umkommen vb
Fundstelle: Lfg. 7 (1934), Bd. XI,II (1936), Sp. 978, Z. 71
A.
trennbar. im part. praet. fehlt z. t. das -ge- wie im simplex (s. teil 5, 1628) bis ins 18. jahrh., z. b. umbkomen A. v. Eyb deutsche schr. 1, 9; umbkommen Platter 79 Boos; des umkommenen Lohenstein Arminius 1, 84; umkomen Hahn staatshist. (1721) 1, 257; Herder 6, 372 S. zerteilung der sonst üblichen componierten formen findet sich aus metrischen gründen in der poesie: sollest komen um : frum Maximilian Teuerdank 58 Göd.; die umb sind kummen : ingenumen Murner gäuchmatt in deutsche schr. 5, 223 Fuchs; (er) wer kommen umb : frumb H. Sachs 8, 517 K.; wenn wir kommen um : darum Fleming ged. 1, 113 Lapp.; aber auch in prosa: das ich ... umb liesse kumen Zwingli freiheit der speisen 4 ndr. andrerseits werden die trennbaren formen auch zusammengesetzt verwendet: Cunrat umbkam Tschudi chron. Helvet. 1, 8; sie umbkamen buch der liebe (1587) 275ᵃ.
1)
wie bei umbringen (s. sp. 828) sind die verwendungen von umkommen auszer der gebräuchlichsten für 'ums leben kommen, zu grunde gehen, verderben' (s. u. 2) spärlich und fast nur in älterer zeit, heute dialektisch und vereinzelt auch poetisch bezeugt.
a)
'sich drehen', nur vereinzelt:
so grote ghewalt up erden ne quam,
de nicht korte tyd eyn ende nam ...
wan dat luckerath (glücksrad) ummekam
Hans v. Ghetelen narrenschyp 114 Brandes.
b)
vom kreislauf der zeit, 'ablaufen, herum-, zu ende gehen': wen disz jar noch seiner czäl ummekummit, so sal der gnant Jacoff Gerdruten sei muthern eine kü widder antwerten (1439). urkd. z. gesch. des markgrafentums Niederlausitz 2, 1, 43; do die drei wochen umbquomen, do besaczte ... (1453) acten der ständetage Preuszens 4, 53; es kamen drei jar umb 1. kön. 22, 1; ehe ein jahr ümkam Paullini erbauliche lust (1695) 523.
c)
herum-, umherkommen; im kreis herumgehen: der nit kumpt in den rat ... bi der ersten frag, e daz die umbkomi und uszgeriht wirt (1404) oberschwäb. stadtrechte 1, 55 K. O. Müller; ik bin nog nig ümkamen ich habe meinen besuch noch nicht bei allen abgelegt Dähnert plattdeutsch. 502ᵃ. mehr wie 'zu ende kommen': ich kann vor geschäften nicht umkommen in tot tantisque negotiis, occupationibus, curis, laboribus quo me vertam, nescio; quid occipiam, non satis video Aler dict. (1727) 2, 2050ᵃ; er mag nüd omkoh er ist nicht im stande, alle geschäfte abzutun Tobler appenzell. 348ᵇ; wie 'reihum gehen' (vgl.umgehen B 2), ebenfalls mit der ursprünglichen vorstellung eines kreises: wie er seiner vorigen frauen in irer kranckheit gewacht und gepfleget hatte, also pfleget sein widerumb die ander junge frau auch in seiner kranckheit: also kompt zalltag umb Hennenberger preusz. landtafel (1595) 177; der grundvorstellung fernerstehend, im sinne 'von mund zu mund gehen': ich ... diktier einem skrizler ... das leibhafte bild von einem dortigen wurmdoktor in die feder, das ding kommt um, der kerl wird eingezogen Schiller 2, 79 G.; man weisz nicht, wie so was umkommt und sich in der leute mund verunstaltet Mörike maler Nolten (1832) 213.
d)
mit etwas umkommen damit rundkommen, auskommen, ausreichen. mit ähnlicher vorstellung wie im voraufgehenden, eigentlich: in einem bestimmten kreis von menschen mit einer sache, die man verteilt, herumkommen (vgl. 1 a), sodasz alle etwas erhalten, nur mundartlich: ik kan mit'n brôd nët umkamen Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 462ᵃ; s. auch Richey id. Hamburg. 326; Schütze holst. 4, 311; mit verschweigung der präpos. bestimmung: du warst nig ümkamen du wirst mit dem, was du hast, nicht ausreichen, dasz ein jeder etwas bekommen kann Dähnert plattdeutsch. 502ᵃ; anders, mit einer arbeit fertig werden, zu gange, zu rande kommen, s. Stürenburg ostfries. 296ᵃ; Jensen nordfries. 95.
e)
mit jem. umkommen mit ihm auskommen, fertig werden: man findet ... manchen schebichten bawrn, mit dem weniger umbzukomen ist denn mit keinem herrn und fursten Luther 32, 307 W.; also ists mit eim jeden menschen, wenn er gute tage hat, ist nicht wol mit im umbzukomen 28, 843 W.; (sie) schilt, fluchet und rumort im hause, dass niemandt kann mit yhr umbkommen Agricola 750 teutscher sprichw. (1534) J 8ᵃ; so ... ein weib klug und verstendig sein wird, wird sie mit dem manne allezeit rechtschaffen können umbkommen Barth weiberspiegel (1565) R 5ᵃ; ihr vater wurde von jahr zu jahr grilliger, und es war beinahe kein umkommen mit ihm I. Frapan was der alltag dichtet (1899) 247. im sinne von 'gewachsen sein': dasz ... wie sehr er sich spreusset, ihm doch noch wol die wage zu halten und mit ihm ümbzukommen stehet Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 206.
f)
zurückkommen, nur mundartlich: me cha i dér zitt stärpen und wider ummecho Seiler Basel 295ᵇ; s. auch Hunziker Aargau. 276; Leihener Cronenberg. 88ᵇ; Rovenhagen Aachen. 97; wi willen mörgen umkamen Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 462ᵃ; stürrt 'n katt na Engeland, se sall as katt wer umkamen Kern-Willms ostfriesl. 5.
g)
der ausgangspunkt der bewegung ist angegeben, im sinne von weggebracht, getrennt, vertrieben werden: das ir bald werdet umbkomen von dem lande, in welchs ir gehet ..., ir werdet nicht lange drinnen bleiben (perituros vos esse de terra) 5. Mos. 4, 26; s. auch 5. Mos. 11, 17; nach 2 hin neigend, beseitigt werden: der herr ist könig imer und ewiglich, die heiden müssen aus seinem land umbkomen (peribitis, gentes, de terra illius) ps. 10, 16. vgl. dazu umbringen A 5.
2)
'ums leben kommen', bei sachen 'vernichtet werden, verderben', die hauptbedeutung seit alters. näheres über die erklärung des um s. sp. 829 und am ende der alphabetischen reihe unter den compositionstypen.
a)
gewaltsam ums leben kommen, getötet werden; mors naturalis wann einer von im selbst stirbt, mors violenta da einer umbkumpt Alberus (1540) 21ᵇ; ferro necari ... mit dem schwerdt umbkommen Frisius (1556) 1104ᵇ; umbkommen, daz leben verlieren mourir Hulsius-Ravellus (1616) 365ᵇ.
α)
von jem. getötet werden; ab aliquo perire von einem umbkommen oder getödt werden Frisius (1556) 1ᵃ; manu alicuius cadere von einem umbkummen Schönsleder prompt. (1647) H h 1ᵃ; in diesem weiten sinne statt des heutigen 'erschlagen, ermordet, hingerichtet werden' in der jüngeren sprache nur noch selten möglich: das Brutus ... von den feinden umbkomen was A. v. Eyb deutsche schr. 1, 9; der sein bettgenossen heimlich oder offenlich umbringt oder rath und that darzuͦ giebt, das sein eigner her umbkompt S. Franck chron. Germ. (1538) 87ᵇ; der in dem ehebruch ergriffen und also vom ehemann umbkommen statutenbuch (1572) 152ᵃ;
warumb bin ich von deiner hand
in meinem lieben vatterland
wie andre burger nicht umbkommen
Spreng Ilias (1610) 4ᵇ;
wie denn auch des zur unschuld entleibten Hans Buchses armen wittiben und hinterlassenen kindern ein testimonium innocentiae und dasz er nicht etwan als eine malefizperson umbkomen ... ertheilen zu lassen (1619) acta publica 2, 317; lieber vom hencker als einem redlichen feinde umbkommen Lohenstein Arminius (1689) 1, 58ᵃ; heute noch durch jem., durch jemandes hand: derer (katzen) doch täglich viel tausend durch menschen-hände umkommen J. G. Schmidt rockenphilosophie (1706) 1, 107; durch raubthiere, wilddiebe ... umgekommene hirsche und wildpret H. F. v. Göchhausen notabilia venatoris (1741) 309; kam er (Bileam) nicht selbst durch die hände Israels um? Herder 12, 164 S.
β)
vom tode vor dem feind statt des heute üblicheren fallen; multi desyderati in pugna vil seind umbkommen Alberus (1540) f 4ᵃ; morire in guerra im krieg umbkommen Hulsius (1618) 2, 255ᵇ. auch heute noch anwendbar, wenn es sich um den tot vieler handelt oder die näheren umstände des todes ungewisz bleiben:
fürwar uff der eidgenossen ort
sind nit zwentzig mann umbkommen
(15. jahrh.) bei W. Wackernagel altdeutsches lesebuch 1, 1054;
die edlen ritter mit vil andern laugend nider und kommend umb Oheim Reichenauer chron. 107 lit. ver.; nach fast groszem todschlag, do ander hobtlüt waren umbkomen Steinhöwel de claris mulieribus 104 lit. ver.; als er (mein mann) in einem krieg umbkummen, bin ich also in witwelichem standt bliben Montanus schwankb. 361 lit. ver.; in dieser schlacht sind von allen theilen viel umbkommen und verwundet Binhardus thüring. chronica (1613) 20; die cörper derjenigen, so in der schlacht geblieben, auch an denselben orte, wo sie umkommen, begraben werden solten v. Fleming soldat (1726) 371; ihr sohn sey in einem treffen für sein vaterland umgekommen Zimmermann nationalstolz (1758) 226; ungewöhnlich, weil dem worte das heroische abgeht (s. γ):
o wie selig preisz ich euch nun, wie selig, ihr helden,
deren schicksal es war, an Trojas erhabenen mauern
umzukommen
Schiller 1, 122 G.;
den geübten krieger, der bey einer so bedeutenden gelegenheit mit ehren umgekommen Göthe IV 19, 339 W.
γ)
einem unglücksfall, einer naturkatastrophe, überhaupt höherer gewalt zum opfer fallen oder an entbehrungen (hunger, durst, kälte, hitze) langsam zugrunde gehen, dies die heute allgemein übliche verwendung, der jedoch weniger möglichkeiten offen stehen als im älteren nhd.:
Core eyn egen hoͤvet vor syk nam (handelte eigenmächtig),
darumme he myt syneme volke ummequam
Hans v. Ghetelen narrenschyp 84 Brandes;
doch haben sie gros acht, das keiner (der gefangenen) umbkom und getödet werd S. Franck chronica der Turckey (1530) C 1ᵃ; (es) mögen der königischen auf 300 umkumben und ertrunckhen (sein) Ch. Scheurl briefbuch 2, 146; solliche junge weiber in der geburt also blöd gemeiniglich umbkummen Ryff spiegel der gesundtheit (1544) 85ᵃ; welcher ir lieber hauszwirth im hüttenrauch ... umbkommen war Mathesius Sarepta (1571) 3ᵃ; wer tugent halben umbkömet, der stirbet nicht Friedrich Wilhelm sprichw.-register (1577) G 2ᵃ; ist es aber gottes wille, das sie (Christi bekenner) ... umbkommen sollen Pape bettelteuffel (1586) D 7ᵇ; als wir ... die 500 landsknechte begraben hatten, so in dem groszen schnee umbkommen waren Rollenhagen indian. reysen (1603) 28;
wie dasz er schier umbkommen wer,
da das alt hausz wer gefallen ein
Sandrub kurzweil 140 ndr.;
welcher die gefahr liebet, kompt darinn umb Lehman floril. polit. (1662) 1, 98; grabschrift eines unglücklichen, welcher zuletzt in einem schiffbruche umkam Lessing 1, 17 L.-M.; von hunger, durst oder kälte oder krankheit umzukommen Cramer nord. aufseher (1758) 1, 255; da sie hier in der äuszersten armuth umkommen würde, wenn man sie nicht aus barmherzigkeit ernährte samml. von schauspielen (1764) 1, 13; ob nicht in England eben so viele menschen durch die quacksalber umkämen ... als in Frankreich ... durch die guillotine? Lichtenberg Hogarth. kupferstiche (1794) 4, 117; Vandamme verwickelte sich in den strudel des rückzuges ..., statt ihn aufzuhalten, und kam drin um Laube ges. schr. 8, 43. durch die bibelsprache lebendig geblieben: wer das schwert nimpt, der sol durchs schwert umbkomen Matth. 26, 52, s. dazu: wer das schwert erhebt gegen das volk, der wird durch das schwert des volkes umkommen Büchner nachgel. schr. 302; wenn wir durchs schwert umkommen wollen, so haben wir ja selbst schwerter Hebbel w. 1, 40 Werner; vgl.: wer die bleifeder nimmt, wird durch die bleifeder umkommen, richtet nicht, so werdet ihr nicht gerichtet Hippel lebensläufe (1778) 3, 1, 10; der nebensinn des qualvollen, elenden, erbarmungslosen, hinterlistigen (vgl. umbringen B 1 a) kann durch zusatz stärker hervortreten; bes. sprachläufig ist die durch die bibel verbreitete redensart jämmerlich umkommen (Jud. 7, 14 u. ö.), z. b. Chr. Reuter Schelmuffsky 62 ndr.:
ich kenn wol deine böse art ...
ich hoff zu gott, mit eim strick
sollest du noch komen um
Maximilian Teuerdank 58 Göd.;
dise alle sind schentlich erwurget und umbkommen Agricola 750 teutscher sprichw. (1543) B 2ᵃ;
weh mir! da Aloras durchs schwartze gifft umkommen,
... blitzt der himmel nicht?
Gryphius trauerspiele 167 Palm;
(das) laster des follsaufens ist ... ein ... brunnen, in welchem vil tausend seelen elendiglich ersauffen und ümkommen Butschky Pathmos (1677) 109; einige wurden in dem tempel des Bacchus vermauret und musten so darin umkommen Heilmann gesch. des pelop. krieges (1760) 416; dort ... hätte er, wenn man ihn zurückgelassen, elendiglich umkommen müssen Hauff s. w. (1890) 4, 182; alle leute fürchteten sich vor mir, weil es ein hitzigs fieber war, und ich hätte wie ein hund umkommen müssen Eichendorff s. w. (1864) 2, 221; alle, die ... durch französische gräuel und mishandlungen umkamen E. M. Arndt schr. für und an s. lb. Deutschen (1845) 2, 46; die häuser ... wurden (1848) beschossen und gestürmt; und dabei ist mancher elend umgekommen, der keinen pflasterstein angerührt hat A. Ruge briefwechsel 2, 35 Nerrlich; ohne die gute pflege wäre er elend umgekommen Gervinus gesch. der deutschen dicht.⁴ 2, 178; hyperbolisch: es war eine hitze zum umkommen Göthe 45, 120 W.; er will umkommen vor hitze Müller-Fraureuth obersächs. 2, 596ᵃ. auch bei tieren von unnatürlicher todesart: ein guͦt pferd engilt siner stercky; dann es wirt dester vester überladen und gebrucht, bis es umbkumpt buch der beispiele 46 lit. ver., so heute nicht mehr möglich, jedoch: dasz sie (die jungen gänslein) vom regen oder hagel nicht zu sehr getroffen werden. dann darnach kommen sie gar leichtlich umb viehbüchlein (1667) 107; in welchem (in die erde gegrabenen kessel) sich diese thiere ... bei hunderten fingen und umkommen muszten G. Forster s. w. (1843) 1, 47; ein thier, wenn es ein glied ... verliert, ... meistens umkommen musz Schopenhauer 2, 688 Gris.; das thier liegt und kann nicht leben, nicht sterben ... und so umzukommen durch reinen übermuth des reiters G. Freytag 2, 225.
δ)
'innerlich zugrunde gehen': er ... in dieser stadt voll irrgläubigkeit und voll unglaubens ganz gewisz werde umkommen müssen Nicolai Nothanker (1773) 2, 20; wir leben vom ertrag früherer kraft und früheren geistes und ärgern uns ..., obwohl wir umkommen ... müszten, geläng es uns, diese nachwirkungen aufzuheben Varnhagen v. Ense tageb. 1, 9;
selig, wer da glaubt,
der kömmt nicht um
Cl. Brentano ges. schr. 2, 208;
ich musz einmal mit ihnen sprechen, da ich sonst elendiglich umkomme (sie liebt, darf aber nicht heiraten) G. Keller 6, 186; 'ich komme einfach um' (durch die demütigung der gemeinde) stöhnte die zarte alte dame W. Raabe Horacker (1876) 22; mehr scherzhaft-übertreibend: wundern sich mehr leute, dasz ich nicht vor langerweile und unlust umkomme, als sich wundern würden, wenn ich wirklich umkäme Lessing 17, 370 L.-M.; die hofleute müszten vor langerweile umkommen, wenn sie ihre zeit nicht durch ceremonie auszufüllen wüszten Göthe gespräche 5, 101; es giebt eine redlichkeit, bei der man vor langerweile umkommen möchte Iffland theatral. w. (1827) 8, 77.
b)
von einer sache 'vernichtet werden, verderben', bes. von lebensmitteln: samlet die übrigen brocken, das nichts umbkome Joh. 6, 12; das man die milch ... fleisig abnemme, ... das kleyneste nicht lasse umbkommen Sebiz feldbau (1579) 98;
das brot und koren abgeladen ...,
damit es nicht thet gar umbkommen,
legten sie zu dem fewer hitzig
Spreng Ilias (1610) 6a;
dass das sterckmachen ein schändlich und gantz sündlich handwerck ... sey, aldieweil dardurch ... über etliche hundert schöffel des besten weitzens jährlichen ümmekommt J. Prätorius saturnalia (1663) 372; von einem guten hauswirth ..., der dahin trachtet, wie er sein gut recht genieszen könne, dasz nichts umkomme Hohberg georg. cur. (1682) 1, 374; (der geizige bittet nur um einen bissen semmel) weil doch das übrige hernach liegen bleiben und umkommen müste Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 1, 349; damit es (das restchen tünche) nicht umkommen sollte, (hatte er) eine viertelwandseite damit angestrichen G. Keller 4, 244; man blosz nischt umkommen lassen von speise oder getränk übriglassen H. Meyer der richtige Berliner⁹ 182ᵇ. als 'zugrunde gehen, absterben': es ist wäger, das eins diner gliden umbkömme dann der gantz lyb ins ewyg für geworffen werde Zwingli freiheit der speisen 30 ndr.; wann der reiff den räben schaden thut und ... die frucht umbkommen ist Herr feldbau (1551) 88ᵇ; er (der rosenstock) war umgekommen bis auf einen zweig Brentano ges. schr. 5, 303. als 'verderben, unbrauchbar werden': der most wird verschütt, und die schleuche komen umb Matth. 9, 17; mehr oder minder deutlich als 'verloren gehen': vergrabe es (das geld) nicht unter einen stein, da es doch umbkompt Sir. 29, 13; (die weistümer) zum theil nun mehr veraltet und unleszlich worden, auch zum theil verloren und umbkommen (1566) weist. 6, 79; die brieffe sind umbkommen, sind nicht zu rechte gebracht worden literae exciderunt in via ... Calvisius (1666) 665; (du wirfst den dreier) in den sand, wo die kleinen haidläufer, die dich aus der ferne beobachten, ihn schon nicht werden umkommen lassen A. v. Droste-Hülshoff 2, 367 Schück.; ähnlich, doch vgl. b γ: dasz ... eines bischoffs schiff mit fischen beladen sampt dem bischoff geblieben und umbkommen Olearius pers. reisebeschr. 12.
c)
von inconcretem im sinne von 'vergehen, zugrunde gehen': die schwerte des feindes haben ein ende ..., ir gedechtnis ist umbkomen sampt inen psalm 9, 7; s. auch Esth. 9, 28; der herr kennet den weg der gerechten, aber der gottlosen weg wird umbkommen Luther 15, 385 W.; wie viler guͦter leumbden und scham ist am tantz umbkommen? Ambach von tantzen (1543) b 4ᵃ; tugend kompt nicht umb Lehman floril. polit. (1662) 3, 350.
B.
untrennbar.
1)
so viel wie umringen: de Joden ummequemen ene unde spreken Lübecker bibel (1494) Joh. 10, 24; feindlich umzingeln: und wolden den khonig Rorik ... up eren hinderholt trocken und ummekhamen (16. jahrh.) Th. Kantzow chron. v. Pommern 6 Böhmer; uneigentlich fast wie 'umgeben':
aus satans augen aber brach ein blitz
wilden triumphes, seinen mund umkam
ein langes lächeln, das war satt von hohn
E. v. Schönaich-Carolath ged. 57.
2)
jem. umkommen sich um ihn bemühen (vgl.umgehen A 2 a):
daz frouwe un Sophie ...
sulte sich vereinen
alleine bi der reinen (Elisabeth),
das di si ummequeme,
wie da zu wol gezeme,
mit worten hoveliche (dasz ihr mann tot ist)
heil. Elisabeth 4775;
(kaiser Sigismund) herschete seliglichen widder die keczerie zw Behmen ... (die böhmische königin) eine beschirmerinne was der keczerie, die konig Sigemund mit groszer wieszheit umbequam unde zcu sich logte, das sie alles, das sie zu Behmen hatte, ubergap ... (15. jahrh.) H. Cammermeister chronik 54 Reiche.
3)
wohl als 'übergehen':
(bei der kaiserwahl zu Mühlhausen):
nu was biscop Adolph ummekomen
von Colne. her hette wol vornomen,
waz zo Molehusen was gethan
und we in were erghan,
went her an dem kore nine was
braunschw. reimchron. 4843 Weiland.
Zitationshilfe
„umkommen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/umkommen>, abgerufen am 21.07.2019.

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