umbilden vb.
Fundstelle: Lfg. 6 (1933), Bd. XI,II (1936), Sp. 817, Z. 46
seit der mitte des 18. jahrh. belegt, zuerst bei Dusch verm. schr. (1754) 298. nur zweimal findet sich die sonst stets übliche trennung der composition im präs. nicht, beidemal im vers, offenbar unter dem zwang der metrik: sie umbildet Herder 27, 261 S.; wir umbilden grafen zu Stolberg 2, 171.
1)
eine andere gestalt geben. die art der änderung oder die neue form wird z. t. durch zusatz deutlich gemacht. der anwendungsbereich umfaszt jegliches gebilde, gegenstände der natur, öffentliche einrichtungen, auch gebilde gedanklicher art:
indesz schallt eine stimme: „werde!“
und umgebildet geht die erde (beim jüngsten gericht)
aus ihrer alten asche neu hervor
J. A. Cramer s. ged. 3, 257;
den stoff, den sie (eiche und weinstock) zu eicheln und trauben umbilden F. Th. v. Schubert 1, 229; der lebensverlauf solcher geschöpfe (der insecten) ist ein fortwährendes umbilden Göthe II 6, 17 W.; wie geschickt er (Alexander d. gr.) die sitten der Asiaten und der Griechen umzubilden verstand Fr. Schlegel 4, 231; den staat und die staatsformen überlieszen wir Frankreich umzubilden Gervinus gesch. d. deutschen dicht.⁴ 4, 379; dasz die vielgötterei sich rein von innen heraus in einen ächten monotheismus umgebildet habe Schleiermacher I 3, 46; Scharnhorst ... gelang (es) ..., ein ganzes volk zu einem kriegsfertigen heere umzubilden Treitschke deutsche gesch. im 19. jahrh. 1, 443; die ganz anarchische verwaltung in eine wirkliche monarchie umzubilden Moltke ges. schr. 2, 132; die ... von Gierke ... umgebildete sogenannte gildetheorie hdwb. d. staatswiss. 4, 726; das strafwesen des offizierkorps wurde umgebildet Meinecke Boyen 1, 179; vom umgestalten menschlichen wesens: die kinder ... völlig umzubilden, dazu gehören solche anstalten J. Möser 1, 179 Abeken; fahren sie ... fort, ... rohe menschen lieber bilden als schon gebildete umbilden zu wollen Lessing 18, 325 L.-M.; die natur bildet den menschen, er bildet sich um Göthe 37, 329 W. am häufigsten in der sprache der literatur und kunst, wo der eigentliche sinn des bildens noch stark empfunden wird: diese art einen dichter umzubilden halten wir für den traurigsten miszgriff, den ein fleisziger ... übersetzer thun könnte Göthe 7, 738 W.; der künstler ... musz das wirkliche zum ausdruck der idee umbilden Solger vorlesungen über ästhetik 239; (der bildhauer) der den spröden und todten marmor zu einer lebenden göttergestalt umbildet Krummacher das wörtlein und (1811) 63; der componist kann garnichts umbilden, er musz alles umerschaffen Hanslick vom musikalisch schönen 91; wie die Griechen bei ihren statuen das individuelle zum masze einer höheren schönheit umzubilden suchen Herman Grimm Michelangelo 2, 175.
2)
grammatisch im sinne von 'flectieren' bei Klopstock: wir haben drei arten, wirkungswörter umzubilden: 1) mit dem umlaute singen, sang briefe 278 Lapp.umbilder, m., nomen agentis zu umbilden: alle grosze dichter sind auch verbesserer, oft umbilder ihrer sprache geworden Chr. Fr. D. Schubart ges. schr. 6, 133; männer, welche eben noch unter den umbildern von Frankreich in der ersten linie standen Dahlmann gesch. d. frz. revolution 407. —
Zitationshilfe
„umbilden“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/umbilden>, abgerufen am 06.12.2019.

Weitere Informationen …