trosz m., f., n.
Fundstelle: Lfg. 7 (1939), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1069, Z. 52
dasselbe wie trosse, f., s. d.
trosz m., f.
Fundstelle: Lfg. 7 (1939), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1069, Z. 50
rückstand beim pressen von trauben, obst u. dergl., s.tros, m., f.
trosz interj.
Fundstelle: Lfg. 7 (1939), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1069, Z. 54
s. unter trossen 4.
trosz m.
Fundstelle: Lfg. 7 (1939), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1069, Z. 53
s.trasz, m.
trosz m.
Fundstelle: Lfg. 7 (1939), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1066, Z. 1
'gepäck, bagage', auch das dazugehörige 'gesinde'; allgemeiner 'schar, gefolge, anhang'; 'troszknecht'. seit dem mhd. bezeugtes lehnwort, das zurückgeht auf frz. trousse, afrz. torse, tourse, f., eine postverbale bildung zu afrz. tourser, trosser 'aufladen', s.trossen und die dort genannte literatur. dem frz. worte entsprechendes femininum läszt sich nur vereinzelt nachweisen: na der trosse (16. jh.) Hamburg. chron. 440 Lappenberg; weniger sicher ist trossula trossᵉ (15. jh.) Diefenbach gl. 599ᵃ. das masc. trosz ist seit dem 16. jh. gesichert, sieh unten 1; 2; 2 a u. b; der wortstamm findet sich seit dem 13. jh. eingedeutscht in trosseriemen, s. unter 1. trosz 1-4 flektiert stark; ein plural ist bei der kollektiven verwendung von 2 und 3 nicht belegt. schreibung mit anlautendem d ist bis zum ende des 17. jhs. neben gewöhnlichem trosz allgemein; gelegentlich mit epithetischem t trost G. Schrager Salustius (1565) 92ᵃ; H. v. Fleming d. vollk. teutsche soldat (1726) 274. die frühest bezeugte bedeutung von trosz entspricht (wie im engl. und nl.) der des frz. trousse 'aufgebundener gegenstand, bündel', s. Gamillscheg 870ᵇ, 849ᵃ; zur verbreitung im romanischen s. Diez⁵ 1, 321; im mlat. tritt es seit dem 12. jh. auf, zuerst auf frz. boden, s. du Cange-Henschel 8, 195ᵃ; als entlehnung ferner im engl. truss seit dem 13. jh. (Murray 10, 1, 429 f.) und mnl. tros(se), torse Verwijs-Verdam 8, 597 f.; 731 f. aus dem deutschen ist entlehnt schwed. tross, dän. tros, s. Hellquist 2, 1010ᵃ, Falk-Torp 1287.
1)
gepäckstück, bes. pferdegepäck eines einzelnen, felleisen, mantelsack, wie trossen 1 nur bis ins 16. jh. hinein bezeugt: sagmarius ein soumrosz oder ein troszrosz, das ein trosz tregt gemma gemm. (1508) y 3ᵈ; die vorrider quamen mit den watsecken und trossen md. hs. von Pontus und Sidonia (15. jh.) bei Lexer 2, 1526; sy liessend iren trosz abladen Haimonskinder 48, 2 Bachmann; sin trosz ufbinden ebda 48, 6; colligere sarcinas dicuntur milites iren trosz zesamen läsen, ir ding einpacken Frisius dict. (1556) 1181ᵃ. zufrühest im 13. jh. in trosseriemen 'riemen am packsattel': er sol ouch rinken geben ... zu trosseriemen ordensb. der brüder vom dt. hause st. Marien zu Jerusalem 71 Schönhuth.
2)
die bagage, der gepäckzug eines heeres: impedimenta exercitus der trosz, kriegstrosz Dasypodius (1536) 174ᵇ. zu dem sonst auszerhalb des deutschen nur für ital. trozzo nachgewiesenen bedeutungswandel gegenüber 1 vergleiche man dieselbe entwicklung bei bagage, s. H. Schulz fremdwb. 1, 69.
a)
in allgemeiner sachvorstellung im 16. jh. öfter neben plunder (s. d.): herzog Born blündret allen der feint plunder und trosz Aventin 5, 167, 15 L.; sie flöheten ihren trosz und plunder eilend Cyr. Spangenberg mansfeld. chr. (1572) 128ᵃ. gewöhnlich werden das lastvieh und die fahrzeuge mit einbegriffen; so entspricht in den Haimonskindern trosz dem frz. le chariage, les sommiers: (Allard und Guchart übernahmen die vorhut) und staltend den trosz amitten 46, 17 B. daher öfter verbindungen wie: drosz und wagen Fronsperger kriegsb. 2 (1573) k 1ᵃ;
do fuern trosz und wegen har,
brachten speis, pulver, kuglen dar
Thurneysser archidoxa (1575) l 1ᵇ;
trosz und geschütz
Stumpf Schweizerchron. (1606) 28ᵇ;
und weren wir noch zu zogen basz
hin, da die bruck gemachet was
über den Pol (Po) mit schiffen,
so hett man das geschütz und allen trosz
hie diszhalb das wasser ergriffen
Hans Birker bei Liliencron histor. volksl. 3, 398;
selten jünger: trosz und geschütze polterten an den häusern vorbei H. Zillich zwischen grenzen u. zeiten (1936) 427. neben bagage, von dem es in rein militärischem sinne heute gewöhnlich abgelöst ist: der unnötige tros und pagage (ist) in expeditione bellica hinderlich Chemnitz schwed. krieg (1653) 2, 421ᵇ; bei der bagage, beim trosz ... zu verweilen (ist) zugleich gefährlich und schmählich Göthe 33, 61 W.
b)
auch die begleitmannschaft des gepäckzuges wird unter trosz mit einbegriffen und das ganze als besondere formation von anderen heeresteilen unterschieden: der trosz verzug hinden mit dem viech, wart von weiten gesehen, sams auch reiter wärn Aventin 4, 509, 6 L.; kanstu nit im vorzug sein, so ziehe im trosz hinach Seb. Franck sprichw. (1541) 1, 44ᵃ; es soll auch im velde aller trosz zwischen dem nachtraben und dem rechten haufen in guter ordenung beisammen bleiben dt. hofordnungen d. 16. u. 17. jhs. 2, 45 Kern. trosz bezeichnet dann auch das begleitpersonal für sich betrachtet: trosz ... (heiszt) das seltsame wüst und gottlos gesindlein, welches den kriegsleuten ihren plunder nachträgt ..., in summa mit einem kurzen nahmen hurn und buben Kirchhof wendunmuth 2, 315 lit. ver.; troszbuben qui etiam dicuntur der trosz Stieler 2335; izo ist des trosz oft so vil, als etwo schir des haufen ist Aventin 1, 252, 8 L. nach Adelung versuch 4, 1077 beginnt trosz in dieser bed utung zu veralten; doch findet es sich noch heute durchaus in der alten verwendung für die marschformation der bagage: es ist eine alte geschichte, dasz eine armee um so langsamer marschiert, je gröszer der trosz ist W. Beumelburg Mont royal (1936) 159; ferner mit archaisierendem beiklang gern in historischen und kulturgeschichtlichen beschreibungen früherer epochen, vgl. den kopf der trosz- composita.
3)
schar, gefolge, anhang. die allgemeine bedeutung 'schar' ist eindeutig erst mit dem 18. jh. faszbar (s.b und c), kann aber auch schon in den frühesten belegen vorliegen:
wa lügin laufen allermeist,
da ist bei got kein heiliger geist. ...
wölt ir die gantz welt reformieren
und wölt den lügentrosz umb fieren
Murner lutherischer narr 2095 Merker;
vgl.torentrosz Fischart 3, 35, 35 K.im sinne von 'gefolge, anhang', afrz. torse, tourse 'suite, poursuite' entsprechend (s. Godefroy 7, 776ᶜ), tritt es aber nur gelegentlich mit überwiegen dieses sinngehalts auf: fürstentrosz stipatio et comitatus principum, gall. la suite Stieler 2335; sonst noch bei Fischart: on dise het sie (die allegorische gestalt des podagras) noch ain andern trosz (weiter unten dafür hofgesind), die lehen von ir trugen, von epicurern, winholden 3, 28, 23 H.; doch kann dem worte trosz noch bis heute neben der vorwaltenden allgemeineren vorstellung einer schar schlechthin der begriff der gefolgschaft oder hörigkeit anhaften.
a)
mit dem begriff der gefolgschaft oder hörigkeit; bei aufzählung der gefolgsleute der allegorie der schönheit heiszt es:
man sagt, dasz das gesicht mit larven überdecket
des bleykamms falscher gott der schönheit letzten trosz
zusammt des rosentuchs gefärbtem gotte schlosz
Joh. E. Schlegel w. (1761) 4, 54;
gern archaisierend:
und nieder steig ich zum gefechte,
zurücke bleibt der knappen trosz,
ich gebe scheidend die befehle
Schiller 11, 279 G.;
des morgens mit dem frühesten steigt Eberhard zu rosz,
gen Stuttgart fährt er wieder mit seinem reisgen trosz
Uhland ged. 1, 289 E. Schm.-H.;
ähnlich Körner 2, 164 H. u. a. öfter kehrt von einer menge untergebener wieder trosz der diener u. ä.:
geschäftig schwärmt hervor der diener trosz
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 2 (1878) 223,
vgl. dienertrosz teil 2, 1114, bediententrosz Rückert w. (1867) 11, 463; unwillig sah er sich ... mit dem übrigen trosz der sklaven in eine klasse gesetzt A. G. Meiszner Alcibiades (1781) 3, 99; der trosz von beamten K. L. v. Haller restaur. d. staatswiss. 2, 161; der unnütze trosz von kinderbedienung Fr. Meinecke Boyen 1, 70; so von den negern der schutztruppe: der farbige trosz Hans Grimm volk ohne raum 2, 28. uneigentlich:
den groszen nicht noch ihrem trosz
rührt meine not den sinn
R. Z. Becker mildheim. liederb. (1799) 103;
so erzählen sie mir doch einmal einen zug, eine tatsache, wodurch sich ihr geistvoller fürst von dem trosz seiner hofleute auszeichnet W. H. Riehl Eisele und Beisele (1848) 157. in redensartlichen wendungen wie im trosse (einer geistigen bewegung) mitlaufen u. ä.: manche kleine leute, die nur im trosse des jungen Deutschlands mitliefen Treitschke dt. gesch. im 19. jh. (1897) 4, 433; eine richtung, die ... im trosse der neuromantiker einherzog W. H. Riehl musikal. charakterköpfe (1899) 1, 327.
b)
schar schlechthin, ohne die vorstellung von gefolgschaft, anhang; öfter mit abschätzigem beiklang, s. oben lügen-, torentrosz:
... kränkt das die majestät,
wenn man der toren schwarm frei unter augen geht
und mit dem Juvenal die geiszel darf ergreifen,
so oft der dichter trosz will auf den Pindus streifen
Hagedorn versuch 66 ndr.;
von den narren, die das heiligtum des ruhms betreten, heiszt es:
stolz ging der trosz hinein, beschämt kam er zurück,
nicht einer durfte dort verweilen
Ramler fabellese (1783) 3, 291;
ohne wertende note, von kriegerischen scharen:
lang trotzte Maria dem feindlichen trosz
Platen 1, 13 Redlich;
dem ungeheuren trosz (dem heereszuge der Perser) diente Hippias ... zum wegweiser K. Fr. Becker weltgesch. 2, 68. öfter von einherziehenden haufen:
hunde bellen durch die schatten,
und es folgt der jäger trosz
Tieck schr. (1828) 9, 152;
zuerst der hexen trosz voran
auf gabeln und auf besen
Brentano ges. schr. 2, 158;
Peter, der mahnwirt, ging (bei einer wallfahrt) stets ein wenig abseits vom trosz Rosegger I 2, 254. poetisch:
die löwin scheut den trosz der meute nicht
Immermann 17, 253 Boxberger;
vgl. v. Strachwitz ged. (1850) 246;
dreihundert pferde je drei und drei
zogen heut an mir vorbei.
zur musterung trappelte rosz um rosz,
ein unabsehbarer, ein brauner trosz
in der Liller kriegszeitung auslese (1915) 2, 257.
c)
in uneigentlicher, abschätziger verwendung hat sich eine bedeutung 'gemeiner haufe, groszer haufe' breit entfaltet:
... ist irgend eine kunst,
in welcher thorheit, zanck, verwirrung, hasz und dunst
und wahn und vorwitz herrscht, so ist es in den schulen,
wo bader und balbier mit Meditrinen (göttin der heilkunst) buhlen. ...
doch was des pöbels trosz aus unvernunft begeht,
verschmerzt Hygäa noch, weil hier kein schimpff entsteht
Joh. Chr. Günther ged. (1735) 382;
und garnichts davon weisz der trosz der brotstudenten Bürger 372ᵇ Bohtz; bei den Deutschen wird das ideelle gleich sentimental, zumal bei dem trosz der ordinären autoren und autorinnen Göthe gespräche 3, 96; der trosz der leser capirt ihn (einen aufsatz) nicht Görres ges. briefe (1858) 3, 283; unter anlehnung an a: kaum wird eine neue bahn eröffnet, so stellt sich auch gleich der zahllose trosz der nachtreter ein Europa (1803) 2, 10. selten in unpersönlichen bezügen: der trosz unserer öffentlichen schulen gibt uns ... nichts Pestalozzi (1819) 5, 215; (Reuchlins) Henno steht ... weit über dem trosse lateinischer und deutscher komödien W. Scherer gesch. d. dt. lit. (1928) 193. ungebräuchlich auch bei abstrakten: über einen groszen trosz von einwürfen der sogenannt-ungläubigen hat uns Deutschen eine schöne muse weggeholfen Herder 24, 96 S.; wohl dem, der ... den ganzen unwürdigen trosz von vorurteilen ... für das hält, was sie sind — menschensatzungen und tand Hippel lebensläufe (1778) 2, 244; befreit vom trosz aller huldigung H. Steguweit stelldichein der schelme (1937) 10.
4)
eine mundartliche eigenart liegt in der rheinischen verwendung des wortes trosz für einen haufen gemüse, auch ein groszes stück fleisch vor, s. Müller-Weitz Aachener ma. 249, Rovenhagen Aachener ma. 148ᵃ: linsensuppen mit einem trosz grünen krautes überhäuft Iffland briefe 1, 124 Geiger.
5)
'troszknecht', auch für einen trägen, ungesitteten menschen gebraucht; vgl.trosser, troszler; stark und schwach flektiert.
a)
troszknecht:
drü fenlin musz ich uf werfen ...
dem fuszvolk eins und eins den rossen,
das dritt wir geben unsern trossen
Murner lutherischer narr 2175 Merker;
zu disem mal (haben die Goten) 80 tausent Römer erwürgt und 60 mal tausent trosz, köch, sudler, holz- und wasserträger S. Franck chron. Germ. (augst 1538) 9ᵇ; drossen, die bei dem hauffen bleiben (1582) bei Schmeller-Fr. 1, 675. auch für den knecht einer einzelnen person: und hat mein herr ein knecht oder trossen G. v. Berlichingen lebensbeschr. 8 Bieling. hierher wohl schon:
zwenzic tusent belagen tot,
darzu dannoch eilifhundert,
derselben sint uz gesundert
sechshundert doch uf den rossen,
die ander zal mite trossen
buch der Maccabäer 9802 Helm
(als übersetzung von 2. Macc. 10, 31: interfecti sunt autem viginti milia quingenti et equites sescenti).
b)
übertragen verwendet in abschätziger bedeutung: meiner schmähsüchtigen widersacher general, für den er sich ausgab, und mich nur für einen trosz hielt J. Scheffler ecclesiolog. (1677) vorr. b 1ᵇ. mundartlich 'träger, ungesitteter mensch', s. Schmeller-Fr. 1, 675, Kehrein Nassau 1, 118;
ein ehrenmann beleidigt damen nicht. ...
hausbackner trosz! mein degen zeigt den weg
Immermann 16, 433 Boxberger.
trosz m.
Fundstelle: Lfg. 7 (1939), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1069, Z. 33
eine pferdegangart, vgl.trossen 4:
sie ritten hin in schnellem trosz
den berg hinauff gegen dem schlosz
Wickram 4, 223 Bolte;
da muszt sie der jung reutersknab anführen und üben mit springen, ... item den pasz gahn, den mittelpasz, den trosz, den tritt, den trab, den trott Fischart Garg. 203 ndr. als terminus technicus ist es vielleicht nach frz. trousser 'die vorderfüsze beim trott (trab) höher als gewöhnlich heben' (s. Littré 2, 2, 2369ᵃ) soviel wie 'der abgekürzte trab', s. graf Wrangel das buch vom pferde⁶ 1, 334. jüngeres gelegentliches trosz ist onomatopoetisch:
ob der wohl heute mit geritten
mit trosz und tratt im wilden heer?
Jul. Wolff d. wilde jäger (1887) 313;
vgl. das interjektionale trosz unter trossen 4.
trosz m.
Fundstelle: Lfg. 7 (1939), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1069, Z. 49
dasselbe wie truchsesz (s. d. sp. 1231).
Zitationshilfe
„trosz“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/trosz>, abgerufen am 15.12.2019.

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