trecken vb.
Fundstelle: Lfg. 10 (1935), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 1575, Z. 62

Unterbegriffe in diesem Artikel

ziehen. j-intensivum zu trechen, wie stecken zu stechen. continentalwestgerm. wort, das nach süden nur bis ins md. reicht. ahd. nicht vorhanden, mhd. trecken, mnd., mnl. trecken, nl. trekken, afries. trekka, nordfries. trekke, trake. aus dem nd. sind entlehnt dän. traekke, schw. dial. (und slang) träcka, s. Falk-Torp 1292, Hellquist 1017. die flexionsverhältnisse im mnl. und im nd. (s. u.) deuten darauf hin, dasz trecken, wenigstens auf einem groszen teil des gebietes, ursprünglich als präsens zum stv. *trekan (s.trechen) fungierte, während die auszerpräsentischen formen sowohl stark wie schwach gebildet wurden, vgl. Franck afränk. gr. § 185, 2; mnl. gr. § 140, 1. das wort fehlt dem obd., das nur die abl. treckeln 'zögern' kennt, s. unten; der häufige gebrauch bei Wolfram (z. b. Parz. 18, 30; 62, 29; 357, 2, Willehalm 115, 4; 199, 11; 313, 12; 321, 24) ist md. oder einflusz der vlämelnden rittersprache, s. Martin zu Parz. 18, 30; für Fischart ist das wort 'niderländisch' Gargantua 157 ndr., s. 1 a. es wird aus den mundarten notiert von Doornkaat-Koolman 3, 433; Mensing 5, 153; Strodtmann Osnabr. 12; brem.-nds. 5, 102; Flemes Kalenberg 370; Köppen Dortmund 60; Krüger Emden 69; Rovenhagen Aachener ma. 147; Crecelius Oberhess. 291; Liesenberg Stieger ma. 140; Hertel Thür. 246; Jecht Mansfeld 114ᵃ; Müller-Fraureuth 1, 243; Bernd Posen 417; Frischbier preusz. 2, 409, gelegentlich als das intensivere wort neben dem mancherorts, besonders im osten, danebenstehenden tên (vgl. auch A. Lasch mnd. gr. § 10 anm. 1): 'trecken ziehen, stärker als tên, aber häufig gleichbedeutend' Danneil 227; vur n fluge tun se trecken un vur de kutsche ziehn Müller-Fraureuth 1, 243ᵃ. die flexion ist im allgemeinen schwach; mit rückumlaut: die trackten Dietr. v. d. Werder Ariost ges. 27, 81; trekkete neben trakkte Schottel haubtspr. 575, daneben stark: vereinzelt auf hochdeutschem gebiete trochen Wickram 5, 275 Bolte, s. 2; in den heutigen nd. mundarten sind das schwache präteritum und participium, das durch vertrackt (s. d.) als alt erwiesen wird, überwiegend durch die starken bildungen trock und trocken verdrängt worden, so im Rheinland (Münch ripuar.-fränk. § 228; Hasenclever dialekt d. gemeinde Wermelskirchen § 121), Westfalen (Woeste 274), Ostfriesland (Doornkaat-Koolman 3, 433), Hamburg (Richey 312), Schleswig-Holstein (Mensing 5, 154 neben vereinzelten schw. part. treckt), Altmark (Danneil 227: präteritum trock, part. trockn und treckt), Mecklenburg (stark und schwach Nerger 160), Pommern (Dähnert 494), Preuszen (Hennig 278; Frischbier 2, 409 gibt schw. v. an, verzeichnet aber nur ein st. part.). für Göttingen notiert Schambach 234, dasz nur das präsens üblich ist und die übrigen formen von teihen gebildet werden; das kann auch noch für andere mundarten gelten, wenn die betr. wörterbücher über die flexion nichts bemerken (wie etwa für das obersächsische, für das Müller-Fraureuth das ausgestorbene präteritum trackte mit einem citat von 1782-84 belegt, sonst aber keine angaben über die flexion macht). ein liter. beleg für das st. part. getrocken bei Tappius (aus Lüne bei Lüneburg) adag. cent. sept. (1545) H h 3ᵃ. das wort ist auf hochdt. gebiet literarisch nach 1700 nicht belegt, mit ausnahme der modernen entlehnung aus der burensprache, s. 2.
bedeutung und gebrauch.
1)
transitiv. es ist zu scheiden zwischen trecken als bloszer bewegungsbezeichnung, die dem synonymen ziehen gleichsteht, und trecken als einer heftigeren art der bewegung, gegenüber der ziehen das neutralere, weniger affektbeschwerte wort ist.
a)
trecken einfach gleich ziehen, zum ausdruck eines stetigen, in bestimmter richtung erfolgenden bewegungsimpulses; trahere trecken, treecken nd. vocabulare d. 15. und 16. jh. bei Diefenbach gloss. 592ᵃ;
du veres uver aller engele scharen,
schone muder, trecke mich nach dir
Marienlieder, zs. f. dt. altert. 10, 51 W. Grimm;
dise kuntschaft (gottes) hât der (menschliche) geist niht von sîn selbesheit, want diu einekeit treket in in der drîheit an sich meister Eckhart in: dt. mystiker 2, 519 Pfeiffer; seducere trecken over eyn siet nd. gloss. in: zs. f. dt. wortforsch. 15, 301; de willige is lichtelik to trecken Tunnicius sprichw. nr. 748 Hoffmann;
wan gleich ein härzmagnet si (die tugend) wül zurükke
so eilt si doch hindurch träkken,
Zesen adriat. Rosemund 29 ndr.;
mit sächlichem object:
(Eckerich) woulde trecken syn swert
Karlmeinet 386, 59 Keller;
mit vier fingern die haut herfürziehen und wol trecken oder ziehen Walther pferde- und viehzucht (1658) 97; wann die ... buben, so sies spil verlieren, zur straff den zweck mit den schönen zänen aus dem treck müssen auf niderländisch trecken und schlecken Fischart Gargantua 157 ndr.; mit kranken seilen sal men lyslik trecken Tunnicius sprichw. nr. 737 Hoffmann; ähnlich Petri d. Teutschen weisheit (1604) 2, P p 3ᵇ;
wenn ihn (den pfarrer) der cüster weckt,
da er zur mess die glocken treckt
B. Ringwaldt lauter warheit (1597) 199;
so besonders vom ziehen und führen des pferdes (diese bed. ist fast die einzige, die sich im nordfries. erhalten hat Siebs Helgoland 295; Jensen Wiedingh. 640; Schmidt-Petersen 138):
darnâch muos ouch getrecket sîn
aht ors, mit zindâle
verdecket al zemâle
Parz. 18, 30;
die trackten hinter sich mit her ein grosses pferd,
das war mit einer last, schwartz zugedeckt, beschwert
Dietr. v. d. Werder ras. Roland 27, 81;
und, seiner gewohnheit gemäss, treckte er sein thier, ... bey der halffter immer hinder sich her Pahsch Bastel v. d. Sohle don Kichote (1648) 246; in ähnlicher verwendung: ochsen trecken, prägnant soviel wie 'ochsen nach dem verkauf in den stall des käufers führen': wen de knackenhouwer einige ochsen auf dem marcket feil haben werden, alsdann so sollen die ochsentreckere solche ochsen nicht trecken, sundern sollen dieselbigen von den knackenhouwerknechten getrecket werden (1596) Hambg. zunftrollen 178 Rüdiger. 'leise ziehen, zupfen':
daz si (die magd) vil dogentliche ...
sie (die schlafende herrin) mit der zehen (an der zehe) dreckete,
von slafe sie erweckete
Elisabeth v. 1615 Rieger;
jünglinge haben mühlstein tragen müssen,
die knaben überm holtztragen sich stiessen,
es sind die alten nicht mehr unter dem tohr,
jünglinge trecken kein seitenspiel im chor
P. Widmann hortulus (1627) 2, 235 (nach klagelied. Jerem. 5, 14).
so auch vom melken: wenn eine ziege gezickelt und die milch verlohren hat, so lasse sie gleichwol melcken und immer fort trecken, so bekommt sie die milch wieder viehbüchlein (1667) 66. elliptisch, anscheinend in feststehender redensart, vom ziehen des loses:
hui, nur frisch auff, getrost und kecke,
wer weis noch, wer den letzten trecke
Hayneccius Hans Pfriem 57 ndr.;
anders verstanden von Müller-Fraureuth wb. d. obersächs.-erzgeb. ma. 1, 243.
b)
mit der bedeutung 'ziehen, schleppen' verbindet sich die weitere 'schwere körperliche arbeit tun':
(willst du) mit kalckschlan (schlagen) dich nicht beflecken,
an der petzsche (ruderstange) auch nicht trecken
oder sonst auffs schiff nicht begeben
M. Agricola mus. instr. 143 Eitner (1545);
iumentum molarium viehe, das eine mühle trecket nomencl. in us. schol. (Hamburg. 1634) 167;
als wann ein edles rosz im pfluge trecken musz
Dietr. v. d. Werder ras. Roland 20, 63;
(ihr habt) weidlich geschoben an dem rad,
bis es im schlamm ist blieben stecken,
nun helfts auch wider ausher trecken
beleg bei Opel-Cohn dreiszigj. krieg 182;
da einem (tierlein, der ameise) jhr last zu schwer ist, so hilfft die andere jr fort trecken, damit sie mit einander fortkommen Mathesius Sarepta (1571) 23ᵇ, vgl.trecken schwer tragen, schleppen: wenn man so zu träcken hat Müller - Fraureuth 1, 243; gerne in der verbindung schleppen und trecken: o solt ich nu noch arbeiten, solt ich mir nu noch lassen sawer werden tag für tag schleppen, trecken und mich mit arbeit abmergeln A. Duncker güld. kleinoth (1612) 256; etwas anders, nach 1 c hin reichend: was sie mit sich schleppen und trecken kundten M. C. Schütz hist. rer. Pruss. (1592) j 1ᵇ; rape schleppe, trecke du nur J. Agricola Terentii Andria (1585) 207; das moment des sich abplagens deutlich im reflexivum: da er sich lange damit (mit dem netz) getrecket, da begint es zu reissen Artomedes christl. auslegung (1609) 1, 573;
was behuff (brauche) ich mich zu trecken
mit der sorgen schwere last
R. Wasserhuhn kauffenster (1644) 4;
(die) sich nicht mit einer sonderlichen kranckheit müssen schleppen und trecken D. Schaller theolog. heroldt (1604) 74; blasser, 'sich abgeben mit': wehe aber denen, die sich mit solchen lügen trecken, denn es bringet zuletzt ein böses ende A. Pape bettel- und garteteuffel (1586) k 4ᵇ;
wer sich mit unflat schlegt und treckt,
gwin oder verlier, er wird befleckt
Rollenhagen froschmeus. 2, 286 Göd.
c)
etwas heftig, mit gewalt fortziehen, zerren: trahere mit gewalt schleppen, trecken, zihen Bas. Faber thesaur. (1587) 878ᵃ;
balde zogen sie in (den bauern) her ûz
als ein beschorn fledermûz
und begunden in zu walde drecken (um ihn zu henken)
Salomon und Markolf v. 1565 Hartmann;
(der mörder) treckde de eirber frauwe mit irem haire uss dem bedde Kölner quelle des 15. jh. bei Frommann die dtsch. mundarten 2, 8; we dar enen man antastet baven recht unde ene trecket unde holt by sinen klederen dithm. landr. (1447) bei Schiller-Lübben 4, 607; aus 'zerren' entwickelt sich weiter 'zerrend miszhandeln', trecken steht oft neben stoszen, vgl. pilare stoessen vel katzen vel haer trecken gemm. gemmar. (Köln 1507) bei Diefenbach gl. 434ᶜ:
dat man on (vor der hinrichtung) treckede inde stiz
Marienlieder, zs. f. dt. altertum 10, 21 W. Grimm;
so nur ein oder zwo personen vorhanden, fragen wir nichts nach ihnen, dürfen sie wol in ihrem hause trecken und stoszen A. Pape bettel- und garteteuffel (1586) o 5ᵃ;
wenn herren sich raufen und trecken,
müssen die bauren ihr haar darstrecken
Rollenhagen froschmeus. 1, 210 Göd.;
bildlich, von gewaltsamer auslegung: de hilligen worde Christi treckende unde bedudende anders den he se gespraken hadde beleg des 16. jh. bei Schiller-Lübben 4, 607.
d)
folgende fachsprachliche verwendungen heben sich ab: seemännisch: trecken treideln, ein fahrzeug mit einem tau längs dem ufer hin durch menschen ziehen lassen Bobrik seewb. (1850) 695ᵇ; trecken in der leine laufen Hoyer-Kreuter technol. wb. 774; an einem schiff trecken tirare una nave M. Kramer teutsch-italiän. 2 (1702) 1120ᵇ;
wie gegen wasser sonst ein schiff man trecken kan
Dietr. v. d. Werder ras. Roland 11, 60;
sgipper, mag ik mitfahren,
will ik helpen trekken
Lüpkes seemannsspr. (1900) 35;
s. auch die zusammensetzungen treckknecht, -mast, -schiff, -schute, -weg. bergmännisch: trecken, ist uff den stollen oder strecken mit den körben berg und ertz fortschleppen Junghans gräublein ertz (1680) f 1ᶜ; Lueger lex. d. ges. techn. 784: hunde, die solche secke wider das gebirg hinan trecken Mathesius Sarepta (1571) 145ᵇ;
wir (die treckejungen) müssen am allertiefsten ort
auff allen vieren kriechen fort,
brechen und trecken mit beschwehr
Rinckhart christl. ritter 45 ndr.;
vgl.dräcken teil 2, 1358 und die zusammensetzungen treckhund-, junge, -werk. in der kaufmannssprache: auf einen trecken, trassiren far tratta di danari sopra di uno che ci deve M. Kramer teutsch-italiän. 2 (1720) 1120ᵇ; er hat auf ihn getrocken ebda; up enen trekken einen wechsel zu des schuldners last ausstellen brem.-nieders. 5, 103; Strodtmann Osnabrück 250; welcher daselbst ein wechsel in des königs namen von 1000 rtlr. trecken ... solte I. Hoppe schwed.- poln. krieg 325 Toeppen. im 19. jh. auch mundartlich nicht mehr gebucht. weitere anwendungen aus der sprache des nd. handwerks (trekken gleich ziehen bei jeder handwerklichen verrichtung) s. C. Schumann Lübeck 49, 56; Mensing schlesw.-holst. 5, 154.
2)
intransitiv.
a)
gehen, ziehen:
allenthalben zuo getrecket
ûf die strâzen gein dem mer
kom ein sô kreftigez her
Wolfram Willeh. 313, 12;
die vürsten er bat ze einem hove trecken
(zu ihm) gein Mênze
Lohengrin 7440 Rückert;
von festlichem aufzuge:
höfslîchen durch die stat
der helt begunde trecken,
... ...
die hellen pusînen
mit krache vor im gâben dôz
Parz. 62, 29;
(ich zog nach Rom) van unszem geistlichen vater, deme pays, oirloff zo nemen uber dat mer zo trecken A. v. Harff pilgerfahrt 2 Groote; repatriare weder zo lande trecken gemm. gemmar. (Köln 1507) bei Diefenbach gloss. 492; so auch: se grepen se (die übeltäter) an unde bunden se unde treckeden myt one in den haghen in Clawes van Urde hus (Braunschweig, ende 15. jh.) städtechron. 16, 313; speciell vom brautzuge: wen de brudegam trecket unde to bedde gan schall, so enschall he nyne torticen (fackeln) noch waslichte hebben quelle a. d. j. 1467-78 in: zs. f. Lüb. gesch. 2, 520, s.treck. seit dem 16. jh. auch in der anwendung auf einzelgänger, aber gewöhnlich mit dem nebensinn des langsamen, umständlichen, mühevollen: solche alte patres (können) nicht einen tag ruhen und feyren, sondern trecken von einem dorffe zum andern Pape bettel- und garteteuffel (1586) k 5ᵃ; wenn wir in diesem elends- und tränental lang genung herum getrecket haben Herberger trauerbinden (1611) 1, 45; wir spanten die siegel (des eingefrorenen schiffes) auff und treckten auff dem eise fein mehlich weiter Gabr. Rollenhagen indian. reisen (1605) 110;
mit luder stemm treck ik min straten,
wol da singt, möt vör mi dat singen laten
(Lübeck 1546) bei H. Ziegler geschützinschr. 39;
drumb will ich nicht von hinnen treckn,
als wer ich gantz verzagt allein
A. Pape Jonas rhythmicus (1605) o 4ᵇ.
auch 'kriechen':
so seind die narren in mich trochen
und mir so starck in busen krochen
Wickram 5, 275 Bolte,
vgl.he is em dür den aes trocken 'er hat ihn über alle maszen lieb' Strodtmann Osnabrück (1756) 12. auf hd. gebiet zuletzt gebucht: nach Rom trecken tirare verso Roma M. Kramer teutsch-italiän. 2 (1702) 1120ᵇ. das wort hält sich in nd. mundart, vgl. de hering treckt vom heringsschwarm, auch de enten treckt u. a. Mensing schlesw.-holst. 5, 153. es wird am ende d. 19. jh. in die schriftsprache neu entlehnt aus der sprache der südafrikan. buren, in anwendung auf deren wanderzüge, und bedeutet 'mit dem ochsenwagen fahren, reisen, ziehen', vgl. H. Paul dt. gramm. 1, 326; Trümpelmann in: veröffentl. d. wissensch. ges. f. SW.-Afrika 6 (1933) 141 u. 143: (er) war später mit einem zug trekkender buren ... bis an den krokodilflusz hinaufgezogen G. Frenssen Jörn Uhl (1902) 231;
scharf knallt die schwipp auf die ochsenreih,
grell tönt des treibers heiserer schrei,
und geduldig keuchend im steten gang,
so trecken die ochsen die pad entlang
H. A. Aschenborn afrikan. buschreiter (1926) 223.
b)
zögern, verziehen: (das erbe) dat sal man eme uth geven des selven dages unde he sall dat entfaen sunder trecken Dortmunder statutarrecht 35 Fahne; unsicher: wenn sie aber nicht gerne geld ausgab, trakte (variante druckte) sie so lange, bis wir ziemlich harte mit schreiben zusammenkamen H. v. Schweinichen denkw. 2, 157 Büsching. zugehörig scheint trotz des sonstigen fehlens der sippe obd. treckelen, dreckelen trändeln, eine sache langsam tun Stalder 1, 301; treckelen hinziehen, trödeln Schmeller-Fr. 1, 646. schwäb. in gleicher bedeutung trichlen Fischer 2, 378.
3)
in zusammensetzungen, die seit dem 16. jh. belegt sind, erscheint trecken in der form treck-, als trecke- nur in treckejunge und treckeknecht. es überwiegen technische bedeutungen.
treckburen
auf jeden fall wollen sie (die buren) sich hier nicht fest ansässig machen, sondern trekburen bleiben tägl. rundschau (1905) nr. 308, 3ᵃ;
treckbrücke
sublicius eyn treckbrugghe gemm. gemm. (Köln 1507) bei Diefenbach gloss. 560ᵇ;
treckeisen
treckeisen, drahteisen fil d'archal Schwan nouv. dict. 2 (1784) 781;
treckhund
förderkarren, vgl. hund II 2 a, teil 4, 2, 1918: treckhund schlepphund Veith bergwb. (1870) 278, s.treckend 1 d;
treckjunge
treckjunge grubenjunge, der den steiger in der gruben mit an die hand gehet, auch mit den hund oder karn in der gruben die berge läuft Junghans gräublein ertz (1680) c 3ᵃ; treckjunge so mit dem karren läuft A. v. Schönberg ausf. berginform. (1693) 2, 99;
wir armen treckejungen klein
und die bergknappen ingemein
haben zumahl ein schweres joch
Rinckhart christl. ritter 45 ndr.;
treckeknecht
helciarii treckeknechte, die am seile gehen und das schiff vom sande abfüren Bas. Faber thes. (1587) 378ᵃ; ein treckeknecht, troͤyeler nomencl. in us. schol. (1634) 569; treckknecht Calvisius (1666) 858; Stieler (1691) 2305;
treckmast
mast for towing a boat Hoyer-Kreuter technol. wb. (1902) 1, 774; damit die schiffe mit ihren treck- oder segelmasten frei durch passiren mögen L. Chr. Sturm fangschläussen u. rollbrücken (1715) e 2ᵇ;
trecksäge
säge, die von zwei abwechselnd ziehenden leuten bedient wird, vgl. Bobrik seewb. 577ᵃ; Lueger 7, 117; Frischbier preusz. wb. 2, 409;
treckschiff
schiff, das durch trecken (s. 1 d) vorwärtsbewegt wird, navis helciaria, als holländ. gebucht von Stieler (1691) 1791; treckschiff barca che vien tratta da cavalli M. Kramer teutsch-italiän. 2 (1702) 1120ᵇ;
treckschute f.
dasselbe, seit dem 17. jh. aus dem niederländ.: treckschute helciaria navis, ein schifflein, das die pferde ziehen, alias ein aesch Stieler (1691) 2305; man kann auch Harlem ganz bei seite lassen und über das Harlemer meer fahren; weil aber der wind nicht allezeit favorabel ist, so fährt man lieber in der treckschüte der chronist Friedr. Lucae (1854) 82 (17. jh.); wer auch nur eine halbe mandel eyer in Rom verkauffen wil, der bringet sie auff einer dreckschüte hinein zu marckte geschleppt Chr. Reuter Schelmuffsky 122 ndr.; kleine flüsse schiffbar zu machen oder gräben auszugraben, auf welchen man sich der sogenannten treckschuten füglich gebrauchen könnte P. J. Marperger kauffmannsmagazin (1708) 493; zur beschleunigung der schiffarth von Dresden bis nach Pillnitz sind auf holländische manier dreckschouten ... angeleget worden beleg von 1721 bei Müller-Fraureuth 1, 243; Sperander (1727) 754; lieber schweine hüten, sagte er, als so zeitlebens auf der treckschuite gemeiner glückseligkeit vom buttermarkt zum käsemarkt fahren Eichendorff sämtl. w. (1864) 2, 385; A. v. Arnim 15, 167 G.; (der kanal) über den alle tage die sechs braun angestrichenen treckschuiten von den jägerchen gezogen werden Immermann 2, 92 Boxb.;
treckweg
der weg längst dem ufer, welchen die ziehenden menschen oder pferde gehen Schrader dt. frz. wb. 2, 1377; die treckwege oder ziehebahnen, so man beim strande hinlangs gemacht, sind offt so schmahl, uneben und steil, dasz sie leichtlich hinunter fallen ... können J. Neuhof die gesantschaft (1666) 69ᵇ;
treckwerk
teil der förderanlage: treckwerk ist, dasz man mit brettern schlegt zwischen der solen und der fürst, darauff man ein und auszfährt J. J. Speidel notabilia (1634) 120; wenn eine gewerckschaft einen stollen ... zu ihrem nutz brauchen würde, so ist dieselbige ... das treckwerck helffen zu halten schuldig S. Span spec. iur. metall. (1698) 294; anders: auf stollen wird zuweilen der luftwechsel so erhalten, dasz die luft über tage gefangen und durch röhren in stollen fortgeleitet wird, dagegen die faule luft aus dem stollen heraus geht. man nennt dieses treckwerke allg. dt. bibl. 1 (1765) 162; auffm Reichenschal ... hat nicht allein das wetter auffm treckwerck gezogen, wie es breuchlich ist, sondern es ist auch ein wind auszm gang herauszgegangen Mathesius Sarepta (1571) 32ᵇ.
Zitationshilfe
„trecken“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/trecken>, abgerufen am 20.11.2019.

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