Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

tragant, m.

tragant, m.,

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astragalus, wirbelkraut. aus tragantum (tragacantha) entlehnt. in wörtlicher übersetzung des aus dem griech. stammenden wortes (τραγ-άκανθος) bocksdorn oder in volksetymologischer entstellung bockshorn genannt, bei Brixen auch stragel, s. lit.-bl. f. germ. u. rom. phil. (1899) 31, knollenkraut oder -wurz (th. 5, 1468) oder wolfsschoten Perger die dtsch. namen d. pflanzen 1, 191; Fechner pflanzennamen (1871) 23; Seiler lehnw.³ 2, 263. selten in der vollform tragacant (Kinderling (1795) 166 und 212; tragacanthwurz Seutter hippiatria (1599) 431), vgl. frz. tragacanthe. zuerst in einem glossar des 13. jh.s belegt Diefenbach 191ᵃ s. v. dragantum, vgl. auch 591ᶜ s. v. tragacantha; 1424 in einem ital.-dtsch. sprachb., s. Bayerns maa. 2, 399 Brenner-Hartm. formen mit d im anlautschon mlat. neben t vorkommenderscheinen selten, vgl. th. 2, 1327.
1)
die pflanze: tragacantha, planta est ... officinis omnibus nota dragant B. Faber thes. (1587) 877ᵇ; die hügel mit aromatischen kräutern und sträuchern wie cistusarten, laturei, thymian, tragant bewachsen Ritter erdkunde (1822 f.) 17, 1589.
2)
das daraus gewonnene gummi: dragant, dragantum, tragacantha ... ist ein gummi eines dornechten gewächs oder stauden Lonicerus onomast. plant. (1555) 735; nim rosenwasser ... thue darein ein guts theil traganth Gäbelkover artzneyb. (1595) 1, 144; nehmt einer nusz grosz geweichten tr., darunter auch einen löffel voll krafft-mehl Hohberg georg. cur. (1682) 1, 223; den mit traganth überzogenen hausaltar v. Ebner-Eschenbach 2, 399; dragant ist eine gewisse art von weissen gummi, dessen sich das frauenzimmer bey ihrem flor- und spitzenwaschen zu deren starr- und steifmachung zu bedienen pflegt Amaranthes frauenzimmerl. (1715) 425, vgl. 2034; eine zeit lang beliebtes kaffeesurrogat, schwedsche kaffeebohn genannt Groth ges. w. (1893) 3, 82 u. anmerk.; sonst gern zur herstellung von figuren verwandt:
prangte geformt vom kanditor, ein anschaunswürdiger aufsatz.
wände von weiszem traganth, mit spiegelsäulen gestüzet,
liefen an jeglicher seit
J. H. Voss sämtl. ged. (1802) 2, 216;
hornisse und hummeln ... zierlich aus dragant gebildet mit goldbestäubten flügeln Storm sämtl. schr. (1868) 3, 161; Pichler neue marksteine (1890) 243; vgl. die tautologische bildung gummitragant Musäus die dtschen volksm. (1805) 2, 179 Wieland; Garther-Hikmann wienerisches kochbuch³⁰ (1812) 496. — composita:
tragantart
Schlechtendal - Hallier flora v. Dtschld. (1880 ff.) 24, 40;
tragantartig adj.,
Dietrich lex. d. gärtn. u. botan. 8, 209;
tragantfigur
eine schicht gemahlter tragantfiguren Garther-Hikmann a. a. o. 556;
tragantförmig adj.:
(schwarze vögel) temperieren denselben (= meerschaum) mit einer zähen feuchtigkeit ... dergestalt, dasz eine rechte tragantförmige materie daraus entstehet Zincke allg. öcon. lex. (1744) 3044;
tragantgruppe
es war eine tragantgruppe in dem schaufenster eines zuckerbäckerladens
Anzengruber ges. werke (1890) 4, 5;
tragantgummi
dasz man im (dem kranken gaul) dragantgummi mit süszem öle vermischt on unterlasz eingebe Sebiz feldbau (1580) 155; Liebig hdb. d. chemie (1843) 1248; Hoyer-Kreuter technol. wb. 1, 771;
tragantlösung
Muspratt chemie (1891) 3, 1299;
tragantpapier
Lueger lex. d. ges. technik 6, 675;
tragantpflanze
Oken allg. naturgesch. (1839 ff.) 5, 1129;
tragantpolster
p. von tragantpflanzen: kahle, felsige stellen waren mit stachligen tragantpolstern (astragalus tragantiferus) ... bedeckt Ritter erdkunde (1822 f.) 17, 1138;
tragantschleim
= -gummi: mach mit tragantschleim, mit rosenwasser angemacht, ein massam darausz Gäbelkover artzneyb. (1595) 1, 141; räucherkertzen werden aus mancherley wohlriechenden pulvern ... mit tragantschleime gemacht allg. haush.-lex. (1749 ff.) 2, 624ᵇ; Liebig hdb. d. chemie (1843) 1262; Lueger lex. d. ges. techn. 1, 334; 4, 695;
tragantsorte
besser lassen sich die traganthsorten ... auf drei ... hauptformen zurückführen: 1) Smyrnaer ... 2) Morea- ... 3) syrischer tr.
Muspratt chemie (1891) 3, 1922;
tragantstoff
Liebig hdb. d. chemie (1843) 1259;
tragantsyrup
Liebig a. a. o.;
tragantüberzug
das mit einem traganthüberzug versehene ... traganthpapier
Lueger lex. d. ges. techn. (1894 ff.) 6, 675;
tragantzusatz
mischung von brennstein und graphit, die ... durch traganthzusatz klebrig gemacht ist
Lueger 7, 727.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1931), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 1026, Z. 57.

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Zitationshilfe
„tragantpflanze“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tragantpflanze>, abgerufen am 26.01.2022.

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