Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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trunk1, m.

¹trunk, m.
herkunft und form. das fehlen entsprechender belege im gotischen und altsächsischen scheint rein zufällig auf art und umfang der überlieferung zu beruhen. im übrigen entsprechen sich: ahd. trunk haustus Graff 5, 539 (vgl. unten A 1 a sowie auch ubartrunk ebrietas Tat. 146, 4), mhd. trune mhd. wb. 3, 94, Lexer 2, 1546, mnd. drunk 'trunk, trinken, getränk, trank, im bes. dünnbier' Lasch-Borchling 1, 488, mnl. dronc, holl. dronk Verwijs-Verdam 2, 433, woordenb. 3, 2, 3423, Franck-v. Wijk 137ᵃ, ags. drync, drinc 'potus, haustus' Bosworth-Toller 217ᵃ, 213ᵇ u. ebda suppl. 160ᵃ, me. drinc, drinch, ne. drink (mit verzicht auf die palatalisierung des auslauts) Murray 3, 1, 668ᶜ, aisl. drykkr Cleasby-Vigfusson 108ᵃ, älterdän. dryk (ndän.-norw. drik ist nach dem verb drikke umgebildet) Falk-Torp 1, 155, schwed. dryck Hellquist 102ᵇ. es ist demnach einheitlich von einer, der i-flexion angehörenden, maskulinen abstraktbildung *drunki- auszugehen, die mit schwundstufigem wurzelvokal zur spezifisch germanischen wurzel *drenk- 'trinken' (s. teil 11, 1, 2, 554) gehört, vgl. K. v. Bahder d. verbalabstr. i. d. germ. spr. (1880) 31 f., Kluge nom. stammbild.³ 61. der plural tritt daher seit den ältesten belegen (ahd. pluralformen fehlen) normalerweise mit umlaut auf, z. b. swære trünke Wolfram Parzival 132, 3, zwêne trünke Wolfdietrich D 4, 53, 2 im heldenb. 4, 33 Amelung-Jänicke, sîn trünke Reinfrid v. Braunschweig v. 18872 Bartsch, die trünk fastnachtsp. 2, 759 Keller, andere trüncke Luther 26, 455 W., in die trünck kommen Kirchhof wendunmuth 1, 490 Österley, ein paar trüncke Moscherosch gesichte Philanders (1650) 2, 203; daneben mit entrundung, z. b. grosz trink Clara Hätzlerin liederb. 203 Haltaus, der fruͤntlichen trink ainen nach dem andern Fortunatus 109 ndr., zwölf trinck Paracelsus chirurg. bücher u. schr. (1618) 298 Huser, drey starcke trincke Lohenstein Arminius 1 (1689) 1305ᵃ, so auch mundartlich die trink Fischer schwäb. 2, 426. gelegentliche, vor allem mitteldeutsche belege älterer zeit ohne umlautzeichen wie solche trunke var. zu Stricker kl. ged. 26, 148 Hahn, siben und sibenzic trunke Hugo v. Trimberg renner 9555 Ehrismann, wie thun euch sein trunk als ant! fastnachtsp. 1, 179 Keller, wen du ... der truncke dich meszigist Luther 6, 583 W. u. ä. stehen in dem verdacht. dasz die bezeichnung des umlauts lediglich orthographisch unterlassen blieb. im 17. jh. findet sich neben reichen umgelauteten pluralbelegen ganz singulär plural ohne umlaut: 3 guter starcker truncke W. Hildebrand goëtia (1631) 220. der in älterer zeit durchaus geläufige plural (vor allem in der verwendung A 3 a und A 3 d, B) wird seit dem ausgang des 17. jhs. sehr schnell ungebräuchlich. während Kramer t.-it. dict. 2 (1702) 1145ᵇ noch ohne einschränkung den plural trüncke angibt, kennen bereits Steinbach dt. wb. (1734) 2, 875 und Adelung wb. 4 (1801) 710 trunk nur noch als singular, vgl. dagegen beispielsweise Sanders wb. 2, 2 (1865) 1396ᵇ, Weigand-Hirt dt. wb. 2 (1910) 1081, bei denen es sich freilich um reminiscenzen aus älteren quellen handeln kann. wo in jüngerer zeit, in individueller neubildung, gelegentlich pluralformen verwendet werden, treten sie im allgemeinen mit umlaut auf, z. b. unter den trünken der ärzte Kolbenheyer Paracelsus 3 (1926) 333 (weiteres unten A 1 d), ganz isoliert steht umlautloses einzelne trunke J. H. Voss Virgils ländl. ged. 1 (1797) 268, vgl. auch straftrunke leisten Meyer conversationslex. 19 (⁶1909) 722ᵇ. neubildungen sind wahrscheinlich auch umlautlose mundartliche pluralformen wie drunke Fischer Samland 91ᵇ, dronken Follmann wb. d. dt.-lothr. maa. 106ᵃ. vereinzelt findet sich neutraler gebrauch (in anlehnung an älteres trank, n.?): als sie das unglückselig trunck ... getruncken hatten Wickram 1, 217 Bolte. im mnd. begegnet neben maskulinem drunk häufiger eine ebenfalls schwundstufig gebildete, offenbar schwache, femininbildung drunke 'trinkgelage, dünnbier' Schiller-Lübben 1, 588ᵃ, drünke Lasch-Borchling 1, 488 (belege s. unten A 3 a), dazu drunke haustus Diefenbach nov. gl. 201ᵃ (nd. a. d. j. 1417); selten in hochdeutschem schrifttum: druncke haustus Diefenbach 273ᶜ (md. 15. jh.); vgl. auch mit maskulinem geschlecht: zu geben ... ein trunchen wein bei Stolz ausbreit. d. deutschtums i. Südtirol 3, 2, 75 (a. d. j. 1412), einen guten trunken Dreytwein Eszling. chron. 203 lit. ver., tut ... ein trunke (in der ausgabe von 1595 s. 63 trünkle) klar Barth. Ringwaldt lauter wahrheit (1586) 59, ähnlich wohl auch tzog vel drunken haustus Diefenbach 273ᶜ (md. 15. jh.). eine ebenfalls schwache, aber hochstufig gebildete nebenform liegt vor in an. drekka, f. Cleasby-Vigfusson 104ᵇ sowie in ags. drinca, m. drince, f. Bosworth-Toller 214ᵃ, ebda suppl. 157ᵇ, Holthausen ae. et. wb. 77. in obdt. und md. mundarten scheint trunk nur noch in engen grenzen lebendig zu sein, aber auch im nd. ist seine verwendung teilweise auf einige festere redensarten beschränkt, vgl. Mensing schlesw.-holst. wb. 1, 880. aus dem deutschen wurde es im 16. jh. in das tschechische als truňk entlehnt, s. A. Mayer d. dt. lehnw. i. tschech. (1927) § 24 u. 112.
bedeutung und gebrauch.
A.
entsprechend seiner bildung als verbalabstractum zu dem verb trinken steht bei trunk, unterschiedlich von trank (s. teil 11, 1, 1, 1189ff.), die verwendung als nomen actionis im vordergrund.
1)
die einfache handlung des trinkens.
a)
allgemein von jeder art von getränken: trunch haustum ahd. gl. 1, 167, 24 St.-S.; truncha haustus (ed. haustu) ebda 2, 643, 69; nach dem trunk (regiebemerkung zwischen zwei reden) gesch. d. proph. Danielis (1545) a 2ᵇ; gewürtzte speisen, mit denen ihr habt den trunck gereitzt Albertinus de conviviis (1598) 100ᵇ; tetraphyllon, gefunden vor dem trunke, ehe man früe was getruncken, ... soll sehr gut sein Prätorius philos. colus (1662) 62; die kluge magd, als welche ... mitten im truncke war, zog geschwind den krug vom maule J. Riemer d. polit. maulaffe (1679) 18; indesz ein anderer einem sitzenden alten mann den krug zum trunke reicht Göthe 49, 375 W.; dasz ein bauer ... unwissend im schnellen trunke aus einer pfütze ein schlangenei verschluckt habe Cl. Brentano ges. schr. 6, 436; vor dem trinken soll man den mund wischen ..., während dem trunk nicht über den becher sehen G. Freytag ges. w. 18, 12. in bildlicher übertragung: do ... der durst der geitigkeit durch den drunck des gelts ein wenig gelescht was legende d. hl. vatters Francisci (1512) b 2ᵃ; er gehört zu jenen selbstsüchtigen schmeichlern, die Buonaparten in aller frühe zur willkür angespornt und zum trunke der ehrsucht Ölsner an Stägemann in: br. (1843) 181 Dowen.
b)
mit einschränkung auf das trinken geistiger getränke, 'diejenige handlung, wodurch man sich mit geistigen getränken aufzumuntern sucht' Voigtel (1793) 3, 430ᵇ; vgl. trinken I A 2:
sust begegentin manic trunc
einander ûf der louben dâ
d. Wiener meerfahrt, in: erzähl. u. schwänke v. 234 Lambel;
nach dem trunck kumpt einen gern der schlaaf an Frisius dict. (1556) 1108ᵃ;
der trunk befördert drei ding, das soltu wissen:
rothe nase, schlaf und pissen
bei Wander 4, 1343;
was mir am allerbesten hier beigefallen, ist, dasz man des trunks wegen seinem eigenen belieben folgen kan und nicht übermäszig beschweret wird Neumarr neuspr. teutsche palmbaum (1668) 329; auf seinem deckel lag ein junger Bacchus, halb mit weinreben bedeckt, ... und schien zum trunk einzuladen Zachariä poet. schr. (1763) 1, 365; die kühnste begeisterung aus gespräch, trunk und singen Fouqué altsächs. bildersaal (1818) 4, 4; ein bruderfest der humanität mit gemeinsamen trunk aus einem becher D. Fr. Strausz ges. schr. 6, 60. in die trünke kommen ins zechen kommen: als sie aber in die trinck kummen sind Wickram 3, 52 Bolte; als wir auch mit (bei) dem abt zu gast und in die trünck kommen waren Kirchhof wendunmuth 1, 490 Österley. gelegentlich mit passiver bedeutung, 'das getrunkenwerden' u. ä.:
am flug kennt man die sperken (sperlinge),
am trunk (an der art, wie er sich zum trinken eignet) kennt man den wein
Lindener katzipori 193 lit. ver.;
ähnlich: wechst auch darumb gueter roter dickher wein süeszes trunckhs wie auch andere wein Ernstinger raisbuch 32 lit. ver.
c)
überleitung zu 2 liegt vor, sofern die bedeutungsnuance des übermäszigen trinkens geistiger getränke durch ein adjektiv oder eine verbale fügung betont wird:
dannoch ich nicht wolde
des selben mich massen (mäszigen)
und ubrige trunch lassen
Heinrich v. Burgeis der seele rat 3930 Rosenfeld;
dann der unmessig trunck seyen die ersten waffen des bösen geists wider die jugend Wickram 3, 260 Bolte; hierher auch, aber mit dem nebensinn von C 'betrunkenheit': es soll in keinem eintzigen verbrechen der übermäszige trunck denen übertretern zu statten kommen H. v. Fleming d. vollk. teutsche soldat (1726) 142ᵃ; ähnlich: selbst unmäszig im trunke ... duldete er auch die ausschreitungen seiner soldaten v. Alten hdb. f. heer u. flotte 4, 17. verbal sich im trunke übernehmen o. ä.: ubernam sich mit dem trunck etwas Tabeus Maynhincklers sack (1612) g 3ᵇ; Alexander der Grosze würde den Clitum ... nicht erstochen haben, wo sich beede nicht im trunck übernommen hätten (1738) Alemannia 8, 97; dasz er sich mit dem trunk nicht abermal überlüde A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 6, 86; Gumpert ward einstens nach hause gebracht, dermaszen vom truncke überladen Marperger küch.- u. kellerdict. (1716) 997ᵇ.
d)
gelegentlich in kollektivem sinne von den verschiedenen arten oder anlässen des trinkens: trunk dreierlei: durst-, freud-, sawtrunk Henisch (1616) 779; hier herrschte noch das willkommen-, brüderschaft- und herumtrinken, das zechen auf das wohl oder zur ehre seines fürsten ... und viele andere trünke Krünitz encykl. 188, 178; man unterschied nun zwei trinkarten: totales und partiales ... betrachten wir jetzt die 'partialen trüncke' Bennert trinkkunst (1895) 58.
2)
trunk als das starke oder übermäszige, bzw. das fortgesetzte, gewohnheitsmäszige trinken geistiger getränke, trunksucht (vgl. trinken I A 2). auch mundartlich bezeugt: dronk 'trunksucht' wb. d. luxemb. ma. (1906) 72ᵇ; hai es amme drunke 'er ist dem trunke ergeben' Woeste wb. d. westfäl. ma. 60ᵃ.
a)
das schwerd vielen das leben verkürzt,
viel tausend hat der trunck gestürzt
Matth. Hammer hist. rosengarten (1654) 283;
nach der scheibe schieszen, mit den bauren in trunck und sprung, im luder liegen ..., stehet einem geistlichen sehr übel an alamod. technol. interim (1675) 79; weil die kinder von natur noch keinen fertigen gebrauch der vernunft haben, gleich wie sie ihn durch den trunck verlohren haben Chr. Wolff gedancken v. d. menschen thun u. lassen (1720) 312; den armen greis, der, von gram und trunk gebeugt, gleichgültig auf die hülle der gefährtin stierte Holtei erzähl. schr. 12, 65; redensartlich: der trunk is a loster, aͦbr a schines (schönes) K. Rother d. schles. sprichw. (1928) 100ᵇ. häufig in aufzählung neben anderen untugenden:
es ist ein guter mensch, liebt weder spiel noch trunk
Uhlich bei Gottsched dt. schaubühne 6, 480;
vielfräszigkeit und trunk erweitern ihn (den magen) auszerordentlich Sömmerring v. baue d. menschl. körpers (1839) 5, 63; manche gingen unter in trunk und müsziggang Treitschke dt. gesch. i. 19. jh. (1897) 4, 612; schulden, spiel, trunk und wollust keimten in diesem boden Fr. Meinecke leben d. generalfeldmarsch. v. Boyen 1 (1896) 18.
b)
gebräuchlich vor allem in einer reihe festerer wendungen. betont wird die neigung zum trunk oder die gewöhnung an ihn: dem trunck ergeben sein 'esser dato al bere, al vino, amare il boccaletto' Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1145ᶜ; er sonst dem trunck sehr ergeben ware A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 15; so soll auch ein weidmann nicht dem trunk ergeben sein Döbel jägerpract. (1754) 3, 111;
wie hassenswürdig ist, wer sich dem trunk ergiebet
v. Cronegk schr. (1766) 2, 122;
wann ich mir meinen verdrusz net versaufet, ich müszt mich grad aus verzweiflung dem trunk ergeben Nestroy ges. w. 1, 76. er musz nit ... dem trunck geneigt sein Reutter v. Speir kriegsordn. (1594) 5; ihr nebliges land macht sie (die Bretonen) zur melancholie, zu grübelndem nachdenken und zum trunke geneigt Heinr. Laube ges. schr. 2, 62; heimliche untugenden, neigung zum trunk, spiel ... wuszte er geschickt zu verbergen Göthe IV 26, 294 W. sie lieben den trunck Lohenstein Arminius 2 (1690) 27ᵇ; wie den Deutschen schuld gegeben wird, dasz sie den trunk geliebet d. neueste a. d. anmuth. gelehrsamk. 3, 329 Gottsched; die liebe des trunckes Lohenstein Arminius 2, 295ᵃ; von ... seiner (des Bacchus) liebe zum trunk Wieland Lucian (1788) 2, 424. ähnlich: den lust zum trunck Grimmelshausen Simpl. 32 Scholte; seine leidenschaft für den trunk A. Fr. F. v. Kotzebue reise um d. welt (1830) 2, 108. ähnlich, jedoch im allgemeinen nicht so häufig: keyszer Tiberius ..., der ... in der jugent dem trunck meer angehangen Eppendorff Plinius (1543) 234; ein krüppel von dreiszig jahren ... kommt leicht zum trunke H. v. Kahlenberg Eva Sehring (1901) 136; wirte, brauer, kellner ... kommen leicht an den trunk hwb. d. staatswiss.² 7, 201; der mann hatte sich würklich an den trunk gewöhnt Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 3, 140; angewöhnung des trunkes Solger nachgel. schr. u. briefw. (1826) 2, 558, er hatte ja dem trunke gefrönt Watzlik pfarrer v. Dornloh (1930) 43; in trunk und unduldbare ausschweifungen versunken Immermann 2, 112 Boxb. speziell niederdeutsch: sik in den drunk leggen 'sich der trunkenheit ergeben' brem.-ndsächs. wb. 1 (1767) 248; he legt sik upn drunk 'gewöhnt sich das trinken an' Schütze holst. id. 1 (1800) 256; sik upn drunk leggen 'der trunksucht ergeben sein' Berghaus sprachsch. d. Sassen 1, 370ᵇ. durch niederdeutsch beeinfluszte schriftsteller gelegentlich schriftsprachlich: wie wenige wirthe werden sich auf den trunk legen Möser s. w. (1842) 3, 336; lege dich nicht auf den trunck Lichtenberg br. 3, 285 Leitzmann-Schüddekopf. im gegensatz zum vorigen: sich für dem trunck hüten Kramer t.-it. dict. 2 (1702) 1145ᶜ; man sol den trunck meiden Ringwaldt lauter wahrheit (1598) 57; möchte er doch nun in sich gehen, gott fürchten und besonders den trunk meiden Gellert s. schr. 9, 253; den trunk hat er gemieden, zu welchem er starke neigung litt Holtei erz. schr. 19, 103;
laszt das wort uns geben heute,
uns vom trunke zu entwöhnen
Chamisso w. (1836) 3, 91;
und mancher deutsche reitersmann
hat dort den trunk sich abgethan
Uhland ged. (1898) 1, 254.
3)
das trinken in gesellschaft, etwa im sinne von 'umtrunk, zecherei, gelage', bisweilen schon zur bedeutung 'betrunkenheit, rausch' (vgl. C) überleitend, s. vor allem unten d.
a)
im fem. (sieh oben unter form) sehr früh als fester terminus nd. drunk(e) 'trinkgelage der bürgergilden, zünfte und gewisser gesellschaften Rigas. 'die bürgergilden Rigas vereinigten ihre versammlungen, welche steven oder steffen hieszen, stets mit trinkgelagen (drünke), dergl. regelmäszig zu fastnacht, Michaeli, Martini, weihnacht und pfingsten abgehalten wurden ... jetzt nur das fastnachtsessen am freitag vor fastnacht' Gutzeit wortsch. d. dt. sprache Livlands 1 (1864) 203: wen de druncke gedan is, so sal men deme kerkheren geven ene halffe mark bei Stieda-Mettig schragen d. gilden u. ämter der stadt Riga 376 (a. d. j. 1252); dat dar nement stekemeste (stechmesser) en drege in der drunke ebda 458 (a. d. j. 1382); er de groten druncke angan ebda 583 (a. d. j. 1510); das die nachkommen sich daraus zu ersehen haben, wenn stöeffen und trüncke gehalten werden ebda 325 (a. d. j. 1610). in festeren verbalen verbindungen: dat men de drunke drinket bei Stieda-Mettig schragen d. gilden u. ämter d. stadt Riga 377 (a. d. j. 1252); so schal men dee drunke unser cumpanye drynken unde dee steven alle jar holden uppe sunte Johannes dach ebda 379 (a. d. j. 1397); wenn trüncke gehalten werden, so wirt das bier 9 oder 10 tage fur vastelabendt ... eingeschmecket ebda 328 (a. d. j. 1613).
b)
auch der kostenanteil des einzelnen an diesen veranstaltungen heiszt so: de to deme gedrenke nicht en kumet ..., de sal de halve drunke betalen ebda 377 (a. d. j. 1252); de tho den rechten drunken nicht komen en wolde ..., de sall de ganzen druncke ... betalen ebda 415 (a. d. j. 1450).
c)
allgemein compotatio ein trunk, zäch oder ürten Frisius dict. (1556) 273ᵃ:
ez ist rehte allez ein wint,
swaz hie trinkens ist geschehen.
man sol noch solche trünke sehen,
die wol mit êren mugen sîn
Stricker kl. ged. 26, 148 Hahn;
ob nicht war, dasz daselbst in solchen versamlungen und zusammenkünfften auch wol schwere trüncke ... gefallen Nigrinus v. zäuberern (1592) 382; sobald wir sagten, dasz wir einen trunck thun wolten, so bald sprachen sie, dasz sie uns gesellschafft leisten wolten Moscherosch gesichte Philanders (1650) 2, 518; wann sie (die Witzenbürger) den nächtlichen schlam (schlemmerei) oder trunck noch nicht verdäuet und auszgeschlafen grillenvertreiber (1670) 28;
und kürtzten unter sich daselbst die langen stunden
durch spiel und einen trunk
Joh. P. Titz dtsche ged. 3 Fischer;
geendet sei der trunk, brecht auf von den sitzen G. Freytag ges. w. 8, 67; da klang sorglos zum lustigen trunk das feurige wort Karl Alex. v. Müller aufs. u. vortr. (1926) 193.
d)
präpositionale verbindungen. hier wird der nebensinn der trunkenheit besonders häufig deutlich, wie sich überhaupt die verbindungen beim trunk und im trunk (vgl. C 1) sehr nahe stehen. beim trunk inter pocula Weismann lex. bipart. (1698) 382; er ist bim trunk assidet compotationi Maaler (1561) 410ᵈ:
schand, schad oder widerwertigkeit,
das sich oft tut beim trunck begeben
Hans Sachs 12, 61 K.;
brüderschafft beim trunck gemacht, dutzbruderschaft Hulsius dict. (1618) 2, 163ᵃ; (der feldherr) musz sich bemühen, sie (seine soldaten) bei dem trunch auszuhohlen (auszuhorchen) oder aushohlen zu lassen H. v. Fleming d. vollk. teutsche soldat (1726) 418; beim trunk gabs nichts als händel Miller Siegwart (1777) 3, 859; weil er das unglück hatte, beim trunk einen seiner kameraden zu erstechen Schubart ästhet. d. tonkunst (1806) 195; wir saszen ... beim trunke in einem öffentlichen garten, die herzen vom wein durchglüht E. M. Arndt s. w. 1, 90 Rösch-Meisner. vielfach sprichwörtlich:
also im vuer golt und sulver wert probert,
so wert des manns truw bi dem drunk erklert
Neocorus chron. d. landes Dithmarschen 1, 148 Dahlmann;
beim trunck und zorn erkennet man den thorn Spannutius sprichw.-lex. (1720) 583; beim trunk werden heiraten gemacht Simrock dt. sprichw. 571. unter, zwischen, hinter den trünken: auch zuͦ zeytten unter den groszen trüncken wurdt geredt Güttel v. evang. warheit (1523) a 2ᵃ; verhies im sein dochter underem drunk zuͦ der ee Felix Platter tageb. 170 Boos; insgemein pflegen die Sauffenberger unter dem trunck von ihrer stadt angelegenheiten zu discurieren Marperger küch.- u. kellerdict. (1716) 1001ᵇ; rede wenig zwischen den trünken, dan da wirt ein man nit wys gehalten, sonder verspottet Steinhöwel Äsop 69 Österley; also, dasz es nit vil gefehlet, Hannibal ... were von einem jüngling hinter den trüncken umbbracht worden Xylander Plutarchus (1580) 126ᵇ.
4)
hier sind zwei feste verbindungen anzuschlieszen, in denen trunk insofern eine allgemeinere bedeutung hat, als es hier einen ganzen vorgang bezeichnet und zugleich auch substantiell als das betreffende getränk verstanden werden kann.
a)
schwedischer trunk (vgl. Schwedentrunk teil 9, 2386, ferner schwedischer trank teil 11, 1, 1, 1203). als solchen bezeichnete man im 17. jh. eine vom schwedischen kriegsvolk des dreiszigjährigen krieges besonders geübte folter, bei der man einer person wasser oder gar jauche übermäszig zu trinken einflöszte: da sie (die soldaten ihnen) ... schwedische trüncke geben, den leuten wasser, mistpfütze einfüllen, hernach auff den leib springen, dasz wieder von ihnen springet Ortelius blut-, angst-, threnengeld (1639) 7; haben böse buben ... arme leute zu martern auf die erde geleget und aus der mistpfudel ihnen den leib mit gewait angefüllet und sie also bis zum tode getrenket. diesz haben sie den schwedischen trunk genennet W. Scherffer geist- u. weltl. ged. (1652) 1, 428; die reuter ... steckten ihm ein sperrholtz ins maul und schütteten ihm einen melckkübel voll garstig mistlachenwasser in leib, das nenneten sie ein schwedischen trunck Grimmelshausen Simpl. 18 Scholte.
b)
sankt Johannis trunk 'abschiedstrunk, letzter umtrunk', meist mit einem segenswunsch. die genitivische fügung sanct Johannis trunk ist von der komposition Johannistrunk (vgl. teil 4, 2, 2335) syntaktisch nicht immer scharf zu scheiden. zur sache s. auch s. Johannis minne (segen) trinken teil 4, 2, 2333 und teil 11, 1, 2, 578:
ein trunc man im (vor dem kampfe) dar truoc
und tranc sant Jôhannes segen
Hartmann v. Aue Erec 8652 Haupt;
als feste prägung im 15. und 16. jh. nachweisbar: da sprachen sein gest zu im: ei nempt den wein und trinkt vor (vor der abfahrt in die hölle) sant Johanns trunk, so geet es euch desterpas. da trunk er sant Johanns trunk und schid sich mit grossem traurn städtechron. 11, 673 (Nürnberg, 15. jh.); von sant Joannes trungk finde ich nichts (in seinem leben); ich halts, die follen brüder haben ihn erdacht, wen nichts hinein mehr will, szo musz Joannes trungk noch hinein Egranus pred. 69 Buchwald.
B.
das nomen actionis (A) entwickelt sich weiter zur bedeutung 'zug, schluck'. ähnlich wie bei schluck (teil 9, 798ff.) und zug (teil 16, 376) findet bei trunk ein allmählicher übergang von der handlung zur mengenbezeichnung statt. die beiden endglieder dieser entwicklung sind bisweilen deutlich greifbar (vgl. z. b. unten 3 gegenüber 1 u. 2), meistens jedoch läszt sich eine scharfe grenze nicht ziehen.
1)
allgemein: haustus ein trunk, quantum una vice bibi potest gemma gemmarum (1508) l 7ᵃ; umb ein stücke essen und trunck trincken gebeten Pape bettel- u. garteteufel (1586) j 6ᵇ; Axleben (sollte) ... über der mahlzeit drei trüncke thun ..., (aber er) betrank sich von zwei trünken Schweinichen denkwürd. 50 Österley;
das pergament, ist das der heilge bronnen,
woraus ein trunk den durst auf ewig stillt?
Göthe 14, 35 W. (Faust);
bei tisch gab es nur einen trunk davon für jeden gast R. Schultze gesch. d. weins u. d. trinkgelage (1867) 105. sprichwörtlich:
ein trunk auf salat
schadt dem docter eine dukat,
ein trunk auf ein ei
schadet ihm zwei
bei Schellhorn sprichw. (1797) 126,
vgl. ähnlich bei Kramer t.-it. dict. 2 (1702) 417ᵇ, Fischer schwäb. 2, 426, Martin-Lienhart elsäss. 2, 347ᵇ und 2, 761ᵃ.
2)
mit näherer bestimmung der substanz. die ältere zeit bevorzugt den genitiv des objekts, heute gilt gemeinhin die unflektierte form. von hier aus bahnt sich teilweise schon der übergang zu trunk als stoffbezeichnung (D) an. trunk wasser(s): das alle byssen brots, alle trünck wassers sönderliche fraintliche gaben seind Eberlin v. Günzburg s. schr. 3, 264 ndr.; also ist ein stückchen brod, ein trunk wassers ... eine wohlthat Miller pred. f. landvolk (1776) 1, 152;
so dasz man viel an solcher stätt
für einen trunk wasser gegeben hätt
Göthe 16, 118 W.;
ritten ... den ganzen folgenden tag, ohne essen als einen halben zwieback und zwei zwiebeln und einen trunk wasser Moltke ges. schr. u. denkwürd. (1892) 6, 14. sprichwörtlich: es gilt ein trunck wasser zuͦ seiner zeit ein vasz mit wein Seb. Franck sprüchw. (1545) 1, 9ᵃ. mit charakterisierung durch ein adjektiv: umme einen trunc kaldis wazzeris gibit he (gott) sin himilriche meister Eckhart in: paradisus anime intelligentis 84 Strauch; nachdem sie sich mit speise ... und einem trunck frischen wassers gelabet hatten Bucholtz Herkuliskus (1665) 71; einen trunk frisch wasser zu holen Musäus volksm. 1, 31 Hempel. in anderer reihenfolge: hol mir ein frischen drunck wasser Montanus schwankb. 344 Bolte; dem durstigen Samson hat der frische trunck wasser über alle maszen wolgeschmeckt Abr. a s. Clara etwas für alle 1 (1699) 7;
gebt mir ein kalten trunck wassers ein
Hans Sachs 6, 170 K.
hierher auch in poetischer umschreibung:
ein ranft (rinde) von haberbrôte,
der wart im dar gewunnen
und ein trunc eins brunnen
Hartmann v. Aue Gregorius 2894 Paul;
und habe dir des brunnen zwêne trünke bracht
Wolfdietrich D 4, 53, 2 im heldenb. 4, 33 Amelung-Jänicke;
und sehe nun keinen, der mir einen trunk der quelle reiche Klinger neues theater (1790) 1, 236. ebenso stereotyp trunk wein, bier oder dgl.: so sullen sy doch gepunden (verpflichtet) sein, zu geben allemal czbirmit (zweimal) im tag ein trunchen wein bei Stolz ausbreit. d. deutschtums in Südtirol 3, 2, 75 (a. d. j. 1412); wir wollen uns selbs mit eim stuck brods und trunck weins erlosen und zu christen machen Luther 18, 26 W.; damit er den empfangenen unmuth durch ein trunck wein oder etliche möchte hinweg treiben Sandrub hist. u. poet. kurzweil 19 ndr.; dann er fast jeden schluck rauchs mit einem trunk bier anfeuchten musz Jacob Balde truckene trunkenheit (1658) 21;
lasz einen trunk des besten weins
in reinem glase bringen
Göthe 21, 206 W.;
ich bin froh, wenn ich zuweilen einen trunk dünnbier habe Kotzebue s. dram. w. 8, 182. mehr gelegentlich: ain trunk ohsenpluotes ist tœtlich Konrad v. Megenberg buch d. natur 160 Pfeiffer; da er (Christus) einen newen sonderlichen trunck seines blutes gibt Luther 26, 456 W.; dasz du ... in einem trunck milch durch ein nichtiges härlin ersticket werdest Heyden Plinius (1565) 18; bittet die hirten um einen trunk milch R. Schumann ges. schr. (1854) 4, 187. übertragene und uneigentliche verwendungen: wehe aber stillen genügsamen leuten ..., die sich, mit einem trunk luft zufrieden, ... bescheiden in eine ecke drücken Hebbel s. w. (1891) 9, 98; könntest du ... mir, wie in einem becher, einen trunk Berliner lebenslust darreichen Göthe IV 35, 146 W.; maler ..., welche den dürstenden völkern einen trunk himmlischen lebens reichten G. Keller ges. w. 1, 213.
3)
die handlung des trinkens steht im vordergrunde in der präpositionalen verbindung in einem trunk bzw. auf einen trunk uno potu, haustu, uno impetu Weismann lex. bipart. (1698) 2, 382, indem man in einem einzigen zuge ohne abzusetzen oder zu pausieren trinkt: 'mein knecht sol die drei nössel wein auff einem trunck austrincken' ... der knecht ... soff den wein in einem trunck aus Barth. Krüger Hans Clawerts werkl. hist. 51 ndr.; bei einer wett trank ein kutzscher ... 4 kannen bier auff einen trunck aus Matth. Hammer hist. rosengarten (1654) 283; der marschall aber konnte mir in einem trunke nicht bescheid thun, darum er denselbigen (becher) zur strafe auch zweimal austrinken muszte, jedoch mit vielen trünken Schweinichen denkwürd. 92 Österley. auch späterhin durchaus geläufig, vgl. z. b. Adelung wb. 4 (1801) 710.
4)
auch in der verbalen wendung einen trunk tun, trinken o. ä. tritt die vorstellung der mengenbezeichnung stark zurück (vgl. aber einen starken trunk tun u. dgl. unten 5 b):
mîn nôt diu næme ein ende,
als ich einen trunc getæte,
ob ich daz wazzer hæte
Stricker Karl 8055 Bartsch;
dô huob er ûf unde tranc
einen trunc von zweinzec slünden
weinschwelg 19 E. Schröder;
er trank do ob tisch gewonlich fünf trünke ...; den ersten muntvol und den jungesten noss er in der minne dez minnerichsten herzen Seuse dt. schr. 24 Bihlm.;
tu darauff ein trunck oder zwen
Hans Sachs 17, 11 K.-G.;
er reit ... in des pfarrers huss, da tet er bloss ein trunck win Tschudi chron. Helvet. (1734) 2, 7ᵃ; Eurylas hatte die quitten zu sich genommen und mochte etliche trüncke bier drauff gethan haben Weise erznarren 122 ndr.; liesz sie von der ... frischen fluth einen trunk thun A. Stifter s. w. 3, 97. mundartlich: einen trunk tun 'speziell bei groszer erhitzung schnell etwas trinken und sich dadurch eine krankheit holen' Fischer schwäb. 2, 426.
5)
in einer reihe adjektivischer verbindungen.
a)
der erste trunk, der letzte trunk (vgl. auch st. Johannis trunk A 4 b) o. ä.:
wie Anacharsis sagen tut:
der erst trunck sei gesund und gut,
der ander trunck sei zu dem lust,
der dritt sei zu der laster wust,
der vierdte trunk sei alle zeit
dem menschen zu unsinnigkeit
Hans Sachs 4, 233 K.;
ähnlich bei Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 2, n 6ᵇ; als sie den ersten trunk aus den metgläsern trank E. M. Arndt 6, 179 Rösch-Meisner; der gesang, der den ersten trunk des häuptlinges begleitet Ratzel völkerkde (1885) 2, 257; dis solle sein (Christi) letzter trunck weins auff erden sein mit seinen jüngern Luther 26, 460 W.; den letzten trunk zu tun dem sich neigenden vaterland G. Keller ges. w. 6, 276.
b)
das adjektiv bezeichnet in einigen, heute meist veralteten verbindungen die menge des getränks (vgl. dazu auch unten E 2 b). guter trunk 'tüchtiger schluck' o. ä. (doch beachte guter trunk 'guter tropfen' unten D 1 b): wermütwin, den trinckstu nit, aber al morgen nüchtern trink ich ain güten trünck bei Steinhausen privatbr. d. mittelalt. 2, 69 (a. d. j. 1482); alle malzeit solt du mit eim guͦten zimlichen trunck des trancks beschlieszen bad u. arznei den bruch zu heilen (1539) b 2ᵃ; wer den schlucken hat ..., trinke einen guten trunck in einem oden davon J. G. Schmidt rockenphil. (1718) 2, 259; brachte ihr die pflegamme ... einen guten, gerechten trunck des besten muscateller Stranitzky ollapatrida 188 Wiener ndr. groszer trunk:
er dien ir (der gefräszigkeit) mit vleis,
mit fruem impeis,
mit michlen trunkchen grossen
Heinr. v. Burgeis der seele rat 133 Rosenfeld;
wir wöllen essen
unvermessen,
nit vergessen
dabei gröszer trünck zu allen zeitten
liederb. d. Hätzlerin 72 Haltaus;
ähnlich bei Neidhart fuchs v. 3457 Bobertag, Fischart Gargantua 145 ndr.; gosse das (wasser) in ain beki und tranke des ainen groszen trunk Steinhöwel Äsop 39 Österley; wiewol sein leib eines groszen truncks mechtig ist Luther wider Hans Worst 55 ndr. im gegensatz dazu: also erwecken die kleinen trinke nur den durst, aber grosze lange züg leschen den Zinkgref apophthegmata 4 (1655) 157. starker trunk:
des (vom gifttrank) mein mann thet einen starcken trunck
Hans Sachs 16, 18 K.;
wo ich het ein vorreihen aus Ratzenbüchlin zubracht oder mit ime auf einen starcken trunck getretten ..., daz wir beide gedörmelt hetten Ambach von tantzen (1545) j 2ᵇ; mit dem trinken vermeinet man, es sei besser etliche malen und wenig, als auf einmal einen starken trunk getan W. H. v. Hohberg georg. curiosa 1 (1687) 244. schwerer trunk:
einen guoten kropf er az,
dar nâch er swære trünke tranc
Wolfram Parzival 132, 3;
lüde, de vele swelgen können ..., lavet (lobt man) und secht: de man kan einen starcken swaren drunck doen Freder v. d. vollensupende (1553) b 2ᵃ. pommerischer trunk 'zehn schlück und beide backen voll' Stieler stammbaum (1691) 2331 (vgl. pommerischer zug bei Corvinus fons lat. 342ᵃ und teil 16, 382 s. v. zug): tut drauf ein trunk, ein guten trunk, ein Mertenstrunk, ein pommerschen trunk: neun züg und beide backen voll bei Uhland volksl. 573 (a. d. j. 1621); einen guten pommerischen trunk auf diesem fetten bissen Faustb. d. christl. meinenden 16 Szamatolski. lutherischer trunk: (einen trunk bis auf die nagelprobe) nannte man (im 17. jh.) auch in lobendem scherz: einen lutherischen trunk Petersen nationalneig. z. trunk (1782) 116. stärker veraltet oder gelegentlich stolzer, harter u. s. w. trunk:
ich hab sein (des brunnens) offt getrunken
so manchen stolzen trunkh
bei Kopp volks- u. gesellschaftsl. d. 15. u. 16. jhs 204;
und ob ihr sie (die geistlichen) erstlich nit zuͦ harten trincken (var. truncken) bringen kündt, das laszt euch nit irren Schwarzenberg vom zutrinken 28 ndr.; als ich mit ihr in keller schliche, einen hertzhafften trunck zu thun Grimmelshausen 2, 341 Keller; vier jäger, ein gut stück rindfleisch und ein ehrlicher trunk: darüber geht mir nichts Justus Möser s. w. (1842) 1, 346.
6)
redensartlich: ein trunk zuviel oder über den durst, d. h. mehr als man verträgt: bruͦder ..., ich meine, du habst eins truncks zuͦ vil Stanberger dialog o. gesprech (1522) a 2ᵃ; das mein gnedigster herr zu zeiten uber tisch (bei tisch, vgl. über tische trinken teil 11, 1, 2, 565) ... einen trunck zu viel thut Luther wider Hans Worst 55 ndr.; dath men wol einen drunck edder etlike mehr dohen möge denne de rechte natürlike dorst fordert Freder v. d. vollensupende (1553) b 3ᵇ; ein unüberlegter trunk über den durst Matthisson schr. (1825) 5, 21.
C.
trunk als bezeichnung des zustandes, in den man sich durch das trinken geistiger getränke versetzt, 'rausch, betrunkenheit'.
1)
am leichtesten läszt sich der übergang von trunk A verstehen in der wendung im trunk. bereits die ähnliche wendung beim trunk (s. A 3 d) hatte gelegentlich in die nähe der bedeutung 'rausch' geführt, vgl. hierzu noch: die beim trunck witzig seind, die seind gemeiniglich mattes (hohlköpfe), wann sie nüchtern seind Lehman floril. polit. (1640) 778, wo beim trunk 'beim zechen' dem zustand der nüchternheit entgegengesetzt erscheint. die belege für im trunk lassen sich bis in die reformationszeit zurückverfolgen:
schaff, daz mich keinr im drunck betrieg
Schertlin künstl. trinken (1538) b 2ᵃ;
etliche Catten und Cherusker gerathen im trunck aneinander
Lohenstein Armin. 2 (1690) 230;
Laius, im trunke die warnung des orakels vergessend, handelt nicht in sittlichem pathos, vielmehr ist er im tierischen rausche weiter davon entfernt
O. Ludwig ges. schr. 5, 503;
der tod eines jungen, blühenden menschen ... um einer im trunke begangenen ärgerlichen unschicklichkeit willen
W. v. Scholz erzähl. (1924) 25.
2)
ebenso alt und häufig in einigen festeren verbalverbindungen. einen trunk haben, meist durch ein adjektiv verstärkt: vol und säwisch sein, heist bei disen ... ein guͦten rausch oder trunck haben Ambach vom zusauffen (1544) a 2ᵃ; man sagt, sie (die von der stiege gestürzten) hetten beide einen gutten truncken gehebt, der do nichs gutts nie gebracht hat Dreytwein Eszling. chron. 203 lit. ver.; sagt, er sei voll weins gewesen oder habe ein guten trunk gehapt und vermeinet sich zu entschuldigen, als ob er us unvernunft ... gehandlet hette Alemannia 9, 43; vgl. mundartlich: e weⁱschten dronk hun 'streitsüchtig sein, wenn man betrunken ist' wb. d. luxemb. ma. 72ᵇ; du hast an trunk 'einen rausch' Hügel Wiener dial. (1873) 168ᵃ. der trunk übereilt, überkommt jem. o. ä.:
wenn aber in der trunck erschleicht,
all sein vorständnis von ihm weicht
Ringwaldt die lauter wahrheit (1586) 64;
da aber der trunck ubern man kam, wolt er affenwerk mit den pauren treiben Schütz hist. rer. pruss. (1592) 108ᵃ; hernach ... hat mich der trunk übereilet Schweinichen denkwürd. 39 Österley; der trunck übermeistert ihn bald Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 44ᵃ; der trunck übernimmt ihn Marperger küch.-u. kellerdict. (1716) 1213. im gegensatz zum vorigen:
wer sich pfleget vollzusauffen, wenn der trunk gleich von ihm weicht,
hat den vortheil, dasz er nüchtern auch noch einem thoren gleicht
J. Grob dichter. versuchgabe (1678) 38.
3)
seltener ist einfaches trunk in der obigen bedeutung: fing er an, mit den männern (den gefangenenwärtern) ... zu zechen und zu spielen, bis ihnen der trunk und die freude des gern überlassenen gewinnes ... die achtsamkeit geraubt hatte Raumer gesch. d. Hohenstaufen (1823) 1, 362. anders gewendet: der trunk (das ist das herbeiführen der betrunkenheit) ist der kunstgriff, den einige mädchen brauchen, wenn sie ... einen mann nöthig haben ... dafür aber kann niemand die bürgschaft leisten, ob er nicht die liebe so wie den wein ausschläft Hippel über die ehe (1774) 175. sprichwörtlich:
ist der trunk im manne,
so ist der verstand in der kanne
bei v. Düringsfeld sprichw. 2, 484.
in übertragener bedeutung: am schwersten ist mir dennoch die bändigung meiner neigung zur musik geworden ... mit meiner wahrscheinlich physischen schwäche eines sehr reizbaren, etwas zum trunke geneigten ohres Cl. Brentano ges. schr. 5, 336; vgl. musik, töne trinken teil 11, 1, 2, 586.
D.
trunk als stoffbezeichnung, als 'ein körper, welchen man trinkt, ein getränk' Voigtel wb. (1793) 3, 430ᵇ. in dieser verwendung deckt sich trunk mit der gebräuchlichsten bedeutung von trank (s. teil 11, 1, 1, 1189), mit dem es häufig synonym erscheint:
wie mancher mensch ward alsobald
bei einem warmen trunke kalt,
wie dies Opilius erfahren?
wie mancher ward vom kalten trank
im gegenteil auch schwach und krank
und muszt sich mit dem tode paaren?
Triller poet. betracht. (1750) 1, 345;
die ausdrücke, in denen Christus dem schöpfenden weibe für den trunk, den sie ihm reichte, einen trank anbot, der fortwährend erquicke Herder 19, 318 S., vgl. auch unten D 1 c ende und D 2 a α mitte. nur gelegentlich ist eine bedeutungsmäszige unterscheidung bezeugt: 'hodie ita distinguimus, ut trank sit potus medicatus (doch beachte trunk in gleicher bedeutung unten D 2 d) ..., trunk potus ordinarius Wachter gloss. germ. (1737) 1724; drunk 'trank für menschen', drank 'trank für schweine' Fischer Samland 91ᵇ.
1)
allgemein.
a)
ohne nähere spezialisierung: sachen, die den trunk wolschmeckend machen Fischart Gargantua 75 ndr.;
wer nicht arbeit, weil er noch jungk,
der hat im alter nicht ein trunck
bei Eyering proverb. copia (1601) 3, 94;
wir haben unsern trunck im hause, im keller Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 1145ᶜ; ihr gewöhnlicher trunk ist wasser G. Forster s. schr. (1843) 1, 41; wasser ist doch der beste trunk G. Hauptmann Rose Bernd (1904) 64. gern als belohnung für sänger, spielleute, boten u. dgl.:
derowegen ohn lohn und trunck
wir ihm spielen selten genung
Sutorius fechtbuch (1612) 1;
und danket gott so warm, als ich
für diesen trunk euch danke
Göthe 1, 163 W.;
unser junger spielmann hat nun aber auch einen trunk verdient G. Keller ges. w. 6, 49. hierher wohl auch mundartlich: sich des trunks bedanken 'der herrschaft aufkündigen' Fischer schwäb. 2, 426.
b)
charakterisiert durch typische adjektiva. die erquickende wirkung des getrunkenen wird betont:
wirt, steckh an die schweinen braten,
darzue die hüener jung!
darauf mag uns geraten
ein frischer, küeler trunkh
bei Kopp volks- u. gesellschaftsl. d. 15. u. 16. jhs. 207;
multi inter vos, qui schnappen nach dem trost und verlangen, ut in psalmo: sicut cervus nach ein frischen trunk Luther 29, 143 W.; desz winters kan der arme so bald einen frischen trunck haben als der reiche Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 2, p 8ᵃ; liebe ich, wan mich dürstet, einen klaren, külen trunck Fr. Spee güld. tugendbuch (1649) vorr. 11ᵇ; (wachholderdrosseln) sind tüchtige fresser, auch darf ihnen ein frischer trunk ... nicht fehlen Naumann naturgesch. d. vögel (1822) 2, 1, 306. sprichwörtlich:
auff einen guhten sprung (tanz)
gehöret ein frischer trunk
Rist friedewünsch. Teutschland (1648) 90;
vgl. dazu, stärker an die handlungsfunktion anknüpfend:
gott geb ein gut gewissen und einen täglichen bissen
und einen frölichen trunck, letzlich einen seligen sprung
Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 1, c 6ᵇ;
ähnlich ebda 2, Pp 6ᵇ, Henisch (1616) 1250, Lehman floril. polit. (1662) 3, 446: vgl. auch unten D 1 d. guter trunk 'treffliches getränk', häufig bereits auf wein oder andere geistige getränke (s. unten D 2 a) bezogen, 'guter tropfen' (doch beachte guter trunk 'tüchtiger zug' oben B 5 b):
ein alter man der trinket dar,
daz er sîn lützel nimet war
daz er werbe nâch minne;
wær sie ein küniginne,
er næm für si (zöge ihr vor) ein guoten trunc
Heinrich v. Neustadt Apollonius 3410 Strobl;
unser kürzweil hengt an einer warmen stuben und einem guten trunck bei Steinhausen privatbr. d. mittelalters 1, 157 (a. d. j. 1472);
nach gutem braten
mag ein gut trunk wol geraten
trinkspr. d. 15. jhs. bei Hoffmann v. Fallersleben in dulci jubilo (1854) 82;
dem folget das underbrod, mit guten trüncken umbspicket, darnach das abendessen Lorichius paedag. principum (1595) 59;
hola, junger, geh und frage,
wo der beste trunck mag sein.
nimb den krug und fülle wein
Opitz dt. poem. (1629) 348;
allwo ein guter trunck bier gebrauen wird Vogel ostind. reisebeschr. (1716) 22; gasthaus, darin er ... einen guten trunk ... auf den tisch bringt Fontane ges. w. I 4, 307. redensartlich es wächst ein guter trunk (guter wein):
umb Colmar wechst ein guter trunck,
der frewet beide alt und jungk.
den führt man gar sehr in das reich,
nimmts gelt darfür und saltz zugleich
Schrot wappenb. (1581) 96ᵇ;
ähnlich: dasz es sei ein herrliches kornland, dasz holtz gnug darinnen sei, dasz ein ziemlicher trunck wein darin wachse Balth. Schupp schr. (1663) 94. im gegensatz dazu: dasz mancher wol so truncken oder auch wol trünckener wirdt von schlechten trüncken als mancher, der zu halben und gantzen säufft theatr. diabol. (1569) 328ᵇ; schlechte, gemeine speisen und geringen (minderwertigen) trunk Reinicke fuchs (1650) 344.
c)
in typischen oder häufigeren verbalverbindungen. einen trunk reichen u. ä.:
wenn er (gott) mich nu genehret
sampt weib und kindt am tisch,
er mir ein trunck auch bscheret
Steurlein bei Fischer-Tümpel 1, 4ᵃ;
denen hat man kain drunck nit geben städtechron. 32, 400 (Augsburg, 16. jh.); (die quelle) den müden und durstlechzenden wandersleuten einen kühlen trunk anbote Birken ostländ. lorbeerhain (1657) 49; dort ... wird ihm ein frischer trunk aufs pferd gereicht E. T. A. Hoffmann 6, 57 Gr.; ein trunk, der ihm in einem kruge oder glase gereicht wurde Peschel völkerkde (1874) 376. verba des zusichnehmens (vgl. auch trunk tun o. trinken oben B 4): (dasz gemeindebeamte) unnotwendige, überflüssige trunk und mahlzeiten verbraucht, dardurch der ganzen gmain ... unkosten spendiert worden tirol. weist. 3, 301 (17. jh.); zwei männer ... hatten, unter der groszen linde am tische vor dem wohnhause sitzend und ihren trunk verzehrend, der arbeit ... zugesehen Immermann 1, 124 Boxb.;
an welche gelehnt auf den kühlen
platten die mähder vom dorfe den trunk einnahmen
Mörike w. (1905) 1, 249.
der trunk labt, erfrischt, schmeckt, bekommt u. dgl.:
dasz sie darumb nicht gar verzagen ...,
sondern sich mit dem trunck erquicken
W. Spangenberg ausgew. dicht. 50 Martin;
die wohltat ..., ihre schmachtende zunge mit einem trunke zu laben Kästner verm. schr. (1755) 2, 187;
doch eh wir uns zu tisch thun setzen,
musz ich an einem trunk mich letzen
Baumeister zimmermannsspr. 72.
(eine scharf gewürzte speise) worauf ... ein trunk schmecket Olearius persian. reisebeschr. (1696) 104ᵃ; dein trunk hat mir wohl gethan Schiller 4, 75 G.;
ginge wol lieber hinab zu Elysiens schatten und schöpfte
aus Lethes strome den labenden trunk
Klopstock oden 2, 74 M.-P.;
die dame, die Siegbert ... den labenden trunk (i. d. ausgabe v. 1869: trank) geschickt hatte Gutzkow ritter v. geist (1850) 1, 128.
d)
trunk im gegensatz oder als ergänzung zur speise: das einer mag seinen bissen und trunk frölich und sicher genieszen Luther 18, 394 W.; sprichwörtlich (vgl. oben D 1 b):
da schmeckt eim nach eim jägersprung
das essen und ein frischer trunk
Rollenhagen froschmeuseler (1595) f 1ᵃ;
dieses sind keine gute nachbarn, die nur den tisch und den trunck (d. h. essen und trinken) suchen
Lehman floril. polit. (1662) 2, 545;
(er) ist keines schillings herr: hat kaum zu hoher noth
den abgemessnen trunk, die kleider und das brot
Rachel satyr. ged. 24 ndr.;
ich eil, ich setze mich (an den schreibtisch), ich misse trunk und essen
Benj. Neukirch ged. (1744) 146;
gnädige herren, einen bissen und trunk
Schiller 12, 15 G.
2)
spezialisierte bedeutungen.
a)
trunk als gegorenes getränk (wein, bier oder dgl.).
α)
we der druncke also vele tho sick nimbt, dat he ydt weddergifft schragen d. gilden u. ämter d. stadt Riga 276 Stieda-Mettig (a. d. j. 1403);
so müssen all die selig sein,
die geren trincken wein.
so wil ich der erst sein der anfecht (anfängt)
und eim trunck thun sein recht.
nun grüsz dich gott, du liebes tranck
spruch v. d. edlen wein b Götze (um 1530);
nun grüsz dich gott, du lieber trunck
ebda c;
aus dem weinreichen Palästina eingewandert, wollten die herren ihren trunk im lande selbst erzeugen Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 268; tranktatz 'abgabe ... für ausgeschenkten trunk' Unger-Khull 166ᵇ. den trunk verfälschen: (wirtsleute) die den gästen freundlich zusprechen, den trunk nicht verfälschen W. H. v. Hohberg georg. cur. (1687) 1, 68ᵃ; (dasz ich) keinen einigen trunk mit wasszer oder andern pretext fälschen und untermischen will in: Karpathenland 4 (1931) 32; werde mich auch nicht unterstehen, einen gutten trunk (seie es in wein, bier oder brantwein) ... zu vermischen ebda.
β)
selten geradezu als bezeichnung einer bestimmten getränkart: 3 leddege tunnen unde 1⁄2 tunne bers, 1⁄2 tunne drunke (dünnbier) Wismarer inv. a. d. j. 1440 bei Schiller-Lübben 588ᵃ.
b)
trunk als gifttrank. gewöhnlich durch ein adjektiv oder den zusammenhang in diesem sinne deutlich gemacht: als man nun frölich ist, reicht im die fürstin ein trunck, er trinckt und befindt sich gleich schwach Seb. Franck chron. Germ. (nov. 1538) 200ᵃ;
nun ich will auch meinem elend
mit diesem drunck machen ein end
Hans Sachs 2, 35 K.;
den prinzen ... mit einem trunke ... vergiften zu wollen Grabbe w. 4, 162 Bl.; hierher auch: ich halt, Socratis trunk hab ir (der päpste) vil hingnommen Seb. Franck chronica, zeitb. (1531) 295ᵃ. gelegentlich auch in absolutem gebrauch: es ist ihm ein trunck worden hausit poculum mortis Weismann lex. bipart. (1698) 2, 382.
c)
trank von zauberischer oder in verschiedener weise schädlicher wirkung: schicket dem keiser ... einen trunck, den er nit wiszt, woher er kame, von dem er drei gantz tag und nacht schlaffen muͦst Seb. Franck chron. Germ. (nov. 1538) 84ᵃ; so gab sie ihm einen sonderbaren trunck ein, von dem er nicht allein truncken, sondern auch unsinnig ward, dasz er nicht mehr reden konte Albertinus hirnschleiffer (1664) 153; im alten testament hatten die weiber einen wunderlichen trunk ...; so sie nun unschuldig (der unkeuschheit) bezüchtigt, fügte ihr dieser trunk den wenigsten schaden nicht zu Abr. a s. Clara mercks Wien (1680) 85.
d)
'arznei': der sich unter den trünken der ärzte aufs schärfste vomiert Kolbenheyer Paracelsus 3 (1926) 333; es ist ihm ein trunk worden potionatus est medicamento Weismann lex. bipart. (1698) 2, 382. vgl. mundartlich: dronk arzneitrank für tiere Gangler luxemb. 119.
e)
eine besondere art der spezialisierung liegt dort vor, wo trunk die bestimmte sorte, die jemand zu trinken gewohnt ist, bedeutet: der Paulus Praun hat auch wein an mich für ihn einzukauffen begehrt: nachdem ich aber seins truncks nicht fonden hab, nichts kaufft Paumgartner briefw. 35 lit. ver.; churfürst Fridrich ... tröwete ihm auff ein zeit, er wolte ihn unversehens einmahl kommen besuchen und sein trunck versuchen Zinkgref apophthegmata (1628) 1, 204; ähnlich:
nimm, Kyklop, und trink eins; auf menschenfleisch ist der wein gut,
dasz du doch lernst, welch ein trunk in unserem schiffe ruhte
Voss Odyssee 162 Bernays.
E.
im rahmen der dargelegten bedeutungen wurde trunk in einer anzahl von verbindungen, die an bestimmte trinksitten oder -gebräuche anknüpfen, fest, namentlich im zeremoniell des zutrinkens.
1)
einen trunk bringen, zubringen: und pring dir ... den ersten drunck, den ich heut thu am heiligen christag: thu mirn zu deiner gelegenheit bescheid Paumgartner briefw. 17 lit. ver.; welche meinen, wann sie einem einen trunck über tafel zubringen ..., so hätten sie alle dienste und treue schon genugsam belohnet Moscherosch ges. Philanders (1650) 1, 545; einem einen trunck (guten trunck) zubringen 'zutrincken' Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 1145ᵇ; da trank er dem landsknecht einen trunk des neuen bieres zu Cl. Brentano ges. schr. 5, 456.
2)
die art des zutrinkens wird durch ein adjektiv näher charakterisiert.
a)
in bezug auf die geneigte oder heitere gesinnung des zutrinkenden, im 15./16. jh. vor allem formelhaft ein freundlicher trunk 'crater amicitiae' nomenclator lat.-germ. (1634) 400:
das drinckgeschirr heben sie entbor
und bringent eim ein früntlich drunck,
do mit der becher macht glunck glunck,
und meinen do mit andere eren,
das sie den becher vor umbkeren
Seb. Brant narrenschiff 110ᵇ Zarncke;
guͦt gesell, ich will euch ein freundtlichen trunck bringen Kirchhof wendunmuth 1, 185 Österley. ähnlich: wenn die bawren noch sagen: herr, ein frölichen trunck! so sol der prediger mit ihnen in ehren frölich sein Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 2, B b b 4ᵃ; gnädiger könig! ihr majestät bring ein glückseligen trunk engl. comed. u. traged. (1624) f 3ᵇ;
und dem (könig) zu ehren
soll das geschütz heut jeden frohen trunk,
den Dänmark ausbringt, an die wolken tragen
Shakespeare 3, 155.
b)
das adjektiv betont die besondere menge des einem andern zugetrunkenen getränks, groszer, starker, guter trunk (vgl. auch oben B 5 b): poscere maioribus poculis mit groszen trüncken an einen setzen, eim ein groszen stauff oder bächer auszbringen Frisius dict. (1556) 1026ᵃ; die grosze thorheiten, die sie begiengen, und die grosze trünck, die sie einander zubrachten, wurden je länger je gröszer Grimmelshausen Simpl. 82 Scholte;
'herr doctor, nun seit guter ding!
ein starcken trunck ich euch hie bring'
und trinckt
'mein junckherr, den gesegn euch gott!'
Hans Sachs 21, 106 K.-G.;
der pfalzgraf herzog Reinhardt ... schlosz sein schreiben einigemal damit, dasz er einen stattlichen humpen und ein hohes trinkglas neben einander hinzeichnete und unter jenen schrieb: 'und bring dir einen starken trunk darneben aus brüderlicher treue' ..., unter das trinkglas aber: 'und bring dir darneben eins auf gut pfalzgräfisch' Scheible schaltjahr 1, 297 (a. d. j. 1564); ich bringe dem herrn einen guten trunck io le faccio un brindisi Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 1145ᵇ. ähnlich gemessener trunk: esz soll kein bruoder dem andren ein gemessen (abgemessen; der geehrte ist verpflichtet, in gleicher menge bescheid zu tun) drunck bringen, weder wenig noch vil ordn. d. Colmarer meistersängerschule (v. j. 1549) in: Alsatia 10, 107; (bestraft wird) so aim andern ain gemessnen trunckh zuebringt ... und der, so es annimbt und gewartet (bescheid tun, vgl. unten E 5) röm. mayestat ordn. guter pollicey in ders. fünff niderösterr. landen (1552) 5ᵇ.
3)
der zutrunk verbunden mit einem wunsch oder segen (s. u. 7): thett mir ausz einem wolgeschmacken gedranckh einen drunckh uff glückliche raisz ... zudrinkhen H. U. Krafft reisen u. gefangensch. 279 lit. ver.;
der trunk dieses weiten römers
auf gesundheit unsers Pöhmers
Paul Fleming dt. ged. 86 Lappenberg;
einen angenehmen trunck auff seiner liebsten wolergehen Chr. Weise polit. redner (1677) 162; eure hand! und noch einen trunck auf glückliche reise Göthe 39, 7 W. trunk als weihetrunk, den göttern, dem andenken eines verstorbenen, dem vaterland u. s. w. gewidmet: der erst trunck gehört Jovi Olympio, der ander den groszen herren zuͦ, der dritt becher ward in des groszen gots Juppiters namen austruncken. daher dann das sprichwort ...: der dritt trunck ist gots Seb. Franck sprüchw. (1541) 2, 3ᵇ; jeder trunk geschah zum preise einer seligen gottheit Körte sprichw. (1837) 523;
der trunk ihm, der blieb feste, da, als mir alles wich,
der trunk dem treuen jagdbub!
Otto Ludwig ges. schr. 1, 128;
ähnlich (vgl. oben B 5 a): wüszte mir kein erhebenderes schluszfest auszudenken, als den letzten trunk zu tun dem sich neigenden vaterland G. Keller ges. w. (1889) 6, 276.
4)
hierher auch einen trunk herumgehen lassen boire à la ronde, circulatim bibere Widerhold dict. (1669) 344ᵃ, indem jeder seinem nachbarn zutrinkt und ihm den trunk weiterreicht wie etwa beim stiefeltrinken:
darnach er gar bald eine (kanne) nimpt
und bringts follausz dem nechsten schon
und spricht: der drunck soll umbher gohn.
dem würt will solches kainr versagen
Montanus schwankb. 452 Bolte;
und last ein trunck herumer gahn,
dasz einer hat zu heben dran
nasse bruderschaft (1621) c 2ᵃ;
es geht ein trunk noch grade einmal um
Tieck schr. (1828) 3, 214.
5)
einem trunk bescheid tun: ouch nemant vam anderen geynen gelychen drunck ader bescheyt vordere ader wardt (nachbringe) Philipp v. Hessen (1526) bei Brant narrensch. 330 Zarncke; so hat er auch ... keinem ... keins gemessen truncks gewart noch anderm pracht Schwarzenberg v. zutrincken 6 ndr.; einen trunck bescheid thun Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1145ᵇ; warum weigert sich mein sohn Lorenzo, auf diesen freundlichen trunk bescheid zu thun? Schiller 4, 247 G.; dasz er ..., wenn ihm ein älterer fürst nicht mit gleich starken zügen bescheid im trunke thut, gleichsam beleidigt aufsteht Ranke s. w. 4, 200; diesem trunke (dem todesbecher) musz jeder bescheid thun bei Wander 4, 1345.
6)
im gegensatz hierzu: einen trunk (zutrunk) abschlagen, schuldig bleiben, versagen:
da (beim gelage) hast du mich durch deinen list ...
darhinder bracht, das ich nit hab
kein trunck keinem nit gschlagen ab,
wie hoch die kanttel (kanne) immer wer
H. R. Manuel weinspiel v. 2823 ndr.;
ist aber jemands dem andern ein drunck zuͦm selben mal schuldig bliben, der wurt etwan am morgen des selben halben zuͦ reden gestelt Bock speiskammer (1550) 115; man helts für ein grosze schandt ..., wann einer dem andern einen trunck versagen und nit redlich bescheidt thut Albertinus de conviviis (1598) 35ᵃ;
(will jemand) keinem keinen trunck versagen,
seufft, das im uberleufft der magen ...,
verderbts alls umb den magen rumb
Eyering proverb. copia (1601) 2, 316.
7)
den trunk gesegnen 'einem trinkenden oder zutrinkenden mit einem segenswunsch aufwarten oder bescheid tun' (vgl. teil 4, 1, 2, 4018, ferner oben 3): liesze ers über das trincken gehen, da er dann nit weniger thun konte, als mir eins zuzubringen, wann er anders haben wolte, dasz ihm jemand den trunck gesegnen solte Grimmelshausen Springinsfeld 11 ndr.; in ähnlicher auffassung, aber abgeblaszter:
der sonne heb entgegen
den becher jungen weins,
und heischt der trunk den segen,
so wünsche segnend eins
Geibel ges. w. (1883) 2, 15.
ironisch, wie auch meist die redensart das bad gesegnen (vgl. teil 4, 1, 2, 4018f.): der gärtner ... hatte eben das geschirr an den mund gesetzt, als der ... flegelfechter ... herfürsprang und dem ehrlichen gärtner ... einen harten streich ins gesicht versetzte ... nachdem er ihm solchergestalt den trunck gesegnet, gieng er Francisci alleredelste rache (1668) 85.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1940), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1375, Z. 1.

trunk2, m.

²trunk, m.,
hohle kolbenstange bei dampfmaschinen, insbes. schiffsmaschinen. junge entlehnung der technischen fachsprache aus engl. trunk, vgl. Lueger lex. d. ges. techn. 7, 221; Hoyer-Kreuter technol. wb. 1, 781. dazu eine reihe von zusammensetzungen: die trunkartig ausgebildeten kolben v. Alten hdb. f. heer u. flotte 2, 557; trunkfläche Lueger a. a. o. 7, 221; trunkkolben Karmarsch-Heeren techn. wb. 5, 673; trunkmaschine, trunkrohr ebda 7, 666; trunkzapfen, -zapfenlager Lueger a. a. o. 7, 221.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1940), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1390, Z. 21.

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Zitationshilfe
„trunk“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/trunk>, abgerufen am 04.08.2021.

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