Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

twiete, f.

twiete, f.,
schmaler durchgang, enge strasze, gasse; wohl über adän. tvede auf anord. þveit (a piece of land, paddock Cleasby-Vigfusson 752, ebda auch öng-þveiti a narrow lane, strait) zurückgehend, ein zu anord. þveita 'hauen', ae. þwītan 'schneiden' gehöriges verbalabstraktum etwa mit der grundbedeutung 'eingeschnittenes, gerodetes' (vgl. anord. þveitr querhieb, einschnitt; norw. tveit querhieb, einschnitt, furche; graslichtung im walde oder zwischen felsen, rodung; dän. tvede landzunge, im ä.dän. auch 'streifen wiesenlandes' Falk-Torp 1302; schwed. tveta 'avsöndrade jordstycken', i vissa namn paͦ tvet- 'röjning' Hellquist ³1251), das auch ins englische (thwaite a piece of ground cleared from forest Murray 9, 2, 399; s. auch Falk-Torp a. a. o.) u. niederländische (duit ˂ þveiti a kind of small coin, subdivision of an ounce, a fraction, cut-off piece Cleasby-Vigfusson a. a. o., s. auch Franckvan Wijk 141) gedrungen ist. twiete ist seit dem 14. jh. im nordwestdt. sprachgebiet nachweisbar u. bleibt im wesentlichen darauf beschränkt; dem entspricht die heutige mundartliche verbreitung, (s. auch Kretschmer wortgeogr. 493): twyte Richey id. Hamburg. 319; twite Krüger Emden 70; twiete Schütze holst. 3, 293; twiet Mensing schlesw.-holst. 5, 220; twit Mi mecklenb.-vorpomm. 96; twīte Woeste westf. 278; twēte Bauer-Collitz waldeck. 106; Martin ma. v. Rhoden 278; Damköhler Nordharz 197; Block Eilsdorf 99; twētje Fromme Hohenbostel (nieders.) 86 Alpers; twêtje, twechtje, twechte, twîtje (mit diminutivsuffix) Schambach Göttingen 238; im ostfries. als twenter (an ableitungen von twêne 'zwei' angelehnt) Doornkaat-Koolman 3, 454. — 'schmaler durchgang, enge strasze, gasse': Gevehardes tweyte (1375) urk.-b. d. st. Halberstadt 1, nr. 575 Schmidt (1400: Gheverdes twete ebda 4, 439); Brunstratentwiete (1484) W. Brehmer Lübecker straszennamen, hans. gesch. bll. (1879) nachr. s. XX; in den straten vnde den twyten der stad qu. d. 15. jhs. bei Schiller-Lübben 4, 648; die enge gäszlein (twiten) haben mehrentheils keine durchgänge Comenius janua (Hamburg 1638) § 617; ähnlich bei Ludwig: twite, ein enges gäszlein an alley or lane teutsch-engl. (1716) 2042; wer diese ... laute vernahm, dem ward zu mute, als röche er ... die twieten des Mönkedamms Heine s. w. 6, 368 Elster;
... die quiekendste weihnachtstrompete,
in der schmutzigsten twiete vom garstigsten rangen geblasen
Hebbel w. 8, 290 Werner;
langsam durchschritten sie den düstern, mit fliesen ausgelegten pesel, dessen hohe fenster nach einer engen sonnenlosen twiete hinauslagen Storm s. w. 4, 12 Köster; einer war aus dem leichenhause herausgekommen, in todesangst, so schnell er laufen konnte, eine 'tweete' hinab und war noch über die hecke gesprungen L. F. Werner aus einer vergessenen ecke (1913) 27; in einer engen twiete bei der Johannisstrasze Th. Mann Buddenbrooks (1904) 1, 86; er (Unrat) folgte den beiden proletariern und ihrem zu erschlieszenden sprachschatz durch mehrere kotige 'twieten' (Lübecks) H. Mann d. blaue engel (1950) 50. mundartlich ist twiete auch als 'schmaler weg zwischen zwei hecken' Bauer-Collitz u. Damköhler a. a. o., sowie als 'gang zwischen gärten' Woeste a. a. o. bezeugt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1955, Z. 57.

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Zitationshilfe
„twiete“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/twiete>, abgerufen am 08.07.2020.

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