unparteiisch adj. adv.
Fundstelle: Lfg. 8 (1921), Bd. XI,III (1936), Sp. 1222, Z. 54
gth. v. parteiisch. mlat. impartialis (engl. franz. impartial). frühnhd. auch (dem mhd. unpartîic, mnl. onpartiich entsprechend) unpartiig, -tigig, -tig (Staub - Tobler 4, 1624; Fischer 6, 207) und unparteisch, -partisch (mhd. unpartîsch, dän. upartisk, schwed. opartisk; nhd. unparteysch noch bei J. C. Günther 381, Besser 1, 41); unpartigisch, -teigisch, teidisch (Under Eyck d. närrische atheist [1722] 238; nl. onpartijdig); unpartheyesch Stumpf chron. 712ᶜ; mnd. unpartiesch. vgl. unparteilich, -parteisam.
1)
parteiisch 1 entsprechend (vgl. Murray 5², 75ᶜ, 2): das frey, onsectisch, unpartheisch christenthum Franck paradoxa 7ᵇ. veraltet.
2)
parteiisch 2 entsprechend: neuter, οὐδέτερος Decimator; das ist unpartheyisch, so wol den menschen gesondt als ungesondt Guarinonius 110. neutralis Alberus; eselkönig 67; dasz in dem parnasso die frag vorgefallen, weil das wörtlein neutral undeutsch, desgleichen das wörtlein unparteisch halb und halb sei, wie man es auf gut deutsch geben möchte Opel-Cohn 390; zum heutigen unterschied von neutral und u. Eberhard syn. 5, 247; vgl. parteilos. insbesondere beim rechtsstreit: ain unparteischer man hist. volksl. 163, 488 L.; Keisersberg evangelib. 52ᵃ; ort J. v. Watt 2, 342; in formelhafter verbindung: ein gemeiner unpartheyischer schultheisz Fronsperger kriegsbuch 1, 3ᵇ; richter, gericht, urtheil, recht u. s. w.; u. urtheilen Kramer (1702) 2, 182ᶜ; subst. Frisius 392ᵇ; Staub - Tobler 4, 1625; Luther 30³, 416. beim kampf: b. d. liebe 194ᵇ; der unparteiische zeuge, der unparteiische Laube 1, 61, 62; Kluge studentenspr. 132ᵃ. physikalisch: unparteiisches (retractorisches) eisen Krünitz 199, 60. im weiteren sinne: die weisheit ... ist ... unparteisch Jacob. 3, 17; ein gleicher, unparteiischer got Franck sprichw. (1541) 2, 142ᵃ; aufrichtig zu sein, kann ich versprechen, u. zu sein aber nicht Göthe 42², 129, 17 W.; jeder findet am ende in der eignen brust seinen unpartheiischsten richter R. Schumann 4, 277. ich bin so u. wie ein sunensteubel Schwabe tintenfässl 40; die sonne ist ein unpartheisches liecht V. Weigel güld. griff h 2ᵃ. im engeren sinne: uninteressiert, gleichgültig Lohenstein Arm. 2, 127ᵃ; Gaudy 8, 95. verbindungen: dy an den sachen unparteys weren (1491) lehnsurkunde Schlesiens 1, 462, in Münster cosmogr. 7, drob Lessing 3, 112, 58, zwischen Herder 5, 285, zum urtheilen Sturz 2, 108.
3)
gth. v. parteiisch 2, nicht feindlich, nicht rebellisch: darmit sie gleich als gebruter fridlich und unpartheisch neben einander regieren solten H. Gholtz leb. bilder c 5ᵇ. veraltet. nach un IV C oder unter einflusz von uneinig gleich parteiisch: obers. 2, 599ᵇ.
4)
gth. v. parteiisch 3; ohne üble parteilichkeit, unbeeinfluszt, unvoreingenommen, unbefangen, gerecht, ehrlich, lauter u. ä.; sincerus, lautus, candidus: eins yeden vorstendigen und unpartheyschen lesers Emser a. d. stier zu W. 7 ndr.; beim einschenken Scheit Grob. 1902; beim orgelspielen Stoppe Parnasz 219; unpartheyischere menschen Lichtenberg briefe 2, 175; superl. Nicolai litbr. 3, 131; den Hamburgischen Unpartheyischen Correspondenten Kotzebue 2, 26; subst. Grabbe 1, 377; unparteyschen gemüts Franck Turckey a 2ᵃ; Moscherosch gesichte 546; ohr J. C. Günther 381; einsichten d. Merkur 1, 19; geschichte Dahlmann fr. revol. 323; kühnheit Göthe 7, 90 W.; das tiefste, unparteiischste schweigen Bismarck pol. reden 4, 24; wahl Sleidan reden 94; taxa Rätel chron. Schles. 469; adv. Göthe Tasso 1519; u.-vornehm Holtei erz. schr. 7, 89. dazu unparteiischheit, f. Göthe gespr. 2, 279 u.
Zitationshilfe
„unparteiisch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/unparteiisch>, abgerufen am 14.11.2019.

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