Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

und, conjunction.

und conjunction
A.
herkunft und formen.
1)
als grundlage wird idg. n̥thá (vgl. skr. átha auch, ferner, weiter) erschlossen Kluge beitr. 10, 444; urg. gr. ³56. 97. verwandt, doch nicht dasselbe anord. en, enn und, aber; dän. norw. schwed. end, endda, ändaͦ, enddog Falk-Torp 1, 192; Fick-Torp 13. und nur westgerm.: ags. engl. and, mnl. ende, nl. en, afries. and(e), as. endi, mnd. unde; mit zahlreichen abweichungen im einzelnen, z. b. end, ond, ant, an, an', a, 'n Murray 1, 316ᵇ, end, enn, en mnl. wb. 2, 636, and, anda, end, ende, enda, an, en Richthofen 604ᵇ, and, ende, end, ande, ændi, inde Gallée altniederd. wb. 55; alts. gr. § 8 a. 3, onde, und, un Woeste zeitschr. f. d. phil. 4, 113 ff. zur beurtheilung der ahd. formen anti, and, enti, endi, end, inti, indi, int, in, unta, unda, unti, undi, unde, unte, un s. Kluge beitr. 10, 444; Kögel litg. 1, 2, 445. 449; Braune § 124 a. 4. § 70 a. 2; Franck altfr. gr. 85; Schatz altb. 56; vndo Notker 1, xvi 27 Piper; Kehrein pater noster 63; mhd. unde, und, unt (W. Grimm kl. schr. 4, 50), un 1344 weisth. 1, 310; md. onde, ont, inde; unn Schmeller 1, 103. frühnhd. auch mit irrationalem i undi hist. volksl. 2, 6ᵇ Liliencron. 'und hat auch die last und schnörkel seines zeitalters tragen müssen .. man schrieb und druckte damals unser theures wörtchen mit nicht weniger als fünf buchstaben, von welchen viere völlig stumm und der fünfte im begriff stand, es zu werden und schon aussah, als wär' ers, nehmlich vnndt' Krummacher das wörtlein und 176 f. in der nhd. schriftsprache ist von dem alten formenreichthum wenig erhalten: unde (theol. d. 9 Mandel; Teurdank 114, 28; Sachs 1, 50, 18 Keller u. ö.; hist. volksl. 3, 411ᵃ Lil. u. a.) im 16. jh. erloschen. Schede schreibt uͦnt ps. 54 neudr. un erscheint besonders in nachbildung volksmäsziger redeweise, mit und wechselnd, bei Fontane (propper und fleiszig un kann alles I 5, 120; un lutschte und lutschte 138 u. o.) u. a. reicher an formen sind wieder die mundarten: un, u, e̥n, e̥d, t, e̥ Staub-Tobler 1, 320 (ond 322, 12); vgl. Martin - Lienhart 1, 51; 2, 933; Schmeller 1, 103; im Berner oberland un vor vocalen, w und h; vor consonanten nasaliert Frommann ma. 6, 402; nasaliertes ũnd neben und Haag Neckar- und Donauland (1898); on, un Zingerle Lusern. 46ᵃ; unt, int, in Tschinkel Gottschee 227; ann luxemb. 7ᵇ; on̄ Münch rip.-fränk. 193; un, u Follmann 519ᵃ; on Leihener Cronenb. 88ᵇ; ebenso Elberfeld, Coblenz u. s. w.; nasaliertes hessisches und Bremer gr. d. d. ma. 3, 206; un, en Köln; ëann, onn, on, in, ëën Crecelius 840; unn Jecht Mansfeld 115ᵇ; uͦn, on Göpfert sächs. erzgebirge 28; ant Gusinde Schönwald 150; an Riesengebirge; än, en, an, in, en neufries. bei Richthofen 605ᵇ; uhn neben en Cadovius-Müller; und, un, en Bauer-Collitz 107ᵇ; un, en (in compos. z. b. rîtensplît) Schambach 242ᵃ; on, un Frischbier; am häufigsten un. O. Weise die conj. und im gebrauche der mundarten, zeitschr. f. d. ma. 1911, 349 ff.
2)
verschmelzung mit benachbarten wörtern ist schriftsprachlich nicht mehr üblich; wohl aber mhd. under, undeʒ, undich, undiu, ientie, umbendumb, umentum u. s. w., mnl. entijn, entare, entie, entese u. s. w., mundartlich z. b. onde, onse und da, und so Spiesz Henneberg. 263, umitn und mit dem, unáu und nachher Gebhard Nürnberg § 141, 1, õnies und nichts Wagner Reutlingen 164. dvandvabildungen hintaforn, hinaher, fyrawider u. s. f. Gebhard a. a. o., vgl. Gerbet § 280, 4 a., Heilig Taubergrund § 254, Weise zeitschr. 1911, 350. in ma. und umgangssprache verschiebt sich auch die silbengrenze; z. b. in um un dum; iber un diber Brendicke 187ᵃ. den mundartlichen schwund der vollform (z. b. eindreisij, simzwanzij Jecht Mansfeld 115ᵇ; drentwintich Bauer-Collitz 107ᵇ; nd. jb. 34, 40) zeigt vielfach auch die umgangssprache (siebenzwanzig). zusammen gesprochene wörter wie käsenbrot, ebbenflut, hurenbuben (th. 5, 256; musenbrot Weise a. a. o.; Gerbet § 269, 1 a.; Heilig a. a. o.), trewen glauben treu und glauben (th. 5, 256), korten klein, got loben dank, jaren dach (Cattenstedt nd. jb. 34, 40) leisten der verdunkelung und unechten erweiterung der wortgruppen vorschub; z. b. vor tau und tag vor tauendem tage (Weise 350; nd. jb. 34, 42), der tag und mines lebes der tage meines lebens, weil und aber weilen aber Staub-Tobler 1, 323. auch fremdwörter werden umgedeutet: suck und siefe successive, sugsəsifə zu un - formeln gerechnet Gerbet § 269, 1 a., uf bossel und dank pour passer le temps elsässisch. unechtes und wird eingeschoben: g'schwüsterig und chind geschwisterkind (Staub-Tobler 1, 323; zeitschr. f. d. wf. 6, 380), blitz und blau, lauf und pasz, hals und band, mit hand und kusz, kreuz und fidel, pump und satt, das donner und wetter, haar und klein, fick und mühle, viel und schöner (Heilig 254), immer 'n leichter (Jecht Mansf. 115ᵇ); dagegen in Hans Wursts hochzeit 410 (ob. sp. 26, 4; Göthe I 38, 51 Weim.) lies leicht unfertig (muthwilliges) wort. ob das thüringische immer und toller u. dgl. in dem unechten und seine erklärung findet, steht dahin (Weise zeitschr. 1911, 351; Regel Ruhla 182; Jecht 115ᵇ. vgl. auch lenger herter Grimm gr. 4, 1310. vielleicht liegt vermischung von toller und toller und immer toller vor. engl. sagt man that will make you nice and warm, fine and tall. im franz. stellt sich in comparativischen sätzen (vgl. unsere mundarten) ein unechtes et ein; je mehr .. und desto weniger Littré 1, 1507ᶜ); zum präfix un (ob. sp. 2) gehört es nicht. wie erbundeigen, dickundsatt, bitterundböse, jammer und schade, menschen und möglich u. s. f. neben erbeigen, dicksatt, bitterböse, jammerschade, menschenmöglich u. s. f. stehen, werden durch wegfall eines ursprünglichen und wörter wie muffmaff, quittledig, krummbucklig, helllichte, heiszgrätig, strammbulstrig, kuckeluren, butterbrot u. s. w. (von Weise mundarten 159; zeitschr. 1911, 350 a. 1) erklärt. vgl. etliche (und) zwanzig. ündchen, ündlein s. u. V.
3)
von unserer conj. zu trennen sind und unter, mhd. unde (und ihnen Wickram 2, 275, 17; Paracelsus 3 [1590] 300), und bis = unz (bes. md.; zeitschr. f. d. a. 44, 182): von nun an und in ewigkeit hs. des 15. jhs. zeitschr. f. d. phil. 26, 61, volksetymologisch für atque verstanden (vgl. hier unde in êuuon Notker 2, 638, 15), noch heute lebendig; und er uns seine hilfe tuͦt hist. volksl. 3, 25ᵇ Liliencron; so hats die schwachheit meines haupts und (bisher) noch jmer verhindert Luther 30, 3, 547 Weim.; und sie sich jres undancks scheme Waldis Esop. 1, 146; so lang und bisz sie es überkommen Christstein weltmann (1675) 151. vgl. II 2 d; nimmer und in ewigkeit Lenz th. 7, 847. die endung und s. VI und weiland. aus dem unermeszlichen gebiet unserer häufigsten conj., deren gebrauch von syntactischen und stilistischen feinheiten strotzt, sind hier nur die für das wb. wichtigsten thatsachen hervorzuheben.
B.
bedeutung und gebrauch. mit unrecht sind seit dem 16. jh. der conj. und die verschiedensten und vielseitigsten bedeutungen zugeschrieben, so dasz sie zum knotenpunkt der ganzen syntax, zum exponenten fast aller nebensätze wurde und, mit geheimnisvollen kräften ausgestattet, die andacht zum unbedeutenden weckte. Krummacher das wörtlein und 1811; L. Tobler Germania 13, 92. 17, 257; Kuhns zeitschr. 7, 353; Paul u. Braunes beitr. 5, 375; Lehmann Göthes sprache und ihr geist 262; sprachl. sünden 74. schon Hand (Tursell. 2, 468) betonte aber, dasz das wort et an sich immer nur dieselbe bedeutung hat, nicht bald dies, bald jenes bedeutet; Kraus (zeitschr. f. d. a. 44, 149) zeigte durchschlagend, dasz alle verwendungsarten der mhd. conj. unde in der additiven bedeutung ihre grundlage haben. ursprünglich, im wettbewerb mit dem häufigeren joh, verbindet und vornehmlich nomina, dann auch verba; die überleitende function ist die jüngste. Wunderlich satzbau 2², 400. vor unseren augen entwickelt sich, besonders seit dem 12. jh., im natürlichen zusammenhange mit der literarischen kunst die copulativ-partikel zur conjunction; der höhepunkt ihrer ausbreitung fällt in die mhd. zeit, wenn auch das ältere nhd. und die mundarten noch reichlichen antheil daran haben. zu unentbehrlicher strengerer logischer unterscheidung muszte, nicht ohne einwirkung der westlichen cultursprachen, die neuere schriftsprache den häufigeren oft vieldeutigen gebrauch einschränken und unsere conj. durch andere, bestimmtere ersetzen. aber die von der neueren sprachmeisterei erstrebte unbedingte eindeutigkeit der conj. (Erdmann zeitschr. f. d. phil. 27, 272) ist schwerlich schlechthin ein vorzug; es wäre wohl besser, auch für den heutigen gebrauch von der fülle und beweglichkeit der alten conj. zu lernen, als gegen vermeintlichen und wirklichen miszbrauch krieg zu führen.
I.
und verbindet einzelne wörter, worttheile und losere satzstücke. es handelt sich in ältester zeit nur darum, an vorhandene glieder weitere oder ein letztes anzureihen. Kraus 186; Wunderlich 399.
1)
einfach hinzufügend. vgl. endi ioh, und auch. dem lat. et entspricht ahd. im allgemeinen unti, dem que joh, dem atque unti joh; das erste verbindet einzeln gedachtes, gleichstehendes, das zweite fügt einen anhang, eine ergänzung, zusammenfassung hinzu, das dritte giebt eine nähere bestimmung, steigerung u. dgl. Kuhns zeitschr. 7, 353. die functionen des veraltenden joh nimmt und in sich auf. Wunderlich 402.
a)
und dazu, ferner, weiter, zugleich, nebst, samt: Hiltibrant endi Hadubrant Hildebrandslied 3; eine unt nahtes Gottfried v. Straszburg Trist. 14843; und da es dem könige .. ward angesagt, ... ward sein hertz verwandelt und seiner knechte gegen dem volck 2 Mos. 14, 5; des trawtens im und alles gutz Sachs 8, 607, 14 Keller; das vierde und letzte theil 9, 1, 1 K.; von den wörtern als redetheilen und ihrer biegung Adelung lehrg. 2, 2ᵃ; vor jahr und tag Göthe IV 27, 6 Weim.; wenige und geringe kräfte Mommsen r. g. 1, 33; guten tag, mutterchen .. ah, und frau Dörr; und herr Dörr, mein alter freund und gönner Fontane I 5, 136.
b)
die wirkliche gleichsetzung mit lat. et auch (Turs. 2, 499) hat und nicht erreicht; daher sind uns verwendungen fremd geblieben wie: wann ob sún und erben si autem filii et haeredes (sind wir denn kinder, so sind wir auch erben Luther) erste d. bib. 2, 35, 29; sama sô in himile endi in erthu Weiszenb. catech. 2; dazu Müllenhoff-Scherer 2, 236; als im himel und in der erde; .. als und wir vergeben unsern schuldigern erste d. bib. 1, 22, 13 u. ö.; ebenso Keisersberg bilg. 306. 310 Dacheux. pater noster D 1; Luther 10, 3, 406, 17 Weim. vgl. III 1; und dirr cod. Tepl. 1, 41; wainet .. über euch ... wainet und über ewre kindt Tir. passionssp. 130 Wackernell; sollchs zeygt und Paulus on all schertz Brant narrenschiff s. 46 Z.;
nicht wenig man der herren findt,
die übel halten ihr gesind;
hingegen und der knecht nicht viel,
die gehorsamlich und in der still ..
ihrer herren befehl erfüllen
Wille sittenl. (1781) 185.
c)
dagegen dient und von anfang an mit vorliebe zu copulativen verbindungen der verschiedensten art, wenn es auch wie joh ursprünglich solche zu bevorzugen scheint, deren theile sich nach bedeutungsgehalt und beziehung nahestanden. so erscheint und in unerschöpflicher häufigkeit bei formelhaften, allitterierenden, assonierenden, synonymen, den begriff positiv und negativ umschreibenden, sprichwörtlichen, redensartlichen u. a. verbindungen, die im einzelnen logisch, psychologisch, syntaktisch, rhetorisch, rhythmisch u. s. w. nicht gleich zu beurtheilen sind: th. 2, 980 ff., nd. jb. 34, 41 f.: uf unde nider, in unde uʒ, in muote unde in munde, fruoten unde unfruoten u. s. w. Graff 1, 362; der unt der Heinrich v. Melk erinnerung 356; jagen unde vâhen weinschwelg 105; recht und nicht unrecht Arigo decam. 253, 14 Keller; burger und burgerin Keisersberg bilgersch. B 1ᵇ; schendtlich und schädlich Ambach zus. A 2ᵃ; du muͦst fuchs und hase sein, weisz und schwartz künnen sprichw. (1548) 38ᵇ; blutt und blosz Moscherosch 2, 515; freyen und sich freyen lassen Wieland 19, 272; nachdem und alldieweil Adelung; mamsell die und die Hebbel 9, 96 u. s. f. die verbindung kann so enge werden, dasz worteinheiten entstehen (in farbenbezeichnungen, z. b. sein gelb und rothes kleid Göthe 21, 14, 19 Weim.; ein und ander, ein und derselbe; zahlen s. unten 10) und flexionsformen wie andere worttheile erspart werden. zeitschr. f. d. wf. 3, 1 ff. kur und fürsten th. 5, 2806. sogar die hann- und seestädte Chemnitz schw. kr. 4, 1, 36ᵃ; Holl- und Engelland Günther 461; die ält- und jüngre schwester 234; umarmet- und küsseten Parthenophilus (1719) 127. in bestimmten grenzen noch bei unseren classikern und später: dem gut und bösen Lessing 1, 238. 260; mit mein und deinem wesen 1, 239; Herder 4, 571. anm. zu 428; für Göthe Lehmann § 61 ff.; un- und miszverstanden Hölderlin 2, 10; mein und meines volkes schande Rückert 1, 8; des grund und bodens Freytag aufs. (1849) 1, 450; von trepp- und fensterstufen Fontane ged. 215. wortwiederholung wird erspart: gleich wie der krebs und pest Silesius w. 6, 85; in der rohen und in menschen-naturen Hebbel 8, 85. liebt die volksmäszige sprache (wie die älteste) solche verbindungen, deren theile sich nahestehen, so bevorzugt die literarische sprache gewählt - bedeutungsvolle verbindungen, wie: eine sparsame und unwillige dankbarkeit Abbt 6, 1, 3; durch freundliche, gnädige und vertrauensvolle aufnahme Göthe IV 31, 44 Weim. in kanzleimäszigen titulaturen dient und der gravität und eitelkeit (Krummacher 30; als der hochgebohrne graf und herr .. wieder anlangte Stoppe Parn. 1), die in vorliebe für zusammensetzungen wie herren- und damenschneider, gast- und logierhaus u. dgl. sich fortzusetzen scheint. bei der verbindung von präpositionen verlangt die neuere sprache gleiche rection: von und aus Frankfurt; aber durch und aus dem hause laufen beleidigt analogie und wohlklang Adelung.
d)
da und sich nicht wie joh auf die verbindung von gleichstehendem beschränkt, sondern auch verschiedenes (sie in terra unde er in ce̜lo Notker 2, 483, 10) und gegensätzliches (s. u. 5) bindet, musz identität des gegenstandes oder der beziehung erforderlichenfalls durch andere sprachliche mittel ausgedrückt werden; z. b. mit hilfe des artikels oder des pron. possess. s. th. 2, 979. der älteren sprache fehlt es in diesem punkte an regelmäszigkeit, bei Luther herrscht die allergröszte freiheit. noch Göthe bindet sich nicht. Lehmann spr. Luthers 43; spr. Göthes 203. ein kluger und gelehrter mann, mein oheim und pathe ist eine person, ein kluger und ein gelehrter mann, mein oheim und mein pathe können zwei sein; klug und gelehrt sind in diesem falle gegensätze. ob der und der verschiedene personen (H. v. Melk oben) oder den einen teufel bezeichnet (th. 2, 962), darüber sagt die verbindung an sich nichts aus. sô unta sô heiszt auch est et non Graff 1, 362. mehrere und können von verschiedenem gewicht sein; in Herders (5, 18) satze: man bilde und verfeinere und organisire dies geschrei, wie man will entspricht das erste und dem lat. que, bilden und verfeinern zusammenfassend und dem organisieren an die seite stellend. unterschied zwischen reden und briefen — und geschichte inter orationes epistolasque et historiam Krummacher 18. unverkennbar strebt aber das neuere sprachgefühl, bestärkt durch das franz., einer völligen identität der beziehung und des stilistischen ethos zu und empfindet beträchtliche abweichungen davon als komisch oder fehlerhaft: die stadt Göttingen, berühmt durch ihre würste und universität Heine; vgl. Wunderlich 401. die alte sprache kennt solche rücksicht kaum. auch eine gewisse gleichsetzung oder rangordnung, die bei verbindungen beobachtet wird (wir lachen, wenn wir mensch und welt nebeneinander gestellt finden, getrennt durch die sublime anmaszung des wörtchens und Nietzsche 5, 280; das andre, was ich nicht hören mag, ist ein berüchtigtes und: die Deutschen sagen Göthe und Schiller, ich fürchte sie sagen Schiller und Göthe 8, 129), hat psychologische, nicht sprachlich-semasiologische gründe. in der österreichischen bezeichnung kaiserlich und königliches amt für älteres kaiserlich königliches (th. 5, 1707; Wunderlich 402) ist das und das ergebnis eines politischen, kleinlich eifersüchtigen rechtsformalismus. vgl. andererseits kaiserliche und königliche tage Arndt th. 5, 43; königliche und universitätsbibliothek.
e)
seit ahd. zeit herrscht die gepflogenheit, bei aufzählungen nur das letzte glied mit und einzuführen: ih han gesundet in tracheiti, in sumicheiti, in semftigerne ... in allero unfrumicheiti unda daʒ ih mina fillola ungeleret habe die heiligen glouba Wessobr. beichte; das ist gelt schuld, pin schuld und sünd schuld Keisersberg bilgersch. B 1ᵃ; die tafel ist mit guter ultramarin unter- uber und ausgemalt Dürer nachl. 57, 8. polysyndetisch wiederholtes und kann stilistischen zwecken dienen (ein armer bilger ... nimpt ... und swygt und lydet sich und gedenckt Keisersberg bilgersch. 18ᵃ; epische schilderung H. v. Kleist 1, 443, 323 ff.; erregung Tieck 1, 77 u. dgl.), bietet bequeme füllung der senkung im 4 hebigen verse (ihr still- und kahl- und öden gründe Günther 357; Uhland 1, 194), ist persönliche liebhaberei (Arndt 1, 23 u. o.), wird von mundarten bevorzugt (Weise zeitschr. 1911, 351) u. s. w. vgl. die stilistiken.
2)
mit wiederholung desselben oder eines sehr ähnlichen wortes, einer phrase, erreicht die verbindung eine eigenthümliche begriffsverstärkung, steigerung der dauer oder intensität u. dgl.: er lief und lief; er kam und kam nicht; es wollte und wollte nicht besser werden; nichts als klagen und klagen (eigentlich addition); fergwüss und fergwüss ganz gewisz, ein ed einzig Staub-Tobler 1, 320. 12; nd. jb. 34, 40; hin und hin auf dem ganzen wege dahin Schmeller 1, 1118; auf und auf von unten in die höhe ohne jede unterbrechung 1, 43; ein und ein Weise 350 u. s. w.; umbe unde umbe, hohor unde hohor Graff 1, 362; andere unde andere novi recentesque (5 Mos. 32, 17) Notker 3, 371, 12; mhd. wb. 3, 183ᵃ; das hab ich lang und lang verschwigen fastnsp. 709, 22 K.; welche deren vyl und vyl entschuldigung keine haben Eberlin von Günzburg 1, 18 neudr.; man mach und mach und wyder mach Murner geuchm. B iiiᵇ; o we und o we, das ich ye wardt Luth. narr 17 Scheible; durch aus und aus Hayneccius H. Pfriem 1712; das thu ich nicht und thu es nicht Rinckhart ritt. 1343; nichts und nichts (um gar nichts) weniger Paracelsus 1, 212 B.; je mehr und mehr und mehrer Spee trutzn. (1649) 21. vgl. zeitschr. f. d. wf. 3, 28; nach und nach u. s. f. siehe die betr. wörter; borgt und borgt und borgt Lessing 3, 70; um nichts und wieder nichts Wieland 5, 193; manch und manches bild Göthe 16, 182 Weim.; leb wohl und wohl IV 8, 107; es dröhnt' und dröhnte dumpf heran Bürger 36ᵇ; und hohler und hohler hört man's heulen Schiller taucher 53; vor tausend und tausend menschen Göthe Egmont 1, 1 u. ö.; seid mir tausend und tausendmal willkommen! Tieck 4, 19 (tausend und wieder [aber] tausend Holtei erz. schr. 1, 3); klein und klein ganz klein th. 5, 1101; halb und halb u. dgl. auch mit sehr und gross schwangerem leib Sachs 2, 12, 18 K.; alle und jede Albertin seeleng. 23, 15; ein gut und bester hirt Spee zeitschr. f. d. wf. 3, 28; noch schön- und schöner trutzn. (1649) 22. fest bei Göthe: roth und röther, fremd und fremder u. s. f.; Lehmann § 117. aber vereinzelnd in jen und jenem wald zeitschr. f. d. wf. 3, 28;
doch dort und dort und dorten überall,
entlang die waldung, gellt's im wiederhall
Droste-Hülshoff 2, 95.
vgl. 1 d.
3)
und erläutert, erweitert, nimmt wieder auf, führt fort: enti pidiu ideoque Graff 1, 362; und zwar Kraus d. ged. zu 11, 240; Meier z. Jolande 417; mhd. wb. 3, 183ᵇ; ir redet wol und alsô wol daʒ K. v. Würzburg Eng. 2945; auch werden bedeuttet dy vier ewangelisten bey vier figuren .. und wissentlich Matheus vernymt man in eim menschen erst. d. bib. 1, 6, 15; alls versucht und was nur pfennig tragen mucht Waldis Es. 4, 100 (hier äuszerlich dem quodcumque sich nähernd; s. auch unten II 2 d; doch hat und an sich nicht, wie Heyne 3, 1147 ansetzt, verallgemeinernde bedeutung);
da solt jhr himmelspeisz und uberflüssig brechen
Opitz p. 45 neudr.;
dem glücke .., das dich und mit beständigkeit
seither in hand und schosz getragen
Stoppe Parn. 9;
so charakterisiert ihn de la Motte; und richtig Lessing 5, 409; 2, 174. vgl. IV; der Wallenstein wurde gespielt und mit groszer wirkung Schiller br. 6, 65; es musz die gräfin freuen, gesang, und so unvermuthet maler Müller 3, 112; deine unschuld wird, und wird durch den zweikampf, den ich für dich gefochten, zum heitern, hellen licht der sonne gebracht werden H. v. Kleist 3, 419; er lebt wie unsereiner und besser Gerstenberg Ugol. 233, 37;
staub soll er fressen, und mit lust
Göthe Faust 334;
ich gehe durch den todesschlaf
zu gott ein als soldat und brav
Faust 3775;
würd ich auch bescheiden sein
und noch mehr als ihr
6, 24 Weim.;
bey den vielen freunden, die ich sehe, und nur einmal sehe 33, 322, 14 Weim.; wenn man älter wird, sollte man in einer groszen stadt leben, und mit dir IV 26, 14 Weim.; die elegien des Properz haben eine erschütterung in meiner natur hervorgebracht, wie es werke dieser art zu thun pflegen, eine lust etwas ähnliches hervorzubringen, und die ich vermeiden muszte, weil ich gegenwärtig freilich ganz andere dinge vorhabe IV 13, 322 Weim. von pleonastischem und kann natürlich keine rede sein; sie zog daran und unerschrocken Gutzkow zaub. 2, 232. und überhaupt: wie ihre einwohner denken, handeln und überhaupt leben Archenholz Engl. 1, 1, 1. und zwar unten III 17; und besonders III 8; und das III 11. das wiederaufnehmende pronomen (th. 2, 968) erhält in volkssprache und volksdichtung auch noch die copula und: min korf un dai es vull Woeste 280ᵃ; gester und so bin-i furt g'sī; scheiden und das tut weh; die glocke und die hat 2 uhr geschlagen Staub-Tobler 1, 320, 6; Weise zeitschr. 1911, 358 a. 3. in literarischer wie volksthümlicher sprache:
ein meister der gesangesschuol wil halten,
und der sol haben schuler jung mit alten
Germania 5, 211;
was ir begert und das soll sein
Sterz. sp. 2, 56, 289;
mein lieber sohn und der ist todt
Sachs 12, 513, 13 K.;
mein warmer lufft und der ist süsz
1, 421 K.;
den ersten schrei und den sie tet
Uhland volks. 74, 21;
die mutter und die ging schlafen
wunderhorn 1, 333;
den mohren und den mag ich nicht
J. Kerner dicht. 483;
der zweite nam' und das ist Jahn
Rückert 1, 102;
unser gott und der ist auch
ein gesunder gott, kein mythos
Heine 3, 142;
des schäfers sein haus und das steht auf zwei rad
Mörike ged. 19;
der winter und der ist kommen
Auerbach dorfg. 2, 28;
der stein und der tuat sich zerkliaben
Hartmann volkssch. 118, 221.
wie lat. eumque: die (iunckfrowe) als grosse liebe und die on masse .. zuͦ dem iungen Beltramo gewan Arigo 225, 27. vgl. der dritte wunsch und er ist mein Herder 5, 184. in der schriftsprache liegt unrichtige relativische auffassung nahe: in Deutschland .. lebte ein .. mann, und der hiesz Gockel. Gockel hatte ein weib, und das hiesz Hinkel Brentano 5, 19. zu Göthe Faust 707:
diesz hohe leben, diese götterwonne!
du, erst noch wurm, und die verdienest du?
vgl. II 1 d. die oft (und schwerlich mit recht) als neuerer gallicismus verworfene erweiternde bestimmung mit und der, die, das (welcher) hat sowohl im gr. καὶ ὅς, im lat. et qui als im älteren deutschen entsprechungen: ain starck holtz und das nit faulen mag Keisersberg sch. d. pen. 54ᵇ; der sich nicht wendet zu den hoffertigen und die mit lügen umbgehen ps. 40, 5; das ich als ein unfruͦtiger hirt und der nur den nutz ansieht, umb liesse kummen die schaff Zwingli v. freih. d. sp. 4 neudr.; ein gottlos gelübd und das widder gottes gepot geschehen, ist unbündig und nichtig Augsb. conf. 2, 6; rechten warhaftigen gottesdienst und der got gefellig Torg. art. bei Kolde Augsb. conf. 128 beilage 3;
das ist ein selten glück und das nur einen trifft
Rachel 73 neudr.,
das schwör' ich dir, dir ward ein groszes,
göttliches herz, und das mehr verlangte
Klopstock od. 1, 70, 140;
dieser sonst gutherzige mann und der .. geschworen hatte Nicolai Noth. 1, 5; früchte des feinsten geschmacks hat er hervorgebracht und die sich immer erneuern Göthe 45, 18, 25 Weim. an stelle der relativen bestimmungen erscheinen auch conjunctionale: gott strafft auch untrew und faulheit und wenn man zu unzeiten miet und kostfrei ist Mathesius Sar. 24ᵇ; dieser wald-engel ward von gestalt alsz ein waldgötz, doch etwas lieblicher anzusehen, und das er flügel hatte Moscherosch ges. 117; als ich diese überzwerge thorheit sahe und wie kotzerliche minen der arme tropff machte Grimmelshausen 2, 342, 8 K.; er ermahnte ihn zur frömmigkeit und dasz er seinen geist heiligen betrachtungen widmen solle Tieck 14, 236. bei nichtidentischen begriffen: wir dienen da mit (dem dolmetschen) den unsern und die es gerne haben Luther psalter vorr. 7, 328 Bindseil; es fehlt an diakonissinnen und solchen, die es werden wollen; aber der hauptmann und die bei ihm waren Lehmann sünden § 17 ff. und damit: Auerswald blieb im lande und einer der hauptträger der beziehungen zwischen diesen anti-Manteuffel'schen elementen und dem prinzen Bismarck ged. 1, 114. und dann kummend zuͦ mir alle .., und ich will üch ruͦw machen Zwingli v. freiheit d. speisen 1 neudr.; stirb und werde Göthe 6, 28 Weim.
4)
die erläuterung kann auch berichtigen, sondern, selbst ausschlieszen, wodurch sich denn und dem oder nähert; vgl. und oder, und sonst, und vielmehr; lat. ve, vel, sive: vünf hundert tûsent und mê h. Georg 1335. s. anm.; von erkiesen und fryheit der spysen Zwingli freih. 1 neudr.; wenig und gar neüt Eberlin v. Günzburg 1, 74 neudr.; mit vier und sechsen fahren Rachel 28 neudr.; nach seinem .. rathe .. steigt und fällt glück und unglück in der welt Stoppe Parn. 472; ja und nein! Wieland 18, 313. 339;
es ging die fernere sonne
meinen thränen daselbst niemals unter und auf
Klopstock od. 1, 32, 30;
saget was man thun und lassen müsse?
Göthe 6, 35 Weim.
(aber gedanken von der menschen thun und lassen Wolff); richtiger alter Ostpreusze noch von anno 13 und 14 her Fontane I 5, 160. vgl. das ahd. sô unta sô est et non. man lobt und preist ihn (collectiv), aber man lobt und tadelt ihn (disjunctiv) Heyse lehrb. 2 (1849), 521; das binnenmeer, das .. die drei theile der alten welt scheidet und verbindet Mommsen r. g. 1, 3. logische folgerungen aus dem verhältnis von und zu oder erörtert Schröder algebra der logik 1, 227: steht a + b als subjekt, so lese man das pluszeichen als und, andernfalls als oder, genauer oder auch. wo a + b als prädikat steht, .. ist die ersetzung des bindewörtchens oder durch und nicht zulässig a. a. o.; im subjekt hat die konjunktion und die kraft des plus-, im prädikat die des malzeichens 230; diese behauptungen sind richtig und falsch (zugleich; in gewissen sinne richtig, in gewissem falsch); aber diese behauptungen sind richtig oder falsch 228.
5)
gegensätzlich: vgl. und aber, doch, nicht, nun: enti ih ast ego Graff 1, 362;
jâ solden si (die pfaffen) sich von ir undertânen ...
als der vihirt von den vihen
unt der mäister von den jungern,
sus solten si sich sundern,
unt wellent lichtichäit phlegen
Heinrich v. Melk erinnerung 151;
kurtze predig und lange bratwürst sprichw. (1548) 44ᵃ; Hätzlerin 2, 42, 102; vil hend und wenig hertzen gibt man zu hoff für ein weichbrunnen 39ᵇ;
warumb tut er dann nicht darzu
und leszt in haben frid und ru?
B. Krüger 4, 140 Tittmann;
gold ist in der welt gott, ohne das ist leben kein leben und der tod ped. irrth. 43;
(mein geist) hielt bey dem frommen schauspiel sich
nicht auf, und flatterte verfinstert ..
dem schatten des geliebten nach
Gerstenberg ged. e. skalden 365, 9 neudr.;
du suchest rosen und findest den dorn Herder 26, 11;
grau, theurer freund, ist alle theorie,
und grün des lebens goldner baum
Göthe Faust 2039;
wir wollen alle tage sparen
und brauchen alle tage mehr
Faust 4854;
es ist alles wie ich mir's dachte und alles neu IV 8, 38 Weim.;
nun sitz' ich hier zugleich erhoben und gedrückt,
unschuldig und gestraft, und schuldig und beglückt
I 2, 145 Ilmenau 119.
gern im humoristischen ἀπροσδόκητον und paradoxen stil: ich hatte versprochen, kurz zu schreiben, und fange, aller kürze unbeschadet, vom paradiese an Rabener 1, 150. im apologischen sprichwort verbindet der witz, meist nach einer scheinbeziehung, die entlegensten, widersprechendsten dinge: die gelehrten voran! sagte der schneider und stiesz den bock die treppe hinunter.
6)
die einfache beiordnung mit und kann in einigen fällen erfolgen, wo sonst präpositionen üblich und meist der deutlichkeit wegen erforderlich sind: hwat is mi endi thi? Heliand 2025; waʒ ist dir und uns? was hast du mit uns, was haben wir miteinander zu thun? (sept. καὶ, vulg. et. hva uns jah þus. Luc. 4, 34. vgl. Marc. 1, 24. Joh. 1, 24 u. ö.) cod. Tepl. 1, 10; das band seiner und des Tiberius freundschafft (seiner fr. mit T.) wäre zerrissen worden Lohenstein Arm. 1, 25ᵇ;
nicht feinde gegen feind,
o nein! es stiegen hier in kampf meist freund und freund
v. König 36;
jenen berg,
der Schlesien und Böhmen trennt
Stoppe Parn. 9;
der streit der liebe und der wuth schlesw. litbr. 122, 16 neudr. wahrscheinlich unter nachwirkung von aeque ac: kan einer ihm selbst eben so viel schaden mit zuvieler eylung und auffschub Schupp 739.
7)
für dänisches at in Nordschleswig; z. b. in Flensburg: der (petroleumkocher) ist schade und kochen auf (darauf zu kochen); gut und haben keinen von der sorte (gut, wenn man k. v. d. s. hat); es ist nicht angenehm und fahren bei dieser hitze; es ist heute schön und spazieren gehn Weise zeitschr. f. d. ma. 1911, 351. was deutsches derart vorkommt, findet andere erklärung; z. b. gehört in der stelle alls hilft z'amm und grad den bauan schinten (Hartmann volkssch. 302, 32) und grad vel maxime zusammen.
8)
beiordnung mit und statt participial- und infinitivconstructionen: ich sitze hier und stehe schildwache sagte ein bruchkranker strickender Alt-Hildesheimer stadtsoldat; mnl. ic sta ende wachte; Murray II 10; er stand da und hatte die arme in einandergeschlungen Weise zeitschr. f. d. ma. 1911, 353 anm. vgl. manus tollere undique multitudo et se quisque paratum ostendere für manus tollendo ostendere Livius 3, 46, 7; er kam in die stube und sagte kein wort ohne zu sagen Weise a. a. o.; untergehen und nicht vergehen ist der sonne eigenschafft Abele gerichtshändel 81. vgl. vil besser wer im, du lieffest hinweck und bezalst in, weder das du blibest und im sin lon nit gibst Keisersberg bilgersch. B 1ᵇ; kumpt und wir derschlagen in erst. d. bibel 1, 167, 21; se is bi un backt nd. korrespondenzbl. 34, 8; ich will hingehen und geben es ihm nd. jb. 38, 164. vgl. besonders II 1 f.
9)
und zur gliederung einer einheitlicheren gesamtvorstellung: einen fôr kort un lank ûtschiln jemand tüchtig ausschimpfen; krik un ôbenschtêl kreti pleti; hak un mak; bei nacht und nebel in völliger dunkelheit; nicht halb und nicht heil sein nichts ordentliches, rechtes sein nd. jb. 40, 41 f. ἓν διὰ δυοῖν: euch von tugend und stamm, edle ritter, beschencken die teutsche musen (von tugendlichem stamm) Harsdörffer gespr. 1, A iiᵃ; in band und eisen gr. schaupl. 1, 253. 264; in die uns die einbildungskraft und ein stilles gemüth setzen können S. Gessner 1, 3; zwar in diesem duft und garten Göthe 6, 221 Weim.; zu nacht und stille 2, 16, 8 Weim. ähnlich: dise red hertziget Hannibalis volck und heer heeresvolk Carbach Liv. 113ʳ; vielleicht auch: der töpfer hatte .. eine grosze menge allerley sorten und töpfergeschirr verfertiget insel Felsenburg 2, 80.
10)
bei der bildung von zahlwörtern mit und entstehen seit ahd. zeit neue worteinheiten in mehr oder weniger festen formen Wilmanns gr. 2 § 436; Fischer 2, 580; zeitschr. f. d. wortf. 14, 317; schrullenhaft Braun (1793) orth. gr. wb. 270ᵇ: und .. leidet keine zusammensetzungen; z. b. einundzwanzig ist fehlerhaft; man setze es auseinander und schreibe: ein und zwanzig. nhd. veraltet ist die vielleicht dem lat. entstammende reihenfolge xx und hundert guldin Eberlin v. Günzburg 1, 116 neudr.; vgl. fünffzig und sechs jare Frey gart. 5, 8; der hundert zweinzigst und achte psalm Weckherlin 2, 178. ebenso kann und als schriftsprachlich veraltet in der verbindung einige (etliche) und zwanzig u. s. w. (th. 3, 209. 1177; Fischer 2, 580) gelten: uber etlich und zwanzig jahr Luther tischr. 1, 138 (W. und fehlt); Agricola sprw. 507 Lat.; Lessing 12, 27; Gleim-Uz br. 126. 127. 424; Schiller br. 5, 11. 176. 412; dasz du mir täglich einige und dreiszigmal sagtest Immermann 2, 59. aber dreiszig und etliche H. v. Kleist 4, 33. unflectiert: von etliche sechzig jahren Bahrdt leb. 2, 343. und bei der addition = plus Stifel d. arithm. 21ᵇ (1545) bei Schirmer 74. distributiv (Wilmanns 2, 594, 3): du nim von allen reinen seligen dingen vii und vii menlichs und weiplichs erste d. bib. 3, 62, 62; sich ye zwen und zwen zuͦsammen thetten Wickram 1, 66, 26;
wie schön! wann vier und vier jetzt winkend stille stehn
v. König 101;
auf einem köstlichen teppiche wurden hundert vergoldete pfaueneier, immer zehn und zehn, in reihen gelegt Brentano 5, 141. diese distributive verwendung greift über die zahlwörter hinaus: gleich und gleich gesellt sich gern sprichw. 1548, 41ᵃ; die kräuter .. täglich von stund und stund auffschiessen Harsdörffer gespr. 1, O viiᵃ;
sieh! der bübchen flatterschaar,
das bewegt und regt so schnelle ..
flügelhaft sich paar und paar
Göthe 3, 35 Weim.
11)
auslassung von und: statt ein und ein halb, zwei und ein halb (th. 4, 2, 187) sagt man gern eineinhalb, zweieinhalb; zwei hunt funfzich schon Notker; zu fällen wie wanta thar saʒ, thageta Otfried 4, 12, 33 s. Germ. 24, 167; zeitschr. f. d. a. 44, 186 a.; grimme küene, alt grîse Kudrun 208, 4. 476, 1; altböse, bitterböse, donnerwetter u. s. w. s.A 2. (mehr sehr verschieden zu beurtheilendes Grimm gr. 4, 1310 f.) eingefügtes unechtes und s.A 2. heute lassen wir und in folgender verb. aus: unsere vorfahren die alten Deutschen; früher wurde es gesetzt: unter unsern forfaren und alten Deutschen viel frommer .. leutte etwan gewesen sind Agricola sprichw. A iiiᵇ. ebenso alabaster, und ist weysser marmelsteyn Diefenbach gloss. 548ᵃ. 624ᵃ. vgl. leidendverführerisch leidend und eben dadurch verführerisch Nietzsche 6, 194; zeitschr. f. d. wortf. 15, 126.
12)
auf die wortstellung hat und im allgemeinen keinen einflusz. dichter erlauben sich freiheiten:
in dem sturme was diu nôt
und alsô grôʒ der smerze
Georg 1223;
Rosenplüt th. 5, 1037 (Wagners arch. 1, 218, 185);
als er nun in den garten kam
empfand und das er ser abnam
Teurdank 3, 16;
dasz unden leit ...
und in die flucht getriben umb
und gar umbkumm,
der seine zeene auff mich wetzt
Waldis ps. 27ᵇ;
denn mächtig schlug dein herz beim eidschwur,
welchen wir jüngling im eichenschauer
dem vaterland und schwuren dem tugendsang
Voss bei Herbst 1, 284.
über den logischen werth des und im subj. und des und im präd. s. 4; schon Heyse lehrb. 2, 522 machte darauf aufmerksam, dasz in den verbindungen der schöne und heitere morgen und der morgen ist schön und heiter die mit und zusammengefügten bestimmungen verschiedene festigkeit besitzen.
II.
die entwicklung der copula zur conjunction hat in der verknüpfung von verben ihren ausgangspunkt; wieder nimmt und die functionen des joh in sich auf und erweitert sie. Wunderlich satzb. 2, 402 ff. nur der äuszeren übersicht wegen sind copula und conjunction, haupt- und nebensätze (II 1. 2) getrennt, auch sind schon hin und wieder beispiele vorweggenommen; wirklich durchgreifende trennung ist bei einem worte ausgeschlossen, das gerade den übergangspunkt der bei- und unterordnung, der copula und conjunction veranschaulicht. ein rein parataktisches verhältnis von sätzen giebt es gar nicht. Paul princ.⁴ 148. wieweit in der ahd. übersetzungsliteratur, bei predigten und bei den bibelübersetzungen die vorlagen, bei durchführung einheitlicher satzordnung und wortfolge die neueren cultursprachen eingewirkt haben, bedarf besonderer untersuchungen.
1)
in hauptsätzen bevorzugen ahd. denkmäler wie Hildebrandslied, Wessobrunner gebet, Muspilli durchaus asyndeton Wunderlich 2, 404. 394. ähnlich das volkslied (Höber acta germ. 7, 1, 72). Göthe, dessen epische begabung sich später das und zum liebling erkor (Lehmann spr. Göthes 263), räth seiner schwester Cornelia, und zu streichen und punkt zu setzen. kindliche rede und mundart schwelgen im gebrauch des und Weise zeitschr. 1911, 354 f. dann für und in Österreich Nicolai reise 3, 378; Wunderlich umgangssprache 250 f. lockerheit des syntaktischen gefüges ist für die alte sprache bezeichnend: versume nieman sich zuͦ bereiten uff die stross der bilgerfart des tods, und sind dry schulden zuͦ bezalen, und sich halten als ein bilger Keisersberg bilgersch. c iᶜ. das logische verhältnis der einzelnen sätze und satztheile zu einander ist in und dem keime nach, äuszerlich unbezeichnet, enthalten. explicativ und begründend:
fleisch und bluͦt,
welchs dann, wie sein natur ist, thuͦt,
und keuscheit nieman halten kan,
dan wem got hat die gnad gethan
sat. 2, 216, 729 Schade;
vgl. Kraus deutsche ged. zu 13, 87; item 1⁄2 m. den satyl ken Marienburg zu brengen, und das ys of der Wysel zu der zyt boͤse was, das man nicht frylich obirzyhen thorschte treszlerbuch 473, 36 Joachim; 's kirchenfanster schtieht uf un do sahn se de ganze beschiernge Weise zeitschr. 1911, 351; seine majestät fand meine auffassung natürlich, und ich kann nicht anders als an ihr festhalten Bismarck ged. 2, 18. relativ: ich bringe sie (die arznei), und ist sehr gut B. Krüger richt. (1580) 2308; da giebts fische wie grosse kälber, und haben ellendicke fett auff den rücken Chr. Reuter ehrl. fr. 36. final:
an einem mendag es beschach,
dasz man die Osterrîcher ziechen sach,
und Dorneck wolten si beschouwen
hist. volksl. 2, 400 L.
consecutiv: aus dises vers verstand ist nu der gantz psalm leycht, und wöllen die andern vers kürzlich auch uberlauffen Luther 15, 370;
ich dachte dein, und farben bunt erschienen
im sonnenglanz mir vor'm gesicht
Göthe 4, 13 Weim.;
so fühlt man absicht und man ist verstimmt
Tasso 969;
ihr ruf erging;
und jene sammelten sich schnell herbei
Bürger 1, 150.
adversativ: ich sol werden getauft von dir, und du kumst zu mir? cod. Tepl. 1, 3; du solt nit von eim lassen und zuͦ dem andern eilen, und das erst noch unvolbracht ist Keisersberg baum der seeligkeit 14ᵈ; vgl. 2 c; aber ich verfalle wiederum in die kritik des stückes, und ich wollte von dem schauspieler sprechen Lessing 9, 192;
unbändig schwelgt ein geist in ihrer mitten,
und durch die roheit fühl ich edle sitten
Göthe 2, 143, 58 Weim.;
hast du nicht alles selbst vollendet
heilig glühend herz?
und glühtest, jung und gut,
betrogen, rettungsdank
dem schlafenden da droben?
2, 77, 34 Weim.;
ein kerl, der speculirt,
ist wie ein thier, auf dürrer heide
von einem bösen geist im kreis herum geführt,
und rings umher liegt schöne grüne weide
Faust 1833.
vgl. Kraus 176. temporal = und kaum: wie ich durchs haus gieng, stund sie in der küchen: und wurde mich gewahr, so ruffte sie mich hinein Reuter ehrl. fr. 25; vgl. Kraus 180; ich war hait ganz allää un rai kaam de alle B. ze besuch Weise zeitschr. 1911, 354. concessiv: thuͦ recht, und förcht dir übel darbei zu hoff sprw. 1548, 39ᵃ; dai mutter braucht den zwern un du trittst dorhaar Weise ebd. conditional: du gibst mer'sch geld un ich fohr nach Berlin ebd. wie im lat.: eischt und euch wirt gegeben, suͦcht und ir vindet, klopfet und euch wirt aufgetan erste d. bib. 1, 26, 23;
er schaut die erd' an, und sie bebt;
er rührt die berg' an, und sie rauchen
Hagedorn 1, 8;
mache nur, guter Parmenio, dasz mich mein vater erst morgen auslöset, und er soll mich gar nicht auszulösen brauchen Lessing 2, 369; haltet mir einen spieler von seinen würfeln ... ab — und ich werde von wunder sprechen schlesw. litbr. 150, 12 neudr.; man halte diese ansicht fest und man wird sich überzeugen, dasz Göthe II 3, 139 Weim.;
drum übe dich nur tag für tag,
und du wirst sehn, was das vermag
16, 152 Weim.;
o hätten sie's bey der ersten gelassen, und ihre sache würde schlimm geblieben seyn, ohne schlimmer zu werden IV 1, 207, 7 Weim. bei den unter I behandelten verbindungen sind die meisten dieser logischen beziehungen im kerne schon vorgebildet. wie viel von solchen verwendungen im einzelnen literarisch zu dieser oder jener zeit, für diesen oder jenen schriftsteller u. dgl. in anspruch zu nehmen sind, darüber müszten statistische untersuchungen auskunft geben. bedeutungsvoll in ihrer innigkeit und schön in ihrer einfachheit, dient die verbindung mit unserer conj. ebenso schlichter vornehmheit und selbstverständlichkeit, als einer gewissen behaglichkeit; Göthe wird sie auch zur diplomatischen barrikade Lehmann 291 f. 'wenn ich sage: der nebel flieht, und ich bleibe noch hier, so heiszt das: obgleich der nebel flieht, so bleibe ich doch noch hier; oder weil er flieht, so bleibe ich noch hier; oder während er flieht, bleibe ich noch hier; oder meinetwegen auch bis der nebel flieht, bleibe ich noch hier; kurz verstehe darunter, was du willst, wenn es dir nur gefällt, oder wenn du nur nicht weiszt, was ich meine' 289. es leuchtet ein, dasz poesie, predigt, gehobener stil, sprache als kunst, die mundart nie auf die vielsagende und reizvolle verwendung der conj. verzichten werden, welche sprachpädagogik zu bekämpfen nicht aufhört. Adelung 4, 840; Heyse lehrb. 1, 882. und erscheint besonders
a)
im beginn des satzes und ganzer satzperioden, ganze gedichte, briefe u. s. w. einleitend, zur verknüpfung von hauptsätzen:
wio meg ih wiʒʒan thanne,   thaʒ uns kind werde?
int uns ist iʒ in ther elti   binoman unz in enti
Otfried 1, 4, 56;
unde gelobit si er daʒ er uns ufrihta daʒ horn dera heili Notker 3, 378, 22;
und saget ouch Gêrnôte,   dem edeln bruoder mîn,
daʒ im niemen müge   ze der werlde holder sîn
Nibel. 1357, 1.
über dieses und = δὲ, et bei den übersetzern der bibel, bes. Luther, s. Wunderlich 412 f. man hat Luther zu unrecht den vorwurf gemacht, er habe 'ebraisierend' bei seinem häufigen gebrauch des und eigentlich vau copulativum und temporale verwechselt; vau ist immer copulativ, auch in den fällen, wo es vor einem verbum die gewöhnliche bedeutung der tempora verändert; septuaginta und vulgata setzen für vau die copula wie Luther (Wellhausen). vgl. 1 Mos. 1, 2 ff. im freien stil seiner schriften liebt L. dieses und nicht Wunderlich a. a. o. im satzanfang: und Christus sprach zuͦ jnen Zwingli freih. d. sp. 12 neudr.; und Vlenspiegel was behend Eulensp. 30 neudr.; und seine wort wahr zu machen, erdapte er die kandel Grimmelshausen 2, 41, 16 K. (so unzähligemal seit ältester zeit das und in den nebensatz gezogen, es gehört eigentlich zum hauptsatz). nach punkt: und musz man dannenhero mehr mitleyden als zorn spüren, wenn Thomasius kl. d. schr. 416; und es würde sehr altväterisch geklungen haben, wenn Rabener 1, 148. erschütternd wirkt der heldenhafte satz: meine frau ist todt: und diese erfahrung habe ich nun auch gemacht Lessing 18, 262; abschlieszendes und Kraus 182; und einer solchen schranke bedurfte der dichter Göthe 40, 87, 8 Weim.; und ich wills mit stillschweigen übergehen Bettine dies buch 1, 42 und sehr oft am anfang des satzes; und, rief der sperling, fort und fort den eitlen fuhrmann umkreisend, ich sage dir, es hilft dir alles nichts Pückler br. u. tageb. 1, 83; und der knecht nahm an ihr ein gleiches interesse Gutzkow zaub. 2, 35 (dieses im zaub. häufige und in den rittern höchst selten); in Herders abhandlung über einige Horazische rettungen und erläuterungen (3, 342) schlieszt abschnitt 3: an so etwas hat hr. Klotz nicht gedacht, und nun beginnt abschnitt 4: und hat überhaupt mit seinen bisherigen Horazischen schriften wenig .. zum lesen Horaz in Horaz sinne beigetragen (eigentlich nur ein neues prädicat mit dem range eines satzes, vgl. u.); nicht ohne manier: und auch Hektor weisz, dasz sie kommen werde. und eben hatte er .. und Paris ist bei allem mangel an pünktlichkeit doch zur stelle. und dies wenigste H. Grimm Homer 1, 197 u. o.; und after - weisheit so heiszt sie alles .. und das gerade sollte tugend sein und tugend heiszen, dasz man der selbstsucht übel mitspiele! und selbstlos so wünschten sich selber .. alle .. und wer das ich heil und heilig spricht Nietzsche Zar. 3, 57 f. so bis zum überdrusz im affectierten stil der tagesschriftstellerei; einzelne satzbestimmungen und wörter werden wie oben bei Herder oft zum range ganzer sätze erhoben und mit der conj. versehen. bisweilen ist nur die interpunction gemacht, punkt vertritt semikolon oder komma. charakterisierend gebraucht massenhaftes und in der redeweise der kleinen leute Fontane: na, binde man alles gut zusammen. und den kleinen murks auch. und du kannst ja denn auch was ablassen 1, 5, 127; so was hab' ich die Nimptschen auch schon sagen hören. und hat auch ganz recht 133; und das ist mir genug. und will weiter gar nichts von ihm ebd.; Wunderlich satzb. 2, 411; Fontane I 5, 131. im bedientenstil Immermann Münchh. 2, 117. ebenso in der kindersprache. dieses und ist echteste zierde der dichtung, die als bruchstück eines bekenntnisses oder erlebnisses aus der seele quillt; an der spitze eines gedichtes stellt es mit einem schlage den zusammenhang her. für Göthe Lehmann § 86 ff. 'die geh. Venus liebt es ein paar gedichte keck und frisch mitten aus der hochgeschwellten stimmung heraus mit und zu beginnen' Köster der dichter der geh. Venus 60;
und unser lieben frauen
der traumet ir ein traum
volksl. 319, 1 Uhland;
und welche frau ein götzen hat
294, 1 Uhland;
und wenn ich wer der aller konst,
dann gehäuftes und Göttinger beitr. 2, 72;
und weszhalb wir in sunden gedeyen
d. texte des ma. 14, 194;
und wolt ir hoeren zu diser frist,
was zuͦ Trier geschehen ist,
das mogt ir gerne hören
zeitschr. f. d. phil. 17, 201;
onn wenn et regent, denn is et natt,
und die Würzburger glöckli u. s. w.
und frische nahrung, neues blut
saug' ich aus freier welt
Göthe 1, 78 Weim. u. ö.;
und wieder sprach der Rodenstein
Scheffel 6, 210 (der überfall).
natürlich im beginn von xenien, epigrammen, sentenzen, kleineren, bald mehr, bald minder selbständigen gedichten Lehmann s. 275; vgl. briefe ebd. 273; Hand Turs. 2, 494, 18. viele beispiele aus neuerer dichtung Lehmann 278 ff. ebenso and, og in engl. u. dän. volksdichtungen. nicht minder häufig ist dieses und am anfang der rede, einer strophe, periode u. s. w.:
und ewer schlafbul bin ich nicht
volksl. 113, 4 Uhland;
und der uns dises lidlein sang,
ein gelerter mann ist er genant
hist. volksl. 1, 503ᵇ Liliencron;
und die mich trug in mutterleib,
und die mich schwang im kissen,
die war ein schön frech braunes weib
Mörike ged. 55;
und wie ich stieg
Göthe 1, 3 Weim.;
und am frühen morgen ward's getümmel
2, 72, 11 Weim. u. o.
in übersetzungen bieten oft die vorlagen schon die conj.: und sie hielten vor der lieben thüre u. s. w. Göthe 2, 52, 77; rief's. und zusammen schrak der greis Bürger 185; Il. 1, 33;
der herr blickt auf ,..
wer lautern herzens ist ...
werf' auf die sünderin den ersten stein!
und sprach's und schrieb .. auf die erde
Körner 2, 114.
(ὡς φαμένη καί, sic fatus et.) zur verbindung von hauptsätzen innerhalb eines satzganzen: himila pidahte sin guotlicha, unde erda ist fol sinis lobis Notker 3, 364, 13;
vivat, und in's horn ich stosze,
und es musz geschieden sein!
W. Müller 1, 105.
dabei schlieszen, besonders in älterer zeit und gern bei Göthe (Lehmann 178), die sätze oft recht frei und ohne wiederholung des pronomens an: wie offt hat man den theuren schatz, den leib und das bluͦt Jhesu Christi, miszbrucht, in allen dingen, und noch uff diszen heutigen tag misbrucht würt Ziegler von d. nyessung B 2ᵇ; den postpferden kam die deichsel in die füsze und wurden nun auch scheu Bahrdt leb. 3, 18. unde beim abschlusz einer erörterung ist seit alter zeit allgemein üblich Kraus 182 ff.:
'und wil du niht erwinden',   sprach der künec dô,
sô bin ich dînes willen   wærlîchen vrô
Nibelungenl. 54, 1.
vgl. oben sp. 416. einflusz auf die wortfolge hat das satzverbindende und an sich auch nicht, es 'bewirkt' nie inversion. abweichungen von der regelmäszigen wortfolge, die sogenannte und vielberufene inversion (Günther recht und sprache 51 ff.), ergaben sich seit ältester zeit aus vorangestellten bestimmungen und aus der absicht des sprechenden, die logische abhängigkeit oder zugehörigkeit des angeschlossenen satzes zu kennzeichnen. naive und leidenschaftliche rede werden geringeren antheil gehabt haben; dichterische freiheiten scheiden hier aus (zeitschr. f. d. phil. 27, 266). hatte in neuerer zeit eine äuszerliche, unlebendige, seelenlose auffassung der sprache zu miszbräuchen der wortfolge in diesem punkte (Lehmann sünden 88 ff.) geführt, so kämpfte anderseits eine im grunde von derselben auffassung geleitete regelsucht, weit übers ziel schieszend, für eine einförmigkeit, starrheit und verarmung, die einer so reichen sprache, wie die deutsche, nie eigen gewesen ist und deshalb auch nie aufgezwungen werden kann. bisherigen untersuchungen über das vorkommen der inversion fehlt es an vollständigkeit, und die psychologie der wortfolge liegt im argen. vorangehende bestimmungen (spitzenbestimmungen) wirken fort: fone diu iehent dir dina liute .. unde lobont sie dih Notker 3, 153, 10; also ward nütz drusz und zoch ich wider gan Zürich Th. Platter 43; wo solche kuglen .. geschossen werden, so verspringen sie und thun die trümmer grossen schaden Fronsperger kb. 1, x 4ᵛ; da mir 3 eimer und 4 töpfe wein sein ausgetrunken worden, und hat mich dieser abend über 30 thler gestanden Schweinichen 3, 91; die minen sind nunmehr geladen, und werden wir sie heute abend springen lassen Lessing 18, 445; wir haben gestern abends .., und hat sie ebd.; die verehrer der altertümer werden hier auf das feierlichste feld geführt .., und fühlen wir unser deutsches blut Herder 1, 73; temporalsatz vertritt spitzenbestimmung: bevor ein halbes jahr verflossen war, hatte er die wege geebnet und konnte der geistliche herr die braut heimführen Keller 6, 224. spitzenbestimmung wird wiederaufgenommen: aber schon in der residenz des kirchenfürsten begegneten wir uns und haben wir hier die stürmischen tage der gefangennahme desselben erlebt Gutzkow zaub. 4, 13. voranstellung von satzbestimmungen wirkt inversion: unde dero solihen chunne sazta er Notker 3, 215, 9; es regnete den ganzen tag und den turnfels habe ich .. gezeichnet Göthe IV 8, 5 Weim. nahe liegt angleichung: gut ist es, und erfreuet sich billich ein tapferes gemüte, das Gueintz 1666, 4. 6. 10. das heute erforderliche erzählende es (th. 3, 1112) fehlt oft: es (d. frauenzimmer) ist hier meist weisz und angenehm und stehet ihnen ihre kleidungsart sehr wohl Haller tageb. (1723) 14; ich bin wohl, habe das schönste wetter und geht mir alles glücklich Göthe IV 8, 30 Weim.; der herzog wird kommen und wird ihm wohl bey ihnen werden 3, 108 Weim. wenn es sich nicht um das einfach gleichsetzende und handelt, sondern und sich dem auch, ferner, ebenso, und in dem falle, und so, und daher, vielmehr u. s. w. nähert, kann (wie bei diesen) umstellung eintreten: er verstehet alle heimligkeit, und ist jm keine sache verborgen Jes. Sir. 42, 20; sie sitzent auf der herrschaft grund und boden, und musz man sie beschützen und schirmen sat. 2, 149 Schade; dü berüffest einer (l. einen) als deinen guͦten freund zuͦm imbs und wirffest jhn darnach todt hinaus, und ist sein leben durch denn wein ausz gelöschet worden Ambach zusauffen D 1ᵇ; und ist solches kein wunder Sebiz 1; und solte ich dafür halten Leibniz unv. ged. § 78 u. ö.; ein armer, ehrlicher studiosus .. blieb .. bey mir, und musz ich ihm zum ruhme nachsagen Felsenburg 1, 8; und wuszte ich auch nicht Brentano 4, 6; und kannst du mich mit gutem gewissen für dein enkelchen halten 5, 3 u. o.; ich führte es an der hand aus der bude, und gingen wir die wiese hinab Kerner dicht. 500; und will man die jurisdiction überhaupt festhalten, so musz sie den disciplinarischen charakter nie verlieren und darf dieselbe nicht an so detaillirte gesetze gefesselt sein Dahlmann br. a. J. Grimm 1, 45; dies geschah aber nicht, und liesz der könig die kleine männergesellschaft sehr lange .. warten L. Schneider leb. 2, 291. in diesen fällen scheint heute das bewusztsein, besondere arten von und vor sich zu haben, stark im schwinden. fragesatzstellung im adversativverhältnis (Paul mhd. gr. § 330): sô bîʒʒet siu (die idris das krokodil) innan, unzin er stirbet, unde verit siu gesunt ûʒ physiologus 82, 4, 4 M.-Sch.; die predicanten sagen und thuͦn sie es selber nit Keisersberg narrensch. 33ᶜ; die diener worent dar kummen, das sye jn fohen wolten, und wurden sye von jm gefangen post. 2, 109ᵇ; die bottschafft .. fand ihn (Cincinnatus) auffm feld pflügen und treib ihm Rarilia sein hauszfrau die ochsen und hielt er den pflug Kirchhof wend. 1, 27; schawet, er hat uns gestrafft und kan ers selber nicht Höniger narrensch. 75ᵃ; Staub-Tobler 1, 322, 14. sonst massenhaft: danageuuendet habest du unsih hinder ze rukke fore unseren fianden unde habent unsih irzuchet in selben die unsih hazent et qui oderunt nos, diripiebant sibi Notker 3, 144, 2; diss ist .. der dies brumae gewesen und ist derselbige .. gefeyret .. worden Prätorius sat. 1; ich habe bei den Frantzosen etwas löbliches darin gefunden .., und hat man mir erzehlet Leibniz unv. ged. § 55; der unter-officier .. ist sofort arretiret worden, und werde ich die sache auf das schärfste untersuchen Lessing 18, 443; du kannst es auszerhalb Göttingen drucken lassen und will ich dir .. das manuscript .. zurücksenden Lichtenberg br. 1, 155. für Luther Lehmann sprache Luthers § 5. 23. für Göthe Lehmann sprache Göthes § 138. für die gegenwart Lehmann sünden 83 ff.
b)
und als einleitung des nachsatzes, oft ein heutiges so vertretend, wie καί, et (Krebs-Schmalz antibarbarus 1, 522), atque (thes. 2, 1076), prov. et, engl. and, altn. ok u. a. (Germania 13, 92 ff.; Kuhns zeitschr. 7, 358), nach unsern verengten und festgewordenen syntaktischen begriffen überflüssig, entstammt einer zeit, als das satzgefüge noch so locker war, dasz und, und zwar in seiner eigentlichen bedeutung darin seine natürliche stelle fand; wir müssen nur aufhören, unsere begriffe von haupt- und nebensatz, von bei- und unterordnung auf diese fälle anzuwenden:
dô dâr niwiht ni was   enteo ni wenteo,
enti dô was der eino   almahtico cot
Wessobr. gebet 6
mhd. wb. 3, 183ᵇ; dyn wyb gedenckt an eyn hübsch kleid, hatt sie etwan am tantz gesehen, und von stund an wil sie ouch ein soͤlichs haben Keisersberg bilgersch. 14ᶜ; waʒ welt ir mir geben, und ich antwurt in euch cod. Tepl. 1, 38 (nach der vorlage Matth. 26, 15); da der herr das wort oft und dick zu ihm gesagt het: und auf ein mal sprach der nar Pauli schimpf 45; da sie sich schlaffen het gelegt, und in dem schlaff ward sie besessen 526; noch in volksthümlicher redeweise: wenn der traum einmal gekommen ist, hernachen und so ist er da Ludwig 2, 96; wenn se wella, und do gii ich mit; wäi häicha da turn, un wäi schänna is's gläut Weise zeitschr. 1911, 355 f. (erleichtert durch hernachen, do, den parallelismus). ähnlich und nach zeitbestimmungen und bedingungen: ein klayn zeyt und yeczund werdet ir mich nit sehen modicum et (jam) erst. d. bib. 1, 403; Joh. 16, 16 ff.; 14, 19; wenige jahre, und niemand wird ein andres buch als uns lesen mögen Herder 22, 5;
ein flügelschlag — und hinter uns äonen
Göthe 3, 96 Weim.;
um zwölfe diese nacht: und zwölf mühsame jahre sind vorüber maler Müller 2, 171; nicht lange und zu boden stürzt er Kosegarten dicht. 4, 82; noch wenige tage und er ist in Paris Grabbe 2, 49. verwandt: kaum war der held umgebracht, und Franken und Alemannen zogen über den Rhein J. v. Müller bei Staub-Tobler 1, 320; vgl. die temporalsätze Kraus 180;
... eine linie,
ein bug, ein winkel, eine falt', ein mahl,
ein nichts, auf eines wilden Europäers
gesicht: — und du entkömmst dem feur in Asien
Lessing 3, 14, 285 (Nathan 1, 2);
diese hauptbilder .. zusammengehalten, und sie geben die offenbarste symmetrie Herder 6, 38;
schadenfrohe schelmenlieder —
und das fischlein war ertappt
Göthe 3, 31 Weim.;
solch eine schwester! und ich wär geborgen
2, 7, 7 Weim.;
sind (var. sind's) rosen, und (var. nun) sie werden blühn
2, 294 Weim.,
eine viel und auch in der Weim. ausg. (2, 360) miszverstandene stelle; die richtige auffassung setzt kenntnis dieses und und des benutzten it. sprichwortes (se sono rose, fioriranno) voraus. vgl. oben II anfang. auch und so im nachsatz: suͦchet von erst das rych gotz und sin gerechtigkeit, und so werden üch dise ding all darzuͦ gethon Keisersberg bilgersch. 20ᵃ; gebent und so wurt uch geben 21 art. Dacheux 29. mundartlich: wenn d' nüd chast, und se säg's denn; wenn i g'seh, dasz er .., und so will - i Staub-Tobler 1, 320, 7. vgl. oben hernachen und so.
c)
beliebt ist und in der parenthese; vgl.I 3:
sie het ein sun, und daʒ ist wâr
bänkelsängerlied v. herz. Ernst 2, 3;
zum ersten fürnemlich usz eygenem gewalt, und das gehoͤrt allein got zuͦ Keisersberg bilgersch. B 5ᵈ; man spricht, und das ist die warheit Luther 30, 2, 576 Weim.; der herr von Voltaire macht seine bemerkungen über dieses vorgehen: und ich führe anmerkungen von dem h. v. V. so gern an Lessing 10, 83;
dich deckt als jüngling eine Lyäerin,
nicht Orpheus feindinn weislich mit reben zu!
und dis war allen wassertrinckern wunderbar ... (mirum quod foret)
Klopstock od. 1, 26, 255;
arme Lene (und das lachen war diesmal auf seiner seite), da hast du fehlgeschossen Fontane I 5, 149; alles, was Westphalen und Raumer zu stande gebracht, und das sind die einzigen menschen, die etwas gethan, würde wieder verloren gehn Bismarck gedank. 1, 116.
d)
ein hauptgebiet dieses hinzufügenden, erweiternden, wieder aufnehmenden, fortführenden und ist die frage, sowohl die wirkliche wie die nur stilistische (rhetorische) frage. die zwischenglieder können oft fortbleiben Wunderlich 2, 407:
inti thu ni hortos hiar in lante   von themo heilante?
Otfrid 5, 9, 23;
ich will euch allen sold geben.
und wer ist der pischoff reich?
fastn. sp. nachl. 88, 13 K.;
o we alles das myn hertz erfroͤwen mag! und wilt du mich .. noch begnaden? ew. weish. betb. 11ᵇ;
mein lieber hauszwirt, sag! und sol
ich ein news (mahl) wider kochen heint?
Sachs 6, 139, 5 K.;
hab ich nun in die vierte woch
gesehen nit einen bissen brot.
und ist das nit ein grosze not?
Fischart Eul. 534;
ach vatter, liebster vatter mein,
und musz den kelch ich trincken?
Spee trutzn. 225, 69;
und wie solt ein dichter nicht
dir ein freudigs opffer bringen?
Rist neuer Parn. 573;
die Calvinisten .. sagten: und was ists dann auch mit eurer beicht? Grimmelshausen 2, 356, 24 Kell.;
dir, dem das edle gut, der güldne fried' entbricht,
und du, o teutsche welt, empfindest disz noch nicht?
Rist friedew. Teutschland 30;
und wer meinen sie wohl .. dasz unten im sahl ist? — und wer ist denn unten im sahle? Wieland 3, 221; und du, was gehst du zu beginnen? Oberon 4, 33. und du in nachdrücklicher rede am anfang Fleming d. ged. 1, 92; Klopstock 8, 153. 160. 169. 170; Mess. 3, 578 u. o.; was sie empfanden, war über allen ausdruck; und wozu bedurften sie der worte? Wieland Ag. 1, 15; wie? und ihr hönet meinen gott? Herder 5, 460;
ihr, die ihr um mich schwebt, und wie soll ich euch nennen?
Cronegk 2, 5;
und bin ich! ich Gherardesca! — — — bin ich bestimmt den tod des hungers zu sterben? Gerstenberg Ugol. 245, 34 neudr.; nun, und meine damen, sagte ich, die wonnigliche morgensonne da ist ihnen ein weinerliches schauspiel? Hermes m. herm. 2, 115; nun? und was steht denn zu diensten? Engel 12, 26;
o schönes mädchen du,
du mit dem schwarzen haar,
die du an's fenster trittst,
auf dem balcone stehst?
und stehst du wohl umsonst?
Göthe 2, 94 Weim.;
mein vater, mein vater, und hörest du nicht,
was erlenkönig mir leise verspricht?
erlkönig 13. 21;
altes herz, und was glühst du so?
Geibel 2, 5.
e)
ebenso häufig ist dieses lebendige, oft sprunghafte und in antwort, ausruf, befehl und warnung:
der schultheisz hinder dem tische sasz
und er den bott anesach:
'und bott, was ist dir angelegen?'
'ach herr, liebster herre min,
und Dorneck das ist umblegen' ...
und Dorneck du vil hoches hus,
du tuͦst in we in den ougen
histor. volksl. 2, 400 L.;
gebt acht! ein lied vom neusten schnitt!
und singt den rundreim kräftig mit!
Göthe Faust 2125;
und dasz die alte
schwiegermutter weisheit
das zarte seelchen
ja nicht beleid'ge!
2, 60, 67 Weim.;
und das musz anderscher wern, sprech ich, jetzt uf der stelle Hauptmann weber 42. vgl.: doch was erkläre ich, und sie sind über see gekommen! eigentlich adversativ Herder 6, 134. festgeworden ist die verbindung mit und, wenn in umgangssprache und mundart an einen aussagesatz ein begehrungssatz angefügt wird: der vater läszt bitten und sie möchten ...; einen schönen grusz und sie möchten, brauchten nicht, sollten u. dgl. Weise zeitschr. 1911, 355.
f)
ein mit und angefügter satztheil oder satz vertritt in der älteren sprache, mundart und umgangssprache oft einen infinitiv mit zu; die schriftsprache zieht diesen im allgemeinen vor. vgl.I 8. es handelt sich im vorangehenden satz um verba, substantiva, adjectiva und adverbia, die einer ergänzung bedürfen; meist erfolgt ein hinweis auf die folgende ergänzende bestimmung, und zwar durch ein anaphorisches pronomen oder durch so. die nicht auf unsere sprache beschränkte erscheinung hängt mit der abneigung der mündlichen rede gegen die unterordnung zusammen; sie geht von fügungen aus, in denen beide glieder als gleichgeordnet betrachtet werden können, zugleich aber die möglichkeit besteht, die zweite thatsache als ausflusz der ersten aufzufassen; dann mischen sich auch die syntaktischen formen. Behaghel zeitschr. f. d. wf. 6, 366 ff. für die mundarten Staub-Tobler 1, 322, 15; nd. jb. 40, 42 ff.; Weise zeitschr. 1911, 352. nicht alle verba eignen sich zu diesen verbindungen ebd. 353. schon mit joh:
er tho then jungoron gibot,   thaʒ sie fuarin widorort,
thaʒ sie ouh giwar warin   joh ubar thaʒ far fuarin
Otfrid 3, 8, 8;
diu frouwe enwesse rehte, wie
daʒ si ir den list erdæhte
unde in von dem willen bræhte
Wolfram Parz. 126, 16;
das nur einer so kühne sei und predige Luther 29, 216 (Erlanger ausg.); was wöllen ir nemen und wöllen uns unsern sal malen Eulensp. 39 neudr.;
(Saul) ward auch entlich so gar verrucht
und hilff bey der zaubrerin sucht
Sachs 1, 224, 26 Keller;
eins tags die jung wainend anfing
und ir muter den unfal klagt
2, 239, 39 Keller;
vgl. Stoppe Parn. 421; thut doch so wol und laszt uns die kleider wider werden b. d. l. 20ᵇ; vgl. sei so gut und; tu mir die liebe, den gefallen und; ich bin so frei und; sei nicht so dumm und geh u. dgl. Behaghel 367 f.; dasz dir .. ein grosser herr die gnad angethan und dich zu seiner tafel gesetzt habe Schupp 264;
sonst hätt er sich das herze nicht genommen,
und wäre ganz allein ... kommen
v. König ged. 19;
habt das herz und klagt Göthe 9, 38 Weim.; ich will eilen und ihr die nachricht überbringen H. v. Kleist 2, 93; so stücker sechzig, siebzig dahler, die bin ick im stande un lege se an Hauptmann biberpelz 22; ich wer mich in obacht nehmen und wer mich zu solchen gothen setzen weber 60. ähnlich im schwedischen nd. jb. 40, 43 anm. 2. mit wechsel des subjects: wenn's gotts will ist und au niemed chunnt Staub-Tobler 1, 323.
g)
es kann der anschein entstehen, als ob ein hauptsatz mit und auch andere arten von nebensätzen verträte; z. b.: die grossen hansen bochen und (als ob sie) wettends alls erschlachen quelle bei Staub-Tobler 1, 322, 13; i gäb en finger ab der hand ond hätt-es wider wenn ich es wiederbekommen könnte ebd. natürlich nicht schriftsprachlich.
2)
auch in nebensätze, deren gefüge in alter zeit ja sehr locker war, ist und eingedrungen, von der neueren sprache freilich meist wieder beseitigt. von der seit alters geübten verbindung gleichgeordneter nebensätze sehen wir hier ab:
wanta sâr sô sih diu sêla   in den sind arhevit
enti si den lîhhamun   likkan lâʒʒit
Muspilli 3.
über syntaktische ausweichungen innerhalb der nebensätze, die sog. falschen relativsätze, mangelhafte concinnität, mischung von constructionen u. dgl. haben syntax und stilistik auskunft zu geben. vgl. Wunderlich satzbau 2, 409 f.
a)
und im bedingungssatz, ursprünglich weder conjunction noch von einflusz auf die wortstellung, weder pleonastisch noch bedeutungslos, fügte eine einzige, letzte bedingung hinzu: 'wofern nur, wofern überhaupt'. über entstehung und entwicklung der construction Kraus 150. vgl. Wunderlich 2, 407:
trauren kan ich dir verjagen,
und volgestu der lere mein
fastn.-spiele nachl. 51, 5 Keller;
ei edler fürst, nun mercken ja,
und ob euch unser ratt gefiel
Neidhart Fuchs 2171;
es solt eim man lieber sein, sein fraw wer nit als hübsch, und das er sie allein hette Keisersberg narrensch. 178ᶜ;
wo kam die schönste bildung her,
und wenn sie nicht vom bürger wär'?
Göthe 5, 1, 151, 928 Weim.
heute nicht mehr üblich. in sätzen wie kindlein liebt euch, und wenn das nicht gehen will, laszt wenigstens einander gelten (IV 27, 220 Weim.) gehört und zum hauptsatz.
b)
den bedingungssätzen dieser art stehen concessivsätze sehr nahe, in denen zu anderen, oft nur implicite oder stillschweigend gedachten annahmen noch eine stärkste hinzugesetzt wird. Kraus 166; Staub-Tobler 1, 320. 5. 12; Weise 356. etsi, etiamsi entspricht neueres und wenn (auch, schon), und gleichwie, und ob u. dgl.; s. die betr. wörter:
ich main, und trüg ich hailigen fail,
es müsten eitel tiuffel sein
Hätzlerin 2, 98, 27;
nun will ich frolich hinzu gehen, und het ich mer sünd uff dem halsz Luther 12, 502, 28 Weim.; daruber vorhuttet er auch der priester nachteyl, unnd wie woll er desselbigen nitt schuldig war 8, 364, 21 Weim.; so stechen sich die probirkörner gar rein darauff ab, ... und ob gleich ein kupferig silbers darauff abgangen wer Erckner beschreibung 10ᵇ; ich kan mich nicht besinnen, und wenn ich sterben solt Volckmar dialogi 26:
und wenn mein hertz in stücken bricht,
solstu mein hertze bleiben
Paul Gerhardt 3, 307 Fischer-Tümpel;
ihm war kein mensch, und war er noch so reich,
an gütern gleich
Neumark fortgepfl. lustwald 1, 38;
bedient er vormundschaft, er musz auf sich auch sehn,
und solten gleich hernach die mündlein barfusz gehn
Rachel 122 neudr.;
und sollt' der eulen ganzes heer
am sonnenlicht erblinden;
noch sendet sie ihr strahlenmeer
Herder 5, 599;
den teufel spürt das völkchen nie,
und wenn er sie beim kragen hätte
Göthe Faust 2182;
und mag die ganze welt versinken!
Hafis mit dir, mit dir allein
will ich wetteifern!
6, 39 Weim.;
und will er gleich lächeln, dennoch quellen ihm die thränen maler Müller 1, 103;
dasz ich auch möchte ruhn einmal,
und wär's nur eine weile
Geibel 1, 56;
ick trugge den keerels nitt, un wann se von golde wören Bauer-Collitz 253ᵇ. vgl. und das Stainhöwel th. 5, 494.
c)
und zur einführung eines adversativsatzes, den wir heute mit während doch, wo doch, da doch u. dgl. einleiten, bevorzugt in älterer sprache endstellung des verbums (Kraus 178; Paul mhd. gr. § 330, 3), in neuerer, soweit überhaupt sich etwas davon erhalten hat, die wortfolge des unabhängigen satzes: wie was mir so wol by mynem gemahel, und ich das so wenig erkante der ew. wisheit betb. 10ᵇ; ich wer doch wol ein nerrin .. das ich mein hertz darumb wolt zernagen, und es nit anders sein mag Pauli schimpf u. ernst 351;
so will der klapper-storch bey ihr schon klappern an,
und sind 4 wochen erst, wenn ich gedencke dran
Chr. Reuter kindb. schm. 72,
nicht mehr als abhängig im sinne eines nebensatzes empfunden; es wäre fatal, wenn er einen regenschirm nehmen würd und der stock täte es auch Gotthelf bei Staub-Tobler 1, 322. sonst: chunnst wider e mol mit dene verfluechte schulde und kei häst ebd. vgl. und aber.
d)
seit dem 17. jh. in der schriftsprache wieder beseitigt ist und in relativendas wort im weitesten sinne genommenbestimmungssätzen, in denen der redende ursprünglich neben anderen unausgesprochenen bestimmungen an eine dachte. und ist dabei nicht vertreter des relativpronomens. kritische behandlung der älteren stellen bei Kraus 170 ff. es erscheinen mhd. besonders mit diu und, ze dem und, in elliu diu und, der mâʒe und, an der selben stunt und, von dem tage und, die wîle und, dâ mite und, dar nâch und, nâch dem und, dar zuo und, alsô dicke und, sô und, solhen (kumber) und, dâ wider und, als verre und u. dgl. später auch wann und, wie und, wiewol und, wer und, ehe und, zuvor und, vordem und, voranhin und anteaquam (Maaler 474ᶜ), dem nach und (Staub-Tobler 1, 321), indem und, zwischen und, dazwischen und, der zeit und, so lang und, so lang bisz und, bisz und, so hart und, so vil und, so bald und, also oft und, von stund und, sidmal und, sintemalen und, sider und, weil und, was und, wo und; dieweilund, êund als einheitliche wörter Aventin 1, 294, 19. 1, 258, 11 u. ö. ehe und wird zu vor und ehe, zuvor und ehe erweitert. die mhd. feinheiten des gebrauchs werden schon von späteren schreibern nicht immer mehr gefühlt, mischungen einzelner verbindungen stellen sich ein. im wesentlichen reicht der gebrauch noch bis in die schriftsprache des 17. jhs. hinein; dann erlischt er. hier eine knappe auslese:
durch der wandelunge êre
unde diʒʒe opher tuot
ze Christes lîche unde bluot
messegesang (Müllenhoff u. Scherer denkm.) 46, 79;
ergezzet sî der leide und ir ir habet getân
Nibelungenl. 1148, 3;
wann mit dem urteil und ir urteilt, wert ir geurteilt, und mit dem masz und ir mest, wirt euch wider gemessen erste d. bibel 1, 25, 10;
doch was ein wunder, daʒ er gnas,
so hart und er gevallen was
Heinrich v. Wittenweiler ring 11ᵃ, 5 Bechstein;
so pald und ich ein drit drein tätt
fastnachtsp. 322, 22 Keller;
nicht lange darnach und die stat volpracht was, do Erh. Gross Grisardis zeitschr. f. d. a. 29, 391; daʒ sie in so vil hundert iaren und sie lebet von kainem man nie befleket ward Stainhöwel ber. frauen 92, 4; wiewol und du nit schuldig bist Keisersberg pater noster L 2; all die weil und das in kein widerwertikeit zuͦ stat bilger 307 Dacheux;
so zieht dahin wann und ir wellt
Teuerdank 81, 20;
zuvor und er zu morgen esz
38, 214;
got macht es, wie und er wil Luther 12, 596, 25 Weim.; von stund an und du den kampff an nimpst Eberlin v. Günzburg 3, 114 neudr.;
er sey gleich wer und er wöll
Sachs 2, 30, 19 Keller;
wir wöllen nein zum abenttantz,
darinn nach fürstlicher ordnantz
und uns frölich ermeyen gantz
8, 271, 5 Keller;
der zeyt und er sterben solt Boner Plut. (1534) 67ᵃ; dazwischen und sich die Römer beratten 75ᵃ; wenig zeit zuvor und eh ich gen Riga kam Kiechel reisen 107; Amadis 1, 114 Keller; Staub-Tobler 1, 322; sidmal und du selb Petrus bist Manuel vom papst 1472; schluͦgen auff einander mit feusten so lang bisz und ich .. jhn zuboden geworffen hab Rauwolff 255; indem und wir, zwuschen und er Zimm. chr. 4, 338, 30. 382, 4; ehe und der Türck der königin zuhilff kommen möchte Stumpf (1606) 24ᵃ; nachdem und ich hab lassen auszgehen Paracelsus (1616) 1, 197 B.; dann vor dem und der saphir war 221 B.; so viel und am menschen und im menschen ist oder sein mag 1, 235 c; damit und chir. 1. 5. 10. bald wird das neuere beziehungswort hinzugesetzt; endlich bleibt nur dieses, und fällt fort: Vintler oben th. 5, 1022; vielleicht schon graf Rudolf 14, 9;
nu sag, jaufkint, wo leit der stein
und den kein sunn nie uberschein
fastnachtsp. 556, 18 Keller,
es dunckt mich allzeit gutt, und wann ich zu dem tantz solt gan erz. aus altd. hs. 658, 3 Keller;
darumb ich aber singen sol
und wie es ist ergangen
hist. volksl. 2, 92ᵃ Lil.;
alles und das got wil erquicken
Sachs 8, 464, 10 Keller;
gleich wie ein vater seine kind
zeucht und wo sie unzüchtig sind
1, 229, 4 Keller;
wie das und ob. sp. 94;
weyl newlich sich begeben hat,
und das mein ayden ist verdorben
2, 22, 23 Keller-Götze;
werst dabey gewesn,
und da also die büchssen kracht
Waldis streitged. 6, 159 neudr.;
für die mundarten und volksmäszige rede Weise zeitschr. 1911, 356; Lexer Kärnt. 247; Staub-Tobler 1, 321 f.; wer (wasz, wie, wo) und de well Schmeller 1, 103; im schlesischen üppig die rede durchwuchernd: wenn und de niedertrechtigkeit reszt .. ei; wenn ooch und; dasz und, bis dasz und; wie und u. a. Weise zeitschr. f. d. ma. 1911, 357 ff.; wenn das hie und's geht a so fort mit der lohnzwackerei Hauptmann weber 16. auch mit mehrfacher wiederholung des subjects und einer conj.: weil a doz a und a hotte, in die syntaktische ruhelage übergehend (Behaghel idg. forsch. 14, 438). ebenso in abhängiger rede: lieber hätt a's gesehn, seine ale und se wär uf'm flecke mausetut gewast Weise a. a. o. mit reichlichen erläuterungen. wohl auch sonst verbreitet. vgl. O. Ernst Sempers jugendland 271. 277. nur scheinbar im finalsatz:
das maidlein tet zilen mir
und das ich heimlich kam zu ir
fastnachtsp. 117 Keller;
nit gang mit dem frevelen uberfelt, er bringt sich und dich in leiden, und du nicht verderbest mit im Keisersberg narrensch. 155ᵃ. in correlativsätzen: der sullen nicht mer sein und der brief sagt quelle bei Schmeller 1, 104; auf das allerhochst und ir kundent erdenken sat. 2, 100, 36 Schade; Lachmann kl. schr. 1, 199; Kraus zeitschr. 44, 184 anm. auch die vorzugsweise mitteldeutsche verwendung von und als temporalconj. ist relativen ursprungs. Kraus 180:
unde er von dem orse saʒ,
in sînem schimpfe sprach er daʒ
Heinrich v. Freiberg Trist. 4262.
wo ein solches und im nhd. vorzukommen scheint (s. ob. II 1 Reuter ehrl. fr. 25), hat es keinen einflusz auf die wortstellung und anderen ursprung. wieder anders ein temporales und im nachsatz II b.
e)
und in wunschsätzen deutet ursprünglich wieder an, dasz unter anderen gewünschten thatsachen eine herausgehoben wird, deren erfüllung die der anderen enthält. Kraus 155 anm.:
wolde got unde wêre ich is wert
Rolandslied 36, 22.
später:
ich wolt gott und das ich wer todt
Sachs 8, 41, 8 Keller;
und dann in einfachen inhaltssätzen (vgl. d):
könig, wilt du, und das wir zwen
der arbeyt uns thun untersten
8, 557, 25 Keller;
so wisz und das ich dich will eszn
1, 430 Keller;
geh, schaw, und was dort sey
bey der thür für ein grosz geschrey
6, 121 Keller;
weisz nit, wer im gesaget hat, und das mein man gen Genow ist geritten Montanus 533, 25. vgl.: soo mar (sag mir), und wia bist dan Weise zeitschr. 1911, 355; Paul-Braune beitr. 18, 510. vielleicht erklärt sich auch so (mit heranziehung von d):
ich seh' sie dort, ich seh' sie hier
und weisz nicht auf der welt,
und wie und wo und wann sie mir,
warum sie mir gefällt
Göthe 1, 18 Weim.
f)
wie im mhd. ist causales und nur scheinbar und bei oberflächlicher betrachtung vorhanden:
und hast dyn gantzes leben sitzen
ein würmlein, das dyn hertz thuͦt kritzen,
und du den anfang hast gethan,
durch des beyspil buͦbt yederman
Murner narrenbeschw. 86, 89.
vgl. im finalsalz und das th. 5, 793 c, und Luther tischreden 1, 58.
III.
feste verbindungen.
1)
und — und, dem lat. et — et sclavisch nachgeahmt: gott ist der do wirckt in euch und den willen und zevolbringen erste d. bib. 2, 177, 5; gott .. wolle euch gnädiglich in seinem wort, wie er hat angefangen, und erhalten und mehren Luther br. 3, 150; es sollen .. auff ein jedes und in musterung zugelassens pferdt und gereisigen tag und nacht gegeben werden 24 kreutzer Fronsperger krb. 1, G 1ᵛ. glücklicher weise vereinzelt geblieben (anders das seltene abundierende nachdrückliche und unterhaltsam und komisch Lessing 10, 84. franz. et — et Littré 1, 1507. wieder andere individuelle verknüpfung: und dich als frau, und mich als mann Göthe 1, 45 Weim.). als — und sicutet: als ym hymel und yn der erden Luther 2, 86, 21; 6, 14 Weim. necneque (tamen): weder glimpff und weder fuͦg Murner schelmenz. 30, 15; weder trancken und noch assen badenf. 4, 58; 23, 48. s. weder. aeque ac: nymf gleicher schönheit und frombkeit Weckherlin 351 (od. 1, 1).
2)
in gewählter ausdrucksweise so — und für so — als, wie. itaut. th. 10, 1, 1352 ff. 1360 f.:
ach, du so fromm und treuer gott
Spee trutzn. 66 B.;
Göthe th. 10, 1, 1361; so hin und zurück Arnim 7, 112;
so mond und sterne kränzen
lichtvoll das dunkle thal
J. Kerner dicht. 433;
er verlor so burg und land
Hertz Parz. 2 (5, 24).
3)
beide(s) — und th. 1, 1364 f.; beide — und auch Luther apost. vorr. Bindseil 7, 430; und — beide Murner narrenb. 74, 91.
4)
beim abbrechen von aufzählungen, καὶ τὰ λοιπά, alia, et cetera, et sic porro, vel ceteris u. dgl. th. 3, 1173; Zedler 49, 1204 (clausula etceterata, celerata); et c Tauler 209, 27 Vetter; und so fort an Luther 24, 80, 21 Weim.; Göthe Faust 4936; und andere, und ähnliche, andere mehr, und oft, und dergleichen u. s. w. s.fort, ↗ander, ähnliche, oft, dergleichen u. s. w. furbasz und ander, on ander, und andersch Diefenbach 211ᵃ; and all (that) Murray 1, 226ᵃ. am häufigsten und so weiter (s. weiter), auch substantiviert: das undsoweiter J. Paul 34, 39; ihren ... und so weiter schein Brentano 5, 27.
5)
und aber καὶ δέ: und aber kert wider in dieʒ selb cod. Tepl. 2, 28; und aber der braut bricht er die bande R. Wagner götterdämm. 3, 2. oder aber:
nun dencke, welche gott am besten wol behagen,
die andern leid anthun, und aber die es tragen?
Opitz H. Grot. 337.
atqui: und aber diese meine söhn werden fromb oder gottlosz seyn Schupp 731. meist wie schon ahd. (die sih hier bergent, unde aber geoffenot uuerdent ze suonotage Notker 2, 201, 11; Graff 1, 179) und mhd. (th. 1, 31; mhd. wb. 1, 73ᵃ) gleichwohl, indessen, jedoch: do er nun vast und lange zeyt gearbayt het .. und aber sein fürnemen nicht mocht zuͦ wegen bringen Keisersberg schiff d. pen. 23ᵃ; wie er dann ... in allem wol langsamb und aber sehr bedächtig mit umbgehet B. Paumgartner br. 202;
andre leut, die viel einlegen theten
und aber nicht ein solche andacht (wie die arme wittwe) heten
Lobwasser psalm 1565 dedic.;
die (prediger) straffen ander leut, und stecken sie aber im kott und pful bisz uber die ohren Höniger narrenschiff 77ᵇ; Diodorus Siculus und Strabo, die fast auff eine zeit unter dem keyser Augusto .. gelebt, und aber der berges (Vesuv) also erwehnen, als ob er Opitz 1, 31; veraltet; heute schlieszen sich und und aber aus. archaisierend:
geliebter! aber wenn du dann
bedürfen meiner solltest,
und aber als ein stolzer mann
mich selbst nicht suchen wolltest
Rückert ges. ged. 1, 441; 355.
und hinwiederum: und was aber nicht will sprieszen 1, 218. atque ita, atque etiam und aber also Maaler 455ᶜ; aber verstärkend Staub-Tobler 1, 320, 3; Weise zeitschr. 1911, 355.
6)
und also: wir empfinden, das .. fleysch und teuffel yn uns regiren wil und also deyn ere und namen ausz treyben Luther 2, 128 Weim.; atque ita und also zuͦ dem ersten werffend sy die zeyt entgegen Zwingli v. freiheit d. sp. 11 neudr.; et igitur
und also ihr getreuen, lieben
willkommen
Göthe Faust 4761.
vgl.so th. 10, 1, 1369, 3 und so denn also 1362 d. auch und demgemäsz, -entsprechend, -zufolge, folglich u. s. w.
7)
und auch. ahd. endi auh (ioh) Graff 1, 362, 121; Grimm gr. 3, 271 f.; etenim und ǒch, unde ok, endoch Diefenbach gl. 211ᵇ; für et 212ᵃ; für etiam 211ᵇ; und ouch (joch) mhd. wb. 2, 1, 450ᵃ. 773ᵃ. 3, 184ᵃ: die frawe mit troste und auch mit straffe lachent ... sprach Arigo 134, 7 Keller; ich hätte lieber noch mehr von der alten gehöret, und sie war auch fertig, gern ein mehreres zu sagen Grimmelshausen 2, 336, 24 Keller; und auch wirklich Kretschmann s. w. 1, 10. und auch nit für oder auch nicht Keisersberg bilgersch. c ii d. und auch = aber auch Göthe th. 1, 600, 5. auch und = und auch ebd. und auch, und weyter tum Maaler 455ᶜ. atque Calepin sept. 144ᵃ.
8)
und besonders ac praesertim, praecipue quidem, atque vel maxime:
der lur ouch nit wol wercken mag,
und bsunders am guͦtten mentag
Manuel weinsp. 162. 2339.
Göthe th. 1, 1634. rechts- und geschäftsformel Zedler 49, 1204. und vorzüglich Göthe IV 16, 292 Weim.
9)
und da zur einfachsten fortführung des berichts oder zusammenhanges, volksthümlich und in der kindersprache. onde fränk.-henneberg. füllpartikel zur ausfüllung störender pausen bei einer langen stockenden erzählung, besonders von alten weibern gebraucht Spiesz henneb. 263; vgl. VII; Göthe th. 2, 657. gewählter und dann th. 2, 741. ähnlich: ich mach de kliisz racht locker, un do iszt se mai maa suu gern Weise zeitschr. 1911, 355. und da und unter diesen umständen: ja. und mutter hat von der hitze schon ihr kopfweh, und da will ich doch lieber in der hinterstube plätten Fontane I 5, 128.
10)
und dabei, damit, darauf, darüber, darum, dazu u. dgl. s. das zweite wort.
11)
und das et id, idque, et id quidem Grimm gr. 4, 1310; für die mundarten Weise zeitschr. 1911, 351; vgl. und zwar: die (frauen) sich leichtfertiglicher zu zoren enzünden .. und das umb irer minder masz und czäumung willen Arigo 266, 13 Keller; das ich mich .. alles offenlichen gebrauchs entschlagen muͦsz, und das selbig doch nit ausz verschuldung einiges irtumbs Hutten 1, 409, 37; und das nit unbillich neque adeo injuria Maaler 455ᶜ;
du hast nichts gwissers, denn verderben,
und das noch den heutigen tag
Sachs 6, 154, 27 K.;
die fromme rühmt sich selbst, und das mit stille schweigen
Rachel 33 neudr.;
und dieses um so mehr, da v. Koenig 5;
ich leb und das nur dir zu trutze
Günther 202;
also schreiben sie mir ja, und das bald Lessing 13, 116;
jagen sich, ängsten sich, beiszen sich,
und das all um ein stückchen brot
Göthe 2, 88, 27 Weim.;
aber, wie in der volkssprache (oben I 3), wiederaufnehmend: flittergold, und das ist alles Göthe IV 1, 198, 8 Weim.
12)
und doch, dennoch, gleichwohl u. dgl. endi dhoh Graff 1, 362; mhd. wb. 1, 376ᵃ; th. 2, 1200: wilchs gar ein ferliche und doch die aller gemeinste sund ist Luther 6, 220, 6 Weim.;
sie lächlet, und thet weinen doch
Spreng Ilias 81ᵇ;
ich bin zwar ziemlich jung, und dennoch folg ich euch Chr. Reuter Harlequin 47;
und doch — leichtgläubiges gefühl! —
ist alles diesz mehr als ein gaukelspiel
Gerstenberg briefe üb. merkw. d. litt. 365, 13 neudr. (ged. e. skalden);
fertig und doch nicht fertig Göthe IV 8, 22 Weim. vgl.hören und nicht hören, sehen und nicht sehen sprichw. (1548) 77ᵃ.
13)
und nicht; im gegensatz th. 7, 702 f. und oben B I. aber auch blosz verbindend; atque non:
alles seufzt und klagt um dich;
und es bleibt nicht bey den deinen:
man sieht auch die kirche weinen
Neukirch ged. 24;
indi ni neque Graff 1, 362; neque quicquam: entweder ganz getadelt oder ganz gelobt, und nichts kann fähigkeiten so sehr niederreiszen Göthe IV 1, 179, 4 Weim. und zwar nicht: ich bin auch eins (ein mädchen) gewest, und nicht das langsamst O. Ludwig 2, 9. nicht — und nicht für das mundartlich zurücktretende weder — noch: er soot nich meff un nich beff Weise zeitschr. 1911, 355. auch nd. he weet nich von kicks un (nich) von kaks.
14)
und nun: und nun lebe wohl Göthe IV 27, 141 Weim.; und nun noch zum schlusz 222 Weim.; und nun, da sitzt sie denn, die lange latte Gutzkow zauberer 1, 12; und nu geht er. und nu — — — wahrhaftig, ich glaube, er dreht noch mal um Fontane I 5, 121. gegensätzlich:
endlich .. sprang ich auf und eilte nach dem garten, ..
dir vielleicht im garten zu begegnen:
und nun bist du weder in der laube
noch im hohen lindengang zu finden
Göthe 2, 100, 54 Weim.;
IV 29, 89, 27 Weim.; 19, 8, 7 Weim. nun und Hermes manch hermäon 2, 115.
15)
und oder und es sei denn, dasz th. 7, 1151; Staub-Tobler 1, 97: und oder du verachtest die lere von dem aussgang der klosterleut und pfaffen ehe, nit wollest darumb eynen andern fur ubel annemen, das er darauff vil haltet Eberlin v. Günzburg 3, 142 neudr. österr. weist. 1, 113, 29 steht und oder für und aber. ein anderes und — oder = sivesive: dan fürcht ich mi niet, un is tog oda is nacht Weise zeitschr. 1911, 355.
16)
und so Kuhns zeitschr. 7, 356; lieblingswendung Göthes, eingehend von Lehmann 257 § 83. 84 behandelt. von dem häufigen undsogeschwirr, unser undsomeister ebd. 258.
17)
und zwar Grimm gr. 4, 1310; et sane quidem: und zwar welcher der welt guͦt gesell sein will, muͦsz disz .. nicht straffen Ambach zusauffen A iiᵃ; und zwar, wer wolte nicht Grimmelshausen 2, 348, 28 Keller. heute meist specialisierend, näher bestimmend: sie höret auch nicht auf zu fliehen, und zwar als auf der obersten höhe des Schwartzwalds 2, 37, 27 Keller; auch getrennt Göthe 2, 119, 8 Weim. und zwar so s.zwar. für und zwar auch und nämlich: unser noch viel mehr gewesen seind, und nemlich die, so jetzt nicht zugegen seyn b. d. l. 243, 4; th. 7, 346 II b. atque adeo ut und mit der gestalt das Hutten 1, 413, 22.
18)
bei interjectionen (mhd. wb. 3, 185). und siehe da, und siehe! älteres sich unde (Grimm gr. 4, 1309): 1 Mos. 1, 31 (bloszes et der vulg.);
du denkst es kaum und sieh! das lied ist fertig
Göthe 2, 5, 12 Weim.;
th. 10, 1, 144; und ach! 2, 89, 77 Weim.; ach und so empfindlich ist er maler Müller 1, 153; vgl. und doch! und immerhin! u. IV; woluff, woluff, ir frummen Teutschen und legen ewer hand an den pfluͦg Eberlin v. Günzburg 1, 104 neudr.; hui, und wes du jehst Hayneccius Pfriem 2001; und botz noch eins! Grimmelshausen 2, 333, 18 Keller; o und die freundlichen knabenjahre maler Müller 1, 74; o, und wär ich nie geboren Grillparzer 6, 158.
IV.
und in elliptischen oder als elliptisch empfundenen verbindungen der lebendigen rede wie der literatursprache: und ich erst! und mit recht. und damit gut! still! und nichts zu lachen! der und zahlen! de Hannes un en dummkopp Paul-Braune beitr. 18, 510; Fontane I 5, 138; ihren lieben mann hab ich eben weggehen sehen. und musz auch. is ja heute sein kegelabend I 5, 118; (ja) und en tüfel derbe abweisung Staub-Tobler 1, 320; und iez? was weiter? 321; mit und? ladet man den eintretenden ein, sein anliegen vorzubringen ebd. u. allgemein. na und? na und ob! na und wie! Weise zeitschr. 1911, 351 a. 2; alleinstehend und? im gespräch Lessing 2, 533; Hebbel 1, 22; heute feire ich meinen 65. geburtstag im frohen kreise meiner freunde — und? Krummacher wörtlein und 221. vgl. Filippo Neris und dann? nun — und? H. v. Kleist 2, 58; an dan! herausfordernd lux. 7ᵃ; und denn (au)! ironisch; gleichviel, hat nichts zu sagen Staub-Tobler 1, 320; und wenn auch! umgangssprache. abbrechend: und kurtz (th. 5, 2841) Keisersberg bilgersch. B iiᵇ; und — ein schrei des entsetzens wird rings gehört Schiller 11, 222 (taucher); ist überall bereits effektvoll angedeutet und — doch genug! so schlosz der herzog Mörike 3, 15. ebenso und doch Gerstenberg Ugol. 251, 30 neudr.; bekräftigend in der antwort: ist tehein uuîʒe dero sêlôn nâh temo tôde? unde chreftîg, chad si Notker 1, 260, 24 (et magna quidem); und was denn mehr? Hayneccius H. Pfriem 1364; ich kann nicht. und die ursache? Lessing 2, 372; und sein zweck derselbe Herder 3, 10; und ich! Göthe 2, 91, 130 Weim.; und was? 23, 26; und was denn weiter? 15, 14; muster davon hast du gegeben in der Johanna Sebus, mitternacht .. und wo nicht überall? IV 33, 9, 19 Weim.; lichter, mehrere lichter! und was denn für lichter? II 2, 14 Weim.; seine geliebte kam ihm an der treppe entgegen, und wie schön! I 21, 60, 24 Weim.; Lehmann 276; und richtig, so kam es Immermann 1, 9.
V.
und als selbständiges wort: Günther th. 4, 2, 2242; kein und, kein bindewörtchen darf auszenbleiben Göthe 19, 91, 23 Weim. nach dem lit. vorbild des Platonischen συμπόσιον und der mittelalterlichen predigt behandelt und F. A. Krummacher (das wörtlein und 1811). substantivierung und zusammensetzungen: die liebe wurde für das höchste und schönste und erklärt Krummacher 232; Hamlet .. ein conflict des unds und des abers 84; während das mädchen sich mit allerlei unds, puppen und läppchen umgiebt 224; alle staats- thron- und kronunds 86; undmenschen 102; ündchen 121; ündelein 162; der und-reiche Demosthenes J. Paul 55/58, 293. redensart bis aufs und: hierzu kommt, dasz jeder, jede, die rolle aufs und studiert E. Th. A. Hoffmann 4, 98; bis aufs geringste undchen Rahel 1, 137; Holtei vierzig jahre 4, 68; Grillparzer 13, 239; um jedes und und aber eine schererei Gutzkow ritter v. g. 7, 149; jedes und und aber erklären Wander 4, 1422; engl. all ifs and ands (17. jh.), without ifs and ands.
VI.
und im reim bei Sachs s. Köster zu Schönaich s. 542; und : grund W. Spangenberg Hecuba 2065; Abr. a S. Clara h. a. närrin. 43 (nur endung, nicht conjunction gemeint); und : mund Gleim-Uz br. 244. von Schönaich 358, 26 K. lächerlich gemacht. Droste-Hülshoff 1, 141. 170.
VII.
sprichwörtliches: en doa! sied Kuindâl Frommann ma. 3, 256; u—n—d — und, war'sch verschtêt, dar wêss schunt sapienti sat Wander 4, 1422.
VIII.
räthsel: wat lîget twisker bierch un dāl? das und Bauer-Collitz 268ᵇ, 106.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1914), Bd. XI,III (1936), Sp. 405, Z. 19.

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