Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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trietze, f.

trietze, f.,
s. trieze.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1935), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 491, Z. 6.

trieze, f.

trieze, f.,
auch trietze, tritze winde, blockrolle. zugrunde liegt mnd. tritze mit seinen nebenformen trisse, triste, das als sachbezeichnung von gewerken in das nhd. und darüber hinaus in die benachbarten germanischen sprachen gedrungen ist, vgl. mnl. trise, trijs, nl. trijs, m.; mittelengl. trīse, engl. tríse; an. triza, dän. tridse, schwed. trissa, neuisl. tríssa. die herkunft des wortes ist ungeklärt, verwandtschaft mit triesel, trieseln (s. o. sp. 488) ist lautlich schwer zu rechtfertigen. auch die anknüpfung an ein mlat. tricia 'windung' ˂ lat. tricae 'ränke', wie Falk-Torp norw.-dän. etym. wb. 2, 1567; Hellquist svensk etym. ordb. 1006; Heggstad gamalnorsk ordb. 706 erwägen, ist zu abliegend und wird den formen nicht gerecht. s. auch Torp nynorsk etym. ordb. 806. auf mnd. trisse geht auch mod. seemänn. trisse (s. d.) zurück, ferner die el-ableitung trissel 'heberolle' Danneil altmärk. 227; Köppen Dortmund 60. — in neuerer mundart mit articulationsänderung des dentalen reibelauts trietsch Mensing schlesw.-holst. 5, 160; Henking ostseefischerei 34 (für Kiel). stritze Lueger 1, 8 ist wohl falsch verselbständigt aus aals-tritze aalzugnetz, ebda (s. unten 2).
1)
windeblock, flaschenzug, scheibe, rad, rolle mit durchlaufendem tau zum heben von lasten Mensing 5, 160, ähnlich Adelung (s. v. trietze) und unter der nhd. form trieze Schrader dtsch.-frz. ²(1784) 1382; Voigt handwb. (1807) 2, 513: vor keden, spanne, trysen, mengherleye ander doent thohope 100 und 20 mrc. (a. d. j. 1423) liv-, est- u. curländ. urkundenb. 7, 51; tom ersten 1 schip, 2 tryssen, 1 bigät bei Schiller-Lübben 4, 613; unde enen tryste to eneme armborste ebda; paley, wynde, trijsse tensorium, trochea v. d. Schueren 293 Verdam; spanhaick, trijss of wynde tensorium ebda 367; eine butterwinde, i. e. eine am boden bevestigte tritze, woran nach proportion der grösze des butterfaszes und der scheibe 4, 8 und mehr personen mit stricken ziehen (1755) bei Mensing 5, 161; in ähnlicher anwendung wohl: tritze winde, rolle vom webstuhl Sallmann Estland 51.
2)
in der ostseefischerei ein durch winden herangezogenes zugnetz: am häufigsten bedient man sich an den küsten, bes. Dänemarks und Schleswig-Holsteins zum aalfang der aalwaade (aalwade, aaldrehwade, aalstritze, auch stritze, und trietze oder tritze genannt), d. h. eines groszen sacknetzes Lueger lex. d. ges. technik 1, 8; unter den Niendorfer fanggeräten sei noch besonders die trietze für den buttfang erwähnt ... im Kieler gebiet wird ein derartiges netz die trietsch ... genannt H. Henking d. ostseefischerei (1929) 34.
3)
im plural triezen 'keile, zum antreiben der steifen mittels einer erdlade' Mothes baulex. 4, 371; triezen gebraucht der zimmermann, wenn er gegen steifen, die er schräg unter eine last gesetzt hat, schlägt und so dieselbe in die höhe bringt Helfft wb. d. landbaukunst (1836) 373.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1935), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 491, Z. 15.

triezen, vb.

triezen, vb.,
auch trietzen, tritzen durch eine trieze hochziehen; quälen, necken. gebildet vom nomen trieze (s. o.) und wie dieses aus dem nd. stammend. desgleichen ist mnd. tritzen, trissen wie das nomen in andere germ. sprachen entlehnt: mnl. trisen, nl. trijsen; mittelengl. trīsen 'trice, hoist up', engl. trice, trise 'aufwinden, aufholen'; dän. tridse 'rollen, winden, hissen'. zu mnd. trissen ist zu vergleichen gleichbedeutendes driesen, updriesen Schütze holst. 1, 255; weiter gebildet nd. trisseln 'quälen, ängstigen' Danneil 227. über die räumliche verbreitung des wortes, welche, besonders in uneigentlicher bedeutung (s. u. 2), die des nomens weit übertrifft, vgl. Kretschmer wortgeographie 539, dessen anknüpfung an das obd. tratzen, trätzen allerdings irrig ist. Kretschmers angaben ist hinzuzufügen, dasz das wort auch für Schleswig-Holstein (Mensing 5, 161) und Königsberg (Betcke 61) bezeugt ist und dasz die bezeichnete linie des vorkommens z. t. weit südlicher zu legen ist, s. Christa Trier 72; Schön Saarbrücken 51; Gerbet Vogtland 171; selbst obd. (ostfränk.) ist das wort bezeugt Reinwald henneberg. 169. s. auch driezen teil 2, 1409.
1)
mittels der trieze (des triezblockes) aufziehen: (am himmelfahrtsfest) wert vam kerckenwelffe (kirchengewölbe) mit stricken ein hüselin herdale gelaten, nevenst engelsbilderen mit berneden lichteren, desülven werden up unde dale getrytzet und getagen (1593) bei Schiller-Lübben 4, 613; meist lexikalisch: trietzen Schrader deutsch-frz. wb. 2, 1382; trietsen, trietschen Mensing 5, 161; etwas hochtriezen an einem seile hochziehen Betcke Königsberger ma. 61; trītzen aufwinden Sallmann Estland 42; vgl. driesen, updriesen an stricken aufziehn, aufwinden Schütze 1, 255. in Schleswig-Holstein dann überhaupt 'ziehen': wisst du mal trietsen! (zuruf an pferde) Mensing 5, 161; ähnlich: se triezt sik so drup af plagt sich damit ab ebda; vgl. noch: tritzen bildlich, aus der stelle verdrängen Sallmann Estland 73.
2)
uneigentlich.
a)
'plagen, quälen, drangsalieren, peinigen, schikanieren', dann etwas abgemildert 'drängen, nötigen' u. ä. der sinnliche urgrund wird darin gesehen, dasz matrosen zur strafe an einem seil unter die raa hochgezogen wurden, s. Kluge etym. wb. ¹¹629 Götze; ähnlich Kretschmer wortgeogr. 539. vornehmlich diese bedeutung ist in den (nd. und md.) mundarten zuhause, vgl. oben über die verbreitung. selten in literarischer bezeugung: du hast mich so getriezt, lieber freund, dasz ich nun wircklich meine dogmatik schreibe (1848) Schleiermacher an J. Chr. Gasz 159 W. Gasz; der hat mich schon seit vier wochen getriezt, dasz ich ihm seinen löwen neu roth malen soll L. Starklof vierzehn tage im gebierg (1837) 94; wärst du ein junge, ich hätte dich gestenzt und getriezt nach meiner art, welche die leute eine grobe art nennen; du aber bist ein mädchen geworden G. Freytag (1886) 7, 296; die rekruten werden ... getriezt Imme soldatenspr. 77; solches geistiges trietzen briefe von u. an Lobeck u. Lehrs 2, 147 Ludwich.
b)
'necken, foppen, ärgern, reizen', vgl. die ähnliche bedeutungsentwicklung bei aufziehen; meist mundartlich: laat doch dat asige triezen na Mensing 5, 161; vgl. ferner Brendicke Berlin 185; Teuchert neumärk. 242; Bauer-Collitz 105ᵇ; rhein. wb. 1, 1502; Müller-Fraureuth 1, 250; Reinwald henneb. 169. von hier aus wohl das comp. triezenwerfen: das ballspiel und das triezenwerfen, wobei zwei parteien der jungen männer gegeneinander standen A. Andrä-Roman aus längst vergang. tagen (1899) 28.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1935), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 492, Z. 1.

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Zitationshilfe
„triezen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/triezen>, abgerufen am 03.08.2021.

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