Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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trumpf, f.

trumpf, f.,
laute, s. ²trumpe.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1940), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1370, Z. 19.

trumpf1, m.

¹trumpf, m.;
vereinfachung von triumph (in dieser bedeutung aus frz. triomphe s. sp. 700), die sich in der volkssprache vollzogen hat und von hier als terminus des kartenspiels in allgemeinen gebrauch übergegangen ist; im dt. seit dem 16. jh. bezeugt. neben der hd. und nd. gleichmäszig gängigen form trumpf (und trumf) stehen teilweise im md. und nd. analogisch zum unverschobenen -mp dieser gebiete umgestaltete formen wie trump und tromp, vgl. Follmann dt.-lothr. 108, lux. ma. 443, Crecelius oberhess. 305, Bauer-Collitz waldeck. 105, Müller-Fraureuth obersächs. 1, 256, Hönig Köln 183ᵃ, Leithäuser Barmen 160, Woeste westf. 275. im nordwestl. nd. auch truf, vgl. Schambach Göttingen 49ᵇ, Richry id. Hamburg. 316, Stürenburg ostfries. 290ᵃ, Mensing schlesw.-holst. 5, 167; vgl. das aus dem deutschen entlehnte mnl. truyf, troef (s. Verwijs-Verdam 8, 750, ältester beleg v. j. 1508). ebenfalls adaptierung von triumph ist engl. trump (s. Murray 10, 421) sowie norw. trump, schwed. mundartl. tromp (diese nach Torp 810ᵇ aus dem engl.), während dän., schwed., norw. trumf auf hd. trumpf beruhen, s. Falk-Torp 1289, Torp 810ᵇ, Hellquist 1012ᵃ; zur entlehnung ins tschech. s. A. Mayer d. dt. lehnw. im tsch. (1927) 82.
1)
vereinzelt für triumph in dessen hauptbedeutungen.
a)
bei Hans Sachs in der wendung zu trumpf (er-) schlagen 'völlig besiegen', wohl zu verstehen als 'bis zum triumph, d. h. bis zum vollständigen, vernichtenden sieg (triumph B, vermengt mit A) schlagen' (vgl. daneben bei H. Sachs auch die form triumph, z. b. triumph und sieg 20, 309 K.-G.):
als denn David mit seim volck alln
ringszweis im felde uberfalln
und sie alle zu trumpff erschlagn
6, 101 K., vgl. 16, 402 u. 411 K.-G.:
als Milciades, der hauptman,
het auff dem velde Marathon
die Persier zu trumpff geschlagen
20, 309.
den trumpf davontragen 'den sieg erringen', entstellt aus den triumph davontragen, sieh sp. 698: wenn unsere leuthe den trumpf zu Höchstätt nit davongetragen hätten, wir wären alle miteinander rumaniert (= ruiniert) worden bei Belemnon curiös. bauernlex. (1728) 192. hierzu auch trumpfporten 'triumphpforte' id. austr. (1824) 65, vgl. triumphpforte sp. 717 und triumphporte 718.
b)
mundartlich im Ermland 'die tuschartige chormusik, die in katholischen kirchen ertönt, wenn der priester die monstranz erhebt' Frischbier preusz. wb. 2, 413; als 'ein marsch zum verlassen der kirche geblasen' Firmenich Germaniens völkerstimmen 1, 113: on än a kerch könne se nech e mol trumpf mache, wenn da Mechel nich trompet bläst erml. freischaft (1866) 7 nach Frischbier a. a. o.; vgl. dazu etwa triumph A 4 b 'jubel' (sp. 697) und triumphmarsch 'jubelmarsch' (sp. 717).
2)
'die siegende, stechende farbe im kartenspiel'; wie selteneres, aber schon für 1541 belegtes dt. triumph (s. sp. 700), aus sinngleichem frz. triomphe übernommen. der zusammenhang von trumpf mit triumph bleibt noch lange bewuszt, vgl. dieses tugendliche triumpffspihl, als in welchem das geringste trumpffblätlein ... mit höchstem ruhm und lob triumphiere franz. kriegs-Simplic. (1683) 2, 167.
a)
in eigentlichem gebrauch beim kartenspiel; die festen verbalverbindungen, die auch übertragen gebraucht werden, sind unter c (sp. 1367) verzeichnet.
α)
die stichfarbe:
di auffgelegte kart, der trumpff,
macht alle kartenbilder kumpff
Thom. Birck doppelspiler (1590) 120;
nach dem man einem jeglichen neun (karten) gegeben, so wendet man die erste, die nachfolgt, umb, welche für den trumpff gehalten wird D. Martin parlement nouveau (1637) 635;
wer die espadille hat und andre schöne sachen,
nebst einem trumpff dabey, der musz schon solo machen
Dan. Faszmann d. gelehrte narr (1729) 12;
(wirft die karten hin) hab ich denn einen trumpf? O. Ludwig ges. schr. (1891) 3, 27;
wer spielt us, und was isch trumpf? und gstoche das eckstei!
Hebel w. (1838) 1, 60;
wir spielten, ich verlor bei jedem trumpf
A. Pichler n. marksteine (1890) 148.
innerhalb der metaphorik des kartenspiels:
wie ein geringer trunff sticht manchen könig ab,
so kann ein kleiner feind dich bringen in das grab
Val. Franck v. Franckenstein hecatombe 96 Hajek;
(schlusz eines hochzeitsgedichtes:)
es sey das hertzenblat der beste trumpff gewesen
Joh. Chr. Günther ged. (1735) 455;
doch hoff ich frey und unbetrübt,
dasz mir das glück vielleicht noch morgen
die hände voller trümpfe giebt
Stoppe Parnasz (1735) 192;
unser ganzes menschenleben
ist ein ewger kartenkrieg,
seht doch, wie die trümpfe lauern
auf den könig, auf den bauern!
Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. (1890) 3, 102;
(ich) halte es nicht für möglich, das prinzip in der politik als ein solches durchzuführen, ... dasz es gewissermaszen den alleinigen trumpf im spiele bildet, von dem die niedrigste karte noch die höchste jeder andern farbe sticht Bismarck gedank. u. erinn. 1, 198 volksausg.; (so) besasz er in ... Metternich einen mann, der die diplomatie als ein kunstspiel behandelte, worin ein paar frauenhände die trümpfe halten müssen W. Schäfer erz. schr. (1918) 1, 44.
β)
als ausruf trumpf!, womit im spiel das siegende ausspielen der trumpffarbe begleitet wird, vgl.
wie? der dechant todt?
(trumpf coeur!) nun so genad ihm gott!
Herder 27, 378 S.:
förster (etwas vom spiel erhitzt): und trumpf — und trumpf! O. Ludwig ges. schr. (1891) 3, 29; (Alonso:) die Biskaijer, die können gut zuschlagen! (Pfeifer:) ja, trumpf, mit der karte auf den tisch beim spiele Cl. Brentano ges. schr. (1852) 7, 203; uneigentlich gebraucht: gestern hast du (Samson) triumphiert, und trumpff, heut hast du verspillt, und läszt dich das glück selbst im stich Abr. a s. Clara auf, auf 19 ndr.; trumpf, ihr herrn und dames! wer kann sagen, ein wort dieser art ... von ihm gehört zu haben? her damit! Hermes Sophiens reise (1778) 6, 646.
γ)
als bezeichnung für das kartenspiel selbst, vgl. ¹trumpfen 1 a, trumpfspiel und triumphspiel:
es kam ein weib ins haus.
wein, bier, karnüffel, trumf und hunderteins war aus
Joach. Rachel sat. ged. 33 ndr.;
so auch in einer handschriftlichen quelle von 1589 bei Fischer schwäb. wb. 2, 425.
b)
in übertragenem gebrauch; feste verbindungen s. unter c.
α)
von äuszerungen, worten, meinungen u. dgl., die wie trumpf im kartenspiel eine besonders starke wirkung haben sollen.
aa)
seit dem 16. jh. von derben, schlagenden, stechenden reden, auch scheltreden, vgl. grobe trümpff ausswerffen (v. j. 1570?) bei Fischer schwäb. 2, 425, weiteres s. unten c β: es ist eine lust, ihn schimpfen zu hören ... wer giebt auf solche kritische trümpfe nicht gern zu? Lessing 11, 273 M.; mitleiden musz man ja wohl mit einem manne haben, der folgendes raisonnement für so bündig halten kann, dasz er es mit einem trumpfe begleiten darf ... daher mag ich dem nachbar seinen trumpf: 'der unverschämte mann!' auch kaum aufmutzen ebda 13, 69; erklärt ihn mit derjenigen geistlosigkeit behaftet, welche ... den charakter des unheiligen pöbels und trägen viehes ... ausmacht. wie es um die wahrheit einer lehre stehen müsse, die man mit solchen trümpfen zu ertrotzen sucht, fühlt jeder A. Schopenhauer w. 3, 526 Gr.; als Jörgel, der wirth, herantrat und ihm (dem betrunkenen hirten) unter derben trümpfen allen umgang mit uns untersagte Steub drei sommer (1895) 1, 187. von stichel- und (wechselseitiger) trutzrede: natürlich war er dabei mürrischer als sonst, ... war einsilbig über tisch, liesz hier und da einen trumpf fliegen ... wenn sie ihm etwas sage, so thue er, als höre er es nicht, und im handumdrehen lasse er etwas fliegen, das ein trumpf sein solle, aber sie wisse nicht, auf was Jer. Gotthelf s. w. (1921) 4, 219; das fühlte Änneli schon als trumpf ders. geld u. geist (1852) 11; endlich bezog er denn doch die trümpfe auf sich ders. erlebnisse e. schuldenbauers (1852) 244; hiermit war das erste scheltwort gefallen, und bald flogen die beleidigenden trümpfe herüber und hinüber W. H. Riehl gesch. aus alter zeit (1863) 2, 47; vgl. sich trompf auf tromp (scheltwort auf scheltwort) geben Schmidt westerwäld. id. 269.
bb)
in gehobener literarischer sprache namentlich von äuszerungen, die eine vorher ausgedrückte ansicht bekräftigen, die gegnerische meinung überbieten, schlagen oder eine widerrede ausschlieszen sollen; als letztes, abschlieszendes wort: herr Bürger hat zwar das letzte beywort mit einem starken trumpfe versiegelt und alle diejenigen zu dem ästhetisch-kritischen Jan Hagel herabgewürdiget, die es tadeln würden Adelung magazin f. d. dtsche spr. (1783) 2, 3, 98; ich bemerke (sagt er mit einem ziemlichen trumpfe) dasz ... die nation den geschmack an der kunst des dichters ... verliert allg. dt. bibl. (1765) 100, 413; unsre gesetzverständigen schlieszen ihre urthel allemal mit dem trumpfe: und das von rechts wegen! Kretschmann s. w. (1784) 5, 341; merkte ich ihm an, dasz er noch mit einem bedeutenden trumpfe zu schlieszen gedenke. er ... sagte ...: 'auch in gott entdeck ich fehler' Göthe 26, 255 W.; Voltaires trumpf: 'gäbe es keinen gott, so müszte man einen erfinden!' G. Keller ges. w. (1889) 3, 20; 'mit einer solchen mit geierkrallen bewaffneten gans ...', mit diesem schimpflichen trumpf ... schlosz er seinen vortrag ebda 5, 140; 'bin ich den weibern nicht recht, so bin ich mir recht ...' die alte kannte das mädchen zu gut, als dasz sie nach diesem trumpf noch einen versuch hätte machen sollen O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 57; 'wie war doch die geschichte ...?' sagte der dechant nach einigem schweigen, als wisse er auf den trumpf des junkers keinen gegentrumpf W. Alexis hosen (1846) 1, 114. eine alle vernunft überbietende irrige meinung, fast wie 'vorurteil': haftet da ein fürchterlicher trumpf auf allem litterarischen ruhme, hält man da (in der unaufgeklärten kleinstadt) alle philosophie für unsinn Zimmermann einsamkeit 3, 273. — auf einen falsche ansichten widerlegenden, durchschlagenden beweis bezüglich, 'endgültige beweiskräftige gegenäuszerung': wogegen eine ... donnernde epistel zurückkam, mit allen trümpfen und betheuerungen, dasz diesz mein bild nicht sey Göthe 28, 258 W.; an diese (gegner der farbenlehre) habe ich solche trümpfe ausgetheilt, die doch durchgeschlagen haben müssen Zelter in: briefwechsel zwischen Göthe u. Zelter 1, 426 R. kritisch abfertigende spitze, tadelnde schluszbemerkung: er endigte (die zuerst günstige kritik) mit einem zwar heiter ausgesprochenen, aber höchst widerwärtigen trumpf, wodurch das ganze, wenigstens für den augenblick, vor dem verstand vernichtet wurde Göthe 36, 256 W.; eine bitterböse kritik einiger stellen in dessen (Mozarts) quartetts ..., indem er (Sarti) mit dem trumpf schlieszt: dirò anch' io come l'immortale Rousseau: de la musique pour faire boucher ses oreilles! O. Jahn Mozart (1856) 3, 304.
β)
von geschehnissen, handlungen, dingen, die als etwas letztlich entscheidendes gelten: dasz der mensch nur einmal lebt, dasz später so wie so der grosze trumpf (d. i. der tod) kommt Rosegger sünderglöckel (1904) 9; in schrittweisem vorgehen und zielsicher unterdrückte die englische regierung ... jede unmittelbare zufuhr über see nach deutschen häfen ..., der trumpf war die erklärung der Nordsee zum kriegsgebiet Ludendorff kriegserinn. (1919) 170; er fühlte sich wie der held einer geschichte, die mit einem tüchtigen trumpf ausgehen musz ..., aber nicht in den sand verlaufen darf Rosegger schr. (1895) I 3, 122; und zuletzt kommt der bischof. das ist dein höchster trumpf, und was vornehmeres gibt es ... nicht Fontane ges. w. I 6, 319; dasz ... die untertanen des groszen Christoph (des dorfschulzen) als einen höchsten trumpf den gegnern die tatsache in die gesichter schleuderten, dasz ihr schulze einen goldenen zahn besitze E. Wiechert hirtennov. (1935) 22. geradezu als 'schlag, hieb': mir blutete zwar die nase, allein meine feindin hatte doch noch stärkere trümphe in die augen so wohl als auf die nase und das maul bekommen J. G. Schnabel insel Felsenburg 3 (1739) 195; nun hatten unsere leute ... den mohren noch derbe schläge satt ausgetheilet und sie glücklich geschlagen, hingegen aber hatten sie auch gute trümpfe wieder von ihnen bekommen J. H. Schröder d. seefahrer (1749) 104, vgl.drombe 'durchprügeln' Crecelius oberhess. 305.
c)
in formelhaften verbalen verbindungen, die vielfach aus dem spieltechnischen in bildlichen und übertragenen gebrauch übergehen. trumpf (heraus-, aus-)werfen; im ältesten beleg übertragen gebraucht, s. oben b α: grobe trümpff ausswerfen (hs. v. j. 1570?) bei Fischer schwäb. 2, 425; der trumff heiszt auch atut und trumff herauszwerffen heiszt sonst atut spielen D. Martin parlement nouv. (1634) 635;
wann Hanns will das Hänsgen tragen
mit zum spiel, lernt dies bald sagen:
vader, sey kein narr, werf trumpf
d. wolgeschliffene narrenspiegel (18. jh.) in: Seb. Brants narrenschiff 52 Zarnske;
(die) lust, die er empfinde, in den ... theologischen streit ... noch einen trumpf zu werfen D. Fr. Strausz ges. w. (1876) 10, 294. mit (ab-, über-)stechen:
wie ein geringer trunff sticht manchen könig ab
Val. Franck v. Franckenstein hecatombe 96 Hajek;
wie in der karte kan das tausz
vom trumpff gestochen werden
v. Canitz ged. (1727) 225;
ich steche zunächst den trumpf ab und spiele dann jenes G. Keller ges. w. (1889) 5, 268; sürcoupiren, heiszt im l'hombre den trumpf des andern mit einem noch höhern trumpf überstechen Voigt hdb. f. d. geschäftsführ. (1807) 2, 475; im bilde: für ihn (Bismarck) handelte es sich zunächst nur darum, den gegnern einen trumpf aus der hand zu nehmen, mit dem sie sonst später ihn überstechen konnten H. Prutz preusz. gesch. (1900) 4, 398. trumpf (nach-)zählen, die ausgespielten trumpfkarten zählen:
du zähltest keinen trumpf, verspieltest mit vergnügen
Zachariä poet. schr. (1763) 2, 43;
zu lebhaft, trümphe nachzuzählen A. G. Kästner verm. schr. 2 (1772) 246;
ist ein rubber whist gefällig? ...
doch, nun soll ich trümpfe zählen
Gaudy s. w. (1844) 8, 25.
trumpf wählen, nennen, machen, bieten u. andere wendungen: falsch in allen, ist ein gewisses frauenzimmerspiel in der teutschen karte, worinnen jede von denen zwey spielenden personen 3 briefe bekömmt und hierauf ein trumpff gewehlet wird Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 524; um den trumpf zu nennen, zieht man ein blatt von derselben farbe aus demjenigen spiele karten, das auf dem tische liegt Joh. E. Schlegel w. (1761) 5, 290;
... und pik hat trumpf gemacht (ist trumpf geworden)
Dusch verm. w. (1754) 176;
gar die farben zu trumpf machen, womit der zufall den spieler vorzüglich versehen hat Fr. M. Klinger w. (1809) 11, 278; die dorfmeister boten alles auf, dieses und ähnliches jetzt zum trumpf und einzigen gespräch zu machen Pestalozzi Lienhard u. Gertrud (1831) 2, 47. — ihr hättet nicht sagen sollen, dasz ich trumpf verleugne, sagte der eine, so ich doch farbe angegeben habe Hebel w. 2, 360 Behaghel; (sie) boten dem conventionellen wesen der zeit trumpf, indem sie in unvergleichlicher naivetät studien zur naturgeschichte des volkes malten W. H. Riehl naturgesch. d. volkes (1851) 1, 6, vgl. 'beim kartenspiel einen trumpf, eine farbe bieten' Schöpf tirol. 40; 'das dachte ich mir eben!' trumpfte der wirth. 'drum fragte ich eben.' 'ich dacht es auch und drum fragte ich nicht!' nahm Simon den trumpf Heinr. König selts. gesch. (1856) 114. besonders gängig in übertragenem gebrauch sind die verbindungen einen trumpf setzen, in händen halten, ausspielen u. ähnl., sowie trumpf sein: einen trumpf (auf etwas) setzen, aufsetzen, geben; in eigentlichem sinn: ihr wollt meinem buben einen trumpf aufsetzen? seht, ich steche über G. Freytag ges. w. (1886) 2, 74; im bild: drei ass und einen könig! ich will den trumpf dazu geben! (dem spiel ein ende machen) Hebbel w. 1, 368 Werner. übertragen, 'der eigenen rede oder handlung einen nachdrücklichen, entwaffnenden abschlusz geben' (vgl.b α): (der kanzelredner) setzt einen trumpf darauf und erklärt alle, die über seine andächtige seufzer ... lachen, gerade weg vor religionsspötter Liscow samml. sat. u. ernsth. schr. (1739) 165; wer da sagt ..., der sagt es wie ein schurke. diesen trumpf will ich öffentlich darauf setzen Lessing 18, 268 M.; und wenn ich auch durch den trumpf, den hr. Kl. auf seine behauptung setzet, für einen unwissenden in Pindar gelten müszte Herder 3, 348 S.; sie (anrede) wollen gerade das ausführen, worauf sie einen trumpf gesetzt, dasz sie es nicht thun würden W. Alexis Isegrim (1854) 1, 176; 'mit einem gegenzug einer fremden kundgebung (sie parierend oder überbietend) entgegentreten': wenn wir einen guten gedanken zu haben glauben, so setzen sie (anrede) immer noch einen trumpf darauf und bringen uns in verwirrung K. Gutzkow ritter v. geiste (1850) 3, 297; ich habe (in dem meinungsstreit) trumpf gegen trumpf gesetzt. du hast mich herausgefordert Fontane ges. romane u. nov. (1890) 7, 26. 'gegenrede, kräftige antwort geben' (vgl. auch oben b α ende): leute ..., die ... einen trumpf auf Holubs wilde schimpfreden setzten M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 5, 7; vgl. he settede enen trumf darup 'er gab darauf eine derbe antwort' brem.-nds. wb. 5, 118. 'einen nachdruck auf etw. legen': immer jedoch hatte sichs wieder zerschlagen, bis endlich seitens des alten grafen, so wenig ihm persönlich an diesem kapellenbesuche lag, ein trumpf darauf gesetzt worden war Fontane ges. w. I 4, 179; vgl.eenen trumf druffsetzen 'einen nachdruck darauflegen' Brendicke Berl. wortsch. 185. trumpf sein: die losung (beim l'hombrespiel) wird gegeben: cör ist trumpf Schwabe belustigungen (1741) 2, 228; im bilde: heute ist coeur trumpf und morgen spadille. aber nichts kommt dem menschen abscheulicher vor, als wenn die einmal creirten trümpfe ihm nichts einbringen Hebbel tageb. 1, 187 Werner; der gute prediger mischte ... tod und hochzeit ... wie ein spiel karten unter einander, so dasz man nicht wuszte, was trumpf ... war v. Hippel kreuz- u. querzüge (1793) 1, 103. übertragen gebraucht als bezeichnung des ausschlaggebenden, dessen was gilt, worauf es ankommt, was allein oder entschieden vorwiegt: was ich reden soll, wird mir schon kommen, wenn ich sehe, was trumpf ist Jer. Gotthelf geld u. geist (1890) 2, 9; vgl. nicht wissen, was trumpf ist 'sich nicht auskennen' Fischer schwäb. 2, 425; diese alten Schottenkönige hatten eine art bauernkrieg untereinander, und bald war dieser, bald jener trumpf Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 242; warum geschieht es denn, als weil bei beiden die geldleute noch ihren widerstand fühlen und wissen, dasz sie dort nicht trumpf und erste geige sind Hans Grimm volk ohne raum (1926) 1, 467. 'allein vorherrschen': fluchen und zotenreiszen war trumpf Jer. Gotthelf Uli d. knecht (1856) 168; die blütsüger sitze-n-im üewerflusz ..., un bi uns isch armüet trumpf J. Greber Lucie (1901) 12. im besonderen gewinnt die wendung etwas ist trumpf gern den sinn 'gültige, ausschlieszliche losung sein': (von einem jäger) die grüne farb ist trumph v. Hippel lebensläufe (1778) 2, 161; nun die vernunft einmal trumpf geworden ist A. Ruge briefw. u. tageb. (1886) 2, 38; katholisch ist nur solange trumpf, solange wir dem zentrum einen einflusz einräumen, der ihm nicht gebührt bericht über d. sitzung d. preusz. abgeordnetenhauses v. 10. märz 1899; das gute und zeitgemäsze ... bekommt ausschlieszlich deutsche bezeichnungen. deutsch ist trumpf Liller kriegszeitung, soldatenworte (1917) 52; vgl. s bschisse (betrügen) isch halt wirklig trumpf bad. wb. 577. einen trumpf in händen halten, haben: und wenn ich ein spielchen gemacht und sämmtliche trümpfe in händen gehalten hätte, ... die karten unter den tisch und ... davon Holtei erz. schr. 18, 32. in übertragenem gebrauch 'eine erfolgversprechende einsatzmöglichkeit, einen vorteil besitzen': (dem proletariat wurde) gröszere freiheit zugestanden ..., (um der) bourgeoisie gegenüber einen trumpf in händen zu haben hwb. d. staatswiss. (1898) 3, 70; die (kinder) trieben es auch nicht anders und meinten doch, sie hielten die besseren trümpfe in der hand Waggerl mütter (1935) 169; ähnlich: mit jenem heimlichen trotz gegen die götter, ... dasz man sie zwar anbetet, aber einen letzten trumpf gegen sie in der hand behält Nietzsche w. 4 (1899) 130. besonders alle trümpfe in der hand halten 'schlechthin überlegen sein': die gelegenheit ist günstiger denn je. wir halten ja nunmehr alle trümpfe in der hand W. v. Polenz Grabenhäger 1, 397; vor ihm (Cethegus im 'kampf um Rom') liegen alle kartenspiele offen und er hat alle trümpfe in der hand W. Scherer kl. schr. 2, 40; vgl.'er hat alle drümbf in dər hand' seine stellung ist unerschütterlich bad. wb. 577ᵇ. einen trumpf ausspielen 'etwas schlagendes, entscheidendes zum einsatz bringen'; von einem abschlieszenden wort oder urteil, vgl. b α: bey welcher gelegenheit der verfasser auch den trumpf der altfränkischen vorstellungen über das verhältnisz der Deutschen und Franzosen, die schlacht bey Roszbach ..., ausspielt A. W. Schlegel in: Athenäum 3 (1800) 141; 'ich thus nicht ... damit punktum!' wie gewöhnlich, wenn er einen solchen trumpf ausgespielt hatte, stand er auf und verliesz die stube M. Meyr erz. a. d. Ries (1861) 83; die herren ... (sollen) nicht zu keck werden, ich könnte manchen trumpf ausspielen, ... z. b. ... ein wort von Gervinus Hebbel br. 4, 289 Werner; dasz sie (die buben) ihr (einem mädchen) aber vorhielten, sie gehöre nicht nach Kading (sei eine fremde), erbitterte mich, es war der nämliche trumpf, den sie auch gegen mich auszuspielen pflegten Carossa eine kindheit (1922) 82. von handlungen, sachverhalten: die maszregel war ein trumpf, den er gegen den mittelstand ausspielte D. Fr. Strausz schr. 6, 190; gegen die perkussionsgewehre unserer nebenbuhler aber hatten wir einen anderen trumpf auszuspielen G. Keller ges. w. 1, 137; wenn sie nur erst frau wäre, so wollte sie ihre trümpfe schon ... ausspielen (ihre vorzüge zur geltung bringen) ebda 7, 51; spielte L'Hermite trumpf auf trumpf aus und gefiel sich darin, immer grotesker zu werden Fontane ges. w. I 6, 187. insbesondere bezeichnet höchster, bester, letzter trumpf die höchste, oft aber auch zugleich äuszerste einsatzmöglichkeit, die stärkste und letzte reserve: sie spielen mit der ersten karte ihren höchsten trumpf aus A. Stifter briefw. (1929) 3, 128; hier spielte der particularismus seinen höchsten trumpf aus, er stellte seine letzte und schwerste bedingung auf Treitschke dt. gesch. (1897) 3, 625; mit der sprengung des groszen minensystems ... haben die Engländer ... ihren besten trumpf ausgespielt amtl. kriegsdepeschen v. 14. 6. 1917; gerade jetzt war ... Ruszland entschlossen, seinen letzten trumpf trotzig auszuspielen L. Häuszer dt. gesch. (1854) 2, 645; 'so musz ich denn doch den letzten trumpf ausspielen', rief Berger aufspringend Spielhagen s. w. (1877) 1, 13; vgl. auch den letzten trumpf ausspielen 'das letzte mittel versuchen' Brendicke Berl. wortsch. 185. 'den ausschlag geben, tonangebend sein': in einer kleinen haupt- und residenzstadt spielen die beamten den höchsten trumpf aus, in einer universitätsstadt die professoren, in einer handelsstadt die kaufleute ... nur in der echten groszstadt herrscht keine gruppe schlechthin, weil viele herrschen W. H. Riehl freie vortr. (1873) 1, 338.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1940), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1363, Z. 65.

trumpf2, m.

²trumpf, m.;
bautechnisch, 'verkürzter balken, wechselbalken'; vgl. 'trumpf ... (ist) derjenige balken einer balkenanlage, welcher ... wegen einer rauchröhre, einer treppenöffnung ... abgeschnitten werden muszte' Helfft wb. d. landbaukunst (1836) 375; 'trumpf, balken, der mit seinen enden nicht auf der mauer aufliegt, sondern in einen trummbalken ... eingezapft ist' Lueger lex. d. ges. technik (1894) 7, 729; 'der wechsel, ... trumpf ist ein holz der balkenlage ..., das mit ... versetzung in zwei balken eingelassen ist' Schönermark-Stüber hochbaulex. (1902) 882. anderseits bedeutet 'trumpf ... jedes abgerissene, unförmliche stück' Mothes ill. baulex. (1882) 4, 377, was auf die ausgangsbedeutung 'gedrungenes, kurzes stück, klotz' weisen kann, deren übertragung in obd. mundartl. trumpf 'klotz von einem menschen, tölpel' Schmeller-Fr. 1, 665, 'ungeschickter mensch' Lexer kärnt. 73, 'grober, plumper, bäuerischer mensch' Schmid schwäb. wb. 144 vorläge, vgl. dazu das adjektiv trumpfet 'ungeschickt' Schmeller-Fr. a. a. o., aber auch ²trumpfen; hierzu stellt sich in unverschobener form mit l-ableitung trömpel, m., 'block, klotz' Gangler lux. 457; trümpel, m., 'langes, dickes, rundes stück menschenkot' Damköhler Nordharz 196; anders dagegen trümper unter ²trumpen. im norweg. entspricht trump, m., 'schweres gefäsz, gewehrkolben', schwed. dial. trompa 'kurzes und dickes weib', wohl auch trump 'verdrieszlicher oder träger mensch', ostschwed. trumbil 'dicksack', ähnlich engl. dial. thrump 'schwellen, dick werden' nach A. Torp 810. — hierher wohl auch nd. drumpel 'schwelle' brem.-nds. 1, 261, Siebs Helgoland 213, drümpel Mensing schlesw.-holst. 1, 884; vgl. ostfries., nl. drempel dass. (˂ *drampila) Fick 3⁴, 191, vgl. ¹trempel 3 'schwelle' oben sp. 104; erweiterung der in trumm, n., vorliegenden wurzel, etymologisches s. sp. 1336; vgl. auch ¹trümmel.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1940), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1369, Z. 57.

trumpf3, m.

³trumpf, m.,
jägersprachlich: 'trümpfe, die schalen des hirsches sind stumpfer als beim thiere' Behlen forst- u. jagdkde (1840) 3, 697.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1940), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1370, Z. 16.

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Zitationshilfe
„trumpf“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/trumpf>, abgerufen am 01.08.2021.

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