Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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tröpfel, n.

tröpfel, n.,
s. tröpflein, n., sowie tropfen, m., sp. 864.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1937), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 859, Z. 23.

tröpflein, n.

tröpflein, n.,
s. tropfen, m. sp. 864 und sp. 872 unten. dazu tröpfleinsweise, tröpfelweise, adv., guttatim Corvinus fons lat. (1646) 402; gern in übertragenem sinne verwendet: es reiten noch einitz immer fremde leute ... zu tröpfelweis bayr. landtagsverh. (1429-1513) 14, 47 Kenner; (eine substanz) steigt auff ... tröpfflins weisz Paracelsus op. (1616) 2, 59 Huser; dein hertz werde tröpleinss weise bisz oben an ... gefüllet werden V. Herberger himml. Jerusalem (1609) 19; damit das wasser daraus (aus dem fasz) in ein untergesetztes geschirr gemach und tröpffelweise ausflieszen möge v. Hohberg georgica curiosa (1682) 1, 74; wasser des trostes ... tröpfleinsweise empfangen J. Lütkemann vorschmack (1696) 756; auch tröpfleinweise Guarinonius greuel der verwüstung (1610) 937;
... das lassen sie tröpfleinweise
träufeln von ast zu ast leise zur wurzel hinab
Rückert w. 2, 501.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1937), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 886, Z. 56.

tröpfeln, vb.

tröpfeln, vb.,
seit dem spätmhd. oezeugte deminutiv- und iterativbildung zum verbum tropfen: stranguria das droppeln (vor 1419) Diefenbach nov. gl. 349ᵇ; guttare trepfflen Brack voc. rer. (1495) bei Diefenbach gl. 271ᶜ; in den dialekten allgemein verbreitet. das nd. hat daneben in drüppeln, drippeln eine entsprechende ableitung zu druppen, drüppen, drippen, s. unter tropfen, vb., herk. u. form 2; vereinzelt findet sie sich auch md.: (es) trüpffelt J. Menius auslegung über d. spruch Salomo (1526) 83ᵇ; tripfeln Wachter gloss. (1737) 1712; trippeln Jungandreas schles. zeitw. 75. mundartliche entrundung von tröpfeln ist belegt schon bei Brack (s. o.); heute als: treppeln Müller-Fraureuth obersächs.-erzgeb. 1, 253ᵃ; drebbeln Crecelius oberhess. 301; hierher auch trepele Bettine Günderode 2, 37; vereinzelt begegnet die spirans ff: tröfletend J. v. Watt (s. u.); getröffelt J. Prätorius anthrop. pluton. (1666) 1, 195; tröflen Sperander (1727) 683ᵃ.
bedeutung und gebrauch. tröpfeln 'guttatim cadere, frequentative vel diminutive' Wachter gloss. (1737) 1712 betont gegenüber triefen, träufen, träufeln, tropfen stärker das auch in diesen liegende iterative moment; gegenüber dem gleichfalls deminutiven träufeln erscheint die verwendung von tröpfeln gebräuchlicher.
A.
intransitiv.
1)
subject ist die herabträufelnde flüssigkeit.
a)
eigentlich. allgemein vom wasser: mit eim drächter, darausz das wasser tröpfflet Eppendorff Plinius (1543) 39; sie ... distilliren es so lange, bis alles wasser heraus getröpffelt Butschky Pathmos (1677) 382; wie es sich mit dem röhrwasser zu eräugnen pflegt, dasz es einmal ganz reichlich flieszt, sodann aber unversehens tröpfelt, ja wohl gar ausbleibt Göthe IV 39, 218 W.; häufig vom regen:
... des himmels gnadenregen
der tröpfle heuffig ab und feucht euch jeder zeit
Neumark musik.-poet. lustw. (1657) 242;
wie das tröpfeln von dem regen
dürre saaten heilsam tränkt
Stoppe Parnasz (1735) 359;
ein regen tröpfelte herab, dessen ruhiger und langsamer fall fortdauerndes schlechtes wetter anzukündigen schien Tieck schr. (1828) 5, 159; (er sah) aus dem fenster in den tröpfelnden regen Storm w. 5, 228; gern wird das sachte einsetzen des regens durch tröpfeln bezeichnet: der regen, der schon zu tröpfeln anfieng, erweckte uns aus unserm staunen Nicolai reise durch Deutschland (1783) 1, 62; ich hörte dies plätschern ... mit dem entzücken, mit dem der landmann auf das erste tröpfeln des nach langer entbehrung endlich erfolgenden gewitterregens lauscht Hauff s. w. (1890) 3, 242. von den tränen, häufiger bezeugt seit dem zeitalter der empfindsamkeit wie bei träufeln, teil 11, 1, 1, 1412: mir selbst tröpfelten die thränen nicht, sondern ergossen sich wie in strömen herunter M. Mendelssohn ges. schr. (1843) 2, 189; seine thränen tröpfelten in das zittern der wellen des bachs Jung-Stilling s. schr. (1835) 5, 135; fürst Irenäus habe der kleinen Julia wirklich die hand geküszt, und dabei wären ihm ein paar thränen aus den augen getröpfelt E. T. A. Hoffmann s. w. 10, 121 Gr.; Stasia ... wischte zierlich die tränen, die ihr über die wangen tröpfelten Cl. Viebig schlaf. heer (1904) 1, 196. vom blut: (das blut) zerflosz zu der erden, als tröpfelte es herunter C. Holtwurm wunderzeichen (1567) 63ᵃ; ich sähe lieber mein herzblut vielfach strömen, als einen tropfen des zarten purpurs ... aus diesen weiszen blumenfingern tröpfeln Fouqué zauberring (1812) 1, 61; blaue lippen, über die schwarzes blut tröpfelt G. Hauptmann bahnwärter Thiel (1892) 47. von andern flüssigkeiten: das bier oder wein nicht seinen rechten und gewöhnlichen gang fleust, sondern durch die nasenlöcher wiederum herab in die kanne tröpffelt (1616) jus potandi 46 Oberbreyer; die gradirte soole tröpfelt ... auf das steinsalz Muspratt chemie (1898) 6, 570; der urin ein andere natur von diesem accidens an sich nimpt und empfahet und mag in virtute expulsiva nicht vollkommenlich wirken: darumb so tröpfflet es heraus Paracelsus opera (1616) 1, 768ᶜ Huser. im frühnhd. insonderheit für stranguria das druppeln, droppeln (vor 1419) Diefenbach nov. gl. 349ᵇ; schoszwurtzwasser ... vertreibt das tröpfeln des harn, genant die harnwind H. Braunschweig kunst zu distilieren (1500) 105ᵃ.
b)
der bildliche gebrauch von tröpfeln ist zwar schon alt, gewinnt aber niemals solche häufigkeit wie bei träufeln, s. teil 11, 1, 1, 1413. nach biblischem vorbilde wie bei triefen sp. 472f.: wenn ihre sawre erbeit vergeben ist und gottes segen über sie nicht tröpfflen und sich niemand irer not annemen wil A. Pape bettelteufel (1586);
sei heute nur getrost, dir tröpffelt nichts als lust
Hoffmannswaldau u. anderer auserles. ged. 4, 181 Neukirch;
c)
übertragen. vom licht:
durch marmorwolken aber tröpfelt sonne
H. Carossa ged. (1912) 58.
von einer spärlichen, durch pausen unterbrochenen folge: an frischen einwanderern aus Deutschland tröpfelte es nur noch E. v. Hesse-Wartegg zw. Anden u. Amazonas 226; aus dem Iahnschen fleischerladen stiegen in endloser, wenn auch tröpfelnder reihe frauen und mädchen H. Stehr drei nächte (1909) 256. sieh auch tropfen, vb., A 1 b.
2)
subject ist der ort oder der gegenstand, von dem eine flüssigkeit herabträufelt; bei nennung der flüssigkeit steht tröpfeln von, älter auch mit:
der eimer trieff und tröpfel
mit silber, glanszertz, knospen
M. Rinckhart christl. ritter 67 ndr.;
... Susanna,
die an dem brunnenschwengel den tröpfelnden eimer heraufzog
J. H. Voss sämtl. ged. (1802) 1, 100;
die marmorbrüche sind ... mit weiten, stillen tröpfelnden höhlen durchbrochen Rode Vitruv (1796) 2, 255;
dort hat vom tröpfelnden gestein
das dunkle nasz sich durchgesogen
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 1, 106 Schücking.
gern von regenfeuchten gegenständen: dann gleichwie die tächer noch lang hernach tröpffeln und trieffen, wann ein groszer platzregen ist fürübergegangen H. Creidius nuptialia (1652) 11, 9;
s isch no nit lang, dasz s gregnet hat,
die läubli tröpfle no
Schweizer volkslieder 1, 214 Tobler;
der tröpfelnde wald und das erfrischte feld umher Göthe I 19, 37 W.; Hölderlin 2, 70 Litzm.;
die bäume tröpfelten in tausend farben blitzend
Eichendorff s. w. (1864) 2, 242;
vom himmel oder den wolken, gewöhnlich in gewählterer sprache:
(der morgen,) verhüllt in tröpfelnde wolken
Zachariä poet. schr. (1722) 2, 180;
Herder 25, 252 S.; der graue novemberhimmel tröpfelte Gutzkow ritter vom geiste (1850) 8, 333; indem sie ... zum wieder bedeckten himmel aufsah, der schon zu tröpfeln begann H. Carossa verwandl. einer jugend (1928) 152. vom langsamen auslaufen fast leerer gefäsze:
und wenn die krüge tröpfeln,
wenn jeder kelch geleert
Freiligrath ges. dicht. (1870) 1, 72;
s fässel tröpfelt als noch 'es ist noch etwas wein drinn' Martin-Lienhart elsäss. 2, 763ᵇ. seltener ist der sonstige gebrauch von tröpfeln:
den federbusch steckt er dabey,
der noch vom blutschweisz tropfflet frey
W. Spangenberg anm. weiszh. lustg. (1621) 101;
wann ein pferd die fessel hat ... birst ihm die haut auff, ... tröpfflet und greinet immer fort M. Böhme roszartzney (1618) 83; eine nase ..., die immerzu tröpffelte Stranitzky ollapatrida 24 Wiener ndr.;
die augen fallen ein, die stirne tröpfelt immer
vom kalten todesschweisz
Triller poet. betracht. (1750) 1, 284;
das tröpflende schwerdt Schubart leben u. gesinng. 1, 284; so auch bildlich schon bei Luther: meyne seele tropffelt für gremen ps. 119, 28 lesarten bei Bindseil 3, 1273.
B.
transitiv.
1)
flüssigkeiten in tropfen nacheinander fallen machen; neben ganz gewöhnlichem gebrauch auch gern in gewählterer verwendung: so man ... mit wasser darauff tröpffelt, so fehrt aus dem magneten ein grosz fewer L. Ercker beschr. aller mineral. ertzt (1580) 125ᵃ;
du machest berg und thäler nasz
du tröplest süszen thau
J. Rist himl. lieder (1651) 27;
... sein trübes auge tröpfelt unzälige tränen
in das blut seiner wunde
Lenz ged. 27 Weinhold;
dieses wasser tröpfelte Italicus in seinen stall Zimmermann einsamkeit 1, 231; (sie) tröpfelten drei blutstropfen, einen vors bett, einen in die küche und einen auf die treppe kinder- und hausmärchen (1812) 1, 256; von der neige: wie der wein in dieser flasche erst schwach, dann tropfenweise rinnt (tröpfelt das letzte in sein glas) Göthe I 8, 114 W.; nach verlauf einer stunde hatte er die neige der flasche ins glas getröpfelt Gaudy s. w. (1844) 4, 68; wie tropfen, träufen und namentlich träufeln oft im bereich der medizin, aber erst seit der mitte des 17. jh. bezeugt: so wird uns gleichsam ein kräftiger stärkbalsam in das verwundete hertz getröpfelt Neumark musik.-poet. lustw. (1657) 2, 99; so man den (saft) in die ohren tröpfflet, machet er das gehör wieder gut v. Hohberg georg. cur. 3 (1715) 385ᵃ; befehlt ihr, dasz ich euch lebensbalsam auf zucker tröpfle? Schiller 2, 176 Gödeke; während sie noch die medizin in ein weinglas tröpfelte W. v. Polenz Grabenhäger 1, 389.
2)
gelegentlich auch in bildlicher verwendung; mit abstractem object: nach dem der satan diese jetzt gehörte hoffahrt ... in unsere ersten eltern getröpfflet ... hat theatr. diabol. (1569) 436ᵇ; (die pharisäer) tröpffleten, ja gossen ... einen bitteren hasz wider die apostel L. Rabus hist. d. martyrer (1571) 1, 165ᵃ;
... sie tröpffelt euch das nasz
der edlen weiszheit in eur hertz ohn unterlasz
J. Rist Parnasz (1652) 570;
Dora Amborn tröpfelte milde vorbehalte und zweifel in die schäumende begeisterung A. Winnig heimkehr (1935) 323. ähnlich wie unter A 1 c: derselben tagen ... hatten die von Schwitz etlich verorndt, die harnasch und panzer under den röken trugend und sich von Hurden über die prugg inhar nach und nach in die stat tröfletend, bisz ir bei 53 inhar komend J. v. Watt dt. hist. schr. 3, 291 Götzinger. eine sonst nicht bezeugte bildliche verwendung von tröpfeln begegnet wiederholt bei Luther: yhe mer du bittest, yhe lieber er (gott) dich höret; schütte nur reyn und alles eraus, tröpffle und zipple (in dünnen strahlen flieszen machen) nicht. denn er wird auch nicht tröpfflen noch zippeln, sondern mit sindflut dich überschütten 19, 578 W.; die papisten, die da viel von wercken geiffern ... und doch nichts wissen davon zu sagen, wie man gleuben ... solle, on das sie hie ein werck und da ein werck stückeln und tröpfeln 36, 453; 24, 187; 36, 357.
3)
bei einzelnen lexikographen des 17. jh. für üblicheres geträuft (s. träufen A 2 b β teil 11, 1, 1, 1418f.), als übersetzung von guttatus: guttatus getreuft, hin und her getröpfflet, geflecket, gesprengt Decimator thes. (1608) 576ᵃ; guttatus getröpffelt, gesprengt Reyher lex. (1686) 1126.
C.
in unpersönlichem gebrauch: es tröpfflet guttae cadunt Maaler 409ᵃ; vom regen: in Assahid tröpfflet es kaum in 20 jahren einmal H. J. v. Breuning orient. reisz (Straszb. 1612) 155; allein es tröpfelte unerschütterlich fort L. Steub wanderungen (1862) 134; so auch mundartlich. oft für das allmähliche einsetzen des regens: es tröpfelt so lang, bisz es regnet und ein wasserflut wird Petri weiszheit (1604) 2, D d 2ᵃ;
die schwüle luft war kül; es fing zu tröpfeln an
Weichmann poesie d. Nieders. 2, 319;
es fängt schon an zu trepele. es wird gleich e dichtiger schitel komme Bettine v. Arnim die Günderode 2, 37; H. Watzlik der alp (1923) 275; ebenso für das nachlassen des regens: substillum feucht wetter, für oder nach dem regen, wann es noch ein wenig tröpffelt Alberus (1540) J i 1ᵃ; jetzt tröpfelte es nicht mehr Alexis ruhe ist die erste bürgerpflicht (1852) 1, 193. öfter im sprichwort: wo es immerzu tröpflet, da würts nimmer trucken Seb. Franck sprüchw. (1545) 1, 87ᵇ; so lang es tröpffelt, verseigt es nicht Petri weiszheit (1604) 2, S s 7ᵇ; wanns net regnt, so tröpfelts do 'etwas ist immer zu erwarten' Jacob Wiener dial. 196ᵃ; vgl. ferner Binder 148, 160; Wander 4, 1335.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1937), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 859, Z. 25.

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Zitationshilfe
„tröpfel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tr%C3%B6pfel>, abgerufen am 22.09.2021.

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