Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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trupp, truppen, truppe, m.f.

trupp, truppen, truppe, m.;pl.;f.
herkunft und form. trupp, m., und truppe, f. (s. unten C) haben sich in form, geschlecht und bedeutung zwar gekreuzt, sind jedoch selbständig entlehnt.
1)
das masc. erscheint mit dem 13. jh. in mnl. trop (s. Verwijs-Verdam 8, 730), auf deutschem boden erst seit beginn des 17. jhs. sicher bezeugt; der beleg aus K. Stolle (s. sp. 1414) ist fragwürdig. vereinzelt bleibt ein neutrum ein tropp (akk.) Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 2, 128. — das wort ist zufrühest in mlat. troppus 'herde' bezeugt, vgl. si enim in troppo (eine hs. d. 9. jhs. hat die glosse lege stuͦte, eine des 11. jhs. id est stuote) de iumentis illam ductricem aliquis involaverit leges Alamann. 133 Lehmann (2. hälfte d. 7. jhs.); afrz. trop (12. jh.) und trope (un grand trope d'œilles fabliaux 4, 4 Barbazan-Méon), vgl. Gamillscheg etym. wb. 869 s. v. trop u. 870 s. v. troupe und Romania germ. 1, 195, wohl aus einem fränk. *þrop 'haufen' entlehnt (ahd. drupo, thrupo cuneus, erläutert durch turbas minoris manaki minira bzw. meiniki minnira ahd. gll. 1, 74, 6 St.-S. gehört nicht hierher), vgl. aisl. þorp 'menschenhaufen, schar, gehöft', norw. torp 'haufen z. b. von kühen, reihe unansehnlicher häuser, kleines gehöft', färöisch torpur, m., 'gehöft, flecken', ags. đorp, m., u. s. w.; weiteres s. Walde-Pokorny 1, 750 u. 757 (wo aber die trennung von dorf nicht überzeugt), Torp 797, Hellquist 993. seit dem 16. jh. bezeugtes frz. trope, troupe, fem., 'herde, haufen, schar' (belege bei Littré dict. 4, 2367) ist rückbildung aus frz. troupeau 'herde, menge' (12. jh. prov. tropel) ˂ mlat. tropellus (s. du Cange-Favre 8, 194), einer ableitung aus mlat. troppus, vgl. Gamillscheg 870, Meyer-Lübke rom. etym. wb. (1935) nr. 8938. da mnl. trop und nd. tropp des anlauts wegen nicht unmittelbar auf fränk. *þorp zurückgeführt werden können, ist rückentlehnung aus afrz. trop(e) (oder mlat. troppus, so Franck - van Wijk 709), die sich später mit einer im 17. jh. erfolgten neuen übernahme von frz. troupe gemischt hat, das wahrscheinlichste, vgl. auch nl. (mnl.) troep, m. (s. Verwijs-Verdam a. a. o.). — die deutschen mundarten kennen fast durchweg nur das masc., teils mit kurzem -o-, teils mit kurzem -u-, vgl.trop Jensen nordfries. 644, tropp Woeste-Nörr. 275, Flemes Kalenberg 370, trop Schambach Gött. 235, Damköhler Nordharz 196, troppᵉ (flektiert -eⁿ) Fischer schwäb. 2, 404; trupp Hertel Thür. 248, drupp Crecelius oberhess. 306, trupp Hönig Köln 183, trup Rovenhagen Aachen 148, dru̜b (in Schopfheim u. s. w.) bad. wb. 578, trapp (˂ tropp) lux. ma. 441, truppeⁿ Martin-Lienhart elsäss. 2, 763, troppen Friedli Bärndütsch 3, 198, trupp Schmeller-Fr. bair. 1, 673, Schöpf tirol. 762. für das schlesw.-holst. wird trupp, tropp als fem. angeführt, s. Mensing 5, 170, ebenso drub für Handschuhsheim bad. wb. 578; lothr. dropp Follmann 106 irrig als f. angegeben, aber in der wendung e ganzer dropp ersichtlich masc. die älteren schriftlichen zeugnisse zeigen noch im 17. jh. vorwiegend -o-, das im beginnenden 18. jh. aus der literatursprache verschwindet, vgl. trupp, antic. tropp Kramer t.-ital. 2 (1702) 1157, tropp Melissus Salinde (1718) 88, aber jägersprachlich länger bewahrt ist, vgl. in troppen oder rudeln Döbel jägerpract. (1754) 1, 28, tropp, troupp, trupp Kehrein waidmannsspr. 295. aus der neuentlehnung von frz. troupe, f. (s. u. 2), dringt ou auch in das masc. ein, vgl. troup W. Dilich kriegsb. (1607) 287, und wird dann durch u ersetzt, das im 18. jh. schriftsprachlich durchdringt, vgl. einen truppen Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustwald (1657) 2, 171, ein trupp Gladow à la modesprach (1727) 68ᵃ. im 17. jh. gelegentlich mit -pf belegt, vgl. einen tropff P. Petreius hist. v. Moskau (1620) 117, einem tropff M. Hammer hist. rosengarten (1654) 8 und vortropf (v. j. 1603) teil 12, 2, 1795 s. v. vortruppe. im plural hat trupp bis gegen ende des 18. jhs. meist die schwache endung -en, also mit der von truppe, f., gleichlautend; doch begegnen noch im 19. jh. fälle, in denen truppen nur als plural von trupp, m., 'haufe' verstanden werden kann, vgl. unten Görres ges. br. 1, 334, A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 356. starke pluralformen auf -e sind selten, vgl. tröppe Prätorius winterquartier (1676) 11; einige truppe Joh. Wetzel sat. erz. (1777) 1, 27, der trupp, plur. die truppe Adelung 4 (1780) 1093, vgl. mundartlich noch tröppe Schambach Göttingen 235, Buchrucker Elberf. 165, Leithäuser Barmen 160, truppe (plur.) Hönig Köln 183, drep, trep (˂ tröppe) Follmann lothr. 106. seit ende des 18. jhs. wird der plur. mit -s gebildet, vgl. z. b. trupps G. Venturini taktik (1798) 1, 2, 150 und lexikalisch beide plurale truppe, trupps bei Campe 4 (1810) 903. — vereinzelt bleibt endungsloser plural, vgl. manche tropp ochsen (v. j. 1623) sieh unten A 1; zwei trupp ... offiziere Schiller br. 7, 56 Jonas. im singular finden sich, besonders im 17. jh., unter der einwirkung des schwachen plurals schwache singularformen, vgl. nom. ein troppe neben ein tropp reisen Fernandi Pinto (1671) 369; dat. von einem trouppen Grimmelshausen Simpl. 16 Scholte; akk. einen truppen Neumark fortgepfl. mus.-poet. lustwald (1657) 2, 171, Celander verliebt. stud. (Cölln 1714) 1, 99; -en ist auch in den nom. gedrungen, vgl. troppen Casp. Ensz fama Austr. (1627) 190ᵇ, Abr. a s. Clara neue pred. 203 Bertsche; vgl. mundartliche formen wie troppᵉ (pl. troppeⁿ) Fischer schwäb. 2, 404; ein troppen Friedli Bärndütsch 3, 198; truppeⁿ Martin-Lienhart elsäss. 2, 763.
2)
truppe, f., aus frz. troupe, j., entlehnt, ist seit dem anfang des 17. jhs. bezeugt, vgl. die erste troupe W. Dilich kriegsbuch (1607) 251; zur herkunft s. näheres oben sp. 1410. wie truppe (troupe) auf trupp (tropp) hat auch das ältere lehnwort tropp auf truppe formal eingewirkt in den mischformen troppe, vgl. eine troppe Corvinus fons lat. (1623) 850, einer troppe A. Freitag archit. milit. (1631) 127, trouppe, vgl. trouppen v. Chemnitz schwed. krieg 3, 1 (1655) 3ᵇ; bei der schon im beginn des 17. jhs. auftretenden und gegen anfang des 18. jhs. zur herrschaft gelangenden form truppe, die ihren kurzen vokal dem masc. tropp, trupp verdankt, kann auszerdem ital. truppa einflusz gehabt haben, vgl. keine truppe (am rande keine truppa) J. Th. de Bry v. d. ampt e. generalfeldtobersten (1617) 48. mit schwacher flexion: dasz er (der obrist) ebenfalls zu unserer trouppen ... geschworen hätte Springensfelds kurzw. reise (1676) 48; unter eine grosze truppen bettler Scheuchzer physica (1711) 1, 240. im 17. und 18. jh. sind trupp, m., und truppe, f., auch in ihrer militärtechnischen anwendung noch nicht unterschieden; später grenzt die sprache beide wörter hier fühlbar gegeneinander ab, indem trupp für einen kleineren militärischen verband, truppe mehr für kollektivbegriffe wie 'heer, waffengattung' geltung hat so wie im ganzen zeitraum der plural truppen (s. unter B).
bedeutung und gebrauch.
A.
trupp, m. nach mlat. troppus (sieh oben), afrz. trop(e), frz. troupeau zu urteilen, ist 'herde, rudel' die grundbedeutung des wortes; im mnl. auch auf eine 'schar von menschen' angewendet, ohne dasz das militärische dabei hervorträte. diesen bedeutungsstand zeigt ebenso das deutsche vor allem noch in den mundarten, in denen trupp durchweg für eine schar tiere oder menschen gebraucht wird. seit dem 17. jh. kreuzt das neu entlehnte fem. truppe (sieh unten sp. 1417) insofern auch in die bedeutung von trupp herein, als dieses in der schriftsprache vielfach eine 'abteilung soldaten' bezeichnet, in jüngerer sprache im gegensatz zu truppe einen kleinen militärischen sonderverband, vgl. auch 'kleinere haufen soldaten nennt man truppe, trupps' Campe 4 (1810) 903 und vortrupp teil 12, 2, sp. 1794 sowie die modernen zusammensetzungen stosztrupp, spähtrupp, panzertrupp u. s. w. die im 17. und 18. jh. bezeugten belege des militärischen bezirks sind hier eingereiht, wenn das lemma im singular als masc. erkennbar ist oder im plural die bedeutung 'einzelne haufen' deutlich heraustritt.
1)
'haufen von tieren, herde, rudel', vgl. mnl. een trop swine Jakob van Maerlant rijmbibel 22927 David:
manche tropp ochsen hab ich gesehen
die riegel (tore) durchmarschiren
(1623) bei Steiff-Mehring geschichtl. lieder Württembergs (1912) 517;
ich nun wider schaw vor augen
tausent weiszer lämmerlein:
Halton wider lasset saugen
tausent bunte kälberlein ...
sieben troppen lasz ich leiten,
also grosz ist meine schaar
Fr. v. Spee trutznachtigall (1649) 327;
ein trupp viehes una truppa cioè greggia ... di bestiame Kramer t.-ital. 2 (1702) 1157;
klimmt ein weiszer trupp von schafen
langsam dort vom berg herab
J. N. Götz verm. ged. (1785) 2, 10;
zwei knaben jagten einen trupp schafe Jer. Gotthelf schuldenbauer (1854) 34; während ... ein trupp elephanten in der ferne seinen durst im blauen flusse löschte fürst Pückler briefw. 6, 18; ein trupp gänse W. Raabe kinder v. Finkenrode (1859) 35; (ein) trupp junger stiere S. v. Schwerin-Dönhoff erinn. (1909) 68; kein haus und kein baum, nur hier und da ... ein trupp schwerer rinder oder edler junger pferde Gust. Frenssen Hilligenlei (1920) 61; in dieser verwendung besonders häufig in den mundarten, vgl. z. b. n trupp gös Mensing schlesw.-holst. 5, 170; Woeste westf. 275; en trop jense Damköhler Nordharz 196; ən trop gaizə B. Martin Waldeck 278; n dropp kôi, die gains uff an dropp dreiwe Crecelius oberhess. 306; (ein) troppen gusteni (kälber) Friedli Bärndütsch 3, 201 u. s. w. — 'schwarm' vögel, vgl. mnl. een trop sprewen (stare) Penning-Vostaert Walewein 2128 Jonckbl.: im strich und anfangs, wenn sie (die krammetsvögel) unter den weindrosseln und halbvögeln ankommen, ziehet man auch nach kleinen troppen und häuflein, auch eintzeln, und nimpt mit, was da kompt Aitinger v. vogelstellen (1653) 283; wenn die kraniche Thraciam verlassen ..., versammeln sie sich häuffig ... beym flusz Hebro und ordnen sich da in gewisse tröppe J. Prätorius winterquartier (1676) 11; dieselbe (flamingos) fliegen hauffenweise beyeinander ..., (und) sobald er (der wachthabende vogel) menschen erwittert, er augenblicks mit einem geschrey das zeichen gibt, worauf ihm alsofort der gesammte trupp folget Er. Francisci d. letzte rechenschafft (1681) 1015; ein trupp rebhüner una compagnia, schiera di starne Kramer t.-ital. 2 (1702) 1157;
und der spielende trupp (tauben) schwirret zu ihm
herab
Hölty ged. 114 Halm;
wie ein gescheiter rabe, von ohngefähr mit einem trupp staaren vergesellschaftet, über einen weinberg fliegt maler Müller w. (1811) 1, 141; (es ist) ebenso schwer an einen flug gänse heranzukommen wie an einen trupp trappen tägl. rundschau 1902, nr. 515, 4. beil., s. 1. — 'rudel' wild: ein groszer trop wildpreth von 20, 30 oder mehr thieren J. Täntzer Dianen jagdgeheimn. (1682) 1, 84; im truppe oder rudel H. W. Döbel jägerpract. (1754) 1, 4: in troppen oder rudeln ebda 28;
aus dunkler fichtengruppe
wallt am beschilften moor
in dichtgedrängtem truppe
das leichte wild hervor
Fr. v. Matthisson schr. (1825) 1, 135;
ein trupp gemsen sprang über die platten den grat entlang H. v. Barth Kalkalpen (1874) 409; dann kam ein trupp hirschkälber und hirschkühe, zwei oder drei hochgeweihte hirsche voraus Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 6, 284; gemschi ... mit den rudeln oder troppen Friedli Bärndütsch 3, 121.
2)
'zug, schar, haufen, gruppe' von menschen auszerhalb der militärischen verwendung, vgl. mnl.
in enen trop van ouden wiven
van den vos Reinaerde 819 Jonckbl.
'zug, aufzug': russische und tartarische reuter ... umbritten unsern troup (die gesandten und ihr gefolge) Olearius persian. reisebeschr. 64 in: verm. reisebeschr. (1696); soll ... geschehen seyn, ... dasz auch die frau Holla fürüber gezogen, da der treue Eckart vorne an im troppe gewesen und die begegneten leut gewarnet hat J. Prätorius saturnalia (1663) 403; hier kommt eine bachanalie und ein aufzug ... sie fährt daher, die göttin (Aphrodite) und um sie herum die grazien ..., Amor beschlieszt den feyerlichen trupp briefe, die neueste literatur betreffend 4 (1762) 215; just mitten unter den trupp (demonstrationszug), der sich durch viele strasen durch erstreckte Lichtenberg br. 1, 5 L.-Sch.; als man am andern morgen ... in einem starken trupp aufbrach Fontane ges. w. I 6, 111; und wenn sie auch im trupp mit den jägern und edlen hinausreitet R. Binding Angelucia (1937) 9. formelhaft den trupp führen anführer sein: (wir) fragen nicht darnach, ob einer unter den purschen (studenten) den troup geführet hat oder ob er in dem letzten gliede nach geschliechen ist Chr. Weise polit. acad. (1684) 16; bildlich: unter alldiesen wunderschweiszen aber führt der blutige unsers heilandes billich den troppen (steht obenan) Chr. Frz. Paullini erbaul. luststunden (1695) 712; unter denen (den marktschreierischen gelehrten) mag Gorgias Leontinus den troupp führen J. B. Mencken v. d. charlatanerie (1716) 63. 'haufen, schar': alsdann kan man mit trouppen von 25 und 30 mannen deren (der feisten böcke) genug bekommen (d. h. fangen) Ad. Decker diurnal (1629) 9; auf einen büchsenschusz darvon (ist) ein trop von seinen freunden und ein pferd für ihn bestellt gewesen Harsdörffer d. gr. schauplatz (1653) 1, 308; so theilete ich meine leute in drey kleine trouppen ein und schickete sie aus umb lebensmittel ... zu suchen Talander hist. reiseb. (1699) 866; beschreibung des truppes loser weiber Bodmer v. d. wunderbaren (1740) 417; ein trupp Franziskaner (war) ausgeschickt worden Th. Abbt verm. w. (1768) 6, 1, 11;
da überfiel den hof ein trupp verlaufnen gesindels
plündernd
Göthe 50, 236 W.;
einzelne truppen von studenten (haben) bei uns übernachtet Görres ges. br. (1858) 1, 334; fast bis im herzen des landes sehen wir ... kleine truppen von fünfen oder sechsen ... der Wesergegend zustapfen A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 356; wir begegneten einem trupp von arbeitern Holtei erz. schr. 38, 35; zwischen diesen trupps von drei, vier, fünf menschen, die näher oder ferner die strasze umschweiften, kam nun unser verdüstertes paar einhergegangen Immermann 4, 76 Boxb.; plötzlich führte er, die lupe in der hand, den trupp (herren) in ein anstoszendes zimmer G. Keller ges. w. (1889) 3, 52; die ganze chaussee war voller menschen, kleine trupps, familien mit kind und kegel, die zum fest zogen H. v. Kahlenberg Eva Sehring (1901) 51; ein trupp spielender kinder G. Keller ges. w. (1908) 8, 6; so häufig in mundarten: n trupp kinner Mensing schlesw.- holst. 5, 170; ən trop blagen (kinder) Leihener Cronenberg 124. von einer zusammengehörigen, aber nicht räumlich zusammenbefindlichen gruppe von menschen (vgl. etwa reihen 4 u. 5 teil 8, 647ff.): der grosze trupp mechanischer philosophen Herder 15, 320 S.; an einem groszen trupp schüler kanns ihm (Sulzer) so nicht fehlen Göthe 37, 211 W.;
(die weisheit reiszt) der deutschen langsamkeit die schuppen vom gesichte ...,
so sehr es auch forthin den alten trupp verdrieszt
(d. i. den kreis der alten leute)
J. Chr. Günther ged. (1735) 384.
in eine mengenbezeichnung übergehend:
... der mensch ist
nicht gemachet, die freuden, die ihm in truppen begegnen,
anzuhalten, sich allen zu geben und keine zu meiden
Bodmer Noah (1752) 62;
so besonders in der verbindung ein ganzer trupp ein beträchtlicher haufen, eine erhebliche menge: darauf folgten gleicher weise gantze trouppen und hauffen solcher mannsbilder Chr. Lehmann hist. schauplatz (1699) 362; sie vermuthen, es müste ein recht bezauberndes schauspiel seyn, ganze truppen von mädchen und jünglingen zu sehen Wieland I 3, 384 akad.; (ihr habt) aus einem ganzen trupp von hunderten (von mädchen) gerade die beste herausgenommen H. P. Sturz schr. (1779) 2, 66; seine leute (gingen) ... in ganzen trupps auf und davon Fontane ges. schr. I 2, 94; es ist leichter einen ganzen trupp kinder aufzuziehen als ein einziges E. Frommel vergangenes (1929) 157; en ganzen tropp lütt (leute) Leithäuser Barmen 160; ᵉn gantsᵉ n trop eine grosze anzahl Bauer-Collitz wald. 105ᵇ; vgl.et sal kein dicke trop sin es soll keine grosze menge sein (von den mädchen in der spinnstube gesagt) Schambach Göttingen 235. — anwendung auf leblose dinge, wie im mnl., ist im dt. nicht geläufig, sondern beruht auf bildlichem gebrauch: ein trupp ärmlicher hütten, der ein dorf hiesz Immermann w. 2, 142 Boxb.; (ein) trupp eichen A. Reinbold in: dtsch. novellenschatz 4, 48 Heyse-Kurz; (ich) habe ... einen ganzen trup von geschäften vor mir Gleim in: briefwechsel zw. Gleim u. Uz 229 Schüddekopf; ganz rasch wurde dann von dem gefragten ein trupp worte und sätze vorgeführt Hans Grimm volk ohne raum (1928) 1, 427. — selten wie sonst truppe von einer 'gesellschaft' von schauspielern (s. unten sp. 1418): der chursächsische hof hat bisher in Dresden einen trupp schauspieler gehalten, der unstreitig einer von den vorzügligsten in ganz Deutschland ist Lessing 18, 214 M. (v. j. 1776); ein trupp komödianten ist hier Knebel in: ungedr. br. v. u. an Herder 3, 157 Düntzer.
3)
'haufen, schar, abteilung' soldaten, vgl. schon mnl.
als theer versament wart te stryde,
... was ter menich trop te samen
Jakob van Maerlant hist. van Troyen 2, 21835 Verd.;
fraglich dagegen: sagite man, das der Burgundir ... solde den ganzen tag bisz in die nacht gestormet (haben) ... unnd hatten eyn geferte uff raden an die stad Nusz (Neusz) bracht, do worn troppen (wohl fehlerhaft für treppen) inne, das sie meynten ubir die muren zu louffen unnd das zuschosszen (zerschossen) sie usz der stad (z. j. 1474) K. Stolle chron. 87 Hesse, vgl. treppen ebda 204.
a)
als 'abteilung, schar, haufe' von verschiedener grösze; im 17. und frühen 18. jh. oft für eine gröszere heeresabteilung, später wie noch heute zumeist für kleinere gruppen: ordnen sie (die Tataren) ihr volck in tropffen und setzen drey oder vier tausent in einen tropff P. Petreius hist. v. Moskau (1620) 117; ein trupp von mehr als zweihunderten (zieht) nach der stadt zu Göthe 8, 126 W.;
so teilen wir das heer in trupps zu hundert
Z. Werner dramen 145 Kl.;
gröszere trupps ... wie jene zwanzig Russen G. Freytag ges. w. (1886) 21;
er soll den feind auch nicht im vortheil attaquiren
und allzu furieux die ersten trouppen führen
J. P. de Memel lust. gesellsch. (1656) 302;
kleine armeen (der Griechen) besiegten die zahlreichsten trouppen (der Perser) H. v. Fleming t. soldat (1726) 86; (die) kompanie, zum teil in blosze trupps aufgelöst Fontane ges. w. I 1, 83; (die deutsche infanterie) klettert in starken trupps vom Cap de Bon Espérance herab W. Beumelburg sperrfeuer (1929) 177. mit näherer bestimmung, namentlich der waffengattung: ein troppen keyserisch, mehrerteils ungarisch volck Casp. Ensz fama austr. (1627) 190ᵇ; er ein tropp reuter zu seines herrn dienst zu führen übernimbt Harsdörffer frauenzimmergesprächsp. (1641) 2, 128; von einem tropff reutern M. Hammer hist. rosengarten (1654) 8; von einem trouppen courassirer Grimmelshausen Simpl. 16 Scholte; vor einen jeglichen cuneum oder troup fuszvolck H. v. Fleming t. soldat (1726) 284; erscheinung eines trupps berittner landsknechte H. v. Kleist w. 3, 203 E. Schmidt; von einem trupp grenadiere und jäger, etwa hundert mann stark Nettelbeck lebensbeschr. 3 (1823) 108; voran mit der fahne schritt ein trupp soldaten Eichendorff s. w. (1864) 3, 244; der erste trupp freiwilliger reiter W. Raabe hungerpastor (1864) 2, 56; Jörg erwartete den trupp französischer reiter W. Beumelburg Mont Royal (1936) 81.
b)
im 17. und frühen 18. jh. auch gleichgesetzt mit einer gröszeren militärischen einheit (bataillon, kompagnie, eskadron), ohne dasz trupp selbst für einen zahlenmäszig genau festgelegten verband terminologische geltung besäsze, vgl. trupp (bataillon) musketierer Kramer t.-ital. 2 (1702) 1157; bataillon, der halbe, dritte oder vierdte theil eines regiments zu fusz, ein trupp soldaten von etlich hundert mann Gladow à la modesprach (1727) 68ᵃ; jenes (das fuszvolk) wird getheilet in compagnien (fähnlein), dieses (die kavallerie) in escadrons, beedes heiszen truppen Comenius janua (1760) 556: von den Merzischen reutern 5 oder 6 troppen oder compagnien Bürster schwed. krieg 89 Weech; bey ihrem tropp und squadrone v. Troilo oriental. reisebeschr. (1676) 336; darnach ist das wort (brigade) einem troup oder hauffen soldaten beigelegt, so unter einem chef stehen, der daher brigadier genennt wird, weil er einen gewissen troup oder hauffen führet H. v. Fleming t. soldat (1726) 115. dann für einen kleinen verband mit besonderen aufgaben: dieserhalb musz bei der passage solcher terrains zwischen den teten der kolonnen eine kette von infanterietrupps gezogen werden. diese trupps sind 30 mann und 10 offizier stark und alle 100 schritt marschirt ein trupp G. Venturini taktik (1798) 1, 2, 150; heute als teil der gruppe, der kleinsten kampfeinheit: die entwicklung des trupps oder der ganzen gruppe erfolgt stets auf den anschluszmann ausbildungsvorschrift f. d. infanterie 2 a (1935) 151, vgl. die composita schützentrupp, maschinengewehrtrupp. als terminologische bezeichnung neu eingeführt für eine einheit der SA und SS der NSDAP, etwa 50-80 mann umfassend, vgl. auch truppführer. ungewöhnlich als kollektivbezeichnung 'heeresteil': es ist ... eine penible sache für einen soldaten, in einem trupp zu seyn, der besiegt ... zurückkommt Laukhard leben u. schicksale 3, 242;
wie wenn ein siegender trupp herschreitet, müde vom siegskampf
Baggesen poet. w. (1836) 1, 134.
c)
im 17. und 18. jh. wird auch die feste ordnung oder aufstellung eines militärischen verbandes als trupp bezeichnet (vgl. auch truppieren sp. 1424), so in den wendungen 'trupp halten garder les rangs, heiszet in ordnung marschiren' Fäsch kriegslex. (1735) 931 und sich zum trupp retirieren und ähnl.: dasz man (als einzelner) sich (auf patrouille) nicht zu weit hienausz begebe ... und wie man sich widerumb zum troup reteriren solle Wilh. Dilich kriegsb. (1607) 287; beim trupp halten in der schlachtordnung bleiben, dann allgemein 'stand halten': denn dieser kaum gegen seine beyde feinde etliche creutzhiebe gethan hatte als sie schon darvon lieffen und beym trop hielten gleichwie der haas bey der trommel Melissus Salinde (1718) 88; vergleichbar:
frischdrein! festgeschlossen! den trupp voll und dicht gestellt
E. M. Arndt w. 6, 175 R.-M.
d)
daher trupp als bezeichnung eines trommelsignals, durch das ursprünglich zum antreten befohlen wurde, das später auf besondere gelegenneiten wie fahnenabholen, milit. begräbnis beschränkt war, vgl. dazu Rüstow milit. hdb. (1858) 2, 336; meist in der formel trupp schlagen, vgl. truppschlag sp. 1424: bey ankunft der fahnen wird das gewehr praesentirt, troup geschlagen und mit der fahne in das bataillon eingerückt H. v. Fleming t. soldat (1726) 221;
wir aber donnern in die luft
dein leztes lebewohl dreimal ...
trupp.
eilt, kameraden, von der gruft!
weil uns die trommel wieder ruft
Schubart s. ged. (1787) 2, 318.
B.
truppen als plurale tantum in militärtechnischem gebrauch. eine sonderentwicklung nimmt als militärischer terminus der plural die truppen, der zunächst sowohl trupp, m., (s. A 3) wie truppe, f., (s. C 1) angehören kann, seit dem 19. jh. aber nur noch zu truppe, f., gehört, vgl. trupp, der ... truppen, die Steinbach wb. (1734) 2, 877, aber der trupp, plur. die truppe und die truppe, plur. die truppen Adelung 4 (1780) 1093. auszer einer mehrzahl einzelner abteilungen bedeutet er als sammelbegriff 'heeresteil, soldaten, heer', ohne dasz dabei an eine bestimmte formation gedacht würde, vgl. die truppen le truppe, militie, soldatesche Kramer t. -ital. 2 (1702) 1157; 'trouppes, trouppen heiset eigentlich ein haufen oder eine menge soldaten, darunter aber auch vielmals eine gantze armee verstanden wird' Gladow à la modesprach (1727) 761ᵃ; truppen oder volck werben to raise forces Chr. Ludwig t.-engl. (1716) 2035. der ausgangspunkt dieser anwendungsweise liegt wohl bei solchen fällen, wo truppen mit einem nationalitätsadj. verbunden die gesamte streitmacht eines landes, herrschers u. dgl. oder gröszere teile ihres heeres bezeichnet, vgl. 'kleine haufen soldaten bekommen, wenn sie bestimmt bezeichnet werden sollen, den nahmen der truppen nicht' Adelung 4 (1780) 1093: dieweil die newe schwedische, längst erwartete trouppen nunmehr ... angelanget (sind) v. Chemnitz schwed. krieg 3, 1 (1655) 13ᵇ; ein groszer kerl, ... der lange zeit unter den teutschen truppen gedienet hatte E. G. Happel akad. roman (1690) 27; dasz ihr vaterland so viel durch die fremden truppen gelitten M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 4, 135; die französischen truppen seien decouragiert Fontane ges. w. I 2, 168; die russischen truppen auf dem rechten Weichselufer erhielten ... befehl über die Weichsel zu gehen Ludendorff kriegserinn. (1919) 83.
herfur Sobrino drauff mit seinen trouppen ruckte,
ein jeder drunter auch herausz die wehre zuckte
D. v. d. Werder ras. Roland 16. ges., 37. str.;
befahrend, wan es recht gelten solte, möchten die trouppen nicht fechten wollen v. Chemnitz schwed. krieg 4 (1644) 1, 51ᵇ;
die troppen müsten seyn gar keck,
die nicht 'so bald verfielen,
wann mit dem canon übereck
er (gott) anfängt dreinzuspielen
bei Fischer-Tümpel 4, 262;
die officiers sollen ..., wo ein preuszisches lager aufgeschlagen oder ein considerables corps trouppen zusammengezogen wird, allezeit die escarpen um haben reglem. vor d. kgl. preusz. cavallerieregim. (1743) 141; zu completierung ewr. königlichen majestät hiesigen troupen habe (ich) bereits alle anstalten gemacht Lessing 18, 468 M.; aus diesem grunde müssen sie (die magazine) erstens von den agirenden truppen getrennt werden G. Venturini taktik (1798) 2, 1, 58; macht, die disposition über truppen und geld K. L. v. Haller restaur. d. staatswiss. (1816) 1, 66;
könig Friedrich (zu Maria Theresia): ...
meine truppen seynd allert
und sehr wohl geübet
(v. j. 1745) bei v. Ditfurth histor. volksl. d. preusz. heeres 8;
was denkt die majestät von ihren truppen?
sind wir nicht menschen?
Schiller 12, 119 G.;
wir sehen täglich truppen (militärische abteilungen) allerlei art, einzeln oder in gröszerer anzahl (v. j. 1809) W. Grimm briefw. (1881) 128; unsere truppen (wären) zum schutze des kurhessischen volkes aufgeboten Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. (1890) 8, 35; führer und truppen am feinde hatten mit der obersten heeresleitung das gefühl ... Ludendorff kriegserinn. 471. — formelhaftes: truppen werben u. ähnl., vgl. truppen werben levare truppe Kramer t.-ital. 2 (1702) 1157ᵇ:
und diese truppen allzumal
geworben sind mit gröszrer wahl
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 171;
in Rom ... nahm man überdies truppen in sold Ranke s. w. (1867) 40/41, 423. feste verbindungen: regulierte, regelmäszige, reguläre truppen, vgl. 'regulirte trouppen nennet man die geworbenen völcker zum unterscheid der gewaffneten bürgerschaft und der landmilitz' Gladow à la modesprach (1727) 761ᵃ: fände dieser satz bey einigen grosen dieser welt beyfall, man brauchte nicht ... regulirte truppen Lichtenberg nachlasz 49; von der mannszucht der regelmäszigen truppen Göthe 22, 33 W.; ebenso sind die soldaten in einem regimente regelmäsziger truppen überein gekleidet Hegel w. (1832) 10, 1, 162; reguläre truppen Novalis s. unten. stehende truppen 'stehendes heer': aufrichtung eines regiments, das seine selbständigkeit auf ergiebige finanzen und stehende truppen stützte L. Häuszer dt. gesch. (1854) 1, 4. leichte truppen 'leichtbewaffnete, bewegliche heeresteile': wenn er sie mit den leichten truppen überfiele Heilmann gesch. d. pelop. krieges (1760) 435; L. S. v. Brenckenhoff abhandlung über die einrichtung der leichten truppen und deren gebrauch im kriege (1785) titel; nur leichte truppen werden von diesen mauern abgehalten, wogegen ein bataillon reguläre truppen mit ein paar zwölfpfündern bald eine bresche schösse Novalis schr. 2, 59 Minor. häufig übertragen gebraucht:
... der lächelnden
Amoretten und Grazien
leichte truppen
J. N. Götz verm. ged. (1785) 1, 170;
freilich sind die rezensenten nur leichte truppen F. M. Klinger w. (1809) 11, 322. in moderner heeresfachsprache z. b. bewegliche truppen, motorisierte truppen. in den zahlreichen zusammensetzungen der militärischen fachsprache des 19. und 20. jhs. hat truppen- gewöhnlich die kollektive bedeutung 'heeres-, soldaten-'. in einzelnen fällen (s. truppendienst, truppenoffizier) drückt es aber eine praktische, mit den mannschaften in unmittelbarem zusammenhange stehende tätigkeit des offiziers aus, der nicht dem generalstab oder der heeresverwaltung angehört; in truppenschule bezieht sich truppen auf die soldaten des mannschaftsstandes. bei einer gröszeren formation endlich kann truppen- das zusammenwirken mehrerer waffengattungen bedeuten (vgl. truppenbrigade, truppendivision).
C.
truppe, f.
1)
im militärischen bereich.
a)
für eine 'abteilung, schar', einen 'haufen' soldaten; im 17./18. jh. auch mit einer bestimmten formation gleichgesetzt, vgl. trupp A 3 b: darnach folget die erste troupe der piquen und vor und hinder derselben ... ein gliedt hellebardirer W. Dilich kriegsbuch (1607) 251; dasz keine truppe weder bey tag oder bey nacht sich ausz dem quartier begebe J. Th. de Bry v. d. ampt e. generalfeldtobersten (1617) 48; turma ein geschwader reuter, eine troppe Corvinus fons lat. (1623) 850; mit einer troppe reuterei A. Freitag archit. milit. (1631) 127; der obriste under diszer brännerische troppe Bürster schwed. kr. 21 Weech; ruckte eine truppe und bataillon nach der andern herbey S. v. Birken verm. Donaustrand (1684) 218; praefectus catervae vel cohortis der eine trupp commandirt Pomey indic. univ. (1720) 486; eine streifende truppe Mazzigier ... umrang dich samml. v. schauspielen (1764) 6, Xerxes 59; die vom leichenbegängnis rückkehrende truppe Varnhagen v. Ense tageb. 3, 293.
b)
seit der zweiten hälfte des 19. jhs. kollektivisch in der bedeutung 'heer, soldaten' schlechthin: eine stehende truppe Ranke s. w. (1867) 1, 70; in solchen lagen entscheidet die tüchtigkeit der truppe Mommsen röm. gesch. (1894) 5, 42; mit der ganzen unsicheren massenhaftigkeit einer noch wenig geschulten truppe K. W. Nitzsch dt. studien (1879) 119; die Dresdner vorgänge (im jahre 1848) hatten gezeigt, dasz in der sächsischen truppe disciplin und treue unerschüttert waren Bismarck ged. u. erinn. 1, 60; vorläufig gefalle es ihm noch so gut bei der truppe, dasz er nicht daran denke, den palasch mit der mistgabel zu vertauschen W. v. Polenz Büttnerbauer 1, 5; da zentrum und sozialdemokratie ... erkennen muszten, dasz die sympathien des soldaten sich der nationalen bewegung ... zuzuwenden begannen, sah man sich veranlaszt, der truppe das wahlrecht zu entziehen A. Hitler mein kampf (1930) 236; spezifisch der kämpfende teil des heeres: oberste heeresleitung, höhere führer und truppe hatten ihre schuldigkeit getan Ludendorff kriegserinn. (1919) 479; der wert des führers und des mannes bestimmt den gefechtswert der truppe truppenführung (1936) 1, 3; die truppe ist ... vom besten geiste beseelt und wird durchhalten Mackensen br. u. aufz. (1938) 126. besonders im hinblick auf die moralische und technische fähigkeit der soldaten gebraucht: stellen sie (anrede) eine formation auf ohne eine genügende zahl wirklich diensterfahrener offiziere, so haben sie (anrede) einen haufen braver leute, aber keine truppe! Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 7, 99; ähnlich, aber auf einen einzelnen truppenteil bezogen: (E.,) der ... bei den Görlitzern gedient und den schneid und pli dieser erlesenen truppe weggekriegt hatte Fontane ges. w. I 6, 49. im sinne von 'waffengattung': die flottensoldaten, von jeher die am mindesten achtbare truppe Mommsen röm. gesch. (1854) 2, 249; geschickte schleuderer ... bildeten in der tahitischen armee eine eigene truppe Ratzel völkerkde (1885) 2, 160; dieser gebrauch nimmt stark zu im zweiten gliede von zusammensetzungen wie fliegertruppe, nachrichtentruppe, panzertruppe u. s. w.
2)
'schauspieler-, artistengesellschaft', nicht vor der mitte des 18. jhs. nachzuweisen, vgl. 'die truppe, ... ein erst in den neuesten zeiten unmittelbar aus dem französischen la trouppe entlehntes wort, eine gesellschaft schauspieler zu bezeichnen, seitdem das wort bande für schauspieler von bessern sitten und fähigkeiten zu niedrig geworden' Adelung 4 (1780) 1093; seit der mitte des 19. jhs. selten geworden auszer im zweiten teil von zusammensetzungen wie wandertruppe, artistentruppe, musikantentruppe; daneben vereinzelt auch trupp, m., s. oben sp. 1414: unser hiesiges theater geht auf advent nach Hannover ..., überhaupt ... wird unsere truppe auf ostern auseinander gehn (v. j. 1768) Lessing 17, 260 M.; eine truppe spanischer musikanten S. v. Laroche frl. v. Sternheim (1771) 1, 330; sie zogen den platz ein paarmal herum und hörten da und dort der musik und den scherzen lustiger truppen zu Heinse s. w. 4, 1 Schüddekopf; unter dem zahllosen heer deutscher truppen ... ist die Mannheimer bühne eine der wenigen, die durch wahl entstanden Schiller 3, 531 G.; ein schauspielhaus, in welchem öfters reisende truppen spielen Nicolai reise d. Deutschland (1783) 1, 190; (der) anblick eines theaters, wozu eine wandernde truppe das publikum lud Mörike s. w. 5, 76 Fischer; dieser tenor ging bald mit dieser truppe, bald mit einer anderen L. Steub drei sommer in Tirol (1895) 1, 254; die truppe wird vielfach nach dem direktor genannt: vorher stand er bey der Spiegelbergischen truppe als akteur J. F. Löwen schr. (1766) 4, 22; sie war seiltänzerin bei der truppe des berühmten Furioso in Paris gewesen Holtei vierzig jahre (1843) 1, 218. übertragen auf ein puppentheater: ich hatte damals so eine herzliche mütterliche freude über dein gutes gedächtnis ..., dasz ich mir sogleich vornahm, dir die hölzerne truppe nun selbst zu übergeben Göthe 21, 10 W.
3)
andere anwendungen bleiben seltener und beruhen in neuerer zeit auf bedeutungsmischung mit trupp, m.: eine andere grosze truppe lumpenvolcks Moscherosch gesichte (1650) 1, 178; vgl. truppe iron. 'gesindel, sippschaft' Hönig Köln 183 und Pansner schimpfwb. (1839) 71; wann er sich unter eine grosze truppen bettler begibt Scheuchzer physica (1711) 1, 240; der anmuthige aufenthalt, welchen die glückseligkeit ... einer kleinen truppe menschen ... angewiesen hat discourse d. mahlern (1721) 2, 6; eine kleine truppe (waldmeisen) Naumann naturgesch. d. vögel (1822) 4, 8; Johannes gesellte sich zu einer truppe lustiger schüler, welche die guten weine aufsuchten G. Keller ges. w. (1889) 6, 96; sieh dort hinab auf jene kleine truppe (wandernder studenten) H. v. Barth Kalkalpen (1874) 392. im schweizerischen fem. truppe 'herde, schwarm' wird eher einflusz von it. truppa vorliegen, vgl. trüppae herde Brun Obersaxen (Graubünden) 48; truppa, f., herde Bühler Davos 4, 123; eine truppe tauben Jer. Gotthelf w. 1, 19 Vetter, aber einen trupp schafe schuldenbauer (1854) 34.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1940), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1410, Z. 23.

trupp, truppen, truppe, m.f.

trupp, truppen, truppe, m.;pl.;f.
herkunft und form. trupp, m., und truppe, f. (s. unten C) haben sich in form, geschlecht und bedeutung zwar gekreuzt, sind jedoch selbständig entlehnt.
1)
das masc. erscheint mit dem 13. jh. in mnl. trop (s. Verwijs-Verdam 8, 730), auf deutschem boden erst seit beginn des 17. jhs. sicher bezeugt; der beleg aus K. Stolle (s. sp. 1414) ist fragwürdig. vereinzelt bleibt ein neutrum ein tropp (akk.) Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 2, 128. — das wort ist zufrühest in mlat. troppus 'herde' bezeugt, vgl. si enim in troppo (eine hs. d. 9. jhs. hat die glosse lege stuͦte, eine des 11. jhs. id est stuote) de iumentis illam ductricem aliquis involaverit leges Alamann. 133 Lehmann (2. hälfte d. 7. jhs.); afrz. trop (12. jh.) und trope (un grand trope d'œilles fabliaux 4, 4 Barbazan-Méon), vgl. Gamillscheg etym. wb. 869 s. v. trop u. 870 s. v. troupe und Romania germ. 1, 195, wohl aus einem fränk. *þrop 'haufen' entlehnt (ahd. drupo, thrupo cuneus, erläutert durch turbas minoris manaki minira bzw. meiniki minnira ahd. gll. 1, 74, 6 St.-S. gehört nicht hierher), vgl. aisl. þorp 'menschenhaufen, schar, gehöft', norw. torp 'haufen z. b. von kühen, reihe unansehnlicher häuser, kleines gehöft', färöisch torpur, m., 'gehöft, flecken', ags. đorp, m., u. s. w.; weiteres s. Walde-Pokorny 1, 750 u. 757 (wo aber die trennung von dorf nicht überzeugt), Torp 797, Hellquist 993. seit dem 16. jh. bezeugtes frz. trope, troupe, fem., 'herde, haufen, schar' (belege bei Littré dict. 4, 2367) ist rückbildung aus frz. troupeau 'herde, menge' (12. jh. prov. tropel) ˂ mlat. tropellus (s. du Cange-Favre 8, 194), einer ableitung aus mlat. troppus, vgl. Gamillscheg 870, Meyer-Lübke rom. etym. wb. (1935) nr. 8938. da mnl. trop und nd. tropp des anlauts wegen nicht unmittelbar auf fränk. *þorp zurückgeführt werden können, ist rückentlehnung aus afrz. trop(e) (oder mlat. troppus, so Franck - van Wijk 709), die sich später mit einer im 17. jh. erfolgten neuen übernahme von frz. troupe gemischt hat, das wahrscheinlichste, vgl. auch nl. (mnl.) troep, m. (s. Verwijs-Verdam a. a. o.). — die deutschen mundarten kennen fast durchweg nur das masc., teils mit kurzem -o-, teils mit kurzem -u-, vgl.trop Jensen nordfries. 644, tropp Woeste-Nörr. 275, Flemes Kalenberg 370, trop Schambach Gött. 235, Damköhler Nordharz 196, troppᵉ (flektiert -eⁿ) Fischer schwäb. 2, 404; trupp Hertel Thür. 248, drupp Crecelius oberhess. 306, trupp Hönig Köln 183, trup Rovenhagen Aachen 148, dru̜b (in Schopfheim u. s. w.) bad. wb. 578, trapp (˂ tropp) lux. ma. 441, truppeⁿ Martin-Lienhart elsäss. 2, 763, troppen Friedli Bärndütsch 3, 198, trupp Schmeller-Fr. bair. 1, 673, Schöpf tirol. 762. für das schlesw.-holst. wird trupp, tropp als fem. angeführt, s. Mensing 5, 170, ebenso drub für Handschuhsheim bad. wb. 578; lothr. dropp Follmann 106 irrig als f. angegeben, aber in der wendung e ganzer dropp ersichtlich masc. die älteren schriftlichen zeugnisse zeigen noch im 17. jh. vorwiegend -o-, das im beginnenden 18. jh. aus der literatursprache verschwindet, vgl. trupp, antic. tropp Kramer t.-ital. 2 (1702) 1157, tropp Melissus Salinde (1718) 88, aber jägersprachlich länger bewahrt ist, vgl. in troppen oder rudeln Döbel jägerpract. (1754) 1, 28, tropp, troupp, trupp Kehrein waidmannsspr. 295. aus der neuentlehnung von frz. troupe, f. (s. u. 2), dringt ou auch in das masc. ein, vgl. troup W. Dilich kriegsb. (1607) 287, und wird dann durch u ersetzt, das im 18. jh. schriftsprachlich durchdringt, vgl. einen truppen Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustwald (1657) 2, 171, ein trupp Gladow à la modesprach (1727) 68ᵃ. im 17. jh. gelegentlich mit -pf belegt, vgl. einen tropff P. Petreius hist. v. Moskau (1620) 117, einem tropff M. Hammer hist. rosengarten (1654) 8 und vortropf (v. j. 1603) teil 12, 2, 1795 s. v. vortruppe. im plural hat trupp bis gegen ende des 18. jhs. meist die schwache endung -en, also mit der von truppe, f., gleichlautend; doch begegnen noch im 19. jh. fälle, in denen truppen nur als plural von trupp, m., 'haufe' verstanden werden kann, vgl. unten Görres ges. br. 1, 334, A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 356. starke pluralformen auf -e sind selten, vgl. tröppe Prätorius winterquartier (1676) 11; einige truppe Joh. Wetzel sat. erz. (1777) 1, 27, der trupp, plur. die truppe Adelung 4 (1780) 1093, vgl. mundartlich noch tröppe Schambach Göttingen 235, Buchrucker Elberf. 165, Leithäuser Barmen 160, truppe (plur.) Hönig Köln 183, drep, trep (˂ tröppe) Follmann lothr. 106. seit ende des 18. jhs. wird der plur. mit -s gebildet, vgl. z. b. trupps G. Venturini taktik (1798) 1, 2, 150 und lexikalisch beide plurale truppe, trupps bei Campe 4 (1810) 903. — vereinzelt bleibt endungsloser plural, vgl. manche tropp ochsen (v. j. 1623) sieh unten A 1; zwei trupp ... offiziere Schiller br. 7, 56 Jonas. im singular finden sich, besonders im 17. jh., unter der einwirkung des schwachen plurals schwache singularformen, vgl. nom. ein troppe neben ein tropp reisen Fernandi Pinto (1671) 369; dat. von einem trouppen Grimmelshausen Simpl. 16 Scholte; akk. einen truppen Neumark fortgepfl. mus.-poet. lustwald (1657) 2, 171, Celander verliebt. stud. (Cölln 1714) 1, 99; -en ist auch in den nom. gedrungen, vgl. troppen Casp. Ensz fama Austr. (1627) 190ᵇ, Abr. a s. Clara neue pred. 203 Bertsche; vgl. mundartliche formen wie troppᵉ (pl. troppeⁿ) Fischer schwäb. 2, 404; ein troppen Friedli Bärndütsch 3, 198; truppeⁿ Martin-Lienhart elsäss. 2, 763.
2)
truppe, f., aus frz. troupe, j., entlehnt, ist seit dem anfang des 17. jhs. bezeugt, vgl. die erste troupe W. Dilich kriegsbuch (1607) 251; zur herkunft s. näheres oben sp. 1410. wie truppe (troupe) auf trupp (tropp) hat auch das ältere lehnwort tropp auf truppe formal eingewirkt in den mischformen troppe, vgl. eine troppe Corvinus fons lat. (1623) 850, einer troppe A. Freitag archit. milit. (1631) 127, trouppe, vgl. trouppen v. Chemnitz schwed. krieg 3, 1 (1655) 3ᵇ; bei der schon im beginn des 17. jhs. auftretenden und gegen anfang des 18. jhs. zur herrschaft gelangenden form truppe, die ihren kurzen vokal dem masc. tropp, trupp verdankt, kann auszerdem ital. truppa einflusz gehabt haben, vgl. keine truppe (am rande keine truppa) J. Th. de Bry v. d. ampt e. generalfeldtobersten (1617) 48. mit schwacher flexion: dasz er (der obrist) ebenfalls zu unserer trouppen ... geschworen hätte Springensfelds kurzw. reise (1676) 48; unter eine grosze truppen bettler Scheuchzer physica (1711) 1, 240. im 17. und 18. jh. sind trupp, m., und truppe, f., auch in ihrer militärtechnischen anwendung noch nicht unterschieden; später grenzt die sprache beide wörter hier fühlbar gegeneinander ab, indem trupp für einen kleineren militärischen verband, truppe mehr für kollektivbegriffe wie 'heer, waffengattung' geltung hat so wie im ganzen zeitraum der plural truppen (s. unter B).
bedeutung und gebrauch.
A.
trupp, m. nach mlat. troppus (sieh oben), afrz. trop(e), frz. troupeau zu urteilen, ist 'herde, rudel' die grundbedeutung des wortes; im mnl. auch auf eine 'schar von menschen' angewendet, ohne dasz das militärische dabei hervorträte. diesen bedeutungsstand zeigt ebenso das deutsche vor allem noch in den mundarten, in denen trupp durchweg für eine schar tiere oder menschen gebraucht wird. seit dem 17. jh. kreuzt das neu entlehnte fem. truppe (sieh unten sp. 1417) insofern auch in die bedeutung von trupp herein, als dieses in der schriftsprache vielfach eine 'abteilung soldaten' bezeichnet, in jüngerer sprache im gegensatz zu truppe einen kleinen militärischen sonderverband, vgl. auch 'kleinere haufen soldaten nennt man truppe, trupps' Campe 4 (1810) 903 und vortrupp teil 12, 2, sp. 1794 sowie die modernen zusammensetzungen stosztrupp, spähtrupp, panzertrupp u. s. w. die im 17. und 18. jh. bezeugten belege des militärischen bezirks sind hier eingereiht, wenn das lemma im singular als masc. erkennbar ist oder im plural die bedeutung 'einzelne haufen' deutlich heraustritt.
1)
'haufen von tieren, herde, rudel', vgl. mnl. een trop swine Jakob van Maerlant rijmbibel 22927 David:
manche tropp ochsen hab ich gesehen
die riegel (tore) durchmarschiren
(1623) bei Steiff-Mehring geschichtl. lieder Württembergs (1912) 517;
ich nun wider schaw vor augen
tausent weiszer lämmerlein:
Halton wider lasset saugen
tausent bunte kälberlein ...
sieben troppen lasz ich leiten,
also grosz ist meine schaar
Fr. v. Spee trutznachtigall (1649) 327;
ein trupp viehes una truppa cioè greggia ... di bestiame Kramer t.-ital. 2 (1702) 1157;
klimmt ein weiszer trupp von schafen
langsam dort vom berg herab
J. N. Götz verm. ged. (1785) 2, 10;
zwei knaben jagten einen trupp schafe Jer. Gotthelf schuldenbauer (1854) 34; während ... ein trupp elephanten in der ferne seinen durst im blauen flusse löschte fürst Pückler briefw. 6, 18; ein trupp gänse W. Raabe kinder v. Finkenrode (1859) 35; (ein) trupp junger stiere S. v. Schwerin-Dönhoff erinn. (1909) 68; kein haus und kein baum, nur hier und da ... ein trupp schwerer rinder oder edler junger pferde Gust. Frenssen Hilligenlei (1920) 61; in dieser verwendung besonders häufig in den mundarten, vgl. z. b. n trupp gös Mensing schlesw.-holst. 5, 170; Woeste westf. 275; en trop jense Damköhler Nordharz 196; ən trop gaizə B. Martin Waldeck 278; n dropp kôi, die gains uff an dropp dreiwe Crecelius oberhess. 306; (ein) troppen gusteni (kälber) Friedli Bärndütsch 3, 201 u. s. w. — 'schwarm' vögel, vgl. mnl. een trop sprewen (stare) Penning-Vostaert Walewein 2128 Jonckbl.: im strich und anfangs, wenn sie (die krammetsvögel) unter den weindrosseln und halbvögeln ankommen, ziehet man auch nach kleinen troppen und häuflein, auch eintzeln, und nimpt mit, was da kompt Aitinger v. vogelstellen (1653) 283; wenn die kraniche Thraciam verlassen ..., versammeln sie sich häuffig ... beym flusz Hebro und ordnen sich da in gewisse tröppe J. Prätorius winterquartier (1676) 11; dieselbe (flamingos) fliegen hauffenweise beyeinander ..., (und) sobald er (der wachthabende vogel) menschen erwittert, er augenblicks mit einem geschrey das zeichen gibt, worauf ihm alsofort der gesammte trupp folget Er. Francisci d. letzte rechenschafft (1681) 1015; ein trupp rebhüner una compagnia, schiera di starne Kramer t.-ital. 2 (1702) 1157;
und der spielende trupp (tauben) schwirret zu ihm
herab
Hölty ged. 114 Halm;
wie ein gescheiter rabe, von ohngefähr mit einem trupp staaren vergesellschaftet, über einen weinberg fliegt maler Müller w. (1811) 1, 141; (es ist) ebenso schwer an einen flug gänse heranzukommen wie an einen trupp trappen tägl. rundschau 1902, nr. 515, 4. beil., s. 1. — 'rudel' wild: ein groszer trop wildpreth von 20, 30 oder mehr thieren J. Täntzer Dianen jagdgeheimn. (1682) 1, 84; im truppe oder rudel H. W. Döbel jägerpract. (1754) 1, 4: in troppen oder rudeln ebda 28;
aus dunkler fichtengruppe
wallt am beschilften moor
in dichtgedrängtem truppe
das leichte wild hervor
Fr. v. Matthisson schr. (1825) 1, 135;
ein trupp gemsen sprang über die platten den grat entlang H. v. Barth Kalkalpen (1874) 409; dann kam ein trupp hirschkälber und hirschkühe, zwei oder drei hochgeweihte hirsche voraus Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 6, 284; gemschi ... mit den rudeln oder troppen Friedli Bärndütsch 3, 121.
2)
'zug, schar, haufen, gruppe' von menschen auszerhalb der militärischen verwendung, vgl. mnl.
in enen trop van ouden wiven
van den vos Reinaerde 819 Jonckbl.
'zug, aufzug': russische und tartarische reuter ... umbritten unsern troup (die gesandten und ihr gefolge) Olearius persian. reisebeschr. 64 in: verm. reisebeschr. (1696); soll ... geschehen seyn, ... dasz auch die frau Holla fürüber gezogen, da der treue Eckart vorne an im troppe gewesen und die begegneten leut gewarnet hat J. Prätorius saturnalia (1663) 403; hier kommt eine bachanalie und ein aufzug ... sie fährt daher, die göttin (Aphrodite) und um sie herum die grazien ..., Amor beschlieszt den feyerlichen trupp briefe, die neueste literatur betreffend 4 (1762) 215; just mitten unter den trupp (demonstrationszug), der sich durch viele strasen durch erstreckte Lichtenberg br. 1, 5 L.-Sch.; als man am andern morgen ... in einem starken trupp aufbrach Fontane ges. w. I 6, 111; und wenn sie auch im trupp mit den jägern und edlen hinausreitet R. Binding Angelucia (1937) 9. formelhaft den trupp führen anführer sein: (wir) fragen nicht darnach, ob einer unter den purschen (studenten) den troup geführet hat oder ob er in dem letzten gliede nach geschliechen ist Chr. Weise polit. acad. (1684) 16; bildlich: unter alldiesen wunderschweiszen aber führt der blutige unsers heilandes billich den troppen (steht obenan) Chr. Frz. Paullini erbaul. luststunden (1695) 712; unter denen (den marktschreierischen gelehrten) mag Gorgias Leontinus den troupp führen J. B. Mencken v. d. charlatanerie (1716) 63. 'haufen, schar': alsdann kan man mit trouppen von 25 und 30 mannen deren (der feisten böcke) genug bekommen (d. h. fangen) Ad. Decker diurnal (1629) 9; auf einen büchsenschusz darvon (ist) ein trop von seinen freunden und ein pferd für ihn bestellt gewesen Harsdörffer d. gr. schauplatz (1653) 1, 308; so theilete ich meine leute in drey kleine trouppen ein und schickete sie aus umb lebensmittel ... zu suchen Talander hist. reiseb. (1699) 866; beschreibung des truppes loser weiber Bodmer v. d. wunderbaren (1740) 417; ein trupp Franziskaner (war) ausgeschickt worden Th. Abbt verm. w. (1768) 6, 1, 11;
da überfiel den hof ein trupp verlaufnen gesindels
plündernd
Göthe 50, 236 W.;
einzelne truppen von studenten (haben) bei uns übernachtet Görres ges. br. (1858) 1, 334; fast bis im herzen des landes sehen wir ... kleine truppen von fünfen oder sechsen ... der Wesergegend zustapfen A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 356; wir begegneten einem trupp von arbeitern Holtei erz. schr. 38, 35; zwischen diesen trupps von drei, vier, fünf menschen, die näher oder ferner die strasze umschweiften, kam nun unser verdüstertes paar einhergegangen Immermann 4, 76 Boxb.; plötzlich führte er, die lupe in der hand, den trupp (herren) in ein anstoszendes zimmer G. Keller ges. w. (1889) 3, 52; die ganze chaussee war voller menschen, kleine trupps, familien mit kind und kegel, die zum fest zogen H. v. Kahlenberg Eva Sehring (1901) 51; ein trupp spielender kinder G. Keller ges. w. (1908) 8, 6; so häufig in mundarten: n trupp kinner Mensing schlesw.- holst. 5, 170; ən trop blagen (kinder) Leihener Cronenberg 124. von einer zusammengehörigen, aber nicht räumlich zusammenbefindlichen gruppe von menschen (vgl. etwa reihen 4 u. 5 teil 8, 647ff.): der grosze trupp mechanischer philosophen Herder 15, 320 S.; an einem groszen trupp schüler kanns ihm (Sulzer) so nicht fehlen Göthe 37, 211 W.;
(die weisheit reiszt) der deutschen langsamkeit die schuppen vom gesichte ...,
so sehr es auch forthin den alten trupp verdrieszt
(d. i. den kreis der alten leute)
J. Chr. Günther ged. (1735) 384.
in eine mengenbezeichnung übergehend:
... der mensch ist
nicht gemachet, die freuden, die ihm in truppen begegnen,
anzuhalten, sich allen zu geben und keine zu meiden
Bodmer Noah (1752) 62;
so besonders in der verbindung ein ganzer trupp ein beträchtlicher haufen, eine erhebliche menge: darauf folgten gleicher weise gantze trouppen und hauffen solcher mannsbilder Chr. Lehmann hist. schauplatz (1699) 362; sie vermuthen, es müste ein recht bezauberndes schauspiel seyn, ganze truppen von mädchen und jünglingen zu sehen Wieland I 3, 384 akad.; (ihr habt) aus einem ganzen trupp von hunderten (von mädchen) gerade die beste herausgenommen H. P. Sturz schr. (1779) 2, 66; seine leute (gingen) ... in ganzen trupps auf und davon Fontane ges. schr. I 2, 94; es ist leichter einen ganzen trupp kinder aufzuziehen als ein einziges E. Frommel vergangenes (1929) 157; en ganzen tropp lütt (leute) Leithäuser Barmen 160; ᵉn gantsᵉ n trop eine grosze anzahl Bauer-Collitz wald. 105ᵇ; vgl.et sal kein dicke trop sin es soll keine grosze menge sein (von den mädchen in der spinnstube gesagt) Schambach Göttingen 235. — anwendung auf leblose dinge, wie im mnl., ist im dt. nicht geläufig, sondern beruht auf bildlichem gebrauch: ein trupp ärmlicher hütten, der ein dorf hiesz Immermann w. 2, 142 Boxb.; (ein) trupp eichen A. Reinbold in: dtsch. novellenschatz 4, 48 Heyse-Kurz; (ich) habe ... einen ganzen trup von geschäften vor mir Gleim in: briefwechsel zw. Gleim u. Uz 229 Schüddekopf; ganz rasch wurde dann von dem gefragten ein trupp worte und sätze vorgeführt Hans Grimm volk ohne raum (1928) 1, 427. — selten wie sonst truppe von einer 'gesellschaft' von schauspielern (s. unten sp. 1418): der chursächsische hof hat bisher in Dresden einen trupp schauspieler gehalten, der unstreitig einer von den vorzügligsten in ganz Deutschland ist Lessing 18, 214 M. (v. j. 1776); ein trupp komödianten ist hier Knebel in: ungedr. br. v. u. an Herder 3, 157 Düntzer.
3)
'haufen, schar, abteilung' soldaten, vgl. schon mnl.
als theer versament wart te stryde,
... was ter menich trop te samen
Jakob van Maerlant hist. van Troyen 2, 21835 Verd.;
fraglich dagegen: sagite man, das der Burgundir ... solde den ganzen tag bisz in die nacht gestormet (haben) ... unnd hatten eyn geferte uff raden an die stad Nusz (Neusz) bracht, do worn troppen (wohl fehlerhaft für treppen) inne, das sie meynten ubir die muren zu louffen unnd das zuschosszen (zerschossen) sie usz der stad (z. j. 1474) K. Stolle chron. 87 Hesse, vgl. treppen ebda 204.
a)
als 'abteilung, schar, haufe' von verschiedener grösze; im 17. und frühen 18. jh. oft für eine gröszere heeresabteilung, später wie noch heute zumeist für kleinere gruppen: ordnen sie (die Tataren) ihr volck in tropffen und setzen drey oder vier tausent in einen tropff P. Petreius hist. v. Moskau (1620) 117; ein trupp von mehr als zweihunderten (zieht) nach der stadt zu Göthe 8, 126 W.;
so teilen wir das heer in trupps zu hundert
Z. Werner dramen 145 Kl.;
gröszere trupps ... wie jene zwanzig Russen G. Freytag ges. w. (1886) 21;
er soll den feind auch nicht im vortheil attaquiren
und allzu furieux die ersten trouppen führen
J. P. de Memel lust. gesellsch. (1656) 302;
kleine armeen (der Griechen) besiegten die zahlreichsten trouppen (der Perser) H. v. Fleming t. soldat (1726) 86; (die) kompanie, zum teil in blosze trupps aufgelöst Fontane ges. w. I 1, 83; (die deutsche infanterie) klettert in starken trupps vom Cap de Bon Espérance herab W. Beumelburg sperrfeuer (1929) 177. mit näherer bestimmung, namentlich der waffengattung: ein troppen keyserisch, mehrerteils ungarisch volck Casp. Ensz fama austr. (1627) 190ᵇ; er ein tropp reuter zu seines herrn dienst zu führen übernimbt Harsdörffer frauenzimmergesprächsp. (1641) 2, 128; von einem tropff reutern M. Hammer hist. rosengarten (1654) 8; von einem trouppen courassirer Grimmelshausen Simpl. 16 Scholte; vor einen jeglichen cuneum oder troup fuszvolck H. v. Fleming t. soldat (1726) 284; erscheinung eines trupps berittner landsknechte H. v. Kleist w. 3, 203 E. Schmidt; von einem trupp grenadiere und jäger, etwa hundert mann stark Nettelbeck lebensbeschr. 3 (1823) 108; voran mit der fahne schritt ein trupp soldaten Eichendorff s. w. (1864) 3, 244; der erste trupp freiwilliger reiter W. Raabe hungerpastor (1864) 2, 56; Jörg erwartete den trupp französischer reiter W. Beumelburg Mont Royal (1936) 81.
b)
im 17. und frühen 18. jh. auch gleichgesetzt mit einer gröszeren militärischen einheit (bataillon, kompagnie, eskadron), ohne dasz trupp selbst für einen zahlenmäszig genau festgelegten verband terminologische geltung besäsze, vgl. trupp (bataillon) musketierer Kramer t.-ital. 2 (1702) 1157; bataillon, der halbe, dritte oder vierdte theil eines regiments zu fusz, ein trupp soldaten von etlich hundert mann Gladow à la modesprach (1727) 68ᵃ; jenes (das fuszvolk) wird getheilet in compagnien (fähnlein), dieses (die kavallerie) in escadrons, beedes heiszen truppen Comenius janua (1760) 556: von den Merzischen reutern 5 oder 6 troppen oder compagnien Bürster schwed. krieg 89 Weech; bey ihrem tropp und squadrone v. Troilo oriental. reisebeschr. (1676) 336; darnach ist das wort (brigade) einem troup oder hauffen soldaten beigelegt, so unter einem chef stehen, der daher brigadier genennt wird, weil er einen gewissen troup oder hauffen führet H. v. Fleming t. soldat (1726) 115. dann für einen kleinen verband mit besonderen aufgaben: dieserhalb musz bei der passage solcher terrains zwischen den teten der kolonnen eine kette von infanterietrupps gezogen werden. diese trupps sind 30 mann und 10 offizier stark und alle 100 schritt marschirt ein trupp G. Venturini taktik (1798) 1, 2, 150; heute als teil der gruppe, der kleinsten kampfeinheit: die entwicklung des trupps oder der ganzen gruppe erfolgt stets auf den anschluszmann ausbildungsvorschrift f. d. infanterie 2 a (1935) 151, vgl. die composita schützentrupp, maschinengewehrtrupp. als terminologische bezeichnung neu eingeführt für eine einheit der SA und SS der NSDAP, etwa 50-80 mann umfassend, vgl. auch truppführer. ungewöhnlich als kollektivbezeichnung 'heeresteil': es ist ... eine penible sache für einen soldaten, in einem trupp zu seyn, der besiegt ... zurückkommt Laukhard leben u. schicksale 3, 242;
wie wenn ein siegender trupp herschreitet, müde vom siegskampf
Baggesen poet. w. (1836) 1, 134.
c)
im 17. und 18. jh. wird auch die feste ordnung oder aufstellung eines militärischen verbandes als trupp bezeichnet (vgl. auch truppieren sp. 1424), so in den wendungen 'trupp halten garder les rangs, heiszet in ordnung marschiren' Fäsch kriegslex. (1735) 931 und sich zum trupp retirieren und ähnl.: dasz man (als einzelner) sich (auf patrouille) nicht zu weit hienausz begebe ... und wie man sich widerumb zum troup reteriren solle Wilh. Dilich kriegsb. (1607) 287; beim trupp halten in der schlachtordnung bleiben, dann allgemein 'stand halten': denn dieser kaum gegen seine beyde feinde etliche creutzhiebe gethan hatte als sie schon darvon lieffen und beym trop hielten gleichwie der haas bey der trommel Melissus Salinde (1718) 88; vergleichbar:
frischdrein! festgeschlossen! den trupp voll und dicht gestellt
E. M. Arndt w. 6, 175 R.-M.
d)
daher trupp als bezeichnung eines trommelsignals, durch das ursprünglich zum antreten befohlen wurde, das später auf besondere gelegenneiten wie fahnenabholen, milit. begräbnis beschränkt war, vgl. dazu Rüstow milit. hdb. (1858) 2, 336; meist in der formel trupp schlagen, vgl. truppschlag sp. 1424: bey ankunft der fahnen wird das gewehr praesentirt, troup geschlagen und mit der fahne in das bataillon eingerückt H. v. Fleming t. soldat (1726) 221;
wir aber donnern in die luft
dein leztes lebewohl dreimal ...
trupp.
eilt, kameraden, von der gruft!
weil uns die trommel wieder ruft
Schubart s. ged. (1787) 2, 318.
B.
truppen als plurale tantum in militärtechnischem gebrauch. eine sonderentwicklung nimmt als militärischer terminus der plural die truppen, der zunächst sowohl trupp, m., (s. A 3) wie truppe, f., (s. C 1) angehören kann, seit dem 19. jh. aber nur noch zu truppe, f., gehört, vgl. trupp, der ... truppen, die Steinbach wb. (1734) 2, 877, aber der trupp, plur. die truppe und die truppe, plur. die truppen Adelung 4 (1780) 1093. auszer einer mehrzahl einzelner abteilungen bedeutet er als sammelbegriff 'heeresteil, soldaten, heer', ohne dasz dabei an eine bestimmte formation gedacht würde, vgl. die truppen le truppe, militie, soldatesche Kramer t. -ital. 2 (1702) 1157; 'trouppes, trouppen heiset eigentlich ein haufen oder eine menge soldaten, darunter aber auch vielmals eine gantze armee verstanden wird' Gladow à la modesprach (1727) 761ᵃ; truppen oder volck werben to raise forces Chr. Ludwig t.-engl. (1716) 2035. der ausgangspunkt dieser anwendungsweise liegt wohl bei solchen fällen, wo truppen mit einem nationalitätsadj. verbunden die gesamte streitmacht eines landes, herrschers u. dgl. oder gröszere teile ihres heeres bezeichnet, vgl. 'kleine haufen soldaten bekommen, wenn sie bestimmt bezeichnet werden sollen, den nahmen der truppen nicht' Adelung 4 (1780) 1093: dieweil die newe schwedische, längst erwartete trouppen nunmehr ... angelanget (sind) v. Chemnitz schwed. krieg 3, 1 (1655) 13ᵇ; ein groszer kerl, ... der lange zeit unter den teutschen truppen gedienet hatte E. G. Happel akad. roman (1690) 27; dasz ihr vaterland so viel durch die fremden truppen gelitten M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 4, 135; die französischen truppen seien decouragiert Fontane ges. w. I 2, 168; die russischen truppen auf dem rechten Weichselufer erhielten ... befehl über die Weichsel zu gehen Ludendorff kriegserinn. (1919) 83.
herfur Sobrino drauff mit seinen trouppen ruckte,
ein jeder drunter auch herausz die wehre zuckte
D. v. d. Werder ras. Roland 16. ges., 37. str.;
befahrend, wan es recht gelten solte, möchten die trouppen nicht fechten wollen v. Chemnitz schwed. krieg 4 (1644) 1, 51ᵇ;
die troppen müsten seyn gar keck,
die nicht 'so bald verfielen,
wann mit dem canon übereck
er (gott) anfängt dreinzuspielen
bei Fischer-Tümpel 4, 262;
die officiers sollen ..., wo ein preuszisches lager aufgeschlagen oder ein considerables corps trouppen zusammengezogen wird, allezeit die escarpen um haben reglem. vor d. kgl. preusz. cavallerieregim. (1743) 141; zu completierung ewr. königlichen majestät hiesigen troupen habe (ich) bereits alle anstalten gemacht Lessing 18, 468 M.; aus diesem grunde müssen sie (die magazine) erstens von den agirenden truppen getrennt werden G. Venturini taktik (1798) 2, 1, 58; macht, die disposition über truppen und geld K. L. v. Haller restaur. d. staatswiss. (1816) 1, 66;
könig Friedrich (zu Maria Theresia): ...
meine truppen seynd allert
und sehr wohl geübet
(v. j. 1745) bei v. Ditfurth histor. volksl. d. preusz. heeres 8;
was denkt die majestät von ihren truppen?
sind wir nicht menschen?
Schiller 12, 119 G.;
wir sehen täglich truppen (militärische abteilungen) allerlei art, einzeln oder in gröszerer anzahl (v. j. 1809) W. Grimm briefw. (1881) 128; unsere truppen (wären) zum schutze des kurhessischen volkes aufgeboten Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. (1890) 8, 35; führer und truppen am feinde hatten mit der obersten heeresleitung das gefühl ... Ludendorff kriegserinn. 471. — formelhaftes: truppen werben u. ähnl., vgl. truppen werben levare truppe Kramer t.-ital. 2 (1702) 1157ᵇ:
und diese truppen allzumal
geworben sind mit gröszrer wahl
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 171;
in Rom ... nahm man überdies truppen in sold Ranke s. w. (1867) 40/41, 423. feste verbindungen: regulierte, regelmäszige, reguläre truppen, vgl. 'regulirte trouppen nennet man die geworbenen völcker zum unterscheid der gewaffneten bürgerschaft und der landmilitz' Gladow à la modesprach (1727) 761ᵃ: fände dieser satz bey einigen grosen dieser welt beyfall, man brauchte nicht ... regulirte truppen Lichtenberg nachlasz 49; von der mannszucht der regelmäszigen truppen Göthe 22, 33 W.; ebenso sind die soldaten in einem regimente regelmäsziger truppen überein gekleidet Hegel w. (1832) 10, 1, 162; reguläre truppen Novalis s. unten. stehende truppen 'stehendes heer': aufrichtung eines regiments, das seine selbständigkeit auf ergiebige finanzen und stehende truppen stützte L. Häuszer dt. gesch. (1854) 1, 4. leichte truppen 'leichtbewaffnete, bewegliche heeresteile': wenn er sie mit den leichten truppen überfiele Heilmann gesch. d. pelop. krieges (1760) 435; L. S. v. Brenckenhoff abhandlung über die einrichtung der leichten truppen und deren gebrauch im kriege (1785) titel; nur leichte truppen werden von diesen mauern abgehalten, wogegen ein bataillon reguläre truppen mit ein paar zwölfpfündern bald eine bresche schösse Novalis schr. 2, 59 Minor. häufig übertragen gebraucht:
... der lächelnden
Amoretten und Grazien
leichte truppen
J. N. Götz verm. ged. (1785) 1, 170;
freilich sind die rezensenten nur leichte truppen F. M. Klinger w. (1809) 11, 322. in moderner heeresfachsprache z. b. bewegliche truppen, motorisierte truppen. in den zahlreichen zusammensetzungen der militärischen fachsprache des 19. und 20. jhs. hat truppen- gewöhnlich die kollektive bedeutung 'heeres-, soldaten-'. in einzelnen fällen (s. truppendienst, truppenoffizier) drückt es aber eine praktische, mit den mannschaften in unmittelbarem zusammenhange stehende tätigkeit des offiziers aus, der nicht dem generalstab oder der heeresverwaltung angehört; in truppenschule bezieht sich truppen auf die soldaten des mannschaftsstandes. bei einer gröszeren formation endlich kann truppen- das zusammenwirken mehrerer waffengattungen bedeuten (vgl. truppenbrigade, truppendivision).
C.
truppe, f.
1)
im militärischen bereich.
a)
für eine 'abteilung, schar', einen 'haufen' soldaten; im 17./18. jh. auch mit einer bestimmten formation gleichgesetzt, vgl. trupp A 3 b: darnach folget die erste troupe der piquen und vor und hinder derselben ... ein gliedt hellebardirer W. Dilich kriegsbuch (1607) 251; dasz keine truppe weder bey tag oder bey nacht sich ausz dem quartier begebe J. Th. de Bry v. d. ampt e. generalfeldtobersten (1617) 48; turma ein geschwader reuter, eine troppe Corvinus fons lat. (1623) 850; mit einer troppe reuterei A. Freitag archit. milit. (1631) 127; der obriste under diszer brännerische troppe Bürster schwed. kr. 21 Weech; ruckte eine truppe und bataillon nach der andern herbey S. v. Birken verm. Donaustrand (1684) 218; praefectus catervae vel cohortis der eine trupp commandirt Pomey indic. univ. (1720) 486; eine streifende truppe Mazzigier ... umrang dich samml. v. schauspielen (1764) 6, Xerxes 59; die vom leichenbegängnis rückkehrende truppe Varnhagen v. Ense tageb. 3, 293.
b)
seit der zweiten hälfte des 19. jhs. kollektivisch in der bedeutung 'heer, soldaten' schlechthin: eine stehende truppe Ranke s. w. (1867) 1, 70; in solchen lagen entscheidet die tüchtigkeit der truppe Mommsen röm. gesch. (1894) 5, 42; mit der ganzen unsicheren massenhaftigkeit einer noch wenig geschulten truppe K. W. Nitzsch dt. studien (1879) 119; die Dresdner vorgänge (im jahre 1848) hatten gezeigt, dasz in der sächsischen truppe disciplin und treue unerschüttert waren Bismarck ged. u. erinn. 1, 60; vorläufig gefalle es ihm noch so gut bei der truppe, dasz er nicht daran denke, den palasch mit der mistgabel zu vertauschen W. v. Polenz Büttnerbauer 1, 5; da zentrum und sozialdemokratie ... erkennen muszten, dasz die sympathien des soldaten sich der nationalen bewegung ... zuzuwenden begannen, sah man sich veranlaszt, der truppe das wahlrecht zu entziehen A. Hitler mein kampf (1930) 236; spezifisch der kämpfende teil des heeres: oberste heeresleitung, höhere führer und truppe hatten ihre schuldigkeit getan Ludendorff kriegserinn. (1919) 479; der wert des führers und des mannes bestimmt den gefechtswert der truppe truppenführung (1936) 1, 3; die truppe ist ... vom besten geiste beseelt und wird durchhalten Mackensen br. u. aufz. (1938) 126. besonders im hinblick auf die moralische und technische fähigkeit der soldaten gebraucht: stellen sie (anrede) eine formation auf ohne eine genügende zahl wirklich diensterfahrener offiziere, so haben sie (anrede) einen haufen braver leute, aber keine truppe! Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 7, 99; ähnlich, aber auf einen einzelnen truppenteil bezogen: (E.,) der ... bei den Görlitzern gedient und den schneid und pli dieser erlesenen truppe weggekriegt hatte Fontane ges. w. I 6, 49. im sinne von 'waffengattung': die flottensoldaten, von jeher die am mindesten achtbare truppe Mommsen röm. gesch. (1854) 2, 249; geschickte schleuderer ... bildeten in der tahitischen armee eine eigene truppe Ratzel völkerkde (1885) 2, 160; dieser gebrauch nimmt stark zu im zweiten gliede von zusammensetzungen wie fliegertruppe, nachrichtentruppe, panzertruppe u. s. w.
2)
'schauspieler-, artistengesellschaft', nicht vor der mitte des 18. jhs. nachzuweisen, vgl. 'die truppe, ... ein erst in den neuesten zeiten unmittelbar aus dem französischen la trouppe entlehntes wort, eine gesellschaft schauspieler zu bezeichnen, seitdem das wort bande für schauspieler von bessern sitten und fähigkeiten zu niedrig geworden' Adelung 4 (1780) 1093; seit der mitte des 19. jhs. selten geworden auszer im zweiten teil von zusammensetzungen wie wandertruppe, artistentruppe, musikantentruppe; daneben vereinzelt auch trupp, m., s. oben sp. 1414: unser hiesiges theater geht auf advent nach Hannover ..., überhaupt ... wird unsere truppe auf ostern auseinander gehn (v. j. 1768) Lessing 17, 260 M.; eine truppe spanischer musikanten S. v. Laroche frl. v. Sternheim (1771) 1, 330; sie zogen den platz ein paarmal herum und hörten da und dort der musik und den scherzen lustiger truppen zu Heinse s. w. 4, 1 Schüddekopf; unter dem zahllosen heer deutscher truppen ... ist die Mannheimer bühne eine der wenigen, die durch wahl entstanden Schiller 3, 531 G.; ein schauspielhaus, in welchem öfters reisende truppen spielen Nicolai reise d. Deutschland (1783) 1, 190; (der) anblick eines theaters, wozu eine wandernde truppe das publikum lud Mörike s. w. 5, 76 Fischer; dieser tenor ging bald mit dieser truppe, bald mit einer anderen L. Steub drei sommer in Tirol (1895) 1, 254; die truppe wird vielfach nach dem direktor genannt: vorher stand er bey der Spiegelbergischen truppe als akteur J. F. Löwen schr. (1766) 4, 22; sie war seiltänzerin bei der truppe des berühmten Furioso in Paris gewesen Holtei vierzig jahre (1843) 1, 218. übertragen auf ein puppentheater: ich hatte damals so eine herzliche mütterliche freude über dein gutes gedächtnis ..., dasz ich mir sogleich vornahm, dir die hölzerne truppe nun selbst zu übergeben Göthe 21, 10 W.
3)
andere anwendungen bleiben seltener und beruhen in neuerer zeit auf bedeutungsmischung mit trupp, m.: eine andere grosze truppe lumpenvolcks Moscherosch gesichte (1650) 1, 178; vgl. truppe iron. 'gesindel, sippschaft' Hönig Köln 183 und Pansner schimpfwb. (1839) 71; wann er sich unter eine grosze truppen bettler begibt Scheuchzer physica (1711) 1, 240; der anmuthige aufenthalt, welchen die glückseligkeit ... einer kleinen truppe menschen ... angewiesen hat discourse d. mahlern (1721) 2, 6; eine kleine truppe (waldmeisen) Naumann naturgesch. d. vögel (1822) 4, 8; Johannes gesellte sich zu einer truppe lustiger schüler, welche die guten weine aufsuchten G. Keller ges. w. (1889) 6, 96; sieh dort hinab auf jene kleine truppe (wandernder studenten) H. v. Barth Kalkalpen (1874) 392. im schweizerischen fem. truppe 'herde, schwarm' wird eher einflusz von it. truppa vorliegen, vgl. trüppae herde Brun Obersaxen (Graubünden) 48; truppa, f., herde Bühler Davos 4, 123; eine truppe tauben Jer. Gotthelf w. 1, 19 Vetter, aber einen trupp schafe schuldenbauer (1854) 34.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1940), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1410, Z. 23.

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Zitationshilfe
„truppen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/truppen>, abgerufen am 31.07.2021.

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