Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

trosse, f.

trosse, f.,
auch trosz, m., f., n., dickes, aus nur einmal zusammengedrehten garnen oder duchten geschlagenes tau von hanf oder draht, gewöhnlich zum halten schwerer schiffslasten und zur befestigung der schiffe beim verholen, schleppen oder anlegen verwendet, ein ursprünglich seemännischer terminus, s. Kluge seemannsspr. 796. im deutschen seit dem 14. jh. nachweisbar: vorthert warckgarne (geteerte kabeltaue) dat schal nen reper (seiler) slan tho ... trossen, nieht groter wen verdehalven dumen (d. h. ca. 10 cm umfang) (1390) bei Wehrmann ält. Lüb. zunftrollen 382; der nom. sg. zufrühest in der form trosse (1452) hans. urkdb. 8, 133; (1492) 11, 539; der plural schwach flectiert: trossen und werpptow 23 stücke (1464) ebda 9, 95; 2 nyge trossen (1483) 10, 1097; später nur vereinzelt lexikalisch gebucht: trosse 'remulcum funis, quo navis trahitur vice remi' Chyträus bei Frisch 2, 390ᵃ; Campe 4, 894; im ganzen auf das fachsprachliche beschränkt, in jüngerer zeit auch schriftsprachlich verwendet: der schlepper ... wartete, dasz ihm die trossen des leichters zugeworfen würden Hans Grimm volk ohne raum 2, 163; während des fluges bemerkte ich, dasz von den trossen, mit denen die gleitflächen verbunden waren, einige drähte zerrissen herabhingen A. Winnig heimkehr (1935) 264. die teil 2, 1435 angegebene form drosse wie die auf grund des brem.-ndsächs. wb. 5, 99 verzeichnete bedeutung 'dünne stricke' sind sonst nicht zu belegen. eine form trosz, f., wahrscheinlich apokopiert aus trosse, führen an Bobrik naut. wb. (1850) 698ᵇ; Hoyer-Kreuter (1902) 1, 781. trosz, m., verzeichnet Mothes (1882) 4, 376; Beil 610. trosz, n., Campe a. a. o.; Röding 2, 811; für die 1. hälfte des 19. jh. Kluge 797. tross(e) ist aus dem mnd. ins skandinavische entlehnt als schwed. tross, s. Hellquist 2, 1010ᵇ; dän. norw. trosse, s. Falk-Torp 2, 1288. das wort ist innerhalb des germ. noch im mnl., nl. und jüngeren fries. als tros, trosse 'tau' bezeugt. engl. truss 'rack' (seit dem 13. jh.) Murray 10, 1, 429ᶜ ist offenbar das gleiche wort; es stammt aus dem romanischen, vgl. frz. drosse, drousse 'das rack aus tauen' Littré 1, 2, 1248ᵃ; ital. trozza, span. troza, port. troça 'taurack'; dazu mlat. troca, trocia aus Marseille um 1270 bei du Cange-Henschel 8, 195ᵃ; herleitungsversuche sieh bei Meyer-Lübke roman. etym. wb.² 670ᵃ; Gamillscheg 328ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1937), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 898, Z. 1.

trossen, vb.

trossen, vb.
eine seit dem 13. jh. bezeugte entlehnung aus dem romanischen; vgl. afrz. trosser '(auf gepäckvieh) aufladen', frz. trousser, ital. torciare u. s. w. 'zusammendrehen, festbinden' Diez⁵ 1, 321; mlat. trussare, trossare du Cange 8, 195ᶜ; nach Gamillscheg 870ᵇ stammt das frz. wort aus dem galloroman. *torciare 'ein bündel schnüren', einer ableitung von vulgärlat. *torca 'bündel', das dem lat. torquis 'das gedrehte, gekrümmte' entspricht; mehr oder minder abweichend Meyer-Lübke nr. 8798; Gröber arch. f. lat. lexikographie 6, 128. vgl. auch trosz, m. innerhalb der german. sprachen noch entlehnt ins engl. als truss, me. truss(en), ins mnl. nl. als trossen, mnl. auch als torsen; zu nl. drossen vgl. gelegentliches dt. drossen teil 2, 1437.
1)
die ursprüngliche bedeutung 'aufpacken, einpacken, beladen', wie sie sich im engl. und nl. bis heute erhalten hat, ist innerhalb des deutschen nicht über das 16. jh. hinaus bezeugt: swanne di brudere von dem convente riten sulen, so sol nieman sine bestien heizen satelen noch trossen, e danne ez wirt geheizen. unt so sie gesatelet sint, so mac man profenel unt andere die dinc trossen, die man pfliget zu bindene mit den cleinen riemen (13. jh.) ordensb. d. brüder v. dt. hause st. Marien z. Jerus. 72 Schönhuth; alle dinc in den watsac trossen Pontus u. Sidonia 54ᵃ bei Lexer 2, 1526; nach der mesz trosten wir oder luden die camel Fel. Fabri eigtl. beschreibg. (1557) 114ᵃ; zusammengesetzt: auftrossen (s. teil 1, 766; Lexer 2, 1706), abetrossen:
... die kost,
di si da hatten abgetrost
Nicolaus von Jeroschin 24457 Strehlke.
2)
der im älteren engl. und im nl. bezeugten bedeutung 'sich packen' entspricht die des deutschen reflexivums sich trossen, das aber nur schwach belegt ist:
nun trosz dich bald, mach dich darvon
Murner Luth. narr v. 3511 Merker;
dann muͤst ich mich bei henken trossen
aus ewerem land
P. Gengenbach 307 Gödeke;
trosz dich apage Calepinus (1570) 100; heute noch in der bergmannssprache 'sich während der schicht heimlich von dem arbeitsorte wegbegeben' Veith bergwb. (1870) 502; in dieser bedeutung zuerst bei A. v. Schönberg ausf. berginform. (1693) 2, 99.
3)
in älterer literatur findet sich vereinzelt auch die bedeutung 'laufen, traben': (der narr) ging umb den tisch herumbtrossen Pauli schimpf u. ernst 1, 32 Bolte;
doch lumpenwerk ist euch kein schand,
damit ir trossen über land
Murner Luth. narr v. 2091 Merker;
ebda v. 1768; vgl.drossen teil 2, 1437. heute im westlichen md. als ausdruck einer lebhaften bewegung: 'munter vor sich hertraben' Schön Saarbrücken 212ᵇ; 'trabend herumlaufen' Crecelius oberhess. 302; sich trossen 'sich beeilen' Follmann lothr. 106ᵇ; dazu vgl. nd. drossen 'viel gehen und laufen' Dähnert plattdt. 90ᵃ; nl. drossen 'oft hin- und herlaufen' wb. d. nl. taal 3, 2/3, 3468 unter 2; dresse 'laufen, gehen' Dijkstra fries. 1, 299ᵇ. besondere bedeutungsentwicklungen zeigen die zusammensetzungen: auftrossen 'auftreiben, ausfindig machen': er sahe, dasz er allenthalben gelt auftrossete beutelschneider (1641) 1, 143; Kehrein Nassau 1, 118; herumtrossen 'sich herumtreiben' Frischbier preusz. 2, 413ᵃ; ummetrusse 'sich mit einer krankheit tragen' beitr. z. schweizer dt. gr. 8, 77.
4)
trossen als bezeichnung einer reitbewegung, gewöhnlich mit abschätzigem beiklang, im westmd., vgl. Schmidt westerwäld. id. 270; Kehrein Nassau 1, 117; Vilmar kurhess. nachtr. 1, 298. öfter begegnet der als interjection verwendete imperativ: damit setzte er sich auf das pferd und es gieng trosz, trosz, trull, da reit der abt von Fuld B. Schupp schr. (1663) 249;
... nun gings trosz, trosz
Wieland 4, 92 Hempel;
so gern in kinderliedern: wann die bauernweiber im Hessenland ihre weinende kinder stillen wollen, so singen sie: trosz, trosz, trull, da kommt der abt von Fuld B. Schupp freund in d. not 36 ndr.; ähnlich noch heute Schmidt westerwäld. id. 270; Crecelius oberhess. 302; Ernst Meier kinderreime 12.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1937), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 899, Z. 55.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
trockenschwindung trotzung
Zitationshilfe
„trossen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/trossen>, abgerufen am 21.01.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)