Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

unkost, f., m.

unkost, f., m.,
seitenstück zu kost, koste, kosten (th. 5, 1850 ff.). mhd. wird zwar unkostebære, unkostelich, doch bis ins 15. jh. kein unkoste, unkost belegt. häufig erscheint unkost, unkoste, unkosten (noch in wenigen ziemlich unfreien stilistischen verbindungen) in einer Mainzer chronik des 15. jhs. städtechr. 17, 104 ff., und dann mehrfach im laufe des jhs.; un-, onkost Diefenbach gl. 288ᵇ. schon im 14. jh. ist mnl. oncost und mnd. unkost (f., handelsrechnungen d. d. ordens 432, 4 Sattler [1392], 410, 36 [1398], plur. 344, 36 [1393]) nachzuweisen. wie spätmhd. im 15. jh. neben unkost: uncostung (Nürnberger polizeiordnungen 107 Baader), steht mnd. neben unkost(e): unkostunge, -inge, daher dän. omkost, -ning, schwed. omkostning, omkostnad. nl. onkost. afries. onkost. vgl. unkostung.
A.
formen.
I.
umlautlose.
1)
m.
a)
st. m.: des unkostes städtechron. 17, 105, 17 u. ö.; den unkost Sachs 6, 184, 16 K. u. ö.; Waldis Esop 3, 47, 28; Roth dict. 1572 F 8ᵇ; Thurneisser archidoxa 15; Mangold marckschiff E i j. die zweisilbige, im 17. jh. veraltete form begegnet oft, ohne dasz die flexion mit sicherheit zu erkennen wäre; noch bei Hulsius-Ravellus 379ᵃ ist unkost, m., angesetzt. vgl. II 1.
b)
allgemeiner war das schw. m. der unkosten: städtechron. 17, 165, 33, Neidhart, Keisersberg, Hutten, Dürer, Sachs, S. Franck, Aventin, Wickram, Fischart, Thurneisser, W. Spangenberg; Alberus, Frisius, Orsaeus; geschäftssprachlich beliebt: Sattler phraseol. 381, 477, 252; im 17. jh. z. b. bei Petri, Micrälius, Schönsleder, Harsdörffer, Moscherosch, Dannhawer, Schupp, Lehman, Hohberg; im 18. jh. seltener werdend: Dentzler (1716) 328ᵃ, Hoffmann Jes. Syrach 69, bair. quelle v. 1784 bei Heynatz antibarb. 2, 523 (unkosten, genitiv sing., von H. irrig als n. gefaszt); nachklang im 19. jh.: Erlach volksl. 3, 469; Buck flurnamenbuch 286. veraltet und mundartlich. Staub-Tobler 3, 549; els. wb. 1, 478ᵃ; Schöpf 336. vgl. kriegsunkosten.
c)
dem gen. kostens (Zarncke narrenschiff 328; Staub-Tobler 3, 648 f.; Fischer schwäb. wb. 4, 653) entspricht ein bes. geschäftssprachlich häufiger gen. unkostens; z. b. städtechr. 17, 114, 18 u. ö., Carolina 207 u. ö., Lennep landsiedelrecht 2, 43ᵃ (1608), Kepler 4, 207, acta publ. 1, 97 Palm, viehbüchlein 32, Abele gerichtshändel 149.
d)
der unkoste städtechron. 17, 107, 14; ein mercklicher unkoste H. Merckel v. d. st. Magdeburg belagerung A 3ᵇ.
2)
im 16. jh. hauptsächlich auf md. gebiete als fem. (wie mnd. schon im 14. jh.), durchweg in der verkürzten form unkost: di unkost des weges Hedwiglegende (1504) A A 5ᵇ; ist doch das stedlin W. nicht werd der u. Luther 8, 41⁴ Jen.; Luther-Emser streitschr. 1, 59; H. v. d. Planitz berichte 155; B. v. Chiemsee 342; Musculus hosenteufel 16 ndr.; Thym Thedel v. Walm. vorw.; C. Spangenberg jagteufel O 1ᵇ; Mathesius Sar. 2ᵇ; J. Wittichius tröstlicher unterricht (1591) 2ᵃ; M. C. Schütz h. rer. Pruss. 6, A 4ᵃ.
II.
umgelautet.
1)
sing.: grossen arbeit und unköst war an thun, grosse unköst thun Apherdiani meth. 127, 219; aus dem plur. eingedrungen und vereinzelt geblieben.
2)
plur. unkösten (s. th. 5, 1852 kost II 1 b, c). veraltet und mundartlich: Lori bergr. 337 (1589); Schirmer wb. d. kaufmannsspr. 198; Gülich u. Bergische polizey-ordnung (1696) 48; Heinichen generalbasz 23: Mayr päckchen satiren 43; Sonnenfels 2, 140; Mozart bei Jahn 2, 73; 3, 76; Hafner lustsp. 2, 21; 2, 230; unkästen jahrb. d. Grillparzerges. 1, 365. 'selten ohne umlaut' Staub-Tobler 3, 550; els. wb. 1, 478; Schöpf 336; glossare zu den österr. weist.; Zaupser 79; unkesta Sartorius Würzburg 128; Heilig Tauberbischofsheim 132; anköste Schmidt westerw. 284; ongkäschten lux. 316ᵇ; Woeste westf. 281ᵃ.
III.
mit dem veralten der sing.-formen (s. I und II 1) kommt der plur. unkosten in ausschlieszlichen gebrauch; vgl. II 2 und kosten III 1. zu belegen ist der plur. schon im mnl. (wb. 5, 781) und mnd. (s. o.) des 14. jhs.; im nhd. geht der plur. bis zum beginn des 17. jhs. neben dem sing. her: quellen bei Schirmer 198; weist. 2, 318 (th. 5, 1853, 1 c); Jonas bei Luther 18, 612 W.; Eberlin v. Günzburg 3, 150; Barth weiberspiegel E 5ᵇ; Rinckhart christl. ritter 68 ndr.; Carbach Liv. 203ᵃ; Ercker beschreibung 42ᵃ; Garg. 93 ndr. u. ö.; M. C. Schütz hist. rer. Pruss. 1, B 1ᵇ; Schweinichen 161. in der regel ist als genus f. anzunehmen (neben unnütze und unnötige unkosten steht unnützer unkost ist gott feind Mathesius Syrach 126ᵇ). m. ist nicht ausgeschlossen; s. kriegsunkosten th. 5, 2297. obwohl Frisch (1730) 627 noch unkost frais, depens ansetzt, gebraucht er doch nur den plural. auch mundartlich (Staub-Tobler 3, 549) ist der ältere sing. gewichen.
IV.
umkosten, umbkosten Staub-Tobler 3, 549; tirol. weist. 3, 36, 37; umbkösten Schöpf 336; Schirmer 198. schon im 16. jh. auftretend, blieb umkosten in der schweiz. kanzleisprache bis auf die neuere zeit gebräuchlich; Staub-Tobler a. a. o. literarisch z. b. bei Zimmermann nationalstolz 246. vgl. die bedeutung B III 1 e, ungeld A 4 und dän. schwed. omkost(ning).
B.
bedeutung und gebrauch. das verhältnis zu kosten ist verschieden aufgefaszt, so dasz un IV B, C, D in frage kommen (un IV B s. unten III 1 d, c, un IV C s. III 1 a, un IV D s. III 1 b), während für un IV A (Weigand syn. 2, 245; zs. f. d. unterricht 21, 638) in älterer wie in neuerer spr. belege fehlen.
I.
an den ursprünglichen zusammenhang von kost und kosten (th. 5, 1848; Staub-Tobler 3, 549; Fischer schwäb. wb. 4, 652. vgl. mhd. zere, zerunge nahrung und kosten, unkost und zerung Luther 1, 130ᵇ Jen., zehrung und unkosten Schweinichen 161) erinnert: die ... hettend win und unkost (var. kost D) in der genúgt historienbibeln 553 Merzdorf;
wer will uns den unkosten (victum) geben,
dasz die gansz werd erhalten nun?
W. Spangenberg ganskönig 822.
II.
gelegentlich kosten III 2 b 'geld(mittel)' entsprechend: das uszgeben des unkostes städtechron. 17, 115, 30; Schupp schriften 4; Lohenstein Ibrahim lobschr. F 8ᵇ; Abele gerichtshändel 149; L ..., der so viel unkosten verschwendete, um eine wüste zum paradies umzuschaffen Göthe 37, 100, 22 W.
III.
i. a. entspricht es kosten III 2 c 'aufwand', vornehmlich in kaufmanns-, geschäfts- und rechtssprachlichem gebrauche herausgebildet. so bezeichnet u.
1)
vorwiegend das aufgewendete bes. an geld und geldeswert.
a)
von kosten zunächst wenig verschieden; nl. wb. 10, 1709, 1; im gs. zur einnahme städtechr. 17, 118, 21. α) summa summarum des zufallens und unkostens (s.c) uber den gewonlichen gerechten unkosten (1 a α) ist gewesen ... städtechron. 17, 165, 31; sumtus necessarios suppeditare unkosten darreichen Corvini fons 300; Hohberg georg. 3, 32ᵇ unterscheidet nothwendige und billige von den überflüssigen und köstlichen unkosten; vgl.c β; Brandis landeshauptleute v. Tirol 32; Simpl. 5 Kögel; Sulzer theorie 1, 6; nach beygelegter saubern abschrift soll das ganze ohngefähr seite für seite abgedruckt werden. die unkosten sind gering Göthe IV 29, 135, 20 W. Adelung betrachtete dieses un als verstärkend, meinte, man könne alle kosten auch unkosten nennen, empfand aber kosten als edler (vielleicht hängt das in n. spr. auch mit gründen der gesellschaftlichen und geschäftlich-kaufmännischen verkehrssitte zusammen, derzufolge es in der sprachlichen ausdrucksweise bei geldsachen für feiner gilt, rein sachlich zu sein und den gefühlsantheil unausgesprochen zu lassen). die in der wahl des wortes hervortretende vorstellungs- u. empfindungsweise läszt meist mehr oder weniger von un IV B einflieszen; z. b. wiewole darin viel ungeburlichs unkostens uszgeben ist, den man billich und wole verhalten hette städtechr. 17, 125, 19; wie viel mehr unkosten auff kriege gehen denn sonst gemeines haushalts kosten (also hier nicht unkosten) sind Jonas bei Luther 18, 612 W.; Sanders 1, 1001ᵇ; vgl.unkosten nennt man kosten, wenn sie unnütz sind oder als schaden und verlust empfunden werden Eberhard-Lyon, was dann zu bed. d führt. β) ein unterschied zwischen kosten und unkosten wird oft nicht anerkannt oder geleugnet: refero impensum ich rechen den kosten oder unkosten Alberus; unkosten idem quod kosten Stieler; Adelung magazin 2, 89; Heynatz antibarb. 2, 524; Söhns wort u. sinn. 46. γ) in manchen fällen hat sich der gebrauch ohne semasiologische gründe für das eine oder das andre entschieden: S. Franck braucht nach angabe seines excerptors regelmäszig unkost(en), nie kost(en); heute ziehen wir den früher vielgebrauchten gerichts-, kriegsunkosten in der regel: gerichts-, kriegskosten vor; in der verbindung auf regiments unkosten (leben, zehren, es geht auf regimentsunkosten s. Serz th. 8, 540, obers. wb. 2, 343ᵃ, Woeste westf. 289ᵃ; so zehrten sie als generale auf regiments-unkosten weiter Immermann 1, 53; Mittler volksl. 872) fehlt, vielleicht aus wortrhythmischen gründen, das präfix fast nie- δ) in den verbindungen auf (durch, mit, in, ohne) unkosten, kosten (th. 5, 1856, 5 a ff., 2 d, 1 c) halten sich ohne merkliche bedeutungsverschiedenheiten die formen mit und ohne un ungefähr die wage: schickten ... schiff auff gemaynen unkosten wider den keiser Franck chron. Germ. (1538) 178ᵇ; auf gemeine, öffentliche unkosten O. Jahn Mozart 1, 83, Fouqué gefühle 1, 218; auff ihren unkosten Micrälius 3, 201 (heute zieht man auf ihre kosten vor); auf meine unkosten und gefahr Schwan; das geht auf meine unkosten cela va à mes frais ebd.; auf Schmierals, auf tempelherrns unkosten Opel-Cohn 27, Gleim briefw. 1, 173 Körte; auf keiserliche unkosten gedruckt Justi Winckelmann 2, 1, 241 (statt auf früher auch durch, mit, in: dasselb erheben sie durch unsern uncosten Hutten 1, 394; mit ihren unkosten und arbeit M. C. Schütz 1, B 1ᵇ; wenn aber ein ritter solches [ordenszeichen] verwahrloszt hat, sol er in seinem unkosten ein anders machen lassen H. Megiser delitiae (1617) 31). für ohne deinen unkosten (sine sumptu tuo) Neidhart Eunuch (1076) 201 müszten wir (s.kosten III 1 c) heute sagen: ohne unkosten deinerseits, für dich. die meisten verbalen verbindungen entsprechen den bei kosten üblichen; z. b. mit u. als subj.: unkost geht auf über jemand, darauf (s.gehen II 17 e; Staub-Tobler 3, 549, 2, Merckel v. d. st. Magdeburg belagerung A 3ᵇ, Sattler phraseol. 477, Schupp schriften 37), heute unkosten gehen darauf; der unkosten ligt auff mir Sattler 252, heute die unkosten (oft bed. c) fallen auf, es liegen (ruhen) unkosten (aber auch bed. c) darauf; unkosten laufen auf jem. Barth weiberspiegel E 5ᵇ, Sattler 252, heute nicht mehr in verb. mit einer person; unkosten entstehen, ergeben sich, erwachsen u. dgl.; an den geschehenen unkosten Abr. a St. Clara etwas f. alle 2, 330; unkost(en) dauert (dauern) einen Sachs 17, 60, 27 G., Agricola sprichw. 305, v. Fleming sold. 3, nimmt überhand Dilich kriegsb. 215, aller unkosten ist umbsonst Dentzler 328ᵃ u. s. w. mit u. als obj.: unkosten haben städtechr. 17, 107, 25 (die gehabten unkosten Holtei erz. schr. 5, 161); den unkosten vermögen H. v. Gholtz lebendige bilder B b 1ᵇ, veraltet; unkosten thun (sumtum facere, dare s.kosten III 2 c α) Apherdianus oben A II 1, pers. rosenthal 7, 6, veraltet; unkosten ablegen, abstellen, austhun, veraltet; unkost auf etwas treiben oder wagen (wagen an Luther 28, 424, 11 W.), sumtum agere Faber thes. 604ᵃ, Agricola-Bech 6, Dentzler 328ᵃ, veraltet; unkosten zur rechnung bringen (M. C. Schütz 55), ersparen (urk. z. g. Max. I. 337), anwenden, insumere, impendere (Sachs 9, 31, 14 K., Schupp schriften 4, Frisch nouv. dict. 627), legen auf (an), ponere (Sachs 3, 505, 9 K., Franck chronica 1531, 62ᵇ, J. Strausz chr. unterr. A 4ᵃ, Waldis Esopus 3, 47, 28), veraltet; scheuen, tragen, erstatten, bestreiten, zahlen, erlegen (P. Welser b. gesch. 57) u. s. w. in n. spr. beliebt: jemanden oder sich in unkosten setzen, versetzen, bringen, constituer qn. en frais, stecken, stürzen, werfen, schmeiszen u. s. f., mettre en frais (J. M. Miller briefw. 1, 241; Ayrenhoff 4, 269, Tieck 3, 59, vgl. unten 3), s. sich verunköstigen. ε) wie kosten III 2 c α und β bezeichnet unkosten sowohl aufwendungen im allgemeinen (grosser unkost thut kleinem geld weh Petri G g 8ᵇ, Spanutius 284) als auch aufwendungen zu bestimmten zwecken (die unkost des weges Hedwiglegende A A 5ᵇ, der unkost auff der reisz Kellner beschreib. d. k. China 167, die unkosten der reise Schiller br. 3, 149, der regierung Ratzel völkerk. 194, die uncosten so auff die schuͤl geht Schmelzl verlor. sohn 3ᵇ, schulunkosten Lehman floril. 3, 25, bau-, begräbnisz-, besserungs-, leichen-, zehrungsunkosten allg. haush. lex. (1749) 3, 609. ζ) auch der endpreis, die gesamtkosten mit einschlusz von c können gemeint sein: syntemal es geschehen mag, das eynerley wahr ... hewr mehr koste ... das villeycht der weg und wetter böser ist odder sonst eyn zufall kompt, der zu meher unkost dringt Luther 15, 296, 5 W.; G. Freytag 11, 41.
b)
grosze, erhebliche, bedeutende, auszergewöhnliche kosten (vgl.kosten III 2 c δ): effusus sumptus ... unkost Frisius 1269ᵇ; solche natürliche bad (sind) dem armen gemeinen man ... unmüglich zu besuchen ... des unkostens ... halb Ryff sp. d. gesundheit 120ᵃ; mit dem geschenk von pfauenfedern statt eines kleinen trinckgeldes ein groses ohne unkosten geben Göthe III 1, 170, 21 W. natürlich fehlen aber auch die (von Heynatz antibarb. 2, 525 engherzig verworfenen) steigernden attribute nicht: sweren unkosten städtechron. 17, 227, 12; solch unmeszlich geld und unkost ist auff die messe gangen Luther bibel 7, 382 B.; schreckliche(r), merkliche(r), sonderliche(r), unerschwingliche(r), u. s. w. unkosten; Staub - Tobler 3, 549. mit groszen, schweren u. dgl. geldunkosten nicht schriftsprachlich.
c)
was an aufwendungen zu den kosten im engern sinne (erzeugungs-, erwerbs-, erstehungs-, selbstkosten, dem sog. natürlichen preis) hinzukommt (vgl.ungeld B 2 und, zugleich nach d weisend, überkosten Staub - Tobler 3, 544, 'kosten über den voranschlag hinaus', 'kosten überher' Schiller-Lübben, expens ... der drüberlauff, so offt ein handel kost, man nents auch den unkost Roth 1572 F 8ᵇ, accessiones, accessoria, quaecunque emptioni accedunt et praeter pretium ab emptore erogantur Kilian, städtechron. 17, 165, 31 oben 1 a α), dann spesen, sporteln, nebenkosten, auslagen, abgaben, kosten für herstellung, unterhaltung, betrieb, ausbeutung, bewirtschaftung u. s. w.
α)
im kaufmanns-, geschäfts- und wirtschaftsleben: mnl. wb. 5, 781; nl. wb. 10, 1709, 2; handelsrechnungen des d. ordens 432, 4; 410, 36; 344, 36 Sattler; das bier ... costet eben viel; dann mehr als zwaymal so viel uncosten daraufgangen ist, weder es ehrstes ankaufs costet hat Paumgartner briefw. 181; Scheit Grob. 4135; ohne fracht-, begleitungs-, wage-, und versicherungsunkosten J. Winckler 2000 gutte gedancken (1685) vorr. 4ᵃ; Ludwig unter kosten III 3 e; spesen, unkosten Spanutius 446; Jacobsson 4, 486ᵃ; Krünitz 198, 563 ff. (handlungs-, haushaltungsunkosten; unkostenbuch Schirmer wb. d. kaufmannspr. 198, -konto ebda, gewerbs-, kriegs-, stats-, armen- u. a. unkosten Krünitz; unkostenbeitrag, -fonds, -rechnung u. dgl.); er kommt nich uf de unkosten Hans Meyer d. richtige Berliner (1904⁶) 127ᵃ; nebenunkosten faux frais Schwan; allein das postgeld und die übrigen unkosten betragen noch 8 groschen Gellert 3, 247; im verlagsgeschäft: Kepler 4, 207, Simpl. vorr., Forster 7, 339; im bergwerksbetrieb: Göpfert bergmannsspr. 97; Lori bergr. 251, Ercker beschreibung 42ᵃ, Rinckhart christl. ritter 68 nd.; Cyr. Spangenberg chron. 5, Göthe 37, 334 W.; in der landwirtschaft: Krünitz 198, 529 ff., 555 ff.;
doch wil ein gart gros unkost haben
H. Sachs 21, 168, 18 G.;
im bauwesen: kleine unkosten faux frais Hoyer-Kreutter 1, 792; Nicolai reisen 1, 167; bauunkosten Krünitz 566; vgl.β. das concert hat 90 fl. getragen, ohne abzug der unkösten (brutto) Mozart bei O. Jahn 2, 73; nach abzug aller unkosten Schubart ästhetik 253 (netto).
β)
rechtssprachlich: mnl. wb. 5, 781; mnd. wb. 5, 60ᵃ; weist. 2, 318; oncost betalen judicatum solvere zeitschr. f. d. wortf. 15, 294ᵇ; so der kleger gewann, ward ime aller unkost erstatt Aventin 1, 347, 36; Carorolina 207, 210, 213; Frankf. ref. 1, 12, 11; einen in uncosten erkennen öst. weist. 6, 389, 34, in oder auff schaden und unkosten straffen oder verdammen Hulsius (1618) 2, 99ᵃ (veraltet); die unkosten des rechten einem zusprechen nomenclator (1639) 516 (veraltet); einen zu den unkosten verurtheilen Kramer (1702) 2, 1222ᶜ, auch in die u. Schwan; ein jeder theil träget seine unkosten ollap. 183 ndr.; die groszen unkosten der prozesse Stolberg 219; vgl. 1 a γ; Minerophilus bergw. lex. 678; gerichts-, prozesz(un)kosten; die unkosten (heute fast nur kosten) des verfahrens; den unkosten ablegen, meliorationskosten erstatten Hohberg georg. 3, 16ᵃ, veraltet; unnötige, unnütze, luxusunkosten (impensae necessariae, utiles, voluptuariae Ulpian), gerichtliche, auszergerichtliche unkosten u. s. w. Krünitz 198, 529 ff., falsche (unnötige) unkosten faux frais Möser patr. phantas. 4⁴, 307; vgl. d;
dem fordert der den unkost an,
den er zuem rechten hat vertan
Thurneisser archidoxa 15;
erhalten recht bringt kaum die unkost Ringwaldt lauter wahrheit 118; Petri Z 4ᵃ.
d)
überflüssige (vgl.c), unnütze, lästige, schädliche, unbillige, unliebsame, leidige u. dgl. kosten (die beispiele grenzen in diesem falle besonders nahe an solche mehr abstracter verwendung, wie sie stärker ausgeprägt in 2 vorliegt). 'unkosten sind unnöthige kosten, die nicht seyn sollen, sumtus non necessarii' Frisch; ähnlich Weitenauer, Adelung, Braun, Heynatz: uberflusz und unkost in gebewen Franck Turkey D 3ᵇ; vil unnöthigen und uncosten anzuewenden Seb. Bürster 240; vgl.unnütze und unnötige unkosten Mathesius oben A III, überflüszigen und köstlichen unkosten Hohberg georg. 3, 62ᵇ; Lehman floril. 4, 71; Thomasius gedancken (1720) 1, 27; üble kosten Rennerdruck 1539 28ᵇ (Hugo v. Trimberg 5101, Warlies 72ᵇ); unbillige kosten Zesen helik. rosentahl 36; bader-, heilkosten Gryphius 326 Palm (Dornrose 4); sie (kulissen) sind ... dergestalt verdorben worden, dasz ... neue ... mit unkosten ... angeschafft werden müssen schr. d. Götheges. 6, 311.
e)
umlage, auflage, leistung, beitrag, tribut; bei kosten entspricht eine bed. 'steuer' Staub-Tobler 3, 549: mnl. wb. 5, 701, 702; die unkosten, so die bundtgenossen und gesellen der Römer zu thuͤn pflegten, seind gemessiget oder abgethan worden Carbach Liv. 233ᵃ; die zunfften sammleten ... die unkosten zu unterschiedenen freudenzeichen Lohenstein Arm. 1, 354ᵇ; vgl. eigentlich ist urti ... gemeinschaftlicher, der reihe nach umzulegender unkosten, umlage, zeche Buck flurnamenb. 286. veraltet.
f)
kosten und unkosten, kosten aller art, Garg. 93 ndr.; vgl. mnl. wb. 5, 781. s. sp. 26, 3.
2)
die aufwendung, ihre art, ihr ergebnis (vgl. oben 1 d). von 1 gelegentlich ausdrücklich geschieden: grosze uncosten, darzu geld von nöthen sein wil und musz acta publ. 1, 8 Palm.
a)
verschwendung, kostspieligkeit, üppigkeit: denn man hat mit fischen und allerley fastenspeise mehr unkost und quasserey getrieben denn ausser den fasten Jonas bei Luther 6, 441ᵇ Jen.; Luther-Emser streitschr. 1, 59; Schade sat. 3, 60, 28; Staub-Tobler 3, 549, 2; der überflusz und unkosten haben den herzritten Schade sat. 3, 64, 12; 65, 10; ähnlich was sol doch diser unkosten? (ἀπώλεια, perditio Marc. 14, 4) Emser (unrat Luther, verderben Eck; Lindmeyr 94ᵇ); Nas 4, 221ᵇ; Frischlin Rebecca 112; kostspielige lebensführung Sachs 2, 245, 30 K.; 22, 197, 26 G.; Musculus hosent. 16 ndr.; das haus vol unkostens domus sumptuosa Boltz Terenz 104ᵃ; grosz gepreng (zur verbindung vgl. Kirchhof wend. 2, 63, mit hohem praws und grosser uncost B. v. Chiemsee 342, die grossen uncosten und pracht Arnold ketzerhist. 138ᵇ; kosten und gebrenge th. 5, 1851) und ubriger unkosten macht, das mancher hernach schmale bissen essen musz Petri G g 6ᵃ; es ist besser etwas auff unkost denn auff unzucht wenden A a 3ᵃ; welcher unkost ist am thewresten? der unkost der zeit J. Flitner sphinx (1624) 72. veraltet.
b)
an schaden, verlust rührend (vgl.schaden und unkosth lehnsurk. Schles. 1, 470, H. v. d. Planitz berichte 330, kosten und schaden): der Türck ... hat schendlich wider mit grossem unkosten abziehen müssen Franck chron. Germ. (1538) 12ᵃ. veraltet. vgl. 3.
c)
mühe, last, opfer, schwierigkeit, unannehmlichkeit, umstände u. dgl. (die ursprünglich mit der aufwendung verbunden sind), fast immer schon an uneigentlichen gebrauch (3) streifend: mit liderlicher unkost (geringer mühe) erobern H. v. d. Planitz berichte 155; höfligkeit ist ein geringer unkosten, grosse sachen zu erhalten Winckler 2000 gutte gedancken λ 1ᵇ; Hoffmann J. Syrach 69; machts enck kain unkosten mit mir Schwabe tintenfässl B dᵃ; vgl. sich in unkosten setzen (O. Ludwig 3, 710), stürzen B III 1 a δ und 3; unkost und arbeit verlieren oleum et operam perdere Faber thes. 254, 604, veraltet (s.kost und arbeit u. vgl. die verbindungen mühe, arbeit u. s. w. und u. Paumgartner briefw. 46, Heinichen generalbasz 23, Göthe IV 9, 231, 3 W.; Bismarck br. a. s. braut 131); für seine mühe nichts als unkosten (désagréments) haben Sachs - Villatte; er hat die unkosten und die andern den genusz il paye les violons, et les autres dansent ebda.
3)
uneigentlich: kam ihn der rewkauff an, dasz er allen fleisz und unkosten anwendete, ob er möchte im leben bleiben (omni opere ut viveret adnisus est) Heyden Plin. 73; Petri D 2ᵃ; dasz ihr ... eben nicht so viel unkosten auf die traurigkeit gewendet habt ollap. 39, 21 ndr.; Göthe IV 2, 207, 12 W.; Schiller 3, 103 (Fiesko 3, 9); G. Keller 3, 25. ein bequemes mittel, ohne grosze unkosten (à peu de frais) in der welt bekannt zu werden Liscow vorr. 10; Treitschke d. gesch. 4, 285; Ramler einleitung 2, 291; der sich auf seine unkosten lustig machen wollte (s'amuser aux dépens de qn.) Liscow 97; Lessing übers. a. d. franz. 215, 14; Göthe 41¹, 74, 19 W.; Schiller 14, 159; auf unkosten der bibel witzig seyn (aux dépens de qch.) Rabener 1, 104; es gieng auf meine unkosten Lessing 1, 324; auf unkosten ihres fleiszes will ich keine briefe haben Gellert 8, 142; auf deutsche unkosten (vgl. 2 b) rundete er sein Frankreich ab Dahlmann gesch. d. fr. revol. 5. die unkosten des gesprächs (les frais de la conversation) übernehmen, tragen, bestreiten u. dgl. Göthe 27, 366 W. (aufwand des gesprächs th. 1, 769), des wortes Laube 15, 162; ein mädchen, das der unkosten der liebe noch werth ist Thümmel reise 3, 20. die wahrscheinlich dem franz. entstammenden ausdrücke (sich) in unkosten stürzen, werfen, setzen u. s. w. (s. oben III 1 a δ; dagegen noch bildlich: welche anfangen zu rechten, die stürzen sich in ein meer der sorgen und unkosten Butschky Pathmos 135) werden ganz farblos: andre haben die luft in grosze unkosten gesteckt (vgl.bemühen, incommodieren), um die entstehung des donners zu erklären Gottsched d. neueste 9, 672; eine arbeit, ... über welche sich des verfassers fleisz nicht in unkosten hat setzen wollen Winckelmann 1, 66; dafür heute mit etwas; der mühlbauer warf sich nicht in unkosten, dem leibjäger schönheiten zu sagen Holtei erzähl. schriften 2, 71; sie hat sich sehr in unkosten gesteckt und ... einen langen brief geschrieben Caroline 1, 361 Waitz; das auge setzte sich gar nicht in unkosten, strengte sich gar nicht an Laube 1, 244; 16, 124. ra. stürzen sie sich man nich in unkosten, machen sie keine complimente Hans Meyer d. richtige Berliner (1904⁶) 127ᵃ. vgl. sich nicht köstlich machen, nicht verkösten Staub-Tobler 3, 551. 553. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1920), Bd. XI,III (1936), Sp. 1098, Z. 6.

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Zitationshilfe
„unkost“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/unkost>, abgerufen am 10.08.2020.

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