc. 396ᵃ Gusinde; trendelen, trendeln auch sonst mit rotare glossiert Diefenbach gloss. 500ᶜ aus ndd. md. u. obd. glossarien des 15. jh., was aber auch zu 1) gestellt werden könnte.
3)
wirbeln: gedanzt a getrendelt Follmann lothr. 102; sich drängeln 'sich hin und her drehen' siebenbürg.-sächs. wb. 2, 67ᵇ; trendeln 'tanzen, sich drehen' Unger-Khull steir. 170; Lexer kärnt. 69; vgl.
nu trink wir auss dem fläschlin
und lassen wir den kopf,
so trenelt uns der schopf
Osw. von Wolkenstein 117 Schatz.
4)
gerste u. andere früchte in der mühle abstoszen, von den schalen befreien; auch in der form trindeln: getrendelt, gebrochen, gespalten, gerolt, geschraden, getrendelte bonen, erbis, getrendelte, gerölte getraid Henisch (1616) 1587; synonym mit rändeln, rollen, rellen, renneln (s. d.) u. a.; Fischer schwäb. 2, 315; Brenner - Hartmann Bayerns maa. 1, 41; Schmeller-Fr. 1, 666; Lexer kärnt. 69; Schöpf tirol. id. 754; ain vierling ungetrindelt erbis umb 40 d ... ain vierling getrindelt gersten umb 40 d chron. dtsch. st. 23, 327 (Augsburg 1530).
5)
vermutlich andern ursprungs ist die wortgruppe tränteln, trändeln, trenteln, trendeln im sinne 'langsam gehen, nicht vorwärts kommen', meist mit wertender nebenbedeutung 'trödeln, saumselig sein'. denn abgesehen von dem bedeutungsunterschied (vgl. auch trant 'langsamer gang') hebt sie sich auch dialektgeographisch von 1 ab; doch musz mit formkreuzungen gerechnet werden. bemerkenswert sind auf diese bedeutung beschränkte, im schriftdeutschen überwiegende formen mit inlautendem t. das wort ist weit über die von Kretschmer wortgeogr. 540 angegebenen landschaften (Elsasz, Lothringen, Hessen, Schwaben, Bayern) hinaus verbreitet: Unger-Khull steir. 170; Lexer kärnt. 69; Stadler schweiz. 1, 297; lux. ma. 440; Autenrieth pfälz. 141; Sartorius Würzburg 126; Hertel Thür. 246; insbesondere auch im nordwesten, vgl. drenten, drentelen Schuerman vlaam. id. 104ᵇ; tranten, trantselen Kilian (1605) 565ᵃ: Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 430; Hönig Köln. 182; Rovenhagen Aach. 147; Wegeler Kobl. 77; Schmidt westerw. 262; Christa Trier. 70; Woeste westf. 274; Köppen Dortmund 60; Leihener Cronenberg. 127; tränteln trippeln Bauer-Collitz waldeck. 105ᵃ; trenteln hoffärtig gehen Strodtmann id. Osnabr. 251; auch in Ostdeutschland: trandeln, transeln Knothe schles. ma. in Nordböhmen 184; 186; trenteln Frischbier preusz. 2, 411ᵃ. lexikographisch ist das wort häufiger erst seit dem 18. jh. belegt: Kramer 2 (1702) 1132ᵃ; niderhocht. dict. 1, 72ᵃ; Ludwig teutsch-engl. (1716) 2, 2013; Adelung versuch 4, 1026; Schrader dtsch.-frz. 2, 1380; Voigtel hwb. 3, 415ᵇ; 'schlendernd gehen':
so kumen dan hin zue (zu den budenhändlern) dy jungen knaben
und trendln da in die lettzelten (lebkuchen)
altd. passionsp. aus Tirol 345 Wackernell;
(sie) zehlen (beim essen) die bissen und die khewer, triendlen und fiendlen, als ob sie schlaffend essen Guarinonius grewel der verw. 811; Catonis praeceptum fuit: quare cessator es? warumb trendelstu so lange mit einem ding? Corvinus fons latinit. (1646) 1701; zeit hat ehre, war der magd wort, als der knecht so lange trentelte alamod. techn. interim (1675) 470; ihr hund, soll ich euch bein machen? wie sie zaudern und trenteln, die esel Göthe 8, 140 W.; das wetter wäre gut genug, wenn die droben auf dem schlosse nicht so lange trentelten maler Müller w. (1811) 3, 26;
nun rührt euch, rührt euch, dasz es einmal wird,
der junker schilt, dasz ihr so lange trentelt
Tieck schr. (1828) 13, 195;
deutlichere bewegungsvorstellung läszt das abschätzige in der bedeutung zurücktreten: darob trendelte er vergnügt durch die straszen der stadt Spitteler Imago (1906) 212; die maulthiere trendelten hinter dem pferde her in immer weiterem abstande, sie schienen gehend zu schlafen H. Grimm volk ohne raum 2, 128.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1932), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 108, Z. 50.

trendeln2, vb.

²trendeln, vb.,
trödelwaren feilbieten; vgl. ²trendel; s. auch trendelmarkt, trendler; das genauere etymologische verhältnis zu tändeln, dessen zugehörigkeit als sicher angenommen wird, ist ungewisz Kluge etymol. wb.¹⁰ 496: Kramer 2 (1702) 1147ᵇ; als in Österreich gebräuchlich Klein prov.-wb. 2, 192; dazu vielleicht schwäb. trempel- in derselben bedeutung Fischer 2, 366 als contamination aus trendel- und grempel- (s. teil 4, 1, 6, 106).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1932), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 109, Z. 72.

trendeln3, vb.

³trendeln, vb.,
s. trennen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1932), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 110, Z. 6.

tröndeln, vb.

tröndeln, vb.,
sieh tründeln und trendeln.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1937), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 850, Z. 1.

tründeln, vb.

tründeln, vb.
1)
'rollen, kollern', im ablaut zu ¹trendeln (s. oben sp. 108) stehend; auszerhalb des deutschen entspricht engl. trundle Murray 10, 426; entlehnt ins mfrz. trondeler:
dicke Margret het ik,
dre mil schet ik,
söven mil tröndel ik.
wat hand und fot hett, ware sik
(Lübeck um 1540) bei Ziegler geschützinschr. (1886) 39.
in moderner mundart nordwestnd. bezeugt als 'kollern, wälzen, rollen' u. ähnl., vgl. trundeln Ed. Krüger plattdt. spr. (Emden) 70, tründeln, tröndeln, trünneln, trundeln, trunneln Mensing schlesw.-holst. 5, 173, tründeln, trünneln Dähnert pomm. 495ᵇ, tründeln Mi meckl. 94ᵇ, tröndeln Schumann Lübeck 75, vgl. auch tröndeln, trendeln (in Niedersachsen) an der erde fortrollen, eine bosselkugel auf der fläche hinschieben, fortwälzen Schrader dt.-frz. wb. (1781) 2, 1386: do tründeln er jungs mit speetschen (speciestalern) oppe del un de olen mit ducaten Kl. Groth ges. w. (1893) 3, 84; min haut tründelte vör mi in de stuw rin Fr. Reuter s. w. (1904) 3, 212. gelegentlich in die schriftsprache aufgenommen: dasz die sanduhr ihm aus der hand gefallen und dem amtshaubtmann für die füsze getründelt ist W. Meinhold d. bernsteinhexe 195 Paul Ernst; dasz die erbse ... auf den dielen entlang trundelte A. v. Winterfeld d. stille winkel (1865) 1, 74; sie nahmen nun ihre männer auf den rücken, um sie hinauszutragen ... (die königin) fiel auf die knie nieder und ihr mann tründelte von ihrem rücken K. Bartsch sagen, märchen u. gebr. aus Mecklenb. (1879) 1, 298. entsprechend ¹trendeln 3 'wirbeln, drehen', tröndeln 'wirbeln' (vom wasser) lux. ma. 443, trundeln 'sich drehen, bes. von korpulenten personen, auch beim tanz' Frischbier preusz. wb. 2, 414. wie ¹trendeln 5 'langsam gehen' sinngleiches drondeln rhein. wb. 1, 1504.
2)
obd. tründeln 'früchte in der mühle entschalen', wie ¹trendeln 4; wohl nur gerundete form zu dort angeführtem trindeln: zu meiner gnedigen herrschaft hofhaltung (sind) an getründelter tafelgesündsgersten geliefert worden (v. j. 1683) bei Birlinger augsb. wb. 123ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1940), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1374, Z. 23.

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Zitationshilfe
„tröndeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tr%C3%B6ndeln>, abgerufen am 22.09.2021.

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