unschätzbar adj. adv.
Fundstelle: Lfg. 9 (1923), Bd. XI,III (1936), Sp. 1318, Z. 28
gth. und steigerung von schätzbar; lat. inaestimabilis, impretiabilis. nl. onschatbaar. schwed. oskattbar. vgl.unerschätzbar und bes. das ältere unschätzlich, neben dem unschätzbar im 15. jh. aufkommt; s.unschatzbar b.
1)
von schätzen 2 a, was in ausdehnung, zahl, menge u. dgl. nicht veranschlagt, abgeschätzt, beurtheilt werden kann, unberechenbar: die inseln ... sind mit diesen unschätzbaren waldungen ... bewachsen G. Forster 4, 107; oft sind solche firnhöhlen von unschätzbarer tiefe Berlepsch die alpen 260; entfernung, raum, grösze, zahl, menge u. dgl. das gth. schätzbar möglich, aber wenig ausgebildet.
2)
vilis pretii Stieler 1742, ἀπαξίαν ἔχων Cicero de finibus 3, 6, 20, inestimable Murray 5², 244ᵃ, 3; gth. schätzbar in dem th. 8, 2279 allein verzeichneten sinne: was ist verächtlicher als alte lumpen, was ist unschätzbarer als der schwartze rusz Harsdörffer secretarius 1, 62ᵇ; wie gar u. sind gegen dir alle der welt goldschätze v. Birken ostl. lorbeerhayn 399; Krünitz 199, 236. heute unüblich (gestern warst du noch u., heut bist du wertlos Nestroy 3, 88).
3)
die hauptbedeutung, als eine steigerung von 'wertvoll, kostbar, vortrefflich, bedeutend' aufgefaszt, entspricht der von unschatzbar b und unschätzlich b und ist aus inaestimabilis der geistlichen lit. hervorgegangen. der aufschwung, den der gebrauch im 18. jh. genommen hat, ist auf einwirkung des franz. inestimable, inappréciable zurückzuführen; Campe verd. wb. (1813) 368ᵇ; 374ᵃ. zur synonymik: ein so vortreffliches, ja unschätzbares buch Göthe 7, 227, 15 W.; köstliches, ja unschätzbares H. Meyer gesch. d. bild. künste 1, 257; erwünscht für jeden autor, aber u. für den dichter Müllner 8, 38; kenntnisse sind brauchbar, nützlich; erkenntnisz ist u., unentbehrlich Holtei erz. schr. 7, 42. so rücken schätzbar (wohl zu schätzen) und u. (nicht hoch genug zu schätzen) nahe aneinander. comparativ: eine desto unschätzbarere quelle, je vereinzelter sie ist Gervinus gesch. d. d. dicht. 1, 74; die unschätzbarste hülfe Lessing 2, 348, 13; O. Ludwig 3, 710. a) übergang von bed. 1 zu 3 ist oft erkennbar: kein schatz ist unschätzbarer und theuerer als ein mensch Francisci d. alleredelste unglück 179; jubelen schausp. engl. comöd. 84, 15 Cr., beute v. Birken verm. Donaustrand 220, kleinod G. Arnold ketzerhistorie 2ᵃ, gut Butschky Pathmos 55, buch (so mit keinem geld zu bezahlen) ollapatrida 261, 25 ndr., seltenheit A. v. Arnim 2, 81, schatten Chamisso 4, 245; werth Harsdörffer secretarius 1, 734, kösten Lindenborn Diogenes 1, 323, nutzen Schupp (1663) 81, gewinn Gerstenberg litbriefe 198, 7 ndr. u. ä. b) von sachlichen begriffen ohne rechnerischen schätzungswert. attributiv: aber so du ihm hetst sollen in die hertzbüchs hinein schawen, würdest ein recht himmlischen, unschetzbaren indianischen geruch von edelem gewürtz gefület haben Garg. 19 ndr.; eine unschätzbahre gnade gottes J. C. Dippel d. gestäupte papstthum (1698) 223, glück J. V. Pietsch (1740) 242, vorzug A. v. Haller Alfred 4ᵇ, vortheil Kant 3, 19, 22 akad. ausg., freiheit Iselin verm. schr. 2, 170, bequemlichkeit Göthe 40, 271, 8 W., cultur 24, 121, 12 W., behagen 29, 32 W., dienst 8, 141 W., werkzeug (die mathematik) II 5², 381, 3 W., augenblick IV 8, 279 W., zeitersparnisz Justi Winckelmann 2¹, 123, tag Treitschke d. gesch. 1, 341, wirklichkeit Bettine dies buch gehört d. könig 1, 179, nachricht Niebuhr röm. gesch. 1, 229, erweiterung A. v. Humboldt kosmos 4, 485, bedeutung Justi Winckelmann 1, 349, kenntnisse H. v. Barth kalkalpen 58 u. s. w.;
köstlich unschätzbare
gewichte sind's (die alten, engen ordnungen), die der bedrängte
mensch
an seiner dränger raschen willen band
Schiller 12, 86 (Piccolomini 1, 4).
prädicativ:
gesicht, die göttergabe,
so zwar unschäzbar ist,
bringt manchen zu dem grabe
Stieler geharnschte Venus 123 ndr.;
u. ist die statue der Minerva Winckelmann 7, 311; Göthe IV 8, 180 W.; der regen ... wäre bei dieser jahreszeit beinahe u. G. Forster 2, 446; jede minute ist u. Iffland 1, 242; allerdings ist es ein freyes land, und das ist u. Caroline 1, 353 W.; er besasz auch noch unangebrochene bataillone, die jetzt u. waren, um den sieg zu einem ganz entscheidenden zu machen Häusser d. gesch. 2, 688; für M. .. war es u., dasz er hier sich mit gegenständen beschäftigen konnte, die seine seele ganz erfüllten Ranke 1, 276; dieses erste gelingen war u. für die befestigung der gemüther Dahlmann franz. revolution 456; Meinecke Boyen 2, 83. besonders in der spr. der geziertheit, verliebtheit und der oberflächlichen höflichkeit: des schöpfers ... unschätzbar nachtgewand, das blaue firmament Triller poet. betrachtungen 1, 3; der Stephan (Wiens dom) ist für den fremden u. Moltke 1, 104. aus dem briefe eines verliebten: da wil ich nicht hoffen, als solte ihre schönheit ... beleidigt werden, dasz ich mich unterstanden, dero unschätzbares siegel mit meinen unwürdigen lippen zu berühren Chr. Weise die 3 klügsten leute (1675) 108; theater d. Deutschen (1768) 7, 24; Thümmel reise 4, 49; unschätzbar - schönes engelbild! Barth. Feind gedichte (1708) 125; gönnen sie mir nur ihr unschätzbares herz Hafner lustsp. 1, 177, gesellschaft 2, 13; 2, 5; portrait Kotzebue 18, 45. wodurch ew. churfürstl. durchlaucht ... die unschätzbare gesundheit zu erhalten wissen Heppe lehrprinz 4; Lessing 6, 211; Wieland I 3, 56; Ayrenhoff 3, 8; H. v. Kleist 3, 283; ihr beyfall ist mir indessen ganz u. gewesen Lichtenberg briefe (1901) 2, 77; dasz sich durchlaucht Wiens ... annehmen, ist mir u. Pückler briefwechsel 6, 65. c) von personen (wie im lat. und engl.); vgl. e: das unschätzbare liecht und zierd unserer teutschen sprach ... Opitzius Schill ehrenkranz (1644) 2; auf dieses unschätzbaren fürsten würdigen ruhm Neumark palmbaum (1668) 366; euer stamm ... u. an geburt Chr. Fr. Henrici 2, 52; M., ein unschätzbarer mann in seinem fache G. Forster 7, 239; in brief u. anrede: mein unschätzbarer freund Gottschedin briefe 1, 219 R.; jahrb. der Grillparzerges. 4, 175; unschätzbarer mann! wie danken wir ihnen! neue schauspiele (1771) 1, 83; Schiller 1, 103; Immermann 3, 10. d) adv.:
dein heilsam blut,
dasz uns zu gut
unschätzbar ist vergossen
J. P. Titz bei Fischer-Tümpel 3, 140;
u. schätzen Weichmann poesie d. Niedersachsen 1, 169; u. hoch schätzen J. G. Neukirch anfangsgründe (1724) 185; u. lehrreich Chamisso 1, 203; dieser (freunde) giebt es bekanntlich nur sehr wenig, sie ersetzen aber u. die quantität durch die qualität Pückler briefwechsel 4, 131. e) substantiviert: ein unschätzbares thun Schottel haubtspr. 107; was unschätzbares vern. tadlerinnen 2, 348; das unschätzbare Schiller 12, 152; 13, 385. f) Göthe geht, bes. im altersstil, in der vorliebe für u. (Boucke wort und bedeutung in Göthes spr. 124; 126; Bohner präfix un bei G. 112 f.) über den allgemeinen gebrauch noch hinaus. zwischen bed. 1 u. 3 liegen: mit unschätzbarer abstufung der schönheit 48, 109, 11 W.; (Herders) unschätzbare liebensfähigkeit 36, 254 W.; mit eindrucksvoller gedrungenheit des ausdrucks: ein unschätzbarer schweinebraten 33, 101 W., spaziergang 20, 85, 21 W., gebäude 49, 6, 29 W., altan IV 36, 90 W.; der wassertransport ist für mich u. 25, 87, 21 W.; für naturen wie die meine ... ist eine reise u., sie belebt, berichtigt, belehrt und bildet IV 12, 329 W.; herrliches wetter, unschätzbare aussicht 33, 283 W.; gern von erzeugnissen der literatur, kunst u. natur: gute abdrücke (von blättern Marck Antons) sind u. IV 8, 304 (1787) W.; IV 10, 362 W.; gespräche 5, 201 B.; aus des knaben wunderhorn werden 40, 339 W. 7 gedichte unschätzbar genannt; 27, 77 W.; die ganz unschätzbare vorrede IV 27, 236 W.; conceptionen II 6, 322, 7 W.; bild, gebild nat. tochter 1493; im ernsten beinhaus 18. zur würdigung von personen: der unschätzbare Hebel 28, 12 W.; das einsichtige wohlwollen der unschätzbaren frau 24, 176, 16 W.; freundin 32, 325 W.; 4, 76, 19 W. in schnörkelnder höflichkeit: aus deinem (Zelters) unschätzbaren schreiben .. geht hervor IV 42, 230 W.; ihre güte ... musz mir u. seyn 23, 35 W.; ihr beyspiel ist u.! 28, 41 W.; 21, 417 W. u. o.; in übersetzungen aus dem ital. und franz.: er empfing mich mit unschätzbaren liebkosungen 43, 209 W.; 44, 6 W.; die lächerlichkeiten, wodurch er den groszen u. (unbezahlbar, kostbar 2 f) wurde 45, 133 W.; ähnlich: diese unschätzbare begebenheit 43, 337, 13 W.; ein unschätzbarer handel 43, 221, 4 W.; 244, 18 W.; spottend: nach Werners unschätzbarem narrensonett IV 36, 110 W. adverbial: u. darstellen, wirken, vermehren 7, 9; II 12, 60; IV 24, 222, 15; u. heiter, naiv, herrlich II 3, 219; 36, 176; 3, 93 W.; etwas u. würdiges 20, 412 W.; superlativ Bohner 113. substantiviert: den besitz (des flügels) ins unschätzbare erheben Göthe 36, 206 W. g) selten negative begriffe steigernd: nl. wb. 10, 1783 I 1 b; einen unschätzbaren verlust Lohenstein Arm. 1, 109ᵃ; die erinnerung manches ... unschätzbaren übels Göthe 43, 12 W. dazu unschätzbarkeit, f. nl. onschatbaarheid, schwed. oskattbarhet: inaestimabile Stieler 1742 (vgl. schätzbarkeit); inestimabilita Kramer (1702) 2, 477ᵇ; von der u. der freundschaft Basedow method. unterricht der jugend (1764) 205; von der poetischen u. dieser nützlichen menschenklasse (dramen- u. romanväter) Seidel vorstadtgesch. 75. —
adj
Fundstelle: Lfg. 9 (1923), Bd. XI,III (1936), Sp. 1318, Z. 22
a) gth. von schatzbar 1: Campe. b) = unschätzbar (s. d.) inaestimabilis: Diefenbach gl. 296ᵃ; der unschatzbarn boszheit J. Heroldt vom adel weibliches geschlechtes (1540) f 2ᵃ; degen Buchholtz Herkuliskus 1; perle A. U. v. Braunschweig Octavia 2, 331. veraltet.
Zitationshilfe
„unschätzbar“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/unsch%C3%A4tzbar>, abgerufen am 18.02.2019.

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