ungemach adj. (adv.)
Fundstelle: Lfg. 5 (1917), Bd. XI,III (1936), Sp. 758, Z. 7
gth. von gemach II. es handelt sich im nhd. nur um dürftige reste einer reichen alten entwicklung. ahd. ungimah (zur bedeutung s.gemach I 2 a); adv. ungimahho; ags. ungimæc dispar; as. ungimak infestus; mhd. ungemach (dazu Paul in den beitr. 2, 533, Socin namenb. 495); adv. ungemache; mnd. ungemak; mnl. ongemac (wb. 5, 608). 'úngemāch ein im hd. völlig veraltetes wort' Adelung; 'heiszt jetzt ungemächlich' Heynatz antib. 2, 521. vgl. ungemächlich, -gemachsam, -gemacht, -gemachtlich. gth. von gemach II 1 e: bösz essen und trincken, ungemach läger Luther 1, 700, 22 W.; wie ungemach subst. 1 c:
viel sagten ... dasz ein frommer mann durch ihren (der tugend) rechten schein
im ochsen Phalaris auch selig könne sein.
hergegen andere, so dieses können mercken,
das etwas, so besteht in ungemachen wercken,
in angst und todes noth, in diesem was verletzt,
ein glücke für sich selbst nicht köndte sein geschätzt,
geurtheilt haben ...
Opitz 4, 316 (H. Grotius v. d. wahrheit d. chr. religion).
als adj. (adv.) zweifelhaft und vielleicht als subst. empfunden: zu viel essen thut dem leib ungemach Petri 2, O o o Iᵛ. nd. unmak, onmak, unmaklich unwohl, unbehaglich Frischbier 2, 423ᵃ. 45ᵇ. mnd. unmaksam; nl. onmakkelijk. —
m., n.
Fundstelle: Lfg. 5 (1917), Bd. XI,III (1936), Sp. 758, Z. 32
gth. von gemach III. ahd. ungamah, n., neben ungimahhî und ungimahhida (ungemachde Staub-Tobler 4, 19); as. ungimak; an. úmak, n., neben úmaki, m.; altschwed. omak, omaki; aus dem westgerm. (mnd.) Falk-Torp 689, 1322; mhd. ungemach, n., m.; mnd. un(ge)mak; mnl. ongemac, n.; nl. on(ge)mak, n.; dän. umag(e); schwed. omak. in mundarten wohl vorhanden (z. b. Staub-Tobler a. a. o., Müller-Fraureuth 2, 598ᵇ; Eupen 10ᵃ; Doornkaat-Koolman 3, 471ᵃ; bayr. und els. nicht verzeichnet, tir. 'nicht sehr üblich' Schöpf 409), doch anscheinend ohne dort ein eigenleben entwickelt zu haben; ungemâke, n. Schambach 243ᵃ; De Bo 672; Nemnich nos. 19ᵈ; Höfler 383ᵃ. Adelung setzte auch für das subst. ein heutiger gebildeter rede fremdes ā an; zum schwanken der ma. s.gemach III 3 c. die betonung des präf. ( Adelung) entspricht der regel. umlaut ergreift den plur.: ungemäche und schäden Krämer leben u. t. thaten (1681) 226; s.gemach III 3 b. das m. (gemach III 3 a) noch öfter im 15. und 16. jh. (fastnachtsp. 406, 5; 698, 12 K.; Hätzlerin 43; A. v. Eyb sp. d. sitten A viᵃ; Xylander Pol. 173; b. d. liebe 271ᵃ), die ansetzung des f. bei W. Scherffer 66. 223 (Drechsler 60) beruht auf irrthum. mit unechtem t ungemacht volksl. 1, 92, 3 L.; Höniger narrensch. 21ᵃ (s.gemach II 3; auch mhd. und mnl., altschwed. omakt). plur. die ungemach wie gemach III 3 b: Freidank 4, 16; Terenz Eun. (1486) 62 neudr.; Franck G. chron. 24ᵇ; Ringwaldt warn. F 1ᵇ; Höniger narr. 100; tausend ungemach Lichtenberg verm. schr. 3, 435; Krünitz 196, 280; veraltet; ungemache Denis l. Sineds 146, 21; vgl. nl. ongemakken; ungemacher tirol. weist. 1, 71, 21 (1609). in der n. spr. sind die plur.-formen unüblich geworden; 'man sagt dafür die ungemächlichkeiten' (s. ungemächlichkeit) Braun orth. gr. wb. (1793) 270ᵇ, oder gebraucht den sing. collectiv: trotz hindernissen und ungemach Abbt 6, 1, 40; 245. die hauptvorstellung des ursprünglich westgerm. begriffes erweist sich von solcher dichtigkeit, dasz ihm eine tausendjährige entwicklung nichts anhaben konnte und er gegen unzählige begriffsverwandte wie unsenfte, arbeit, unbill, ungelegenheit, unbequemlichkeit, unbehagen, unbehaglichkeit, unannehmlichkeit, ungefälle, ungeheuer, unglück, drangsal, bedrängnis, leid, unheil, last, beschwerde u. s. w. sich behauptete. es kann sich hier nur um grundlinien in der geschichte des unerschöpflichen wortes handeln.
1)
gth. von gemach 1 mit schwachem sinnlichen einschlag.
a)
gth. von gemach 1 a, b, mangel an 'gemach' (wohlgemach), aufhebung und störung des 'gemaches', ungemächlichkeit, unruhe, arbeit, anstrengung u. dgl.: störung der nachtruhe und dadurch verursachte belästigung as. ungimak ahd. gloss. 4, 297, 35 nach Luc. 11, 8, Wadstein 55ᵇ, 6, nicht 'ungeschicklichkeit' (Wadstein 234ᵇ); ähnlich Gerhard v. Minden 39, 10 L.; störung durch einen umgehenden geist Rückert 2, 267; vgl.c γ; mhd. lärm, unruhe, gedränge, übel (harte klein) gemach für ungemach (s.gemach 1 b); mnl. für onrust; an. für trouble; altschwed. für oro, buller. ungemach und arbeit Gottfried Trist. 11604; Gerh. v. Minden 122, 4 L.; arbeyt und ungemach Brant narrensch. 59, 1 Z.; Simpl. 43 Kögel; u. und anstrengung Schopenhauer 2, 183; u. und gefahr Moltke 6, 40; mühe und ungemach;
worzue dienet das studieren,
als zue lauter ungemach?
Opitz poeterei 26 neudr.;
D. Schirmer rosengepüsche 65; des lernens u. Hagedorn 56, 173 neudr.; Paulus den lauff des evangelii .. auch mit seinem groszen u. befürdern solte Dannhawer cat. 1, 54 (vgl. 1 c ε, ζ); nicht sonder u. A. U. v. Braunschweig Oct. 1, 216; ohne u. El. Charl. v. Orleans 3, 617; Laukhard leben 2, 398; Freytag 11, 126; man ist nachgerade müde geworden ... und überläszt dem jungen völkchen sich abzujagen und sein vergnügen durch allerhand u. zu erringen Holtei erz. schr. 9, 66; das u. des feldes (feldlagers) Freytag 18, 420 (der läger u. vern. tadl. 1, 215). ungemach, gs. gut gemach Luther 30, 2, 573; Wander 4, 1432, 5, s. gemach III 1 b; wenn einer von gutem gemach zu u. gefordert wird Agricola spr. 642. reiseungemach. übles hausgemach germ. abh. 25, 554. 280. für incommodität Kinderling 279.
b)
bezogen auf gesundheitliche störungen und beeinträchtigungen des körperlichen befindens; das gth. gemach 1 a β bleibt schwach entwickelt. am reichsten im nl. ausgebildet (mnl. wb. 5, 611; nl. 10, 1626); in unserer schriftspr. mit vorliebe von geringeren störungen gebraucht, wenn auch früher fälle einer stärkeren bed. nicht fehlen, z. b.
dein leib ist auch mit ungemach
gantz durch und durch belauffen
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 406ᵃ;
(ebenso K. v. Würzburg Engelh. 5170); vgl. 408ᵃ. es bezeichnet sowohl den zustand und dessen empfindung als auch die ihn bewirkende ursache und eignet sich in der n. spr. zu euphem. abmilderung: in den selben jaren meid er ellú bad ... dur ungemach sines zart suͦchendes libes Suso 46, 2 B.; fliegenstich Gerh. v. Minden 23, 2 L.; sucht 40, 9 L. u. a.; ohnmacht Konrad v. Würzburg mhd. wb. 2, 1, 14ᵇ; Höfler 383ᵃ;
wann es ist gar krank und schwach
und leidet groszen ungemach
fastnachtsp. 698, 12 K.;
mit kopfwehe und u. Harsdörffer gespr. 2, 120; für ungemach und ... zauberey Prätorius blockesb. verr. 449; im magen Wolff v. d. m. thun 297;
wer aber wird denn nun ...
die götter pflegen
wenn sie ein ungemach im schlaffe solte stöhren
Henrici 1, 43;
sehr schwachen personen, die auch von leichten ursachen u. empfinden allg. d. bibl. anh. 25—36, 478;
das neue ungemach, den spleen
Novalis 1, 162 Minor;
besprechungsformeln gegen ... u. Mommsen r. g. 1, 204; ermüdung oder anderes u. spürten wir nicht Steub drei sommer 1, 395; das ungemach, die ungemächlichkeiten des alters. geen ongemack μηδὲν ἄτοπον nl. wb. 10, 1626 (nichts ungeheures Luther). krankheit, ohnmacht, unvermögen, leiden im allg., bes. fallsucht Höfler 383ᵃ; Pfister nachtr. 306; vgl.g; nl. wb. 10, 1627, 3; mnl. pestis, pestilentia, lues, cancer, ficus, perpera, lupus u. a.; schaden am fusz Kramer-Moerbeek 1, 316ᵇ; am bein Doornkat-Koolman 3, 471ᵃ; ongemakken vitia Nemnich nos. 19ᵈ; ongemak die gallenblase, als fleischerausdruck De Bo 672. übertragen wie mnd. (wb. 5, 61, 4) 'sünde': an dem leibe erschien nicht das u. ihrer seele Grimm sagen 2, 143; unüblich.
c)
gern von störungen in der gestaltung, den vorgängen und zuständen des äuszeren lebens. bey den beschwerden des lebens fühlen wir unsere ohnmacht, beym ungemache des lebens unsere verletzbarkeit und abhängigkeit von den äuszern dingen Delbrück (1796) 71.
α)
von wetter, witterungseinflüssen, natürlichen dingen, naturereignissen und thieren ausgehende beeinträchtigungen:
het ich ein hûs für ungemach,
dem lieʒe ich selten fûlen'ʒ dach
Freidank 170, 18;
Agricola spr. (1534) O iiiᵃ; Petri H h viiiᵛ; Baumeister zimmermannsspr. 24, 13; Gutzkow ritter v. g. 6, 265; so gehts mit den gebäuden, sie halten blosz u. ab Heinse 4, 28;
denn bald bot einer linde dach
mir schutz vor fernerm ungemach
Kind 5, 183;
die verursachte ungemächlichkeit Keller 9, 290;
die dicken wolcken halten an
ihr ungemach und faules feuchten
S. Dach 722;
nymphen können mehr gewähren
als des waldes ungemach
Neukirch ged. (1744) 255;
vgl. 1 a; wilder wellen u. Schönaich H. d. vogler 35; Gries ras. Rol. 1, 265; W. Müller ged. 274 Hatfield; des wetters Wieland 23, 55; Bode Montaigne 2, 148;
im jungen herbste wird schon das ungemach
des frosts sein (des gemächlichen) klaglied
Gerstenberg rec. 7, 34 neudr.;
ein armer hund, vor alter schwach
und krank durch vieles ungemach,
der hatte nichts zu nagen
Hegner 222;
entbehrungen, entkräftung mnl. wb. 5, 611, 2 b α; flöh', wanzen und sonstiges ungemach Immermann 2, 25; nl. ongemak onder de kleeren ungeziefer am leibe.
β)
rechtliche beeinträchtigung, unbill: injuria Graff 2, 636; Otfrid 4, 19, 65. 19, vgl. 1 d; her sal ... in kunden unde wisen sin ungemach unde di gewalt, di man mit ime beget (1278) hess. urk. 3, 408;
here, ik klage yw dyt unghemack
Reinke de vos 854.
Göthe 2, 256 biegt den begriff nach 1 c α u. ζ um; dem closter u. thon (vgl.ε) Knebel chr. v. Kaisheim 119; in frembdem u. (κακά) übelthat, die zu einer klageverhandlung anlasz gibt, gr. dram. 1, 256 Dähnhardt; dasz wer nur reden und schreiben kan, von ihrer (der frauen) untugend und unart weisz zu singen und zu sagen, welches u. alles sie also .. leyden müssen Moscherosch ges. 2, 266; ungemach = unsteuer Zedler 49, 2080 ('unsteur heiszt allerhand unfug, gewalt, ungemach und übermuth, so von jem. erweckt und getrieben wird'); in der n. spr. ähnlich wie bei Göthe a. a. o. nicht mehr gefühlt und umgebogen.
γ)
eng anschlieszend und z. th. die bed. β ausdeutend, beeinträchtigung durch feindschaft, verfolgung, fehde, kampf, fährlichkeit u. dgl. ahd. ungimahhida simultas. as. ungimak infestus; altschwed. omakliga, adv. häftigt, valdsamt; mnl. orloghe ende ongemac, met onvreden ende met ongemake wb. 5, 608 f.; not der verfolgung Gerh. v. Minden 41, 5 L.; zwischen δ und γ stehen fälle wie: wann ich hett wöllen mit u. faren (vorher gewalt, frevel, stürmen), ich wolt Teützsch landt in ein grosz pluͦtvergiessen gebracht haben Luther 10, 3, 19, 3 W.:
ir habet erliten hiute   vil grôʒen ungemach
Nibelungenlied 1914, 2;
yedoch so muͦst er leyden
vom wurme ungemach
lied. v. hürn. Seyfried 47 neudr.;
u. anthun volksbuch 77 neudr.; letzen u. zufugen gemma gemm. m 4ᵃ; Binhardus thür. chr. 40; er brach den eingangen fried mit den Saracenern und legt jn vil u. an Franck Germ. chr. 63ᵃ;
es steckt vil gfehrlichs ungemachs
bey eim tyrannen
Sachs 20, 472, 22 G.;
vil u. und verfolgung Albertinus zeitk. 79; Besser-König 1, 199;
über wiese, hain und dach
stürzte krieges ungemach
Göthe 4, 136 W.;
u. des kriegs Nicolai litbr. 7, 6; Schubart ged. 2, 292; Iffland 6, 216; kriegsungemach F. Mendelssohn-Bartholdy reisebr. 2, 236; in schlacht und u. Schenkendorf ged. 41; die neueren beispiele mischen 1 c ζ ein. veraltet mit ungemach 'erbittert' Opel-Cohn 163; Schmetzl Sam. u. Saul 33, 753 neudr. meiner freuden u. (beeinträchtigung) H. v. Neustadt Ap. 2473 S. abgeschwächt von neckenden angriffen auf eine strickende:
thut einer ungemach,
so straft ein stickenschlag
Voss ged. 6, 17.
δ)
zwist, streitigkeit; vgl. γ und ahd. ungimah dispar. Staub-Tobler 4, 19 (1680):
umb allen handel und ungemach,
der tzwischen ewer payder ye geschach
passionssp. 107, 1678 Wackernell;
dasz ... allerhand miszvorstand, zerrütligkeit und ungemach causiret und angerichtet werde act. publ. 1, 70 P.;
das allerschlechtste thier ...
lebt mit ihm (seinesgleichen) in ruh und sonder ungemach
B. Neukirch ged. (1744) 172;
nl. zij geraakten met elkaar in ongemak. veraltet.
ε)
fehler, mangel, nachtheil, schaden, übelstand, schererei, quälerei, malheur u. dgl. gth. gemach 1 h commodum. mnl. wb. 5, 613: was dann schadens und u. darusz entsprieszen wurd Riederer f iiiᵃ; Eyering 3, 526; Agyrtas 10; Ranke 1, 49;
so gar flieszt jeder vers dir sonder ungemach
B. Neukirch ged. 165;
geldnot wie mnl. wb. 5, 609:
zahle deine schulden!
so lern das einmal eins und tilge nach und nach
durch wuchernde vernunft dein langes ungemach
B. Neukirch ged. 118;
Hanke 1, 406; vgl. ungelegenheit; capitalsverlust Hohberg 1, 16; übermäsziges u. molestia immodica heiszt ein besonders groszer und wichtiger schade Zedler 49, 1427; ongemak schade, averij in nl. seemannsspr. wb. 10, 1626, 1; ihre provinz erfuhr viel u. drangsale Göthe 36, 305 W., vgl. γ; das problem ..., die ... verfassung Frankreichs mit dem möglichst wenigsten u. der jetzt lebenden dergestalt umzuschaffen K. Fr. Cramer Neseggab 3, 18;
er hielt's für groszes ungemach,
wenn mancher sich den kopf zerbrach
Becker Mildheimer lb. 76;
wenn die käuflichen stellen schon früher ein u. dieses staates waren Ranke 37, 304.
auf weiber stellt' ich nun mein sach ...
daher mir kam viel ungemach
Göthe 1, 132 W.;
und diesem möchte ich es wohl zuschreiben, dasz mich im Selkethal gar mancherlei kleines u. heimsuchte, dasz ich, indem ich über das wasser springen wollte, just in die mitte hineinplumpte Heine 3, 76; von all dem u., das jeder ... poet Österreichs zu erdulden hatte jb. d. Grillparzerges. 6, 4; aber leid wär's mir, so ich euch selbst dadurch in u. ... brächte Pocci kom. 2, 118; zu meinem gröszten u. kam die hausfrau dazu, als ich der tochter einen kusz gab Krünitz 196, 281; ein kleines u. Hebel 2, 38, 17 B.; mancherlei lustiges u. Langbein 31, 147. mildernd Keller 1, 174. mhd. ungemechelîn; nl. ongemakje.
ζ)
im gegensatz zu solcher abschwächung aber auch verderben, unheil, unglück, not, böses:
daʒ ich den tiuvel und den tôt
muoʒ fürhten, deist ein groʒiu nôt:
und ich ir dewederʒ nie gesach,
und fürhte doch ir ungemach
Freidank 67, 12;
und über alles ungemach
so sind wir keiner zeiten
vom tode frey
Dach 187;
gefährtin seines glücks und ungemaches Heräus 58; Tieck 11, 33; aus u. in u. Herder 15, 425; von u. zu u. Göthe 13, 26, 24 W.; mit schrecken und u. Kortum Jobs. 3, 80; das u. der zeit Schubart ged. 2, 210; Giseke-Gärtner 47; Claudius 8, 117;
und eh der dritte tag anbrach,
da schied er hin in ungemach,
erschrecklich er gestorben ist
Mittler volksl. 387.
zur syn.: sie war klug genug einzusehen, dasz ein gegenwärtiges geringes übel leicht mit einem groszen u. vertauscht werden könne Göthe 26, 153, 8 W.; verderben, ungemach, ungelegenheit, unwesen Sattler phras. 378; zwischen unfall und unglück stehend Teller 2, 297; u., bedrängnisz, drangsal, elend, jammer, kreuz, leiden, noth, trübsal, unglück, widerwärtigkeit Weigand syn. 3, 863 ('das die ruhe benehmende und beschwerende widerfahrene übel').
d)
mit hervorhebung der (selten ganz fehlenden) gefühlswirkung. Otfrid 3, 24, 70; mhd. jammer, jammergebärde; mnl. wb. 5, 610 f.; sêriu u. Reinmar v. Zweter 43, 10 R.; mnl. met wel soeten onghemake wb. a. a. o.; let und ungemak Gerh. v. Minden 78, 38 L.; omaki jämmer, klagan, sorg Söderwall 2, 160ᵇ: die schyden sich mit grosser klag und u. (var. ubelgehaben) Tristrant prosa 147, 1;
der bischoff treib grosz ungemach
und zornte sich sere
Reinolt 5685. 6517 Pfaff;
ich sichs an deinen braun euglein wol,
du tregst grosz ungemach
volksl. nr. 47, 3, 4 Uhland,
mit leiser berührung der bed. b; kein ungemaches tragen nicht ungnädig aufnehmen th. 5, 485; mit u. 'ärgerlich':
ey! sprachen sie mit ungemach
ganskönig 3, 687;
sie klagt ihr ungemach
mit weh und ach
G. Neumark lustw. (1652) 5;
es sollte mir daraus noch manche freude und manches u. entstehen müssen Göthe 26, 268 W.; unter langem jammer und u. ein tag der freude Hauff 5, 402, 1; nun geben sie ihr ungemach von sich Raabe hungerpastor 3, 69.
e)
von anfang an beschränkt sich der bereich des wortes nicht auf den umkreis des äuszern lebens (s.c; vgl. nl. ongerief): Otfrid 4, 26, 34; mhd., mnl. auch qual und pein der hölle; alles laid, kumers und u., so mir zuͦfellt disz jor, clag ich dir Steinhausen privatbr. 2, 57;
das (werben) pringet mir groszen ungemach
fastnachtsp. 406, 5 K.;
nehmt euer kreutz und ungemach
auff euch
Silesius seelenlust 258 neudr.;
mannes sorge macht Blondillen sonsten nichtsnicht ungemach,
wollte keiner zu ihr kommen, lief sie selbst doch ihnen nach
Hoffmannswaldau-Neukirch 2, 110;
die quelle von allem öffentlichen und häuslichen ungemache J. A. Cramer nord. aufs. 1, 8;
zu welchem ungemach ernährt' ich dich!
Bürger Il. 1, 589;
du hast noch kein u. des lebens gekostet Tieck Magelone (d. nat. lit.) 144, 1, 62; Rosegger 12, 124; kummer und u. verursachen.
f)
im bilde, vergleich, sprichwort und in sentenziöser rede: der kalte winter des lebens, da schnee und ungemach sich wittern Treuer Däd. 1, 74 (vgl.rauhes u. Triller betr. 1, 535: Schiller unten; trübt sich u.? Voss ged. 5, 241); als speise Schwabe bel. 4, 35; trank Rückert 2, 150; ganze sümpfe voll u. Heinse 9, 42;
nur in bestimmter höhe ziehet
das verbrechen hin und das ungemach
Schiller 14, 117 (braut v. Mess. 2580).
doch rede sacht! denn unter diesem dach
ruht all mein wohl und all mein ungemach
(der herzog) Göthe Ilmenau 121.
selten mir ie liep geschach,
da enwæren drîʒec ungemach
Freidank 4, 17;
Herrand v. Wildonie th. 4, 1, 2, 3130 a δ; Wander 4, 1432; Luther oben unter 1 a; der eine hat glück, der ander u. Petri 2, n viʳ; 1, a viiᵛ; das alter bringt beydes gute tag und u. 2, lviiᵛ;
wer nie kein ungemach und nirgend ausz wil stehn,
musz in der welt nicht seyn, musz ausz der menschheit gehn
Logau 373, 69;
freude kommt nach ungemach
Schmolcke 1, 117;
selbst die glücklichste der ehen,
tochter, hat ihr ungemach
Gotter 1, 85; Kotzebue 7, 166;
wer sich leben wünscht, der wünscht sich auch einiges u. Ebert Youngs nachtg. 4, 67;
an ausgestanden ungemach
ist zu denken leichte sach
Wander 4, 1432, 1 (vgl. 10);
überstandenes u. hat einen eigenthümlichen reiz Göthe; selbst u. schreckt uns nicht nec aspera terrent wahlspruch des Guelfenordens (1815) Lipperheide 897ᵇ.
g)
im ausruf: we und ungemach! H. v. Neustadt Apollonius 5526 Singer; got geve di, vasel, ungemak! Gerh. v. Minden 45, 8 L. u. ö.; mnl. wb. 5, 609;
dasz ene geschee leit und ungemach!
Alsfelder pass. 13, 451 Grein;
als fluchwort Kehrein Nassau 416; in der verb. unfal als ungemachs Sachs sp. 527 III;
aber, o was ungemach!
Reinicke Fuchs (1650) 116;
ach ungemach! im kehrreim Günther 107; inu du grusz u'gemach! ausruf des schreckens Müller-Fraureuth 2, 589ᵇ.
2)
die gemach 2 entsprechende sinnliche bed. ist nirgend wirklich ausgebildet, doch führen manche spuren an die stelle, wo sich die neuere sinnliche und die ältere unsinnliche bed. schneiden (bezüge aus der etym. grundlage, sei es nun *makon kneten oder *magmu joch, wirken in unser wort nicht mehr herüber), z. b. ungemaches plegen (gemach 2 a gebildet) oder
rouch, übel wîp, dürkel dach
füegent manic ungemach
(treiben den mann aus dem hause)
H. v. Trimberg renner 20440 Ehrismann (germ. abh. 25, 302 f.).
an die (von Zarncke mhd. wb. II 1, 15ᵃ erläuterte) stelle:
dô hieʒ si Hagen füeren   an sînen ungemach
Nibelungenl. 2293, 1
knüpft Vischer auch einer 1, 304: Arthur war übel gebettet in seinem 'ungemach' mit dem doch unzutreffenden zusatz: wie das Nibelungenlied den kerker nennt. wenn Göthe 43, 371 12 W. (Cellini 1) die kerkerhaft als das u. bezeichnet, liegt bed. 1 c ζ (1 d) vor.
Zitationshilfe
„ungemach“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/ungemach>, abgerufen am 13.12.2019.

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