unbehilflich adj. adv.
Fundstelle: Lfg. 2 (1913), Bd. XI,III (1936), Sp. 293, Z. 67
im allgemeinen gegentheil vonbehilflich, ↗behülflich, ↗behelflich. für erklärung des vocalwechsels in der stammsilbe kommt nicht nur ablaut, sondern auch einflusz des l (Wilmanns gr. 1³, 313. 249) und anlehnung an das verb. helfen in frage. 'unbehelflich sagen blosz einige niederdeutsche für unbehülflich' Heynatz antib. 2, 512; v. Fleming jäger (1719) 113. Wolke verlangte für die hauptbedeutung unbehelfig, Campe unbehelflich; beide vertreten auch ein selbstgemachtes subst. unbehelf. unbehülflich Adelung und Göthe. die neueste schreibung zieht unbehilflich vor. mhd. adv. unbehulfenlich Suso 81, 9 Bihlmeyer; mnd. unbehelpelik, unbehulplik zu nichts helfend, vergeblich Schiller-Lübben 5, 17ᵃ; Lübben-Walther 428ᵃ; mnl. onbehulpelijc, onbehelpelijc wb. 5, 227; Verdam 395; nl. onbehelpelijk wb. 10, 960; dän. ubehielpelig ordb. 7, 334ᵃ, ubehjælpelig; schwed. ohjelpsam s.unhelfsam; Bauer-Collitz 178; Richey 326; onbihelp, onbihelplich, onbihelperlich, onbihelpich u. s. w. Dijkstra 2, 278ᵃ; unbehülpsch Danneil 231ᵃ; vgl. hilfe th. 4, 2, 1323, unhilflich. seit Frisius und Maaler allgemein.
1)
wer sich nicht (recht) 'helfen' kann, unbeholfen, ungeschlacht, plump, schwerfällig, rathlos, ungeschickt, linkisch, steif u. dgl., nicht ohne synonymische unterschiede Weigand 2, 520; Eberhard-Lyon (1904) 773: das schwächere unbehilflich bezeichnet nur die ungeschicktheit in den bewegungen selbst, plump und schwerfällig bezeichnen zugleich auch die ursachen derselben. von personen:
bin ein unbehilflich man,
ich kan mich weder heben, legen
und nit ein glid am leib me regen
Murner Luth. narr 189 Scheible;
andre waren bey einem sehr starken körper mit ihrer masse sehr unbehülflich Dusch kr. u. sat. schr. 160; Siegfried wird so steif und unbehülflich in seinem wesen Arnim 3, 181; die hiesige setzerei war gar zu unbehilflich br. d. brüder Grimm an Benecke 42. von thieren und gegenständlichem: ein unbehülfliches ungeheuer Gottsched d. neueste 7, 460; allengefallenheit ein ziemlich unbehülfliches .. wort Lessing 7, 359; maschiene Herder 5, 95; anfänge H. Grimm Michelangelo 1, 362; complimente Storm (1899) 6, 212. von abgezogenen begriffen: bey unbehülfflichem alter Prätorius glückstopf 461; in dieser rohen unbehülflichen kindheit (ἐν νηπιίη ἀλεγεινῇ Homer Il. 9, 491) Breitinger dichtk. 1, 95; verwunderung Wackenroder herzenserg. 167; art W. Grimm heldens. 77. vgl. unbeholfen.
2)
wem von andern nicht geholfen wird, hilflos, expers auxilii; mnd. wb. 5, 227, 2: zu wem soll ich elendes, unbehülfliches mädchen fliehen Sonnenfels 3, 273; du bist nicht unbehülflich in diesem kummer Hippel lebensl. 3, 268. veraltet.
3)
wer andern nicht hilft oder helfen kann, älteres unhilfelich, unhelfesam, inhabilis ad praestandum auxilium; mnl. wb. 5, 227, 1: wo der amptmann .. unbehülflich Bauer-Collitz 178; einem unbehilfflich seyn Frisius 12ᵃ; unbehilfflich und verdrosszne freund Maaler 454ᵇ; Stieler 838; Dentzler 322ᵃ; nicht gnädige, unbehülffliche götter Opitz op. 3, 54; unbehilfliche ärzte Musäus volksm. 1, 70. noch bei Campe; doch jetzt unüblich. auch 'zu nichts dienend, untauglich': unbehelffliche clösterleute Eberlin v. Günzburg 3, 220 neudr.; verthunliche und unbehülfliche weiber Fischart ehzuchtb. 250, 3 Hauffen; benutzung .. der .. wissenschaften, die noch fast aller kritik ermangelt, ist indess, so unbehülflich es erscheinen mag, .. pflicht Ritter erdk. 1, 26. nicht üblich. adv.: eigentlich .. haben wir uns .. ein wenig unbehülflich benommen Göthe IV 29, 104, 16 Weim.; vgl.auf eine unbehülfliche weise 28, 123 Weim.;
steht ihr nicht unbehülflich da!
H. v. Kleist 2, 61 (Penthesilea 6);
steigerungsformen: um vieles dümmer und unbehülflicher Göthe 25, 164, 25 Weim.; faulthier, das trägste, unbehülflichste, elendeste geschöpfe Lavater fr. 2, 252. subst.: die seeotterfelle .. haben doch etwas unbehülfliches Forster 4, 104; das unbehülfliche (unbehülflichkeit) Göthe 42, 1, 27, 10 Weim.
Zitationshilfe
„unbehilflich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/unbehilflich>, abgerufen am 12.12.2019.

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