Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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trumpfen1, vb.

¹trumpfen, vb.,
ableitung von ¹trumpf, wie das (in der bedeutung 1) sinngleiche triumphen (im kartenspiel) von triumph, s. sp. 706; für trumpfen 4 kommt direkte umbildung aus triumphieren in betracht, s. dazu die angaben bei ¹trumpf. die mundartliche verteilung der formen trumpfen (trumfen, tromfen), trumpen (trompen) und trufen (truwen) entspricht der bei ¹trumpf (s. sp. 1363).
1)
im kartenspiel.
a)
zufrühest erscheint trumpfen im 16./17. jh. als 'karten spielen', vgl. dazu trumpf 2 a γ als kartenspiel: jedoch hett er allerley spiel inn allerley wehren vor, ... als nämlich spilt er ... trumpffen (a la triomphe), neunundhundert, rum und stich Fischart Gargantua 259 ndr. (nach H. A. Rausch spielverz. in Fischarts Garg. [1908] xxxvii ähnlich dem spiel sechsundsechzig); damit sie leut bey inen haben, die mit ihnen trumpffen unnd in dem brett spielen Höniger narrensch. (1574) 270ᵃ; (er befahl, sie) nach dem essen mit kartlen und trumphen ... zu unterhalten Er. Francisci d. hohe traursaal (1665) 1, 597; was für ein spihl er mit den karten am meisten gespihlet? ... dasz er ... kein anders gespihlet als das trumpfen, oder wie es etliche nennen, triumpfen franz. kriegs-Simplic. (1683) 2, 166; vgl. noch: wenn der abt karten spielt, dann trumpfen auch die mönche Düringsfeld sprichw. 1, 4ᵇ.
b)
erst seit dem 17. jh. belegt in der heute noch geläufigen bedeutung von 'ausspielen der trumpffarbe' beim kartenspiel, vgl. trumpffen ludere triumphum Schönsleder prompt. (1647) Kkk 4ᵃ, ludo chartularum triumphare Weismann lex. bipart. (1725) 2, 416ᵃ; ich trumpfe charta validiore aliam vinco Steinbach dt. wb. (1734) 2, 874: seine (des spielers) gantze kunst bestehet in trumphen, pochen und stechen samml. allerh. auserl. meisterst. (1738) 2, 193; bildlich:
(Valeria:) ich will euch allen freude machen und allen
aufrichtig begegnen.
(Porporino:) ja, farbe muszt du halten, bekennen oder
trumpfen.
(Valerio:) mache nur, dasz sie dich nicht in den scat legt
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 7, 106;
was einem recht, das ist dem andern billig,
du spielst — ich auch; du trumphst, und trumphen will ich
Gaudy s. w. (1844) 24, 138.
2)
von 1 b ausgehend häufig übertragen gebraucht; vgl. dazu die composita ab-, auf-, übertrumpfen. 'widerpart halten, eine abfuhr erteilen, eine abfertigende antwort geben', vgl. ¹trumpf 2 b α aa: heut habe ich ... den lästerungen getrumpft Hermes Sophiens reise (1776) 1, 394; wenn ich ihn gut machen will, so musz ich ihm nur unrecht geben und brav trumphen (cum placo [eum], sedulo adversor et deterreo) J. G. Chph. Neide Terenz (1784) 2, 22; 'da hat er mich einen dalken gheiszen ...' (Michel:) 'für die red wirst ihn doch trumpft haben?' A. Bäuerle kom. theater (1820) 3, 71; vgl. auch nd. enen trumfen 'eine derbe antwort geben' brem.-nds. wb. 5, 118; ech hān en gᵉdrombt 'habe ihn zurecht gewiesen, ihm bescheid gesagt' Heinzerling-Reuter Siegerl. 49; es ist nichts unmöglich, trumpfte Bovillard W. Alexis ruhe (1852) 1, 258; 'wie wollten wir ... eine spottende nachrede eintauschen?', 'gut getrumpft!' sagte der vater G. Keller ges. w. (1889) 8, 127; Maria Ev sagte: 'du weiszt doch, Even werden gern gelüstig.' er lachte und trumpfte: 'du folgst doch mehr der Maria als der Ev, mein ich' P. Dörfler notwender (1934) 120. im sinne von 'schelten, sticheln', vgl. ¹trumpf 2 b α bb: Uli hatte sich brav gestellt, und doch trümpfte ihn ein baurensohn ..., als ob er am verlust schuld sei Jer. Gotthelf s. w. (1921) 4, 59; die andern dienstboten fingen ... bald an, ... zu trümpfen, sie müszten sich zur arbeit halten ders. ges. schr. (1855) 2, 42. schwächer, etwa 'ernstlich mahnend zureden': du weiszt, bruder, ich machte mir hoffnung auf dein weib ... vater hatte mir eben getrumpft, als du das haus deines schwiegers verlieszest L. Goldammer Litthauen (1858) 326.
3)
'die trumpfkarten beim ausspielen knallend auf den tisch schlagen': eichelkönig und schellenbube knallten, von der markigen hand des gewinners auf den tisch getrumpft W. Alexis Isegrim (1854) 1, 53; von einer in schall und gebärde ähnlichen bewegung: die fäuste, auf den tisch getrumpft, begleiteten ... die reden W. Alexis Roland v. Berlin (1840) 1, 352; als gebärde allein: hatte er schon die rentenmarkscheine in der hand, ... ordnete sie wie spielkarten und warf trumpfend einen um den andern auf die ... bettdecke Carossa Gion (1931) 104.
4)
in älterer sprache im compositum hereintrumpfen 'feierlich daherkommen, einziehen', wohl unmittelbar von triumph A 2 abgeleitet wie mit anderer endung sinngleiches triumphieren 1 b (sp. 710), formal wie trumpfieren (sieh unten), vgl. hereintrumpfen magnifice incedere, basilice se inferre Schönsleder prompt. (1647) K k k 4ᵃ: der künig der vermags (prächtig einzureiten) und ist gewaldig, unser herr gott war arm, trumpfft nur auff einem esel herein M. Lindener katzipori 96 lit. ver., vgl. dazu Abr. a s. Clara unter triumphieren a. a. o.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1940), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1370, Z. 67.

trumpfen2, vb.

²trumpfen, vb.,
'gehen, laufen'. verschobene form neben ²trumpen (s. sp. 1362, etymologisches s. bei ¹trampen teil 11, 1, 1, sp. 1183); vorwiegend im älteren obd., sonst nur bei Joh. Prätorius (s. unten) bezeugt, zumeist in zusammensetzungen. wie bei ²trumpen ist die vorstellung des plumpen, schwerfälligen ganges, des stapfens oder trampelns wohl ursprünglich, vgl. trumpf'n 'schwer einherschreiten' Lexer kärnt. 73, doch ist in den unten aufgeführten belegen nur noch die gehbewegung als solche wesentlich: a. di. ullt. februario 1547 muest ich in die lateinisch schuel trumpffen, ich tetts gern oder nit bei El. Cast. Reichard Matth. u. Veit Conr. Schwarz (1786) 101; dasz die gehalbierten (truppen) mit unversehenem geschrey hinder in (den herausbrechenden stadtleuten) her trumpffen und der ander halbtheil die pforten anzurennen beflissen seyen Fronsperger kriegsbuch 1 (1578) 177ᵇ;
schreit imer fort, gnediger herr,
ich trumpf hin nach, wers noch so ferr
(um 1568) Edelpöck bei Weinhold weihnachtsp. (1853) 227;
weil nun die widersacher mit freiem geleit ... beruffen und geladen worden, warumb sein sie nit fein hurtig herzu getrumpfft? Conr. Vetter d. lutherische schräckengast (1599) d 1ᵇ;
die gäst die trumpffen auch herbey
Joh. Prätorius mägdetröster (1664) 199;
ich bin auff die kalt herberg kommen, die wirthin ist davon trumpfft Abr. a s. Clara etwas für alle (1699) 2, 33;
stöhlt (stellt) sy do khain ainzigs laidig,
trumpfen fort ohn laid so fraidig
spottlied auf die auswandernden Salzburger v. j. 1732 bei Schmeller-Fr. 1, 665.
dagegen ist bair. trumpfen 'sich tölpelhaft, ungeschickt benehmen' Schmeller-Fr. a. a. o. wohl sekundär von trumpf 'tölpel' abgeleitet, vgl. oben ²trumpf.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1940), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1372, Z. 7.

trumpfen3, vb.

³trumpfen, vb.,
bautechnisch 'abschneiden, verkürzen'; zu ²trumpf 'verkürzter balken' gebildet, vgl. trumpfen verkürzen, abstumpfen Schrader dt.-frz. wb. 2, 1389; 'trumpfen für abtrumpfen' J. J. Helfft wb. d. landbauk. (1836) 376; vgl. vertrumpfen teil 12, 1, 2, sp. 2014.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1940), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1372, Z. 42.

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Zitationshilfe
„trumpfen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/trumpfen>, abgerufen am 01.08.2021.

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