Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

umrisz, m.

umrisz, m.

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1)
nur gelegentlich für die tätigkeit des umreiszens beim zeichnen, vgl.umreiszen 2 b: Virgil schreibt, die mahlerey sey von des schattens umriss erfunden worden Harsdörffer frauenzimmergesprächsp. (1641) 6, I i 5ᵃ, oder für die fähigkeit: mancher (maler) hat gutte erfindungen und schlechte farben: ein ander einen guten umris und doch keine rechte ordnung Butschky Pathmos (1677) 522; vorwiegend, jedoch nicht ausschlieszlich, die umgrenzenden linien einer fläche oder eines flächenartig vorgestellten körpers; gewöhnlich gleichgesetzt mit contour, doch vgl.: umrisz heiszt blosz das, was von der form eines körpers durch den sinn des gesichts erkannt wird; kontur hingegen bezeichnet eigentlich die vorstellung, die wir von einer körperlichen form vermittelst des gefühls und betastens erhalten Wieland s. w. (1794) 9, 72: ein stück gesehen zu haben, worauf ein blaszer umrisz einer creuzigung Christi ... zu sehen war H. C. Arend gedechtnisz ... Albrecht Dürers (1728) § 12; (dem gesicht gibt der tastsinn) seine festesten grundbegriffe, ohne welche das auge nur flächen, umrisse und farben wahrnähme Herder 22, 40 S.; die zierrathen ... erst gezeichnet und leicht eingestochen und die umrisse mit verschieden geformten meisseln leicht eingeschlagen Göthe 44, 325 W.; freilich kann ein bildnisz aus sandstein nie das natürliche weisze und belekte des marmors haben und auch nicht die zartheit des umrisses Fr. Schlegel s. w. (1846) 6, 177; (wenn der granitfreund) von den weichen wellenlinien der kalkformation zu den kühnen umrissen der urgebirge gelangte Matthisson schr. 6, 308; ein lieblich knabenantlitz ..., so fein und zart, dasz das blaue geäder in leichtem umrisz drunter zu erschauen war Scheffel ges. w. (1907) 2, 100; die bildliche darstellung gottes ... bleibt für mich stets wirkungslos, sie giebt umrisse und begränzt fürst Pückler briefw. 1, 377; die umrisse ihres edlen kopfes hoben sich deutlich gegen den dunklen himmel ab Storm (1899) 1, 42; als 'umriszzeichnung, skizze': recht interessante und geistreiche umrisse zu Faust von Retzsch habe ich in Dresden gesehen Göthe im Göthejahrbuch 18, 14; den einzigen werth bekommt das buch durch die vortrefflichen Flasemannschen umrisse Solger nachgel. schr. (1826) 1, 94. auch so viel wie schattenbild, silhouette: seite 793 ist der aus rosa papier ausgeschnittene umrisz einer kleinen im kinderröckchen gehenden gestalt eingeklebt W. Scherer kleine schr. 1, 25. von der grenzlinie: anjetz ... behaubt das ... ertzhausz Österreich die oberherrligkeit durchgehendt und ist mit verwörffung der vorigen umbrisz vielmehr Mattiae Burckhlechneri auszsag beobachtlichen, welcher ... von ... bisz ... 41 ... gemeine meylwegs ... rechnet F. A. v. Brandis ehrenkräntzel (1678) 8; gern bildlich, übertragen im bezirk geistiger tätigkeit: die schmähungen ihrer feinde werden dem ganzen bilde, das sie so ausgemalt in den seelen ihrer freunde glaubten, andre farben, andre umrisse geben Knigge roman meines lebens (1781) 4, 116; (die schönheit) ist ein schwimmendes glänzendes schattenbild, dessen umrisz keine definition hascht Göthe IV 1, 238 W.; ganz flüchtig musz ich ihnen den umrisz meines früheren lebens zeichnen Arnim 7, 193 Grimm; meinen plan, von welchem ich hier nur einige charakteristische umrisse entwerfen will Fr. v. Gentz schr. 2, 221 Schlesier; überdachte den politischen zustand in seinen groszen umrissen Varnhagen v. Ense tagebücher 6, 71; die wissenschaftslehre in ihrem allgemeinen umrisse dargestellt von J. G. Fichte Fichte s. w. (1845) 2, 693; die nothwendigkeit der dreifachen theilung des geistigen gebiets mit obigem im umrisz angezeigt zu haben Vischer ästhetik (1846) 1, 21; die erinnerung ... findet immer unbestimmtere umrisse des geschehenen, erlebten, gedachten Steffens was ich erlebte 1, 17; Dankmar erzählte .. mit kurzen umrissen diese begebenheit Gutzkow ritter v. geiste (1850) 4, 185; dieses streben aus der dunkelheit nach dem licht konnte sie kaum in seinen weitesten umrissen verstehen Raabe hungerpastor (1864) 1, 111.
2)
als ausmasz, ausdehnung, umfang: diese convulsionen pflanzen sich schnell durch den ganzen umrisz des nervengebäudes fort Schiller 1, 160 G.; das (ewige wesen) nach dem unendlichen umrisz der welt, nicht nach einzelnen herausgehobenen fragmenten beurtheilt seyn will ebda 2, 345; wie 'bezirk': wie sein wirken von dem beschränkten umrisse, den sein auge umspannte, bis an die entferntesten gränzen des reichs alle darin lebende umfaszte Klinger w. (1809) 7, 130.
3)
im sinne von 'form': musz ein gott schreyen, wenn er die zukunft eröfnet? würde ein gefälliger umrisz des mundes seine rede verdächtig machen? Lessing 9, 17 L.-M.; jedes glied, in welcher harmonie mit dem andern! und doch das ganze von einem so sanften lieblichen umrisse ebda 10, 28; (viele oden, sermonen und satyren des Horaz) haben alle ... zum zweck, einen umrisz in das rohe gebilde des lebens zu bringen Herder 17, 149 S.; ich hatte kein auge dafür, wie die züge ihres lieben angesichts unmerklich den weichen umrisz der jugend verloren Storm w. (1899) 1, 48.
4)
zusammensetzungen mit subst. meist occasioneller art, z. b.:
umriszausgabe
uns ist von Manuel nichts bekannt als eine auf stein gezeichnete umriszausgabe des todtentanzes G. Keller nachgel. schr. (1893) 81;
umriszbild
vermessenheit, auch nur in umriszbildern
die welt auf einem kohlblatt zu verstehn
Liliencron w. (1904) 11, 14;
das in der ... skizze dargestellte schema ... gibt nur ein umriszbild v. Alten handb. 3, 435;
umriszfigur
waren die wände mit ehernen tafeln überdeckt, um auf diesen tafeln umriszfiguren einzugraben H. Meyer gesch. der bild. künste (1824) 2, 14;
umriszform
nahm ich das skizzenbuch und zeichnete die umriszformen der gebirge ab Behrmann im stromgebiet des Sepik 128;
umriszgestalt
(die visitenkarten werden) in der gewünschten umriszgestalt ausgeschnitten Muspratt chemie 6, 1827;
umriszlinie
von dem höchsten grade der edlen güte bis zu dem höchsten grade von bosheit (kann man) ... auch nur die umriszlinien der lippen zeichnen Lavater physiognom. fragmente (1775) 1, 61; dasz sich die umriszlinien der physiognomie von Bamberg für das auge äuszerst ... schwungvoll ziehen Immermann 20, 27 Boxb.; (das nachziehen mit tusche) geschieht freilich meist nur in den umriszlinien Schönermark-Stüber hochbaulex. 923; weit über die festgezogenen umriszlinien der griechischen originalsage hinausschweifend J. Bayer studien (1908) 176; wenn 'die laune des verliebten' nur in den äuszersten umriszlinien in die Frankfurterzeit hineinreicht Bielschowsky Göthe 1, 84;
umrisztafel
der kunstreiche Sch ... stach ... einige umrisztafeln Göthe 36, 51 W.; s. auch allgem. deutsche bibl. 112, 398;
umriszwerk
(Cornelius') kohlenzeichnungen fingen an, aus umriszwerken fast malereien zu werden Herman Grimm Michelangelo 2, 434;
umriszzeichner
verwendete er die ersteren (krüppel) bei seinen malereien als umriszzeichner, verzierer und entwerfer J. Meszner ausg. w. 288;
umriszzeichnung
halb vollendete umriszzeichnungen Göthe 36, 39 W.; der glaser drückt ... diese umriszzeichnung vermittelst des rötelpapiers auf den schablonenkarton Lueger 4, 691; wenn die ziege gekennzeichnet wird durch die umriszzeichnung des bartes B. Delbrück grundfragen der sprachforschung (1901) 65. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1934), Bd. XI,II (1936), Sp. 1046, Z. 48.

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Zitationshilfe
„umrisz“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/umrisz>, abgerufen am 10.08.2020.

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