ulme f.
Fundstelle: Lfg. 5 (1932), Bd. XI,II (1936), Sp. 755, Z. 4
rüster, ulmus, im 18./19. jahrh. auch masc. der ulm Kramer (1702) 2, 1196ᵇ; Steinbach 2, 895 und besonders in der poetischen spr., z. b. Hagedorn, J. A. Schlegel, Klopstock, Gleim, F. Weisze, Herder, Voss, Kosegarten, Tiedge (s. u.). die ahd. u. mhd. hochstufenform elm, ilm (-baum) ahd. gl. 3, 40, 52 ff.; mhd. wb. 1, 227; Lexer 1, 541 lebt fort in mundartl. formen ilm, ilme, masc. bzw. fem., s. Staub-Tobler 1, 193; Schmeller-Fr. 1, 68; Müller-Fraureuth 2, 595; Gerbet 429. mnd. elm (neben olm); ags. engl. elm; an. almr; dän. elm; schw. alm. schwundstufig lat. ulmus, mit der rom. sippe rum. ulm, ital. olmo, franz. orme u. s. w., s. Meyer-Lübke 687ᵃ. die schriftdeutsche form ulm(e) (einmal auch olme Fischart Garg. 41 ndr.) ist wohl als entlehnung aus dem lat. zu fassen, da ulmbaum (s. d.) zuerst im 12. jahrh., ulme erst im 15. jahrh. (Petrus de Cresc. Berliner incunabel von etwa 1495 fol. 97ᵇ) neben das seit dem 9. jahrh. im ahd. und ags. bezeugte echt germ. elm tritt.
bedeutung: a) 'ulmus campestris, gemeine feldulme oder breitblättrige ulme, in der Pfalz effer, effenbaum, ... fliegenbaum, ... leimbaum' Adelung 4, 791; 'yffenholtz, gemeine rüster, ... röster in Mecklenburg ..., ulm, ilm ... in Sachsen' Metzger pflanzenk. (1841) 412; Moser forstarchiv 6, 39. b) 'ulmus minor, die schmalblätterige, ulme, iper, steinlinde, in Nieders. wieke, ... wiezer' Adelung a. a. o.; Voigt handwb. (1807) 2, 523; nur hört man in den ypern (ulmen) die eulen schreien T. Kröger wohn. d. glücks 228; ulmen sind zwei arten in Südbayern, die feldulme oder rüster (ulmus campestris) und die rispenulme (u. effusa) Bavaria 1, 162; ähnlich: wir haben der ulmen zweierlei arten, die rauhe und glatte Zschokke s. ausgew. schr. 11, 64. c) auch ulmus montana: Geszner cat. plant. 65; 78; ulmen, so auf einem gebirge wachsen Ludwig teutsch-engl. lex. (1716) 2217. in den meisten folgenden litterarischen belegen ist wohl ulmus campestris gemeint: ulme ist ein baum der allen luft erleyden mag Petrus de Crescentiis (1531) 86; darinnen (im buch) hat man seinen stammen (stammbaum) ... beschriben gefunden ... auf olmen oder rüstbaumrinden Fischart Garg. 41 ndr.; warum lagern wir uns nicht unter diese ulmen und haselstauden hin? Ramler einl. (1758) 1, 370; behagt dir der anblick der eiche oder der buche oder irgend eines der hochstämmigen bäume des waldes nicht Zimmermann einsamkeit 4, 29; unter ulmen und erlengebüsch Mörike w. (1905) 3, 29; die wege ... führten ... unter die dunkeln bäume eines lustwaldes, ahorne, ulmen, und eschen G. Keller ges. w. 3, 138; die ulmen ... ächzen und schlagen ihre nackten zweige aneinander Storm 8, 49; eine gruppe mächtiger ulmen Moltke ges. schr. u. denkw. 1, 238; das holz der ulme ... ist ... zu wasserröhren ... wohl verwendbar Helfft wb. d. landbauk. (1836) 379;
im wilden lustgehölz von birken, ulmen, buchen
J. G. Jacobi s. w. 3, 132;
Göthe 4, 319 W.; S. Mereau ged. (1800) 1, 114. häufig wird die ulme als stütze der rebe (ital. weincultur) genannt und diese vergesellschaftung auch zu vergleich u. bild benützt: du hast den weinstock noch nicht so hoch an den ulm hinaufgewunden, als du mir sagtest, dasz du thun wolltest Klopstock 8, 20 (tod Adams 1, 6); Hagedorn 2, 17; J. A. Schlegel verm. ged. (1787) 1, 10; Herder w. 27, 41 S.; Kosegarten rhaps. 2 (1794) 230;
die reben ümfangen
aus süszem verlangen
die ulmen mit lust
Ph. Zesen vermehrt. Helikon (1656) 2, 132;
diese ulmen mit reben umsponnen,
sind sie nicht kinder unsrer sonnen?
Schiller 14, 23 G.;
um die ulmen rankt der wein
Geibel 1, 212.
ähnlich:
es erglüht die traub am schleedorn, die balsamische pomeranz
an dem ulm, die feig am buchbaum
J. H. Voss 3, 195.
im vergleich und bildlichen gebrauch:
gleichwie die edle reben
sich nach der ulmen tuhn, so lenkket sich mein sinn,
o auserwehltes hertz, nach euren augen hin
Rachel satyr. ged. 21 ndr.;
H. v. Hoffmannswaldau u. a. ged. 6, 145 N.; Neukirch ged. (1744) 31;
so wie den prächtigen ulm geschmeidiger epheu umarmet
Dusch verm. w. (1754) titelbl. 3 b;
im sturm tobender leidenschaft schlang sie sich fest um sein herz wie epheu um die ulme maler Müller (1811) 1, 70;
umarmend wie den ulm des weines ranke
so treu umschlang die freiheit das gesetz
Tiedge w. (1823) 3, 81;
des fürsten und des volkes rechte sind
verwoben wie sich ulm und reb umschlingen
Uhland 1, 81;
ach! war er nicht mein ulm? war ich nicht seine rebe?
Chr. F. Weisze lustsp. 1, 385;
die ulme meines lebens ist gefällt,
an der die rebe meiner liebe hing
Platen w. 2, 188 R.
ulm, ulme m.f.
Fundstelle: Lfg. 5 (1932), Bd. XI,II (1936), Sp. 754, Z. 70
seitenwand eines stollens, term. der bergwerkspr., s. Scheuchenstuel (1856) 247; Veith bergwb. (1870) 511; Mothes ill. baulex. (1882) 2, 533; Hoyer-Kreuter technol. wb. (1902 ff.) 1, 788; vgl. Unger-Khull steir. sprachschatz 605ᵇ. zu hulbe, f., riegel, balken, s. o. th. 4, 2 sp. 1886. —
Zitationshilfe
„ulme“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/ulme>, abgerufen am 22.02.2019.

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