unüber-
Fundstelle: Lfg. 13 (1930), Bd. XI,III (1936), Sp. 1977, Z. 70

Unterbegriffe in diesem Artikel

die meisten wörter dieser gruppe gehören dem 18. und 19. jahrh. an; mhd. sind 6 überliefert, Adelung erkannte nur 3 an, die folgende auslese berücksichtigt 82 bildungen dieser art. das simplex ist oft nicht verzeichnet, wenn auch, bes. in der litotes, vorhanden. die meisten zusammensetzungen verwenden un IV A und B, beispiele zu un IV D sind unübermäszig, -natürlich, schwänglich, -selig, -weglich.
unüberbietbar adj.
den unüberbietbaren schatz Ritter erdkunde 12, 623; ein unüberbietbares muster H. Wölfflin grundbegriffe 44; unüberbietbarkeit, f. Bousset wesen der religion 261. —
unüberbrückbar adj.
in übertragener bed.: die kluft ist u. Ebner-Eschenbach 3, 202; die unüberbrückbare kluft 5, 264; Döllinger ak. vorträge 2, 303; Rosegger II 5, 4; dasz dieser gegensatz nicht u. war, beruhte ... Windelband gesch. d. n. philos. (1907⁴) 2, 247. —
unüberdacht part. adj. adv.
gs. von überdacht (s.überdenken 2); vgl.unbedacht II; nl. onoverdacht: unüberdachte einwürfe allg. d. bibl. 3, 2, 277; die unüberdachte strenge der ältern Sonnenfels 4, 320; ein loses, unüberdachtes betragen Göthe IV 15, 62 W.; es ist u., wenn ... Vieth encyklop. d. leibesübungen 2, 102; das genommene dekret war ebenso gefährlich als u. A. Riem reisen d. Deutschland (1797) 123; adv.: wenn dieser (vortrag) u., ohne plan, gründe und ordnung umher schweifet Herder 3, 269 S.; u. handeln Campe. mhd. unüberdâht unüberdenkbar; ähnlich:
viel unüberdachte, nie gepriesene, nie gefeyerte,
himmlische gnaden sind in dem heiligthume
Klopstock oden 1, 130 M.-P.
unüberdenkbar, adj., Klopstock oden 2, 51 M.-P.
unüberdenklich adj.
wer faszt dich, grosze welt!
bewundrungswerther bau, unüberdenklich feld!
J. J. Schwabe belustigungen (1741 ff.) 2, 40;
einer unüberdenklichen reihe 5, 113; unüberdenkliche erhaltungskräfte Zinzendorf gemeine reden (1749) 88; den unüberdenklichen nutzen der sonne Lavater physiogn. fragm. 4, 114; die berühmte Zaberner steige, ein werk von unüberdenklicher arbeit Göthe 27, 324 W. unüblich geworden.
unübereilt part. adj. adv.
gs. v. übereilt (s. übereilen E 2): eine unübereilte untersuchung allg. d. bibl. 3, 81; an dem unübereilten takte unserer schritte Herder 1, 62 S.; u. war seine rache Lose schattenrisse 2, 58; adv. u. schlieszen Abbt 6, 5, 91, antworten Herder 30, 226 S.; doch was bisher nicht geschehen ist, wird geschehen ..., und je unübereilter, vielleicht desto zweckmäsziger 20, 350 S.
unübereinstimmend part. adj. adv.
gs. v. übereinstimmend 1 (übereinstimmen C): jedem leser ... musz es unangenehm seyn, in der schrift eines berühmten verfassers, schon den ersten grundsätzen nach, sich so u. mit ihm zu finden Herder 21, 61 S.; adv. Jac. Grimm gramm. 1, 726; substantiviert: das unübereinstimmende Herder 15, 79 S.; etwas unübereinstimmendes Grillparzer 18, 189. —
unübereinstimmung f.
gs. oder mangel der übereinstimmung: nichts als u. ... mit dem innern vollkommenen Herder 8, 163 S.; u. mit sich selbst Lavater Philemon (1785) 1, 15; dieser christlichen u. Hippel über die ehe (1774) 227; u. des vortrages des orchesters mit dem der sänger R. Wagner 7, 275; 8, 23; die gänzliche u. des jungen ehepaares mein leben 517. —
unüberfleischt part. adj.
nicht überfleischt: dieses unhagere und unüberfleischte kinn Lavater physiogn. fragm. 4, 136. unüblich.
unüberfliegbar adj.
unüberfliegbar der hoffnung selber
Denis lieder Sineds (1772) 147;
die höchste, unüberfliegbare würde und ehre der menschheit Lavater physiogn. fragm. 3, 235. —
unübergänglich adj.
übergänglich ist th. 11, 2, 250 in anderer bed. verzeichnet; unüberschreitbar, mit sinnlichem hintergrund: und setzt in allen ein unvorrücklich ziel und unübergencklichen terminum, welchen niemand verrücken kan Pomarius große postilla (1590) 3, 68ᵃ. nicht zu übergehen, verzeihen: schwere und unübergängliche übelthaten Opitz Argenis 2, 341. unumgänglich: ist demnach unubergänglich, hochnöthig, ... guten bericht darvon zu haben Duez le vray guidon 44. veraltet.
unübergewältig adj.
übergewaltig, -wältig th. 11, 2, 268 in anderer bed.; inconvincibilis: dasz er aber dazumalen noch nicht ... unbeweglich oder unubergwältig gewesen, das ist ... daher abzunemmen T. Wagner evangel. censur (1640) 176. unübergewältlich, nicht zu überwältigen: der von der höllen porten unübergwältliche kirchenfelsz 174. veraltet.
unüberglänzbar adv.
so brenn, der ewigkeit nacht u. zu leuchten, auch dein name, Kant! Herder 29, 241 S.
unübergreiflich adv.
veraltetes urkundenwort im sinne von unverbrüchlich: unobergreiffenlich halten (1470) quelle bei Bech in Pfeiffers Germania 27, 184. —
unüberhörbar adj.
als neubildung Tiedges bei Campe: eine unüberhörbare stimme; unüberhörbare forderung A. v. Romberg Sophie Schwerin 2, 276. —
unüberhüpflich adj.
non transitorius: in fleiszigem, unüberhüpflichem ablesen J. Ayrer dramen 7, 32 K. veraltet.
unüberläszlich adj
für unabtretlich Kramer-Moerbeek (1768) 2, 372ᶜ; unüberlaszlich, -keit Campe; Mozin. veraltet.
unüberlaufen part. adj.
nach überlaufen I 2 c: ein frei, onüberloffen, stil und lustig ort J. v. Watt 2, 335. oft in unvollständiger adjectivierung, z. b. Keisersberg brösamlin 1, 25ᵈ; Hedio Comines 177; H. Sachs 12, 132, 23 K. G.; Fischer schwäb. wb. 6, 263. veraltet.
unüberlegend part. adj
zu überlegen B 1 e: in der unüberlegten, unüberlegenden oberlippe Lavater physiogn. fragm. 1, 227; aus unüberlegender prachtsucht Hirschfeld gartenkunst (1779 ff.) 3, 127. unüblich.
unüberlegsam adj.
gth. v. überlegsam; Campe: ein zu rascher, unüberlegsamer mann, mensch Grabbe 3, 500; Rosegger II 2, 144. unüberlegsamkeit, f. Heinse 3, 69 Sch.
unüberlegt part. adj. adv
zu überlegen (s. d.), gs. überlegt; nl. onoverlegd; dän. uoverlagt; schwed. oöfverlagd. a) sinnlich: überlegte und unüberlegte arbeit A. Beier de collegiis opificum (1688) 422. b) unsinnlich nach überlegen B 1 f. α) adj.: hiernächst ist es u., dasz er insonderheit den Leipziger censoren gesetze geben ... will J. J. Schwabe belustigungen (1741) 1, 181; eine unzeitige und unüberlegte nachahmung der Italiener J. A. Scheibe crit. musicus (1745) 94; gedanke, that, schmeichelei, schritt, eifer, ausdruck, entschlusz, laune u. s. w. v. Loen kl. schr. 1, 45; Gottsched das neueste 1, 275; Lessing 2, 331 M.; 18, 281 M.; A. G. Meiszner skizzen 1, 38; Lichtenberg nachlaß (1899) 33; F. H. Jacobi 1, 195; Göthe 21, 295 W.; zumal da meine frage ... ziemlich vorwitzig und u. war Miller Siegwart (1777) 1, 256; überhaupt war also wohl nichts unüberlegter, als ... Bräker 1, 176; wie u.! G. Stephani d. j. lustspiele (1771) 118. β) adv.: er nahm vieles u. vor Hahn einl. zu d. t. staatshistorie (1721) 5, 65; schreiben, sprechen, sich einbilden, begehren, sich betragen Triller betrachtungen (1750) 5, 10; A. G. Kästner 1, 6; Giseke 103 G.; Göthe 43, 311 W.; vgl. unüberlegter weise Fr. L. Jahn (1884 ff.) 2, 206. γ) substantiviert: was unüberlegtes Lavater physiogn. fragm., 1, 196; nichts unüberlegtes Solger Erwin 1, 157. δ) von personen: ich ... bin nicht so hitzig, u. und unvernünftig, den korb anzunehmen Mozart bei O. Jahn 3, 151; einem so unüberlegten volke, als die Venetianer wären Hamann 4, 353 R.-W.; sie ist eine unüberlegte person Nestroy 1, 77. dazu unüberlegtheit, f.; dän. uoverlagthed; schwed. oöfverlagdhet: höchster leichtsinn und u. in den gemsen Lavater physiogn. fragm. 3, 78; ich halte dies für die äuszerste u. J. G. Forster 8, 52; Lichtenberg verm. schr. (1800) 4, 302; maler Müller 3, 177; Fichte 5, 278; Ranke s. w. 31/32, 98; Rosegger (1895 ff.) 13, 267; Fontane I 6, 378. —
unüberlegung f.
mangel an überlegung und ihr gs.: ich habe ... befunden, dasz die bitte ... deinerseits u. ... seye neue schauspiele (1771 ff.) 7, 3, 52; Sonnenfels 3, 448; er ... handelt, eh er beschlossen hat, in u. Heinse 7, 286 Sch.; 2, 109 Sch.
unüberleitend part. adj.
für intransitiv Campe 5 (1811) 225ᵃ; verd. wb. (1813) 384ᵇ; Mozin. unüblich.
unüberlieferbar adj.
Göthe maximen u. refl. (schr. d. Götheges. 21, 241. —
unübermäszig adj.
mit un IV D verstärktes übermäszig: unübermäszige und auszerlesene reinigkeit wirt verhast Apherdianus methodus discendi (1601) 193. adv. unubermäsziglich Hulsius (1618) 2, 375 b. veraltet.
unübernächtig adj.
gs. zu übernächtig 2ᵇ; unübernächtige that, crimen flagrans Noel Chomel 4, 491. veraltet.
unübernatürlich adj.
mit un IV D gesteigertes übernatürlich: das man recht nennet unubernatürlicher, unbegreiflicher weise Nigrinus anticalvinismus (1595) 473; das dises ein miszliches ding, das man nämlich anstat der schwartzen weisze, und anstat der weiszen schwartze haar wölle ziehen. es ist schier ein unübernatürlichs ding Seuter roßarznei (1599) 4. veraltet.
unüberschaubar adj. adv.
nicht überschaubar:
also fragt ich und sah im gesicht die goldene waage (des schicksals)
unüberschaubar hoch sinken und steigen im kampf
Klopstock bei Campe;
... weil eine solche handlung ... recht eigentlich u. war R. Wagner 4, 79; ein solches unüberschaubares schauspiel Nietzsche 1, 311. —
unüberschaulich adj. adv.
gs. zu überschaulich; dän. uoverskuelig: weil seine grösze unbegreiflich, u., unausdenklich K. R. v. Greiffenberg 12 andächtige betrachtungen (1678) 96; in der unüberschaulichen höhe seiner überhimmlischen warheit 382; unüberschauliche gänge, felsen, verwandlungen, fülle Wieland I 1, 158 ak. ausg.; 1, 174 ak. ausg.; F. H. Jacobi 1, 10; Hegel 10, 2, 347. adv.:
aber wirf jezt den erschrekten blick in die ruhige thäler,
die sich zu deinen füszen hier unüberschaulich verbreiten
Wieland I 1, 145 ak. ausg.;
M. Meyr religion des geistes 85. dazu unüberschaulichkeit, f. Alex. Jung 1, 15. —
unüberschreibar adj
Kant 5, 35 ak. ausg.
unüberschreitbar adj. adv.
gs. zu überschreitbar; nl. onoverschrijdbaar; in eigentlicher u. uneigentlicher bed.: der mensch ... hat seinen bestimmten unüberschreitbaren wirkungs- und empfindungskreis Lavater physiogn. fragm. 4, 115; gesetz, grenze, grad der vollkommenheit, bannmeile, schlucht, kluft, felswand u. s. w. Sonnenfels 2, 11; Kant 3, 275 ak. ausg.; Dohm bürgerliche verbesserung der juden (1781) 1, 5; Laube 1, 298; H. v. Barth Kalkalpen 175; 597; v. Alten hb. f. heer u. flotte 1, 278; ein ... felsiges bett und eine reizsende strömung machen die Aar ... u. 1, 1. adv.: zurück die scheidewand, die jenes treiben und werben und leben da drauszen u. trennt vom heiligthume der natur H. v. Barth Kalkalpen 510. dazu unüberschreitbarkeit, f. Colmar v. d. Goltz anatolische ausflüge 53. —
unüberschwänglich adj. adv.
steigerung und gs. des adj. überschwänglich. zu den formen s. dieses. dafür in bed. a unüberschwinglich allg. d. bibl. 45, 454; Platen 3, 246 R.; s.überschwinglich. a) gesteigertes überschwänglich a, mit un IV D. D. v. Stade erläuter- u. erklärung (1711) 158 verstandda kein anders übergehen oder übersteigen kann“, ähnlich nahm Paul d. wb. (1921) 563ᵃ vermischung von überschwänglich mit unüberschwinglich an: das macht in zu einen cristen, das er ... den unüberschwencklichen schacz Cristum hat Luther 10, 3, 349 W.; pein, reichthum, unkosten, weisheit, seligkeit, schönheit, fehler, güte, bequemlichkeit, leiden, langmut, hoffnung Amadis 1, 18 K.; Megiser annales Carinthiae (1612) 399; respublica Venetum (1616) 66; Jac. Böhme 6, 121; Lessing 2, 307 M.; 5, 122 M.; Weisze lustspiele 2, 281; Lichtenberg br. (1901) 2, 153 L.; erklärung der hogarthischen kupferstiche 2, 143; Schiller 2, 561 G.; 3, 489 G.; er ist der gröste ignorant und der unüberschwenglichste windbeutel Lichtenberg br. (1901) 2, 7 L.;
unüberschwänglich ist das weh!
Schiller 1, 319 G.
adv.: u. grosz Amadis 1, 226 K.; u. unwissend Lichtenberg br. (1901) 2, 3 L.; u. nachlässig 3, 28. substantiviert: ins unüberschwängliche auslaufen Jean Paul 44, 75 H. b) gth. von überschwänglich 1 b, moderatus: wir haben in gemein ganz merkliche und unüberschwenckliche artickel Schade satiren 3, 90. —
unübersehbar adj. adv.
gs. zu übersehbar (s. d.). nl. onoverzienbaar. vgl.unabsehbar. eigentlich:
unybersehbarn ufern hin
erklungen, eh noch sein wort die wysten des undings
mit welten beblymt
Wieland I 2, 217 ak. ausg.;
schatten Hermann 3, 133; eine weite, liebliche aussicht, die sich am ende mir u. in reiner luft verliehrt S. Geszner schr. (1777) 1, 66; (eine ode) ein gothisches gebäude, unzusammenhängend und u. in ihren theilen Herder 18, 104 S.; von einem unübersichtlich schreibenden verfasser 3, 476 S.; felder, fläche, reihe, tafel, bastionen, stadt, folianten u. s. f. Bräker 1, 139; Stolberg 7, 14; Lichtenberg br. (1901) 1, 199; Göthe 25, 72 W.; 33, 145 W.; Gaudy 1792; Ranke s. w. 39, 96. uneigentlich, steigernd: höhe, genusz, wildheit, kluft, ausdehnung des schulunterrichts, unheil, wohlthaten, schwierigkeiten, geneigtheit, nutzen, einzelheiten, last, mannigfaltigkeit, schwindeleien, verantwortung u. s. w. Herder 16, 300 S.; 15, 318 S.; 11, 444 S.; Kant 5, 175 ak. ausg.; Göthe III 9, 240 W.; I 41, 2, 297 W.; gespräche 8, 25 B.; IV 33, 118 W.; 39, 63 W.; I 42, 2, 15 W.; II 5, 1, 333 W.; schr. d. Götheges. 4, 42; Schopenhauer 1, 107 Gr.; Holtei erz. schr. 27, 100; Polenz Büttnerbauer 1, 10; aber die dritte, die zahlreichste, die unübersehbarste klasse der manuscripte ist gerade die allerschlechteste Ayrenhoff 6, 100; seine arbeiten sind u. Göthe II 7, 179 W.; wie u. das ganze ist I 24, 375 W.; so werden die folgen davon erschrecklich und u. seyn Archenholz England u. Italien 1, 2, 556; kürzung des groszen, u. gewordenen stoffs Savigny gesch. d. r. rechts 1, 11; welch ein trauerzug — u. Ebner-Eschenbach 4, 159. adv.:
fänd ich
bunter noch die mädchenreihen,
so unübersehbar schimmernd,
wie sie sind?
Waiblinger ged. a. Italien (1893) 14 Gr.;
der himmel blitzte und funkelte u. mit unzähligen sternen Eichendorf 3, 62; O. Ludwig 2, 430; u. reich, grosz, lang u. dgl. Herder 16, 365 S.; F. Schlegel 1, 59; Mommsen röm. gesch. 1, 75. dazu unübersehbarkeit, f., mangel an übersehbarkeit (s. d.) u. deren gs.: die u. des verworrenen wesens (steuerwesens) Zschokke 36, 156, der zahl Jhering geist d. röm. rechts 2, 2, 674, der staatlichen verwaltungsaufgaben hwb. d. staatswiss. 4², 111. —
unübersehen part. adj.
im sinne von unübersehbar:
man sieht des zugs unübersehenen bogen
um Jericho in stillem pompe gehn
Pyra-Lange 135;
ähnlich Herder 24, 354 S.; 31, 313 S.
unübersehlich adj. adv.
gs. des seltenern übersehlich (s. d.). unubersehenlich (1558) Bienemann briefe u. urk. 1, 159; Kirchhof militaris disciplina 148; veraltet. nl. onoverzienlijk; dän. uoverselig; schwed. oöfverseelig. a) eigentlich: einer unübersehligen allee Zinzendorf Zeytzer hauptreden (1759) 138;
der unzählbaren ähren unübersehliche fluten
Klopstock Messias 13, 207;
saaten Denis lieder Sineds 90, meer Göthe 21, 291 W., ebene Klinger 5, 367, abgrund Fouqué alts. bildersaal 4, 631, thal Eichendorf 3, 39. uneigentlich, meist steigernd: gute ordnung und unverzagte hertzen ... richten mehr ausz ... dann grosze unubersehenliche menge Kirchhof militaris disciplina (1602) 148; bey so unübersehlichem unglück Lohenstein Arm. 1, 146ᵇ; höhe, jammer, eigenschaften, folgen, vortheile, verdrusz, noth, hoffnungen, herrlichkeit, sittenverfall u. s. w. Zinzendorf Elersdorfer bibel (1727) vorr. a 4ᵃ; Lavater verm. schr. 2, 285; Göthe II 4, 99 W.; IV 36, 182 W.; I 24, 121 W.; 22, 201 W.; IV 10, 415 W.; Jean Paul 7/10, 123 H.; Novalis 4, 218 M.; Platen 2, 25 R.; reiches, fast unübersehliches material Jac. Grimm kl. schr. 7, 603. ihre (der bücher) anzahl ist heute zu tage schon fast u. Gottsched das neueste 5, 428; Herder 17, 304 S.; je weiter hinauf, desto unübersehlicher wird die kunst Göthe IV 8, 120 W. adv.:
unübersehlich malt die blumenflur
sich meinem aug
Gerstenberg ged. eines skalden 365 lit. dkm.;
Schiller 2, 118 G.; u. lang Herder 21, 123 S. substantiviert: die ... sich beinahe ins unübersehliche ausbreitende brüderarbeit Zinzendorf περὶ ἑαυτοῦ (1746) 14. b) inopinatus: damit ... diese lande vor unubersehenlichen uberfal geschützt (1558) Bienemann briefe u. urk. 1, 159. veraltet zu unübersehlich a unübersehlichkeit, f.: der u. ihrer (der naturerscheinungen) wirkungen Schleiermacher I 3, 224. —
unüberselig adj.
mit un IV D gesteigertes überselig: wie selig und u. acht ich mich, dasz ich ein zeug deiner warheit sein sol märtyrbuch (Herborn 1590) 498. veraltet.
unübersetzbar adj. adv.
gth. v. übersetzbar (s. d.). a) nach übersetzen I A 2 b: unübersetzbar in die weibliche form sind die namen Grell und Bell (kuh, ochse) Rosegger (1895) 4, 291. b) in der hauptbed. übersetzen I A 2 c entsprechend: hier ist eine schwache nachahmung des unübersetzbaren ältesten siegessanges der erde (2. Mos. 15) Herder 12, 59 S.; die treffendsten wortspiele hiebei sind meistens u. 12, 195 S.; ein unübersetzbares wort Archenholz England u. Italien 1, 2, 339; stellen, die mir ganz u. sind K Fr. Cramer Neseggab 1, 77; die griechischen und römischen redner und dichter ..., die u. sind Musäus physiogn. reisen 1, 164; u. dünkt mich das lyrische Geibel 5, 36; Ebner-Eschenbach 1, 22. adv.: u. erhaben Herder 22, 238 S. substantiviert: man musz bis an das unübersetzbare herangehen Göthe unterhaltungen m. d. kanzler Müller 126; etwas unübersetzbares Rückert 8, 42. dazu unübersetzbarkeit, f. J. G. Forster 6, 126. im weitern sinne: das komische in dem beyworte ... thut einen unübersetzbaren effect (in einer übersetzung nicht wiederzugeben) Wieland Lucian 2, 361; Heinse 6, 40 Sch. c) nach übersetzen II C 1: am ostfusze des gipfels aber begegneten mir alsbald unübersetzbare risse und abstürze (über die man nicht hinüberspringen konnte) H. v. Barth Kalkalpen 543. selten. d) nach übersetzen II C 2 (I C b): die ... wilden ... ströme ... konnten ihnen nicht mehr als unübersetzbare vertheidigungslinien ... dienen (über die man nicht übersetzen konnte) Ritter erdkunde 6, 411. selten.
unübersetzlich adj. adv.
gth. des seltenern übersetzlich (s. d.); dän. uoversættelig; schwed. oöfversättelig. intraducibile, ininterpretabile Kramer (1702) 2, 783ᶜ. a) unübersetzbar a entsprechend: ihre theorien sind u. geworden in die vorstellungen und redensarten des volkes Jac. Grimm kl. schr. 4, 114. selten. b) wie unübersetzbar b: der eigentliche name gottes Jehovah soll der kraftdeutung nach u. seyn Kramer (1702) 2, 783ᶜ; mit seinem in allen sprachen unübersetzlichen titel Gottsched das neueste 2, 98; Rousseau sey u. Gottschedin br. 3, 60 R.; anspielung, wortspiel Lessing 7, 61 M.; 4, 83 M.; ausdruck Göthe II 3, 268 W.; beim übersetzen musz man bis ans unübersetzliche herangehen I 42, 2, 251 W.; adv. mit einer unruhe, die Virgil ... u. (so dasz man es nicht ü. kann) beschrieben hat J. A. Cramer nord. aufs. 1, 386. —
unübersichtlich adj. adv.
gth. v. übersichtlich. noch nicht bei Campe. a) gth. v. übersichtlich a: das unübersichtliche ... gelände erschwert die aufklärung v. Alten hb. f. heer u. flotte 2, 643. b) gth. v. übersichtlich b: unübersichtliche steuerpläne Bennigsen nationallib. partei (1892) 34; die disposition ist u., u. angeordnet. dazu unübersichtlichkeit, f., des geländes v. Alten 4, 116, der eintheilung, des planes u. dgl.
unüberspannt
(s. th. 11, 2, 562): unbefangene, unüberspannte vorstellung C. Grasz sicilische reise (1813) 1, 12; so wollte ich zwar u., aber doch so lebhaft die würde des titels mensch mir denken Iffland br. 1, 69 Geiger.
unüberspringbar
W. v. Humboldt ges. schr. 1, 63 ak. ausg.; Fouqué gefühle 2, 39; Lenau 2, 32 Gr.
unüberstämmig adj.
gth. v. überstämmig (s. d.): allg. haushaltungslex. (1749 ff.) 3, 655. —
unübersteigbar adj. adv.
gth. v. übersteigbar; nl. onoverstijgbaar: u. stünde eine kluft vor uns da Herder 22, 101 S.; die unübersteigbaren schnee- und eismassen Göthe IV 42, 31 W.; wall Stilling 3, 243, mauer schr. d. Götheges. 13, VI, felsbollwerk H. v. Barth Kalkalpen 414. u. hoch. —
unübersteiglich adj. adv.
gth. v. übersteiglich. insuperabilis Dentzler (1716) 332ᵇ. dän. uoverstigelig; schwed. oöfverstiglig. eigentlich: ein ... onübersteiglicher berg S. Franck chron. Germ. (1538) 203ᵇ; die starke, unübersteigliche vormauer S. v. Birken ostländ. lorberhain (1657) ixᵃ; felsen Thümmel reise 7, 412, landwehre Ranke s. w. 1, 135; die unübersteiglichsten berge Musäus volksmärchen 1, 109 H.; u. war hier eben nichts Viebig d. schlafende heer 2, 253. uneigentlich: unübersteigliche grenzen Rabener 5, 8, hindernisse 2, 213; Göthe 41, 2, 7 W.;
schatten von unübersteiglicher höhe
Zachariä 7, 17;
die unübersteiglichen höhen der weltweisheit Nicolai litbr. 8, 282; wie u. oft diese scheidemauern! Lessing 13, 358 M.; unübersteigliche mauern angebohrner vorurtheile Herder 20, 88 S.; ich fühle ..., dasz ... der kreis der menschheit u. ... bleibe 15, 274 S.; unübersteigliche schranken, schwierigkeiten Ranke s. w. 31/32, 92; 9, 56. in erweiterter anwendung: ohne unübersteiglichen wiederstand A. v. Haller Alfred 126; ein ganz unübersteigliches, ja wahnwitziges unternehmen Gervinus gesch. d. d dicht. 5, 11. adv. u. schwer litbriefe 17 (1764), 86; S. Geszner 2, 181. dazu unübersteiglichkeit, f.: die u. der küstenkette Ritter erdkunde 3. 20: so ist es versucht worden, durch staatsgewalt eingebildete unübersteiglichkeiten einzurichten Fr. L. Jahn (1884 ff.) 2, 518. —
unüberstreitlich adj.
für inexpugnabile weisheit 5, 20: ein unüberstreytlichen schilt Hutten 2, 125 B.; den unüberstreitbarlichen schilt bibel (1483) 313ᵃ. zur bed. s.überstreiten 1. veraltet.
unüberstürzt part. adj. adv.
gth. v. überstürzt (s.überstürzen 1 d δ): sie gingen desselbigen sonntags so geruhig, ganz u. in ihr armes dörflein zurück Stehr Heiligenhof 2, 126; eine unüberstürzte antwort. —
unübertragbar adj.
gth. v. übertragbar. a) übertragbar a entsprechend: unübertragbare rechte, krankheiten; diese eigenschaften sind von ewigkeit, sie sind unveräuszerlich, u. Büchner kraft u. stoff 2; daraus aber würde folgen, dasz alle rechte ... u. gewesen seien Jhering geist d. r. rechts 2, 2, 462; antheilscheine, kerbhölzer sind u. hwb. d. staatswiss. 2², 309; 3², 24. substantiviert: unübertragbares Schleiermacher III 5, 202. dazu unübertragbarkeit, f. Schleiermacher III 5, 119; hwb. d. staatswiss. 3², 814; Jhering geist d. r. rechts 2, 1, 192; Scherer kl. schr. 2, 187. b) zu übertragen B 3 b: Klaus Groths gedichte sind eigentlich u. Hebbel br. 5, 305 W.
unübertreffbar adj. adv.
gth. des seltenern übertreffbar. nl. onovertrefbaar: das ist nun einmal mein enthusiasmus, dasz ich glaube unübertrefbar in der liebe zu seyn Klopstock br. 109 L.; so sage ich, dasz mir die darstellung des Moses, der an den felsen schlägt, ... u. scheint Göthe IV 17, 58 W.; unübertreffbare ehrerbietung, gelehrsamkeit, kunst, übersetzung, vertrautheit mit allen kriegskünsten, leichtigkeit, unübertreffbarer geist Knigge roman meines lebens 4, 223; J. G. Müller familie Benning 1, 17; Matthisson 4, 209; A. K. Niemeyer beobachtungen auf reisen 1, 336; Fr. L. Jahn 1, 384 E.; Weinhold Boie 157; Roon denkwürdigkeiten 2, 177; zu jeder zeit hat es grosze, vielleicht unübertreffbare einzelne menschen gegeben fürst Pückler br. eines verstorbenen 2, 246. adv.: u. schön allg. d. bibl. 102, 426. dazu unübertreffbarkeit, f. Matthisson 4, 179. —
unübertrefflich adj. adv.
seit der 2. hälfte des 18. jahrh.s unter einflusz des lat. insuperabilis und des engl. unsuperable (vgl. unsurpassable) das veraltende übertrefflich (s. th. 11, 2, 606; R. Hildebrand sprachunterricht [1906] 113) ersetzend; noch nicht bei Adelung und Campe, der es freilich doch 5, 53ᵇ als gs. zu übertrefflich superabilis anführt. vereinzelt geblieben war im 16. jahrh. unubertrefflich Warbeck Magelone 41 B. und (1702) Kramer 2, 1122ᶜ u. insuperabile. als steigerung von übertrefflich gefaszt: 'übertrefflich ... ist noch nicht das non plus ultra, welches das wort unübertrefflich anzeigt' Krünitz 193, 86; übertrefflich, unübertrefflich, mein flämmchen! Rückert 11, 519. nl. onovertreffelijk; dän. uovertræffelig; schwed. oöfverträfflig. a) von personen: in etwas u. seyn Kramer (1702) 2, 1122ᶜ; Scipio ... unüberwindlich in waffen, doch unübertrefflicher an milde und edelmuth Eschenburg beispielsammlung z. theorie 8ᵃ, 282; freund M., im aufziehen von kupfern und zeichnungen u., hat auch dieses blatt ganz herrlich hergestellt Göthe IV 35, 206 W.; die rührige und in der systematischen wohlthätigkeit unübertreffliche frau Gutzkow ritter v. geist (1850) 1, 49; ein unübertrefflicher redner, künstler, beobachter u. s. f. b) von nichtpersönlichem:
dich, die menschenzungen mit unübertrefflichem kützel
reizender honig, besungen Virgils raschrollende töne
Derling bei Gottsched das neueste 5, 343;
die unübertreffliche fähigkeit, das wahre und beste in jedem vorfalle des lebens zu sehen Zimmermann einsamkeit 1, V; den unübertrefflichen gedanken ... hatte der künstler durch einen klugen mechanismus der beleuchtung auszuführen gewuszt Göthe 20, 271 W.; die klarheit des wassers und des himmels (sind in den sepiazeichnungen des malers Schütz) u. 34, 1, 116 W.; ein unübertreffliches muster F. Schlegel 4, 33, eine unübertreffliche veranschaulichung Schopenhauer 2, 246 Gr.; das unübertreffliche ideal aller kunst E. Th. A. Hoffmann 4, 28 Gr.: tugend, erfindung, tapferkeit G. Freytag 10, 64; 14, 32; 18, 417; ein unübertreffliches rettungsmittel Karmarsch-Heeren 5³, 650; G. lieferte ... eine kompensationsunruhe von so ... zarter ausführung, dasz meister J. ... ausrief: 'u.!' Ebner-Eschenbach 3, 19. veraltet von negativen begriffen: unubertreffliche pein Warbeck Magelone 41 B. c) adv.: wie u. ist ihm nicht der sturz der Ino ins meer gelungen! Schubart ästhetik d. tonkunst 214; so sah F. u. wie ein esel aus G. Keller 4, 226; u. richtig, schön, gut Zimmermann einsamkeit 1, xviii; Göthe 3, 133 W.; Moltke ges. schr. 1, 210. d) substantiviert:
unübertrefflicher! ich habe nicht
viel tröstliches zu sagen
Herder 28, 250 S.;
sie meinten ..., sie seyen die ersten und unübertrefflichsten E. M. Arndt (1845) 1, 463; menschliche trefflichkeit ward zum unübertrefflichen ... gesteigert J. H. Vosz antisymbolik 1, 170. dazu unübertrefflichkeit, f.: das lob der u. verdienen J. G. Forster 6, 102; die u. ihrer heimat Gutzkow zauberer 3, 353; Treitschke d. gesch. 3, 544. —
unübertretbar adj.
er gab gesetz u. M. Mendelssohn 6, 352; der könig hatte es sich ... zum unübertretbaren gesetz gemacht ... Hebbel 9, 113 W.; veraltet dafür unübertretlich, adj. adv., in pass. sinne, während übertretlich als activ verzeichnet ist: alles und yedes ... u. zu halten Luther 15, 258 W.; ein unübertrettentliches gesetz Amadis 1, 26 K.; 1, 328 K.; ein gewisse und unübertretliche ordnung Guarinonius greuel (1610) 794; Zesen poet. rosenwälder vorschmack (1647) 31. —
unübertrieben part. adj. adv.
gs. v. übertrieben (s. übertreiben I B 5 b): ein beständiges, gesetztes ..., unübertriebenes wesen Zinzendorf 34 homilien (1747) 134; jenes unübertriebene ... gefühl für das wahre und schöne Herder 15, 422 S.; unpartheiische und unübertriebene bemerkungen 18, 223 S.; welches sanfte, unübertriebene, stille leben! Lavater physiognom. fragm. 4, 447; wahrheit A. G. Meiszner Alcibiades 1, 145; es ist ... wahr und u. Göthe 32, 342 W. adv.: man läszt die dehnung u. hören Klopstock gelehrtenrepublik (1774) 233; das u. prächtige Herder 3, 248 S.
unübertroffen part. adj.
im sinne von einzig dastehend unübertrefflich sich nähernd; nl. onovertroffen vgl. engl. unsurpassed: die groszen und unübertroffenen Hagedorn und Haller allg. d. bibl. anh. 37/52, 352; jener in ihrer art unübertroffenen kunstwerke Gaudy 23, 80; schlagwort, geschmeidigkeit Justi Winckelmann 1, 395; G. Freytag 17, 106; bei ... seiner unübertroffenen politischen nonchalance Mommsen r. gesch. 2, 254. —
unüberwältiglich adj.adv
insuperabilis, invincibilis Stieler 2427: befinde sie (die stadt) u. Diana (1671) 433. unverbrüchlich Fischer schwäb. wb. 6, 263. veraltet; ebenso unüberwältlich (eine unüberwältliche last) J. Prätorius winterflucht (1678) 237. —
unüberweglich adj
zu überwägen, -wegen th. 11, 2, 625, mit un IV D: wenn nun der chiliasmus ... in der h. schrift seinen ... ewigen und unüberweglichen grund (seine ganz zwingende bestätigung) hat ... Petersen warheit des reiches Jesu Christi (1693) 2, 147. veraltet. anders nl. onoverweeglijk wb. 10, 1759. —
unüberwindbar adj. adv.
gth. v. überwindbar. nl. onoverwinbaar. seltener als unüberwindlich: wie tuͦnt ir starcken, kecken und unüberwintbaren athenischen manne fürchten den stryt Alexanders? N. v. Wyle transl. 147, 11 K.; durch anschickunge eins unuberwintbarn keisers Flavius Vegetius Renatus E 5ᵃ; eine unüberwindbare schlange Rheinstrom (1685) 1, 713; der bosheit selbst u. Herder 20, 264 S.; H. L. Wagner theaterstücke (1779) 32; unüberwindbares kriegsgetöse Eschenburg beispielsammlung 4, 362; Stolberg 14, 14; eine grosze schwierigkeit wird immer u. bleiben Ritter erdkunde 8, 365; diese dialektik ist allerdings u. für denjenigen, der ... Hegel 14, 41. adv. u. fest u. dgl. dazu unüberwindbarkeit, f., J. v. Müller 8, 165. —
unüberwindlich adj. adv.
gth. v. überwindlich. vgl. unüberwindbar. spätmhd. unüberwindelich, -wintlich; nl. onoverwinlijk; dän. uovervindelig; schwed. oöfvervinnelig. veraltete formen: unüberwindelich, -denlich A. v. Eyb spiegel d. sitten (1519) A 4ᵇ; O 3ᵃ; acc. unüberwindling H. Sachs 2, 107, 11 K.; unuberwündlich A. Freitag architectura milit. (1631) 120; Blumauer ged. (1782) 6; wiewole das slos unuwerwynlichen was Wigand Gerstenberg chron. 97 Diemar. insuperabilis, invincibilis, inexpugnabilis, irrefragabilis gemma (1508) n 2ᵇ; m 4ᵇ; n 4ᵇ; invictus Diefenbach gl. 306ᵇ; Alberus (1540) 60ᵇ; das nit ze überhöhen ist, unüberwindtlich, das man nit überwinden oder übersteygen mag Frisius 714ᵃ; indomitus 684ᵃ; δυσκολόμητος H. Decimator thes.; insurmontable Wiederhold (1669) 394ᵇ; imprenable Spanutius (1720) 285; Apinus (1728) 282; Kinderling (1795) 134. a) von personen α) in kampf u. herrschaft; mhd. wb. 3, 680ᵇ: dem unuberwintlichen volck erste d. bibel 3, 21, 2; bibel (1483) 466ᵃ (Makkab. 11, 13); Luther 19, 383 W.; die Sachsen seint alle zeit frey gewest, alle zeit u. Hutten 1, 389 B.; sie unüberwindtlichen Teutschen S. Franck chron. Germ. (1538) 10ᵃ; Schill ehrenkranz (1644) 151; im fechten sind sie u. Vieth leibesübungen (1793) 1, 220; von Olofernes erste d. bibel 7, 38, 27; du unüberwindlicher überwinder Opitz opera (1690) 3, 261; der unüberwindliche held, ritter u. s. w. Gottsched das neueste 1, 285; J. G. Forster 2, 295; ich weisz wohl, dasz Plinius eines achats gedenkt ... der, von ringern getragen, sie u. mache Lessing 10, 309 M.; das unüberwindtlich hör, kriegsheer Xylander Polybius (1574) 25; Wieland Lucian 4, 57; die unüberwindliche flotte, armada (nl. de onoverwinnelijke vloot, nl. wb. 10, 1759) Schiller 4, 91 G.; 4, 110 G.; J. G. Forster 4, 97; hwb. d. staatswiss. 5², 1031; das unüberwindliche Rom Schiller 3, 54 G.; Niebuhr röm. gesch. 1, 14. β) in weiterem sinne: hast du jemals eine unüberwindliche frau gefunden? theater d. Deutschen (1768 ff.) 5, 342; sobald über natur die rede gieng, war er u. Hippel lebensläufe (1778 ff.) 3, 174;
ihm war kein weiblich herz unüberwindlich
Schiller 13, 193 G.;
nur wo du bist, sei alles, immer kindlich,
so bist du alles, bist unüberwindlich
Göthe 3, 24 W.;
wie sie mir sich zeigen mag,
mir unüberwindlich
blieb sie bis auf diesen tag
Rückert 1, 462;
Sokrates, der im trunke u. war Körte sprichwörter (1837) 523; persönlich u. Ranke s. w. 37, 6; etwas unüberwindliches Eichendorf 3, 270; Hegel, der unüberwindliche Ruge briefwechsel 2, 326 Nerrlich. γ) in fürstlichen titulaturen: dem allerdurchluchtigisten, hochmechtigisten und unüberwintlichisten fürsten und herren, herrn Maximilian urk. z. gesch. Max. I. 38 Chmel; Augsburger konfession 17 Kolde; nomenclator hamburg. (1634) 501; Kramer (1702) 2, 1355ᵇ; v. Fleming soldat (1726) widmung; v. kaiser Ahasverus:
unüberwindlichster! hier lieg ich, bitte gnad!
Göthe 16, 26 W.;
groszmächtigster! unüberwindlichster!
Grillparzer 6, 26 S.,
von dem allerunüberwintlichisten künig zu Engelandt Luther 10, 2, 176 W.; der königin, der unuberwindlichsten von Niemandshausen engl. comedien (1624) H h 6ᵇ; an Napoleon, den unüberwundenen und unüberwindlichen Immermann 18, 68 B.; mythologisch:
o Pluto, gewaltigister herr,
unüberwintlichster herscher
Schade satiren 1, 114;
Rist das friedejauchzende Teutschland (1653) 11. δ) von gott: o allerheiligister, allmächtigster, erschrecklichster und unüberwindlichster gott J. Ayrer processus juris (1600) 24; Jesus ware ein starcker, unuberwindlicher gott Spee tugendb. (1649) 560. ε) von der kirche und ihren bekennern: Cristus hat die heilig kilch geteilt ... in die unuberwintleich (die triumphierende) und in die stritbar kilchen Keisersberg evangelia (1515) 99ᶜ; woltet ihr starck sein und u. Luther 34, 2, 375 W.; die unuberwindlichen martyrer Hedio chron. germ. (1530) F 6ᵃ; eine unüberwindliche gemeine Herder 19, 112 S. b) von thieren und ungeheuern: ein starck, sigenhaft und unuberwindtlich thier Paracelsus (1616) 1, 918 C H.; den unüberwindtlichen löuwen Heyden Plinius (1565) vorr. 6ᵃ; von der Scylla J. H. Voss Odyssee 220 B. c) von hindernissen, festungen, waffen u. dgl.: und als der könig achtet, wolt er den wegk, der von eygner natuͦr hart zuͦ gewinnen wer, mit solchem werck durch alle genge unüberwintlich und unzuͦstürmen machen Carbach Livius 216ᵃ; denselbigen unüberwindtlichen klausen 229ᵃ; das land wirt ... von ... hohen und unwägsamen gebirgen als unuberwindtlichen ringkmauren umbzogen Stumpf Schweizerchron. 469ᵃ; von basteien, felsen Kirchhof milit. disciplina (1602) 12; Happel ak. roman 401;
ein kugelfreyer wall, mit bäumen unterstützet,
mit mann und waffen voll, den sumpf und flut umschleuszt,
und alles, was man sonst unuberwindlich heiszt
Pietsch bei Weichmann poesie d. Niedersachsen 3, 49;
schranke zaun H. v. Barth Kalkalpen 43; Hans Grimm volk ohne raum 2, 603; stadt, schlosz, ort, vestung Münster cosmographey vorrede 1; Stumpf Schweizerchron. 113ᵇ; Duez nomencl. (1652) 219; Gugger christl. herrnpredigten (1590) 1, 14. Fäsch kriegs-, ingenieur-, seelexicon (1735) 264ᵃ; vertheidigungswerke, waffen, vierpfünder Ranke s. w. 25, 86; H. v. Cronberg 1 ndr.; J. G. Forster 2, 52; unüberwindliches hindernis, eigentlich: die unüberwindlichen hindernisse, welche die natur in dieser gegend der schiffahrt entgegensetzt J. G. Forster 4, 39; gern übertragen: ist die verschiedenheit der sprachen einem Franzosen ein unüberwindliches hindernisz in solchem vorhaben Gottsched das neueste 8, 51; Schiller 3, 428 G.; Göthe 25, 216 W.; die unüberwindlichsten hindernisse legte ihm sein mitkönig ... in den weg F. H. Jacobi 5, 394. d) von abstractis, meist den begriff steigernd, nach dem vorbild der lat. verbb. von insuperabilis. α) von positiven begriffen: H. ist gewesen ... fast schoͤn und unüberwintlicher lieby gegen ierem man Steinhöwel ber. frauen 242 Dr.; gehorsam, stärke, gerechtigkeit, wahrheit, glauben, gottes wort, gezeugnüsz, namen Jhesu, neigung zum schlafen, standmut, gnade, sanftmut, geduld, beharrlichkeit, keuschheit, wunsch, meinung, nothwendigkeit, rückhalt u. s. w. Luther 2, 691 W.; 29, 277 W.; 7, 26 W.; 7, 627 W.; 24, 568 W.; Hutten 2, 125 B.; kampf der schwärmer gegen Luther 19 ndr.; Ringwaldt lauter warheit A 7ᵇ; Wirsung arzneib. (1588) 143ᵇ; Fischart Garg. 20 ndr.; Kramer (1702) 2, 1355ᵇ; Lessing 3, 189 M.; Klopstock gelehrtenrepublik (1774) 220; Schiller 4, 102 G.; Bode Montaigne 3, 9; Göthe 46, 14 W.; Bürger 1, 180 B.; Ranke s. w. 3, 74; 4, 134; unüberwindliche mächte roman von Herm. Grimm (1867); rein steigernd: mit unüberwindlichen reizen Sal. Geszner 1, 115; einer groszen, unüberwindlichen zukunft Bettine dies buch gehört dem könig 2, 445; die tugendt ist ... unüberwindlich A. v. Eyb spiegel d. sitten (1511) A 4ᵇ;
wie zittern mir durch die gebeine
freud und hoffnung, dem schmerz unüberwindlich, dahin
Klopstock oden 1, 32 M.-P.;
schwer zu besiegen ist schon die neigung, gesellet sich aber
gar die gewohnheit zu ihr unüberwindlich ist sie
Schiller 11, 164 G.;
das verlangen, sie wiederzusehen, war u. Göthe 27, 357 W. β) von negativen begriffen: unüberwintliche fyntschaft Steinhöwel Äsop 75 Ö.; scham, blodickeyt, sunde, stricke, übel, not, straff, last, arbeit, unwissenheit, abneigung, abscheu, hasz, widerwillen, schwierigkeit, schwachheit, zweifel, fehler, schmerz, leid u. s. f. Luther 10, 1, 1, 663 W.; 15, 297 W.; Jac. Strausz beichtpüchlin (1523) A 2ᵇ; Schaidenreiszer Odyssea (1537) 51ᵇ; sch. w. klugreden (1548) 62ᵇ; H. Sachs 18, 240, 21 G.; Moscherosch insomnis cura 42 ndr.; Wolff v. d. menschen thun u. lassen (1720) 92; Kramer (1702) 2, 1355ᵇ; Gottsched das neueste 7, 29; theater der Deutschen (1768 ff.) 17, 51; Sturz (1779) 1, 138; Schubart briefe 1, 202 Str.; Göthe 23, 237 W.; J. G. Forster 7, 356; Herder 12, 253 S.; Immermann 5, 137 B.; Jean Paul 1, 265 H.; Auerbach 6, 5; ist dieses vorurtheil nun bey meinen glaubensgenossen u., so ... Lessing 6, 161 M.; bey u. scheinenden widerwärtigkeiten Zimmermann einsamkeit 1, vi. insbesondere unüberwindlicher schade(n): Fischer schwäb. wb. 6, 263; Fierrabras F 4; zu meinem unüberwintlichen schaden Luther 18, 90 W.; zween unüberwindliche schaden 18, 331 W.; B. v. Chiemsee 92; H. Sachs 2, 107, 11 K.; Micrälius Pommerland (1640) 4, 27; J. G. Schmidt rockenphilosophie (1706) 1, 11; Ranke s. w. 2, 170; prädicativ: Brockes ird. vergnügen (1721 ff.) 4, 365. γ) von sonstigen begriffen: ain starckes, unüberwintlichs gemüt N. v. Wyle transl. 106, 20 K; gründe Rist rettung der edlen t. hauptsprache (1642) 2ᵇ; ursachen El. Charlotte v. Orleans 4, 243; beweisthümer Kant 8, 54 H.; stoffe Göthe IV 12, 450 W.; thatsache Mörike 3, 65; majorität G. Freytag 15, 9; gottes gebot seind alle u. Jac. Strausz wider den wucher (1523) 2ᵃ; freilich sind die trüben tage und langen abende hier fast u. Göthe IV 19, 464 W.;
einen dichter zu bilden, die absicht wär ihm (dem schicksal) gelungen,
hätte die sprache sich nicht unüberwindlich gezeigt
I 1, 325 W.
e) adv.: welche ... unüberwintlich gefochten ... haben Dietenberger ob s. Peter zu Rom sei gewesen B 4ᵇ; u. beschlieszen Urbanus Regius widder den neuen irsal d. A. Karlstad A 6ᵃ, schreiben Hoffmannswaldau-Neukirch 2, 194; wogegen die philosophie u. ihre absolute autonomie behauptete Hegel 1, 3; D ... redete u. für sein vaterland Justi Winckelmann 2, 2, 218; u. fest, ungeheuer, schwer, stark, zähe Treuer d. Dädalus (1675) 1, 21; Göthe 10, 270 W.; J. G. Forster 9, 214; Gries verl. Roland 1, 16; Stifter 1, 175. dazu unüberwindlichkeit, f.: unüberwindtlichait ires globens Keszler sabbata 30; Zinkgref apophthegmata (1628) 421. S. v. Birken ostländ. lorbeerhain 389; darum ist der wille eines weisen, gottliebenden menschen eine u. in dem menschen Schottel ethica (1669) 268; der römischen u. Lohenstein Arm. 2, 251ᵃ; dem ruf der u. Wieland Agathon (1767) 2, 235; die absolute u. des zusammenhanges der materie in den grundkörperchen Kant 8, 527 H.; die u. solcher schutz- und trutzgebäude Göthe 41, 2, 141 W., der steinklippe Tieck (1828) 13, 25, der armee Häuszer d. geschichte 2, 758; plural: hinter unüberwindlichkeiten verschanzt Tieck (1828) 11, 343. —
unüberwindsam adj.
unüberwindsame hindernisse Zschokke 1, 207. selten.
unüberwindung f.
nichtüberwindung: die u. von den lastern Chr. Bruno de officio mariti (1566) 5ᵃ. —
unüberwunden part. adj.
invictus; mhd. unüberwunden; vgl. ahd. unuparuuntanlich (Schmeller-Frommann 2, 949); mhd. unüberwundenlich (Reinmar v. Zweter leich 16). zu unüberwindlich sich ähnlich verhaltend wie unübertroffen zu unübertrefflich: mit starckem und unüberwundnem gemüt N. v. Wyle transl. 85, 4 K.; die junge, gesunde, starcke, unüberwunden natur Tauler serm. (1508) 189ᵃ; als onuberwundne männer Xylander Polybius (1574) 45; unüberwundne schöne! A. Gryphius trauersp. 184 P.; unüberwundner fürst Brandenburg bei Weichmann poesie d. Niedersachsen 2, 267; die unüberwundne wahrheit Herder 16, 178 S.;
zum alten volk unüberwundner hünen
Göthe 16, 222 W.;
nach dem wohl schwersten seiner siege, der schlacht von Torgau, schienen sie u. J. v. Müller 3, 360; den verwundeten unüberwundenen Ranke s. w. 29, 283. unüberwundenheit, f.: den ruhm der u. J. v. Müller 24, 145. —
unüberzählbar adj.
gs. des unüblicheren überzählbar:
unüberzählbar wälzet sich die menge
dicht aneinander durch das thor
Karschin (1764) 9;
alle seraphim schweigen, es schweigen die cherubim alle!
keine von allen unüberzählbaren myriaden
singet ein lied von dem ewigen sohne?
Klopstock Messias (1780) 143;
Thomsons jahreszeiten (1781) 18; u. waren die männer und frauen, die ... Baumgarten-Crusius licht u. schatten (1824) 2, 129. dasselbe unüberzählich Kl. Schmidt bei Campe; unüblich.
unüberzeugbar adj.
nicht überzeugbar, nicht zu überzeugen: ich thor, der ich weisz, wie u. unter tausenden wenigstens neunhundert und neunzig sind Lavater physiogn. fragm. vorr. 1; Hegner 1, 63; Solger nachgel. schr. 1, 24; es giebt ... unüberzeugbare charaktere F. H. Jacobi 4, 2, 275; substantiviert: den widerspenstigen dagegen, den unüberzeugbaren ... wurde einquartierung in die häuser gelegt Ranke s. w. 38, 302. dazu unüberzeugbarkeit, f. Dahlmann gesch. v. Dännemark 1, 14. —
unüberzeugend adj.
gth. v. überzeugend: beweise ..., die sie für u. erklären Gottsched das neueste 2, 309; gründe als u. ausschreien Göthe II 5, 1, 322 W.
Zitationshilfe
„unüber-“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/un%C3%BCber->, abgerufen am 19.10.2019.

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