Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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trachtung1, f.

¹trachtung, f.,
verbalabstractum zu trachten wie ²tracht, vom ahd. bis ins 17. jh. gebräuchlich. gewöhnlich ohne plural auszer: do liesz ich meine trachtungen und fürnemen (dereliqui sermones) die gantze bibel verteutscht (Zürich 1531) 4. Esdr. 10ᵃ, wo er auf den lat. text zurückzuführen ist; geschichtsb. d. wiedertäufer 463 (s. u.).
1)
das nachdenken, die erwägung. cogitatio trachtinge Diefenbach nov. gloss. 99ᵃ, vgl. Frisius dict. (1556) 395ᵇ; meditatio betrachtende trachtunge Diefenbach 353ᵇ und trachtung, übung Frisius dict. (1556) 808ᵇ; contemplatio trachtinge Diefenbach 146ᵃ. ahd.: trahtunga retractatio ahd. gl. 2, 178, 70; mhd.: (sie haben geopfert) mit friem willen ... und mit versunnener trahtunge lütterlich durch got klosterurkunde a. d. j. 1298 in Mones zs. f. gesch. d. Oberrh. 4, 448;
dâ wirt in sô wê
mit trahtunge, in welcher aht
von in daz werde vollebrâht
buch der rügen 885 in zs. f. d. altert. 2;
nhd.: das ist die tr. und der gedanck desz streytes, ... das wenn er überwunden wirdt, so lydet er das die gantze bibel verteutscht (Zürich 1531) 4. Esdr. 7f; es darff nit viel spitziger scharffer tr., sondern nur eynfelltige schlecht auffmerkung auff die wortt Luther 10, 1, 1, 181 W.; was jhm bey nacht in tr. fiele, das er es zuͦ gedechtnuss aufzeichnen könde Stumpf Schwytzerchr. 375ᵇ; vom religiösen sichversenken: was den andern pfligt zuͦ geben teglich ubung und tr. in der ee erste dtsche bibel 3, 10, 44 vorr. 1; sich mit lesen und trachtungen in gsatz gottes fleyszig üben geschichtsb. d. wiedertäufer (a. d. j. 1641) 463 Beck; das er kumm zu ainer ainfalt, stille und abgeschaidenhait seines hertzens. dartzu kommet ain mensch mit ainer starcken tr., wenn er also hert auf ain ding gedenckt Keisersberg predigen teutsch (1508) 11ᵇ; die tr. meines hertzen (meditatio cordis mei) Schede-Melissus 74 ndr.; im gegensatz zum tun, handeln: actuosa vita ... ein geschäfftig läben, das allweg in arbeit und nit in tr. stadt Frisius dict. (1556) 68ᵃ.
2)
die richtung der gedanken auf etwas, das streben: tr. und nachtrachtung intentio, desiderium ... Stieler (1691) 2307; tr. affectatio, adspiratio, captatio Steinbach (1734) 2, 829; mhd.: sin trachtunge was vor allen dingen uff himelische ding Ködiz v. Saalfeld leben d. hl. Ludw. 16, 23 Rückert; nhd.: darum schreibt er (Paulus): 'gott ist mein gezeug, dasz ich euch alle in dem ingeweid Christi zu sein begere.' solichs ist der rechten aposteln fleisz und tr. gewesen und nit nach zeitlichen gütern zuͦ sehen satiren u. pasquille 2, 7, 12 Schade; welche ... tr. gehabt, wie sie ... jhr ... gehorsamb ... abwerffen ... möchten Stumpf Schwytzerchr. 240ᵇ;
da kam er in ein solche achtung,
dasz nach jhm auch that fleissig trachtung
... der römische könig
Fischart 1, 282, 610 Hauffen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1931), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 1010, Z. 66.

trachtung2, f.

²trachtung, f.,
die kleidung, zu ¹tracht III D gebildet, eine der seltenen nominalen ableitungen mit dem -ung-suffix, vgl. Wilmanns ²2, 374 ff. nur aus dem anfang des 16. jh.s belegt:
was kleidung nur auff kommen kan
seltsamer art und faction,
das lasz dir auff das scherpffest machen ...
darmit du all new trachtung tragst
H. Sachs 7, 187, 15 K.;
under anderm ward wyr etwa auch zöröd (= zur rede) von der tr. und monier der klaydungen, wie sie sich also teglich verkerete Schwarz vorr. von 1520 in Reichard M. und V. K. Schwarz (1786) 5.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1931), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 1011, Z. 47.

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Zitationshilfe
„trachtung“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/trachtung>, abgerufen am 28.01.2022.

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