Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

tresor, m.

tresor m.

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schatz, behälter für wertsachen; credenztisch, aufsatz.
herkunft und form. die erste gruppe ist aus frz. trésor entlehnt, das seinerseits durch fränkisch treso beeinfluszt ist Gamillscheg 862 f.; in der zweiten wurde frz. dressoir 'schaugestell, schenktisch' an die lautform der ersten angeglichen. abzusondern sind die formen der ahd. stufe, die unmittelbar aus dem lat. thesaurus stammen und deutschen accent haben: ahd. erarium tresere gl. 3, 717, 5 Steinm.-Siev.; altsächs. tresurhûs Heliand 3766 hs. M.; das frz. als grundlage hat dann mhd. tresor, trisor; mnd. tresor, trisor, auch treiser B. Sastrow herkommen 2, 87 Mohnike; nhd. tresor, tresur, trisur (dresor Stieler 330; Frisch 1, 350; drösur Frischlin, s. 1 b, tresir Mathesius Sar. [1571] 203ᵃ). — die aus dressoir stammende gruppe verdrängt vom 16. jh. ab den gebrauch der älteren und macht das wort bis zum 18. jh. ganz allgemein, wird aber ihrerseits im 19. jh. durch die neue entlehnung tresor 1 c in der hochsprache abgelöst; erhalten bleibt sie in einem teil der mundarten, s. unter 2. das geschlecht ist mhd. stets masc. Lexer 2, 1505, und so auch meist in der folgezeit; das 17. jh. hat innerhalb der zweiten gruppe einige deutliche belege für das neutrum: das trysur Grimmelshausen 2, 400 Keller; das tresor beutelschneider (1641) 2, 149; das thresor Moscherosch gesichte (1650) 2, 713 (daneben aber auch masc.: auf dem thresor, auf welchen er ... geworfen ebda 2, 715); Stieler stammb. 330; Frisch 1, 305; noch seltener ist fem.: das schönste glas von der ganzen tresur Zendorius a Zend. winternächte 300. das wort wird stark flectiert: dat. aus dem trisur Comenius ian. iv ling. (1643) 210; auf dem trisur gepflückte finken 274 u. ö.; nom. pl. küsten, kästen, tresur, anrichten Messerschmidt esels adel 125.
die bedeutung teilt sich nach der herkunft in zwei äste, die durch gelegentliche überschneidungen mit einander in beziehung stehen.
1)
dem frz. trésor entsprechend
a)
selten und nur für die mhd. zeit belegt in der ursprünglichen bedeutung 'schatz':
Tintajêl muoz iemer sîn
dîn triskamere und dîn trisor
Gottfried Tristan 4483 Ranke;
bildlich:
dîner gnâden trisor
Marienlegenden 230 Pfeiffer;
tresor und schatz des wysen,
des alweltighen vater ...
hat ave vast besloszen alzugater
in eynen reynen cystel wyd bekennet,
ich meyn der reyner maghet liip.
susz ist ave godz tresorer ghenennet
bruder Hans Marienl. 1371 Minzloff;
wilich si dines minnesamen herzen trisor,
de dich hat braht uͦver den oversten chor
Marienlieder, zs. f. d. altert. 10, 89 W. Grimm.
b)
'schatzkasten', 'behälter für wertsachen': repositorium silberkast, drösur Frischlin nomencl. (1591) 301; auch allgemeiner gebraucht: eynreley cast, kist, trisoir, dair men wat in bewaren mach Schueren Teuthonista 405 Verdam; auch machen sie allerhand schreibzeuch, tresur, kisten, schächlin, stäb und schafft Aug. Cassiodorus regnum Congo (1597) 2, 30; noch bei Kramer: tresoor, tresur i. e. kasten, behalter niderhochteutsch (1719) 40. zweideutig als glosse zu promptuarium trisoer (Köln 1507) bei Diefenbach 464ᶜ, dessen sonstige glossierung auch die deutung als 'vorratskammer, speisekammer' zuläszt, vgl. a. a. o. weiterhin. schon von der anwendung 2 beeinfluszt für einen schrank, in dessen innerm schön anzuschauende gläser und geräte aufbewahrt werden: ausz dem trisur oder becherschranck werden guldene, silberne, vergüldte credentzer oder grosse pocal, becher, kelche und schalen, gläser hervorgelangt Comenius iv ling. (1643) 210; da nehme den schlüssel, schliesz das tresor auff, du wirst eyer darinnen finden beutelschneider (1641) 2, 149; 1 grün angestrichen tresour mit 2 thüren inventar ende d. 17. jh. Frankfurt bei G. Schnapper-Arndt vortr. u. aufs. (1906) 160; vgl. un buffet ein tresur Duez nomencl. (1652) 84; cupboard Ludwig teutsch-engl. (1716) 2014.
c)
neu entlehnt ist im 19. jh. tresor als bezeichnung eines einbruchsicheren schrankes sowie eines ganzen in derselben weise geschützten raumes, besonders in banken. heute dafür oft stahlkammer.
2)
ziermöbelstück als standort für schöne krüge und gläser. meist eine art bank oder tisch; anfangs noch als gebrauchsmöbel: trisor, richt- vel kochbank cenopolium (15. jh.) bei Diefenbach gl. 112ᵃ; später mit dem deutlichen zweck, zur schau zu stellen, 'prunktisch', vgl.tresur, trisur mensa locata ad ostentationem vasorum Schottel (1663) 1433; triesur abacus Zehner nomencl. (1663) 481; dresor, tresur abacus, mensa ad ostentationem vasorum Stieler stammb. 330; trisur Weismann (1698) 380; tresur credenztisch Aler dict. 2, 1916ᵇ; vgl. tresurtisch Reyher (1668) 1, 1714; der erste literarische beleg ist in form und bedeutung isoliert: darum sollen grosze leut stetigs ire gleserne trinckgeschirr und tresir auff iren tischen haben Mathesius Sarepta (1571) 203ᵃ; als er aber ... gesehen, wie ein tisch oder tresor, voller köstlicher güldener und silberner trinckgeschirr gestanden ist, hat er ... seinen dienern befohlen, dasz sie das halb theil darvon hinweg solten nemen Xylander Plutarch (1580);
een tresor mut da sin gestellet bi den aven,
de gläse möten sin up golden föte schraven
bei Lauremberg scherzged. 2. anh. 2, 179 Lappenberg;
das trysur neben den kostbaren und christallinen gläsern von allerhand formen beydes mit güldenen, silbernen und überguldten trinckgeschirren überstellt Grimmelshausen 2, 400 Keller; in einer stube stehen gläser auf einen tresur Joh. Georg Schmidt cur. grillen (1728) 272; seiner bestimmung entsprechend ist dieses möbelstück selbst aus wertvollem holze: viel seltzames und köstliches schreinwerck, als ... küsten, kästen, tresur, anrichten Messerschmidt esels adel 125. vom 18. jh. an vor allem eine art commode; 'thresor ist ein aus holtz zusammengesetzter und sauber fournirter schranck, so auf einem postament von gedreheten oder ausgeschnitzten säulen ruhet, von oben her aber mit einem durch kleine stützen abgetheilten simms versehen, worauf man insgemein ... allerhand zierliche gläser oder andere porcellaine, galanterien und gefässe statt einer zierrath aufzustellen pflegt' Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 2016; im 19. jh. ähnlich 'glasschrank': (die couverts) bildeten ... eine stattliche reihe im tresor, in welchen Johanna sie endlich aufgestellt Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 357. daneben der obere, für sich gesehene teil beider möbelstücke: dresor, n., eine stufe auf dem credenztisch, worauf man geschirr zum prunk stellet Frisch teutsch - lat. 1, 305; tresur ein kommodeaufsatz Voigt hwb. f. d. geschäftsf. 2, 311. weiter ein 'wandbrettchen': 'tresor ... so an der wand hängt, und worauf man gläser ... setzt' Ludwig teutsch-engl. 2014. in dieser bedeutung besonders das deminutiv: 'thresorgen oder tabulet ist ein kleines, mit gedreheten säulen ausgeziertes gesimslein oder gestelle, auf ostindische art lacciret oder bunt gemahlet und an die wand fest angemachet' Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 2016; nimm sie ein gebetbuch und lesz sie hübsch drinn, sie sagt ja, sie könnts; dort auf dem tresurchen steht der himmel- und höllenweg H. L. Wagner theaterst. (1779) 120.
d)
für die maa. ist diese gruppe gut bezeugt: trisur buffet in der unteren stube (ehemals) Autenrieth pfälz. id. 142; dressur zierlicher schrank mit nach oben sich verjüngenden brettern (gegnwärtig absterbend) Martin-Lienhart els. maa. 2, 764; drèssis-schaf küchenschrank lux. ma. 71; dressi schrank für teller und platten Follmann lothr. maa. 103; vgl.dresse schrank, spind de Bo-Samyn westfl. 230. verbreiteter ist das deminutiv: tressurchen eine kleine etagere Albrecht Leipz. ma. 224ᵇ; tressurchen, tresurl, tressoorl kleiner schrank, der auf einem gröszeren steht; kleines simsgestell mit gedrehten säulchen, an der wand befestigt Müller-Fraureuth obersächs. u. erzgeb. maa. 1, 247; tresurchen eckbrett Hentrich Eichsf. 66.
3)
zusammensetzungen erscheinen seit dem 17. jh.,
vor allem in der bedeutung 2: tresorkranz schmuck für den tresor, vgl. G. Schnapper-Arndt vorträge u. aufsätze (1906) 160; zahlt Josten von Hilden vor atlas zu den trisurkränzen zu nehen 1648 bei K. Bräuer studien zur lebenshalt. in Frankf. 2, 51;
tresortisch
dass. wie tresor 2 a Reyher thes. (1668) 1, 1714;
tresortuch
die modos, die man zu tischtuchern, serveten, handzwehlen, thresortüchern zu gebrauchen ... pflegt Garzoni allgem. schawplatz (1641) 568ᵃ. —
zu 1 c:
tresoranlage
Lueger lex. d. ges. techn. 7, 252;
tresoreinbruch
tresorschlüssel
tresorverwaltung
tresortür
Lueger 7, 251.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1934), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 169, Z. 20.

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