Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

tröpfin, f.

tröpfin, f.,
femininbildung zu ¹tropf, seit der mitte des 16. jh. verwendet; besonders beliebt im 17. jh.; danach tritt es immer mehr zurück und ist mit Jean Paul und Pestalozzi anscheinend wieder aus der schriftsprache verschwunden. dialektisch noch in der Steiermark: tröpfin arme alte frau Unger-Khull 175ᵃ.
a)
einfältige, dumme person: sintemal die exempel hin und wieder ... hervor lenckten, dasz man die redlichkeit und gerechtigkeit wie gute einfältige schwestern und alberne tröpffinnen ansihet J. W. Valvassor ehre d. herzogth. Crain 4, 2, 301; ähnlich Abr. a s. Clara etw. f. alle (1699) 1, 138; ob sie schon der faulen tröpffin nit all ir vermögen fürstrecken will Mathesius Sarepta (1571) 26ᵃ; o was würde für busz ergreifen ein solch elende tröpfin (eine hure) Abr. a s. Clara mercks Wien (1680) 58; der vater war ein übelhauser und die mutter eine unwirtschaftliche tröpfin Pestalozzi s. schr. (1819) 2, 245; ich habe oft leute ... erstlich um die besten und vornehmsten weiber gaukeln ... und zweitens hab ich sie an demselben tage die flügel zusammenschlagen und auf eine jämmerliche tröpfin niederschieszen sehen Jean Paul 3, 243 akad.
b)
recht häufig bei ins unglück geratenen frauen mit dem ausdruck des mitleids, besonders durch arm: arme tröpffin (huren beim heere) ... haben ein armutselig, jämmerlich leben Kirchhof wendunmuth 2, 716 lit. ver.; vielleicht ist die arme tröpffin (eine zum opfertode geführte) aus Griechenland buch d. liebe (1587) 223ᶜ; die arme tröpfin (unglückliche mutter eines getöteten) gehorsamt Er. Francisci traursaal (1665) 1, 976; ach ... ich elende tröpffin! wie gehts mir so hart auf dieser welt Stranitzky ollapatrida 178 Werner; als ich kam, machte ich anfangs ein sehr ernstes gesicht, dasz die arme tröpfin oft in ihrer angst betete J. G. Müller aus d. Herderschen hause xv.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1937), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 886, Z. 5.

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trotzteufel tröpflein
Zitationshilfe
„tröpfin“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tr%C3%B6pfin>, abgerufen am 24.09.2021.

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