Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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trutschel1, f., selten m.

¹trutschel, f., selten m.;
mundartlich obd. und md. (vereinzelt nd.) verbreitete bezeichnung für eine weibliche person, auch für ein kind. die deutung des wortes ist umstritten und schwierig; es mit Martin-Lienhart elsäss. 2, 769 aus Gertrud herzuleiten, erscheint abwegig, vgl. auch bad. wb. 579. die von Lexer kärnt. 73, H. Paul dt. wb.³ 549ᵇ erwogene beziehung zu mhd. trût, nhd. traut (bzw. mhd. triuten, vb., nhd. treuten) würde sachlich nur für trutschel 1 möglich sein und die annahme einer frühen vokalkürzung nötig machen. jedenfalls ist trutschel 2 von trutsche nicht zu trennen; bei beiden steht der begriff des dicken, plumpen im vordergrunde, sodasz sich die gleiche etymologie wie bei trutsche empfiehlt. wie öfter ist auch hier das deminutivum eines scheltwortes zum kosenamen geworden, vgl. etwa Stalder schweizer. 1, 310 und heutiges dickerle. -tsch- in trutschel als 'verdichtung' von -sch- in truschel (s. unten 4) aufzufassen (so Lexer a. a. o.) scheitert an der gröszeren verbreitung der form mit -tsch-; im gegenteil ist -sch- in truschel eher als eine erleichterung von -tsch- zu begreifen, die sich wohl z. t. in anlehnung an ähnlich lautende dialektische wörter wie druschel, f., 'dichtes laubwerk' (Vilmar Kurhess. 1, 79), 'stachelbeere' (bad. wb. 579ᵃ, rhein. wb. 1, 1506 s. v. droschel 1), 'drossel' (ebda s. v. droschel 2, Kehrein Nassau 1, 118) herausgebildet hat.
1)
als kosende benennung; zunächst der geliebten, liebsten:
o mein Ule Lapp, sag bald her!
will die (wirtin) mein holder drütschel sein?
Hans Sachs 9, 124 K.-G.;
hierher wohl auch:
mein liebe Gredt, heb an und sing
das new liedla, ich künts auch gern
vom holder trüschl (var. trüschel, trütschel) und morgenstern
ders. 14, 29;
deiner lieben mutter, meiner herzallerliebsten trutschel, ... den heiszesten grusz und kusz von deinem ewig treuen vater Schubart br. 2, 188 D. Fr. Strausz; vgl. auch: mein liebes trotscherlein, mein schätzlein Joh. Riemer d. polit. hasenkopff (1689) 335 und oben truserlein sp. 1429. als deminutivum trutscherle, n., 'brautjungfer, buhldirne' Reinwald henneberg. 174; trutschelchen, n., scherzhafte benennung eines mädchens, welches sich gern liebkosen läszt Kindleben studentenlex. (1781) bei Kluge studentenspr. 131. allgemein als kosewort für eine weibliche person, vgl. Schmeller-Fr. 1, 681, namentlich deminutiv trutscherl, n.: hab ja all mein lebittag kain so hübschs trutscherl mit mein augn gsechn, als die Gehrt jungfferer ist Schwabe volleingesch. tintenfäszl (1745) 58; du gutes trutscherl, und suchst mich und grämst dich um mich, es kunnt mir was geschehen sein Rosegger schr. III 2, 173; vgl.trutscherl rundliches, dralles mädchen oder kind, meist als kosewort in der bedeutung liebling gebraucht Unger-Khull steir. 177; 'trutscherl als ausdruck der liebkosung gegen ein kleingestaltetes hübsches frauenzimmer, das ist a liebes trutscherl' Loritza id. vienn. 134; trutschəl, trutschál zärtliche benennung einer lieben person, besonders eines kindes Schmeller-Fr. a. a. o.; trutschele, n., zärtliche benennung eines kindes, einer geliebten Lexer kärnt. 73;
herzele, trutschele,
mauschele klâns (kleines),
vour lauter freud heirat mer (wir),
gelt prauch mer kâns (keins)
ebda;
drutschel, trutschel, f., zärtliche benennung einer lieben person, besonders eines dickbackigen kindes Kehrein Nassau 1, 118; in anderer lautform: trutzel ein liebkosungswort, zuweilen auch ein scheltwort, was aber dann ein adjektiv, z. b. oll bei sich hat Danneil altmärk. 228. für ein kind: wenn sie (die mutter) ... bewirkt, dasz sie der kleinen keinen von den drei namen giebt, ... so werde ich die kleine trutschel darum nicht weniger mit meiner pathensorge umschwärmen G. Freytag briefe an s. gattin³ 93 Strakosch; vgl. drutschel zärtlicher name für ein liebes, dickes kind Reuting Höchster ma. 13; trutschel, trutscherle, n., liebes kleines kind Blumer nordwestböhm. 32; trutschrl, n., bezeichnung für liebenswürdige kleine, oft auch für dicke kinder Neubauer Egerländer ma. 52; trutscherl, trutschel, n., liebkosende benennung der kinder Schöpf tirol. 762; trutscherle, n., kosewort für kleine kinder Martin-Lienhart 2, 769; trutscharle, n., zärtliche benennung für hübsches kleines kind K. Reiser sagen, gebräuche, sprichw. d. Allgäus 2, 742.
2)
dialektisch besonders verbreitet in mehr oder weniger abschätzigem sinne für eine dicke, plumpe, unbeholfene auch ungeschickte, einfältige, dumme, alte frauensperson; gelegentlich in literarische sprache übernommen: dieser Hector, eine kleine, runde dickstämmige figur, hatte ein noch kleineres, dickeres, unförmlicheres weibchen, eine streng gebietende, leicht zu erzürnende trutschel Wieland in: Fr. v. Raumer histor. taschenbuch 10 (1839) 380; gegen sein (Romeos) fräulein ist (Petrarcas) Laura nur eine küchenmagd, Dido eine trutschel (a dowely), Kleopatra eine zigeunerin, Helena und Hero metzen und lose dirnen Shakespeare (1797) 1, 67; wenn du die dicke trutschel nimmst und das schöne fräulein ... fahren läszt W. Hauff s. w. (1890) 3, 145; deminutiv: verheiratet ihn ... an ein alt trutschelchen, das keinen zahn mehr in den kiefern hat J. H. Voss Shakspeares schauspiele (1818) 3, 353; mundartlich ist bei trutschel die abschätzige vorstellung dicke, plumpe frau im allgemeinen herrschend, doch mischt sich häufig auch der begriff des dicken, drallen und dabei doch hübschen, beweglichen, gutmütigen hinein, der wohl von 1 ausgeht und besonders auf kinder bezogen wird, vgl. z. b. drutschel dicke weibsperson Loritza id. vienn. 36; trotschel, trutschel, trutschle, f., 'dickleibigte, plumpe weibsperson' Stalder schweizer. 1, 310;
... was? du strohlshex, du dolle;
i wurr dich, trutschel du, recht durchkurranze solle
Arnold pfingstmontag (1816) 42,
ebda 197 erklärt als 'gutmütig dummes geschöpf'; du dumme trutschel Martin-Lienhart elsäss. 2, 769; trutschel 'kleines dickes munteres frauenzimmer', 'einfältige, hoffärtige person', 'faules, plumpes mädchen', 'die schwerfällige, dicke', 'dickes, unförmiges weib' bad. wb. 579; trutschel, f., 'dickes, plumpes, gutmütiges weib', 'dickes, aber bewegliches weib', deminutiv trutscherle, n., 'kleines dickes, munteres mädchen', 'einfältiges, auch altes mädchen', 'dicke, jedoch hübsche, liebwerte weibsperson' Fischer schwäb. 2, 429, dazu trotschele 'rundbackiges kind' ebda; drutschel, f., dicke, schwammige person Ruckert unterfränk. 44; trutschl, f., eine allzu kleine, aber dicke frauensperson, trutschela kosebezeichnung für molliges kind ebda 185; drutschel kurze, runde, fleischige weibliche person Schön Saarbrücken 52; drutschel kleines frauenzimmer Autenrieth pfälz. 37; trutšl verächtliche bezeichnung einer beleibten frauensperson Meisinger Rapp. 208; trutschel dickes frauenzimmer Schön Saarbrücken 213; trutschel dickes, unbeholfenes mädchen lux. ma. 444; drudschel kleines rundliches mädchen, von gröszeren ön dögg (dicke) drudschel Christa Trier 73; trutschel dickes, gemütliches frauenzimmer Rovenhagen Aachen 148; en ge̹cke trutschel ein albernes frauenzimmer Hönig Kölner ma. 183; trutschel alte jungfer Buchrucker Elberfelder ma. 165, Leithäuser Barmer ma. 161; drutschel liebkosungswort für dickes, wohlaussehendes mädchen (nicht volkstümlich) Crecelius oberhess. 306; trutschel ein dickes, fettes kind weiblichen geschlechts, auch bisweilen eine dicke weibsperson Schmidt westerw. 271; trudschel dicke, plumpe oder unbeholfene weibsperson Reinwald henneberg. 173; drutschel rundliche volle person Hertel Thür. 85; trutšl langsame person Hentrich Eichsfeld 30; trutschel eine wohlgenährte und daher quabbelige, weibliche person Anton Oberlausitz 13, 20; truutschel einfältige frauensperson Schultze nordthür. 32; die (das) trutschel halb scherzhafte benennung einer wohlgenährten weiblichen person, eines derben mädchens Bernd Posen 324; deminutiv trutskᵉlᵉ, f., altes weib Bauer-Collitz waldeck. 105ᵇ; trutschel, dicke trutschel wohlbeleibte person Trachsel berlinisch 58; drutšl dicke frauensperson Teuchert neumärk. 145; vgl. auch ³trusel.
3)
appellativ in der 2. hälfte des 18. jhs. für 'hausiererin', besonders 'Tiroler hausiererin', vgl. trutschel hausierengehende Tyrolerin Chr. Fr. Schrader dt.-frz. wb. (1781) 2, 1390: unter unsern bauern, hirten, jägern, bergleuten, handwerksburschen, kesselführern, hechelträgern, bothsknechten, fuhrleuten, trutscheln, Tyrolern und Tyrolerinnen cursiret wirklich eine erstaunliche menge von liedern (volksliedern) Bürger w. 321ᵇ Bohtz;
wenn mit leisen hutfilzsöckchen
meine braune trutschel geht,
und ihr rothes büffelröckchen
um die dicken schinken weht,
über zäune, steg und brücken
jeden ausgeschlagnen tag,
humpl ich dann auf beiden krücken
ihr mit sack und packe nach
Hölty ged. 205 Halm;
es mag wohl seyn, dasz ... lieder, wie sie die trutscheln singen, unserm ... landvolk behagen allg. dt. bibl. 59, 409; trutschel herumziehende Tyrolerinnen Reinwald henneberg. 173; deminutiv: trutschelchen Tyrolerinnen, die mit allerlei galanteriewaaren handeln Kindleben studentenlex. (1781) bei Kluge studentenspr. 131; und sollte ich auch als ein tyrolertrutschelgen mit ihnen durch die halbe welt ziehen die bunte reihe (1764) 23.
4)
im gleichen anwendungsbereich wie bei 1 und 2 erscheint auch die form truschel, namentlich im md., vgl. druschel name einer dicken weibsperson, doch nur im scherze Loritza id. vienn. 36; druschel, n., dickes kind Schön Saarbr. 52; truschel, f., scheltname, plumpes unbehülfliches frauenzimmer Spiesz henneb. 260; druschel verächtliche weibsperson Kehrein Nassau 1, 118; druschel kosewort für kleines, rundes volles mädchen Vilmar Kurhess. 79; druschel eine ziemlich starke, kleine frauensperson Andreä volksspr. in d. umgegend Erfurts in: sprachwart 1 (1866) 299; druschel plumpe bauerndirn Hertel Thür. 85; truschel (trunschel) dickes mädchen, rundliches persönchen Müller-Fraureuth 1, 256; truschel, druschel scherzend für ein weibsbild, oft selbst für die liebste Weinhold schles. 100ᵇ; auch truschke geliebte, auch brautjungfer (schles.) zs. f. dt. philol. 20, 492: die alte truschel will noch einmal heiern E. v. Taura d. ring d. kaiserin (1864) 2, 80.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1940), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1435, Z. 11.

trutschel1, f., selten m.

¹trutschel, f., selten m.;
mundartlich obd. und md. (vereinzelt nd.) verbreitete bezeichnung für eine weibliche person, auch für ein kind. die deutung des wortes ist umstritten und schwierig; es mit Martin-Lienhart elsäss. 2, 769 aus Gertrud herzuleiten, erscheint abwegig, vgl. auch bad. wb. 579. die von Lexer kärnt. 73, H. Paul dt. wb.³ 549ᵇ erwogene beziehung zu mhd. trût, nhd. traut (bzw. mhd. triuten, vb., nhd. treuten) würde sachlich nur für trutschel 1 möglich sein und die annahme einer frühen vokalkürzung nötig machen. jedenfalls ist trutschel 2 von trutsche nicht zu trennen; bei beiden steht der begriff des dicken, plumpen im vordergrunde, sodasz sich die gleiche etymologie wie bei trutsche empfiehlt. wie öfter ist auch hier das deminutivum eines scheltwortes zum kosenamen geworden, vgl. etwa Stalder schweizer. 1, 310 und heutiges dickerle. -tsch- in trutschel als 'verdichtung' von -sch- in truschel (s. unten 4) aufzufassen (so Lexer a. a. o.) scheitert an der gröszeren verbreitung der form mit -tsch-; im gegenteil ist -sch- in truschel eher als eine erleichterung von -tsch- zu begreifen, die sich wohl z. t. in anlehnung an ähnlich lautende dialektische wörter wie druschel, f., 'dichtes laubwerk' (Vilmar Kurhess. 1, 79), 'stachelbeere' (bad. wb. 579ᵃ, rhein. wb. 1, 1506 s. v. droschel 1), 'drossel' (ebda s. v. droschel 2, Kehrein Nassau 1, 118) herausgebildet hat.
1)
als kosende benennung; zunächst der geliebten, liebsten:
o mein Ule Lapp, sag bald her!
will die (wirtin) mein holder drütschel sein?
Hans Sachs 9, 124 K.-G.;
hierher wohl auch:
mein liebe Gredt, heb an und sing
das new liedla, ich künts auch gern
vom holder trüschl (var. trüschel, trütschel) und morgenstern
ders. 14, 29;
deiner lieben mutter, meiner herzallerliebsten trutschel, ... den heiszesten grusz und kusz von deinem ewig treuen vater Schubart br. 2, 188 D. Fr. Strausz; vgl. auch: mein liebes trotscherlein, mein schätzlein Joh. Riemer d. polit. hasenkopff (1689) 335 und oben truserlein sp. 1429. als deminutivum trutscherle, n., 'brautjungfer, buhldirne' Reinwald henneberg. 174; trutschelchen, n., scherzhafte benennung eines mädchens, welches sich gern liebkosen läszt Kindleben studentenlex. (1781) bei Kluge studentenspr. 131. allgemein als kosewort für eine weibliche person, vgl. Schmeller-Fr. 1, 681, namentlich deminutiv trutscherl, n.: hab ja all mein lebittag kain so hübschs trutscherl mit mein augn gsechn, als die Gehrt jungfferer ist Schwabe volleingesch. tintenfäszl (1745) 58; du gutes trutscherl, und suchst mich und grämst dich um mich, es kunnt mir was geschehen sein Rosegger schr. III 2, 173; vgl.trutscherl rundliches, dralles mädchen oder kind, meist als kosewort in der bedeutung liebling gebraucht Unger-Khull steir. 177; 'trutscherl als ausdruck der liebkosung gegen ein kleingestaltetes hübsches frauenzimmer, das ist a liebes trutscherl' Loritza id. vienn. 134; trutschəl, trutschál zärtliche benennung einer lieben person, besonders eines kindes Schmeller-Fr. a. a. o.; trutschele, n., zärtliche benennung eines kindes, einer geliebten Lexer kärnt. 73;
herzele, trutschele,
mauschele klâns (kleines),
vour lauter freud heirat mer (wir),
gelt prauch mer kâns (keins)
ebda;
drutschel, trutschel, f., zärtliche benennung einer lieben person, besonders eines dickbackigen kindes Kehrein Nassau 1, 118; in anderer lautform: trutzel ein liebkosungswort, zuweilen auch ein scheltwort, was aber dann ein adjektiv, z. b. oll bei sich hat Danneil altmärk. 228. für ein kind: wenn sie (die mutter) ... bewirkt, dasz sie der kleinen keinen von den drei namen giebt, ... so werde ich die kleine trutschel darum nicht weniger mit meiner pathensorge umschwärmen G. Freytag briefe an s. gattin³ 93 Strakosch; vgl. drutschel zärtlicher name für ein liebes, dickes kind Reuting Höchster ma. 13; trutschel, trutscherle, n., liebes kleines kind Blumer nordwestböhm. 32; trutschrl, n., bezeichnung für liebenswürdige kleine, oft auch für dicke kinder Neubauer Egerländer ma. 52; trutscherl, trutschel, n., liebkosende benennung der kinder Schöpf tirol. 762; trutscherle, n., kosewort für kleine kinder Martin-Lienhart 2, 769; trutscharle, n., zärtliche benennung für hübsches kleines kind K. Reiser sagen, gebräuche, sprichw. d. Allgäus 2, 742.
2)
dialektisch besonders verbreitet in mehr oder weniger abschätzigem sinne für eine dicke, plumpe, unbeholfene auch ungeschickte, einfältige, dumme, alte frauensperson; gelegentlich in literarische sprache übernommen: dieser Hector, eine kleine, runde dickstämmige figur, hatte ein noch kleineres, dickeres, unförmlicheres weibchen, eine streng gebietende, leicht zu erzürnende trutschel Wieland in: Fr. v. Raumer histor. taschenbuch 10 (1839) 380; gegen sein (Romeos) fräulein ist (Petrarcas) Laura nur eine küchenmagd, Dido eine trutschel (a dowely), Kleopatra eine zigeunerin, Helena und Hero metzen und lose dirnen Shakespeare (1797) 1, 67; wenn du die dicke trutschel nimmst und das schöne fräulein ... fahren läszt W. Hauff s. w. (1890) 3, 145; deminutiv: verheiratet ihn ... an ein alt trutschelchen, das keinen zahn mehr in den kiefern hat J. H. Voss Shakspeares schauspiele (1818) 3, 353; mundartlich ist bei trutschel die abschätzige vorstellung dicke, plumpe frau im allgemeinen herrschend, doch mischt sich häufig auch der begriff des dicken, drallen und dabei doch hübschen, beweglichen, gutmütigen hinein, der wohl von 1 ausgeht und besonders auf kinder bezogen wird, vgl. z. b. drutschel dicke weibsperson Loritza id. vienn. 36; trotschel, trutschel, trutschle, f., 'dickleibigte, plumpe weibsperson' Stalder schweizer. 1, 310;
... was? du strohlshex, du dolle;
i wurr dich, trutschel du, recht durchkurranze solle
Arnold pfingstmontag (1816) 42,
ebda 197 erklärt als 'gutmütig dummes geschöpf'; du dumme trutschel Martin-Lienhart elsäss. 2, 769; trutschel 'kleines dickes munteres frauenzimmer', 'einfältige, hoffärtige person', 'faules, plumpes mädchen', 'die schwerfällige, dicke', 'dickes, unförmiges weib' bad. wb. 579; trutschel, f., 'dickes, plumpes, gutmütiges weib', 'dickes, aber bewegliches weib', deminutiv trutscherle, n., 'kleines dickes, munteres mädchen', 'einfältiges, auch altes mädchen', 'dicke, jedoch hübsche, liebwerte weibsperson' Fischer schwäb. 2, 429, dazu trotschele 'rundbackiges kind' ebda; drutschel, f., dicke, schwammige person Ruckert unterfränk. 44; trutschl, f., eine allzu kleine, aber dicke frauensperson, trutschela kosebezeichnung für molliges kind ebda 185; drutschel kurze, runde, fleischige weibliche person Schön Saarbrücken 52; drutschel kleines frauenzimmer Autenrieth pfälz. 37; trutšl verächtliche bezeichnung einer beleibten frauensperson Meisinger Rapp. 208; trutschel dickes frauenzimmer Schön Saarbrücken 213; trutschel dickes, unbeholfenes mädchen lux. ma. 444; drudschel kleines rundliches mädchen, von gröszeren ön dögg (dicke) drudschel Christa Trier 73; trutschel dickes, gemütliches frauenzimmer Rovenhagen Aachen 148; en ge̹cke trutschel ein albernes frauenzimmer Hönig Kölner ma. 183; trutschel alte jungfer Buchrucker Elberfelder ma. 165, Leithäuser Barmer ma. 161; drutschel liebkosungswort für dickes, wohlaussehendes mädchen (nicht volkstümlich) Crecelius oberhess. 306; trutschel ein dickes, fettes kind weiblichen geschlechts, auch bisweilen eine dicke weibsperson Schmidt westerw. 271; trudschel dicke, plumpe oder unbeholfene weibsperson Reinwald henneberg. 173; drutschel rundliche volle person Hertel Thür. 85; trutšl langsame person Hentrich Eichsfeld 30; trutschel eine wohlgenährte und daher quabbelige, weibliche person Anton Oberlausitz 13, 20; truutschel einfältige frauensperson Schultze nordthür. 32; die (das) trutschel halb scherzhafte benennung einer wohlgenährten weiblichen person, eines derben mädchens Bernd Posen 324; deminutiv trutskᵉlᵉ, f., altes weib Bauer-Collitz waldeck. 105ᵇ; trutschel, dicke trutschel wohlbeleibte person Trachsel berlinisch 58; drutšl dicke frauensperson Teuchert neumärk. 145; vgl. auch ³trusel.
3)
appellativ in der 2. hälfte des 18. jhs. für 'hausiererin', besonders 'Tiroler hausiererin', vgl. trutschel hausierengehende Tyrolerin Chr. Fr. Schrader dt.-frz. wb. (1781) 2, 1390: unter unsern bauern, hirten, jägern, bergleuten, handwerksburschen, kesselführern, hechelträgern, bothsknechten, fuhrleuten, trutscheln, Tyrolern und Tyrolerinnen cursiret wirklich eine erstaunliche menge von liedern (volksliedern) Bürger w. 321ᵇ Bohtz;
wenn mit leisen hutfilzsöckchen
meine braune trutschel geht,
und ihr rothes büffelröckchen
um die dicken schinken weht,
über zäune, steg und brücken
jeden ausgeschlagnen tag,
humpl ich dann auf beiden krücken
ihr mit sack und packe nach
Hölty ged. 205 Halm;
es mag wohl seyn, dasz ... lieder, wie sie die trutscheln singen, unserm ... landvolk behagen allg. dt. bibl. 59, 409; trutschel herumziehende Tyrolerinnen Reinwald henneberg. 173; deminutiv: trutschelchen Tyrolerinnen, die mit allerlei galanteriewaaren handeln Kindleben studentenlex. (1781) bei Kluge studentenspr. 131; und sollte ich auch als ein tyrolertrutschelgen mit ihnen durch die halbe welt ziehen die bunte reihe (1764) 23.
4)
im gleichen anwendungsbereich wie bei 1 und 2 erscheint auch die form truschel, namentlich im md., vgl. druschel name einer dicken weibsperson, doch nur im scherze Loritza id. vienn. 36; druschel, n., dickes kind Schön Saarbr. 52; truschel, f., scheltname, plumpes unbehülfliches frauenzimmer Spiesz henneb. 260; druschel verächtliche weibsperson Kehrein Nassau 1, 118; druschel kosewort für kleines, rundes volles mädchen Vilmar Kurhess. 79; druschel eine ziemlich starke, kleine frauensperson Andreä volksspr. in d. umgegend Erfurts in: sprachwart 1 (1866) 299; druschel plumpe bauerndirn Hertel Thür. 85; truschel (trunschel) dickes mädchen, rundliches persönchen Müller-Fraureuth 1, 256; truschel, druschel scherzend für ein weibsbild, oft selbst für die liebste Weinhold schles. 100ᵇ; auch truschke geliebte, auch brautjungfer (schles.) zs. f. dt. philol. 20, 492: die alte truschel will noch einmal heiern E. v. Taura d. ring d. kaiserin (1864) 2, 80.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1940), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1435, Z. 11.

trutschel2, f.

²trutschel, f.,
nebenform für drossel teil 2, sp. 1435 vgl. ¹trossel oben sp. 899:
die trutschel und die frau nachtigall,
die saszen auf einer linden
Mittler dt. volkslieder 464.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1940), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1437, Z. 53.

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Zitationshilfe
„trutschel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/trutschel>, abgerufen am 19.09.2021.

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