trinken vb
Fundstelle: Lfg. 4 (1935), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 554, Z. 9
herkunft und form. das wort ist eigentümlich germanisch, u. zw. gemeingermanisch: got. drigkan; anord. drekka, schwed. dricka, norw.-dän. drikke; ags. drincan, engl. drink; anfr. drinken, mnl., nl. drinken; afries. drinka; as. drinkan, mnd. drinken; ahd. trinkan, mhd. trinken. die in den meisten idg. sprachen vertretene wurzel *pō (*pī) 'trinken' ist im germ. nicht nachzuweisen. andererseits ist eine sichere auszergermanische anknüpfung an das germ. wort bisher nicht geglückt. die zahlreichen versuche hiezu verzeichnet S. Feist etym. wb. d. got. spr. ²93. zu erwägen ist die ableitung von einer nasalierten form der idg. wurzel *dhreg̑- 'ziehen, gleiten, streifen', s. Zupitza germ. gutt. 161; Walde-Pok. 1, 874; vgl. noch Wilh. Schulze in Kuhns zs. 27, 606. die ursprüngliche bedeutung wäre dann '(mit dem mund) ziehen, einen zug machen'. zur form. der stammsilbenvocal der 1. u. 3. pers. sing. indic. prät. ist seit dem frühneuhochdeutschen oft an den des plurals angeglichen: da trunk er (15. jh.) städtechron. 11, 673; (er) trunk (1468) Staub-Tobler 8, 1174; asse und truncke Warbeck Magelone 40; drunck und as H. Sachs 18, 212 lit. ver.; noch im 18. jh.: wenn ich truncke Lindenborn Diogenes (1742) 1, 155; (er) trunck Günther 523; spielte, trunk anmuth. gelehrsamk. 8, 504; weitere belege s. Paul dtsch. gr. 2, 215; beide formen, trank und trunk, werden von lexikographen des 17. u. 18. jh. anerkannt, s. Stieler 2330; Kramer 1 (1700) 248; Steinbach (1734) 2, 874; Weitenauer orthogr. wb. (1764) 147. u- oder darauf beruhende o-, ü-formen sind in den mundarten vielfach erhalten, besonders fries., nd. und md., selten obd., vgl. Hunziker Aarg. 59. umgekehrt sind die ursprünglichen u-formen der 2. pers. sing. und des plurals indic. prät. vereinzelt schon früh nach dem vocal d. 1. u. 3. pers. sing. ausgeglichen: (du) tranckcz, (wir) trancken, (ir) tranckt, (sie) trancken deutsch-ital. sprachbuch v. j. 1423 in Bayerns maa. 2, 429. sie behaupten sich aber während des 16. u. 17. jh. und stellen hier das regelmäszige dar. auch im 18. jh. sind sie noch nicht selten: die truncken wacker wein Lessing 1, 119 L.-M.; assen und truncken Schnabel insel Felsenburg 224 U.; hier truncken (sie) Hagedorn 2, 34; truncken bier (1774) Patrick tagebuch 1, 140; (wir, sie) trunken Herder 4, 434; 15, 140 S.in nd. mundarten ist vereinzelt der umlaut des conjunctivs in den indic. hinüber genommen: plur. drünken Schambach 48; drüngen Jellinghaus Ravensberg 13. der conjunctiv prät. die formen mit umlaut- ü halten sich z. t. bis ins 18. jh.: (er) trüncke Kramer 2 (1702) 1143ᶜ; (sie) trünken Hagedorn (1769) 2, 159; Herder 15, 27 S.; weitere beispiele s. Paul dtsch. gr. 2, 215; antiquiert im 19. jh.: (sie) trünken br. Grimm deutsche sagen 2, 23; (er) trünke Rückert (1867) 1, 353. belege für unumgelautete formen vereinzelt seit dem mhd.: ich trunke Walther von der Vogelweide 29, 25; (er) trunke minnesinger 2, 242ᵇ H.; conjugiert: trunck, trunckcz, trunck, truncken, trunckt, truncken deutsch-it. sprachb. v. j. 1423, a. a. o. 2, 429; wenn ichn trunck H. R. Manuel weinspiel v. 474 Od.; ich truncke nomencl. lat.-germ. (1634) 62; in mundarten, z. b. drunke Berghaus Sassen 1, 362; trunke Fischer schwäb. 2, 384; trōhi Stucki ma. v. Jaun 291; bairisch: drũn Micko Wadetstift 1, 85. seit dem 16. jh. ist die jetzt herrschende form tränke, im ausgleich nach der 1. u. 3. pers. sing. indic., zu belegen: sie trenck kein wein Montanus 45 Bolte; das er drenck Schertlin künstl. trincken (1538) d 1ᵇ; tränken die gans wein Fischart podagr. trostbüchl. (1577) d 6ᵃ. das partic. prät. beispiele für durch synkope entstandene präfixlose formen, in älterer sprache vornehmlich im obd.: gessen und truncken bei Mone schausp. d. mittelalt. 2, 337; het sy ... mynes wassers nit trüncken (1483) bei Steinhausen privatbr. 2, 79; etlich haben gyfft truncken Eberlin von Günzburg 1, 156 ndr.; (wir) habent truncken Murner narrenbeschw. 3, 46 ndr.; in neuerer sprache in volks- oder altertümlicher rede: wenn ihr gessen und truncken habt Göthe 39, 10 W. (Gottfr. v. Berlichingen); habe nichts truncken maler Müller (1811) 1, 178; in den hoch- u. nd. mundarten ist die präfixlosigkeit vorherrschend, vgl. aber vereinzeltes ədruŋkən Block Eilsdorf 58. besonderheiten. abfall der infinitivendung im nordfries.: dringk Siebs Helgoland 213; drink Mungard Sylt 53; drank Schmidt-Petersen 28ᵃ; vgl. aber westfries. drinsgje, drinzje Sytstra-Hof friesch. spraakkunst 61; 122. ausfall des nasal und damit veränderung des stammvokals im schweiz.: triihe Friedli Bärndütsch 3, 169; trēhə Stucki ma. v. Jaun 125; trîcha Bühler Davos 1, 166; treiche Schmidt id. Bernense, in Frommann dtsch. maa. 4, 19. in älterer spr. gelegentlich ründung des vokals: trünken volks- u. ges.-lieder d. 15. u. 16. jh. 1, 204 Kopp; wer trünckt von s. Johans trunck 2ᵇ; tabak zu trünken österr. weist. 3, 2; trünkt Zesen adriat. rosemund 32 ndr.
schwache formen sind vereinzelt vom 16. jh an bis zu den lebenden mundarten zu belegen. der indic. prät. z. t. mit dem vocal des starken verbs: Joannes der tewffer ist komen, und asz nicht brot und tranckt kein wein Emser d. n. test. deutsch (1529) 104ᵇ; wann ... keiner (wein) vorhanden war, tranckten sie wasser N. Machiavelli kriegskunst (1623) 248; zerliessen denselbigen (schnee) und trincketen das wasser Claud. Ang. de Martelli relatio captivo-redempti (1689) 74; die Engeländer trincketen mir zu ebda 146; ob wir schon miteinander esseten und trincketen ebda 150; bei kausativer bedeutung: Hannchen ging zwischen den gartenbeeten ab und trinckte blumen Langbein (1836) 11, 159. — der conjunct. prät.: auser, das si unter weilen zusammen kehmen, essen und trinkten Butschky hochd. kanzelley (1659) 705; wenn ich eine kunst könnte, dasz ich flugs ein braven freier hätte, ... sie trinkte gar bruderschaft mit mir Chr. Weise in: gegner d. zweit. schles. schule 2, 151 Fulda; in den obd. mundarten sind die schwachen formen neben den veraltenden starken vorherrschend, vgl. trinket Fischer schwäb. 2, 384; Schöpf tirol. 757; trinkat Lexer kärnt. 71 u. s. f.vereinzelt weist das partic. prät. schwache form auf: gətruŋkht Bacher Lusern 407; gedronkt Gangler luxemb. 117. das wort ist in die romanischen sprachen entlehnt, u. zw. in mhd. zeit ins italienische als trincare, von da ins französische als trinquer 'zutrinken' und weiter ins katalanische als trincar; auszerdem ist ndl. drinken im 12. jh. geradewegs ins französische als drinquer aufgenommen, s. Meyer-Lübke rom. etym. wb., nr. 8909; Gamillscheg franz. etym. wb. 866. über weiterbildung des franz. wortes s. Behrens deutsch. sprachgut im franz. 52; Tappolet lehnwörter 175.
bedeutung und gebrauch.
I.
die unmittelbare aufnahme von flüssigkeit durch den mund.
A.
absoluter intransitiver gebrauch. seltener und aus dem zusammenhange zu fassen im sinn einer einmaligen handlung, 'einen schluck machen, nehmen' u. ä.: haustum facio ich trinck Alberus (1540) u 1ᵇ; noch einmal getrunken! Göthe 1, 294 W.
1)
zunächst liegt die allgemeine bedeutung 'zur stillung des natürlichen durstes flüssiges zu sich nehmen'.
a)
erro, e guillo trenchen ego volo bibere ahd. gl. 5, 519 Steinm.-Siev. (altd. gespräche); mich turstet. ich trincke Tauler predigten 17 Vetter; drumb so solt einer nit trinken, bis in dürstet Keisersberg evangelia (1515) 103ᵃ; neyg deinen krug das ich trincke d. gantze bibel (Zürich 1531), 1. Mos. 24, 15; man bot mir einen becher mit kühlem getränke dar; ich trank Gerstenberg in dtsch. nat.-lit. 48, 245; im bild:
die schwerter wollen trinken,
verschmachten schier vor glut
Hoffmann v. Fallersleben (1890) 3, 220.
von der verbalhandlung im allgemeinen: Julius Viator ... in seiner jugent mit der wassersucht behafft wart und ihme derhalben die ertzte das trincken abzogen Heyden Plinius (1565) 30; ich hatte einen unendlichen durst und enthielt mich mehrere tage des trinkens Göthe 43, 246 W.; sprichwörtlich: wann man drinckt, so kan man nit reden Tappius adag. cent. sept. (1545) F f 8 a; trincke, wenn du am brunnen bist W. Lüpkes seemannsspr. 124.
b)
bei tieren gebraucht die ältere sprache vorwiegend trinken. dieses ist auch heute durchaus möglich, namentlich in höherer rede, dann bei kleineren tieren und vögeln, während bei groszen, besonders haustieren saufen üblicher ist. vgl. noch teil 8, 1878 s. v. saufen und Eberhard synom. 6, 7: schlangen sint der nature, so si wellent trinken, so lant sie die unrainkeit von in und trinkent denne dez brunnen st. Georgener prediger 330 Rieder; darnach do die kemlin hetten getruncken erste dtsch. bibel 3, 115; im trincken so lappet und saufft der bär nit wie ein ander thier Herold Gesners thierbuch (1563) 15; dann eben bald werden sie (die hühner) vom unsauberen trinckwasser als von keynem trincken pfipffecht Sebiz feldbau (1579) 101; wenn sich ein rosz im trincken verfangen hat J. Walther pferde- u. viehzucht (1658) 138; die wilde thiere, welche, wan si den durst gelöschet, vom trincken abstehen Moscherosch cura parentum 60 ndr.; die waldthiere ... tranken und badeten maler Müller (1811) 1, 34; zum trinken und baden müssen sie (die singdrosseln) oft frisches wasser bekommen Naumann naturgesch. d. vögel 2, 271; jägersprachlich: der hirsch 'trinkt', wenn er seinen durst stillt Hartig lex. f. jäger (1861) 551; vgl. mundartlich in der Schweiz: kommet sufen! war seine (des hirten) treuherzige einladung ..., wobey bemerkt werden musz, dasz der sprachgebrauch des hirtenvolks dieser berge die menschen saufen, die thiere hingegen trinken läszt Matthison schr. 3, 343; ähnlich Kohl Alpenreisen 1, 75, Schmeller-Fr. 2, 230. nd. drinkenlaten das vieh tränken Berghaus 1, 363. im sprichwort: trinckt ein gansz, so trincken sie all W. Spangenberg ganskönig (1607) h 8ᵃ u. oft.
c)
essen und trinken u. ä.; zu der häufig wiederkehrenden stehenden verbindung s. teil 3, 1163; got. etun jah drugkun Luc. 17, 27: wente he mach wol ethen und drinken Steinhausen privatbr. 1, 68; epicurus mensch der sin selikeit setzt uff essen und trincken (15. jh.) Diefenbach gl. 204ᵃ; wann das reych gotes ist nit in essen oder in trincken erste dtsch. bibel 2, 53; er asz und trank fruͦ oder spat Fortunatus 75 ndr.; (der könig) asse und truncke nichs den ganzen tag vor trauren Warbeck Magelone 40 ndr.; sie erschienen alle mit lust, nicht sonderlich essens oder trinckens halben volksb. v. dr. Faust 137 Braune;
eszt und trinckt, laszt euchs schmecken
Chr. Reuter harlequins hochz.-schmaus 83 ndr.;
unmäszigkeit in essen und trincken ist der medicorum beste säugamme Pistorius thes. paröm. (1715) 932; essen und trincken hält leib und seel zusammen Tölpels baurenmoral (1752) 20;
soldat setzt sich zu tische,
er fing zu eszen, zu trinken an
Mittler volksl. 224;
kauend, vom essen und trinken muthig erregt G. Hauptmann die weber (1892) 39. in anderer reihenfolge: zu einem mal was ein priester der was zu einer wirtschafft und tranck und asz summerteil d. heil. leben (1472) 4ᵃ; wie sie nun mit einander ziemlich lustig gewesen, getruncken und gegessen hatten Prätorius philosophia colus (1662) 4; meist, um einen reim zu gewinnen:
dasz mer mit der drincken und eszen
und alle unsers leides vorgeszen
Alsfelder passionsspiel v. 910;
in groszer freud Apollo sasz,
mit seinen würten tranck und asz
Casp. Scheit frölich heimfart a 4ᵇ;
sprichwörtlich:
trinck und isz,
got nicht vergisz
(dolchinschrift v. j. 1520) bei Ziegler geschützinschriften 72 u. o.
2)
in verengter bedeutung vom genusz geistiger getränke.
a)
'beim trinken sitzen', 'zechen', stärker 'saufen' u. ä.: poculare trincken (15. jh.) Diefenbach gl. 443ᵇ; darnach gieng ouch das trinken mit groszer herlichkeit (1442) bei Fischer schwäb. 2, 384; daz wirs (das umgeld) uf dhain ander sache ... setzen wellen ... dann allain uf trincken städtechron. 4, 159 (Augsburg); mein müszig zyte ... hett verzert mit spilen, trincken N. v. Wyle translationen 15 Keller;
laszt uns drincken und frölich sein,
dantzen, springen beim gutten wein
Schertlin künstl. trincken (1538) e 2ᵇ;
wiewol sie (die trinker) ihnen ein unersetlichen luste zu trincken erdencken
Ambach vom zusauffen (1544) c 2ᵇ;
(er ist) allein durch hefftigen abbruch des trinckens ... zu gebürlichem alter ... kummen
Ryff spiegel u. reg. d. gesundh. (1544) b b 3ᵃ;
das er bey im vertreib die langen
zeit mit dem trincken und dem spil
H. Sachs 6, 144 lit. ver.;
fundend si vil wins und trunckend, dasz si merteils voll wurdend Tschudi chron. Helvet. 1, 161ᵃ;
etlicher, wenn er hat getrunckn,
red wie ein stockfisch, nach gedunckn
B. Ringwalt lauter warheit (1586) 70;
wer einen guten trunck vermag, hat er denn einen ruhm?
ja, wann er trinckt, dasz doch vernunfft behelt das meisterthum
Logau 673 Eitner;
fliehet die gelegenheit zu trincken Moscherosch insomnis cura parent. 60 ndr.;
Mollis kan nie müszig seyn,
trinckt er nicht, so schenckt er ein
B. Neukirch in: h. v. Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. 2, 115;
es fehlete uns beiden niemal an durst; und wenn ich truncke, so soffe ich Lindenborn Diogenes (1742) 1, 155;
trinkt, bis euch das bier besiegt
nach manier der alten!
Chr. Günther 286 lit. ver.;
siehst du wein im glase blinken,
lerne von mir deine pflicht:
trinken kannst du, du kannst trinken;
doch betrinke dich nur nicht
Lessing 1, 65 L.-M.;
wenn man nicht trinken kann,
soll man nicht lieben
Göthe 6, 205 W.;
in Stettin fand ich trinkende, spielende freunde Bismarck briefe an s. braut 9; an einem schmalen tische saszen einige bauern, tranken, rauchten und spielten M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 4, 217. das trinken gilt als eine kunst:
er sprach: daz ist ein meisterschaft
daz ich noch niht getrunken hân
weinschwelg v. 145;
wann trincken fast soll sein ain kunst
und bey den leyten machen gunst
Schwarzenberg teutsch Cicero (1540) 157ᵃ;
Obsopoeus (hat) ein buch ... von der kunst zu trincken ... an tag geben Scheit Grobianus 9 ndr.;
wir trinken auf viel' weisen,
die nicht gemeine sind bei schlechter leute schmäusen.
bei trinken ist auch kunst
Fleming 1, 96 Lappenberg.
reicher sprichwörtlicher gebrauch schlieszt sich an, z. b.: dâr drinken ere is, dâr is spyen neine schande Tunnicius sprichw., nr. 483 Hoffmann; je mehr einer trinckt, je mehr in dürst sprichw. schöne weise klugreden (1548) 39ᵃ; wer heut hat getruncken, der wolt morgen gern sauffen Lehman flor. pol. (1640) 779; kan er nit mehr trincken, so sihet er doch gern zapffen ders. (1662) 3, 178;
wer mit will trincken,
musz auch mit klincken
Kern sprichw. (1718) 62
(zur verbindung trinken: klinken s. teil 5, 1184); man sagt wohl vom vielen trinken, aber nicht vom groszen durst Binder 197; je mehr der herr trinkt, je mehr dürsten die pferde ebda; läwer gedranken uch gehanken, wä net gedranken und doch gehanken (sieb.-sächs.) Wander 4, 1317. mit präpositionaler fügung: bey, über dem trincken sitzen Kramer 2 (1702) 1144ᵃ; unter, zwischen dem trincken ebda; denn wie sie mit dem könig freundliche schertzwort getrieben, hat sie ihn unter dem trincken auch fast mit ihren glatten worten gelobt Kirchhof wendunmuth 2, 16 lit. ver.; sobrius in potando messig in drincken gemma gemmarum (1508) a 3ᵃ;
und die freude wächst im trinken
E. v. Kleist 1, 78 Sauer;
drey gesellen ... wetten miteinander, welcher zum besten zechen und den andern zweyen mit drincken obligen kündte Montanus 287 Bolte; der abend ward mit trinken zugebracht Möser 1, 156 Abeken.
b)
trinken im durativen sinne, 'ein säufer sein', 'gewohnheitsmäszig trinken', 'dem trunk ergeben sein': he drinket er ist ein säufer Lasch-Borchling mnd. hwb. 479; er trinckt gar gern, er ist dem trincken ergeben, aufs trincken versessen Kramer 2 (1702) 1143ᶜ;
von drincken sein vil mer gestorben,
den sunst natürlichs tods verdorben
Murner mühle v. 1067;
ich habe einen menschen gekannt, der als ein leichtfertiger wollüstling lebete, nichts arbeitete ..., spielte, trunk anmuth. gelehrsamkeit 8, 504 Gottsched; (er) legte ihr zu lieb fast alle seine vorigen gewohnheiten ab, besonders das fluchen und das trinken Miller Siegwart (1777) 1, 193; das trinken ist gerade zu dieser zeit ein nationales leiden geworden G. Freytag (1888) 17, 4; ein krüppel von dreiszig jahren, der keine inneren ressourcen und die bildung des lagerlebens hat, kommt leicht zum trunke, er trinkt H. v. Kahlenberg Eva Sehring (1901) 136; ich trinke, weil ich nicht wach sein kann — in Ruszland trinken alle, weil sie nicht wach sein können Dwinger zwischen weisz u. rot (1930) 237; in mundarten, z. b.: he drinkt er ist ein säufer Mensing 1, 864; he es am drenken dem trunk ergeben Leihener Cronenberg 23; vgl. Spiesz Henneberg 258.
3)
mnd. drinken ein fest begehen; bruderschafts-, gildeschmaus halten Lasch-Borchling mnd. hwb. 1, 1, 479.
4)
heilwasser trinken, zur kur trinken: eine besondere hütten, worunder die gäst, wan zuweilen regenwetter einfällt, trinken können (1678) G. Mehring badenfart 63; öfters bei Göthe: ich habe mich ohne arzney, blos durch trinken und baden, bis jetzt hingebracht IV 19, 163 W.; es wird gebadet und getrunken 27, 140; vgl. noch 19, 172; 20, 117; morgen trinkt die gattin und die nichte das lezte mal, ich musz noch eine woche trinken Ad. Stifter 22, 133.
5)
trinken an der mutterbrust saugen Jakob Wien 195; zu trinken geben, trinken lassen: also nahm Sicambre das weinende kindt und schweigete es, in dem sie ihm zu trincken gab Opitz Argenis (1644) 1, 502; ein kind trinken lassen es säugen Delling bair. 135.
B.
trinken mit einem (genetiv- oder akkusativ- selten einem präpositionalen) objekt, das über die substanz des getrunkenen aussagt.
1)
mit genetivobjekt (von ursprünglich partitiver bedeutung) neben dem intransitiven verb:
thoh hi thurh minnea godes   manno huilicumu
uuilleandi fargebe   uuateres drinkan
Heliand 1965;
so drínkist thu io mit wíllen   thes lúteren brunnen
Otfrid 2, 9, 68;
er az daz brôt und tranc dâ zuo
eines wazzers daz er vant
Hartmann von Aue Iwein 3310;
ain iegleich vogel ... der trinket niht wazzers dar umb, daz er flaisch izzet Konrad v. Megenberg buch d. natur 21 Pf.;
und gemenlich trank und az
des opfers der abtgote
von der vrowen gebote
Heinrich v. Hesler apokal. 56 Helm;
welcher mensch siech was und des wassers trank, der ward davon wol gesund der heiligen leben summertheil (1472) 15ᵃ; het sy uff datum dises brieffs mynes wassers nit trüncken, ich furcht, sy wer dahin (1483) Steinhausen privatbriefe 2, 79; sie hetten da zu vil birs getruncken Till Eulenspiegel 5 ndr.; wer des selben zytlichen wassers trinckt, den würt meer türsten; wer aber des wassers trincke, das ich gib, ... den würt ... noch keinem anderem ding dürsten Keisersberg postill. (1522) 2, 70ᵇ (vgl. Joh. 4, 14); gleichso ainer vil starckhs weins trinckt, muoes er truncken werden Bertold v. Chiemsee tewtshe theologey 116 R.; und die rappen brachtend jm brot ... und er tranck des bachs d. gantze bibel (Zürich 1531), 1. kön. 17, 6; die jenigen, so viel weins trincken sollen Sebiz feldbau (1579) 177; die jüngere sprache braucht den genetiv nur zu dichterischem ausdruck:
und wer des brüngens trinket
J. N. Götz ged. 81 Schüddekopf;
sie trinken des feurigen weins nicht
Bürger 224 Bohtz;
(Reinecke) eilte nach andern geschäften
immer am flusse dahin und trank des wassers und dachte
Göthe 50, 24 W.;
trinkt nur verträglich begnügsam des borns
Rückert (1867) 1, 198;
so weit man trinkt des deutschen weins
Geibel (1893) 1, 208.
2)
mit akkusativobjekt neben dem transitiven verb.
a)
wasser, wein, bier, milch u. s. w. trinken; vereinzelt mit ethischem dativ: da habe ich mir im laufe des abends einige grosze schnäpse getrunken, aber es half nicht denkwürd. eines arbeiters (1903) 228 Göhre; der trinkt sich gift Eb. König Thedel von Wallmoden 193. 'für gewöhnlich trinken', 'zu trinken pflegen': es ist kommlich und gut, das einer nit fleisch esse noch win trinke Zwingli v. freiheit d. speisen 25 ndr.; Joannes der tewffer ist komen, und asz nicht brot und tranckt kein wein Emser d. neu testament deutsch (1529) 104ᵇ; nim ... eins mans harm, der wein trinckt Solm kriegsordnung (1559) 3, 59ᵃ; er tranck kein alten, sonder nur neuen zweenbatzenwein Grimmelshausen 2, 19 Keller;
ein echter deutscher mann mag keinen Franzen leiden,
doch ihre weine trinkt er gern
Göthe 14, 109 W.;
von vetter Fritz hatte er keine hohe meinung. er tränke bier und hätte die Stallminna geküszt H. v. Kahlenberg Eva Sehring (1901) 16. eine trinkkur machen: denn die es (das heilwasser) trincken, purgiret es den gantzen leib Lundorf wiszbad. wisenbrünlein (1610) 5; ich habe angefangen, den brunnen zu trinken Göthe IV 10, 275 W.; da meine frau gegenwärtig noch Karlsbader mühlbrunnen trinkt Ad. Stifter sämmtl. werke 20, 197. sprachläufiger ist geworden (seinen) kaffee, tee trinken: ich tranck meinen caffeé Schnabel insel Felsenburg 14 Ullrich; an einem tisch sitzt frau Millerin noch im nachtgewand und trinkt ihren kaffe Schiller 3, 356 G.; vgl. noch O. Ludwig (1891) 2, 340, Srorm (1899) 1, 65; myn heer van Streef trank nun seinen thee Immermann 2, 98 Boxberger. gift trinken, wofür wir heute eher gift nehmen sagen: wer auch vergifft getruncken hat, der sol einer eselein milch drei stund saufen Ortolff v. Baierland (1477) 30ᵇ; etlich haben gyfft truncken und hat inen nit geschat Eberlin v. Günzburg 1, 156 ndr.; meinstu, dasz wenn ein elender die schwache gemeinschafft des leibes und der seelen zu trennen lust hat, selbter gift trincken ... müsse Lohenstein Arminius (1689) 1, 76ᵇ; getrunken das gifft Schiller 1, 62 G.; durch getrunkenes gift vom leben gekommen G. Freytag (1886) 14, 10. einen trunk, trank trinken:
dô huob er ûf unde tranc
ein trunc von zweinzec slünden
weinschwelg, v. 18;
Schwitzer, trinken wir nach (noch) ainen früntlichen trunk zum segen Keszler sabb. 79; trank trinken s. teil 11, 1, 1201 s. v. trank. von gelösten, verkochten, geschmolzenen körpern oder einem in der flüssigkeit befindlichen festen gegenstand: man sagt das die fraw die slangen aus ainer wagenlays getruncken hat (15. jh.) Joh. Hartlieb dialogus miraculorum 314 Drescher; Arthimesia trank die aschen ires toten mannes Stainhöwel de claris mulieribus 9 lit. ver.; wann man den lattichsamen trincket, so vertreibet er den flusz der natur oder des samens M. Herr feldbau (1551) 154ᵇ; hat man ihm in sein rachen geschmeltzt gold gegossen und gesprochen: dich hat nach gold gedürstet, so trincke und sauff nun gold Ph. Bech Agricolas bergwerckbuch (1621) 7; wir tranken den geschmolzenen schnee v. Haller Alfred (1773) 237;
denn nicht einmal runkelrübenzucker
trink ich in meinem cichorienkaffee
Kotzebue (1827) 8, 268.
b)
eine kanne, ein glas, eine flasche wein etc. trincken: wo die nachwächter ... erst pflegten eine kanne bier zu trincken Riemer polit. maulaffe (1679) 34;
man spielt ein lombergen, man trinckt ein gläszgen wein
Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. 1, 81;
mein preuszischer begleiter trank eine flasche Burgunder mit mir Schubart leben u. gesinn. 2, 65. elliptisch, ohne substanzbezeichnung: ob ich den becher trincke oder auf die erde giesze Chr. Weise erznarren 15 ndr.; den kelch trincken bevere il calice Kramer 2 (1702) 1143ᵇ; nun wollen wir erst ... ein gläsgen trinken, dasz wir muth bekommen Holston und Augusta (1780) 128; die freude ..., das erste glas in eurer gesellschaft zu trinken Gellert 4, 262.
c)
mit erweiterung hinsichtlich des maszes: yeglicher zwo masz win ein tag übers mal trincken, und nit mer Judas Nazarei v. alten u. neuen gott 50 Kück; so nüchtern geh ich nicht mehr schlafen wie gestern, da ich nur acht maszen wein trancke, und mir vom teüffel traumte Moscherosch gesichte (1650) 2, 219; schnell trank ich einen passum saures bier J. G. Müller aus d. Heiderschen hause 5 Bächtold.
d)
einen quell, eine pfütze, einen brunnen u. s. w. trinken mit leichter bedeutungsverschiebung zu 'aus ihnen trinken':
in Ploteninsuln trinckt man ein moreisch kwell
Lohenstein Ybrahim 1;
solte jemand sehen können, dasz ein ander stinckende pfütze trüncke, da er mittlerweile sich mit wollriechenden wassern anfüllete persian. baumgarten (1696) 10;
durchs gebüsche
geht der pfad nach der hütte,
drin ich wohne,
zu dem brunnen,
den ich trinke
Göthe 2, 171 W.;
Chaldäa, du Arabia, ihr nationen,
die ihr den Euphrat trinkt, Mesopotamen
Tieck (1828) 1, 359;
hier ist des stromes mutterhaus,
ich trink ihn frisch vom stein heraus
Uhland ged. (1864) 1, 17.
e)
die brust (brüste) trinken dichterisch, von der mutterbrust saugen: selig ist der leib, der dich getragen hat, und die brüste, die du getrunken hast Zinzendorf Luc. 11, 17;
denk, o mutter süsze!
wie du durch die wüste
unsern herren trugst in pein,
dasz er für uns büsze,
trank er deine brüste,
sog er deine milde ein
Brentano (1852) 3, 173;
komm her, komm her, trink meine brust
ebda 4, 17;
uneigentlich:
die heiszen sinne tranken,
umwoben von der liebesarme ranken,
die zwillingsbrust des schönen und des rechten
Stägemann kriegsgesänge (1813) 3.
f)
mit verkürztem ausdruck eins trinken:
(der henker zum armen sünder)
so trinck noch eins in deinem leid
B. Krüger spiel v. d. bäur. richtern (1580) 900;
mein! wir wollen eins spielen und trincken Abele künstl. unordnung (1670) 1, 40; bis das essen fertig wird, laszt uns eins trincken Göthe 39, 28 W.; wir tranken eins an der kellerthür mitsammen maler Müller (1811) 3, 393;
singen wir eins zum trinken,
trinken wir eins zum gesang
Heinrich Suso Waldeck d. milde stunde (1933) 21;
kärntn. âns trinkn wein oder branntwein trinken Lexer 71.
g)
typisch für den gebrauch ist der reichtum an bildern: wie sy trinckent und schöpfend die lebendigen wasser von dem süszen brunnen der ewigen gothaitt (15. jh.) Alemannia 4, 102. — ich geschweige, das die hochberümpte doctoren von Löwen ... kein vinum theologicum ... hetten trincken mögen Fischart binenkorb (1588) a 4ᵃ; die vertreter einer plötzlich fanatisch gewordenen völkerbundsbigotterie, die unaufhörlich den blutroten wein der vergangenheit trinken, während sie das lautere wasser der zukunft predigen deutsche allg. zeitung v. 5. mai 1931;
zeugender minne wein laszt uns trinken
Ernst Leibl zelt unterm stern (1931) 79. —
so werden volk und land im freudenmeer versinken,
und erst mit vollem masz den friedensnectar trincken
bei Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 66.
— sie haben die selbige geystliche speysze essen und tranck getruncken Luther 11, 255 W.; die lefzen verzog mein knabe, da ihn der mächtige tod hielt, zu trinken den bittern trank maler Müller (1811) 1, 102. — Jôhannes ..., der ûf der brust des herren rûwinde, trank die allir lûtirste vluzze der lêre Matthias v. Beheim evangelienbuch 5 Bechstein;
der gnaden brun thut flusen:
den soll man trinkhen
volks- u. ges.-lieder d. 15. u. 16. jh. 5 Kopp;
und wenn der mund schon todesfluthen trünke
Rückert (1867) 1, 353;
dufreilich sitzst an der quelle und trinkst den erquickenden strom eines erneuten, befreiten volkslebens mit vollen zügen briefe von u. an Herwegh 105. — lasz mich den becher des jammers und der freuden ... auf einmal trinken Göthe 23, 88 W.;
der schnöd in Thais schosz den wollustbecher trank
I. D. Falk satiren (1800) 1, 23;
dasz sie (die seelen) ... die schale der unsterblichkeit schon bei leibesleben tranken Herder 16, 29 S. besonders oft kelch trinken, anknüpfend an eine reihe biblischer stellen, insbesondere Jes. 51, 17; Luc. 22, 42 u. s. w., vgl. die reichlichen belege in teil 5, 505ff. s. v. kelch. einige nachträge: aber wenig sind, die jhme nachfolgen bisz zum trincken des kelchs seiner marter Joh. Arnd Thomas a Kempis' nachf. Christi (1631) 57;
mein kelch musz sein getrunken
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel evang. kirchenl. 3, 303;
(weil) ganz ihr (der erfahrung) bitterer kelch
bis zu den hefen hinab noch nicht getrunken; so sollen
tausende noch
bluten?
Klopstock oden 2, 92 M.-P.;
dasz sie diesen bittern kelch aus pflicht trinken Zimmermann über d. einsamkeit 1, 10;
den kelch der trübsal, den ihr anderen
bereitet habt, mögt ihr nun selber trinken
Raupach dram. werke ernst. gatt. (1835) 5, 165.
blut trinken. von Christi blut im abendmahl:
thar drínket ir thaz minaz blúat,   thaz íu in ewon wóla duat
Otfrid IV 10, 14;
ich bin mit dem licnamen enbizzen der an dem cruce erhangen was. ich han getrunchen daz pluͦt daz uz cristes siten floz bei Diemer deutsche gedichte d. 11. u. 12. jh. 382; so lang du ym (Jesus) vertrawest ..., so ist er in dir und du in yme und das heyst eygentlich geessen sein fleisch und trincken sein bluͤdt, wie er das zugesagt Jac. Strausz beychtpüchlin (1523) e 2ᵃ. anders:
sieh an dies volk! wie ein löwe steht es auf!
wie ein junger löwe hebt es sich,
und legt nicht nieder sich, bis dasz es raub gezehrt,
bis es erschlagner blut getrunken hat
Herder 12, 161 S.;
die schmach ..., dasz feindes heere aus Donau, Elbe, Weser, Main und Lech und Jnn unser herzblut trinken J. v. Görres ges. schr. (1854) 2, 95;
Romeo: so (bleich), liebe, scheinst du meinen augen auch.
der schmerz trinkt unser blut
Shakespeare 1, 115.
blut trinken von einem despoten, der das leben der untertanen in nutzlosen kriegen opfert Krünitz 188, 102 (ähnlich schweisz trinken von der arbeit der untertanen prassen, ebda). im dichterischen gebrauch trinken blanke waffen das blut ihrer opfer:
und hat etwa sein blut der mörderstahl getrunken?
samml. v. schausp. (1764) 2, 55;
(gott spricht zum blinkenden schwert) auf, waffne rächende
trinke das blut des sünders! hände,
Klopstock Messias ges. 4, v. 201;
das schwert des kriegsgotts trinket der helden blut
grafen Stolberg ges. werke (1820) 4, 41;
säbel blink! säbel trink!
trink blut! trara!
Lenau n. ged. (1838) 266.
ganz uneigentlich:
dieses schwert, das völker frasz; und die tempel selbst entweihte;
das der erde jammer trank
v. Schönaich Heinrich d. Vogler (1757) 107.
h)
sprichwörtliches und redensarten: ein geytziger ist gleich wie ein gaul, der wein führt und trinckt wasser Lehman flor. pol. (1662) 1, 278; es ist bös: arbeiten und wasser trincken 3, 74. schlesisch: a hot sprōchwossr getrunka er versucht, hochdeutsch zu reden Rother schles. sprichw. 107ᵇ. fremdes wasser trinken buhlen, ehebruch treiben C. Schulze bibl. sprichw. 45; vgl. dazu:
daʒ die frouwen werdent êren bar,
die sich mit minne wellen
swechlich gesellen ...
daʒ si trinkent waʒʒer oder bier,
sô der wîn niht kumt gar schier
Ottokar von Steiermark österr. chron. 11388 Seemüller;
die quelle sind zwei bibelstellen: trincke wasser aus deiner gruben und flüsse aus deinem brunnen ... habe aber du sie alleine, und kein fremder mit dir spr. Sal. 5, 15; wie ein fuszgenger, der durstig ist, lechtzet sie (das schamlose weib) und trinckt das nehest wasser, das sie krieget Sir. 26, 15. — de wyn drinket, de mot ôk wyn betalen Tunnicius sprichw., nr. 1044 H.; trinck wein, so beschert dir gott wein sprichw., schöne weise klugreden (1548) 3ᵃ; die lieb trinckt nicht nothwein Lehman flor. pol. (1662) 3, 42; guten wein trincken und das wasser zu müle schicken Kramer 2 (1702) 1143ᵇ; er trinkt bösen wein er wird beim trinken zanksüchtig Schrader d. trinken 70. — es trinkt niemand eine kanne bier mit ihm omnes illum spernunt, etiam compotorum turba Frisch 1, 499ᶜ; trinke das bier, wie du es gekocht hast Rother schles. sprichw. 349ᵃ. — gegen vorschnelles urteilen: erst abwarten und dann tee trinken R. Delcourt expressions (1917) 84ᵃ ('berlinisch'). — von einem bösartigen menschen: er hat eine böse milch getrunken Binder 133; sie haben einerlei milch getrunken sind gleichen charakters Wander 3, 660. — der ka sei suppe trinken verdient wenig Fischer schwäb. 2, 386. — vgl. noch: dann eyn ganz ungewonlicher tranck umb den senff ist, daher denn das sprichwort kommen, dasz man fragt: welcher jemals den senff getruncken Alemannia 10, 208.
3)
mit einem präpositionalen object. trinken in etwas: wenn ich denn ... im ungerischen wein stark getrunken, als hat mich die gicht ... hart angegriffen Hans von Schweinichen 3, 218 Büsching:
der Deutsche hat von je zu tief getrunken
in meth und bier, in wein und anderm geiste
Klaus Groth ges. werke (1893) 4, 210;
meist in verbindung bzw. in abhängigkeit von einem weiteren objekt: wann du des vornehmsten gasts gesundheit im bier oder wasser trinckest Tölpels baurenmoral (1752) 42;
ich trinck im ersten glas dein wohlseyn in gedanken
samml. v. schauspielen (1764) 1, 6;
nächte, ... da wir seine gesundheit im letzten guten Rheinwein trunken Herder 4, 434 S.; trinken (sie) Dorias untergang in meinen ziprischen weinen Schiller 3, 300 G.;
und greise trinken das leben in ihm (dem wein)
Joh. Ad. Schlegel verm. ged. (1787) 1, 37;
Lenes gesundheit haben wir gestern in trefflichem Frontignac getrunken Moltke schr. u. denkw. (1892) 6, 179. wendungen wie sich in etwas voll, frisch, tot trinken u. s. w. auf sp. 575. s. auch von etwas trinken, sp. 566.
C.
trinken erweitert durch typische präpositionale orts-, bzw. richtungsbestimmungen.
1)
trinken ab. über den seltenen gebrauch der präposition neben bestimmten verben s. teil 1, 7. in den älteren obd., insbesondere alem. arzneibüchern wird trinken ab im sinne von 'einen absud, aufgusz, einen tee (aus heilkräutern) trinken' gebraucht, jedoch mit deutlichem lokalen urgrund. s. den gleichen gebrauch bei trinken über, von: abe boleien trinken (um 1305) zeitschr. f. dtsch. altertum 6, 354; abe salbeiien trinken und abe ruten 358; man sol nemen bethonien unz und 1 seytl warms wasser und ee in das fieber begreiffen, so soll er darab trinkchen (15. jh.) ebda 17, 228; man sol ruten in weyn syeden und darab nuechter trinkchen ebda; die (frau mit dem toten kind im leib) trinkch ab dem peypos, so wirt sy ledig ebda; und er sol täglich trinken ab raten und lübstechen Kuhns zeitschr. 20, 389; und ensol nit frowen haben und sol man trinken ab vigensaft und eppichsamen ebda; im hömonat ist guot nüchterling eple genossen und ab salbinen getrunken ebda;
isz speisz berayt mit specerey
ab benedict trink und salvey
Alemannia 5, 244;
vor kelt und frost dich wol bewar,
ab zimmt magst du trinken zwar
255;
nimb tormentillam und nachtschatten, gib dem pferdt darab zutrincken Seutter roszartzney (1588) 179; nim ein hirschcreutz, legs in dein trincken, trinck ettlich tag darab Gäbelkover artzneybuch (1596) 1, 165ᵃ; trincke ab braunwurz (1620) Schmeller-Fr. 1, 11. in den Schweizer mundarten ist der gebrauch erhalten, s. Staub-Tobler 1, 25: der kranke musz oft ab gersten, ab hafer, ab wurzeln und kräutern trinken Pestalozzi 9, 528 Seyffarth; ab nebes trinka einen thee von etwas trinken Tobler appenzell. 2ᵇ; ab chriesi, ab brubeerblacka trinka einen aufgusz oder absud von kirschen, von brombeerblättern ebda; massenweise wird ab kamille, lindebluest trauche (getrunken) Friedli Bärndütsch 1, 459. anders, mit einem richtungsmoment:
div goltfaz, da er abe tranc,
di warf er al in sine scoz
Lamprecht Alexander v. 3119;
das selbig vergifft wasser in den guldin kopff goss auff ires liebsten bulen hertz ... und das vergifft wasser ab dem hertzen alles dranck Montanus schwankbücher 232 Bolte; do tranc ich ab einem schönen brunnen Felix Platter tageb. 176; schweizerisch: wasser trinkt man oft ab den brunnenröhren Pestalozzi 9, 528 Seyffarth.
2)
trinken an. an der mütterlichen brust: die an der muttermilch getruncken, die können auch hernach wein trincken Lehman flor. pol. (1662) 1, 198; das lamm ... trank an seiner mutter Ad. Stifter sämtl. werke 5, 1, 277; bildlich: unter allen, die an den brüsten der majestät trinken, kommt die favoritin am schlechtesten weg Schiller 3, 389 G.;
freude trinken alle wesen
an den brüsten der natur
ebda 4, 2;
an ihrem (der Muse) vollen busen trank ich leben
Novalis 4, 52 Minor.
anders: ich habe mit innerer freude getrunken an seinen (des mittelalters) stillen brunnen J. Grimm kl. schr. 1, 31. vgl. unten wendungen wie sich an etwas satt, trunken trinken; den tod an etwas trinken u. ä., sp. 573f.
3)
trinken auf. örtlich: gantze gerste, die nit geschroten ist, sollen sie (die ochsen) bey leibe nit essen, dann so balde sie darauf trincken, qvillets inen im leibe viehbüchlein 9. zeitlich empfunden, doch wohl ursprünglich örtlich: auff das essen trincken post cibum potionem sumere Aler dict. (1727) 1919. für gewöhnlicheres in: af d hitz trinkn Wenisch nordböhm. 41.
4)
trinken aus: aus einem becher, glas, kelch, krug, aus einer flasche, schale, kanne trinken;
trinckst milch aus deiner mutter brust
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 327ᵃ;
mit affektgehalt aus gold trinken:
so (dürftig) speiszte sie zu Sterlyn ihren gatten,
da sie aus gold mit ihrem buhlen trank
Schiller 12, 401 G.;
sie sollen ... aus gold trinken Fr. L. Schröder dram. werke (1831) 1, 7. oft im bilde: item Deutschland wird mit peiniglichen schmertzen gepeiniget und wird truncken (l. trüncken) aus dem kelich des zorns Jac. Pflaum ettlich weissagung (1532) b 2ᵃ; aus dem becher der wohllust trinken Bürger 307 Bohtz; die bourgeoisie, die nie tief aus dem becher der humanität trank Fontane I 4, 272; sprichwörtlich: er acht keins glantzes, trincket ausz eim hafen sprichw., schöne weise klugreden (1548) 366; aus einem leeren gefäsz trinken ein zeichen von armut: we ... uth ledigen beckeren drincket ..., dene ys veel ungeluckes bescheert Husemann spruchsammlung, nr. 73 Weinkauff; ausz ledigen krügen ist nicht gut trincken Petri d. Teutschen weish. (1604) 2, k 2ᵃ; mein voter hat mich nich larnen ausz annem leere glose trincken Robinson sprüchw. (1726) 24; dann öfter als umschreibung für unmögliches, unwahrscheinliches tun:
einen mohren weisz erwaschen,
trincken ausz geleerten flaschen,
einen esel nackt beschehren,
eine sackpfeiff abehären
Logau 149 lit. ver.;
man wird aus leeren kannen trincken,
man wird das maul mit peche schmincken
Chr. Weise grünend. jugend 123 ndr.
besondere wendungen: o nein, ... es hat weit die meynung nicht, sonst dörfften ihr kein wein ausz knebelspisen trincken Fischart Garg. 21 ndr. (vgl. hierzu teil 5, 1379); he sütt ut, as wenn he ut dem brodtkorve drunken heft er sieht betrübt aus. denn aus dem brodtkorbe läszt sichs nicht trincken Strodtmann id. Osnabrug. 306; aus des büttels flasche trinken einen schandstein, oft in flaschenform, am pranger um den hals tragen Schrader das trinken 61; aus dem stammende trinken, vgl. teil 10, 2, 653. aus einem natürlichen wasser trinken:
(Mars musz) hitz und kält ertragen
offt trincken ausz der bach
Opitz teutsche poemata 97 ndr.;
ein flusz in Hetrurien triebe den ochsen ..., so aus ihme truncken, weisze haare aus S. v. Birken ostländ. lorbeerhäyn (1657) 62; fremde kriegsrosse trinken aus heimischen gewässern ein bild der demütigung (s. auch bei tränken, sp. 1209):
denn eh der rocken
gelb wird, eh sich die mondesscheibe füllt,
wird kein engländisch rosz mehr aus den wellen
der prächtig strömenden Loire trinken
Schiller 13, 184 G.;
eh wälsche rosse
aus den Sachsenbächen tranken
Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 105.
bilder: etlich us den waren brunnen (des evangeliums) selbs trinkend, ... etlich aber ... gond nun an die bächli, so darus geflossen sind H. Zwingli deutsche schriften 1, 36; (Luther) welcher vil tausent menschen zu dem waren brunnen Cristum Jesum gefüret hat. usz welchem brunnen eyn yetlicher dürstiger ... trincken mag H. v. Cronberg schr. 3 ndr.; aus der quell der kunst trincken Fischart 3, 121 Hauffen; schicken die eltern ihre weinhänlen und zarte junckerlein ubers meer ..., so vermainen solche gesellen, dasz sie aus allen wassern trincken ... müssen Albertinus Lucifers königreich 194 nat. lit.; der mann soll sich seines weibs in der jugend brav bedienen und aus ihrem brunnen trinken (1782) Scheible kloster 1, 127. sprichwörtlich: ausz kleinen brünnlein kan man auch gnug trincken Lehman flor. pol. (1662) 1, 144. aus der hand trinken als sinnbild für einfachheit: sollte man nicht ... den becher wegwerfen und lieber aus seiner hand trinken Brentano Godwi (1801) 1, 96;
(er) schläft auf harter erde
und trinkt aus hohler hand
J. Kerner dichtungen (1834) 39;
ein zeichen von zutraulichkeit:
(ein schäflein) das for aus seinr hant drunck und as
H. Sachs 18, 212 lit. ver.;
es trank der renner aus ihrer hand
den rothen burgunderwein
Strachwitz ged. (1850) 59;
bildlich: leben aus der hand des schöpfers trinken Ad. Stifter sämtl. werke 2, 100.
5)
trinken in: trinck nicht in die suppen Petri d. Teutschen weish. (1604) 2, T t 6ᵇ; je besser wein, je besser dauung, nicht weis ich, wo das ungeschickte sprichwort herkommt, dasz man nicht in den stockfisch trincken soll Grimmelshausen traumgeschicht (1660) 23; ins essen trinken Georges deutsch-lat. wb.⁷2, 1311; trink nit so geitig wasser in d hitz Martin-Lienhart 1, 286 (vgl. oben auf die hitze); ähnlich im 14. jh.: men sol aber guͦten win in nuͤhtern trinken zeitschr. f. dtsch. altert. 6, 351; man sol süsse ding in nuͤhtern essen unde trinken 354; wasser in nuͤhtern trinken 358. in sich trinken: wer hönig in sich trinket, daz niht geschäumt ist, den plaet ez Konrad von Megenberg buch d. natur 293 Pfeiffer;
vor Gottlieben an dem Rin
da huͦb sich grosse not;
da jagt man vil der Schwaben in,
die in sich trunken den tod
(1499) schweiz. volkslieder 2, 79 Tobler;
darzu bin ich yetz aber kranck,
drumb das ich nächt zvil in mich tranck
H. R. Manuel weinspiel v. 2717 Odinga;
imbibo in sich trincken Calepinus XI ling. (1598) 679ᵇ; bildlich: trinke das öl und den wein in dich, welchen das mitleiden eines fremden ... itzt in deine wunden geuszt Bode Yoricks empfinds. reise (1768) 2, 145. weitere beispiele dieser konstruktion s. u. sp. 586 unten. ähnlich: in die gurgel, die zähne, in den kragen trinken:
ich bring dir vor eyn becher weyn,
Mistes, den drinck in d gurgel dein
Schertlin künstl. trincken (1538) c 2ᵇ;
trincks in die zänn
Fischart Gargantua 148 ndr.;
drincks tu wasser in dein kragen,
über disch erkält dein magen
(1618) Alemannia 7, 233.
6)
trinken über. örtlich: und in diesem gespräch hatt der knabe durst ... und gienge über einen brunnen, so nicht weit von dannen, zu trinken Amadis 39 lit. ver.; vgl. mhd.:
dô der hêrre Sîfrit   ob dem brunnen tranc
Nibelungenlied 922, 1.
älteres über tische für bei tische trinken, seit Luther. der gebrauch erklärt sich aus dem lateinischen der vulgata: super mensam meam. das ir essen und trincken solt über meinem tische Luc. 22, 30 (erste dtsch. bibel und cod. Tepl.: auf); ein herr het ein magt, die über tisch nimmer kein wein trincken wolt Montanus schwankbücher 45 Bolte; weins, ... den die herrn ... über tisch trinken (1606) rechtsalterthümer⁴ 508; was soll man über tische trinken? Bennert trinkkunst 114; dreimol über tisch getrunken, ist das allergesundeste Wander 4, 1315. dann über der mahlzeit trinken: man findet einige, die über der mahlzeit nicht trinken Marperger dict. (1716) 1203; über der mahlzeit trinken nouv. dict. al.-fr. (1762) 916. von einem heilkräftigen absud, im gleichen sinne gebraucht wie trinken ab, von: ochsenzung, schlangenkraut vertreibt traurigkeyt, wenn man darüber trinckt Alberus (1540) c c 4ᵃ; uber mansztrew getruncken, treibt den harn Lonicerus kreuterbuch (1564) 149ᵇ; nesseln mit wein gesotten und darüber getruncken, vertreibt den husten 184ᵃ; uber disz kraut mit dem samen getruncken, bringt den frawen ir blumen und macht sehr harnen 204ᵃ; über kräuter trincken bere nell' infusione di herbe salutifere Kramer 2 (1702) 1143ᶜ; vgl.: (in einem kalender v. j. 1573) sind über jeden monat versificirte belerungen, an welchem monate ader zu lassen, ... über benedict und salbei zu trinken, salat zu essen ist Alemannia 5, 244. mehr local zu verstehen: etlich pflegen dise wurtzel in die sewtrög zu nageln, dasz die säw stäts darüber essen und trincken Lonicerus a. a. o. 145ᵇ.
7)
trinken von. vom wasser, vom wein, vom brunnen u. s. w. trinken, ursprünglich vom wasser, vom brunnen weg, sekundär dann von der substanz: am fewer flosse ein küles wasser, darvon etliche trancken volksb. v. dr. Faust 52 Braune; und wie sie etwas mit einander gegessen hatten, truncken sie von dem klaren, wie er in dem Rhein bei Cöln vorbey leuft R. Capell norden (1678) 130;
soll denn doch getrunken sein,
trinke nur vom besten wein
Göthe 6, 204 W.;
und dieweil ich so nahe dabey bin, wil ich auch absitzen und davon (vom brunnen) trincken Amadis 234 lit. ver.;
wir baide truncken von dem brunnen also süse
Th. Hock schönes blumenfeld 13 ndr.;
ich eilte zu seinem ufer, trank von seinem (des Niger) strom Ritter erdkunde 1, 423; bildlich: wann der do trinckt von disem wasser daz ich im gib, den dúrst nit ewiglich (Joh. 4, 14) erste deutsche bibel 1, 347; trankst du von dem bittern becher der welt Herder 12, 26 S.; ich habe wenig von den quellen (Aristoteles, Plato, Xenophon) selbst getrunken Heinse 4, 21 Schüdd.; sprichwörtlich: wer den wein getruncken, der musz mit von hefen trincken Lehman flor. pol. (1662) 2, 577; er hat vom krakehlwasser getruncken lärmt im rausch Schrader d. trinken 69. von einer heilpflanze trinken ihren aufgusz, absud, tee trinken, im gleichen sinne wie bei trinken ab, über: welche fraw ein todt kind in ihr hett, die trinck von chamillen, sie geniszt und wirt des ledig Lonicerus kreuterbuch (1564) 166ᵇ; wer innwendig geschwollen ... were, der trinck von chamillenblumen, er geniszt ebda. einige seltenere räumliche anwendungen: zum andern, wird das niemand leugnen, das wir das heilige sacrament des altars haben, gleich und eben, wie es Christus selbs eingesetzt ... und essen und trincken also mit der alten und gantzen christenheit von einerley tissch Luther wider Hans Worst 13 ndr.; besser trincken von einer fliegen, als von einem weydenblat, denn das felt ins wasser, da ein fliege wol in gutem bier oder wein ligt Petri d. Teutschen weish. (1604) 2, k 7ᵃ; (kleine kinder) wann sie von der mutter wollen trincken, wenden sie sich zur mutter, wenn sie satt seyn, wenden sie sich von ihr Lehman flor. pol. (1662) 2, 581; von seiner mutter hat er sie (die wildheit) getrunken Hans Watzlik der alp (1923) 41.
D.
trinken mit modalen zusätzen.
1)
mit adjectivadverbien.
a)
auf geschmack oder temperatur des getrunkenen bezüglich, warm, kalt, süsz, sauer u. s. w. trinken: das gebrandt wasser ... warm getrunken Bock kreutterbuch (1580) 3; süsz getruncken, saur bezalt Seb. Franck sprüchw. (1541) 2, 23ᵃ (u. oft in sprichwortsammlungen); den caffee gerne süsz trinken A. G. Kästner verm. schr. (1755) 1, 119; laulicht trinken Zedler univ.-lex. 44, 1985; im sommer trinken sie (die milch) viele leute gern sauer und kalt Pestalozzi 9, 528 Seyffarth; erhitze dich nicht und trinke nicht kalt Stifter studien (1856) 3, 35. häufig ist die wendung wohl, gut essen und trinken: behagunge des fleischis ist wol ezzin, wol trinkin paradisus anime intelig. 21 Strauch; opifex, der ein sölch handwerck treibt, dabei man wol iszt und trinckt, als koch, keller Alberus (1540) n 1ᵃ; ihre clubs, wo sie zusammen kommen, und sehr gut essen und trinken Archenholz England u. Italien (1785) 1, 1, 120; Schlegel, der in Amsterdam gut ist und trinkt Caroline 1, 76 Waitz; er isset gut und trincket nicht übel ò trincket besser Kramer 2 (1702) 1143ᶜ; gut essen, und wo möglich noch besser trinken Göthe 21, 57 W. mit zu konstruiert: was den Belum oder Belwasser belangt, ... der sey nicht gut zu trincken Mathesius Sarepta (1571) 2ᵇ; cosa buona da bere so gut zu trincken ist Hulsius (1618) 2, 58ᵇ; wie man grob und sauer bier gut und lustig zu trinken soll machen (1690) bei Gräsze bierstudien 243; geusz es in das fasz, das bier wird lustig zu trinken, so es gieret ebda; (wasser) das zu trinken gut und lieblich Neumark palmbaum (1668) 58.
b)
das adverb ist auf das subjekt bezogen; im folgenden eine auswahl typischerer verbindungen. gern, höflich, klein, künstlich, lustig, mäszig, sittlich, stet, wenig, ziemlich trinken:
wol uf ir gesellen in die tabern!
aura luce rutilat.
ach lieben gesellen, ich trünk so gern!
sicut cervus desiderat
(15. jh.) Hoffmann v. Fallersleben in dulci jubilo 90;
ein weib das gerne trinckt, speyt unversehens ausz
ihr ehr, ihr gut gerücht
Logau 253 lit. ver.;
pitisare clein trincken (1495) Diefenbach gl. 438ᶜ; künstlich trincken. eyn dialogus von künstlichem und höflichem, auch vihischem und unzüchtigen trincken L. Schertlin (1538) buchtitel; gar lustig trincken Scheit Grobianus (1551) v. 2554;
eyn wiser mäszlich drincken kan
Brant narrenschiff 19ᵇ Zarncke;
ein guten Traͤminer ... mässig zu trincken Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 33;
eyn wiser ist, wer syttlich (gemach, langsam) drinket
Brant narrenschiff 18ᵇ Z.;
drinck sitlich und huest nit darein
meisterlieder fol. 23, nr. 212;
pitasma stete drinken, pitisare stetis drincken o. spirczeln (15. jh.) Diefenbach gl. 438ᶜ; sorbillare wenig drincken (15. jh.) ebda 543ᵃ; potissare wenig trincken (anf. d. 15. jh.) ebda 450ᵇ; zimlich und messig trincken fastnachtsgesprech (1582) b 1ᵇ. nüchtern trinken mit nüchternem magen: ir einguz sterkt der unkäusch gelider, wenn man si nüechtarn säuft und trinkt Konrad von Megenberg buch der natur 389 Pfeiffer; ich mag nicht nuchtern trincken (1423) in Bayerns mundarten 2, 436; man sol ruten in weyn syeden und darab nuechter trinkchen (15. jh.) zeitschr. f. d. altertum 17, 228; unter dem keyser Tiberius ... ist die monier gewest, das si nüchteren getruncken und das weintrincken dem essen vorgieng Eppendorff Plinius (1543) 234. anders, trinken, ohne berauscht zu werden:
wer mir wil dienen vesteklich
mit mir stet nüchter trüncken gert
der wirt dreye gab von mir gewert
von s. Johans trunck 4ᵃ.
derb, emsig, fest, geizig, heftig, säuisch, scharf, schwer, stark, steif, tapfer trinken: sie fangen an, derb zusammen zu trincken Lichtenberg aphorismen 2, 27; ausz embsigen essen und trincken Scheit Grobianus 8 ndr.; du solt vast essen und trinken Seuse 9 Bihlmeyer; trinckend nür vast, damit das dy vasz ler werden (1483) bei Steinhausen privatbriefe 2, 76; warumb zehern die augen, wan man vast trinckt oder lacht problemata Arestot. (1492) 4ᵇ; in deme sie domahlen viel fleisziger sollen getruncken haben als jetzo Prätorius anthropod. plut. (1666) 1, 179; geitzig (gierig) trincken avide poculum siccare Steinbach dtsch. wb. 2, 874; nun wust sie wol, das ir mann hefftig drancke Montanus schwankbücher 338 Bolte; das überig sewisch trincken meiden und abstellen Schertlin künstl. trincken (1538) a 2ᵃ; da man denn scharff tranck, wie es in Salinde gebräuchlich Melissus Salinde (1718) 28; vier wachtlokale mit maschinengewehren bemerkte ich, in denen gleichfalls schwer getrunken wurde Dwinger zwischen weisz u. rot (1930) 17; das die menschen auff wol trincken starck und bald entschlaffen Fortunatus 57 ndr.; wir trincken nicht starck Kramer 2 (1702) 1144ᵃ; einige männer hatten stark getrunken Göthe 22, 273 W.; wie die gäst ... bei der groszen mahlzeit des königs Balthasar steif wein getrunken Abr. a s. Clara 10 (1836) 193;
sy wollen dapfer trinken
(1513) Aug. Hartmann hist. volksl. 1, 4;
ein schmackhaftes mahl ..., wobei zugleich tapfer getruncken wurde Nettelbeck lebensbeschr. (1821) 2, 170. überaus, -flüszig, -grosz, -mäszig, übrig, unhöflich, -mäszig, -züchtig, viehisch, viel, wacker, weidlich, wohl trinken: so man gar über aus drünck Wickram siben hauptlaster (1556) 87ᵇ; wer überflüszig trincket und im ambt sich davon übergibt, soll dem ambt eine tonne bier zur straffe geben (16. jh.) Rigaer schragen 499 Stieda-Mettig; da das übergrosz drinken ain ehr ist Zimm. chron. 3, 527 Barack; bibacitas das ubermässig trincken Calepinus XI ling. (1598) 160ᵃ; unde sol man in (wein) doch niht überriges trinken, wan von trunkenheit kumet vil übler dinge (13. jh.) schwabenspiegel, landr. cap. 147 Wack.; helvere uberig trincken (anf. 15. jh.) Diefenbach gl. 274ᵇ;
so man unhöflich disen (wein) trinckt
und sewisch in den wanst hin schlingt
Schertlin künstlich trincken (1538) c 4ᵃ;
so wir aber den wein unmäsziglich drincken
Wickram siben hauptlaster (1556) 74ᵃ;
viehisch, unzüchtig trinken s. oben bei künstlich trinken;
ik drank vele, ôk sat ik ein weinich to lange
des dodes danz, v. 785;
hastu ze vil getruncken, so gee schlaffen Arigo decamerone 85 Keller; durch vieles trinken während der mahlzeit Bremser med. paröm. 233;
ja, ja, die (väter) trunken wacker wein,
wie konnten sie nicht redlich seyn
Lessing 1, 119 L.-M.;
(die frau) ihn hies, er solt nur waidlich drincken Montanus schwankbücher 338 Bolte; wohl trinken in der bedeutung 'viel', im gegensatz zu 'gut' unter 1ᵃ: so einer wol getrunken het, das im die zung, sein bein und ander gelider versagten in zeitschr. f. dtsch. altert. 3, 29; das gesalzene fleisch macht wol trincken Kramer 2 (1702) 1144ᵃ. studentisch: man soll trinken utiliter, realiter, familiariter, mirabiliter, solemniter bei Schrader das trinken 5; florικῶς, haustικῶς trinken jus potandi (1616) b 1;
inque tuam florικῶς nunc trinkat quisque salutem
(makar. gedicht, um 1700) Weimar. jahrb. 2, 453.
2)
zusätze und wendungen, vornehmlich aus der trinkersprache, art, fülle, form des trinkens ausdrückend.
a)
über natur, masz, mensur, über den durst, über die schnur, ein glas zuviel trinken:
jedes thier halt im trincken zyl,
uber natur trinckt keyns zuvil
Gregor Wickram Obsopei v. d. kunst zu trincken, buch 2, v. 378;
uber masz und natur (die doch mit wenig zu friden ist) trincken Scheit Grobianus 5 ndr.;
guͦt wein sie druncken über d masz
Schertlin künstlich trincken (1538) d 4ᵇ;
erstlich so ein sanguinius,
der von dem lufft hat sein einflusz,
den wein trinckt uber die mensur
Hans Sachs 4, 238 lit. ver.;
mann hat ubren durst truncken Schönsleder prompt. germ.-lat. (1647) l 8ᵇ; dasz er häufig über den durst trinkt Ötker lebenserinnerungen 1, 167; im leben hatte Peter auch keinen fleck, auszer dasz er zuweilen ein gläschen übern durst trank v. Hippel lebensläufe (1778) 1, 390; ich trank etwas über die schnur H. P. Sturz schriften (1779) 2, 410; ja, wenn ich noch wenigstens ein glas zu viel getrunken hätté Schiller 14, 163 G.
b)
nach der pause, bei fuder, nach wollust, für zwei, für zehn u. s. w. trinken:
merck, was Ecclesiastes seit
das neuntzehend caput durchausz!
spricht, so man wein trinckt nach der pausz (andauernd?),
wie sehr ein (l. einer) werck, werd er nit reich
Wickram 4, 106 Bolte;
derhalben pfeiff auff bruder,
ich lig auch gern im luder,
ich saugts von meiner muter,
die tranck es nur bei fuder
Fischart Gargantua 69 ndr.;
zum dritten, so mit uberflus
wein trincket der flegmaticus
H. Sachs 4, 240 lit. ver.;
man trinckt recenter, nicht nach durst, sonder nach wollust, auch offtermals nit nach wollust, sonder nach unlust Albertinus de conviviis et compotat. (1598) 34ᵇ; der iszt und trinkt für zwey Wieland (1796) 18, 354; (er) asz und trank für zehn v. Ebner-Eschenbach (1893) 1, 95.
c)
mit vollen bechern, bis zu der tiefe, bis zu dem hefen, mit einem trunke, in einem zuge, in vollen zügen, bis auf die nagelprobe trinken: (bildlich, von der brust Jerusalems) da schepphint die starken. daz die vollencuͦmenen mit vollen bechirn trinken (14. jh.) bei Leyser dtsch. predigt. 131; (Jerusalem) du hast getruncken unz zu der tief des kelchs bibel v. j. 1483, 345ᵃ (Jes. 51, 17); auf die gleiche bibelstelle greift Klopstock gern zurück, z. b.:
du dachtest an uns, barmherziger, als wir
bis zu dem hefen getrunken hatten den kelch des todes
Messias (1780) 351.
bibere uno impetu mit einem truncke trincken (1517) bei Diefenbach n. gl. 52ᵃ; in einem zuge trincken liquores in se immergere ductim Steinbach dtsch. wb. 2, 874; wir tranken die seligkeit der liebe in vollen zügen Fichte sämtl. werke 8, 443; (der salamander) war ein bierspiel in drei tempos, bei welchem die ganze gesellschaft ... auf das verhängnisvolle drei trinkt bis auf die nagelprobe Schulze-Ssymank studententum 250.
d)
bei oder zu halben und vollen (ganzen, gleichen), zu ganzen (kannen), halb, ganz und halb, mnd. half unde heel, (gestrichen) voll trinken u. ä.: item wer zu halbenn ader zu follenn trincket ... der sal dem rate v gr. vorpenet sein (1487) Freib. urkundenb. 3, 475;
mine kumpane begunden mit mi to dullen,
wi drunken dat bêr bi halven unde bi vullen
des dodes danz, v. 1364 Baethcke;
du en scalt nicht af drinken bi vullen eder bi halven alse ein Eiste (Ehste) Schiller-Lübben 2, 230; he was ganz nuchteren, dat he tho helen (ganzen) und tho halven nicht dranck ebda; das trinken zu gleichen, vollen und halben nit zu gestaten (1495) bei Bauer durst 292;
der ist ein held, der solchs wol kan
all kandel, krausen, willkum grosz
kan trincken zu halbn und gantzen masz
Eyering proverb. cop. (1601) 1, 805;
plenis cantharis bibere zu gantzen trincken A. Siber gemma 101; totales — wenn man zu gantzen trincket jus potandi 16 Oberbreyer; zu ganzen kannen trinken plenis cantharis bibere Steinbach dtsch. wb. 1, 827; sauffts gar ausz, dann halb trincken ist bettlerisch Fischart Gargantua 29 ndr.; habs auch gern vernommen, dasz du einen steifen fürsatz hast, weder gantz noch halben mehr zu trinken (1563) bei Scheible schaltjahr 1, 298; bi den beerpotten to sittende unde half unde heel to drinkende bei Schiller-Lübben 2, 230; nicht den andern overflodig nodigen mit groten schalen, kannen und kroesen heel oder halff tho drincken ebda; voll, gestrichen ò geschwabbelt voll trincken Kramer 2 (1702) 1144ᵃ.
e)
um und um, auf (nach) der reihe, runda, (im kreise) herum, in die (der) runde, nacheinander, um die zeche trinken: dryncken umb ind umb circumbibere v. d. Schueren Teuthonista 81 Clignet; up de rige drinken im kreis herum (16. jh.) s. Kluge stud.-spr. 29; facere, ut obambulet poculum auff der reihe fort trincken nomencl. lat.-germ. (1634) 63; auf der reihe trincken bere alla ronda ò in giro Kramer 2 (1702) 1144ᵃ;
nuhn setz ich an, wil nach der reihe trinken
Ph. Zesen verm. Helikon (1656) 2, 34;
item das Runda und bruͤderschafft trincken Marperger küchen- u. kellerdict. (1716) 1205;
so drincken wir herumb, und küsset ihr mit masz,
so werden frischer wir
Weckherlin 2, 386 lit. ver.;
und so trinkt man im kreise herum Göthe 7, 195 W.;
man trinkt in die runde schon dreimal und vier
1, 207;
das in der runde trinken (circumpotatio) Meyers lex.⁶ 19, 722ᵇ; nacheinander trinken viele aus einem gefäsz Schmeller-Fr. 1, 668; mer trinkent nach einander aus einem glas Fischer schwäb. 2, 385. das folgende vermutlich zu zeche 2 a, teil 15, 423, also 'nach der reihe':
trinckt lieber um die zech, wenn es euch ja so dürst
Leberecht Blaustrumpf vier poszierliche gedichte (1746) 20.
f)
wieder, offenbar, aber eins, darauf, ein genannts, zugleich, verschisz, pro poena, bescheid trinken: rebibere wider trincken; offenbar vel aber eins drincken (15. jh.) Diefenbach gl. 486ᵃ; superbibo ubertrincken, nahin- (l. nachhin-)trincken, auff den vorigen trunck trincken, darauf trincken Frisius dict. (1556) 1270; ein genannts trinken bibere ad numerum Maaler 408ᵇ; bere insinue zugleich trincken Hulsius (1618) 2, 58ᵇ; verschisz trinken eine studentische sitte, bei der die füchse schlechtes schenkbier trinken muszten, angeblich vom frz. verchu trinken, s. Vollmann burschikoses wörterbuch (1846) 490: diese uralte burschicose sitte, verschisz zu trinken, hat sich auf den hochschulen bis heute erhalten, obschon die frühere, oft rohe und barbarische behandlungsart der füchse ... einer humaneren wich ebda; verschisz trinken heiszt auch, sich aus dem jamm (d. i. verruf, bierverschisz) herauspauken ebda; pro poena trinken zur strafe, studentisch, seit dem 18. jh., s. Kluge studentenspr. 116; Krünitz 188, 101; zeitschr. f. dtsche wortforsch. 4, 313; bescheid trinken, wofür heute bescheid tun:
mein tapfrer Taillefer! komm, trink mir bescheid!
Uhland (1898) 1, 274.
g)
die haut voll, auf die haut, aufs leder trinken: die haut voll trincken explere sitim Maaler 408ᵃ; intemperantius haurire Aler (1727) 1919; einander zutrincken bey denen sauffbrüdern so viel heiszet als einander brav auf die haut trincken Marperger küchen- u. kellerdict. (1716) 1205; allein da ihm ... immer ein pocal nach dem andern aufs leder getrunken wurde zwey westphäl. Robinsons (1748) 43.
h)
auf hofrecht, hofart trinken, vgl.'nach hofrecht more aulico, mit einem also umgehen, und sich doch vorbehalten, was man sonst mit ihm auszumachen hat' Frisch 1, 461ᵃ: (trincken) auff hofrecht Fischart Gargantua 149 ndr.; auff hoffrecht trincken Zeiller episteln (1648) 1, summarium b 2ᵃ (1, 196 erläutert: wann einer injurirt worden, so pflegt er den becher mit sonderlicher protestation anzunehmen, welches die Teutschen auff hoffrecht nennen, das ist, salva injuriarum actione); auff hofrecht trincken Moscherosch Gumpelzhaimeri gymnasma de exercitiis academicorum (1652) index (s. 434: sed plerumque bibunt litigantes, saufen auf hofrecht miteinander, salva injuriarum actione); auf hofart mit einem trinken sine praejudicio honoris et juris sui compotori respondere aut propinare Stieler (1691) 58.
i)
auf borg, an ein kerbholz, auf einen (hin) trinken: auf borg trincken to drink upon credit Ludwig teutschengl. 2033;
trinkst du auf borgen,
so machst du neue sorgen
Wander 4, 1320;
an ein kerbholz trinken auf rechnung, sodasz die schuld nicht in des wirts beutel, nur ans kerbholz kommt, s. teil 5, 564; auf einen hin trinken auf seine rechnung Fischer schwäb. 2, 385; eps uf einen trinken auf jemandes rechnung Martin-Lienhart elsäss. 2, 761.
j)
einen Bernhard, eine ürte, einen schlabutz, ein kleeblatt, einen kühsuff, einen katzentrunk, den murlepuff, carlemorlepuff, die parlenke, einen guten stiefel, den garaus trinken:
etlicher hat ein trunck gespart
der kam und tranck ein Bernhart
(weinspruch, 15. jh.) altdeutsche blätter 1, 413;
se hin, trink ain guten Pernhart
dasz dir kain geluck schad
fastnachtspiele 432 Keller
(wohl 'ein guter schluck'. s. Bernhard war gewissermaszen patron der trinker, in einem gedicht d. 16. jh. 'von s. Johans trunck' heiszt es, dasz man mit ihm zu trinken anhebe und dasz die trinker dem guten s. Bernhard dienen mögen); das er mit einem luterischen munch ein orten getruncken hat in eim wirtszhaus Eberlin v. Günzburg 3, 179 ndr.;
ey nüt dann guts, send, trinckend hie!
trinckend redlich ein gutten schlabutz (guten trunk)
H. R. Manuel weinspiel, v. 263 Odinga
(s.schlabutz teil 9, 231); kleeblatt trinken s. teil 5, 1062:
wer mir dry kleblatt zuo her drinckt,
vor fülle zuo der erden sinckt
Thomas Murner die mülle 34, v. 1008 Albrecht;
trincken ... hie diesz kleplatt zu sampt dem stil Fischart Gargantua 148 ndr.; einen kühsuff trinken (stehend) ohne atem und in einem zug trinken, s. teil 5, 2583: trincken ... ein küsuff, das nicht sitzest nider, man heist dich sonst aufstehn wider ebda; katzentrunck wobei man dem, dem man zutrinkt, das getränk ins gesicht speit, s. teil 5, 302: trincken ... ein katzentrunck in eim funck ebda; zu murlepuff, carlemorlepuff s. teil 5, 2812 s. v. kurle, teil 6, 2717 s. v. murle: da must jr ... trincken ... den murlepuff auff einer guff ebda; da trunken sie carlemorlepuff, da soffen sie flores Chr. Weise erznarren 150 ndr.; die parlenke (parlanke) trinken, das wort ist unerklärt: die parlencke trinken, das ist einem eine grosze schale zuzutrincken, und wans schier ausse ist, das übrige in die augen und die schale ime auf den kopf, und davon musz keiner zornen Kanzow pomm. chron. 270 Medem; wenn es noch lustiger zuging, wurde die parlanke getrunken Bennert trinkkunst 59 (mit beschreibung nach einer quelle v. j. 1616); einen guten stiefel trinken wacker zechen Schrader das trinken 88; Meyers lex.⁶ 19, 723ᵃ, über den ursprung der redensart aus dem älteren stiefelförmigen trinkgefäsz s. Wander 4, 850; den garaus trinken ex trinken Borchardt-Wustmann (1925) 146, der ausdruck ist ins französische gedrungen: boire carrous, und ins englische: a deep carouse, s. ebda.
k)
trinken wie. im vergleich mit tieren:
wan du wilt leben lang und gsund,
isz wie ein katz, trinck wie ein hund
Alemannia 5, 52;
ähnlich bei Petri d. Teutschen weisheit (1604) O o 5ᵃ; trincken wie ein kuh Junius nomencl. (1567) 105; es soll einer trincken wie ein kuh, die hört auff, wenn sie den durst hat gelöscht Lehman flor. pol. (1640) 779; trincken wie ein frosch dem trincken gar ergeben sein Henisch 1260; er trinkt wie des papstes maulesel, den man zur vesper zur tränke reitet Wander 4, 1323; wie ein kameel ebda; trinke wie die gans, aber frisz nicht wie die gans Körte nr. 1743; drenken ewei èng onk (unke) wb. d. lux. ma. 71; trink wasser wie ein ochs und wein wie ein könig Lüpke seemannsspr. 130;
im märz muesz me trinke asz wie e meis,
im april asz wie e geis,
im mai asz wie e kueh,
do wird eim s ganz johr dr wi nit thue
Alemannia 7, 230.
im vergleich mit personen: trincken wie eine jungfer bere da donzella cioè à ciantellini Kramer 2 (1702) 1143ᶜ; 'nüpfen oder sippen' Ludwig teutsch-engl. 2023; trinken können wie ein hatschier ein redliches masz Schmeller-Fr. 1, 1171; er trinkt wie ein Deutscher Schrader d. trinken 9; wie der fünfbouteillenmann, wie ein bürstenbinder, wie ein templer, wie ein zimmermann Wander 4, 1323; wie ein kapuziner ebda 1325. — vgl. noch: er trinkt wie ein mühlrad Wander 4, 1325; wie ein loch, wie ein schwamm ebda 1323; wb. d. lux. ma. 71. — etwas wie wasser trinken in menge und achtlos. wohl unter einflusz der stelle in der vulgata: qui bibit subsannationum quasi aquam wer ist ein solcher wie Hiob der da spötterey trincket wie wasser Hiob 34, 7; ich ... trank ungerechtigkeit in mich wie wasser Jung-Stilling sämtl. schr. (1835) 2, 71 (zu Hiob 15, 16: qui bibit quasi aquam iniquitatem);
der ist nicht werth des weines,
der ihn wie wasser trinkt
Bodenstedt Mirza-Schaffy ¹⁸128;
ich trinke wein wie wasser,
vom baden wird man nasser
Wander 4, 1317.
l)
trinken mit einem abhängigen nebensatz:
sie (die bauern) trinken, dasz sie wischen
von den benken uf di tische
(trinkspruch, 15. jh.) Hoffmann v. Fallersleben in dulci jubilo 82;
vast so well wir trincken,
das hincken dy czungen, dy lungen
(15. jh.) Alemannia 5, 260;
sönd also trinken, das zwen den dritten nit kunden uff einen wagen bringen weistümer 1, 357;
und (laszt uns) die pecher leren, scheuren und die krausen
und trincken, das uns die packen pausen
fastnachtspiele 39 Keller;
und laszt uns pald ein leikauf machen
und dann trinken, das uns die kopf krachen
67;
trinck das du bufellig werdest in der vernunfft (1500) bei Zarncke d. deutschen universitäten im mittelalter 97; so werden sye gut byer preuen und trincken, das sye speyen als dye sweyn practica Eselberti Trinckgern (1509) a 5ᵃ;
so trünckens das sy werden lam
von s. Johans trunck 1ᵇ;
trinken, dasz die leber schwimmt Eiselein 604; bis der zapfen fliegt 654; bis die kuh einen batzen gilt Schrader d. trinken 48.
E.
zusätze neben dem verb, die die wirkung des trinkens zum inhalt haben. vereinzelt mit verkürztem ausdruck:
kranck lasz ich mich beduncken,
ich fürcht, ich habs (nämlich eine krankheit) getruncken
H. Sachs 5, 126 Keller.
1)
vornehmlich neben dem transitiven verb (neben dem intrans. vb. s. u. f).
a)
einen (guten) rausch trinken. so bis ins 18. jh.: so folget, dasz ein rausch trincken sünde sey M. Friederich saufteufel (1557) f 3ᵃ; da ich mit i. f. g. (ihrer fürstl. gnaden) manchen guten rausch getrunken Hans von Schweinichen 3, 11 Büsching; die todten werden wieder lebendig, setzen sich zusammen und trincken einen guten rausch Gryphius lustsp. 20 Palm;
trinckt man reusche, sing ich da
ein runda di nellula
Voigtländer oden u. lieder (1642) 4;
sie haben gute räusche ... getruncken beschr. d. edlen krauts nicotianae (1643) 16; ich trancke räusche, und schlieffe sie wieder aus disc. d. mahlern (1721) 2, 12; man hat mich gestern abend allhier verführet, einen rausch zu trinken Schnabel insel Felsenburg (1751) 1, 119. später mit ethischem dativ sich einen rausch trinken, wofür heute antrinken gilt: darff ein doctor sich desz monats ein räuschlein trincken zu verhütung einer kranckheit Moscherosch gesichte (1650) 2, 220; unterdessen will ich mir ein räuschgen trincken Chr. Weise polit. redner (1691) 405; sich einen rausch trincken poculis inebriari Steinbach dtsch. wb. 2, 874; einen ducaten für jeden rausch ..., den er sich trinkt Rabener 3, 28; jetzt musz ich mich aber tummeln, sonst trinkt sich der damian wieder ein furchtbaren rausch Nestroy (1890) 1, 30; der rausch, den sich die jungen leute während ihrer glorreichen studentenzeit trinken Spielhagen 1, 119. ähnlich sich einen haarbeutel, einen habemus trinken: den arzt holte man nicht gerne aus dem 'elephanten', weil man besorgte, dasz er sich dort einen haarbeutel getrunken habe und den kranken übel berathen werde Langbein 31, 137; der lammfellhusar wird sich einen haarbeutel trinken zum heiligen abend Holtei, s. teil 4, 2, 24 s. v. haarbeutel, woselbst ein erklärungsversuch der redensart; weitere bei Schrader das trinken 81 f. — ich wuszte nur noch, dasz ich mir einen tüchtigen habemus getrunken Gaudy sämtl. werke (1844) 2, 110.
b)
(sich) ein bett, ein kissen trinken sich die nötige 'bettschwere' antrinken: ich mus ja ein bette trincken, ich kan sonst nicht schlaffen, ich hab denn ein rausch M. Friederich saufteufel (1557) f 3ᵃ; etliche wenden auch das für, als habe das sauffen den nutz, das mann wol darvon schlaffe; wie sie denn sprechen: ich mus mir ein bette trincken ders., sendbrief an die vollen brüder (1557) a 4ᵃ; mancher kan nicht schlaffen, er trinck ihm den erst ein küssen Petri d. Teutschen weisheit (1604) 2, N n 5ᵃ.
c)
verschiedene andere beispiele:
und hüet euch vor dem neuen pier,
daran trinkt man die scheiszen schier
fastnachtspiele 313 Keller;
wie schmeckt dir nechtn der trübe wein?
ich hett mirs ein guten kropf trunken
H. Sachs, s. teil 5, 2396 s. v. kropf;
den 15. dito habe ich am Lübenischen bier die gicht getrunken H. v. Schweinichen 3, 297 Büsching;
wenn man die kindschenck halten thut,
so gibt es auch ein guten muth, ...
sprich: ey ich musz dem kind fürwar
trincken ein schönes krauses haar
und lasz ein trunck herumer gahn,
dasz einer hat zu heben dran
nasze bruderschaft (1621) c 2ᵃ;
ich habe auch einmahl gelesen ... von etlichen flüssen, aus welchen die thiere ihren haaren eine andre farb getrunken
S. v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 62;
nichts besseres thut dann rote nasen trincket
Fischart Garg. 16 ndr.;
nein, glückselger du marketender,
der du bei einem vollen glase
dir trinkst allmählig roth die nase
Tieck (1828) 1, 342.
d)
den tod trinken, sich den tod (an etwas) trinken, in verschiedener bedeutung. sich zu tode saufen:
eʒ trinkent tûsent ê den tôt
dan einer sterbe in durstes nôt
Freidank bescheidenheit 94 W. Grimm;
seither oft sprichwörtlich bis in die neuere zeit: es trincken tausent ehe den todt, denn einer stirbt in dursts noth mehr ertrincken im becher denn im meer Bas. Faber thesaurus (1587) 212ᵃ; vgl. Henisch 779; Binder 197; auch so trincket gar mancher guter gesel den tod daran (am starken trank) Eulenspiegel 31 ndr.durch getrunkenes gift sterben: ein starckgleubiger kan gifft trincken und schadet yhm nichts ... ein schwachgleubiger aber trüncke den tod daran Luther 23, 340 W.;
er (der trank) ist schon fertig, schurke, dir den tod
daran zu trinken
Pfranger mönch v. Libanon (1782) 270;
er glaubte, gott habe, um ihn zu strafen, dasselbe (das getränk) wirklich in gift verwandelt, damit er zur strafe sich den tod daran trinken soll Gräsze bierstudien 28. — vereinzelt:
da unten braust der wilde bach,
führt reichen, frischen tod,
die wogen rufen laut mir nach:
'komm, komm und trinke tod!'
Lenau 9 Barthel.
e)
mit weiteren abstractis. verderben, verdamnis trinken: der herr sei mir genedig das ich nit tu dis ding, wird ich das blut diser man, die do gegangen sein, und das verderben der sele trinken bibel v. j. 1483, 154ᵇ (2. könige 23, 17); alle disze essen und trincken yhr vordamnis Luther 8, 281 W. die stärke, die schöne trinken ein vom mittelalter bis auf unsere tage reichender volksbrauch: an diesem tag (st. Johannis, 27. dezember) trincken die mann die sterck, die frawen aber die schön Bugenhagen (1532) bei Luther 30, 2, 264 W.; in der fasten musz man ietzt die schöne trinken, dan die stärke (16. jh.) bei Fischer schwäb. 2, 384; die schöne (hübsche) trinken umtrunk der ledigen am pfingstmontag ebda; am 'Hanstag' (Johannestag) trinkt man in Neuern und Silberberg die schöne A. John sitte, brauch u. volksgl. im dtsch. Westböhmen 24. (sich) gesundheit, glück, gottheit, ein herz, humor, leben, lust, mut, leichten sinn, trost, vergessenheit u. s. w. trinken:
und jeder ritter trank ihn (den wein) rein
und trank sich gesundheit und frohen muth
Blumauer ged. (1782) 7;
aus frisch gefülltem becher will sie glück
und unheil trinken
Geibel (1888) 7, 6;
nicht aus meinem nektar hast du dir gottheit getrunken
Schiller 11, 39 G.;
es musz jhm offt einer ein hertz trincken Petri d. Teutschen weisheit (1604) 2, C c 4ᵃ;
was soll die weibsche furchtsamkeit?
auf bruder, trink und trink dir herze
Lessing 1, 84 L.-M.;
weil sie ... sich ein leichtes herz trinken wollten Tieck (1828) 1, 98; Dickson hatte sich schon früh einen anhaltenden humor getrunken Gutzkow (1872) 6, 368;
und greise trinken das leben in ihm (dem wein)
J. A. Schlegel verm. ged. (1787) 1, 37;
und trinket sich wonne, und trinket sich lust
im langen verschlingenden zuge
Blumauer ged. (1782) 2;
trinke muth des reinen lebens
Göthe 1, 182 W.;
laszt uns in die schenke gehen, und uns muth trinken Klinger (1809) 3, 196; in jahre 1841 trank ein badergeselle aus Lambach in Oberösterreich sich im wirtshause zu Riffian leichten sinn Beda Weber Meran u. s. umgebungen (1845) 170; mit welcher inbrunst empfing sie die communion! sie asz und trank trost und beruhigung Hippel lebensläufe (1778) 2, 103; so hat Pluto den sterblichen erlaubt, aus dem flusz Lethe vergessenheit ihrer sorgen zu trinken H. P. Sturz schr. (1779) 1, 23;
musz ich vergessenheit trinken
einst am beschatteten quell
E. Spann-Rheinsch trutznachtigall (1919) 26.
f)
satt trinken:
du wirst ihn sat zu drincken gunnen
aus deiner wollust süssen brunnen
bei Kehrein kath. kirchenlied 3, 178;
auszm kleinen brunn trinckt man auch sat Kirchhof wendunmuth 1, 78 lit. ver.; ähnlich bei Petri d. Teutschen weisheit (1604) 2, k 2ᵃ. s. unten 2 reflexives sich satt trinken.
2)
neben dem reflexiven verb: Jakob Saufgurgel ... trinkt sich nicht blosz lustig, kühn, stark, sorgenfrei, grillenleer, sondern voll und toll, den kopf schwer, er trinkt sich von sinnen, trinkt sich zum tier, zum vieh Schrader das trinken 96. im folgenden typische anwendungen.
a)
sich (an, bei etwas) satt trinken (vgl. oben 1 f): isz und trinck dich sat Eulenspiegel 100 ndr.; da er sich wol satt getruncken, undeuwet er Heyden Plinius (1565) vorr. 2ᵇ; daruber verwundert sich die fraw so sehr, das Reinoldt desz weins so viell gedruncken hatt, meinet woll, es hetten sich woll zehn personen satt daran gedruncken Heymonskinder 62 v. d. Älst.; bey kleinen brünnlein trinckt man sich auch satt Lehman flor. pol. (1662) 3, 30; und geht soviel hinein (in den becher), dasz sich zwey ordentlich satt trinken können Zelter an Göthe 3, 133. sich (an, in etwas) trunken trinken: gott hat trunckenheit verbotten, darumb solt du dich nicht truncken trincken M. Friederich saufteufel (1557) g 4ᵃ; welcher ... im jar einmal, zwey oder drey sich truncken trinckt Höniger narrenschiff (1574) 223ᵇ; die indianer ... können ausz dem brot, so von mays gebacken, wein machen, so nennen sie chicka, und trincken sich so truncken dreyn, als wann sie wein hätten ausz trauben gemacht Hulsius 7. schiffahrt (1606) 125; bildlich:
(er) macht seine grosen augen noch so grosz,
und trinkt sich so an ihrer schönheit trunken
Götz ged. 34 ndr.
sich voll, sich toll und voll (voll und knüll) u. s. w. trinken: ir trincket euch so vol Arigo decameron 572 lit. ver.; die reichen aszen und truncken sich voll und lieszen die armen mit schanden darbey hungerig stehen Bugenhagen Braunschweig. kirchenordn. (1531) c 1;
dann da ich mich tranck lauter vol
H. R. Manuel weinspiel, v. 2826 Odinga;
de sick yn wyne drincken vull,
werden gelick den deerten dull
Husemann spruchsamml., nr. 54 Weinkauff;
die jumfern trincken sich offt plitz, platz, plötzlich voll
Rachel sat. ged. 136 ndr.;
sobald er an land kam, trank er sich voll Frenssen Hilligenlei (1905) 170; sich toll und voll trinken Pierot, amerik. freibeuter (1742) 2, 58; auf dem reichstag zu Augsburg 1518 (wurden) alle jene für ausländer gehalten, die sich nicht alltäglich toll und voll tranken Bauer durst 302;
drum wer da contrahiren will,
der trinke sich erst voll und knüll
Felix Schnabels universitätsjahre 237 Bierbaum.
b)
sich gesund, ungesund, fröhlich, alt, jung, klug, tot, weise u. s. w. trinken:
als 's müllers esel oder hund,
die trinckend sich nimmer ungsund
H. R. Manuel weinspiel, v. 3271 Odinga;
da hingegen andere sich damit (mit wein) frölich und gesund trinken Balde truck. trunckenheit (1658) anh. 225;
mit gutem
altem Falerner dich frölich trinken
Mastalier ged. (1774) 125;
ihr alten trinkt, euch jung und froh zu trinken ...
der jüngling trinkt, sich alt und klug zu trinken
Lessing 1, 68 L.-M.;
der ritter ... trank sich mit seinem gaste heiter und froh Musäus volksmährchen (1805) 4, 79; die ergötzung, sich empfindungslos zu trinken Kästner verm. schr. 2, 52;
und in dem hochzeitmoste trinkt
ein schmetterling sich todt
Brentano (1852) 2, 593;
ik ky mî duid drenke Jensen nordfries. 79; es trinkt sich niemand weise Wander 4, 1316.
c)
sich zu tod trinken. 'ertrinken':
vor Gotlieben an dem Rin
da huͦb sich grosze not,
da jagt man vil der Schwaben in,
si trunkend sich ze tod
(1499) bei Liliencron hist. volksl., nr. 204, str. 14.
durch den übergenusz geistiger getränke den tod finden: er tranck sich bein dem alten Hans Hoffmann zum 'nassen künig' im branten wein zu tode S. Hüttel chron. d. stadt Trautenau 49 Schlesinger; der zimmermann trinkt sich in palmweine zu todte Kästner verm. schr. 2, 163; als Neubauer schon längst sich zu tode getrunken Riehl kulturgesch. nov. (1856) 61. ähnlich: sich selbst zu grunde essen und trinken Schultze wein und trinkgelage 150; entweder trank man sich bis ins grab oder man kasteite sich Bauer durst 324.
d)
sich zum tier, zum könig, zum poeten, zum gott, zu jugend, zum theepott trinken:
dasz sich ein hoher geist zum thiere trinken soll
v. Cronegk schr. (1766) 2, 122;
warum nicht noch ein gläschen mehr? du hättest
zum könig von Ägypten dich getrunken
H. v. Kleist 1, 283 E. Schmidt;
(ists wahr) dasz hier ein stümper gleich sich zum poeten trinket
Weichmann poesie d. Niedersachsen 1, 223;
(sehen) wie der mann bei kerzenscheine
sie (Molly) zum brautgemache winkt
und in meinem freudenweine
sich zum frohsten gotte trinkt
Bürger 44ᵇ B.;
trinkt sich das alter wieder zu jugend,
so ist es wundervolle tugend
Göthe 6, 204 W.;
nd.: se drinkt sik nog tom theepott Berghaus Sassen 1, 363; Schütze holst. 1, 256.
3)
kausativ, 'trinken machen', mit abhängigem nebensatz:
es hat auch keiner den andern trunken,
dasz er sig undern tisch gesunken
Niclas Manuel 219 Bächtold.
wie unter 2, einen krank, voll, trunken, ins stroh, unter die bank, unter den tisch, zu boden trinken:
das jr mit üwerm wüsten suffen
uwer wyb und kind schlahend z huffen,
einer den andern trincket kranck
H. R. Manuel weinspiel, v. 3852 Odinga;
wie man sich bemühte, den gast in der liebenswürdigsten zuvorkommenheit krank zu trinken, zeigt folgender bericht Bauer durst 304;
wan einer den andern trincket voll,
der hat die sach auszgericht woll
(1581) T. Moysz miszbrauch d. weins 61 Oberbreyer;
imbriacare voll oder truncken trincken Hulsius (1618) 2, 193ᵃ; nachts trank er die wächter mit wein voll Gräter v. Suhms gesch. der Dänen 1, 387; deponere aliquem vino einen truncken und voll machen, einen ins strouw trincken Frisius dict. (1556) 393ᵃ; man schämet sich nicht einander zu trutzen, wer ... den andern unter die bank trincken möge Marperger küchen- u. kellerdict. (1716) 1223; einen unter die bank trinken Rother schles. sprichw. 103ᵇ; (er) hatte alle durchreisenden ... layen redlich unter den tisch getrunken Nicolai Seb. Nothanker (1773) 1, 52; der trinkt dich unter den tisch Kotzebue graf Benjowsky (1794) 27; mich trinkst du nicht unter den tisch Hauff (1890) 2, 304;
zwar soff der kerl, als wie ein leu,
doch trank er unsre klerisey
eh, als sich selbst, zu boden
Blumauer ged. (1782) 197;
wer in einer trinkgesellschaft alle zu boden trinkt Krünitz 188, 114; das (trink-)reich war kein erbliches ... der fürst konnte vom thron getrunken werden Schultze wein u. trinkgelage (1867) 175.
F.
das trinken als gesellschaftlicher oder brauchtümlicher vorgang bringt eine grosze zahl fester wendungen mit sich. einzelnes verwandtes s. schon unter D 2.
1)
das gesundheittrinken; vgl. teil 4, 1, 2, 4330f. s. v. gesundheit; 4346 s. v. gesundheittrinken. mit verschiedenen konstruktionen. mit dem akkusativ: den gesund trinken (1598) s. teil 4, 1, 2, 4330;
heiszt das nicht gesundheit trinken
Grob dicht. versuchgabe (1678) 29;
eine gesundheit trincken bere alla sanità, salute, conservatione di uno Kramer 2 (1702) 1144ᵃ; (nach der rede) musten die anwesenden unter dem strohkrantze die gesundheit trinken vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 240; gesundheit trinken ist ... ein sinnbild des lebens Hippel lebensläufe (1778) 2, 424. gern im plural: sie trinken gesundheiten bei Creizenach schausp. engl. comöd. 152; wann alle 24 gesundheiten nacheinander absonderlich hätten sollen getrunken werden Neumark teutscher palmbaum (1668) 327; nun trank sie mit vielen cärimonien gesundheiten Miller Siegwart (1777) 338; welche gesundheiten getrunken wurden — z. b. auf preszfreiheit, deutsche sprache Jean Paul briefw. 268 Nerrlich. erweitert jemandes gesundheit trinken: die mutter und die töchter haben wohl zehnmahl des herrn seine gesundheit getruncken Chr. Reuter ehrl. frau zu Plissine 24; er schämet sich, dasz er seines mädgens gesundheit trincken musz Chr. Weise überflüss. gedanken 117 ndr.; Oppoccu trinkt des Noys gesundheit Herder 15, 142 S.; der königinn und der kirche gesundheit trincken Göthe IV 1, 34 W.; man setzte sich in die runde, sang und trank des grafen gesundheit Eichendorff (1864) 2, 7. in, zur, vornehmlich und bis heute auf gesundheit jemandes trinken: weisz nicht, wie viel tonnen bier und weins ich ... in gesundheit der zukünfftigen frau ... getruncken hat Schupp schr. (1663) 760; die Asiaten aber das erste (glas) zur gesundheit ... zu trincken pflegten Lohenstein s. teil 4, 1, 2, 4331; so hätten die alten zu ehren der jhrigen, nicht aber auff deren gesund getruncken Zeiller episteln (1656) 96; er ... ist lustig und trünkt auf ihre gesundheit Zesen adriat. Rosemund 32 ndr.; wir wollen auf seine gesundheit trinken Babo schausp. (1793) 12; hoffe, in Athen ... auf eure gesundheit zu trinken Moltke schr. u. denkw. 4, 87.
2)
(auf) das wohlergehen, wohlsein, wohl jemandes trinken:
dan ich trünk ihr wohlergähn
bei der Amstel in dem reihen
Zesen adriat. Rosemund 26 ndr.;
trincket auff das wohlergehen
ihrer heyrath frisch umbher
Simon Dach 716 Österley;
so trinck mein wohlseyn in gedancken
J. Chr. Günther ged. (1735) 328;
die braut trank das wohlsein ihres gatten Tieck (1828) 4, 411; ich trinke auf das wohlseyn der ganzen gegenwärtigen versammlung Schiller 13, 89 G.; ich trank und zwar — auf dein wohl Stoppe Parnasz (1735) 341; wir tranken auf das wohl seiner (des Schweizerlandes) biedern bewohner U. Hegner (1828) 2, 308; schade um den jungen mann, dasz er ein rebell ist gegen seine kaiserin, sonst könnte ich sein wohl trinken Moltke schr. u. denkw. 1, 73. auf glück, auf guten ausgang und, worauf man sonst anstöszt, trinken:
do trinckhen sey denn ainsz auff glickh
Thurneyszer archidoxa (1569) x 1ᵃ;
die königin trinkt auf dein glück, mein Hamlet
Shakespeare 3, 356;
auff der armen braut verlöbnisz trincket der schenck erst Petri d. Teutschen weisheit (1604) 2, j 7ᵃ; lassen sie uns auf glückliche vereinigung trinken Göthe 47, 335 W.; wir trinken eins auf guten ausgang Zach. Werner d. kreuz an d. ostsee (1806) 122; ich trinke einmal auf den schrecken W. Raabe d. hungerpastor (1864) 122; auch jemandes verderben wird getrunken: trinken (sie) Dorias untergang in meinen ziprischen weinen Schiller 3, 300 G.;
sie klirren drinnen mit den gläsern
und trinken die gesundheit seiner gattin
und meinen tod
Grabbe 1, 360 Blumenthal.
3)
auf bruderschaft oder brüderschaft trinken: der herzog aus Kurland war ein gut geselle mit mir, mit welchem ich auf brüderschaft trank H. v. Schweinichen 3, 37 Büsching; auff bruderschafft trincken jus fraternitatis, jus fraternum sancire, emere poculis Schönsleder promptuarium (1647) j 2ᵇ; Seneca bekenne, dasz der schlaff mit dem tode befreundet und der schlaff mit dem tode auf brüderschafft getruncken habe Abele gerichtshändel (1654) 595; der sohn ... gieng hin zu einem, mit dem er kurtz zuvor auf brüderschafft getruncken Schupp freund in d. not 5 ndr.; die fügung mit präpositionalem objekt wird abgelöst durch die mit akkusativobjekt: die brüderschaft ... trinken facetiae facetiarum (1654) 110; bruderschafft mit einem trinken Kramer 2 (1702) 1144ᵃ; verbietet nicht ... jeder hauptmann seinen gemeinen, mit andern leuten ... brüderschaft zu trinken J. Möser (1842) 1, 369; beim nachtische tranken Eifrasius und Gockel bruderschaft Brentano (1852) 5, 113; der vasall und der pascha ... tranken brüderschaft W. Raabe Abu Telfan (1870) 2, 90; vereinzelt mit ethischem dativ: man trank sich bruderschaft v. Wessenberg an Isfordink-Kostnitz (1877) 1, 157. ähnliche wendungen:
in dem man alle freüntschafft drinckt
so man früntlich uff kuntschafft bringt
Schertlin künstl. trincken (1538) d 3ᵇ;
bitte auch die herren, dasz sie mit wollen hinein gehen, eins auf schwägerschaft zu trinken
kunst über alle künste 47 Köhler;
er trank schwägerschaft mit allen lohnkutschern
Göthe 27, 61 W.;
da dann einsten meine jüngste schwester die basenschafft mit ihr tranck
(1709) Celander d. verliebte student (1918) 58;
in dem zustand ... hätte ich mit dem höllischen geiste kameradschaft getrunken
Schiller 4, 75 G.
4)
auf (den) duz trinken: becher oder glasz, damit einer den andern ... zum bruder wählet ... (oder) mit auff bruderschafft oder auff den dutz trincket (1616) jus potandi 26 Oberbreyer; die brüderschafft oder aufn dutz trinken facetiae facetiarum (1654) 110; trink du ... auf duz Tieck d. junge tischlermeister (1836) 2, 222.
5)
schmollis trinken, s. schmollis teil 9, 1108. ob schmolles im folgenden beleg ein getränk ist? s. Kluge studentenspr. 122: wenn schmolles oder brandtwein getrunken wird, soll sich keiner weigern 30 gläser auszustoszen reisender avanturier (1749) 2, 57. im üblichen sinne, 'bruderschaft trinken': trink du schmollis Tieck d. j. tischlermeister (1836) 2, 222;
begreift ihr jetzt, warum man schmollis trinket,
und was das tiefe wort: fiducit! heiszt?
E. v. Houwald (1859) 5, 601;
schmollienten, die studenten, welche mit einander schmollis trinken Vollmann burschik. wb. (1846) 413;
und hab mit dem tode smollis getrunken
Heine 1, 26 Elster.
6)
mit verkürztem ausdruck jemandem trinken ihm zur ehre, zum wohl u. s. w. trinken: weil aber die allermäszigste Griechen bey ihren mahlzeiten ein glas voll weins den Grazien, das andere der Venus ... zu trincken pflegten Lohenstein, s. teil 4, 1, 2, 4331;
der herzgeliebten trink ich diesz,
sie lebe für und für
I. M. Miller ged. (1783) 76;
ich sprachs, und sah, dasz Teut
dir einen becher trank
Kretschmann sämtl. werke (1784) 1, 128;
trinkt dem helden
Brentano (1852) 2, 38;
es war ein gastmahl in Eger, da wurde dem künftigen könig von Böhmen getrunken W. Schäfer dreizehn bücher d. dtsch. seele (1923) 267. vereinzelt mit einem akkusativ der person:
hier ist ein glasz, trinck deine liebste drinnen
A. Tscherning dtsch. getichte früling (1642) 360.
7)
das minnetrinken.
a)
diese vorchristliche sitte des gedächtnistrunks für götter (s. mythol.⁴ 1, 48) erfuhr in Deutschland christliche umformung: trenchet cher guole in gotes mine, in aller gotes helegen, mine sancte maria frau un deri huer mine bibite in dei amore ... sancte marię mee ... et in ea uestra (altdeutsche gespräche, 10. jh.) ahd. gl. 5, 520, 28 Steinmeyer-Sievers; der minnetrunk für tote, hier ironisch:
'nu trinken wir die minne und gelten sküneges wîn.
der junge voit der Hiunen der muoz der aller êrste sîn.'
dô sluoc daz kint Ortlieben Hagen der helt guot
Nibelungenlied 1897, 3.
b)
besonders wurde das minnetrinken geknüpft an den namen des hl. Johannes des evangelisten, der nach der legende vergifteten wein ohne schaden getrunken hatte. dem in seinem namen gesegneten wein wurde daher besondere kraft und wirkung zugeschrieben, er wurde, wie die folgenden belege zeigen, zu den verschiedensten gelegenheiten getrunken, ursprünglich wohl am tage des heiligen, dem 27. dezember, dann beim aufbrechen vom zechen, bei abschieden jeder art, vor reisen, auch vor dem tod, vor einem kampf u. s. w. mit verschiedenen wendungen: s. Johanns minne, liebe, trunk, namen, segen trinken. s. Johanns minne trinken:
trinc sant Johannes minne ...
daz wir vrœlich ze samen
schiere komen müezen
bei Laszberg liedersaal 2, 262;
sant Johans minne diz ist,
wer die drinket in diser frist
der musz sälig werden
in himel und uff der erden,
an der sele und an dem libe
(ende d. 14. jh.) bei Uhland volksl., nr. 309, 12;
tole un san Zane trinckt sand Hanz minn nomencl. venez.-todesco (1424) 104;
dâr sô drinke wir inne
dy aller besten mynne,
dy sunte Jurian drank
dy al syn nôt vorwant
johannissegen, in den Münchener sitz.-ber. (1870) 18;
herr wirt, nu haiszet uns einschenken,
so woll wir mit sand Johanns minn trinken
und uns dan heben unser strasz
fastnachtspiele 167 Keller;
doch wollen wir vor (vor dem aufbruch) sand Johanns minne trinken
860;
er (Petrus) sprach: wer trünckt sant Johans minn
und thut es umb des glaubens gwinn
da von kan er nit vol werden
von s. Johans trunck 2ᵇ.
s. Johannsliebe, (vor) s. Johanns trunk, (in) s. Johanns namen trinken: und wen der faudt alsdan syn frag gethan und von dannen ryden will, sollen die hubener alsdan ime gutten win inschenken, sanct Johanns liebe zu drincken (1482) weistümer 1, 562; in Ettlingenweier wird am Johannes- wie am st. Stephanstag von dem geweihten wein dem bürgermeister und den gemeinderäten zu kosten gegeben, wobei der priester spricht: 'trinket die liebe des h. Johannes' E. H. Meyer bad. volksl. 490; ei nempt den wein und trinkt vor sant Johanns trunk, so geet es euch desterpas. da trunk er sant Johanns trunk und schid sich mit groszem traurn und schmertzen (2. hälfte d. 15. jh.) städtechron. 11, 673 (Nürnberg);
(die rechte mutter zu dem kind, das ihr die henker entreiszen
wollen)
ach saug noch eins zu guter letz
und drink nun sanct Johannes drunk
Baumgart jud. Salomonis (1561) k 1ᵇ;
(auf der hochzeit zu Kana)
den (wein) trancken sie frölich on peyn,
bisz dasz sy von einander kamen.
yder tranck sant Johannes namen
(weingrusz, 15. jh.) altdeutsche blätter 1, 413;
es trünckt offt ainer sant Johans nam
das er wirt strauchens nimmer ann
von s. Johans trunck 2ᵇ;
das man offt trinckt in seinem nam
1ᵃ;
darauf bat er (der sterbende fürst) im sant Johans namen zu trinken zu geben Wilwolt von Schaumburg 57. am häufigsten s. Johanns segen oder vor s. Johanns segen trinken:
ein trunc man im (vor dem kampf) dar truoc
und tranc sant Jôhannes segen
Hartmann von Aue Erec 8652;
Morolff sprach: 'wir wellen drincken sant Johans segen
und wellent uns scheyden von dem heydenschen land
Salman und Morolt 3103;
trinkt hin sant Johansen segen:
der wein sei euch geschenkt von mir!
des danktens im mit hertzen gir
und schiden von enander do
Heinrich von Wittenweiler der ring 3612;
sie sprach: gesell got müez dîn pflegen!
trinc vor sant Johans segen!
bei Laszberg liedersaal 2, 262;
nach der mess, do gab er (der papst) inn (den rittern zum abschied) allen den segen und hiesz inn ze trinken geben st. Johanns segen usz ainem vast groszen kelch Richenthal Constanz. concil 42; (vor dem kampf) bettet ein ietlicher und trank sant Johannes segen (1497) Staub-Tobler schweiz. id. 3, 31;
und wenn man also gessen hatt,
e man dann von dem tisch auffstadt
trinck ain yeder vor sant Johans segen
das er sein alzeit thüe pflegen
bei Weller dichtg. d. 16. jh. 49;
gab ihm zu guter nacht ze trinken st. Johanns segen Anshelm Berner chron. 3, 416; an Johannes des evangelisten tag, dieweil er on schaden gifft tranck, trinckt man den Johanssegen, einen wein ob altar beschworn Fischart binenkorb (1581) 150ᵃ; ain groszer hauf doctores, magistri, studenten, priester und ander, die alle giengen (vor der hinrichtung) in den spittl daselbst, alda dann der arm jung sollt fürgefiert werden und daselbst, wie gepreuchlich, sant Johanns segen drinken Zimmer. chron. 2, 582 Barack;
der papst Pelagius anfing
dasz man segnen solt den weine
an sanct Johannes tag alleine,
dasz jedermann den segen tranck
(16. jh.) Münchener sitz.-ber. (1862) 192;
doch wolte ich zu guter letze s. Johannis segen noch trincken Grimmelshausen 2, 374 Keller; in katholischen gegenden Deutschlands ist der brauch erhalten, z. b. bei hochzeiten in der Steiermark, s. Weinhold altnord. leben (1856) 461; am 'Hanstag' trinkt man ... im Planer und Tepl-Weseritzer bezirk den Ghanessegen A. John sitte, brauch u. volksgl. im dtsch. Westböhmen 24; will man am Johannistage noch eins trinken, so sagt man, 'das wird am (auf den) Ghanessegen getrunken' ebda 87; ähnlich für den abschiedstrunk: nuch ans am Johannissegen trinkn Wenisch nordwestböhm. 41.
c)
unter den heiligen, deren minne schon im mittelalter getrunken wurde, ragt die hl. Gertrud hervor, vgl. Zingerles ausführungen über die Gertrudenminne (Wiener sitz.-ber. v. j. 1862, 217ff.) und die dort beigebrachten lat. belege (z. b. Ruodlieb 2, 162: vinum, Gertrudis amore haustum; Peregrinus v. 335: ut potent sanctae Gertrutis amorem):
lausz die jungen der liebe pflegen
und trinck du (alter) sand Johannes segen
und sant Gertruden minn
(1464) bei Schmeller-Fr. 1, 1618;
vgl. im niederländischen:
drinct van der hant myn
sinte Gheerden minne ende vært wel
in Mones anzeiger 1, 255.
8)
letze, valet, abschied trinken: letz trincken coena vel potu valedicere, digressum poculis celebrare Schönsleder prompt. (1647) K k 8ᵃ; die letze trincken, valet trincken bere per la ben' andata; congedarsi, licentiarsi dirsi adio in simil modo Kramer 2 (1702) 1144ᵃ; das schöne valet trincken Marperger küchen- u. kellerdict. (1716) 1216;
ich will noch abschied trinken, eh ich reite
Geibel (1893) 6, 82.
9)
aus der rechtssprache flieszende wendungen.
a)
frieden, vertrag trinken: frieden trinken geschlossenen frieden oder das versprechen von frieden durch gemeinsamen trunk bestätigen Staub-Tobler schweiz. id. 1, 1278; men heiszt e halbmäsige reichen und trinkt denn den fride wider mit enanderen (1712) ebda; ist ein zweikampf vor zeugen ausgefochten, so wird im wirtshaus friede getrunken (1798) ebda. vertrag trinken sich vertragen Rother schles. sprichw. 101ᵃ; schüllt wi verdrag (versöhnung) drinken? Mensing schlesw.-holst. 1, 864.
b)
insbesondere den weinkauf, leikauf (auch gleichkauf) trinken einen gemeinsamen trunk zur bestätigung oder feier eines kauf- oder tauschgeschäftes, eines vertrags, eines verlöbnisses u. ä. halten, ein seit dem 13. jh. belegter brauch, s. teil 14, 1, 944ff. s. v. weinkauf und die dort angegebene literatur; rechtsaltertümer⁴ 1, 264, woselbst über die sache und den germanischen umkreis mehr, vgl. noch die belege bei Schiller-Lübben 2, 705; 5, 728: itaque in hoc emptionis venditionis contractu reliquum est poculo confirmare eum, quod vocamus weinkauff vel leukauff trincken bei Haltaus 1257; swelch man sinen koufschatz wil bezugen nach der stat recht, der muz haben sine likouflute, di den licouf getrunken haben (anf. d. 14. jh.) Freiberger urkundenb. 3, 56; peitt, wir schullen des leitchauffz trincken (1424) in Bayerns mundarten 2, 439; unde habin mit mir eynen elichin kouff getan unde habin dorobir lichkouff getrunckin bei Haltaus 1257; dieselbin buwmeistere han macht eynen schulmeister uffzenemen unde auch zu myden ... post reversales datas a ludimagistro gebin sie eme sinen mydephennig. wan das alles gescheen ist, so geen sie dan zu eynem pherner ... dan drincken sie iren wynkouff bei Haltaus 2059; doch so weinkauff getruncken ... wer, so dann der keuffer abtretten wölt, soll er den weinkauff verloren haben (1554) ebda 2058; so weinkauf getruncken oder arra, das ist ein hafftpfenning auff den kauff gegeben wer (1567) bei Fischer schwäb. 6, 619; da ist kein handwerck nicht, da man nicht leidkauff trinckt Peter de Memel lustige gesch. (1656) 396; mundartlich: weinkaup drinken Bauer-Collitz 112ᵇ; leinkauf trinka Rother schles. sprichw. 100ᵇ. zu besonderen anderen anlässen: mir mussen auch (anläszlich einer verleihung eines bergerbes) linckauf trincken zcu gedechtniszs (1482) Freiberger urkundenbuch 1, 238; (als) Velschenbergs und ander lüth mit ainander gegen sanct Roma gangen, und daselbsten den weinkhauff getrunkhen zue einer gedächtnusz (1487) weistümer 1, 399; als form eines gelübdes: dy burger lassen vorczeln Mich. Donner unde Ha. Clugen, darumbe daz sie mittenander getruncken haben lintgkauff, daz eyner den andern, wo er yn anqweme, irmorden welle (anf. d. 15. jh.) Freiberger urkundenbuch 3, 205. zur feier einer hochzeit: hat eyn lutherischer prediger ... eyner witfrauen ... dochter zu der ee genommen und den winkauf mit danzen und springen gedrunken (1526) W. Königstein tagebuch 106; ob er, Bleidner (ein kathol. geistlicher), uxoriert hab, weinkauff getrunken, und sich dreymal hab proclamirn lassen (1566) Amrhein reformat.-gesch. mitteil. aus Würzburg 52. bildlich, mit der geburt schon, durch Adams schuld, schlieszt der mensch den pakt mit dem tode, dasz er sterben soll, s. die belege in teil 14, 1, 948; teil 6, 693f.; teil 5, 317f.; ferner die anmerk. z. ackermann aus Böhmen 289 ff. Burdach:
wip man juncfrowen knaben
getrunkin hant den winkouf
Hugo von Langenstein Martina 318 Keller;
des libez tot ich meine
dez groze unde cleine
getrunken hant den winkouf
541;
als balde ein mensche geboren wirt, als balde hat es den leikauf getrunken, das es sterben sol d. ackermann aus Böhmen 45 B.;
und mögen in (dem tod) keyn weg entrynnen
der wynkouff ist gedruncken schon
wir mögen nit dem kouff abston
S. Brant narrenschiff 82ᵇ Z.;
hie schadts doch nit (nicht zu schmähen), so hilfft es dort.
warlich, der wynkouff ist getruncken
Murner schelmenzunft 55 ndr.;
im Adam haben wir alle den weinkauf getrunken, diser kauf musz gelten, es ist da kein wendschatz (loskauf), wir müssen sterben (1673) Staub-Tobler schweiz. id. 3, 169; sprichwörtlich: wir haben all des leickauffs getruncken Eyering prov. cop. (1601) 3, 571; wir haben alle vom apffel gessen und desz gleichkauffs mit getruncken und müssen alle den weg der welt gehen Petri d. Teutschen weisheit (1604) 1, g 8ᵇ.
10)
mit erweiterter bedeutung von der abhaltung gewisser gesellschaftlicher veranstaltungen. die gilde trinken den regelmäszigen gildeschmaus begehen: item wenner de gilde geholden und gedrunken wert, sall ein meister geven 6 fr. die schragen der stadt Riga 429 Stieda-Mettig. — kindelbier trinken den taufschmaus halten: in sines nabers hus, dar se kindelbeer drunken bei Schiller-Lübben 2, 463. — lōvelbêr drinken verlöbnisfest feiern Lasch-Borchling mnd. hwb. 1, 1, 479. — den tröster trinken das trauermahl nach dem begräbnis halten Vilmar Kurhessen 417.
G.
trinken in typischen verbalen oder sonstigen selteneren konstruktionen.
1)
mit einem zweiten verb.
a)
mit geben. statt des gerundiums ist vom ahd. bis über das 16. jh. hinaus der einfache infinitiv zu belegen, im ahd. wohl im anschlusz an das lat. dare bibere (vgl. ähnlich: wîo Socrates kenôtet ward trinchen cicutam Notker Boethius 19 Piper): tho quad iru der heilant: gib mir trinkan (dicit ei Jhesus: da mihi bibere) Tatian cap. 87, 2;
biwaz kerost thu, guot man   daz ih thir geba trinkan
Christus u. d. Samariterin, v. 7;
vort soillen alle underkeuffer an deme Ryne ind yre kneichte yeckligen unsen burgeren dryncken geyven alle de wyne, de sy veylle hetten (1407) verfass. u. verw. Kölns 2, 153 Stein; Jhesus spricht zu ir, gib mir trincken ... wie bittestu von mir trincken, so du ein Jüde bist Joh. 4, 7;
lang her die flesch im schanck daneben,
ich musz meim vettern trincken geben
Er. Alberus fabeln 78 ndr.;
potistris trinckhörnlein oder hörnlein, darinnen man den vögeln trincken gibt Zehner nomencl. (1663) 456. doch ebenfalls seit dem ahd. zu trinken geben:
then ih imo thanne   gibu zi drinkanne
Otfrid 2, 14, 40;
dae sij unss gar guden wijn zo dryncken gaeven A. v. Harff pilgerfahrt 50 Groote; besonders gern in medizinischen anweisungen: fürz twanch und eizze nim hauswurzsaf und lanchsaf (lies lauchsaf), gib daz dem sichen ze trinchen (etwa 14. jh.) ahd. gl. 4, 584, 29 St.-S.; schütt dorüber gutten gebranten wein, ... distillier es in balneo marie in eim wasser und gib im disz zu trincken Gersdorff wundarzney (1517) 21ᶜ; seud boley in weiszem wein, den gib ihr morgens nüchtern warm zu trincken Gäbelkover artzneybuch (1595) 2, 3; merkwürdig: das heiszt ihm (dem gott) zu trincken geben, wann man schöne thaten verrichtet I. G. Schmidt Ovid (1722) 299; sprichwörtlich: er gibt dem frosch zu trincken wie wasser inn Rhein tragen Seb. Franck sprüchw. (1541) 2, 48ᵃ und öfter; ähnlich: ein unzeitig gutthat ist nit dancks werdt, als wann einer eim vollen will zu trincken geben ebda 1, 99ᵃ; einem kind zu trinken geben es säugen s. oben A 5.
b)
zu trinken bieten, reichen, tun:
ich bot in allen nach einander zu trincken
bei v. d. Hagen minnesinger 3, 302;
fröwli, nim miner rede war,
bit mir bald ze trincken har
bei Mone schausp. d. mittelalters 2, 209;
der ein stand auf, bot ihm zu trinken
A. v. Arnim 17, 137.
wenn ihr so voll der gottheit seid, so reicht sie mir zu trinken Hölderlin 2, 103 L.; sie werden ihm zu trinken reichen Holtei erz. schr. 3, 56. friesisch: tu dringkən du tränken Siebs Helgoland 213.
c)
trinken lassen: (der ritter) erwischt sein pferd und spiesz, gab im die sporn, und liesz hiezwischen den Galaor trincken Amadis 234; allwo sie die pferde trinken lieszen Happel akad. roman (1690) 548. redensarten: einen trinken lassen ihm eine übertriebene rechnung machen, ihn in unkosten bringen, ihm den beutel schröpfen Schmeller-Fr. 1, 668; ihm schaden zufügen Delling bair. 135; er hat mich brav trinken lassen er hat mir die zeche zu hoch gerechnet ebda; den salat trinken lassen nach dem essen einen trunk tun Fischer schwäb. 2, 386.
d)
einzelne seltenere konstruktionen. zu trinken wissen wissen, wo etwas zu trinken ist: der schenck was nit gegenwürtig, aber ein kleines jungkfrewlin sprach zu ym: herr, ich weisz wol zu trincken ... und gieng darmit, do das verflucht, unselig getranck stonde Tristrant (prosa) 44. trinken nehmen, sitzen:
hand ir etwann heymlichen schmertzen
so schlahens yetzung von dem hertzen
nemmen trincken disen wyn
den gsegen eüch gott ins hertz hinyn
gesch. d. proph. Danielis (1545) h 1ᵇ;
gar mancher, wenn er trincken sitzt,
dasz er davon wird recht erhitzt
Moscherosch Gumpelzhaimeri gymnasma (1652) 443.
2)
reflexiver gebrauch ist nur vereinzelt, vgl. auch oben E 2: uf ein zeit da begab sich das Ulenspiegel mit seiner muter gieng in ein dorff uff die kirweiung und Ulenspiegel tranck sich das er truncken ward Till Eulenspiegel 12 ndr.; in ostfränk. mundart zuweilen reflexiv sich trinken s. Brenner-Hartmann Bayerns mundarten 2, 326. meist in unpersönlicher konstruktion: es schläft sich, iszt sich, trinkt sich und liebt sich auch wol an jedem orte gottes, wie am andern Göthe in schr. d. Götheges. 16, 304;
aus hohler hand trinkt sich der helle
kühle trank wohl noch eins so gut
Mörike 1, 221 Göschen.
sich trinken lassen:
der wein, so umb Franckfurt her wächst,
sich auch sonsten wol trincken läst
Marx Mangold marckschiff (1596) b 4;
der wein läszt sich trinken questo vino si lascia bere cioè è assai buono Kramer 2 (1702) 1143ᶜ; aus dem brodtkorbe läszt sichs nicht trinken Strodtmann id. Osnabr. 306.
3)
partizipialkonstruktionen.
a)
das partiz. präs. mit passivem sinn. trinkende dinge, trinkende speise getränke: und wer der acht siechtagen einen hat, den sol man kein essige noch trinkende dinge veil haben lassen Baseler verordn. v. j. 1350 bei Proksch gesch. d. venerischen krankheiten 1, 364; und wollen auch, dasz sie also bestellen, dasz in iren herrschafften und gebieten kein zoll noch glait fürbasz von niemand werde genommen, es sey von essenden oder trinkenden dingen, von kaufmannschafft oder was das sey (1366) monumenta Zollerana 4, 107; (der huren amt) dasz sie getreuwlich auff ihre herrn warten, sie nach notturft versehen ... lauffen, rennen, eynschencken, fütterung, essende und trinkende speisz zu holen L. Fronsperger kriegsb. (1578) 1, t 2ᵇ. vgl.saufendez dinch (Megenberg), fahrende habe u. s. w.
b)
das einfache oder durch ein objekt erweiterte partizipium prät. steht für einen nebensatz:
zu vil wyn getruncken manchen ist
ein verderbnusz der seel sonder list
bei Bächtold schweiz. schausp. d. 16. jh. 3, 44;
die (wasser) getruncken nützlich sein söllen Casp. Hedio chron. Germ. (1530) a 5ᵇ; das bulver in weyn getruncken gibt ursach der empfengknusz Forer Gesners thierbuch (1563) 72ᵃ; getruncken ists (polei) gut fürn kalten flusz Lonicerus kreuterbuch (1564) 191ᵃ; der jungen lämlin lippe getruncken ist gut wider allerley gifft Sebiz feldbau (1579) 142; das blut des stier wirdt so hart, dasz es getruncken tödliches gifft ist Wirsung artzneybuch (1588) 653ᵃ; zu vil getruncken ist tödtlich gifft Henisch (1616) 1588; von dieser wurzel getrunken, zerbricht den lendenstein und heilet die geschwühre der därmer Zedler univ.-lex. 1, 1223.
II.
übertragener und uneigentlicher gebrauch.
A.
mit persönlichem subjekt.
1)
mit übertragung auf das einschlürfen des tabakrauchs tabak trinken. die wendung ist in vielen europäischen und auszereuropäischen, bes. asiatischen sprachen belegt und wird im ausgehenden 16. jh. zugleich mit der sitte des tabakrauchens aus dem europäischen westen, aus Holland, England (1593: in drinking his tabacco well) ins deutsche (frühester beleg Hamburg 1595) aufgenommen. vgl. die untersuchungen über die räumliche verbreitung der wendung und ihre antike überlieferung in Kuhns zeitschr. 52, 302; 54, 48 und 158f.; 55, 138 ff. neben tabak trinken ist auch tabak saufen üblich, s. teil 8, 1880 s. v. saufen und teil 11, 1, 2 s. v. tabak. in der zweiten hälfte des 17. jh. kommen tabak rauchen, tabak schmauchen (s. teil 8, 244; 9, 953) auf und verdrängen das gemeiner werdende tabak trinken allmählich. z. b. verbot i. j. 1696 das tabakskollegium in Breslau, das tabakschmauchen oder -rauchen als tabaksaufen oder -trinken zu bezeichnen, s. Freytag bilder aus d. dtsch. verg. 2, 218 Bühler; Campe (1807) 'im niedrigen scherz für tabakrauchen'. aber noch das ganze 18. jh. bleibt tabak trinken der behördliche ausdruck in tirolischen weistümern, z. b. 2, 2; 2, 31. oberdeutsche mundarten haben es z. t. bis heute bewahrt, s. Stalder schweiz. 1, 304; Fischer schwäb. 2, 386; Schöpf tirol. 757; Lexer kärnt. 71; Schmeller-Fr. 1, 667 (e pfeifferl trinkhn): so schall sick ock nemandt undernehmen, up der morgenspracke toback tho brucken, vel weniger tho drincken (1595) Rüdiger d. ältest. hamb. zunftrollen u. brüderschaftsstatuten 312; niemand soll sich unterstehen, taback zu trinken (Riga 1640) bei Gutzeit Livl. 3, 2, 1; die bauern ... trinken auch tobak bey einer lunten Rist friedejauchz. Teutschland (1653) 78; ubi cavetur, das bey zehen thaler straffe weder ... taback getruncken oder auszer denen apotheken verkauft werden solle (1653) Besold thes. pract. (1697) 2, 830ᵃ;
sehen wir nicht, dasz Deutschen ietzt gerne trincken rauchtaback?
Logau 271 lit. ver.;
wann er tabak zu trinken hatte Balde truck. trunckenheit (1658) 56; etliche ... trincken toback miteinander Andersen orient. reisebeschr. (1669) 52; wein, bier und daback trincken Abele künstl. unordn. (1670) 3, 30;
solte Clotho ihrer schaar in dem grabe noch vergönnen,
was sie bei der lebensfrist niemals haben meiden können,
ach so trünke mein Lysander in dem grabe noch tabak
J. Grob dicht. versuchgabe (1678) 97;
und ziehet man alsdann den rauch in den mund. solches nennet man taback trincken Lauremberg bericht vom taback (1678) a 1ᵇ; hembden ... welche wir über den leib wurffen und in solchem habit toback zu trinken anfingen Joh. Beer narrenspital (1681) 76; von welcher zeit (dem 30 jähr. krieg) sich die gewonheit taback zu trincken dermaszen ausgebreitet Grimmelshausen (1684) 3, 96; wer zahnschmerzen, catharr (hat) ... der solle von disem pipentoback zu zeiten trincken koch- u. artzneybuch (1686) 148; dasz ich wider allergnädigste landsgsatz fremden tabac trincken thet Schwabe tintenfäszel (1745) 30. rauch trinken, eine pfeife trinken:
ein paar frischer brüder auch,
die nicht länger können schweigen,
als man trinckt ein pfeiflein rauch
Rist Parnasz (1652) 779;
dann also pflagen die Römer ... durch einen triechter ... den rauch zu trinken Balde truckne trunckenheit (1658) anh. 196; ein weib, das sich gewöhnet, rauch zu trinken, wie wird sie ihren mann vor den leuten stinckend und ruszicht machen ebda 34; hernach habe er zu Cölbe ein pfeiff tubac getruncken (1659) bei Vilmar 416; ich besorge, du hast darinnen (in den Niederlanden) den rauch des tobacks zu trincken gelernet Abele künstl. unordn. (1670) 2, 140; wie denn das tobacktrincken gewiszlich sehr unter die geistlichen kömmet und es beschönen, sie thäten es der flüsz halben, deswegen sie ... des tages etliche pfeifgen trincken exemplarischer priester (1690) 111. schnupftabak trinken schnupfen: wann ihnen derselbige (staub) nur ein wenig in die nasen käme, niesen sie darvon, als wie einer der ein schnupftawak getruncken hätte Grimmelshausen traumgeschicht (1660) 22.
2)
küsse trinken: blind und liebestrunken und kühn und bange wuchs er mit seinen trinkenden lippen an ihre an Jean Paul 7/10, 385 Hempel;
wenn Irmas lippen Yngurds küsse trinken
Müllner dram. werke (1828) 3, 99;
wenn in selger rosenstunde
ich der küsse honigschaum
trinke von der süszen munde
Max Schneckenburger deutsche lieder (1870) 56;
weitergebildet: wenn mein herz an dem seinen glühte und ich mit bebenden lippen seine grosze seele in mich trank Göthe 11, 145 W.; neues, wärmeres, glühenderes leben will ich von seinen lippen trinken 11, 173.
3)
luft trinken sie einatmen:
(länder) deren lüfte vor ihm kein fremder getrunken
Giseke poet. werke (1707) 32;
also trink ich die reinere luft
Klopstock oden 2, 100 M.-P.;
komm, Selima, lasz uns im offnen felde
die lieblichkeit der frylingslyfte trinken
Wieland I 1, 411 akad. ausg.;
lasz mich in vollen, in durstigen zügen
trinken die freie, die himmlische luft
Schiller 12, 487 G.;
Minna schlürfte mit dem mund, als ob sie die luft trinken wollte Castelli (1844) 10, 108; deine geöffneten lippen tranken die feuchte erquickende luft Storm (1899) 4, 5; sie (die luft) ist köstlich zu trinken H. v. Kahlenberg Eva Sehring (1901) 3. uneigentlich:
es trank die brust in zügen mild und tief
lust jener liebe, die im himmel schlief.
Jos. Weinheber adel u. untergang (1934) 76.
mit besonderem ton die gleiche luft mit jem. trinken u. ä.: sie fürchtet sich, mit mir dieselbe luft zu trinken Hebbel (1891) 1, 129;
wer mit gemsen eine luft getrunken,
athmet nicht behaglich bei den unken
Lenau neue ged. (1838) 316;
(sobald) du nicht mit uns die gleiche luft mehr trinkst,
bricht unsre hoffnung ein
Stefan George d. neue reich 91.
jemandes atem, düfte, gerüche trinken, nebel, weihrauch trinken: ihren athem zu trinken Lenz 1, 321 Tieck; lasz mich wieder deinen lieben athem trinken Göthe 11, 155 W.;
ich wagte nicht
des athems leisen wellenzug zu trinken
Th. Körner 3, 135 Hempel.
dasz selbst der krämer die gerüche
athmender trinkt
Klopstock oden 1, 118 M.-P.;
trink trunken der blumen
süszberauschende düfte
Arent-Conradi-Henckell mod. dichterchar. 3.
ihr schüler der natur ...
die wolken, die ihr trinkt, sind schwer von reif und strahl
A. v. Haller 22 Hirzel;
ich habe dabei gewonnen, dasz ich drei tage lang den stinkenden nebel auf der strasze nicht zu trinken ... brauchte Börne (1829) 13, 91; jetzt da alles treibt und schwillt, will ich ... keinen weihrauch trinken, am wenigsten den einer totenmesse C. F. Meyer novellen (1904) 2, 273.
4)
trinken übertragen auf das schauen des auges.
a)
sie trank die züge deiner werthen hand in sich Gerstenberg 242 nat. lit.;
wann darf ich, wann
die blätter öffnen? wann die heilgen züge
mit andacht schauen, küssen, in mich trinken
Göthe 11, 325 W.;
ach, mit welchem geize
trank ich alle reize
Eschenburg beispielsamml. (1788) 4, 80.
besonders oft von licht und lichtstrahlen:
schon mit
der morgenröthe wach, sieht er sie (die sonne) kommen,
trinkt ihren ersten strahl
Pfranger mönch v. Libanon 150;
könnt ich ... trinken das süsze licht der sonne da, wo es zum erstenmahle meine blicke begrüszt maler Müller (1811) 1, 352. subjekt ist das auge: meine eröffneten augen trinken das wenige licht der dämmerung mit geizigen zügen M. Crugot der christ in d. einsamk. (1771) 47;
o welch gesicht! mein lied! wie könntest du es sagen,
was dieses auge trank vom weltumwandelnden wagen
Schiller 1, 219 G.;
du, mutter, sahst mein auge trinken
des irdschen tages erstes licht
Uhland (1898) 1, 94;
trinkt, o augen, was die wimper hält,
von dem goldnen überflusz der welt
G. Keller (1889) 9, 43;
gierig trinkt sein auge das liebe, holde grün Allmers marschenbuch 112.
b)
wie oben unter E mit einer ergänzung hinsichtlich der wirkung: er die gift der liebe mit seinen augen trancke Arigo dec. 113 lit. ver.;
trink, o jüngling, heilges glücke
taglang aus der liebsten blicke
Göthe 1, 48 W.;
ich trank aus ihren blicken eine seltne wonne Heinse 2, 337 Sch.;
du schaust und trinkst im schaun vergessenheit
Geibel (1888) 2, 125.
sich voll, satt trinken:
sein auge trinkt sich voll von sprühndem golde
Mörike 1, 140 Göschen;
nur meine augen tranken sich satt an all der schönheit Storm (1899) 3, 246; eigenartig:
ihr lechzendes aug in mein auge sich trank
Arent-Conradi-Henckell mod. dichtercharakt. 252.
c)
über das blosz sehliche hinaus von umfassenderem empfangen:
trinke du sonnenlicht!
und verachte, was nicht dringt in das innerste
leben
Lavater poesieen (1781) 1, 1;
so hört ein wandrer einsam in einem dicken walde fürchterliche donner über seinem haupt herabrollen; und so trinkt er den sonnenschein nach dem ungewitter Heinse 3, 125 Sch.; jetzt sind wir sonnenhungrig wie eidechsen ... jeder tut nichts anderes mehr, als dasz er die sonne trinkt Dwinger zw. weisz und rot (1930) 476. geradezu umschreibend für 'leben':
also würget der feind in wehrlose schaaren der bürger,
die mit gebogenem knie nicht können die wohltat erflehen,
länger das licht des tages, das würmern gegönnt wird, zu trinken
Lenz ged. 24 Weinhold;
wie viele tausende leben, trinken dein licht und harren auf dich, o mein gott! maler Müller (1811) 1, 6.
5)
übertragung auf das hören des ohres:
schaaren trinken, im dichten drang,
mit horcherohr, zu neuer einsicht,
all die belehrung, wovon du triefest
Klopstock oden 2, 35 M.-P.;
ich sehe die rauschende harfe! — durstig
trink ich mit ohr und blick ihren ton
Kretschmann sämtl. werke (1784) 5, 15;
bis wo der Newa nymfe, von reif umhüllt,
den letzten hauch germanischer sprache trinkt
v. Stägemann kriegsgesänge (1813) 24;
sie reihn sich um den mann im kreis,
und trinken seine süszen lieder
G. Schwab ged. (1838) 193;
(er) liesz seinen bogen sinken und trank mit durstigem ohre Holtei erz. schr. 11, 311. subjekt ist das ohr: begieriger ... trinkt das ohr des haufens, schulter an schulter gedrängt, das lied von den schlachten Herder 27, 182 S.; sein ohr trank gierig die sanften töne aus ihrem munde Musäus volksm. 1, 10 Hempel;
mein ohr trank keine hundert worte noch
von diesen lippen; doch es kennt den ton
Shakespeare 1, 54;
in deines vaters halle, wo mein ohr
zuerst den zauber deiner stimme trank
Geibel (1893) 7, 30.
6)
uneigentlicher gebrauch wie 'aufnehmen, zu sich nehmen, empfangen, genieszen' u. ä.; zusätze verraten gelegentlich die sinnliche herkunft: wir trinkend nach unserm vermögen die evangelisch leer us dem waren brunnen Zwingli dtsche schr. (1828) 1, 38;
aus vollen bechern sollst du warheit trinken
Immermann 12, 97 Boxberger;
mein herz wuszte, was ihm mangelte, und ging zu dem rechten borne, gesundheit zu trinken A. Stifter 20, 181; ich habe einen tiefen zug waldeinsamkeit getrunken Auerbach dorfgesch. (1884) 3, 19. ganz abgezogen: dû getranchtost in mit dînero gothêite. pe diû nemahta er trinchen die bitteri dero sundon. diê siê nâh Adâme alle getrunchun Notker 2, 63 Piper; das ist die ewigin wisheit, di der son uz des vadirs herzin getrunkin hait paradisus anime intelligentis 22 Strauch; die ir eigen lob trinckend, das ist, die als vil nach irem eignen ruͦm und flattieren stellend Frisius (1556) 144ᵃ s. v. auris; aus der neueren sprache eine kleine auswahl:
geschöpf, das bald äthersche freuden trinket,
und bald, zu schwer, zum thier herunter sinket
Zachariä (1772) 2, 190;
trinke heitern geist der wahrheit
Arndt 5, 25 R.-M.;
wo ich wallte, trank ich göttlichkeit
Hölderlin 1, 96 Litzmann;
(der geist, der) sich muthig in die wolken schwingt
und klarheit aus der sonne trinkt
Gotter (1787) 1, 403;
wie er ins liebe ärmlein sinkt,
neue lebenstag und kräfte trinkt
Göthe 16, 128 W.;
und trank des kampfes lust mit den gefährten,
fern auf der lauten waffenebne Trojas
Freiligrath (1870) 5, 184;
meine seele trinkt wonne von allen vier winden her U. Bräker (1789) 2, 149. verstärkt, in sich trinken: trink sînen geist in dich Berthold von Regensburg 105 Kling; er (Sickingen) ha den Luter gantz in sich getruncken Hutten 2, 61 Böcking; trinck in dich dye liebe gottes Keisersberg bilgerschafft (1512) 53ᵃ; hat unsre seele nur einmal entsetzen genug in sich getrunken Schiller 3, 438 G.;
trinkst du die fülle des lebens in dich
Mörike 1, 205 Göschen;
(der dichter von seinem werk)
ich schaue und höre
es trinkend in mich
Jos. Weinheber adel u. untergang (1934) 103.
B.
mit unpersönlichem subjekt. vom aufnehmen, einsaugen einer flüssigkeit.
1)
von dem boden: wann die erd die do dick trinckt den kumenden regen auff sy und sy gebirt zimlichen wuͦcher erste deutsche bibel 2, 252; (so viel) das sand am meer wasser trinckt oder an sich zeücht Frisius (1556) 144ᵃ s. v. auris; wie die lechzende erde ... den fruchtbaren gewitterregen trinkt Bettine briefw. mit einem kinde 3, 37;
viel tropfen trank die erde
Rückert (1867) 1, 161.
tränen: und der zuvor so angenehme rasen trinkt meine thränen Heinse 3, 408 Schüdd.;
wie vom thaue überfüllet
eine blume niedersinkt,
und ihr haupt im staub verhüllet,
der nun ihre thränen trinkt
Brentano (1852) 3, 369.
blut: das stuck erde, welches disz theure königsblut in sich getrunken S. v. Birken ostl. lorbeerhäyn (1657) 127; ganze tausende fielen zerstreut auf dem gefilde, und die erde trank mit begierde das blut ihrer grimmigen feinde A. v. Haller Alfred, könig d. Angelsachsen (1773) 13;
das schwert vertilgte alle, und die erde
trank ungern ihrer enkelsöhne blut
Schiller 15, 1, 34 G.;
ein kalter schauer ergriff mich bey erblickung des revolutionsplatzes, der das blut so vieler märtyrer getrunken hat Pfeffel pros. vers. (1810) 5, 76;
führt ihn hinweg,
und laszt sein blut, das erste, gleich
des vaterlandes dürren boden trinken!
H. v. Kleist 2, 431 E. Schm.;
verflucht der falsche boden, der das blut
der eignen kinder trinkt!
Eichendorff (1864) 4, 590.
2)
von der pflanzenwelt: du lagst auf seinem schosze, wie eine trinkende alpenblume an der rinnenden wolke Jean Paul 1, 42 Hempel;
wie ein myrthenreis im töpfchen,
das an einer quelle trinkt
Brentano (1852) 2, 218;
die blume trank des himmels leise zähre
Lenau 20 Barthel;
im morgenwinde sah ich blumen wanken
und sah, wie sie den thau der goldnen frühe ...
mit leisem mund begierig in sich tranken
Hebbel I 6, 326;
dein laub, es durstet und es trinkt,
schwarzschattende kastanie
C. F. Meyer 2, 13 Knaur-ausg.;
die halme tranken sich im tau wieder frisch O. Ludwig (1891) 2, 288; nur Martin ... sasz auf der im wasser trinkenden weide Peter Dörfler d. lampe d. töricht. jungfr. (1930) 160; feucht und warm soll der erdgrund sein, dann trinken die würzlein doppelt so warm H. Watzlik d. pfarrer v. Dornloh (1930) 92; weitergreifend: millionen gewächse trinken von den vier elementen der natur Schiller 4, 55 G.;
(gott) des lebensfülle
jede neue knospe trinkt
Becker mildh. liederbuch 58.
3)
ähnlich von verschiedenen anderen stoffen: Plinius spricht, das ir marck gar guͦt sey ausz den süchtigen oren wasser ziehen, darin gesteckt. wann natürlich trinckt und zeyhet es in sich wasser Petr. de Crescentiis ackerbau (1531) 116ᵃ; die leber gibt allen gelidern feucht (feuchtigkeit) zu trinken Ortolff von Bayrland artzneybuch (1479) 3ᵃ;
doch lange währt' es nicht,
bis ihre kleider, die sich schwer getrunken,
das arme kind von ihren melodien
hinunterzogen in den schlammgen tod
Shakespeare 3, 319.
von der bloszen benetzung mit etwas flüssigem: (die) nur allzuschwarze trauerdinte zu trinken genotsachte feder S. v. Birken ostländ. lorbeerhäyn (1657) 5ᵃ; dornen trinken ihr blut, das blut einer göttin Ramler schön. wissensch. (1758) 1, 358;
(die hand im weihbrunnen)
doch siehe, sie trinkt und badet, gewöhnt an gnade,
geheimnis und wunder in deinem allgiebigen haus
Heinr. Suso Waldeck d. milde stunde (1933) 85.
von hohlen dingen:
er sah ihn (den becher) stürzen, trinken
und sinken tief ins meer
Göthe 1, 171 W.;
ein schiffer rettet sein schiff, wenn es in den abgrund sinkt
und schon die fluth mit tausend lippen trinkt
Heinse 2, 189 Schüdd.;
ich glaube, dasz ein schiff versinkt,
wenn es zuviel gewäszer trinkt
Lenau 3, 181 Cotta;
mit merkwürdiger umkehrung im mittelniederdeutschen drinken in sich einsaugen in: dat water drinket in ênen swamp Lasch-Borchling mnd. hwb. 1, 1, 479.
4)
von der aufnahme einer flüssigen menge in eine andere, meist gröszere. hüttenmännisch, von geschmolzenen metallen: capellen (gefäsze) ... in welchen das silber oder gold, dasz das pley in sich trinckt, geleutert wird Ph. Bech Agricolas bergwerckbuch (1621) 190. vom einmünden eines flusses in den anderen oder in das meer: nachdem die Theisze diesen flusz eingetruncken, sihet man sie ... von so vielen starcken trincken berauschet in die Donau taumeln S. v. Birken Donaustrand (1684) 91; etwas weiter hinab trinckt sie (die Donau) zween flüsse ebda 13;
das meer trinkt
süsze ströme, und dennoch bleibt es bitter
Herder 27, 29 S.;
gegen den aufgang ström ich (Donau), der freiheit, der musen gefilde
lass ich hinter mir lang, eh der Euxin mich noch trinkt
Schiller 11, 156 G.;
wo diesen flusz (Don) das meer aus sieben strömen trinke
Ayrenhoff (1814) 5, 101.
vgl. noch:
die woge trinkt den thränenthau, den klaren
A. v. Droste-Hülshoff (1879) 2, 241;
mit schönem bild:
die welle sprüht, und staunt zurück und weichet,
und schwillt bergan, sich immer selbst zu trinken
Göthe 2, 3 W.
5)
im athmosphärischen bereich:
als nun die flammen fiehlen wider ...
löschten sie ausz die brunst mit wein,
gossen denselben bald darein,
der dampff die feuchte an sich tranck,
so auff der heiszen glut versanck
Spreng Äneis 111ᵇ;
wie die junge sonne den thau von der rose in sich trinkt Klinger theater (1815) 2, 353;
o wollte gott, wie ihn (den tau) der sonnenstrahl,
auch meine lebensmüde seele trinken
G. Herwegh ged. eines lebendigen (1841) 101;
anders, in einem dichterischen bild:
weiche nebel trinken
rings die thürmende ferne
Göthe 1, 78 W.
6)
entsinnlicht (vgl. oben II A 4 c); vornehmlich dichterisch:
und jenen (wein), alt als ich, der einst auf Tarzals hügeln
die morgensonne trank
Ramler lyr. ged. (1772) 83;
(langsam) tritt er (der stern) vor ihr (der sonne) antliz, und trinkt die äuszersten strahlen
Klopstock Messias (1775) 162;
wo der born des lichtes quillt,
die gestirne strahlen trinken
Fr. Kind ged. (1817) 1, 266;
trinkt der mond das licht der sonne
dann erhellt er unsre nacht
Jung-Stilling (1835) 2, 478;
die sonne, funken sprühend im versinken,
gibt noch einmal der erde glut zu trinken
Eichendorff (1864) 1, 611;
(ein see) dessen wasser die bläue des himmels trinkt Fr. Thiesz d. verdammten (1930) 498.
III.
entlegenere bedeutungen.
1)
tränken: potionare drincken (15. jh., md. und nd.) Diefenbach 450ᵇ; adaquare wettern (wässern), drinckin (15. jh., md.) ebda 12ᵃ; seine pferd zu drienkhen (1698) Fischer schwäb. 2, 317; mit der schwachen, von tränken beeinfluszten form: Hannchen ging zwischen den gartenbeeten ab und trinckte blumen Langbein (1836) 11, 159. hierher wohl auch der folgende reflexive beleg:
nü koment sie in ain lant
da man zu mal vand
kain waszer, daz sich
möcht trinken mensch noch fich
(ende d. 14. jh.) d. grosze Alexander, v. 3520 Guth.
2)
ertrinken: in dessem (roten) mere dar drank Pharao ynne myt alle zynem volke (mitte d. 15. jh.) bei Schiller-Lübben 1, 576; nach dem sprichwort ist es gangen, was an galgen gehört, der trinkt in keinen (l. keinem) wasser (1617) maister Frantz Schmidt all sein richten 80 Keller.
trinken n.
Fundstelle: Lfg. 4 (1935), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 589, Z. 24
substantivierter infinitiv mit konkreter bedeutung.
1)
'getränk'. die bedeutung scheint wenigstens für das ahd. eine kontrafaktur des gleichbedeutenden mittellat. biber, biberis zu sein, s. du Cange 2, 649; Wackernagel kl. schr. 1, 86; thes. ling. lat. 2, 1954; Linderbauer Benedicti regula monachorum (1922) 295; Baxton-Johnson medieval lat. wordlist (1934) 47; biberem et panem ahd. gl. 2, 51, 28. vgl. noch saufen, n., teil 8, 1882; (titel) von eines küniges tochter in Frankrich ein hübsches lesen von Hans dem Büheler: einluzziu ... trinchan (singulos biberis) (8. jh.) interlinearvers. d. Benediktinerregel cap. 35 bei Steinmeyer kleinere ahd. sprachdenkm. 241;
nemet then kelih ouh nu zi iu   thaz drinkan deilet untar in
Otfrid 4, 10, 13;
'wib', quad er innan thes,   'gib mir thes drinkannes'
2, 14, 15
(vgl. noch 2, 14, 20; 1, 14, 8). öfter für lat. poculum, den mit getränk gefüllten becher: min trinchen mit wêinode miscelôta (poculum meum cum fletu miscebam) Notker 2, 423 Piper; nîewanne drinchenes ânig numquam poculis indigens Williram paraphrase d. hoh. liedes 50 Seemüller; poculi trinchenes Münchener codex bei Schmeller-Fr. 1, 669; auch frühneuhochdeutsch: als Xanthus by synen fründen das mal asz und hielt das trinken in syner hand (poculum tenens) Steinhöwel Äsop 57 lit. ver.die bedeutung 'getränk' gilt mhd. und nhd. bis in das 18. jh. weiter; später nur noch vereinzelt oder mundartlich, auszer in verbindung mit essen, s. u.:
von dem wirte wart gehôrt,
man soltez trinken für in tragen
Wolfram von Eschenbach Parzival 641, 9;
den stein sluͦg man zwir da daz trinken uʒ vloʒ (14. jh.) Leyser dtsch. pred. 162;
dekein trinchin odir win
Rudolf von Ems weltchronik 20425;
wenne des wolfs herz verprant ist und gepulvert, geit man ez in trinken den hinvallenden läuten Konrad v. Megenberg buch d. natur 148, 16 Pf.; allain von trincken ... es sy wein, met oder pier, von welher hant trincken das ist (1363) städtechron. 4, 158; die gest (fremden) mügen noch sulln ... dhain trinckn bey dem mazz verschencken (1370) Schmeller-Fr. 1, 669; auch haben wir uns den ganzen summer und winter unser eygen trincken müsen kaufen Steinhausen privatbriefe 1, 108;
das wasser klar mein trincken war
Wickram 2, 68 Bolte;
nim ein hirschcreutz, legs in dein trincken, trinck ettlich tag darab Gäbelkover artzneybuch (1595) 1, 165; einem baurskerlen, welcher den schnittern in der ernd trincken zutruge Zinkgref apophthegm. (1628) 45; unser trincken, wein undt wasser, ist von der schencke bisz ahn taffel gantz zu eysz gefroren Elisabeth Charlotte v. Orleans briefe 2, 79 Holland; wird ihr ganz submisz ein gläschen trincken bringen (1. hälfte d. 18. jh.) bei Frischbier 412;
er reicht ihm, so oft er kann,
das trinken
Gellert 4, 285;
Hagen: das trinken ist vergessen ...
Siegfried: wer hatte denn für das getränk zu sorgen?
Hebbel 5, 117.
trinken der tiere: darnach aber mag man ... frisch trincken inen (den fasanen) zum offtermal fürstellen Sebiz feldbau (1579) 114; (hühner) sollen dasselbige trincken in steinern oder irdischen gefäszen vor ihnen haben viehbüchlein (1667) 96; in den zeiten, da ... das vieh kein trinken hat Claus Harms pastoraltheologie (1834) 2, 141. bildlicher gebrauch: der sel shenchet och unser heregot daʒ trinchen der shanten unt der ewigen plözze (13. jh.) Leyser dtsch. predigten 2; diu trinchen der werltlicher gelust ebda 1. mundartlich ist die bedeutung bis heute lebendig; nd. fast durchaus, vgl. Frischbier 412; Danneil 40; Mensing 1, 864; Wöste-N. 58; du must mî mîn drinken an 't fü̂r setten, dat 't gôd warm blift Doornkaat-Koolman 1, 336; aber auch md. und obd.: kaffee is e schii trinken Müller-Fraureuth 1, 250;
mein alläliebsts trinkä (ist) dä haindelbiernmost
Lindemayr dichtungen (1822) 47;
redensartlich: der därf ihm 's trinken it biete das wasser nicht reichen Fischer schwäb. 2, 386. trinken verbunden mit gemäszen substantiven: trinchan enti prot biberem et panem ahd. gl. 2, 51, 28.
sine gemeinten im oͮch vor hazze   mit trinchen noch mit mazze
Milstädter genesis u. exodus 73, 25 Diemer;
man gap in volleclichen trinken unde maʒ
Nibelungenlied 1755, 2;
trinken unde spîse   ich in güetlichen bôt
2096, 3;
wirt gebt in weder speis noch trinken
fastnachtspiele 566 Keller;
trinchen unde unsir ezzen   daz habent si ze hazze
Milstädter genesis und exodus 127, 12 Diemer;
am häufigsten in der formelähnlichen verbindung essen und trinken, die trinken in der bedeutung 'getränk' bis jetzt erhalten hat: virtus retentiva die crafft der behaltung essens und drinckens Diefenbach 622ᵇ; gutte kost, essen und tryncken summerteil d. heyligen leben (1472) 6ᵃ; auff dasz er die Perser mit gutem essen und trincken tractiren und uber derselbigen heer eine macht bekommen möchte Georg Schwartzkopff Herodot (1593) 41; bey den gottlosen haben sie mehr lohn, mehr trinckgeld, besser essen und trincken Schupp schriften (1663) 343; sonst soll sich der verwundete mit essen und trincken nicht überladen Hohberg georg. cur. auct. 3 (1715) 245ᵇ; ein gasthaus ..., woselbst ich das beste essen und trinken fand Göthe 1, 300 W.; alle posttage, wenn die deutschen briefe kommen, schmeckt mir das essen und trinken viel besser O. Jahn Mozart (1856) 1, 628; redensartlich: sein essen und sein trincken haben haver' il vitto, il vivere Kramer 2 (1702) 1143ᶜ.
2)
in verengter bedeutung von einem dünnen haus- oder nachbier:
eʒ saget dicke ein gebûr
vom andern, ist sîn trinken sûr
Freidank bescheidenheit 121, 21;
wen man von einer last brauete, so bekame man schwerlich sechs thonnen trincken davon S. Grunau preuss. chron. 2 (1889) 633; sie hab auch Strohhenrichs fraw umb einen trunck dünbier oder trincken gebeten Marb. hexenprozeszakten v. j. 1659 bei Vilmar 417; besonders in nd. und md. mundarten: drinken 'tafelbier, schemper' Frischbier preusz. 412; 'dünnes bier der bauern in der ernte' Wöste-N. 58; 'dünnbier' Bauer-Collitz 23; trinken 'füllbier, dünnebier' Kleemann nordthüring. 23ᶜ; 'füllbier, kofent' Jecht Mansfeld. 114ᵇ; Hertel thüring. 247; 'nachbier, das erste gebräude nach dem bier' Anton Oberlausitz. 5, 8; 'hausgebrautes bier' Hentrich Eichsfeld 42.
3)
vom 13. bis zum 16. jh. ist trinken im obd. auch maszeinheit für getränke; in dieser bedeutung auch als mask.: wir schullen im auch geben ze hocher zeit einen trinchen weins (1325) bei Schmeller-Fr. 1, 669. das masz wird mit zwei seideln angegeben, s. mhd. wb. 3, 92; Wackernagel kl. schr. 1, 86; Unger-Khull steir. 173; vereinzelt auch mit einem seidel, s. Zingerle hausinvent. 293; vgl. auch ¹trinkel: vier trincken mætes (1276) stadtb. v. Augsburg 59 Meyer; giuz dar zuo ein halbes trinchen wînes arzneibuch des 13. jh. in: Wiener sitz.-ber. 42, 133; trinch dez wazers gein einem guoten trinchen ebda 145; misch das alles ze samen unde soufe daz siben tage gegen einem halben trinchen, sô wirt er gesunt ebda 158; man sol ouch den Kriechel und Rômâner schencken ein ganzez trinken umb zwêne zweinziger und ein halbez trinken umb einen zweinziger, und Malfasier ein trinken umb drî zweinziger und ein halbez trinken umb anderhalben zweinziger Meraner stadtrecht v. j. 1317 in zeitschr. f. dtsch. altert. 6, 417; unde git men iegelichen ein brot unde ein trinken winis (elsäsz. 1320) weistümer 1, 668; der chopf (1⁄60 eimer) halber ist genant ein trinken, desselben gên ein halb pfund an den eimer (1354) Schmeller-Fr. 1, 669; alleu maz geleich nach dem alten recht, alz di stat gesatzt ist, die chauf geleich, ... die viertail geleich, die trinchen geleich (2. hälfte d. 14. jh.) städtechron. 15, 398; 1 trinken weins ... ein trinken milchraym kochrezepte d. 15. u. 16. jh. in: Germania 9, 204; auf den tag zway trinkhen weins (tirol., 1439) V. Hintner beitr. z. dtsch. wb. 17; II klain zynnen kantlein von ain halbs tringken (1479) Zingerle hausinvent. 50; 3 trinckn lantmasz ist ain achterin, 32 achterin ist ain suer, 64 lantmasz ist ain suer (1520) Schmeller-Fr. 1, 669; von wegen der gest, so in die albm faren, das der ieder von aim ieden drinken milch ain fierer albgelt geben (soll) (1536) tirol. weist. 4, 85. im deminutiv lusernisch bis heute: trinkhendle eine halbe, 1⁄2 alte masz, etwas mehr als 1⁄2 liter Bacher 407.
4)
mit konkretisierter verbalhandlung: drinken(t) trinkgelage Lasch-Borchling mnd. hwb. 1, 1, 479; mitler weil und der tag weret, do war ein grosz drinken von den herren und edelleuten Zimm. chron.² 4, 155 Barack; do fieng dieselbig nacht das grosz trinken an, das weret über die halb nacht hinein ebda 4, 274; aus meiner frohen kindheit erinnre ich mich noch, das wir oft dort selige 'trinken' oder sogenannte liebesmahle hielten fürst Pückler-Muskau tutti frutti 1, 78. anders in westfälischer mundart: drinken frühstück Wöste-N. 58.
Zitationshilfe
„trinken“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/trinken>, abgerufen am 06.12.2019.

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