Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

tragkorb, m.

tragkorb, m.,
korb, 'darin man etwas trägt, une hotte' Hulsius-Ravellus (1616) 326ᵇ; seit dem 15. jh. bezeugt: fiscella dragekorb (1420) Diefenbach 236ᵇ; vgl. nov. gloss. 175ᵃ; canistrum ein brotkorff vel tragekorff Niger Abbas 789, s. dazu Diefenbach 95ᵇ s. v. canistrum und 150ᵃ s. v. cophinus; carcillum trag-, ayerkorp 100ᵃ; carallum, carcillum hantfasz oder tragkorp 639ᵃ; als marktkorb:
marckorp, drackorp, marcksack, karnir
H. Folz von allem hausrat in fastnachtsp. 3, 1219 Keller;
vgl. H. Sachs 4, 342 Keller; es (das nixweiblein) ist unter andern bauersweiblein auf den wochenmarkt mit dem tragkorbe gegangen, lebensmittel einzukaufen W. Grimm deutsche sagen 1 (1891) 40; auf dem kopf getragen: erschienen vierhundert mohren mit groszen tragkörben auf den köpfen A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 916; Soyaux Westafrika 1, 181; so auch in der Schweiz tragchorb 'auf dem kopfe getragener runder korb aus weidengeflecht' Staub-Tobler 3, 454; für ein transportthier: auf beiden seiten des sattels sind zwei muscheln angebracht wie tragkörbe Bettine Göthes briefw. m. e. kinde 1 (1835) 65; als 'hebe-' (s. th. 4, 2, 719) und 'rückenkorb' (s. u.): item die wägen mit den tragkörben, kübeln, so man zum schantzen brauchet Fronsperger kriegsb. (1573) 1, 111ᵇ, dazu vgl. 'tragekörbe, hottes, brauchet man vielfältig bey batterien und anderem erdbau ... ein mann (kann sie), wenn sie mit erde gefüllet sind, gemächlich fortbringen, zu welchem ende sie mit henkeln oder trageriemen versehen werden' Eggers 2, 1139; Fäsch kriegslex. (1726) 252ᵇ; das tragen ... ist im Orient auch heute noch üblich, und werden dort die tragkörbe und tragbahren von den arbeitern den schubkarren vorgezogen Lueger 2, 544; als 'hebekorb' auch von zwei personen getragen: für rüben, kartoffeln ... tragkörbe aus rund- und flacheisen ..., welche z. b. 115-120 kg rüben fassen und mit handhaben von zwei arbeitern getragen werden können G. Krafft lehrb. d. landw.³ 1, 294; ähnlich: als ... unser haus verkauft war, wurde er (der kranke vater) in einem tragkorb, den wir aus dem krankenhaus geliehen, nach der kleinen wohnung gebracht Storm (1868) 4, 141. meistens in der engeren bedeutung rückenkorb, vgl. das compositum tragrückkorb: die Ernestin (trieb) vermittels eines tragrückkorbs einen kleinen handel mit eiern und geflügel Rosegger erinn. e. siebzigjähr. 37: tragkorb 'ist ein rund und tieff geflochtenes behältnüsz, welches mit denen daran hangenden tragebendern auf den rücken gebunden wird und zu forttragung der wäsche und anderer sachen dienlich ist' Amaranthes frauenzimmerlex. 2035; im gegs. zum arm-, hand-, hebe- oder marktkorb: das mädchen nahm dazu (zum holzlesen) einen tragkorb und einen handkorb mit W. Grimm dtsche sagen (1891) 1, 121; vgl. Adelung² 4, 639; Krünitz 186, 583 ff.; tragkorb, rückkorb ... corbis dossuaria Wiederhold (1669) 340ᵃ; die zwen des rates sollen bestellen, das die achtundzweintzig grosz tragkorbe (zum transport der vom rat nachzuprüfenden gewichte) mit ihrem geheng (tragbänder s. th. 4, 1, 2, 2322) alweg auff dem rathaus sind Nürnberger polizeiordnungen 175 Baader; ehe ein strohwisch zu einem ruhewisch wird, so musz er erst auf einer bäuerin ihren steisz unter den tragekorb gelegt werden J. G. Schmidt rockenphil. (1718) 2, 298; nichts war für Anton kränkender, als wie er zum ersten male ... eine last auf dem rücken, und zwar einen tragkorb mit hüten bepackt, über die öffentliche strasze tragen muszte K. Ph. Moritz Anton Reiser 86 lit. denkm.; Jane hob ihren tragkorb wieder auf den rücken W. Raabe schüdderump (1870) 2, 44; kinder soll man nicht in der hutte (tragkorb) tragen, sonst lernen sie lügen, d. h. sie thun künftighin einem alles 'hinter dem rücken' Zahler im 16. jahresber. d. geogr. ges. zu Bern 153; heute dialektisch verbreitet, als rückenkorb bezeichnet: drāgorb Albrecht Leipzig. 224ᵃ; trägchorb schweizer. idiot. 3, 454; so wohl auch in den anderen belegen ohne erklärung: drakorf Berghaus Sassen 1, 355ᵃ; Schambach Götting. 47ᵃ; Damköhler Nordharz. 45ᵃ; trâekorb Jecht Mansfeld. 113ᵃ; tragkorb Müller-Fraureuth obersächs. 1, 236; Fischer schwäb. 2, 308; in Norddeutschland dafür kiepe gebräuchlicher, s. Kretschmer wortgeogr. 273. gelegentlich als maszbezeichnung vgl. korb II 1 d: die feinern baumfrüchte sind hier im gröszten überflusz; ein groszer tragkorb voll der kostbarsten pfirschen ward ... für einen guten groschen verkauft allg. dtsche bibl. anh. zu 37/52, 921; Johannesli wollte an brod, äpfeln, birnen, pfannkuchen so ziemlich einen tragkorb voll oder einen karren, indessen muszte er es sich endlich gefallen lassen, dasz man blosz mitnahm, was man füglich in die taschen bringen konnte Gotthelf ges. schr. 4, 166; ein geschenk von zwei bis drei blumen sagt mehr als ein ganzer tragkorb R. Schumann ges. schr. 1, 20; so auch componiert tragkorbweise: das kräutig müssen die wintzer nicht tragkorb- oder bündelweise wegtragen, damit die stöcke nicht zerbrochen werden, sondern nur gemach und büschelweise allgem. haush.-lex. (1749) 2, 128ᵇ. — dazu das demin. tragkörblein: gieng er (der bauernjunge) mit einem alten tragkörblein auff denen angern herum, allwo das vieh geweidet wurde, und schauffelte den koth vom vieh zusammen J. G. Schmidt rockenphil. (1706) 2, 92; das mädchen ... trug allerlei, was sie eingekauft haben mochten, in einem tragkörblein, das ihr an den schultern hing O. Ludwig 2, 481.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1932), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 1147, Z. 37.

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Zitationshilfe
„tragkorb“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tragkorb>, abgerufen am 28.01.2022.

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