Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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trotte, f.

trotte, f.,
kelter. seit dem 9. jh. bezeugte hd. bildung zu treten (wohl nachbildung des lat. calcatura, das zunächst 'das treten' bedeutet, vgl. Seiler entw. d. dt. kultur 1², 149); ahd. trota torcular ahd. gl. 1, 293ᵇ St.-S. (alem., 9. jh.), dazu in wîntroton Notker 2, 211 Piper; trote prelo ahd. gl. 3, 412ᵃ, troͮta calcatorium, torcular 3, 315ᵃ (beide 12. jh.) und mit variante des stammvocals truta calcatorium, torcular ebda 3, 297ᵇ, 348ᵇ (13. u. 11. jh.). heute ist trotte im wesentlichen auf alem. mundarten beschränkt (z. b. trote Hunziker Aargauer wb. 60, trotte Fischer schwäb. 2, 408, bad. wb. 1, 571, trott Martin-Lienhart elsäss. 2, 768ᵃ), während im übrigen die aus dem romanischen entlehnten synonyma gelten, vgl. torkel im schwäb., perse am Niederrhein, kelter in Mitteldeutschland, von wo aus es in die schriftsprache gelangte, vgl. Frings Germ. rom. (1932) 60 fuszn.; so wird Luthers kelter in den Wormser propheten und der Züricher bibel (1537) durch trott(e) ersetzt, s. Kluge von Luther bis Lessing (1918) 101. während in den ältesten belegen die schreibung mit einfachem t im wurzelauslaut durchaus feststeht, tritt seit dem 14. jh. die doppelschreibung mit tt auf (z. b. bei Fritsche Closener, s. u. 1) und setzt sich schnell durch. die erhaltung der urspr. kürze des vokals (bezeichnet durch die doppelschreibung des konsonanten) ist mundartlich bedingt; im hochalem. ist allgemein, im niederalem. und schwäb. teilweise die nhd. tondehnung unterblieben; daneben liesze sich auch mit einflusz von trotten (wo die kürze des vokals und gemination des konsonanten expressiv sein könnte) rechnen.
1)
da man nur weintrauben, nicht aber auch andere früchte, mit den füszen auszutreten pflegte, begegnet trotte zunächst nur im bereich des weinbaus, ursprünglich für den ort oder die anlage zum traubentreten (s. o.), daneben aber auch für die künstlichen preszinstrumente wie meist für weinkelter überhaupt, vgl. torcular trotte, drotte, trot, drot Diefenbach 588ᵃ; trotte, kelter, trottbaum un pressoir, prelum Widerhold teutsch-franz.-lat. (1669) 343ᵃ: dasz man die trubele muͦst mit korben und mit secken uf die trotten tragen und mit schuhen tretten Fritsche Closener in: städtechron. 8, 133; warumb ist dein gewand rot und dein kleid als der tretenden in der trodten spiegel menschl. behaltnusse (1492) 83ᵇ (dagegen Luther: eines keltertreters Jes. 63, 2); in die drott soll man gon mit geweschen fuͤszen Petrus de Crescentiis nutz der ding (1518) 46ᵇ; im herbst, so der wein von der trotten kommt Paracelsus chir. bücher (1618) 23 B.; darumb auch die preszzeug, trotten oder kälter nicht ferr davon (von der küche) sein sollen, damit man alle ding an der hand hab Sebiz feldbau (1580) 32; die trauben werden ... zur kelter oder trotte geführt Oken (1839) 3, 1868. bildlich: des teufels trotte und kelter, wo er für seine schenken den branntwein presse aus denen, welche auf erden herzen gepeinigt ... hätten Jer. Gotthelf ges. schr. (1855) 12, 77. in metaphorischer, auf biblischen bildgebrauch (vgl. z. b. offenb. 14, 19, Jes. 63, 3) zurückgehender wendung: leiden ist gleich einer trotten, damit man wein trottet: wen so der traube getrottet würd, so flieszet aus ihm, was in ihm ist; ... also ist es auch, so der mensch getrucket würd mit leiden Tauler nachfolg. Christi (1621) 133; ähnlich: die trotten oder kältern (verstand) des leidens hab ich (gott) allein getretten Geiler v. Keisersberg schiff d. penitenz (1514) 84ᵃ; ein jeglich ceremonia ist der verzweiflung trotten Paracelsus opera (1616) 1, 115. von hier aus rein übertragen (s. u. ¹trotten 2): aber etlich menschen ..., den git got ein trot (beschwernis), das ist, si gent in liden und widerwertigkeit Geiler v. Keisersberg bilgerschaft (1512) 14ᵇ;
wir können in dieselben trotten (bedrängnis)
auch wol kommen zu seiner zeit,
darin jetzt unser nechste leit
Burkard Waldis Esopus 1, 264 Kurz.
2)
jünger für fruchtpresse oder presse schlechthin: hestu selber ein trot, so trot inn (d. i. den zundel) Geiler v. Keisersberg bilgersch. (1512) 14ᵃ;
ein trot, darvon birnmost und suroch (most der berberitze) rint
ged. vom hausrat 2 c 1ᵃ Hampe (Straszburg um 1514);
vierunddreiszig kältern oder trotten ..., damit sie den zucker austruckten
N. Höniger indian. königreich (1579) 87;
trotte 'stampf-, preszmühle, z. b. öltrotte ölmühle'
Buck obd. flurnamenb. 283;
trotte 'am Rhein die quetschmaschinen in stärkefabriken'
Mothes ill. baulex. (1882) 4, 376;
elsäss. trotten 'hölzerne cylindrische käseformen zur bereitung des münsterkäses' Martiny milchwirtsch. (1907) 130.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1939), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1075, Z. 47.

trotte, f., m.

trotte, f., m.,
s. unter trude sp. 1234.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1939), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1076, Z. 56.

trutte, f.

trutte, f.,
nachtgespenst, hexe, s. trude sp. 1233.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1940), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1438, Z. 36.

trutte, f.

trutte, f.,
name der bachforelle; lehnwort aus mlat. trut(t)a ˂ lat. tructa, vgl. mnl. truytten, voeren, ein visch tructa, harena van der Schueren Teuthonista 278 Clignett sowie Verwijs-Verdam 8, 752, frz. truite: der süszen wasseren rhum stehet fürnemlich in zweierlei fischen art, nemlich der trutten und sturionen (truttarum et sturionum). diese beyde haben viel species, under ihnen die fürnemeste und berümpteste ist der salm H. Frölich offenbar. d. natur (1591) 272; nach Adelung 1094 angeblich name der aalraupe (vgl. oben ²trusche sp. 1426): 'in einigen deutschen gegenden trutte genannt' 4 (1780) 1094, was aber verwechslung mit ²trusche oder rutte (s. teil 8, sp. 1570) sein wird, vgl. 'a trutta longe differt piscis, quem Germani quidam rutte vocant, nostri treusche' C. Gesner hist. animal. 4 (1620) 1009.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1940), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1438, Z. 37.

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Zitationshilfe
„trutte“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/trutte>, abgerufen am 20.09.2021.

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