Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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troll, interj.

troll, interj.,
zur bezeichnung einer reitbewegung:
schwarz, wie der schwärzste mohr im heisen Afrika
besteig ich meinen gaul, troll, troll, troll, hopsasa
gehts dann in vollem sausz blitzschnell durch hohe lüfte
spukereien des teufels (1788) 6;
im hessisch-thüringischen in kinderreimen, die beim schaukeln der kinder auf dem knie gesungen werden s. Crecelius oberhess. 301, Vilmar kurhess. 417, Hertel Salzunger wb. 48; auch trüll:
trosz, trosz, trüll,
der bauer hat n füll,
der bauer wills verkaufen,
das füll war ihm entlaufen
bei Schmidt westerwäld. 270.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1936), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 798, Z. 16.

troll1, m.

¹troll, m.,
grober, plumper, bäurischer mensch. seit dem 15. jh. bis in heutige mundarten hinein belegt, hauptsächlich obdt. und ostfrk., so im nürnbergischen als bezeichnung für einen 'groben starken kerl' (um 1800) bei Schmeller-Fr. 1, 661; im schwäb. als schelte für einen 'plumpen kerl' Fischer 2, 396; im tirol. als bauerntrolla Schöpf 758. weiterhin troll als 'dicker, auch unbehilflicher mensch' ebenda; Martin-Lienhart elsäss. 2, 754; vgl. auch das allgemeiner verbreitete ²trolle, trulle, f., 'dicke, plumpe weibsperson' (s. d.). der begriff des dicken auch in zusammensetzungen wie trollbirne, -blume, -fusz, -maul und in ableitungen wie ¹trolle, ¹trolle(n), m., f., ²trolle(n), m., f., trollicht, trollinger (s. d.). es liegt nahe, mit Falk-Torp 2, 1286 an zusammenhang dieser sippe mit ²trollen, trüllen 'wälzen, rollen' zu denken. die teil 2, 1427 unter droll 5 angeführten auszerdeutschen parallelen mit anl. dr- würden somit abrücken. der bei ¹tralle 'plumper, dummer mensch' teil 11, 1, 1, 1173 gegebene verweis auf troll, trulle als etymologisch verwandte worte mag zu recht bestehn; der zusammenhang mit spezifisch norddt. drall, adj., wie teil 2, 1331 ihn für möglich hält, erscheint für dieses bes. im obd. lebendige wort dagegen unwahrscheinlich.neben dem üblichen nom. sg. troll begegnet vereinzelt trolle bei Ringwaldt (s. u.); neben gewöhnlicher schwacher flexion gelegentlich in später zeit der dat. sg. troll Melissus Salinde (1718) 380. formen mit anlautendem d finden sich in lenisierenden gebieten, so im ndalem. bei Wickram (s. u.); bei Schmid schwäb. 142; im nürnbergischen bei J. Ayrer und H. Sachs, s. teil 2, 1428 bzw. 1, 175 s. v. ackertroll(e); ferner in fastnachtsp. 336, 2 K. häufig in anwendung auf bauern selbst:
... zehant huop sich ein strit ...
si sluogen so
vil mangen veizten trollen
durch sin borst ...
ein törper schre:
nu we mir we!
aus einem im druck erschienenen Pseudoneidhart bei v. d. Hagen minnes. 3, 288ᵇ;
kremer dicit (zum bauern) ...
was wilt du deines knechts des trollen?
fastnachtsp. 480, 12 Keller;
s. auch ebda 51, 8;
darzu schlug er den trollen
wol nider nach der schwer
Hesselloher ein lied von den uppigen bawren im Ambraser liederb. 129, 38 lit. ver.;
ihr vater vermeinte, dasz dieser bauer zu hoch hinaus wolte ..., verbote auch seiner tochter, sie solte diesen trollen abschaffen und nicht mehr mit ihme reden Harsdörffer Heraclitus u. Democritus (1661) 269; als nun dieses (einen streit) die pursche (studenten) nicht leiden wolten, sondern dem unhöfflichen troll einer von ihnen eine tapffere ohrfeige versetzete, so solte man hernach gesehen haben, wie die bauernkerls mit gesamter macht auf diese sieben loszgedrungen seyen Melissus Salinde (1718) 380. daher spöttisch als eigenname eines bauern, so junkher Troll Wittenweiler ring 123 Wieszner u. ö.; liedersaal 3, 401. häufiger in der composition ackertroll(e), s. teil 1, 175, und bauerntroll(e) fastnachtsp. 336, 2 K.; Aventin 1, 209, 26 L.; E. Francisci lufftkreis (1680) 1238; Schöpf tirol. 758. vgl. das offenbar verwandte ältere trülle Konrad von Ammenhausen schachzabelbuch 2629 Vetter als bezeichnung des bauern im schachspiel; dazu Maszmann gesch. d. dt. schachspiels 157 f. allgemeiner auch in andern verhältnissen: obtusus ingenio grober troll J. Schöpper synonyma (1550) a 8ᵇ; was aber zu heyl gehoͤrt vnd zu geystlichen sachen, seind sie (die Türken) so vngehobelt trollen, das sie wie das vihe kein vernunfft haben Seb. Franck chronica u. beschreib. d. Turckey (1530) h 3ᵇ;
wer mich (Jesus) vnd meine lehr verspot, ...
derselb veracht den waren gott
vnd ist ein grober trolle
Ringwaldt evangelia h 6ᵃ;
in der Ambraser hs. des Ortnit (1517) heiszt es von dem oheim Ortnits, der in der erregung die verwundeten auf dem schlachtfelde tötet:
wir haben vor disem trolle tâlanck dehein gemach
gegenüber sonstigem tievel
Ortnit 338, 2 Amelung.
die verbindung grober troll, wie sie Schöpper und Ringwaldt haben, begegnet auch sonst öfter, so etwa bei Aventin 4, 522, 4 L. und J. Ayrer, s. teil 2, 1428. wiederholt auch trunckner troll schweizer. schausp. d. 16. jh. 1, 150 Bächtold; lied von s. Grobian in Paul-Braunes beitr. 18, 572; ebenso gleichbedeutendes voller troll, s. teil 2, 1428 f., ferner Wickram 5, 137 lit. ver. gern auch als schelte verwandt:
phue dich, du alter trol
vnd du verfluechter pawrn zol
fastnachtsp. nachlese 249, 24 Keller;
ebda 539, 6; H. Sachs fabeln u. schwänke 1, 109 Götze.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1936), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 798, Z. 30.

troll2, m.

²troll, m.,
dämon, kobold. das wort ist allgemein verbreitet im skandinavischen als an. troll, n., nisl. tröll, norw. und schwed. troll, altschwed. auch trull, dän. trold. das engl. kennt das wort nur als lehnwort, einmal in älterer zeit aus unmittelbarer berührung mit dem skandinavischen als troll(e), trold, dann neu entlehnt seit der mitte des 19. jh. als troll, s. Murray 10, 1, 393ᵇ. für das nur im spätmnl. vorkommende drol 'kobold' wird contamination eines gleichlautenden einheimischen wortes in der bedeutung 'kleines dickes männchen' mit dem skandinavischen wort angenommen, s. J. Franck-v. Wijk 136ᵇ; wb. d. nl. taal 3, 3412. innerhalb des deutschen begegnet das wort in einer älteren bis ins 17. jh. hineinreichenden sprachperiode und dann wieder mit dem 18. jh. das jüngere troll, im gegensatz zum älteren stark flectiert, lehnt sich offenbar an das skandinavische an und bezieht sich gewöhnlich auch auf skandinavische verhältnisse: zu diesen alfen nun kömmt noch eine ganze schaar von trollen, alftrollen, duergen (zwergen), riesen neuer büchersaal (1745) 8, 90; (in Südschweden) ist auch die sage verbreitet, dasz die trolle frühlings, wenn sie ihr geld sonnen, es auf dornbüsche hängen J. Grimm kl. schr. 2, 277; E. M. Arndt w. 6, 139 R.-M.; von den schwedischen trollen, die bald riesen, bald zwerge sind Laistner nebelsagen (1879) 157. fraglich aber ist, ob das ältere deutsche troll, das wie ¹troll schwach flectiert und gelegentlich anlautendes d zeigt, auf das nordische zurückgeht oder einheimisch ist, also zu ¹troll zu stellen ist. klärung könnten erst genauere dialektgeographische untersuchungen schaffen, denn ¹troll scheint durchweg auf das obd.-ostfrk. gebiet beschränkt (s. oben), während ²troll weitere verbreitung zeigt (s. u.). zu beachten bleibt, dasz schon die frühesten belege auf die nordischen trolle bezug nehmen:
auch sagt man, wie daz trollen
in Norwegen sein sollen.
nu hon ich verr durchvarn die lant,
das mir kein troll nie wart bekant
Michael Beheim in Wackernagel leseb. (1839) 1, 1008, 21;
es wonen bei disem volk (den Dänen) trollen, sollen geist sein Aventin 4, 56, 22 Lexer. von einheimischen dämonen seit beginn des 16. jh.: (den alten Preuszen schadeten) uber dasz alles dij trollen, das sein böse geiste, liffen umb yn gestalt der menschen; so wurffen sy einen ins feuer und den dritten ins wasser S. Grunau preusz. chronik 1, 208 Perlbach; die troln oder teufel (haben) sich offt inn bergmendels oder kindleins gestalt inn stoln vnd strecken sehen und hören lassen Mathesius Sarepta (1571) 137ᵇ; drol, bergmännle daemonum genus Henisch 754, lexikalisch sonst nur noch bei Schottel 1305 und Stieler 333, die abhängigkeit von Henisch zeigen; hieher gehören die, welche jnen die teufel dienen lassen in hausz und drauszen in gestalt kleiner mänlein, die man in Sachsen und an der Ostsee drollen nennet, da sie wol bekant und nicht seltzam sind, sonderhin in Schweden und Norwegen A. Lercheimer christl. bedencken (1627) 44; heute ist das wort mundartlich in der bedeutung 'unhold, kobold, teufel, zauberer, hexe' nur fürs nordfries. und schlesw.-holst. verzeichnet, d. h. für unmittelbar unter nordischer einwirkung stehende dialekte, s. Outzen 366, P. Jensen Wiedingharde 644, Mungard Sölring spraak 230, Mensing 5, 164.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1936), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 799, Z. 44.

troll2, m.

²troll, m.,
in der jüngeren waidmannssprache vereinzelt bezeugtes postverbale zu ¹trollen 1 a: gleich darauf kamen zwei stück kahlwild in scharfem troll ... an mir vorbei E. v. Dombrowski grüne brüche (1908) 1, 18; (der elch verschwand) in dem ihm eigenen hohen troll tägl. rundsch. 1903 nr. 57, 2. beil. 3ᶜ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1936), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 800, Z. 30.

trüll, m.

trüll, m.,
s. trüel sp. 1242.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1940), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1334, Z. 43.

trüll, interj.

trüll, interj.,
im gleichen sinne wie troll, s. d. gewöhnlich in dem im westmd. einschlieszlich des waldeckischen verbreiteten kinderliede, das bereits B. Schupp kennt:
trosz, trosz, trull,
da kommt der abt von Fuld
freund in der not 36 ndr.
eine andere fassung s. unter troll, mit entrundung unter trill, teil 11, 1, 2, 515. vgl. ferner nd. tripp-trapp-trull Mensing schlesw.-holst. 5, 167.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1940), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1334, Z. 44.

trulle, f.

trulle, f.,
bezeichnung einer dicken, plumpen, schlampigen, trägen weibsperson, auch als abfällige benennung eines weiblichen wesens; dialektisch noch über weite strecken des hd. und nd. sprachgebiets verbreitet, auch in der form trullen; mit umlaut als trüll nur fürs elsäss. und schweiz. bezeugt. auf ursprünglich schwache flexion deutet der so flektierte singular: an einer üppigen trüllen Geiler v. Keisersberg evang. (1517) 154ᵃ. gelegentlich entrundetes trill s. u., daneben trolle, drolle, s. d.; vgl. auch ¹tralle. die bedeutung 'buhlerin, hure' läszt sich nur für das elsäss. und schweizer. nachweisen; im letzteren sinne findet sich das wort in der form trull seit dem 16. jh. auch im engl., wo es als entlehnung aus dem deutschen angesehen wird, s. Murray 10, 1, 420ᵃ, Skeat 665ᵇ, nach Falk-Torp 2, 1286 über nordfrz. troulle, vgl. auch drille mulier vaga, levis, meretrix Kilian (1605) 97ᵇ. das wort gehört zu der unter ¹troll angeführten sippe.
1)
in dem mundartlich verbreiteten allgemeineren sinne als abfällige bezeichnung einer weibsperson: (sie behaupten,) ich habe geprediget, Maria sye ein torecht wyb gsyn wie ein andre trüll Zwingli dtsche schr. 1, 91;
aber denke nur nicht, du wollest ein bäurisches mädchen
je mir bringen ins haus als schwiegertochter, die trulle!
Göthe 50, 207 W.;
viertens wird die trulle davon toll (das dienstmädchen vom
romanlesen)
Immermann 14, 121 Boxb.;
(Rautendelein zu ihrem spiegelbild:) du dumme trulle
Gerhart Hauptmann versunkene glocke³ (1897) 3.
2)
speziell 'buhlerin, hure', vgl. unfletige trull (in: 'epitheta malarum mulierum et fictarum virginum', Basel 15. jh.) zs. f. dt. wortforsch. 8, 162; trüll, offen metz prostibulum, meretrix Maaler t. spr. (1561) 410ᶜ; bereits mhd. bei Konrad v. Ammenhausen schachzabelbuch nach Lexer 2, 1543:
mit huͦren und mit uppigen trüllen
thuͤnd wir stets unsere hüser füllen
Joh. Aal trag. Joh. 32 ndr.;
darumb soltu nicht mitt ir (der ehefrau) umbgon, als wer sie dein trill und dein bübin Geiler v. Keisersberg brös. (1517) 1, 107ᵃ, vgl. trülbübin christliche königin (1514) 48ᵇ;
und louffst erst noch den schnöden trüllen
Gengenbach 149 G.;
einzelnes weitere s. unter drolle 1 teil 2, 1428; zuletzt lexikalisch bei Dentzler (1716) 291ᵇ trüll, hur meretrix aufgeführt. die wiedergabe von engl. trull durch trulle Shakespeare (1797) 7, 239 und 8, 217 besagt nichts für ein weiterleben dieser bedeutung, da die übersetzung im sinne von 1 oder als mechanisch gelten kann; dagegen könnten die frz. und engl. entlehnungen auf ausgedehntere verwendung im sinne von 2 hinweisen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1940), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1334, Z. 55.

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Zitationshilfe
„trull“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/trull>, abgerufen am 04.08.2021.

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