Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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drude, f.

drude f.
hexe, altes hexenartiges weib, unholde, alp der die schlafenden drückt, mhd. trute Ben. 3, 124ᵇ, nur im Passional, daher das kurze u nicht sicher ist, dän. drude, gothländ. druda, auf den farö. inseln trut Finn Magnussen Lex. myth. 668ᵃ. gleichbedeutend ist das niederd. maar nagtmar Brem. wörterb. 3, 128, engl. nightmare, franz. cauchemar. saga ein zauberin oder drutte Serranus Diction. x 6ᵇ. venefica ein drutt 668ᵃ, druckende drut incubus, daemon ders. Synon. 53ᵈ. drutt ephialtes, incubus, suppressio nocturna Schönsleder L 4. drutte trutte saga et venefica Stieler 340. drud drude Frisch 1, 209ᶜ. Reinwald Henneb. idiot. 2, 35. Schmeller 1, 476. Frommann Mundarten 3, 191. s. nachtdrude. roggendrude.
1.
gemeinlich, aber ohne allen grund, leitet man das wort von dem gälischen druide ab. Christian v. Stolberg sagt daher, als Bürger justizamtmann geworden war,
dir, o Bürger, der du heiligen druden gleich
richtertugenden übst.
einfach wäre die erklärung durch das adj. trût traut dilectus, drud drut bei Henisch 758, niederd. truut, das in vielen eigennamen vorkommt; s. Weinhold Deutsche frauen 14. Förstemann Namenbuch 346. eine bairische sage beschreibt die bösen druden als alte in waldlöchern hausende weiber, häszlich anzuschauen, mit kurzen grauen haaren Panzer 1, 88. die drude war aber ursprünglich auch ein guter wolwollender geist, wie die frau Holde, und ward, wie diese, späterhin in eine unholde verwandelt; in Tirol hält man sie noch jetzt für eine schöne frau Zingerle Tiroler sitten 37. Finn Magnussen Lex. mythol. 971 und die Deutsche mythol. 394 bringen die valkyrie þrûđr damit in verbindung, welches wort auch als appellativum virgo bedeutet.
2.
sie treibt teuflische künste, sie verwandelt ein kleines mädchen in einen holzblock und wirft diesen ins feuer Hausmärchen nr. 43. lärmenden kindern ruft man zu 'schweig, die drut kommt!' Flögel Geschichte des groteskkom. 23.
nu quam ein alde vrouwe,
ein volgerinne der truten
Passional 395, 77 Köpke.
so spricht mancher tummer leib
die trutte sei ein altes weib
und chunne die lewt saugen.
Vintler Blume der tugend.
H. Sachs sagt mehrmals alte trute für hexe. dise nächt (im advent) hat man für scheulich und verworfen tag, förcht sich vor gespänst, unhulden, trutten, hexen und zauberin S. Franck Weltbuch 132ᵃ.
ein trutt soll helfen zu den sachen
und ein heftiges wetter machen.
J. Ayrer Fastnachtsp. 32ᵇ.
sie kommt nachts als alp mit leisen schritten an das bett des schlafenden Höfer Östreich. wörterb. 3, 242. sie kommt auch in gestalt eines weiszen bündels und klettert auf das bett Porowitsch Wörterb. 94. sie legt sich dann auf den schlafenden, drückt ihn dasz er sich nicht regen kann, nicht athmen, nicht rufen. incubo infestari, vexari wann einn die drutt truckt Schönsleder L 4. heut nacht hat mich die drud gedrückt Castelli 116. spöttisch sagt man von einem der nachts umgeht, gehst wieder um wie eine drud das. ist zu mir (erzählt ein pater capuziner) auch einmal eine gekommen und hats gewagt und hat sich schon hinauf glegt ghabt auf mich nach aller schwern. ich merks aber, rumpl auf, und gleich I. N. R. I. und nach dem weihbrunnkrüegl tapt. witsch, ists draus gwesen. ich schrei ihr nach 'komm um ein glehhet (um etwas zu leihen)' und mache mein præceptum dazu. brav ists kommen den andern morgen zu der porten und hat nur um ein wasserkrüegl gebethn. ich hab aber den portner schon informirt und der hat ihr hernach swasserkrüegl brav um den kopf herum geben. ist ihr recht geschehen, dem fetzen. was hat sie im kloster zthun und mich zu drucken? ist unser körzlerinn (weib das in der kirche wachskerzen verkauft) gewesen. trösts gott, wenns ztrösten ist Bucher Karfreitagsprocession 39. viel anderer aberglaube hängt noch daran. druden können dem vieh, besonders dem jungen viel schaden, auch neugeborene kinder plagen und gar ums leben bringen Panzer Bair. sagen 1, 259. ein hufeisen oder ein drudenfusz an der stallthüre vertreibt hexen und druden 1, 260. wo drei lichter brennen, kann keine drut bei 1, 262. wenn an einem baum ein frischer ast verdorrt, so sagt man die drut sei darauf gesessen; man nennt diese äste drutenpfläschn 2, 298. wenn die drut jemand gedrückt hat, lehnt sie sich ins eck; es ist aber nur ihre hülle d. i. ihr körper 2, 299. bei Nordheim in Mittelfranken legt man auf die vier ecken der hanf- und flachsfelder einen kreuzbüschel und einen stein darauf, damit die drut nicht darüber kommt 2, 550. in Zingerles Tiroler sitten wird noch manches mitgetheilt. weiber mit groszen augenbrauen werden mit der zeit truden 36. sie gehen besonders auf die pferde, reiszen ihnen die haare aus, drücken oder kitzeln sie, dasz die armen thiere elend schwitzen und schnaufen das. sie stehlen sich oft in gestalt von schmetterlingen, besonders bei offenen fenstern, in die zimmer das. oft stecken sie hinter den bettstätten der kinder, und sobald diese erwachen und schreien wollen, faszt sie die trude mit ihren langen fingern an der kehle und würgt sie bis sie blau werden das. wer von ihr geplagt wird, soll sich eine hechel so auf die brust legen dasz die stacheln aufstehen. kommt sie, so wird sie damit auf immer vertrieben das. wenn man von ihr gedrückt wird, soll man mit der hand auffahren und das nächste beste ergreifen. die trude musz dann kommen und um das ergriffene bitten das. wenn man ihr ein kopfkissen gleich entgegenwirft, musz sie weichen das. wenn man beim kommen der trude alsogleich einen heiligen namen ausspricht, so musz sie fliehen das. einen trudenfusz von einfachem tannenholz musz jede frau in die wiege ihres kindes legen, sonst wird es von der trude gedrückt, ohne dasz es schreien kann 37. die trud drückt nicht blosz die menschen, wenn sie diesen frei läszt, auch den eschenbaum. deshalb zeigen sich an der esche so vielerlei verkrüppelte bildungen die bald bischofsstäben, bald sicheln, bald andern sonderbaren geräten gleichen 62. bevor man ein kind ins bett legt, musz man drei zipfel der windel einbiegen und den vierten zuknüpfen; dann hat das kind vor der trude ruhe 139.
schlaf, büble, schlaf,
die mutter gibt acht
dasz die trud dich nit drückt
und der alp nit erstickt
148.
bei den Walachen in Mähren glaubt man jedes kind das mit zähnen zur welt geboren werde, sei eine drud Kulda.
3.
scheltwort wie hexe.
lo lollo lo, liebn bubn, seht an
wie ist die alte drut (trunkene bäuerin) so vol
dasz sie sich nicht kan bsinnen wol.
J. Ayrer Fastnachtsp. 61ᵈ.
4.
nach Adelung kommt in Oberdeutschland auch das masc. drud vor, wovon Schmeller nichts weisz, aber im Voc. incip. teut. y 3 heiszt es trut incubus vel incubo est demon qui assumit corpus humanum ad opprimendum mulieres superponens. auch ist bei den Walachen in Mähren ein männlicher drud (morous) bekannt, neben der weiblichen; s. Kulda in den schriften der historisch-statistischen sektion der mähr. schles. gesellschaft 9, 89. s. druder.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1453, Z. 1.

trude, f., m.

trude, f., m.,
ein gespenstisches wesen, gewöhnlich ein nachtgespenst von der art des alps; hexe (hexenmeister), zauberin, fee; wie hexe auch als schelte verwendet; s. bereits drude teil 2, 1453f.
herkunft, form und verbreitung. gemeinhin versteht man unter trud(e) ein weibliches gespenst; daneben begegnet aber auch die vorstellung, dasz es sich wie bei den alp, mahr, schrätlein genannten nachtdruckgeistern um ein männliches wesen handele: trut incubus vel incubo est demon, qui assumit corpus humanum ad opprimendum mulieres superponens voc. incip. teut. (c. 1471) gg 5ᵃ; voc. incip. teut. (c. 1495) yᵇ (s. teil 2, 1454) und voc. primo ponens (1515 Hüpfuf) c 4ᵇ; incubus trutt oder der alp, der die frauen reitt bei Schmeller-Fr. 1, 649 (aus älterer quelle); auch bei der übersetzung von ἐφιάλτης, m., ist das entsprechende deutsche masculinum in betracht zu ziehen: ephialtes druckende drutt o. der alp (1595) bei Diefenbach-Wülcker 371; trut Schönsleder prompt. (1647) Kkk 4ᵇ; drutte, drotte Weismann lex. bipartit. (1725) 2, 99ᵇ; trut Schmeller-Fr. 1, 649 (aus älteren quellen); dem trudt oder alp Schwandner (1670) in mitteil. d. schles. gesellsch. f. volkskde 16, 147; der trud oder alp dtsche sagen (1891) 1, 67; mundartlich: trute Hintner tirol. dialektforsch. 42; trud Unger-Khull steir. 176ᵇ; drud Sartorius Würzburg 33; oberdt. drud bei Adelung wb. 1, 1562; zu drud, m., im mährischen vgl. teil 2, 1454 unter drude 4. als ausdruck des volksglaubens begegnet das wort in der verschiedensten mundartlichen lautgestalt als trude, trute, trutte (trotten- in zusammensetzungen), entsprechend mit anlautendem d und apokopiert. am reichsten findet es sich in jüngerer zeit im bair.-österr. bezeugt: trud, drud Schmeller-Fr. 1, 648; trud Höfer 3, 242; drud Castelli ndösterr. 116; Hügel Wien 50ᵇ; trud Jacob Wien 196ᵃ; trūt, trūd Schöpf tirol. 760; trude Zingerle Tiroler sitten (s. teil 2, 1454); trud Unger-Khull steir. 176ᵇ; trūtə Hauffen Gottschee 93; Tschinkel 120; trūte Lexer kärnt. 73; truta Schmeller-Bergmann cimbr. 179ᵇ; trūt Bacher Lusern 68; trūt (älter trute) Gebhardt Nürnberger ma. 95; trud Neubauer Egerländer ma. 52ᵃ; vgl. auch A. John brauch u. volksglaube im dt. Westböhmen 267; gängig erscheint trud(e) auch im schwäb., s. Fischer 2, 419; im elsäss. ist bezeugt drudefusz, -kraut Martin-Lienhart 1, 151ᵃ; 2, 951ᵃ; nur älter auch das simplex trutte bei Fischart s. u.; im schweiz. nur ganz vereinzelt in trottenkopf, s. sp. 1081; weiter nördlich begegnet das wort innerhalb des ostfränk. veraltend als drud Sartorius Würzburg 33; drude Reinwald Henneberg. (1793) 2, 53 (bei Spiesz [1881] nicht mehr aufgeführt); druth bei Nordheim in Mittelfranken nach Fr. Panzer bayer. sagen (1848) 2, 550; vgl. auch den ortsnamen Drutenbergla in Mittelfranken ebda 2, 164; im westmd. tritt es auf in vereinzeltem auf drude zurückgeführtem drūre (aus einem kindervers) rhein. wb. 1, 1515; 3, 245; vgl. ferner den moselfrk. ortsnamen Truddenseifen Kisch vergleichendes wb. d. Nösner siebenbürg. u. moselfrk.-luxemb. ma. 226ᵇ sowie drude, trut siebenbürg.-sächs. wb. 2, 84ᵇ; trud Kramer Bistritz 133 f.; älteres vorkommen im thüring. läszt sich durch den flurnamen Drudental erweisen, s. L. Gerbig flurnamen d. herzogt. Gotha 218; aus dem obersächs. belegt trude Chr. Lehmann histor. schauplatz (1699) 492; trutte Joh. Prätorius s. u.; trut Wuttke sächs. volkskde 323; vgl. auch Köhler volksbrauch im Voigtlande 479; fürs schlesische vergleiche man trudt (m.) bei Schwandner (1670), s. oben, und trottenkopf sp. 1081. das fehlen und das zurückweichen des wortes in einzelnen mundarten ist zum teil aus dem gebrauch gleichbedeutender ausdrücke zu erklären wie norddtsch. mahr, wesentlich md. alp, vorwiegend alem. und schweizer. schrättele, schweizer. u. elsäss. dockeli u. a., vgl. hwb. d. dt. aberglaubens 1, 283f. das wort ist vorahd. als *trudōn- mit kurzem stammvokal anzusetzen. altes t im anlaut wird durch das siebenbürg.-sächs. trut, trud, den moselfrk. ortsnamen Truddenseifen (s. oben) und westfäl. trudemannekes (sp. 1241) gesichert; wo anl. d begegnet, handelt es sich nach dem mundartlichen befund um gebiete, in denen übergang zur lenis vorliegen kann; so hat das bair.-österr. beispielsweise drud im ndösterr., aber trut u. ä. im tirol., steir., kärnt., egerländ., nürnberg., oder das alem. in der regel trude u. ä., aber im ndalem. auch Druttenhuser s. teil 2, 1455 s. v. drudenhaus; drudefusz, -kraut Martin-Lienhart elsäss. 1, 151ᵃ; 2, 951ᵃ (vgl. Behaghel gesch. d. dt. spr.⁵ § 396, 4). die literarischen belege haben vorwiegend bis in heutige zeit die mit t anlautende form, neben der erst seit dem 16. jh. die mit d öfter auftritt: truta ahd. gll. 4, 27, 1 St.-S.; truten Berthold v. Regensburg (s. u.); passional 395, 77 K.; trut voc. incip. teut. (c. 1471) gg 5ᵃ; truten H. Sachs 17, 248, 2 K.-G.; trud Joh. Beer teutsche winternächte (1682) 450; trude Wieland s. w. (1794) 17, 274; trud Rosegger schriften II 10, 36; Watzlik der alp (1923) 148; der frühest datierbare beleg für anlautende d-form liegt in Druttenweg (1317) Buck obd. flurnamenb. 50 vor. im inlaut herrscht t (tt) allgemein bis ins 17. jh. und hat sich in nicht lenisierenden mundarten, wie z. b. im kärnt. trute, cimbr. truta (mit weniger sicherheit erweisbar in den apokopierten formen trut, trudt, trutt u. ä.) noch heute erhalten; vgl. auch Pfalz im hwb. d. dt. abergl. 8, 1173; erste sichere belege für inlautendes d sind: trude (17. jh.) und trudenhaus (1628) bei Leitschuh hexenwesen 60 bzw. 54; thruden (1657) im siebenbürg.-sächs. wb. 2, 85ᵃ; truden Chr. Lehmann histor. schauplatz (1699) 492; ungewisz ist, ob der fingierte mittelalterliche ortsname Trudentrül Buck a. a. o. bereits hierher gehört; seit dem 18. jh. ist das inlautende d, vielleicht unter einflusz von Trude (für Gertrud), in literarischen denkmälern allgemein gebräuchlich geworden. auf ursprüngliche kürze des stammvokals, wie ihn Fischer schwäb. 2, 419 für die südlichen schwäbischen mundarten noch als üblich verzeichnet, weist die schreibung des folgenden dentallautes als tt hin, die bis ins 17. jh. häufig vorkommt: trutten (15. jh.) bei Keller erzähl. aus altdtsch. handschr. 320, 36; (1451) bei Diefenbach-Wülcker 371; voc. theut. (1482) bb 2ᵃ; Seb. Franck und Christoph Wirsung bei Fischer schwäb. 2, 419; drutte Serranus (s. teil 2, 1453); trutten Fischart (s. u.); (1619) siebenbürg.-sächs. wb. 2, 85ᵃ; Joh. Prätorius (s. u.); drutte, trutte Stieler 340; auch der reim truten: darbuten passional 395, 77 K. deutet gemäsz dem reimgebrauch des dichters auf kürze des vokals. kurzes u setzen auch die verdumpften formen voraus: drotte Weismann lex. bipartit. (1725) 2, 99ᵇ; nachttrotten (1786) s. u.; trottenfusz teil 2, 1455; Fischer schwäb. 2, 420; 6, 1781: trottenkopf sp. 1081. das wort gehört wesentlich apokopierenden mundarten an, weshalb auch die einsilbige form schriftsprachlich ebenso geläufig ist wie die volle; früheste belege sind trut voc. incip. teut. (c. 1471) gg 5ᵃ; voc. primo ponens (1515 Hüpfuf) c 4ᵇ und bei Schmeller-Fr. 1, 649. auszerhalb des deutschen ist das wort nicht sicher nachzuweisen. das teil 2, 1453 verzeichnete dän. drude ist nach ordbog over det danske sprog 3, 1014 aus dem dt. entlehnt. wie dän. drude in der verbindung jomfru Drude 'jungfer Naseweis' beruht wohl auch schonisches druda (schimpfwort für ein liederliches frauenzimmer) Rietz svenskt dialectlexikon 99ᵇ auf dt. Trude aus Gertrud, s. ordbog a. a. o. der hinweis von teil 2, 1453 auf faröisch trut bei Finn Magnussen lex. myth. 668ᵃ beruht auf einem versehen; auch findet es sich nicht bei Jacobsen-Matras fœrøisk-dansk ordbog. man hat trude in etymologischen zusammenhang gebracht mit dem altnord. walkürennamen þrûđr, eigentlich appellativ 'kraft' (teil 2, 1453; Schade altdt. wb. 2, 932; Weigand-Hirt 1, 384; M. Heyne 1, 611), mit ahd. mhd. trût = nhd. traut (teil 2, 1453; Fischer schwäb. 2, 419 und Kluge-Götze 115ᵇ) und mit got. trudan (an. trođa) 'treten' (Schmeller-Fr. 1, 649; Schöpf tirol. 760; E. H. Meyer mythol. d. Germanen 131; Güntert Kalypso 70; Ranke im hwb. d. dt. abergl. 8, 1173). gegen die beiden ersten deutungen spricht die kürze des vokals, sieh oben (vgl. auch Ranke a. a. o. 1174 und Mogk in: Pauls grundrisz 3², 268). die herleitung von got. trudan, an. trođa aber wird gestützt durch anderweitige bezeichnungen nächtlicher druckgeister mittels nomina agentis von verben des drückens, tretens, lastens u. s. f., z. b. süddeutsch, bes. tirol. ¹stempe, s. teil 10, 2, 2321 und wörter u. sachen 1, 21, frk. trempe mythol.⁴ 1, 231; 3, 90 und auszerhalb des deutschen frz. cauchemar (zu lat. calcare), ital. pesaruole, span. pesadilla (von pesar 'lasten, drücken') bei Güntert a. a. o.; zum gebrauch des ausdrucks 'treten' bei alpartigen erscheinungen sieh hwb. d. dt. aberglaubens 1, 292. in früherer zeit dachte man auch an beziehungen von drude, trude zu druide, s. teil 2, 1456, was zu gegenseitiger verwechslung der beiden bezeichnungen führte; trute, drude statt druide: Aventinus ... redt, als ob auch die truten (randbemerkung: druiden), die er ... der Teutschen prediger nennet, zauberer weren gewesen Fischart Bodin (1591) 131ᵃ;
die alten, kühnen degen
gehn noch auff unsren wegen,
die ihrer druden lieder
nicht lieszen kummen nieder
Logau sinnged. 530 Eitner;
(Lessing bemerkt zu der stelle: druden, ... wofür wir itzt druiden sagen 7, 369 Lachmann-Muncker); vgl. auch Matth. Hammer rosetum histor. (1654) 203 f.; Chr. v. Stolberg (teil 2, 1453) und Klopstocks drüden (teil 2, 1456 s. v. druide); vgl. Joh. Prätorius (1668) unter trudenfusz. drude wird teil 2, 1454 in Schillers druidenbaum vermutet; vgl. auch druytenfusz für drudenfusz bei v. Querfurth herald. terminologie 159. trud(e), f., flektiert gewöhnlich nach der n-deklination: einer trutten (15. jh.) bei Keller erzähl. aus altdtsch. handschr. 320, 36; truten (acc. pl.) Berthold v. Regensburg (s. u.); der truten (gen. pl.) passional 395, 77 Köpke; trutten (nom. pl.) voc. theut. (1482) bb 2ᵃ; Seb. Franck (teil 2, 1453) u. a. im sg. hat sich heute beim fem. wie allgemein die form des nom. sg. durchgesetzt; aber auch in älterer zeit begegnet einmal der dativ der trut bei Schmeller-Fr. 1, 649. schwache flexion des masculinums truden bei Adelung wb. 1, 1562; doch findet sich auch starke flexion: dem trudt Schwandner (1670) s. o.
bedeutung und gebrauch. trude bezeichnet ein alpartiges gespenst im bair.-österr., schwäb. (vereinzelt schweizer.), siebenbürg.-sächs., sächs., schles., daneben allgemeiner 'hexe' im bair.-österr., schwäb., siebenbürg.-sächs., westl. md. und ostfrk. die bedeutung 'hexe', die als alleinige nur in mundarten vorkommt, in denen das wort im aussterben ist, ist der etymologischen herleitung gemäsz als sekundär aus dem spezielleren begriff 'alpartiges wesen' entwickelt anzusehen, im unterschied zu der entwicklungslinie von alp (entgegen Mogk a. a. o. 3², 268). zum sachlichen vgl. hwb. d. dt. aberglaubens unter trude 8, 1173f. und alp 1, 281-305; zu der herrschenden vorstellung, dasz es sich bei den truden um lebende menschen handele, die sich in alpartige wesen verwandeln können s. hwb. d. dt. aberglaubens 1, 288, ferner Schmeller-Fr. 1, 648, siebenbürg.-sächs. wb. 2, 85ᵇ und Bucher, Zingerle, Kulda in teil 2, 1453 f. unter drude 2; über plattfüszler als truden s. hwb. d. dt. aberglaubens 1, 289, bei Lexer kärnt. 73 und in teil 2, 1455 s. v. drudenfusz 1; vgl. auch bad. wb. 1, 575ᵇ.
1)
ein weibliches gespenst, das das alpdrücken verursacht. zufrühest bezeugt als umschreibung von ahd. mara, f., in einer von jüngerer hand nachgetragenen glosse einer handschrift des 9. jhs.: scitropodes mara, truta ahd. gll. 4, 27, 1 St.-S. (die bedeutung des glossierten wortes bleibt fraglich; Schmeller-Fr. 1, 649 denkt an σκυθρωπότης 'finstere, mürrische wesensart'; daneben ist zu erwägen scytropodes = χυτρόποδες, χυτροπόδιον bei Graff 4, 361 s. v. kuchmari und Diefenbach gl. 124ᶜ s. v. chytropus; im zweiten falle könnte mara verderbtes kuch mara [nom. pl.] sein, das der truta nachtragende schreiber im sinne von trude deutete); trut succubi, demones, qui se in specie mulierum incumbunt cum viris voc. inc. teut. (c. 1471) gg 5ᵃ; voc. primo ponens (1515 Hüpfuf) c 4ᵇ;
(eine ehebrecherische frau zu ihrem manne, der an ihrer statt
einer untergeschobenen stellverireterin des nachts zur strafe für
die untreue die haare abgeschnitten hat und sich wundert, sein
weib am nächsten tage ungeschoren zu sehen:)
ich wen, euch betrig der alp ...
(zu anderen gewandt:) nu seht aldo,
das er vil unrecht gicht
und mich gelogens zicht (nämlich des ehebruchs).
die (haare) seint einer trutten gewesen,
ja bin ich heint wol genesen
(15. jh.) bei Keller erzähl. aus altdt. handschr. 320, 36;
zwen ... zäuberer, die stäts inn weibsgestalt alpen oder underliglinsteuffel und trutten oder schretel zu gefärten hatten Fischart Bodin (1591) vorr. 2ᵇ; die tätigkeit der truden wird wie bei andern nachtdruckgespenstern gewöhnlich als drücken bezeichnet: si credit se mulierem in nocte premere i. e. trutam bei Schmeller-Fr. 1, 649; incubo infestari, vexari wann ein die drut truckt Schönsleder prompt. (1647) l 7ᵇ; hat enk eppa die trud druckt? bei Schlossar dtsche volksschauspiele 1, 291; vgl. Anzengruber ges. w. (1890) 3, 157 und Castelli, Panzer, Zingerle in teil 2, 1453 f.; Joh. Prätorius kennt als bezeichnung alpartiger wesen: trutte oder frau trutte anthropodemus plutonicus (1666) 4; wo sie nicht ... nach der warheit verfahren würde, wollte er heute nacht eine trud über sie schicken Joh. Beer teutsche winternächte (1682) 450; wenn aber die trud über sie kommt und erwürgt sie Ph. Hafner ges. lustspiele (1812) 2, 248; in der nacht träumte mir, er laste wie eine trud auf meiner brust Watzlik d. pfarrer v. Dornloh (1930) 64. an alpartige gespenster ist auch bei den als truden bezeichneten wesen zu denken, die blut saugen, vgl. hwb. d. dt. aberglaubens 1, 293; Mareta österr. (1865) 14ᵇ; Lexer kärnt. 73; siebenbürg.-sächs. wb. 2, 85ᵃ:
so spricht maniger tummer leib,
die trutte sei ain altes weib
und chumme die leute saugen.
und etleich die gelauben,
der alpe minne die leute
Vintler pluemen d. tugent 7797 Zingerle;
lamia drut, alb voc. tril. (Prag 1723) bei Diefenbach nov. gl. 227ᵇ; (der eiferer,) der wie eine trud blutvöllerisch an dem dorf gezecht Watzlik der alp (1923) 148. vgl. auch das compositum nachttrutten incubus Wirsung bei Fischer schwäb. 2, 419 und Thurneisser in teil 7, 171; nachttrotten (1786 im württembergischen) bei Haltrich z. volkskde d. Siebenbürger Sachsen (1885) 320.
2)
ein weibliches gespenst, eine hexe, eine zauberin oder fee: saga ein zauberin oder drutte, venefica ein drutt Serranus (neben der bedeutung incubus) s. teil 2, 1453; saga et venefica Stieler 340; Frisch (1741) 1, 209ᶜ;
(der bauer,) der zumal aberglaubig was,
den alten unhulden zumasz,
was unglücks ihm zustund auff erd.
wurd etwan ihm ein hinckent pferd
oder thet ihm ein ku verseyhen (die milch ausgehen
so thet ers als die druthen zeyhen lassen),
Hans Sachs 9, 271, 9 Keller;
9, 274, 30 K.; 17, 248, 2 K.-G.;
(Jupiter) hat der böszen welt geschworn,
dasz er mit plitz, hagl und dunder
woll zu ir lassn schlagn hinunder.
ein trutt soll helfen zu den sachn
und ein heftiges wetter machn
J. Ayrer 2497 lit. ver.;
vgl. trude und regentrude Storm s. w. (1904) 2, 243, 220; wir haben das eisenkraut ins korn gezettelt, nicht dasz es die thruden hinweg sollten führen (1657) siebenbürg.-sächs. wb. 2, 85ᵃ; in diesem jahr (1627) hat man zu Zeil auf ein neues angefangen truden zu brennen, denn sie haben bekennt, dasz sie das vorige jahr alles erfrört haben (17. jh.) bei Leitschuh hexenwesen (1883) 60. als kinderschreckgestalt: man schrecket noch bei den Teutschen die kinder mit der trutten Fischart Bodin (1591) 131ᵃ; schweig, die drude kommt Matth. Hammer rosetum histor. (1654) 203; in der gleichen wendung bei Flögel, s. teil 2, 1453. als bezeichnung einer zauberin oder fee nur in literarischen denkmälern:
der trude, welche ihr (dem neugeborenen mädchen) den untergang geschworen,
war nicht im horoskop gedacht
Wieland s. w. (1794) 17, 274;
... eine zauberin ...
... muszte pathin seyn.
was bind ich, sprach mit holdem munde
die gute fey, dem herrchen ein?
weyht ihn, sprach der papa, zum siege
durch löwenkraft schon in der wiege.
nein, rief die wackre trude, nein! ...
ein kind mit riesenstärke wäre
das ärgste raubthier der natur
Pfeffel poet. versuche (1812) 4, 137;
Göthe IV 10, 355, 18 W. zur vorstellung der truden auch als wohlwollender geister wie oben bei Storm, Pfeffel und Göthe vgl. siebenbürg.-sächs. wb. 2, 85ᵃ und Zingerle Tiroler sitten 37 (vgl. teil 2, 1453 unter drude 1). in einer reihe von fällen läszt sich nicht ausmachen, ob eine hexe schlechthin oder das den alpdruck erzeugende wesen gemeint ist: secundum, quod de nocte vadunt et hujusmodi (nach Schönbach am unten angegebenen orte s. 22: der nächtliche geisterritt), non debes aliquo modo credere nec ... pilwiz, nahtvaren, nahtvrowen, maren, truten. ... totum sunt demones Berthold v. Regensburg in einer missionspredigt 'de fide' in: Wiener sitzungsber. phil.-histor. classe 142, 7, 18;
do noch Bernhardus was ein kint,
do wart daz houbt im we tun ...
nu quam ein alde vrowe,
ein volgerinne der truten,
daz kint si ir darbuten,
wand si im buzen (das kopfweh besprechen) wolde
passional 395, 77 Köpke;
mit trutten faren in einem excommunicationsgesetz von 1451 bei Diefenbach-Wülcker 371; des teufels anhang als den hexen, unholden, drutten (1583) bei Fischer schwäb. 2, 419; Chr. Lehmann histor. schauplatz (1699) 492; die tänze der hexen, truden und unholdinnen F. M. Böhme gesch. d. tanzes (1886) 22.
3)
wie hexe als schelte und abfällige bezeichnung gebraucht für ein häszliches weib Jacob Wien 196ᵃ; eine träge, schmutzige weibsperson Mareta österr. (1865) 14ᵇ; Neubauer Egerländer ma. 52ᵃ; widerliche weibsperson, falsches weib, altes verschlagenes weib, hure Fischer schwäb. 2, 419; gänsfüszige trute eine schelte für plattfüszige alte weiber bad. wb. 1, 575ᵃ (für Konstanz); als schelte für eine betrunkene bäuerin bereits bei Ayrer, s. teil 2, 1454 unter drude 3; vgl. auch ³trudel und trudweib. die herleitung von Trude (aus Gertrud), wie sie für die sp. 1235 genannten skandinavischen entlehnungen mit ähnlich abfälliger bedeutung angesetzt wird, ist für die hier aufgeführten nicht wahrscheinlich. denn sie treten nur in einem gebiet auf, das auch die bedeutungen von trude 1 und 2 kennt, und begegnen in der gleichen lautform wie die jeweiligen mundartlichen bezeichnungen für trude 1 und 2. sekundäre anlehnung an Trude ist immerhin vorstellbar.
4)
als bezeichnung eines männlichen alpartigen gespenstes läszt sich das wort seit dem 15. jh. nachweisen, s. o. sp. 1233ff. und drude 4; mit ausdrücken des drückens vgl. oben voc. incip. teut. (c. 1471) gg 5ᵃ u. a., ferner: druckend drut incubus, daemon Serranus synon. (1552) 53ᵃ; der trute hat mi gidruckt Hintner tirol. dialektforsch. 42. ungewisz bleibt es, ob das wort auch soviel wie 'hexenmeister' bedeuten kann Adelung wb. 1, 1562; Sartorius Würzburg 33.
5)
das wort findet sich häufig in zusammensetzungen, s. teil 2, 1454-56 und unten sp. 1240ff., gewöhnlich in der form truden- (druden-), mundartlich auch trude-, s. Fischer schwäb. 2, 420; 6, 1781; Martin-Lienhart elsäss. 1, 151ᵃ; 2, 951ᵃ; siebenb.-sächs. wb. 1, 85ᵇf.; westfäl. trudemannekes zs. d. ver. f. volksk. 8, 114; gelegentlich begegnet auch trud- u. ä. in trottfusz Fischer schwäb. 6, 1781; trudmann ebda; trudweib Watzlik Phönix (1916) 136. häufig tritt das wort in orts- und flurnamen auf, vor allem in zusammensetzung mit bach, baum, berg, platz, stein, tal, weg, vgl. Buck obd. flurnamenbuch 50; Unger-Khull steir. 177ᵃ; Fischer schwäb. 2, 420; siebenbürg.-sächs. wb. 2, 85ᵇ; Kramer Bistritz 135; fürs moselfrk. Kisch vergleichendes wb. d. Nösner u. moselfrk.-luxemb. ma. 226ᵇ; fürs thüring. L. Gerbig flurnamen d. herzogt. Gotha u. forstnamen d. Thüringer waldes 218.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1939), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1233, Z. 55.

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Zitationshilfe
„trude“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/trude>, abgerufen am 04.08.2021.

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