Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

trubel, m.

trubel, m.,
wirres durcheinander, lärmendes treiben, unruhe.
herkunft, form und verbreitung. nhd. trubel, vgl. nl. troebel (mnl. trubel, turbel, vgl. Franck - v. Wijk etym. wb.² 709ᵇ), engl. trouble, ist entlehnung aus dem frz. subst. trouble, das aus troubler, vulgärlat. turbulare rückgebildet ist (vgl. Gamillscheg 870ᵃ, Meyer-Lübke nr. 8997); mhd. truppel (= tropel trupp, haufe) Lexer 2, 1525 ist fern zu halten. älternhd. in der form trippel, s. oben ¹trippel teil 11, 1, 2, 640; dazu formen mit u und ü: in welchem rennen diser edelmann auch quam gerannt, wen umb traurigkeit willen er vor heimgeritten war und quam in disz trupel (getümmel?) Simon Grunau preusz. chron. 2, 408 (hsl. variante tribell, vgl. dazu auch tribel teil 11, 1, 2, 408 und ¹trippel), wo sonst nicht bezeugtes neutrales geschlecht vorliegt; wo man si (die feinde) in disen trüpel (aufruhr, unordnung) angriffe, hetind si hofnung, die sach were bald behobtet (schlacht bei Dornach 1499) H. Brennwald Schweizerchron. 2, 449 Luginbühl; die arme teuffel, die mönch, wuszten inn solchem trüppel (wirrwarr, verwirrung) nicht, zu welchem irer heiligen sie sich solten geloben Fischart Garg. 320 ndr.; die erst im 17. jh. bezeugte und wohl neu auf das französische wort zurückgeführte form mit b erscheint bis um 1700 auch mit ü, vgl.trübel (: übel) Reinicke fuchs (1650) 116, dagegen trubel 258; trübel (: übel) M. Kongehl Phönizia (Königsberg o. j.) 23, vgl. 62 und 77; vereinzelt als fem. diese trübel script. rer. livon. 2, 749 (beleg s. unten). bis ins 19. jh. begegnet imheute veraltetenplur. die schwache form: bei diesen trüblen Kramer t.-ital. 2 (1702) 1154ᵃ; durch vielfache kriegstrublen (18. jh.) bei Schöpf tirol. 759;
gedrücktsein, armut, kriegesnoth und trubeln
Freiligrath ges. dicht. 3, 40.
die französische schreibung trouble wird vielfach bis ins zweite drittel des 19. jhs. festgehalten, vgl. noch: bei dem närrischen trouble Mörike ges. schr. (1905) 3, 129; in allem diesen trouble Bismarck br. an s. braut u. gattin (1900) 122 (brief v. 17. 11. 1848). mundartlich weit, aber nicht überall verbreitet, im westen auch mit kurzem vokal; vgl. z. b. drubel verwirrung, störung Seiler Basler ma. 86; drūbl verwirrung, durcheinander Fischer schwäb. 2, 409 (das fehlen in den elsäss. wbb., auf das Fischer hinweist, kann zufall sein); trubbel (trubel, druwel) trubel, verwirrung, durcheinander Follmann lothr. 107ᵃ; trubbel, trubel, haufen, menge lux. ma. 444; trubbel trubel Hönig Kölner ma. 183ᵃ, trubbel verwirrung Rovenhagen Aachener ma. 148; trubel, trubbel lärm Leithäuser Barmer ma. 161ᵃ; trūbəl geräuschvolle menschenmenge Leihener Cronenberger wb. 124ᵇ; trubel trubel, lärm, unruhe, schwarm, haufe Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 438ᵃ; trubel trauer, verwirrung, unangenehme lage Mi mecklenb. 94ᵇ; trubel haufen, menge Danneil altmärk. 227ᵇ; trubel lärm, gedränge, aufregung Brendicke Berliner w. 185; drûbel gedränge, gewühle Woeste-Nörrenberg 59ᵇ; truwl durcheinander, volksauflauf Ruckert unterfränk. 185; 62; truuwel gedränge, lärmendes durcheinander von menschen Müller-Fraureuth obersächs.-erzgeb. 1, 254ᵇ; trubel, druwel lärm, lärmender haufe Hertel Thür. 248; trûbel lärmender haufen, menge Kleemann nordthür. 24ᵃ; trûwel lärm, unruhige bewegung Jecht Mansfeld. 114ᵇ; truwel unruhe, gedränge Block Eilsdorf 98; trubel verwirrung, lärmen und hin- und herwogen einer menschenmenge Albrecht Leipz. 225ᵃ; truwl menge menschen Hentrich Eichsfeld 9.
bedeutung und gebrauch. das wort hat (anders als engl. trouble, s. Murray 10, 1, 404ᵇ) im deutschen nur wenige prägnantere bedeutungen, von denen nur noch 2 heute lebendig ist.
1)
bis in den beginn des 19. jhs. als 'störung der öffentlichen ordnung, kriegerische und politische wirren, aufruhr, tumult', vgl.troublen (pl.) aufruhr, empörungen, unruhe, verwirrung, irrungen, streit in einem lande Gladow à la mode-sprach (1727) 760ᵇ: was aber durch dieses des babstes (Gregor VII.) gebot vor eine unruhe und trubel in beyden reichen entstanden, ist ... weltkündig Reinicke fuchs (1650) 190; das ihm (Wallenstein), wie die teutsche troublen darauff gefolget, das glück so wol gewolt Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 330; 1248 starb Henricus, der alte landgraff in Thüringen, welcher in denen damahligen troublen von etlichen war vor einen käyser auffgeworffen worden Chr. Weise kluger hofmeister (1688) 258; nachdem Rom einige völcker unter ihre bothmäszigkeit gebracht ... und die innerlichen troublen auch offters sehr grosz waren, so wolte die römische mannschafft nicht allein zulangen, die stadt in ruhe zu erhalten H. v. Fleming t. soldat (1726) 120; wegen der kriegstroublen (v. j. 1749) bei Müller-Fraureuth 1, 255ᵇ; jede partey bestund aus kleinen parteyen, so wie es bey allen trubeln zu geschehen pflegt Lessing übersetz. aus d. franz. Friedrichs d. Gr. 86 E. Schmidt; die emigrirten hatten ... uns vorgeschwatzt, dasz die Franzosen vor lauter politischem trubel den ackerbau ... nicht mehr betrieben Fr. Chr. Laukhard leben (1791) 3, 123; in diesen trubeln entstanden zahllose vereine Fr. L. Jahn w. 2, 539 E.; noch vergleichbar, aber schon mit 2 vermengt: sie (die herzogin d'Etampes) ist unter dem trubel der kleinen Valois verschollen Laube ges. schr. 4, 165; vgl. im compositum kriegstrübeln torbidi di guerre Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1154ᵃ; (aus einem aufsatz von 1889:) solche ausmarkungen ... waren aber seit 1729 wegen der kriegstrubel nicht vorgenommen worden mitt. des histor. ver. f. Steiermark 37, 173; im sinne 'streit': warum man ihm das nicht zu Riga gesagt, so wäre diese trübel nachgeblieben (17. jh.) script. rer. livon. 2, 749.
2)
in der neueren sprache ist als hauptbedeutung 'mehr oder minder geräuschvolles durcheinander, getümmel, gewühl, gedränge von menschen (gelegentlich auch tieren), dingen und vorgängen' zur vorherrschaft gelangt und stellt heute die einzige geläufige anwendung dar; konkret als 'lärmender haufe, schwarm' namentlich in der mundart nd. und. md. reich belegt, s. oben und n hêlen trubel minsken Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 438ᵃ; ähnlich konkret: mitten unter diesem gewirre und gedränge (der herde) watschelte ein kleines barfüszlein drein, ... das mit der birkengerte den ganzen trubel vor sich her trieb Rosegger wildlinge (1906) 403; etwas anders: (vom einzug könig Wenzels) des römischen königs herrlichkeit samt trosz und trubel H. Watzlik Phönix (1916) 35. in literarischen belegen sonst vielfach mit differenzierterem gebrauch, wobei der begriff des lärmenden mehr oder weniger betont wird, aber erst sekundär einbezogen ist und auch fehlen kann; besonders vom gewimmel einer menschenmenge wie z. b. bei festen, öffentlichen lustbarkeiten u. s. w.:
ihn (den bären) umfing ein solcher trübel,
dasz er schier kam um ein bein
Reinicke fuchs (1650) 116;
s wird ein trubel im atelier sein wie an der thür der grabeskirche (in Jerusalem) W. Raabe Abu Telfan (1870) 2, 25; da wir jeden augenblick uns dem trubel entziehen können ..., so hätte dieses stadtfest (ein karneval) auch nichts störendes für sie G. Freytag briefe an A. v. Stosch 31 Helmolt; mitten in dem trubel traf ich meinen bruder Karl A. Winnig frührot (1926) 166; ich lasse keinen jahrmarkt aus und bin dann am liebsten im dichtesten trubel ders. wunderbare welt (1938) 171; häufig von einer bestimmten festlichkeit oder einer reihe solcher: die gute frau königin hatte mich in all dem trubel (des hofballs) nicht vergessen Bettine dies buch gehört dem könig (1843) 1, 87; andere gesellige vergnügungen, diners ... folgten sich; es war 'ein unaufhörlicher trubel' v. Roon denkwürdigkeiten (1892) 1, 113; er befand sich übrigens herrlich dabei und lebte zufrieden mit ihr in solchem trubel G. Keller ges. w. (1889) 5, 144; nach all dem geselligen trubel, den die woche für ihn gebracht hatte W. v. Polenz Grabenhäger 2, 39; beliebt in der reimformel jubel und trubel: als ich in den Frankfurter meszjubel und trubel einfuhr, ging es mir beinahe wie meinem hunde, ... ich hatte nicht übel lust, ... vor dem gerenne, gedränge, geschiebe, gestosze, dem schreien und jauchzen rechtsumkehrt zu machen Immermann 20, 5 Boxb.; mitten im trubel und jubel, der mich durch Schlesien geleitete Holtei erz. schr. 38, 73; jubel und trubel, wie er z. b. am fronleichnamsfest ... herkömmlich ist tägl. rundschau 1902, nr. 150, hauptbl. 2ᵃ; gern vom unruhigen, brausenden leben der groszstadt: in den letzten tagen des Berliner trubels und der reiseunruhe Holtei 40 jahre (1843) 5, 180; gerade ich, der sich nie wohler fühlt, als im rauschenden trubel der millionenstadt H. v. Zobeltitz in: daheim 31, 35ᵃ; auch mit überwiegen des akustischen, vgl. als 'lärm' Kleemann nordthür. 24ᵃ, Jecht mansfeld. 114ᵇ, Brendicke Berliner w. 185; in fester formel trubel machen durch unruhiges hin und her lärm verursachen:
macht doch (vor angst) nicht einen solchen trubel!
A. Gryphius lustsp. 42 Palm;
so auch heute umgangssprachlich, z. b. kinder, macht doch nicht so einen trubel! vom wirren durcheinander der pflichten, geschäfte, tätigkeiten, gedanken u. ähnl.: im gröszten trubel schreibe ich (Schleiermachers vater) dir diese zeilen. ich habe nemlich um neun ein begräbnisz und um elf ... mache ich eine kleine landpartie ..., unterdessen aber reist mutter mit Luise ... nach Salzbrunn. du kannst dir also den zustand im hause denken! aus Schleiermachers leben (1860) 2, 431; bei all dem trubel denk ich an euch Hebbel briefe 4, 276 Werner; ich lebe in einem trubel von geschäften, briefen und arbeiten C. F. Meyer briefe 1, 343 Frey: bald standen wir mitten im trubel des umzuges H. Stehr drei nächte (1909) 93; ich habe sie oft sagen gehört, wenn den leuten ganz was besonderes passirt wäre, so schrieben sie ihnen anfangs nicht, damit ihr brief nicht im trubel anderer gedanken in ... vergessenheit fiele L. Schücking in: A. v. Droste-Hülshoff briefe (1893) 329.
3)
anders als frz. engl. trouble ist trubel im deutschen als ausdruck körperlichen oder seelischen miszbehagens nur selten belegt, vgl. troublen (pl.) lat. turbae, animi perturbationes, vehementiores animi commotiones, turbidus animi motus Apinus (1728) 538; troubel unruhe, beschwerde Kinderling reinigkeit d. dt. spr. (1795) 151; öfters erst durch parallele substantiva bestimmter gefärbt: o blinde! die wir um eine hand vol ehr oder andere lust uns in solchen trubel (trübsal, plage, not, unglück) und in solchen jammerbrey hineinsetzen! Reinicke fuchs (1650) 258; fürs 2. und 3. wird die gantze welt als eine grube alles trubels und übels verworfen ebda;
lasz himmel, lasz kein neuer trübel,
kein neues ungemach noch übel
verstören unsre neue lust!
M. Kongehl Phönizia (Königsberg o. j.) 23, vgl. auch 62 u. 77;
unsre reise ist gut von statten gegangen und meine frau ... hat auf die troubles des vorigen tags (beschwerden infolge eines nervenfiebers) recht gut geschlafen, ohne eine spur ihrer alten zufälle (an Göthe v. 4. 12. 1799) Schiller briefe 6, 113 Jonas; einen bereits fertigen brief an sie, ... worin ich zur entschuldigung meines stillschweigens das ganze heer von trubeln (unannehmlichkeiten, beschwerden) und wirklichen unfällen, das uns seit vier monaten verstört hat, aufmarschiren liesz A. v. Droste-Hülshoff briefe (1893) 355; mundartlich vereinzelt als 'trauer, unangenehme lage' Mi mecklenb.-vorpomm. 94ᵇ; schwächer im sinne 'aufregung' Brendicke Berliner w. 185, 'verwirrung' Albrecht Leipz. 225ᵃ, Rovenhagen Aachener ma. 148.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1939), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1189, Z. 45.

trubel, adj.

trubel, adj.,
trübe. aus frz. trouble bzw. nl. troebel, adj., vereinzelt übernommen: so lange solche trubele wetter weren Reinicke fuchs (1650) 175; mundartlich, vgl. trubel trübe, bes. vom wetter Follmann lothr. 107ᵃ, trubel trübe, unrein, unklar, undurchsichtig, dat water is so trubel Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 438ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1939), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1192, Z. 37.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
trotzteufel tröpflein
Zitationshilfe
„trubel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/trubel>, abgerufen am 04.08.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)