traber m., nomen agenti
Fundstelle: Lfg. 6 (1931), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 972, Z. 26

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zu traben, erst seit dem 16. jh. geläufig, vgl. Frisius und Maaler. erstmalig tritt es in den ämterbüchern des deutschen ordens (ab 1391) hervor, was wieder mit der norddeutschen heimat der ganzen sippe zusammenpaszt. das deminutiv begegnet 1403: 16 m. ... vor eynen bruͤnen hengst, item 12 m. vor eyn rotes pferdt. item 51⁄2 m. ... vor eyn swarcz dreberschin Marienb. treszlerb. 218 Joach., und 1409: das schymellechtige dreberchen, das des groskompthurs gewest ist Marienb. ämterb. 156 Ziesemer.
formen: draber Henisch 739, drober ital.-dtsch. sprachb. (1424) bei Brenner-Hartmann Bayerns maa. 2, 405. ostdeutsch herschen umgelautete formen vor: träber Hupel (1795) 240; Sallmann neue beitr. z. dtsch. ma. in Estland 42ᵇ; dräber Gutzeit 194; gr. ämterb. 526 Ziesemer; dreber ebda 616; treszlerb. 218 Joach.; vocab. (1420) nr. 2690 Schröer; dreiber gr. ämterb. 744; drauer 'belgice' nomencl. omn. rer. (1567) 53ᵃ. erweiterungsform traberer: item dem selben ... 8 m. vor eynen schymlegen drebirer Marienb. treszlerb. 218 Joach.
bedeutung und gebrauch. das wort wird auf das pferd und auf den menschen angewandt, auf andere thiere nur in seltener übertragung, z. b. auf vögel: es gibt renner, traber, läufer, springer, schreiter, gänger und endlich ungeschickte watschler oder kutscher unter den vögeln Brehm thierl. 4, 9 P.-L.
A.
vom pferd.
1)
im weiteren, gewöhnlichen sinne das pferd: succursarius Diefenbach gloss. 564ᵃ; runcinus ebda 504ᵃ; cursor, ambulator Stieler 2296; tortor Schönsleder prompt. v u 2ᵃ; trotteur villotier Hulsius-Ravellus 325ᵇ; trotter Ludwig teutsch-engl. (1716) 2, 1994; trottone, cavallo trottante, trottatore ò scuotitore Kramer 2 (1702) 1102ᵃ. s. auch unter 2 b.
a)
beim reiten oder fahren, meist mit charakterisierenden adjectiven: obgleich der rasche tr. sich selbst überlassen schien, so regierte doch eine unsichtbare gewalt seinen gang Musäus volksmärch. 4, 102 Hempel;
hurtig lenke die wackern traber ...
in der schenke belohnt sie haber
J. H. Voss ged. (1802) 5, 247;
ein leister traber — ein schmuckes thier —
ein unermüdeter wandrer!
A. v. Droste 1, 251 Schücking;
nehmen sie statt des alten nilpferdes einen jungen kutscher mit guten trabern, so fahren sie rascher vom flecke G. Keller 7, 294; er hatte seine ponies, brillante kleine traber, einspannen lassen Fontane I 6, 349.
b)
oft heiszt der traber soviel wie das derb, hart, laut, plump laufende pferd: succussor Dentzler 2, 288ᵃ; succussor, succussarius, succussator (equus) Frisius 1262ᵇ; Stieler 2296 u. s. w.; sonipes vocab. (1420) nr. 2690 Schröer; Diefenbach 542ᵃ; traber, der hert trabet, also, dasz einer hotzlet Frisius 1262ᵇ; tortor, crucians alemanice ein tr., ein ross, das hohe und hart trabet, belgice trotter, drauer, dwelck eenen herden draef heeft nomencl. omn. rer. (1567) 539; ein schüttelnd, werffendes oder hart trabendes pferd, so einen harten trab oder galopp gehet Kirsch cornucop. 1045 /6; schottland (schüttelnd) rosz, tr., das hoch und hart trabt Schönsleder prompt. +v u 2ᵃ; einen harten starcken tr. reiten cavalcare un trottatore, un trottone, che cavalle viscere, che sbudella l'huomo Kramer 2 (1702) 1102ᵃ; träber ... 'man bezeichnet dadurch ein pferd, welches den trab so stark läuft als ein anderes daneben angespannetes den gallob' Hupel (1795) 240; die pferde, so einen schweren trab haben, werden tr. und hochtraber genannt allg. ök. lex. (1731) 2450; Krünitz 186, 530; hart-draver ein pferd, das einen guten, ausdauernden trab geht. in Holland eine besondere sorte sehr ausdauernder pferde brem.-niedersächs. wb. 6, 41.
2)
im engeren sinne.
a)
in nicht ganz eindeutigem engeren sinne scheint das wort in einigen alten belegen gebraucht zu sein, von denen der eine die bedeutung 'wallach' nahe legt, der andere (wegen der zahlenverhältnisse) eher eine andere, auch speciellere vermuten läszt: item 5 schelros (beschäler), item 2 dreber, das synt ouch roschin (nach dem glossar wenig prägnant 'hengst'), item 7 hengste uff dem grase, item 6 folen von 4 joren ... item 4 waynpferd (wagenpferde), item 6 sweyken (arbeits-, dienstpferde), item 16 coventhpferde, item 74 cobeln (stuten) ... item 2 reitpferde, item 110 pflugpferde in allen hofen, item 15 pflugfullen von eyme jore ... gr. ämterb. 616 Ziesemer; 146 kobiln, item 38 sogfollen, 66 oberjerige vollin und im andern jare folchin und kobilchin, 4 folen im 4. jore, 14 sweiken offm huwse und yn den houfen, 5 ros, 2 dreiber, 26 karbispferdt (arbeitspferde) mit dem molegespan, 22 coventspferde ebda 744; vgl. noch ebda 526; item 10 m. ... vor eynen falen dreber, ... item 12 m. ... vor eynen brunen dreber Marienb. treszlerb. 218 Joachim.
b)
im engeren sinne das rennpferd, das den schulgemäszen reinen trab läuft (s.trab I B 2 und 4), in sportlicher verwendung üblich erst seit ende des 19. jh.s. ein älterer beleg: träber fahren heiszt mit einem ... stark trabenden pferd einen wettlauf anstellen Hupel Lief- u. Estland (1795) 240 (vgl. traberschlitten); Sallmann neue beitr. 42ᵇ; ein stamm von zuchtthieren ... aus dem heraus sich dann die zucht von trabern rasch entwickelte Tschöpe trabersport 2; wenn jemand einem käufer einen tr. ... anbietet Silberer train. d. traberpferdes 248; ein guter tr. Fillis-v. Zansen grundsätze d. dressur (1892) 188; Born-Möller pferdekunde (⁷1919) 313.
das aufblühen des trabrennsports hat eine fülle von jungen compositionen zu traber geschaffen, z. b. traberbahn: träberbahn schon Sallmann neue beitr. z. dtsch. ma. in Estl. 42ᵇ; ist aber jemand dazu entschlossen, seine pferde schon frühzeitig auf die traberbahn zu bringen ... Silberer a. a. o. 59;
traberbesitzer
ebda xi/xii; verein deutscher traberbesitzer u. -züchter tägl. rdschau 1905, nr. 374;
traberblut
neuerdings sucht man amerikanisches traberblut in europäische landeszuchten zu verpflanzen v. Alten 1, 322;
traberderby
das deutsche traberderby, ... eins der populärsten rennen Berlins Tschöpe trabersport 64;
traberfamilie
eine andere hervorragende amerikanische traberfamilie sind die black hawks Silberer a. a. o. 428;
trabergemeinde
... trugen ... nicht wenig dazu bei, die gesamte trabergemeinde auf der bahn zu versammeln tägl. rdschau 1906, nr. 241;
traberhengst
es wurde irgend ein traberhengst mit schnellem rekord oder einigen erfolgen inbezug auf nachkommenschaft angekauft Tschöpe a. a. o. 46;
traberpferd
amerikanisches traberpferd v. Alten 1, 298; 4, 18, vgl. Silberer a. a. o. 103;
traberpreis
der grosze deutsche traberpreis tägl. rdschau 1906, nr. 374;
traberrasse
der von der englischen stute stammende hengst, gepaart mit einer grauen holländischen stute, erzeugte ... den stammvater der traberrasse v. Schwerz prakt. ackerbau 673;
trabersport
Tschöpe a. a. o. 101;
traberstall, traberstallung
tägl. rdschau 1905, nr. 367;
traberstute
v. Alten 1, 242;
traberzucht
in Deutschland wird seit 1885 traberzucht getrieben ebda 3, 77; das vaterpferd der amerikanischen traberzucht ebda 322;
traberzüchter
Tschöpe a. a. o. 46; verein deutscher traberbesitzer und -züchter tägl. rdschau 1904, nr. 374.
B.
vom menschen, theils in speciellerem, theils in allgemeinerem sinne: dergleichen die roszbereiter, die rosztumbler, die ringlrenner, die turnierer, die postreitter, die traber thun Guarinonius grewel (1610) 1221; wenn er (der landmann) in die statt ziehen und desz jahrmarcks einkaufen will, ist er ja so gluͤcklich zu achten, wenn er auff einem schlechten mutterpferde daher reitet, als ein ander grosser tr. auff einem wilden und geschmuckten haͤngste grillenvertr. (1670) 3, 191; oder muhtet dir zu, du solt einen verlauffenen buben zu dir nehmen ... oder einen träber, der, wann du ihn einen weg hinausz schickest, den andern und zuforderst seiner kurtzweil nachlaufft Garzoni allg. schawplatz (1641) 641ᵇ;
preis ich den Ampyx, wie dort dem traber Oïklus
grad ins gesicht er gebohret die ungestählte kornelle?
J. H. Voss Ovids verwandl. 2 (1798) v. 244.
ganz abgeblaszt: traber als schimpfwort L. v. Pansner schimpfwb. 70ᵇ. auch in compositis, vgl. Eulentraber bei Fischart s. o. sp. 965.
traber
Fundstelle: Lfg. 6 (1931), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 974, Z. 31
die mit der drehkrankheit oder tobsucht behafteten schafe, welche dabei einen trabenden gang haben Campe 4, 854; allg. dtsche bibl. 104, 465; O. L. B. Wolff n. eleg. convers.-lex. (1837) 4, 426; die tr. oder segler rennen mit gesenktem kopf ... rasch geradeaus Oppermann krankh. d. schafes (³1929) 134; dann auch diese drehkrankheit selbst; dagegen nach Gombert bem. u. ergänz. zu Weigands dtsch. wb. (1878) 12 'bezeichnung der an der rückendarre leidenden schafe'. Campes annahme einer zusammengehörigkeit des wortes mit traben beruht auf volksetymologischer angleichung und musz als unsicher gelten. vgl. dagegen traberkrankheit.
traber
Fundstelle: Lfg. 6 (1931), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 974, Z. 43
s.treber.
Zitationshilfe
„traber“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/traber>, abgerufen am 20.10.2019.

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