Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

tractätchen, n.

tractätchen, n.;
deminut. zu tractat 1, die kleine abhandlung. zuerst bei Grimmelshausen Simpl. 590 ndr. belegt, vgl. zs. f. dtsche wortf. 11, 208. — die schreibung -gen (vgl. H. Paul dtsche gramm. 1, 304 f.) herscht im 17. und anfang des 18. jh.s vor (Grimmelshausen a. a. o.; Chr. Weise erzn. 107 ndr. u. ö.; noch allg. dtsche bibl. 1, 1 vorber. 1; Lichtenberg nachlasz (1899) 117). wie das simplex ursprünglich und zumeist von einer schrift geringen umfangs: tractätgen von farben und sinnbildern F. W. Schumacher teutsche wapenkunst (1694) 57; von welchen (würckungen) Magnenus in seinen obwohl kleinen tractätgen de tabaco gar fein und kurtz discurirt Ettner-Eiteritz mediz. maulaffe (1719) 86; aus der grösze seiner schriften konnte man deutlich abnehmen, wie lange er gefastet hatte. ein tractätchen von 2 oder 3 bogen war ein untrügliches merkmal, dasz er binnen 24 stunden nichts zu essen gehabt Rabener w. 2, 51. von einem gröszeren werk als ausdruck der bescheidenheit: hier tritt demselben (leser) ein tractätgen unter die augen, über welches sich viele moquiren werden Melissus Salinde (1718) vorr. 3; verächtlich entstellt zu drecktätgen: dieses itzt vorhandene rare pünct- oder kunststücklein wird gefunden in einem drecktätgen, welches betitult wird: neu erfundenes kunstbüchlein D. Pelins J. G. Schmidt rockenphil. (1718) 2, 35. auch von religiösen schriften: das kurtze ... tractätgen, welches er von betrachtung des todes zu aufmunterung seiner andacht geschrieben Chr. Weise polit. redner (1677) 557; ein bücherschrank der lilliputischen traktätchen ..., die er in seiner kindheit dadurch herausgab, dasz er einen vers aus der bibel abschrieb Jean Paul w. 1, 383 Hempel; vom 19. jahrh. ab fast nur in dieser verwendung = religiöse erbauungsschrift, meist mit spöttischem unterton: Antoinette Bourignon, die ... zur verbreitung der christlichen gesinnung öffentliche reden hielt und tractätchen verbreitete v. Bär red. u. aufs. 1, 24; die frommen weiber beten mit den armen und stillen ihren hunger mit traktätchen A. v. Arnim w. 15, 51 Grimm; s. auch Hönig Köln. ma. 181ᵇ. — compositionen: tractätchenform, f.: ein beweis von der frivolen und materialistischen art, die als religiosität ... in Jeremias Gotthelfs sachen zu tage tritt, ist auch ein ... volksbüchlein ... in traktätchenform G. Keller nachgel. schr. (1893) 149. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1931), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 1016, Z. 34.

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Zitationshilfe
„tractätchen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tract%C3%A4tchen>, abgerufen am 28.01.2022.

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