Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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trumm1, trümmer, trümmer, n., vereinzelt m.m., f., n.

¹trumm, trümmer, n., vereinzelt m.;pl., vereinzelt als sing., m., f., n.
herkunft und form. ahd. drum, mhd. drum (vereinzelt trum, vgl. Lexer 2, 1544), mnd. drom, drum, nhd. trumm (trum), aus germ. *þruma- oder *þrumu-, vgl. ags. þrum in tungeþrum Bosworth-Toller 1020, mengl. thrum, throm, engl. thrum Murray 9, 2, t 383ᶜ, mnl. drom Verwijs-Verdam 2, 430, nl. drom (droem, dreum) woordenb. 3, 2, 3416, norw. trumm, schwed. dial. trum, trom 'stock, baumstamm, abgehauener holzklotz' Hellquist 1012; vgl. ablautend aisl. þrǫmr (˂ *þramu-) 'rand, kante, ende', norw. tröm, wohl auch ahd. dremil 'balken', mnd. treme 'querstange, sprosse' (vgl. auch trempel 'stützpfahl' oben sp. 104 sowie unten ²trumpf sp. 1369) und mhd. trâme, drâme 'balken' (vgl. dram teil 2, 1332, trom oben sp. 808). die auszergerm. verwandtschaft ist nicht eindeutig bestimmbar; mit Meringrr idg. forsch. 21, 299 wird trumm meist gr. τέρμα, lat. terminus in der grundbedeutung 'pflock, pfahl' zugeordnet; s. auch Walde-Pokorny 1, 733 f. anlautendes d ist bis ins nhd. hinein üblich; in der schriftsprache tritt ihm seit dem 15. jh. t zur seite, das im 16. jh. die oberhand gewinnt (letzter beleg für das im nhd. mehr md. geltende d bei B. Schmolck ged. 1 [1740] 433). statt m bürgert sich seit dem 16. jh. mm ein, doch findet sich bis ins 19. jh. noch die schreibung trum, besonders für die bedeutung 'gesteinsader' (s. A 1 c). stammvokal ist ahd. mhd. u, mnd. u und o; im nhd. nur in wenigen fällen o, z. b. obd.: d. ewigen wiszh. betbüchl. (1518) 165ᵇ, J. Ruff Tell 143 B., J. Funckelin Lazarus (1552) c 1ᵇ, Henisch (1616) 754, md. bis zu Schottel haubtspr. 1305 gelegentlich, vereinzelt noch throm (1701) cod. dipl. Sil. 21, 259. im 16. u. 17. jh. nicht selten in der form trumb, z. b. H. Sachs 14, 82 K.-G., Joh. Nas schutzpred. (1589) 10, Weckherlin ged. 1, 29 u. 2, 171 Fischer, Abr. a s. Clara etwas f. alle (1699) 1, 625, wo offenbar nur unorganischer anwuchs des sogen. stummen b vorliegt, da b nur im absoluten auslaut auftritt; dagegen erscheint mundartlich z. t. ein labialer verschluszlaut, der auch auf die binnenstellung übergreift, z. b. drumb, (plur. drümber) Lexer kärnt. 73, dromb Christa Trier 72, dromp rhein. wb. 1, 1523; drömp (drömb), drömpen Mensing schlesw.-holst. 1, 874 und bereits drumbel (v. j. 1333) bei Ch. Schmidt elsäss. 68ᵇ, sowie trumben, vb., Schön Saarbrücken 212; s. auch Sütterlin nhd. gramm. 1, 257 und unten ²trumpf. der (entrundete) umlaut im plural erscheint im 16./17. jh. öfter mit i (y): trymmen (dat. plur.) S. Brant 105 Z., trimmer Gengenbach 301 G., (1505) bei Liliencron hist. volksl. 2, 246, Luther tischreden 9 Pr., Fortunatus 54 ndr., H. Sachs 8, 418 K., Neumark neuspr. palmb. (1668) 350, Abraham a s. Clara 127 lit. ver., Schönaich Heinrich d. Vogler (1751) 7. als masc. erscheint trumm des öfteren, auch mundartlich, vgl. z. b. Seiler Basler ma. 87, rhein. wb. 1, 1523, Heinzerling-Reuter Siegerl. 49, sonst überwiegt das neutrum. der mhd. plural drum (vgl. Lohengrin 2442 Rückert) hält sich vereinzelt bis ins 17. jh. (zuletzt bei Lehman floril. polit. [1662] 1, 473); der plural auf -er (vgl. mhd. drumer Konrad v. Fussesbrunnen kindheit Jesu 97, 62 bei Hahn ged. d. 12. u. 13. jhs. nach hdschr. b [13. jh.]; in Kochendörffers ausgabe ist v. 2597 diu drum er begunde er her für lesen fehlerhaft, es ist ebenfalls drumer zu setzen, vgl. etwa 2193) herrscht seit dem 15. jh. vor, vgl. trumer kl. rosengarten 342 v. d. Hagen-Primisser, trumeren städtechron. 2, 18 (Augsburg, 1428) u. s. w.; ein plural trümmern findet sich bei P. Fleming 1, 104 lit. ver. belegt, dann seit Klopstock (z. b. w. [1798] 6, 106) bis ins 19. jh., (vgl. fürst Pückler 6, 260) als ergänzung zum neuen singular trümmer (s. u.). zu trumm 'holzklotz, baumstumpf' erscheint dialektisch ein neuer plural trumme, der gelegentlich auch in schriftsprachlichen gebrauch übergeht (s. u. A 3 a β), vgl. bad. wb. 576ᵇ, Fischer schwäb. 2, 423, rhein. wb. 1, 1523. seit der mitte des 18. jhs. (s. u. B) tritt trümmer auch als singular auf; als fem. die trümmer (vgl. auszer Klopstock noch J. H. Voss 123 nat.-lit., Freiligrath ges. dicht. [1877] 2, 142, Stifter s. w. 2, 135 S., A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. [1878] 1, 319); daneben als masc. der trümmer (vgl. Zachariä poet. schr. [1763] 3, 21, Mommsen an Wilamowitz in: briefwechsel [1935] 3, 85) und als neutrum das trümmer, vgl. Jung-Stilling s. schr. 4, 324, Platen nachl. 149 P., Gutzkow ritter v. geiste 1, 14, Vischer krit. gänge n. f. 1, 2, 51.
bedeutung und gebrauch. alt erscheint gemäsz ags. þrum in tungeþrum 'zungenband', ahd. drum stirps (s. A 2) einerseits die bedeutung 'endstück, ende', während anderseits auch die bedeutung 'teilstück', nach der seit mhd. zeit vorwiegenden verwendung und schwed. dial. trum, trom 'abgehauener holzblock' zu urteilen, schon in eine frühe sprachstufe zurückreicht; vgl. drumon, trumum (dat. plur.) gracilis ahd. gll. 1, 48 St.-S. (neben luzikem exilis, smalem subtilis), wo dem glossator die vorstellung 'schmales, dünnes stück' vorgeschwebt haben mag. auszugehen ist wohl von einer grundbedeutung 'abgeschnittenes ende eines baumstammes, pfahl', vgl. ahd. thrum meta ahd. gll. 1, 210, 8 St.-S.
A.
im mhd. allgemein gebräuchlich, hat sich der singular trumm nhd. nur in einigen sonderbedeutungen und festen wendungen erhalten und ist schriftsprachlich vor allem oberdeutsch und rheinisch dort bezeugt, wo er mundartlich in gebrauch blieb. der plural trümmer hat seit dem 18. jh. eine gesonderte entwicklung genommen (s. u. B).
1)
endstück eines gegenstandes.
a)
im mhd. in allgemeiner verwendung:
daz si an dem drum der banc
bi den chnechten gesæzen
Heinrich v. Melk priesterleben 630 H.;
das man in setzt ans herren drum (an das obere ende)
klostersitten v. 7 bei Laszberg liedersaal 1, 421;
zende (= ze ende) an des steines drum
Wolfram Parz. 470, 23;
einen gürtel ...,
des drum tet ûf die erden val
Willeh. 154, 28.
b)
nhd. eingeschränkter, besonders vom ende eines seils, fadens u. dgl. gebraucht: alsdenn zeuchs (das seil) wider ab dem holtz herab und umbwinds etlich mal mit dem drum, also dasz es einem ring gleich geformiert werde Fronsperger kriegsbuch (1578) 1, 144ᵇ; ein knewel schnürlein mit dem ende oder trumb fornen im eingang anzubinden P. Kentz güld. handwercksboden (1629) 104;
das schif verdrehet sich und würblet rund herumb,
dasz sich die arme leut nicht mehr zu halten wissen:
ergreiffet einer schon nur eines zugseils trumb,
wird es ihm auszgeschmissen
Weckherlin ged. 2, 171 Fischer;
(Kurt) band den dritten (schnurbund) an das trumm, fuhr fort zu zählen Mörike ges. schr. (1905) 4, 34; vgl.drumb eines seiles Lexer kärnt. 73; so bergmännisch: 'trum ... das ende von einem bergseile' Minerophilus bergwerckslex. (1730) 671; 'trum jedes von den beiden seilen, welche in einem förderschacht mit den daran hängenden gefäszen auf und nieder gehen' Gätzschmann bergmänn. ausdr. (1881) 104; vgl. trummseil. häufig für 'fadenende, garnende', besonders fachsprachlich in der webetechnik noch in gebrauch; speziell meist kollektivisch, für die am webstuhl sitzenden fadenenden der kette, von denen das fertige tuch abgeschnitten ist, vgl. drum licium Konrad v. Heinrichau 383 Gus., trumm licium, daran die weber das garn knüpfen Schottel (1663) 1435; trum von barchentwebergarn, so die schneider zum fadenschlagen brauchen M. Kramer hochnidert. dict. (1719) 1, 72ᶜ; 'trum, das nach einem fertig gearbeiteten zeugstück nicht mehr zu verarbeitende ende einer kette' Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 9, 652; ebenso 'zettelende am leinwandtuch' u. ähnl. rhein. wb. 1, 1523; in allgemeiner anwendung beim spinnen, garnwinden u. s. w., vgl. bad. wb. 576ᵇ: soll er (der seidenspinner) zwey ende zusammen nehmen, auf dasz, wann ein faden bricht, dasz er ... nachmals an das abgerissene trumm anknüpfen (kann) v. Hohberg georg. cur. (1682) 2, 431; vgl. trum garnende Hoyer-Kreuter techn. (1902) 1, 781; trumm so viel zwirn, als zum einfädeln gehört Sallmann neue beitr. z. dt. ma. in Esthland 42; drum anfang oder ende eines fadens, garns, vgl. z. b. bad. wb. 576ᵇ, Fischer schwäb. 2, 422, rhein. wb. 1, 1523, dromm m. Heinzerling-Reuter Siegerl. 49, drumb eines fadens Lexer kärnt. 73; drum auch für 'ein ansehnliches, längeres stück faden' bad. wb. 576ᵇ. auch von fadenähnlichen dingen: (bei manchen wirten sind) die schüsseln gar manierlich gewaschen, auszer dasz etliche trumb von spülhadern, nicht ungleich den regenwürmern, daran gehangen Abr. a s. Clara etwas f. alle (1699) 1, 625. dromm, meist drömmche, frauenhaar, an der stirne z. t. abgeschnitten, der rest über der stirn hängend rhein. wb. 1, 1524; trumm faden eines dickflüssigen, zähen körpers Tobler appenz. 155.
c)
im bergbau übertragen für 'ausläufer einer gesteinsader, kleiner erzgang, erzader': biszweilen sind auch die ... arbeiter eben treuw und unfleiszig ..., verlieren das rechte trumm, offt gehets in der gruben, oder der schacht bricht gar ein Mathesius Sarepta (1571) 210ᵃ; aufm throme im hangenden (gesteine) (v. j. 1701) cod. dipl. Sil. 21, 259; weil da noch mehr drümmer zusammenkommen, veredelt einsz das ander H. Hake bergchron. 18; die trümmer haben sich wieder zum hauptgang geortet Herttwig bergb. (1734) 396ᵃ; geologisch: ein trum dichter quarz durch kohle gefärbt Göthe IV 19, 196 W.; in einem lettenartigen trumm, welches durch den gips des rechten ufers der Saale streicht 13, 160; mit einem durchsetzenden ... trume ... (von) kalkspath L. v. Buch ges. schr. (1867) 1, 238; bildlich: oft lockt ihn ein betrügerisches trum aus der wahren richtung, aber bald erkennt er den falschen weg, und bricht mit gewalt querfeldein, bis er den wahren erzführenden gang wiedergefunden hat Novalis schr. 4, 121 M.; vgl. auch bad. wb. 577ᵃ. terminologische bergtechnische ausdrücke sind z. b. noch hangendes und liegendes trumm.
d)
redensartliche wendungen, die von b ausgehen und trumm als 'fadenende eines knäuels' in bildlich verstandenen ausdrücken anwenden, sind teilweise noch mundartl. verbreitet; das (rechte) trumm verlieren, finden, ergreifen, suchen: welcher anfangs der sachen tiefst nach dachte: und kondte das trumm an dieser verwirreten garnwind lang nit finden eselkönig 199; vgl. bad. wb. 576ᵇ, Fischer schwäb. 2, 422; wo ihm vor drei stunden zum ersten mal das trumm verloren ging, (wo er anfing, sich zu verlaufen) Mörike ges. schr. (1905) 3, 140; s trumm verlieren bad. wb. 576ᵇ im sinne 'beim reden den faden verlieren' oder 'kein ende finden'; wir sitzen und schwatzen, da findet er (der staar) das trumm (seines liedes) schon wieder Mörike ges. schr. (1905) 3, 87; er hatte aber damit (mit seinen reden) das unrechte trum ergriffen, denn im bittersten zorn loderte ich auf Jer. Gotthelf ges. schr. (1855) 1, 199; vor meinetwegen brennt die lampen ja nicht an, bäs Dorle, entgegnete die Annemarie, die noch immer das trumm suchte zu ihrem vorbringen O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 196. die redensart mir geht das trumm aus bedeutet 'ich kann nicht weiter, musz aufhören', vgl. Fischer schwäb. 2, 422, bad. wb. 576ᵇ: der (subdelegat) gab mir nun, als ihme bey guter zeit ... das trumm auszgegangen ..., den bescheid: ... anatome joco-seria conscientiae antiquae (1667) 54; wenn ich so im ständehaus ... vier, fünf, sechs monate sitzen und weiter nichts thun sollte, als ein tag wie den andern von neuen gesetzen ... hören und da mitreden: mir ging der trum aus Auerbach dorfgesch. (1891) 3, 259. ähnlich, im älteren nhd. reich bezeugt das trumm wird einem zu kurz 'er ist am ende seiner kräfte, mittel' u. dgl.: weil sie sich nun zu Neuburg samleten, ward den in der statt Granse das trum zu kurtz, sie kundten der macht Caroli nit lenger vorstehen Seb. Franck Germ. chron. (1538) 228ᵇ;
darumb wer da will seelig werden,
der bekehr sich noch auff der erden,
dasz ihm das trumm nicht werd zu kurtz
und werd verdampt mit stamm und wurtz
Joh. Rud. Fischer bei Brenner-Hartmann Bayerns mundarten 1, 477;
weitere belege und mundartl. redensarten s. Fischer schwäb. a. a. o., bad. wb. a. a. o.
e)
wie faden (vgl. teil 3, 1231) auch sonst bildlich gebraucht; vom lebensfaden:
also die blümelein der weiszheit, zucht und tugend,
welche man blühen sah in dem aufgang der jugent
dises fräwlins so schön, so süsz, höflich und frumb,
bezeugeten gleichsamb, das seiner jahren trumb
nicht würd langwürig sein
Weckherlin ged. 1, 29 Fischer;
worauf ihm Lachesis den güldnen faden abgeschnitten,
und das trumm geleget in das grab
bei Gottsched beytr. zur crit. hist. (1732) 2, 148;
vergleichbar: ar ziagt an letztn trumm (wenn es mit dem leben zu ende geht) Ruckert unterfränk. 185, wo eine miszverstandene redensart am letzen (teil 6, 794) trumm ziehen d. h. am falschen (übeln) ende ziehen zugrunde liegen wird, vgl. bad. wb. 576ᵇ. trumm der erzählung: alss ein trom und faden unser historiam anfangen N. Frischlin (1586) nach Fischer schwäb. 3, 323.
2)
früh im sinne 'das äuszerste ende, grenze', von dingen, räumen, der zeit u. s. w.; räumlich:
ein stat heizet Capharnaum
diu stozet an des meres drum
priester Wernher Maria 2202 W.;
der welt kreiz unde drum
Ottokar reimchron. 35243 S.;
hoffnung aller drümer der erden (omnium finium terrae) J. v. Neumarkt soliloquien 87 S.; zeitlich, vgl. schon ahd. a stirpe fona dhrume, fona herostin (8. jh.) ahd. gll. 1, 21, 22 St.-S., 'abschlusz, beendigung, vollendung':
unz an des siges drum
Ottokar reimchron. 17141 S.;
an des selben wortes drume
gab er uf sinen geist
passional 200, 23 K.;
der wegen wöllest du busz thun, dieweil die zeit der gnaden noch vorhanden ist, solches nicht sparen bisz auff das letst trum, da dann kein zeit mehr ist, busz zu thun Höniger narrenschiff (1574) 91ᵃ;
an ainigs trum unendig
bleibt sein kunigreich bestendig
Schede-Melissus psalmen 103 ndr.;
verfluchte hoffahrt findt kein trumm Abele v. Lilienberg unordnung (1670) 4, 87; was ewig ist, hat kein trumm Selhamer tuba tragica (1696) 1, 103. in antithetischen oder synonymischen verbindungen; meist mit der bedeutung 'ende':
von dem anegenge unze an daz trume
frau Ava leben Jesu 2241 zs. f. dt. phil. 19, 293;
er (gott) hatt keinn anfang noch keins tromm
J. Ruff weingarten in: schweiz. schausp. 3, 239;
so pin ich laider also gestalt,
das ich nicht waiss end noch drum (meiner dichtung),
doch waiss ich, das ich Yhesum,
den süessen namen, anruefen sol
H. Vintler pluemen 10071 Zingerle;
... böser zungen schnatter
hat weder trum noch endes zil
liederbuch d. Hätzlerin 242 H.;
das thut er umb sein hoffahrt,
die hat weder drum noch ort
(16. jh.) bei Bolte bauer im liede 287;
ein narr macht alle zeit vil wort
und haben weder trumb noch ort
Hans Sachs 19, 405 K.-G.;
noch mundartlich: die (alte frau) findt kein end und kein trumm O. Ludwig w. (1892) 2, 356; vgl. ähnlich bad. wb. 576ᵇ. im sinne von 'anfang', vgl. ich kan weder trumm noch end finden oder den anfang noch den auszgang Frisius dict. (1556) 488ᵇ:
ey, eh du nein riedst in den waldt,
hab ichs gesagt von trumb zu endt,
was ich meim mann hab hingesendt
Hans Sachs 14, 82 K.-G.;
die philosophey, da sie weder trumm noch endt wissen Paracelsus opera (1616) 1, 788 Huser.
3)
'teilstück', das von einem gröszeren ganzen abgetrennt ist.
a)
von einzelnen teilen eines zerstückten oder in bestimmte stücke zerlegten gegenstandes.
α)
von stücken zufälliger grösze, die durch die zerstörung eines ganzen entstanden sind (s. auch unten C in festen verbindungen), vgl.drumb 'stück, teil' Lexer kärnt. 73, drum 'stück' bad. wb. 576ᵇ, trumm 'bruchstück' Lenz Handschuhsheim 72:
diu schilt von starken tjosten kluben,
diu drum zuo den vrouwen in die schôze stuben
Lohengrin 245, 2 R.;
den luft mit speres drumen kleiden
jg. Tit. 951, 2;
mit eingelegten spehr auffeinander randten, dasz gen himmel die drummer flohen Z. Rivander festchron. (1591) 1, 31ᵃ; archaisierend wieder aufgenommen: die trumme gesplitterter speere G. Freytag bilder (1897) 1, 549; was sichst du aber ein drom (splitter) in dem aug dynes bruͦders d. ewigen wiszheit betbüchl. (1518) 165ᵇ; das spanische rohr war schon in kleine stücken, und fast bisz zu dem handknopff hinunter zerschmissen, und ... als er ... nicht mehr zuschlagen konnte, stiss er ihnen das übrige trumm noch ins genücke Zendorius a Zendoriis winternächte (1682) 579;
hat er uns daz geschlosz lassen brechen
wir wöllen im die trümmer lan
(v. j. 1478) bei Liliencron hist. volksl. 2, 246;
(sie haben) kein drum bei dem andern gelaszen (16. jh.) städtechron. 15, 106; wo solche kuglen ausz böllern oder büchssen geschossen werden, so verspringen sie und thun die trümmer groszen schaden L. Fronsperger kriegsb. (1578) 1, 124ᵇ: gerad wie das quecksilber, ... eh es getödt wirt, sich in vil trümmer, tröpflein, und rotten theilet J. Nas antipap. eins (1567) 4, 231ᵇ; zwei newgemachte bücher, ... zue trümmern und kleinen fedzen zerrieszen Georg Widman chronica 8 Kolb; diesen (brief) zerrisse der obriste alsobalde zu kleinen stücken und wurffe uns die trümmer oder fetzen ins gesicht Abele v. Lilienberg unordnung (1670) 2, 212. verstärkt kleine trümmer: das eis kam und schlug ir schiff zu kleinen trummern L. v. Eyb Wilwolt v. Schaumburg 197 Keller; (ich will) der alle beede beene in klene drümmer schlon A. Gryphius lustsp. 260 P.; wenn ein schiff an den felsen rührt, zerstört es sich zu kleinen trümmern Grimm dtsche sagen (1891) 2, 101. pleonastisch in zwillingsformeln: sie (die polizeiliche ordnung) ghet schendlich zu scherben und trümmeren Seb. Franck chron. Germ. (1538) 88ᵇ; man findt ettlich (ehemänner), die lieszen sich eher zu trummern und stücken zerhawen, weder sie solches litten und zusehen Höniger narrenschiff (1574) 122ᵃ; den helm in trümmern und stücken zerschlagen Bastel v. d. Sohle don Kichote (1648) 20; mit der weisz möcht wol die gantz h. römische kirch zu scheitern und trümmer zerfallen Fischart binenkorb (1588) 45ᵃ; es sihet offt sich an, als wolts alles zu drummern, zu scheittern und zu boden gehen Luther 33, 485, 15 W.; zun trümmern und scheitern gehen pessum ire Weismann lex. bipart. (1725) 2, 416ᵃ. 'reststück': die ketzer haben nur 6 drumer von der heiligen geschrifft J. Nas antipap. eins (1567) 3, 19ᵇ; uberblibne stuck unnd drümer ausz dem achten buch der hist. Pol. Xylander Polybius (1574) 363;
a trumm
vonn teufelsthurn
Castelli bei Mareta österr. volksspr. 15.
β)
von stücken, die in bestimmter grösze von einem ganzen abgetrennt werden; häufig von tuchstücken, auch tuchresten:
so ger ich, liebes veterlin,
des andern drumes, daz si min,
daz ab dem kotzen ist gesniten
vom kotzen v. 166 bei Mailath-Koffinger Koloczaer codex altdt. ged. 149;
jeder man sol mit im füeren ein altez sidin dron
d. gr. rosengarten 243 bei v. d. Hagen-Primisser d. helden buch;
wer ganze tuch verkauffet oder als vil drumer versneidet, die eyn tuch bringend (1497) mon. Boica 10, 576; von rohtcremesin und saflorfarbatlasen trümmern ist mir noch nichts zu handen kommen (1592) Paumgartner briefw. 158; er findt den h. Martinum, welcher mit dem bloszen degen ein trumm von dem mantel schneidet Abr. a s. Clara etwas f. alle (1699) 1, 407; jedoch hat das oberhaupt oder der oberste in dieser sect ... diesen vortheil unter den seinigen, dasz er ein trumm tuch um das haubt haben darff J. Chr. Beer Asia (1681) 1, 18ᵇ; drum überrest von einem stück tuch Überfelder kärntn. 80, vgl. drimchen schwarzseidenes schleiertuch vor dem gesicht der frauen, in der kirche in die höhe geschlagen rhein. wb. 1, 1524. — mit dem beisinn einer maszeinheit: vier trümmer spitzen ganze stücken von einer bestimmten ellenzahl Krünitz (1846) 189, 42. vom abgeschnittenen stück eszware, wobeiwohl unter einwirkung von 4 — oft an ein besonders dickes stück gedacht wird (wie auch bei ende), vgl.daͦs is kan stuck mehr, daͦs is schon a trumm bei Mareta österr. volksspr. 15: (er) trenchierte ... die gans und legte die trümmer in der schüssel herum Joh. Riemer polit. hasenkopf (1683) 402; ein artzt ... hat von ... der blutwurst ein trumm um das andere heruntergeschnitten Abr. a s. Clara etwas f. alle (1699) 2, 214; süddeutsch mundartl. noch geläufig, vgl. z. b. trumm stück eszwaren Überfelder kärntn. 80; trumm brot Fischer schwäb. 2, 423; e trum brūt Blumer nordwestböhm. 32, s. auch Schmeller-Fr. 1, 664:
o welche pein, o welche pein,
ein hungeriger schneider sein!
... jetzt lauf ich schon sechs wochen rum
und finde kaum des tags ein trumm (erg. brot)
graf Pocci komödienbüchl. (1880) 3, 9;
daͦ is a trumm kas Mareta österr. 15;
jetzt hockt er grad beim essen drin
und hat a fleisch, dös gröszte trumm
K. Stieler ged. 2, 19 Reclam.
stück eines (ungespaltenen) holzbalkens, eines baumstammes, auch für holzklotz gebraucht, vgl. auch ahd. thrum, drum meta ahd. gll. 1, 210, 8 St.-S.: ein trum eins prückholz E. Tucher baumeisterb. 301 lit. ver.; St. (packte) auch dies 'trumm' (baumstamm) und legte es sorgfältig mit dem seinen über den kanal Liller kriegszeit. 1914/15 1, 82; 'ein kurzer klotz, der mit der axt von einem stamme gehauen worden ist, wird tromm genannt' Hartig forstl. convers. (1836) 848; trumm kurzer, unbehauener und nicht gespaltener holzklotz Fischer schwäb. 2, 423, vgl. Schmeller-Fr. 1, 663, bad. wb. 576f., Seiler Basler ma. 87, rhein. wb. 1, 1523; drumm m. 'dickes endstück, baumstumpf, stücke eines der quere nach zersägten baumstammes' Mensing schlesw.-holst. 1, 879, Schumann Lübeck 23 u. 41: bei den buchen finden sich mehrere trumme zu hauklötzen geeignet (auktionsanzeige) Gieszener anzeiger v. 18. i. 1871; irgendein im walde gefundenes trumm holz H. Carossa geheimnisse (1936) 48. von einem baumstumpf, vgl. 'überrest eines baumstammes, dicker baumstumpf' rhein. wb. a. a. o.: aus dem trumm, wie aus einem krater, blühte die herrlichste blume empor Immermann 1, 197 B.;
und dein stamm (des weiszdorns), der hohle trumm,
voll gesumm
ist ein aufenthalt der bienen
Freiligrath ges. dicht. (1877) 4, 146.
als teil einer bodenfläche, auch für ein bestimmtes landmasz: quattuor partes (agri), quod vulgariter dicitur trumer (1200) mon. Boica 3, 511; (der feldbau) enthält 118 pief. und 7 trümmer R. Zierngibl gesch. d. probstey Hainspach (1802) 475; drume zwei grundstücke, die mit der kopfseite zusammentreffen rhein. wb. 1, 1524; tromm ein stück von einer fläche, die ein- oder mehrmal quer durchschnitten worden Schmidt westerwäld. 268; trumm ackerteil Schön Saarbr. 212; dromm ein haubergstück Heinzerling-Reuter Siegerl. 49. als teil einer geometrischen figur: nym das trum des circkels im 7 ecke zwischen 1 2 und teyl das in zwey gleiche felt Dürer befestigung der städt (1527) e 3ᵃ; es ist auch viel seltsams maswercks, durch die drümer des circkels zu reyssen underweysung d. messung (1525) e 4ᵃ. teil eines fischnetzes, dann auch für die entsprechende länge als masz, vgl. Schmeller-Fr. 1, 663: stangen ..., von welchen aus man zwey trümer weit (ein trum zu 45 klafter) ... in den see fahren (darf) Westenrieder beschreib. d. Wurmsees (1784) 135.
b)
auch in allgemeiner, ins abstrakte übergehender verwendung für 'teil, stück' eines ganzen, wobei die vorstellung des zerlegens zurücktreten kann:
wer das ganze veracht,
gewiszlich auch das trumb verlacht
J. Nas schutzpredigt (1589) 10;
Aristotelem, wellicher gewiszlich ein guten trumb von der redlichen teutschen art gehabt musz haben Guarinonius greuel d. verwüst. (1610) 597. abschnitt eines berichts, einer erzählung: ein ander trum von sicilischen sachen Xylander Polybius (1574) 391; a wildererstuckl in 3 trumm K. Stieler ged. 2, 54 (Reclam); vielleicht lesen sie (anrede) dann das gröszere trumm des romanes L. Thoma briefe (1933) 1, 414. strecke eines weges, vgl. drum stück weges Hintner tirol. 44; e guets trumm, e ganzs trumm näher, ferner u. ähnl. Schmeller-Fr. 1, 663:
und nacha san ma weitergfahrn
so a kloans trumm
K. Stieler ged. 4, 47 (Reclam).
anders in der redewendung in einem trumm 'in einem fort, ohne unterbrechung' mit der vorstellung des zusammenhängenden gröszeren stücks eines zeitraumes: wan mer in eym trumm lauter soliche ... brieffen schreyben thuet J. J. Schwabe tintenfäszl (1745) 52; wer bei einem gröszeren werke in einem trumm alle seine vorstudien machen will W. H. Riehl dtsche arbeit (1861) 296; in en trumm fort Ruckert unterfränk. 185, vgl. auch bad. wb. 576ᵇ, Fischer schwäb. 2, 422, rhein. wb. 1, 1524; in einem trumm Schöpf tirol. 761. als unbestimmte mengenbezeichnung, mundartlich abgeblaszt 'etwas': a drum leichter Hintner tirol. 44;
soll warten a trumm
S. Wagner Salzburga bauernsanga (1847) 45.
4)
jung und namentlich dialektisch tritt trumm als bezeichnung für einen klobigen, dicken, groszen gegenstand auf, anscheinend vom holzklotz und baumstumpf her (s. 3 a β) übertragen:
mit dem stein und dem mächtigen trumme des berges
Voss Äneis (1799) 10, 697;
der felsen hätt gehorcht des kindes stimme ...,
gespalten sich in rund, viereckte trümme
Immermann schr. (1835) 3, 65;
jenes bräunlichgraue trumm, dessen gipfel da hervorragt, ein überrest der säule (des Constantin) G. H. v. Schubert reise ins morgenl. 1, 153; sie sprang flink wie ein reh von einem trumm (sarkophag) zum andern M. Hartmann ges. w. (1873) 4, 330;
sa büchsen is a trum,
awa schoiszt oda haut er,
eins purzelt hald um!
Frz. Stelzhamer ausgew. dicht. (1884) 1, 121;
er hätt was gefunden, zum wenigsten denk ich, ein trum gold Rosegger schr. (1895) I 1, 140; einem götzen habt ihr gehuldigt, einem toten trumm eisen H. Watzlik pfarrer von Dornloh (1930) 69; ɐ drum rous ein groszes pferd, ɐ drum dīsch ein groszer tisch (mundart v. Wadetstift im Böhmerwald); drumm 'grosze säge' rhein. wb. 1, 1524 scheint verkürzt aus trummsäge (s. dort). mundartlich von einem kurzen, dicken menschen; besonders von frauen, oft mit verächtlichem beiklang, vgl. a rachts trumm ein tüchtiges, festes, plumpes weibsbild Ruckert unterfränk. 185; en korten drum eine kurze person Schmidt westerwäld. (1800) 268; trumm von einer dicken, auch nichtswürdigen weibsperson Schöpf tirol. 761; trumm grosze starke person Unger-Khull steir. 177; auffallend stark gebaute person bad. wb. 577ᵃ; anders langes trumm grosz gewachsene person Fischer schwäb. 2, 423:
du boshaftes trum
A. Meisl theatral. quodlibet 1, 22;
du liadalis trumm
A. Hartmann volksschausp. in Bayern u. Österr. (1889) 262;
wenn man bedenke, was so ein trumm frauenzimmer für gewand brauche Rosegger nichtsnutzig volk (1907) 193; ein teufelsmäszig sauberer brocken war das weibsbild, ein ordentliches trumm L. Thoma ges. w. (1927) 3, 446.
B.
seit Klopstock hat sich der plural trümmer mit der bedeutung A 3 a α in poetischer sprache eingebürgert, von wo aus das wort als plurale tantum in die hochsprache überging; als singular ist trümmer heute ungewöhnlich (s. sp. 1337), doch von der mitte des 18. bis zum ende des 19. jhs. nicht selten bezeugt. in dichterischer sphäre erhielt trümmer einen neuen pathetischen klang, indem es besonders auf reste bedeutend erscheinender dinge, groszer bauwerke, riesiger naturschöpfungen, schöner körper u. s. w. angewendet wurde, deren überbleibsel den charakter des erhabenen an sich tragen und mit dem elegischen gefühl betrachtet werden, das dem gedanken an entschwundene grösze anhaftet. später erweitert trümmer seinen anwendungsbereich, bleibt aber ein wort literarischer sprache, vgl. bad. wb. 576ᵇ.
1)
in dem oben gekennzeichneten besonderen sinne.
a)
von überresten groszer bauten, oft wie ruinen gebraucht, so auch im singular:
... auf der flammenden trümmer
seines tempels ...
Klopstock Messias (1780) 172;
die moosigte trümmer, auf welche
die linke sich stützte
Denis lieder Sineds (1772) 3;
fürchterlich erhaben, gleich einem gedächtnishügel, den die menschen aus prächtigen trümmern verwüsteter paläste und tempel zusammen getragen haben Klinger w. (1809) 7, 108; schwermüthig auf den trümmern der vorwelt zu sitzen, mag eine malerische stellung seyn Herder w. 16, 51 S.;
oft sitz ich hier, getreu den alten tagen,
auf einer trümmer, ihren fall zu klagen
Freiligrath w. (1892) 4, 186;
die trümmer des alten schlosses Dürande sehen über die wipfel in die einsamkeit hinein Eichendorff s. w. (1864) 3, 295; die trümmer griechischer baukunst G. Keller ges. w. (1889) 2, 27. trümmer einer stadt: die beschreibung der drümmer und bruchstücke einer vormals so prächtigen stadt, als Palmyra gewesen Gottsched d. neueste (1751) 6, 173;
ich aber will
in Orleans, meines vaters stadt, mich werfen,
und unter ihren trümmern mich begraben
Schiller 13, 207 G.
stehende verbindung ist schutt und trümmer:
... alle balken und decken
sie sind schon lange verbrannt,
und trepp und gang und capelle
in schutt und trümmer verwandt
Göthe 1, 93 W.;
... das haus sinkt!   fort, zurücke!
heiland der welt!   da liegts in schutt und trümmern
H. v. Kleist w. 2, 267 E. Schmidt;
im bilde:
will mit der that gewuchtgen donnerschlägen
ihr reich in schutt und trümmer legen
H. Arent mod. dichterchar. (1885) 95.
b)
von zerstörten schöpfungen der natur, mehr oder weniger mit emphatischem klang:
und er hob den stehenden fusz von der trümmer der sonne,
er, den die sprache der erde, die mich gebahr und begräbt einst,
sohn des ewigen nennt und wort des vaters (d. h. Christus)
Lavater poesieen (1781) 2, 10;
auf den trümmern des zerstörten erdballs v. Cronegk schr. (1766) 2, 176;
geborsten steht die trümmer der ewgen höh
des erdbaus
Herder w. 27, 405 S.;
auf die trümmer der welt ...
hinzuschwindeln im taumel
Schiller 1, 41 G.;
wilde trümmer groszer steinmassen Naumann naturgesch. d. vögel (1822) 6, 413; unter den trümmern zusammengestürzter berge H. Steffens was ich erlebte (1840) 1, 240.
c)
in der zweiten hälfte des 18. jhs. bis in den anfang des 19. poetisch auch von überresten des toten menschlichen leibes und von überbleibseln körperlicher schönheit, meist deutlich mit gefühlvoll-melancholischem stimmungsgehalt:
freue dich deines todes, o leib! in den tiefen der schöpfung,
in den höhen der schöpfung wird deine trümmer verwehn!
Klopstock s. w. (1823) 1, 127;
ernster, in tieferer todesbetrachtung, meid ich die halle
stets noch, in welche dem thron Friederichs trümmer entsank
oden 1, 177 M.-P.;
wo ruht er nun, der bruder meines geistes?
wo scharrten sie des edlen trümmer hin?
Schubart ged. (1825) 2, 310;
wenn noch irgendwo die heilige trümmer eines patriarchen ruhet Herder 7, 234 S.;
schöne wangen werden trümmer
Gleim w. 3, 184 Körte;
in den trümmern deiner schöne
seh ich dich verlassen gehn
Schiller w. 1, 308 G.
etwas anders:
trümmer ist der wesen schöne hülle
Hölderlin 1, 107 Litzm.;
2)
auch in andere sachbereiche übernommen, was durch gebräuchliche verbale verbindungen der bedeutung A (s. unten C) unterstützt wurde, die an der neuen färbung des wortes teilnahmen.
a)
im allgemeinen sagt man trümmer nur von resten bedeutenderer oder gröszerer gegenstände; von teilen eines wracks: trümmer des schiffes lagen im sande zerstreut S. Geszner w. (1778) 2, 73;
und langsam schwimmt er mit der trümmer
auf ödem glitzerndem kristall
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 1, 319;
von waffen: Folkos lanze war in tausend trümmer auf seines gegners brustharnisch zerstoben Fouqué zauberring (1812) 1, 23;
Nothungs trümmer
zertrotzt er mir nicht
R. Wagner ges. schr. (1897) 6, 86.
reste unscheinbarer dinge werden seltener als trümmer bezeichnet (anders dagegen in älterer sprache, s. A 3 a α):
in trümmern von dem glas sucht er den kühnen stein
Zachariä poet. schr. (1763) 1, 30;
die trümmer zerbrochener scheiben M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 3, 382; die frau vom haus zog mir (apfel) die haut ab und schnitt mich erbärmlich in trümmer Ph. Hafner ges. schr. (1812) 1, 73; die trümmer eines augenblicklichen, leichten und falschen putzes Göthe 21, 88 W.; ungewöhnlich: jene blume hatte sie zerpflückt, das junge volk war über die trümmer hingetanzt O. Ludwig ges. schr. (1891) 1, 235. geologisch vom felsgeröll: trümmer des gneisfelsens Roszmäszler d. wald (1863) 28, vgl. auch trümmerabhang, -ablagerung, -bett, -erde, -geschiebe u. s. w.
b)
oft von resten groszer besitztümer, politischer mächte, militärischer kräfte u. s. w.: (die) reisenden ... brachten nur wenige trümmer ihrer besitztümer davon Göthe 22, 41 W.; eine grosze menge angesehener familien wanderten mit den trümmern ihrer habe aus Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 2, 19. auf den trümmern des mächtigsten reiches M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 3; was werden die groszen trümmer Ruszlands tun? Hindenburg aus m. leben (1920) 392; das einfachste wäre, die trümmer des alten adels zusammenzuraffen Görres ges. br. (1858) 3, 47; die trümmer des latinischen heers Niebuhr röm. gesch. (1811) 2, 516; ihre (der portugiesischen bataillone) trümmer tragen die panik bis tief in die englische etappe hinein W. Beumelburg sperrfeuer um Deutschland (1929) 444.
c)
mit abstrakten verbunden, besonders solchen, die einen glücklichen zustand des daseins bezeichnen:
die trümmer seines glückes stahl
ihm bosheit
Gotter ged. 1, 218;
vor den trümmern seines familienglückes M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 33; ähnlich: trümmern des vorigen lebens Jean Paul I 6, 479 akademieausg.; jene trümmer alten glanzes E. M. Arndt s. w. 1, 55 R.-M.; die alte (kaiserin) Augusta, der trümmer einer besseren zeit (1890) Mommsen in: M. u. Wilamowitz, briefw. 1872 -1903 (1935) 385; die letzte trümmer ihres guten namens Herder w. 9, 99 S.
d)
von resten geistig-seelischer erzeugnisse und kräfte:
über der gedanken trümmer
schwillt sie hin, der wünsche flut
O. Ludwig w. 1, 45 E. Schmidt;
die trümmer gescheiterter hoffnungen J. J. Engel schr. (1801) 2, 286; der verstand leuchtete über den trümmern des gemüts Hölderlin w. 2, 90 Litzmann; die ehrwürdige trümmer eines weiland treflichen kopfes D. Schubart leben u. gesinn. 1, 174; vergleichbar: einige trümmer und ferne dämmerungen jenes geistigen lichtzustandes Hegel w. (1832) 7, 1, 15; eine letzte trümmer von geistestätigkeit Justi Winckelmann (1866) 1, 456.
e)
überbleibsel geistiger schöpfungen, sprachen, dichtungen u. ähnl.; bildhaft:
und in öden dunkeln trümmern
der alten Celtensprache
Klopstock oden 1, 202 M.-P.;
abstrakter: die trümmer dieser sprache Novalis w. 4, 40 Minor; die trümmer attischer cultur G. Forster s. schr. (1843) 5, 233; reste des heidnischen cultus haben sich lang erhalten und elende trümmer von liedern W. Scherer literaturgesch.⁷ 13.
C.
trümmer in festen präpositionalen verbindungen mit bestimmten verben; zunächst in der alten bedeutung A, seit dem 18. jh. mit dem neuen klang von B.
1)
verbindungen mit dem sinn 'zertrümmert werden' und übertragen 'zugrunde gehen'.
a)
zu trümmern und in trümmer gehen, fallen, brechen u. ähnl.; zu hält sich vereinzelt noch bis in den anfang des 19. jhs., wird aber schon im 18. von in fast ganz zurückgedrängt: (das schiff,) so zuͦ trümern ginge, als wer es eytel glesere gewesen Arigo decam. 75, 25 lit. ver.; dan wo ein her nach seinem tollen kopff regiret und seinem gutduncken folget, der ist gleich wie ein toller furman, der mit pferd und wagen stracks zurennt, durch pusch, hecken, graben, wasser berg und tal, ..., der wirt nit lange faren, es wirt zu trummern gahn Luther 6, 261 W.; die schaafssaite viel eher dann die andere zu trümmern gehe v. Hohberg georg. cur. aucta 3 (1715) 2, 343ᵃ; im 16./17. jh. auch von personen 'zugrunde gehen': da die mutter uber den kindern zu drümmern gieng Luther bibel 4, 375 Bindseil-Niem.;
bleibt Christus wort in ehren stehen,
so musz der bapst zu drümmern gehen
Petri d. Teutschen weiszheit (1604) 1, a 4ᵇ;
es möchte wohl gar die ganze heyrath in trümmer gehen
Ayrenhoff w. (1814) 3, 6;
horch! wieder ein schlag, als ob die welt in trümmer gehen wollte
K. Biernatzki bilder (1856) 5, 19;
die groasse prugge (ist) in drümber gang
Lexer kärnt. 73.
dasz ... land und leute zu trümmern gefallen
H. v. Schweinichen denkwürd. 169 Österl.;
er spricht, so fällt die welt zu trümmern
Drollinger ged. 29 Spreng;
und bricht entzwei die alte welt,
vom stosz zusammengedrückt:
viel besser, dasz sie in trümmer fällt,
als dasz sie schlafend erstickt
M. graf Strachwitz ged. (1850) 11;
die kleinen särge ... waren schon in trümmer gefallen Storm w. (1899) 3, 181. aus einer pleiden, die prach zu trumeren und schlug wol 6 menschen zu tot (zum jahre 1428) städtechron. 2, 18;
die markgrävin sprach: wenn das gschech,
zu drümmern all mein hertzlayd brech
Hans Sachs 2, 233 K.;
poetisch oft mit sinnkräftigeren verben, wobei die neue färbung von trümmer (B) besonders hervortritt:
Roma, die riesin, stürzte in trümmer
Schubart s. ged. (1825) 2, 62;
eure schöne stadt zu trümmern stürzt!
Bürger w. 164ᵃ Bohtz;
mag die welt zu trümmern fahren
E. M. Arndt w. 5, 93 R.-M.;
Magentas ruhm in trümmer sank
bei Böhme volksthüml. lieder d. Deutschen 60;
keine stunde hielt es an,
bis die mühle borst in trümmer
Mörike ges. schr. (1905) 3, 41.
vgl. auch in trümmern liegen: heutzutage liegt die burg beinahe in trümmern A. Stifter s. w. (1904) 2, 7.
b)
unpersönlich konstruiertes an (die) trümmer gehen mit dativ der person im sinne von heutigem 'es geht einem ans leben' bleibt auf das ältere nhd. beschränkt:
Sebald Gutte der was frumer
denn ir all seit im rat,
wie wols im ging an drümer
(v. j. 1504) bei Liliencron hist. volksl. 2, 514;
ich geh umb, mich hart grem und kümmer,
denn meim junckern gehts an die drümer
J. Ayrer w. 2231 K.
2)
zu trümmern und seit dem späteren 18. jh. meist in trümmer schlagen; umgangssprachlich in jüngerer zeit durch zertrümmern zurückgedrängt, doch als besonders anschaulicher ausdruck noch in gebrauch:
ich will dir dein haubt zu drummern schlahen
fastnachtspiele 421, 18 K.;
er schlug sein schwert zu trumern Ludw. v. Eyb Wilwolt v. Schaumburg 70 lit. ver.; man fehrett mit gewaltt und wils alsz uff ein mahll zcu drummern schlahen Egranus pred. 88 Buchwald;
aber selbst himmel und erde soll sagen,
wann sie mein donner zu trümmern wird schlagen
Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 368.
das ganze prachtgebäude der menschlichen kräfte in trümmer schlagen Herder 5, 69 S.; die slawische majorität ... hätte immer noch lieber den ganzen staat in trümmer geschlagen als dem bundesgenossen die geforderte hilfe gewährt A. Hitler mein kampf 178; im älteren nhd. auch mit andern verben, vgl. zu trymmen knützschen S. Brant 105 Z.; zu drümmern schmettern Luther 28, 646 W.; zu trümmern reiszen H. Sachs 13, 503 K.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1940), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1336, Z. 1.

trumm2, wohl m.

²trumm, wohl m.,
'menge, haufen', auch 'knäuel'; frühnhd. vereinzelt und mundartlich sporadisch bezeugtes wort, das in seiner bedeutung nl. drom, m., '(vordringende) schar, menge, haufen' woordenboek 3, 2, 3416 entspricht; vgl. auch as. mid heruthrummeon mit 'verderblicher gewalt' Heliand 5705 S., ags. þrym(m), m., 'volkshaufen, menge, macht' Bosworth-Toller 1074, anord. þrymr, m., 'kampfgewühl, kampf' Cleasby-Vigfusson 747 in poetischen zusammensetzungen. nach Walde-Pok. 1, 734 wie trumm, n., entweder zur wz. *ter- 'hinübergelangen, hindurchdringen' oder 'reiben' (ebda 1, 728) gehörig. in den verhältnismäszig jungen dt. belegen tritt wie im nl. nur noch die mengenbezeichnung heraus: wie der habicht kumpt under ein trümen (var. trümb) der tauben und si zerstrewet U. Füetrer Lanzelot 137 lit. ver.; er wirt anhalten und tringen, dieweil unser ein trumb da ist Pinicianus Scanderbeg (1561) 227ᵇ; dialektisch drumm (ohne angabe des genus) 'haufe' Schumann Lübeck 73: dru̜m, m., 'knäuel, haufen' (Ay bei Waldshut) bad. wb. 576ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1940), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1346, Z. 55.

tromme, f.

tromme, f.,
tympanum. schallnachahmende bezeichnung für ein schlaginstrument, wohl deverbativ zu trommen (s. dort); in den auszergerm. sprachen sowie im ahd. as. ags. afries. anord. (s. u.) nicht vorhanden. das wort taucht zu frühest im mhd. auf (vgl. Wolfram Parzival 571, 2) und ist ins holl. entlehnt (zuerst 1497 in trommenslagher, vgl. Franck-van Wijk et. 710ᵇ), wo es als trom, drom weiterlebt; von hier gelangte es im 16. jh. (vgl. Murray 3, 688ᵇ) als drome, droome (heute drum) ins engl., vgl. dazu Franck-van Wijk a. a. o., Falk-Torp 2, 1286; nord. erscheint es mit der aus dem mnd. entlehnten bedeutung 'trommel' im 16. jh. (1509: trumslaghare; 1541: slå j trummo, vgl. Hellquist 1012), Torp nynorsk etym. ordb. 810ᵃ; heute norw. isl. trumba, trumma, schwed. trumma, dän. tromme. das wort sondert sich von trumbe, trumpe (assimiliert auch gelegentlich trumme) formal und semasiologisch ab; vermischung der formen beider wörter ist wenig häufig, vgl. trumpe, trumbe tympanum in einer wmd. glossenfamilie (15. jh.) Diefenbach gl. 584ᶜ; auf jüngerer entwicklung beruht trumbe neben trumme, trumle 'trommel' Seiler Basler ma. 87ᵃ, vgl. auch trumbel unter trommel; zu den wenigen assimilationen trumbe ˃ trumme = tuba s. trumme; trumpe slagen Karlmeinet 400, 10 bedeutet eher 'trompete blasen' (vgl. in der quelle blisen ir trumbin Konrad Rolandslied 9, 18 Gr. sowie trompette slaen und ähnliche wendungen bei Verwijs-Verdam 8, 708, die trommeten schlagen, aufblasen Hulsius [1618] 2, 422). die stammsilbe hat meist den u-vokal, doch ist dieser seit der zweiten hälfte des 16. jhs. stark durch o bedrängt (erste belege Zimm. chron., 1565, s. u. 2). die wenigen schreibungen von dr statt tr, mp, mb statt mm sind occasionelle abweichungen ohne landschaftliche oder zeitliche begrenzung (belege s. u.). der sg. geht gelegentlich in die starke flexion über (s. u. Gengenbach, Weckherlin, Moscherosch); anderseits ist auch zu gunsten der sw. flexion ausgeglichen, vgl. n. sg. trummen Manuel u. 2. seit dem ende des 17. jhs. kennt die schriftsprache das wort nur noch in bewuszt archaischer verwendung (s. u. 1); nur im alemannischen hat es sich vereinzelt länger gehalten, hier zuletzt bei Pestalozzi: gleich dem tonne einer aufgelassenen tromme w. anh. 3, 44 Buchenau;
der tambour zieht voran,
er schaut nicht um
und schlägt die trumm
J. P. Hebel w. (1843) 2, 153.
im westl. und nordwestl. Deutschland ist das wort noch verbreitet, doch im zurückweichen (s. dazu Fischer schwäb. 2, 269), was auch mit der verdrängung des alten, höher gebauten instrumentes durch die flache militärtrommel zusammenhängen mag, vgl. noch fürs nd. Doornkaat-Koolman 3, 439, brem. wb. (1771) 5, 118, Mensing schlesw.-holst. 5, 168; šlå trumᵉn Bauer-Collitz waldeck. 238; fürs hd. Lenz Handschuhsh. 72; Weitz Aachen 248; Hönig Köln 183ᵃ; luxemb. 443; Leithäuser 160ᵇ; Leihener Cronenberg 124ᵇ; Follmann lothr. 108ᵃ; Schön Saarbr. 212; Authenrieth pfälz. 37; Martin-Lienhart elsäss. 2, 757; Seiler Basler ma. 87ᵃ.
1)
tromme bezeichnet neben der einfelligen trommel, für die es im mhd. öfter steht, die mit einem oder zwei schlägeln geschlagene zweifellige trommel (zur form der trommelinstrumente vgl. C. Sachs hdb. d. musikinstr.-kunde [1930] 96ff.); daneben auch die pauke, vgl. trumm tympanum, crepitaculum, bauck Alberus (1540) H h 1ᵇ; tympanum trummen, baucken Golius onomast. (1585) 194; tromme, trommel, baucke tamburo Hulsius (1618) teutsch.-it. 250ᵇ. feste verbindung ist die tromme schlagen:
als der wol zweinzic trummen
slüege hie ze tanze
Wolfram Parz. 571, 2;
pawcken und trumen
slug man da, das es erhal
Heinrich v. Neustadt Apoll. 11138 S.;
ich schlag uff der trummen Alberus nov. dict. (1540) H h 1ᵇ;
und blosz die beide backen auf,
dasz man dir schluͤg die drummen drauf
K. Scheit Grob. 3313 ndr.
bildlich etwa 'den takt dazu schlagen, musik dazu machen': heynt nacht ich bey aines kauffmanns weib ... gelegen bin und der mann mir darzuͦ auff einem beckhin die trommen geschlagen hat M. Lindener rastbüchl. 15 lit. ver. daneben findet sich die tromme rühren:
hort man die trummen ruren
bei Soltau volkslieder 177.
bildlich:
ei da, sie (die bienen) schon erbrummen,
zu feld sich stellen ein.
starck rüren sie die trommen
die kleinen kriegerlein
Fr. v. Spee trutzn. 93 B.
die tromme umschlagen bedeutet mit besonderem sinn 'die leute durch trommelschlag für eine bekanntmachung zusammenrufen':
(dasz man) die drummen solt laszen umbslagen
und solt den anderen knechten sagen,
welcher uf ein frisch büt (beute) wolt gan,
der sol einen guͦten urlop han
(v. j. 1489) bei Liliencron hist. volksl. 171, 245;
so erzelt mans dem gemeinen man ... und leszt umbschlahen mit dreyen trommen Fronsperger kriegsbuch (1578) 1, c 5ᵇ; das beste war, das die rahtglocke nicht geleutet ward, doch schlug man ein trummen umb C. Hennenberger preusz. landtaffel (1595) 90. etwas auf der trommen umschlagen heiszt daher übertragen 'etwas anpreisen, für etwas werben': lasset seine heiligkeit, seine geschicklichkeit, und anders auff der trummen herumb schlagen Dannhauer catechismusmilch (1657) 1, 274. seit alters sind tromme und pfeife gefährten, s. schon:
der sluͦc die drumen, dirre peif
hess. Elisabeth 171 R.;
weitere belege s. unter 1 c.
a)
als kriegerisches instrument beim heer, besonders zum signalgeben benutzt:
als die schlacht vergangen was,
furter solt ir mercken das,
do schluog man aber die drummen,
dass man wider solt zuosammen komen
(v. j. 1489) Liliencron volksl. 171, 413;
fro bist auch, wenn du hörst die trommen,
das du (landsknecht) solt zum hauptmann kommen
und einnemen ein monatsold
Hans Sachs 9, 8 K.;
sein klauen auf die trommen
liess (der reichsadler, d. h. der kaiser) wacker schlagen drein
bei Opel-Cohn dreissigj. krieg 76;
(wer) dromm und trompet lärmen macht,
dass jeder knecht und reuter fromm
ein unverzagtes hertz bekomm
Moscherosch gesichte (1650) 2, 765;
sprichwörtlich war: nicht wirdig dreyer trompen Kirchhof wendunmuth 2, 45 lit. ver., d. h. 'nicht würdig mit dem klang der drei trommeln eines fähnleins zu grabe geleitet zu werden'; sinnbildlich für die wache in der redensart sik in de trumme kopen 'das wachtgeld jährlich auf einmal bezahlen' brem.-niedersächs. wb. 5, 118.
b)
als instrument, mit dem man die aufmerksamkeit erregt, vgl. oben die tromme umschlagen; so bei der werbung von soldaten:
wann man ein heer machen wil,
so schlachen si uf di trumen
bei Liliencron volksl. 209, 3;
mein hertz lacht mir in meinem leib,
wann ich von werbung höre sagn
oder die trummen sehe schlagn
Gilhusius grammatica (1595) 5, 138;
namentlich auch bei bekanntmachungen:
horchent, ihr erbarn leut herumb,
was euch verkünd des herren trumb
P. Gengenbach 338 G.;
als furchterregendes instrument gefaszt in redensartlichen wendungen wie ein hasen mit der trummen fahen 'was sich nit reimpt noch schickt, als die pferd bei dem hindern auffzäumen' Seb. Franck sprüchw. (1541) 2, 87ᵇ; hase met de trom fange welle Müller-Weitz Aachen 248; mancher ist so gehertzt im krieg und streit, wie der haass bei der trummen Lehman floril. polit. (1662) 3, 95. ihr klang wird gern lautmalend wiedergegeben: mit der trummen bumberlybumm Keisersberg postilla (1522) 2, 77ᵇ;
warumb widrumb die trum nu brompt
Weckherlin ged. 1, 100 Fischer.
archaisierend:
näher hör ich eine trummen
ganz schwach, dann stärker, immer stärker brummen
D. v. Liliencron s. w. (1904) 12, 165.
c)
als begleitendes instrument in musikchören: daz ich dich hette geleytet mit fröuden, mit singen, mit trummen und harpffen Züricher bibel (1531) 1. Mose 31;
(David) lobt gott, den höchsten schöpffer syn
mit harpffen, zimblen und mit trummen
schweiz. schauspiele 2, 217 Bächtold;
vorab bei fröhlicher musik und zum tanz, vgl. oben Parzival 571, 2:
so wirff ich von mir venien und clagen
und spring diner trummen nach
Christus u. d. minnende seele 1818 Banz;
(bei) trummen und tammuren,
dabi sol man niht truren
könig v. Odenwald 1, 145 Schr.;
des morgens fürt man si zu der kirchen mit pfeiffen und trumen Wickram 3, 115 B.;
bis guter ding, such kurzweil viel
mit pfeiffen, tromn und seitenspiel
Fr. Dedekind christl. ritter (1590) 90ᵇ;
ein predicant, der prediget nachmittag und nit weit davon tantzet man, er ward geirret von der trummen Pauli schimpf u. ernst 1, 230 Bolte.
2)
oft im bilde für die prall gespannte haut des körpers: dass im der wanst wie ein trumm strotzet und spannet Fischart 3, 215 Hauffen; vom leib eines an der wassersucht (tympanites) leidenden: ir leib was ir nit anders, dann als ob er ein hart gespanne tromme were Zimmer. chron.² 4, 1 Bar.; die söffer seynd so lange sicher, biss ihnen die weinsucht zu wasser und der bauch zur trummen wird alamodisch techn. (1675) 121. hierher auch:
(die beine) sind mir gschwollen wie ein trummen
H. R. Manuel weinspiel v. 332 ndr.
3)
von dingen, die in der form einer tromme ähneln; besonders im nd. für allerlei runde behältnisse, röhren u. dgl. gebräuchlich, vgl. trumm blechernes kästchen Ed. Krüger Emden 70; trumme blecherne, mit einem deckel versehene, tragbare kasten Schütze holst. 4, 283, ebenso Mensing 5, 168; Hennig preusz. (1785) 280: darnach ist im in sinn gefallen, er wölle den brauch der trommen auffbringen in s. Peters kirchen, daz ist, ein wolbeschlossnen trog oder kisten darstellen, darein meniglich möchte brieff stossen A. Henricpetri generalhistorie (1577) 295; trumme kegelförmiges küchengeschirr aus eisenblech zur erhitzung des wassers Sallmann neue beiträge 42; tromm ofentrommel, erweiterte röhre Rovenhagen Aachen 148, s. a. Vilmar 147. auf einen geschlossenen wagen übertragen: tromm verdeckwagen Lemke volksthüml. a. Ostpreuszen (1884) 3, 102; für ein fanggerät mit rundem reifen, vgl. (man soll) ein garn von grobem zeug gestrickt gerings herumb, wie der bod an einer Schweizer trummen, mit einem raiff verfassen neu jägerbuch (1590) 8ᵇ, daher tromm ein fischgarn Schmitz Eifel 1, 232ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1937), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 808, Z. 46.

trumme, f.

trumme, f.,
'trommel', s. tromme.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1940), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1347, Z. 6.

trumme, f.

trumme, f.,
'maultrommel', s. ¹trumpe.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1940), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1347, Z. 7.

trumpe1, trumme

¹trumpe, trumme,
trompe, f., 'maultrommel, brummeisen'; primitives, seit der 2. hälfte des 14. jhs. in Europa nachweisbares musikinstrument asiatischen ursprungs, zur sache s. C. Sachs musikinstrumentenkde (1930) 62ff.; die herkunft der deutschen, seit dem 16. jh. begegnenden bezeichnungen trumpe, trumme, trompe und trumpel (s. ¹trumpel) ist ungeklärt. man wird bei der form trumme zunächst an eine onomatopoetische bildung denken dürfen, vgl. etwa trommen (sieh oben sp. 829), ¹trumme 'biene' sp. 1347 sowie drummen 'brummen, dröhnen' rhein. wb. 1, 1526; für den lautmalenden charakter spricht auch die spätere bezeichnung brummeisen (vgl. C. Sachs a. a. o. 64) neben trummeisen (s. u.) sowie gleichfalls lautmalendes trunz, trunsel, f., für die 'maultrommel, mundharmonika' Martin-Lienhart elsäss. 2, 761, vgl. trunzen, vb.; für die besonders westdeutsch lebendige form trump(e), tromp(e) ist wohl ein einflusz von frz. trompe und dem daraus entlehnten mnl. tromp(e), nl. tromp 'trompete, maultrommel' (s. Verwijs-Verdam 8, 704; Franck-v. Wijk 710) anzunehmen, wie auch bei ³trumpe 'trompete' im gleichen gebiet; aber auch ²trumpe 'laute' und ⁴trumpen, ³trumpeln '(laute) schlagen' können eingewirkt haben, da die maultrommel während des blasens zugleich 'geschlagen', d. h. am hervorstehenden gebogenen ende ihrer stahlzunge gezupft wird, s. unten die verbindung die trum schlahen und die erklärung bei Kilian. der zusatz maul-(trumme, -drumme, -drummel, -trumpe, s. maultrommel teil 6, 1810) dient zur verdeutlichung der spielweise des mit dem munde geblasenen instruments; die form maultrommel zeigt sekundäre anlehnung an trommel. frühnhd. lexikalisch bezeugt, vgl. crembalum trumm, maultrumm Frischlin nomencl. (1586) 121ᵃ, (zu crembalum für maultrommel s. C. Sachs a. a. o.); trompe crembalum, instrumentum e stomate concinnatum, pueris in usu frequens, quod labris comprehensum, modulatum sonum edit, dum ligula inflexa, quae medium secat, digito agitata perstrepit Kilian (1605) 567ᵇ; crembala ein trumm, trummeisen, das man zwischen die zän fast und mit dem finger schlecht (nomencl. v. 1629) bei Schmeller-Fr. 1, 665; vgl. als compositum crembalum ein maultrump Orsäus nomencl. meth. (1623) 210; eine maultrumpe, brumeisen nomencl. lat.-germ. (1634) 324; maultrumme, trumpel Zehner nomencl. (1645) 15. im schweizerdt. begegnet im deminutivum die mm-form trümmi, n., 'maultrommel' Stalder 1, 314, dazu trümmen 'auf der maultrommel spielen' ebda; daneben die mp-form: trumpe, trümpe, f., ebda; dazu das verbum trumpen, trümpen ebda. in der mp-form auch westmd., vgl. tromp Münch gramm. d. rip.-fränk. ma. § 101 anm., tromp Rovenhagen Aachen. ma. 148, trump Hönig Köln. 183; drombe Heinzerling-Reuter Siegerl. 49. mit anderem vokal tremp, f., dazu trempen 'maultrommel blasen' Schmidt Westerwäld. id. 265.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1940), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1356, Z. 62.

trumme1, f.

¹trumme, f.,
nur frühnhd. vereinzelt lexikalisch belegte, wohl lautmalende bezeichnung für die biene: trumme fucus (15. jh.) Diefenbach nov. gl. 184ᵃ; ein schallwort, vgl. etwa neunord. drumbe 'sehr grosze wespe', drumbemaelt 'mit tiefer, hohler, verhaltener stimme', jütisch drum 'hohldröhnender, brummender laut', schwed. dial. drumbae 'hohl dröhnen' Torp 74, auch nd. drumsen 'schwach brüllen'.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1940), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1347, Z. 8.

trumme2, f.

²trumme, f.;
ahd. trumba (sw. f.), mhd. trumbe, trumme, nhd. nur noch lexikalisch begegnend, vgl. tuba ductilis tromet, heertrumme bei Erasmus Alberus (1540) y 4ᵃ. das wort ist im got. as. ags. afries. nicht bezeugt; im ahd. taucht es im keronischen glossar auf: trumbono hluti tubarum sonus ahd. gll. 1, 70, 35 St.-S., dann öfter (s. auch heritrumba Gallée vorstudien 135, horntrumba ebda 147) belegt, vgl. anord. trumba; aus dem germ. ist es nach osten gewandert, vgl. aksl. troba, russ. truba u. s. w. (s. Kiparsky gemeinslav. lehnw. aus d. germ. [1934] 267), lit. triubà (aus dem slav.). früh tritt es in romanischen sprachen wie it. tromba, afranz. trompe, span. port. trompe auf; unter franz. einflusz stehen die formen mit p wie nl. trumpe, trompe, mengl. trump, mnd. trumpe, s. weiteres bei ³trumpe. die herkunft ist noch ungeklärt, die verschiedenen meinungen darüber s. Meyer-Lübke³ nr. 8952; mehr als die künstlich erscheinende herleitung aus lat. triumphare leuchtet die früher von W. Braune (s. auch Verwijs-Verdam 8, 708), zuletzt von Gamillscheg 869ᵃ vertretene theorie ein, nach der das wort aus dem afrk. ins romanische und von hier aus ins mengl. übernommen sei, während es wohl vom deutschen aus ins niederdeutsche und nordische gelangt ist. dann würde ein germ. *trumba 'röhre' zugrunde liegen, aus dem sich auch die beiden anord. belege leyniligum trumbum und hvannjóla trumba bei Cleasby-Vigfusson 642 erklären könnten.
1)
trumme (mit assimilation aus trumbe) ist in der bedeutung 'röhre' im östl. nd. als bezeichnung für eine abfluszröhre, regenrinne, einen überdeckten abzugskanal seit dem 16. jh. nachweisbar und wohl altererbt: van wegen ener trummen offte rennen, de uth des vorbenomeden H. M. huse gaet (v. j. 1453) urk. d. st. Lübeck 9, 156; in szynne runne myth eyner kleynen trumme beth up de erden (Wismar, v. j. 1535) jahrb. f. nd. sprachforsch. 46, 9; hat wollen die trumm rein machen, welche von der unlust (unrat) und motte verstopfet war Hennenberger ercler. d. preusz. gr. landtaffel (1595) 196; vgl. trumme eine wasserröhre Hennig preusz. wb. (1785) 280, Hupel Lief- u. Esthland (1795) 242, trumm (neben trump) mundstück der dachrinne Schumann Lübeck 23, sowie ³trumpe.
2)
zufrühest als bezeichnung für ein blasinstrument bezeugt, vgl. oben die belege der ahd. glossen u. Graff 5, 532; im mhd. auch mit assimilation von mb zu mm:
haiden die tumbin
blisen ir trumbin
Rolandslied 9, 18 Gr.;
sie ne liezen blasen die trummen
graf Rudolf 20, 6 Gr.,
dessen schreiber mb und mm unterschiedslos nebeneinander gebrauchen (s. Bethmann untersuch. [1904] 45);
da pliess man dy trummen auff
M. Beheim in: zehn ged. M. Beheims z. gesch. Österreichs 5, 208 Karajan,
wo jedoch nach der metrik zu urteilen eher verschreibung für trummeten vorliegt;
pusawmen und trumenn
hiessen sy da prumenn
Heinrich v. Neustadt Apoll. 7329 Singer;
lexikalisch: sistrum est tuba eyn trom off basune gemma gemm. (Köln 1512) u 3ᵇ; dem Erasmus Alberus (s. oben kopf) war das simplex offenbar nicht mehr geläufig.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1940), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1347, Z. 16.

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Zitationshilfe
„trumme“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/trumme>, abgerufen am 03.08.2021.

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