untergang m
Fundstelle: Lfg. 10 (1926), Bd. XI,III (1936), Sp. 1558, Z. 29
zum v. untergehen (s. d.). ahd. untarganc; mhd. underganc; mnd. undergank; mnl. onderganc; nl. ondergang; afries. undergung; nfries. ondergong. isl. undirgangr, dän. undergang, schwed. undergaͦng aus dem deutschen. der plur. untergänge (Chr. v. Ryssel seelenfrieden [1685] 730; Göthe gespräche 7, 76 B.; A. v. Humboldt kosmos 2, 110) wird von Adelung für bed. A und B zu unrecht geleugnet.
A.
nach ¹unter III B 1 a.
1)
räumlich-örtlich. durchgang unter einer überbrückung Staub-Tobler 2, 344, undergang 2; ¹unter III B 1 α. vielleicht dasselbe: bis an den u. des Voghtischen weges Göthe III 3, 150 W.; vgl.niedergang 3; nicht schriftsprachlich. dem nl. benedengang in bauwerken entsprechend (nl. wb. 10, 1313; vgl.obergang th. 7, 1086; gang II 1 f.): was die unter- und obergänge samt den gantzen innern platz des tempels anlanget, so sind sie sehr grosz F. v. Troilo oriental. reisebeschreibung (1676) 510; veraltet. über die örtliche vorstellung des niedersinkens und niederganges s.B.
2)
übertragen. a) untersuchung, prüfung (¹unter III A 1 b α und III B 1 b γ): wir haben mit unermüdetem u. der sachen beschaffenheit die setz- und ordnungen zusammen tragen lassen stadtrecht des 18. jahrhs. bei Staub-Tobler 2, 345, 4. vgl. luxemb. önnergôen ausholen, -forschen Gangler 317. veraltet und mundartlich (vgl. Murray 10, 1, 132ᶜ undergo 1 c und 4). b) im geistlichen sinne 'freiwillige unterwerfung' (¹unter III B 1 a γ; mhd. wb. 1, 476ᵃ, 2): o süszer vater ... ich erman dich und danck dir des demuͤttigen undergangs deiner zarten naturen ... do du den freyen willen uffgabst ... zu leyden den bitteren ... tod der ew. wiszheit betbüchlin (1518) 70ᵇ. veraltet.
B.
in den bedd. occasus, interitus verflieszen die von inter (sp. 1482; Falk-Torp 292) und die von sub (sp. 1456) ausgehenden vorstellungen; für das heutige sprachgefühl scheidet inter aus (s. Campe). die bezeichnung u. ist noch nicht ahd. (untarganc ist zwischengang, interceptum Graff 4, 102. occasus solis heiszt sedalgang 4, 103, das schon mhd. verschwindet; andere bezeichnungen Pfeiffers Germania 19, 430), auch im classischen mhd. fehlt sie noch. beim verfasser des väterbuches 34 989 Reissenberger (ir loufender underganc ist ir noch harte lanc) ist u. das niedersinken der sonne von der mittagshöhe. erst im 14. jahrh. wird u. zur bezeichnung von occasus, interitus, wahrscheinlich unter einflusz des lateinischen (zeitschr. f. d. wortf. 4, 131; Falk-Torp a. a. o.), bei mystikern und Konrad v. Megenberg üblich. mnl. wb. 5, 349, 1. das synonyme niedergang (s. d. 2) wird heute vom u. so unterschieden, dasz jenes das herabsinken von einem erreichten höhepunkte bezeichnet. 'niedergang der sonne beginnt also schon von dem mittage an, ihr u. dagegen hat erst am abende mit dem eintritt unter den gesichtskreis statt' Weigand syn. 2², 474; 'der n. des reiches beginnt mit der zeit, wo es seinen höhenpunkt zu überschreiten anfängt, und kann also noch sehr weit entfernt sein von dem u. oder dem zugrundegehen' Sanders syn. (1882) 576. früher galt diese unterscheidung nicht: s. die angeführte stelle des väterbuches;
alles was in seinem wesen hat den höchsten grad erreichet,
ist auch fertig, das es wieder sich zum untergange neiget
bearbeitung L des narrenschiffes bei Zarncke 39 anm.
I.
von himmelskörpern.
1)
vom vorgang des untergehens: der wer[lt]leich undergank ist widerkrigend dem werltlichem aufgang Konrad v. Megenberg sphaera 25, 29; zumahl der mond den u. dräuete Ziegler Banise (1689) 10;
jetzt mit feierlich stiller bewunderung sahn sie der sonne
stralenden untergang
J. H. Voss sämtl. ged. 2, 328;
die sonne begann dem horizonte sich zuzusenken, doch wars kein schöner u., und keinen schönen aufgang versprach dieser H. v. Barth Kalkalpen 432; astronomisch: wahrer und poetischer u. Zedler 49, 2122; descensio signi eines zeichens undergang Maaler 456ᵃ; 'descension in der sternkunde u.' Kinderling (1795) 250. zusammensetzungen z. b. untergangsbogen Sachs-Villatte, -punkt Lueger lex. d. ges. technik 1, 24, -zeit 1, 561.
2)
ort des untergehens. occidens, unterganck, besten Sachses glossar (Herrigs archiv 47) 404ᵃ; zeitschr. f. d. wortf. 7, 104 ff.: den leuten gegen der sunnen undergank, occidentales Konrad v. Megenberg sphaera 11, 30 M.; du wirst geweytert zuͦ dem undergange und zuͦ dem auffgange, zuͦ mittem tag und zuͦ mitter nacht erste d. bibel 3, 135, 8; von dem micheln flosz Eufraten untz zuͦ dem undergang des meeres 4, 172, 47; vom starken weine: den undergang und den mittag sol er nit sehen Petrus de Crescentiis 56ᵇ; heyligenleben summerteil (1472) 142ᵇ;
die sun wais iren untergang,
wen die scheinet den tage lang
H. Sachs 18, 402, 37 G.; B. v. Chiemsee 460; Guarinonius (1610) 409;
wandeltest du, geliebter, auch gleich durch länder und länder
von dem aufgang herauf bis zu dem untergang nieder,
würdest du dennoch nicht einen, der Gottscheden ähnlichte, finden
Göthe IV 1, 17, 22 W.;
auf dem meerschiff ist es (das herrschergeschlecht) gekommen,
von der sonne röthlichtem untergang
Schiller 14, 23;
auf den bergen gegen u. war es lichter Stifter 5, 1, 288. feste verbindungen: die sonne hat sich geneygt zuͦm untergange reformationsflugschr. 1, 391 Clemen; Göthe 23, 61 W.; die sonn hat sich seer zum undergang gesenckt Aymon (1535) s 1ᵇ; die zum u. eilende sonne Harsdörfer gesprechspiele 5, x x x x x 7ᵃ; der himmel ... sehnet sich zum u. Fischer-Tümpel 3, 37. dichterisch:
mahnend zieht die nacht den mantel
vor des unterganges thore
Brentano 3, 85.
3)
als zeitbestimmung, mit präpositionen: nach dem undergang des sunns erste d. bibel 3, 134, 59; pysz zu der sunnen unterganck Schiltberger reisebuch 15 (lit. verein); vor undergang der sunnen A. v. Eyb spiegel der sitten (1511) y 2ᵇ; gegen der sonnen u. Josua 23, 4; G. Forster 1, 231; zusammensetzung untergangszeit E. Francisci lusthaus (1676) 893. ungewöhnlicher im uneigentlichen sinne: nach u. diser trüben wolcken (zeitumstände) F. A. v. Brandis ehrenkräntzel (1678) 200; bei u. seiner jahre (in der spätzeit seines lebens) Rosegger vorr. zu Stelzhamer (1884) 18.
4)
sprichwörtlich: die himlische klarheit hat keinen u. Petri d. Teutschen weisheit B 5ᵃ; mit einschlag von III: der sonnen auffgang ist der eulen und nebels u. Lehmann florileg. 2, 859.
II.
vom versinken im wasser, naufragium: in disem undergange (des schiffes) Tauler pred. 344, 20 V.; wer schiffen will über moͤre, der muͦsz fürchten den u. des schiffes, so sich erheben die ungestuͤmen winden A. v. Eyb spiegel d. sitten (1511) E 3ᵇ; ich sihe ... das schiff ... zu grund und seinem u. eylen Fischart discours (1589) A 2ᵃ; sowohl am schroffen als am seichten ufer des stroms können fahrzeuge ihren u. finden Herder 16, 109; wenn das schiff absichtlich auf den strand gesetzt wird, jedoch nur wenn es zum zwecke der abwendung des unterganges oder der nehmung geschieht handelsgesetzb. 706, 3. im vergleich Musäus volksmärchen 1, 36 Hempel.
III.
figürlich interitus, exitium, strages. verderbung, der todt, καταφθορά, occasus, τελευτή Decimator thesaurus. as. forgang. niedergang ist heute von u. geschieden (vgl. oben): den nieder-, wenn nicht den u. der kleinen universitäten Du Bois Reymond über eine akademie d. d. spr. (1874) 2; niedergang und u. eines geschäftes, ruin Spanutius (1720) 422; sturz, umsturz, fall Gottsched sprachkunst (1748) 106. verbunden werden: nachteil und underganck Murner an d. adel 49 ndr.; undergang und schaden Stumpf Schwytzerchron. 316ᵃ; todt und u. Kirchhof wendunmuth 2, 28 Ö.; N. D. Gisecke poet. werke 43 Gärtner; undergang und verheerung theatrum amoris (1626) 107; verderb und undergang theatrum diabolorum (1569) 30ᵃ u. ä. im schwäbischen ist diese bed. nicht populär Fischer 6, 230.
1)
von personen: des künigs undergang Stainhöwel ber. frauen 118 Drescher; es mus zu eynem undergang komen mit eynem iglichen menschen Luther 18, 480 W.; Zinkgref-Weidner teutscher nation weisheit 2 (1653), 22;
dem verdienste seine kronen,
untergang der lügenbrut!
Schiller 4, 4;
das eisern wilde kämpenlied,
das lied vom untergang der Nibelungen
H. Heine 1, 427 Elster;
einige tage nach dem u. des advocaten G. Freytag 5, 373; ungewöhnlicher: wann Rom ein in muetterleib noch verschlossenes kind weinent gehört, als Titus ... sich zum u. naigte Fr. A. v. Brandis ehrenkräntzel (1678) 226. von thieren Seb. Bürster 5 Weech. von pflanzen Göthe II 7, 144 W.
2)
von nichtpersönlichem: aller meiner bücher untergang Luther 6, 616 W.; Göthe IV 9, 39 W.; der guten sitten undergang Kirchhof militaris disc. (1602) 16; verachtung und u. des studirens Opitz poemata 166 ndr.; ich will nur eine dieser opern, die etwa zwey jahre vor ihrem gänzlichen untergange (verschwinden vom spielplane) zum vorscheine kam, anführen Scheibe crit. musicus (1745) 69; u. einer sache rechtssprachlich Zedler 49, 2121; bgb. 351; u. der welt Ringwaldt evangelia k 2ᵇ; Herder 25, 466; u. der vier hauptmonarchien Mathesius Sarepta (1571) 1 a; u. der stadt D. v. d. Werder buszpsalmen (1632) C 3ᵃ, des staates Chr. v. Ryssel seelenfrieden (1685) 585; aller tage feierabend ist der welt u. Raupach dram. w. kom. gattung 4, 160; u. der männererde G. Freytag 8, 323; solches köndte ohn des landes u. nicht geschehen Micrälius Pommerland (1640) 2, 237; der wildbahn baldiger u. Heppe aufrichtiger lehrprinz (1751) 173; am 14. october in J., an demselben puncte, wo vor soviel jahren alles zusammen nur ein u. war Göthe IV 35, 140 W. individuell und ungebräuchlich: untergangsthum ruine J. Scherr Nemesis (1843) 2, 91; untergangstümler novellenb. 5, 253 Hesse.
3)
stilistische verbindungen: besteen on eynen u. H. Sachs 3, 309, 39 K.; (blumen) aus einem untergange zusammensuchen G. Keller 4, 129; den weg zum u. verbergen A. v. Haller ged. (1882) 30; den weg des unterganges wandeln Stifter 14, 36; am rande des unterganges G. Keller 5, 49; dem u. nahe sein Krünitz 199, 378; alles zum u. reif Niebuhr röm. gesch. 1, 11; Schubart briefe 2, 164 Strausz; attribute: grewlicher und schrecklicher u. B. Krüger spiel v. d. bäur. richtern (1884) 4, groszer schweiz. schauspiele des 16. jahrhs. 2, 268, 3933 Bächtold, gewisser Moscherosch insomnis cura 44 ndr., rauher Th. Höck blumenfeld 94 ndr., frühzeitiger Fr. A. v. Brandis ehrenkräntzel (1678) 158, naher Stoppe Parnasz (1735) 451, endlicher Schoch studentenleben (1657) Hᵇ, letzter J. Chr. Günther gedichte (1735) 725, Herder 5, 190, gänzlicher s. 2, völliger Caroline Schlegel 1, 86 Waitz, sittlicher Bettine dies buch geh. d. könig 2, 319, poetischer Gervinus gesch. d. d. dichtung 5, 95, ungemessner Droysen Äschylus 104 u. s. w.; epitheta der geschäftsspr. bei Sattler phraseologey (1631) 476. mit verben: u. haben, nehmen H. Sachs 19, 193, 9 G.; 13, 424, 18 G.; 17, 44, 3 G.; 17, 66, 12 G.; u. kriegen S. Dach 162 Österley; u. finden Schiller 13, 353; in u. geraten acta publ. 1, 246 P.; Sattler phraseologey (1631) 350; seinem u. entgegenlaufen Moscherosch gesichte 2 (1650), 117; zum untergange eilen J. Chr. Günther (1735) 206; seinem untergange zueilen Raumer Hohenstaufen 1, 3, entgegengehen Tieck 17, 10, entgehen Moltke ges. schriften 1, 65; das, worauff ich mich verlassen, bringet mich zum u. A. Olearius pers. rosenthal 111; sich selbst den u. bereiten Schiller 13, 229; den u. herbeiführen, verursachen, beschleunigen, verhindern, etwas vom u. erretten J. G. Jacobi 1, 9, dem u. entreiszen Ayrenhoff 1, 200 u. s. w.; an seinem untergange arbeiten W. v. Humboldt 1, 239; den u. drohen: gott dreuet Ninive den u. Dannhawer catechismusm. 1, 77; untersuchungen, welche nicht nur der schlimmen schreibart den u. droheten Bodmer crit. poet. schr. (1741) 2, 131; ob der u. ihr (der welt) dräut Göthe 3, 107 W.; eine schwierigkeit, die ... der freiheit dennoch mit ihrem gänzlichen untergange droht Kant 5, 100, 19 ak. ausg.; drohenden u. Steffens was ich erlebte 1, 108; veraltet den u. weisen Abr. a S. Clara Judas 1, 4; allgemein: einer person oder sache den u. schwören (nl. wb. 10, 1311), bes. den u. geschworen haben: dir hat er längst den u. geschworen Schiller 14, 284; dieser schreckliche monarch ... hatte dem protestantismus den u. geschworen 4, 101; einen oder etwas dem untergange weihen (th. 14, 1, 685 f.): Schiller 6, 352; 12, 320; Ranke 4, 101; etwas dem untergange zuführen Allmers marschenbuch⁵ 42 u. s. f.
4)
im geistlichen sinne: nu grifest du mir in min herz mit dem undergang miner eren (interceptio? vgl.C 1) H. Seuse 67, 2 Bihlmeyer; nach seinem beschwerd und u. erhebt er (gott) ihn (den demütigen) zur glory J. Arnd nachfolge Christi (1631) 44; in verbindung mit II:
gebet ist balsam, trost und friede,
in gott ein froher untergang
Lenau 501 Barthel.
5)
entwicklungsgeschichtlich und culturphilosophisch: den dritten (zeitpunkt), wenn endlich die thierischen oder pflanzigten formen verschwinden und unscheinbar werden, nennen wir den u. M. Mendelssohn (1843) 2, 130; sobald in einer natur voll veränderlicher dinge gang seyn musz, so bald musz auch u. seyn; scheinbarer u. nehmlich, eine abwechselung von gestalten und formen Herder 13, 24; individuell für die überwindung des gewöhnlichen menschen Nietzsche Zarathustra 16 kriegsausg. u. o.; bei O. Spengler: Nietzsche gebrauchte das wort decadence. dasselbe, nur umfassender, nur von dem heute vorliegenden fall zu einem allgemein historischen typus erweitert und aus der vogelperspektive einer philosophie des werdens betrachtet, bedeutet in diesem buche das wort untergang des abendlandes unterg. d. abendl. (1918) 1, 410; es gibt menschen, welche den u. der antike mit dem u. eines ozeandampfers verwechseln. der begriff einer katastrophe ist in dem worte nicht enthalten. sagt man statt u. vollendung ... so ist die pessimistische seite einstweilen ausgeschaltet, ohne dasz der eigentliche sinn des begriffs verändert worden wäre pessimismus (1921) 3.
6)
persönlich vorgestellt:
indessen regt die zeit der flügel leichte ruder,
ihr sohn heiszt untergang
J. J. Schwabe belustigungen (1741) 1, 297;
der flor des frühlings heiszt des winters u. (vertreiber, vernichter) Hagedorn (1769) 3, 123; Mars ... du u. der sterblichen Bürger bei Campe;
einmüthig reichten untergang und tod
die bände sich und schritten vor dem heer
Herder 18, 266;
hier lauerte der u. Holtei erz. schr. 5, 77.
7)
sprichwörtlich: vil seck seind des esels undergang S. Franck sprichw. (1541) 2, 100ᵇ; viel ecken und umbgäng sind des esels u. und verderben Lehmann florileg. 4, 224; müssiggang der tugent undergang S. Franck sprichw. (1541) 1, 148ᵇ; des einen u. ist des andern auffgang A. Olearius orient. reisebeschreibung (1696) 89; Lehmann florileg. 1, 198; der u. hat keinen grund Binder 200; Wander 4, 1478, 1.
8)
zusammensetzungen: untergangdrohend J. v. Müller 21, 396; unterganggeweiht F. Poppenberg bibelots (1904) 206. untergangsbrand Hippel kreuz- u. querzüge (1793) 1, 282, -epoche Fr. Schlegel 14, 54, -feier F. v. Sonnenberg Donatoa (1807) 2, 1, 80, -hymne 2, 2, 11, -kampf, G. Keller nachgel. schr. (1893) 267, -kluft F. v. Sonnenberg Donatoa 2, 1, 111, -process handwb. d. staatswiss. 2², 417, -scene G. Keller 6, 163, -stimmung A. Kerr ges. schr. 2, 186, -tag F. v. Sonnenberg Donatoa 2, 1, 244, -zeit gespräche mit einem grobian (1866) 323; bei Jean Paul: untergangserde 19/23, 400 Hempel, -insel 15/18, 535, -reiz 24/26, 8 u. dgl.
C.
nach ¹unter III B 1 b.
1)
ahd. untarganc interceptum; mhd. underganc interceptio: die bredige ... lert, wie man die geburt suͦchen sol und vinden muͦs in dem liehte der gnoden mit undergange des natúrlichen liehtes durch langbeitsamkeit in den begerungen Tauler pred. 20, 16 Vetter. vgl. ¹unter III B 1 b α β. veraltet.
2)
grenzbegehung und -festsetzung. syn. anleite, begang, grenzbegang, pfattenschau, umgang. J. Grimm rechtsalt. 2⁴, 74; kl. schr. 2, 61 ff. schriftsprachlich heute wenig bekannt, aber alt und namentlich oberdeutsch verbreitet; mhd. wb. 1, 476ᵇ, 3; Lexer 2, 1785; Staub-Tobler 2, 344; Fischer 6, 230; Schmeller 1, 922; Egger glossar 939ᵇ: exactione tributaria vel disterminatione, quae vulgariter undergank dicitur (1281) würtemb. urkundenb. 8, 252; weisth. 1, 47; urkundenb. des klosters Heiligkreuztal 2, 167; wir setzen und wöllen, das in undergengen und anleiten, so an unserm stattgericht oder vor den anleitenmeistern, durch uns darzuͦ verordent, zuͦ ieder zeit gerechtfertiget und entscheiden werden, von denselben urteln und entscheidt nit weiter für ander richter soll oder mög appellirt (werden) d. stat Worms reformation (1513) 72ᵃ; von erst theylt er (Numa) die ecker und das bawfelt under sie und satzt marckstein und undergeng, das vor zuͦ Rom nit war Carbach Livius 8ᵃ; von anlaiten oder undergengen Frankfurter reform. (1578) 8, 9; item alle anleyt- und undergangsachen 1, 15; nachdem der untergäng halber biszhero bei unsern unterthanen zweiffel und miszverstand fürgefallen, ... so ordnen und setzen wir ... J. J. Speidel notabilia (1634) 938; badische weisth. 1, 70 (1661); schied, u. und versteinigung der güter Besold thes. (1697) 1, 623ᵃ; W. G. v. Moser forstarchiv 8, 180; G. H. Zinck öcon. lex. (1744) 3021; Jacobsson 4, 488ᵇ; den verhaszten namen des untergangs in der meinung aufzuheben, dasz die ausstehenden schulden eingezogen und dann daraus die untergangsschulden und ergehende unkosten bezahlt werden (1770) Staub - Tobler 2, 345; da in den nächsten tagen der u. von Bietigheim wieder in thätigkeit tritt Enz- u. Metterbote 1879, 82 bei Sanders erg. wb. 219ᵇ. attribute: gemeiner, gebührlicher, gleicher, unparteiischer, geschworener u. Fischer 6, 230. verbale verbindungen: einen u. tun Staub - Tobler 2, 344 f.; J. v. Watt 2, 172; Schönsleder, Dentzler, Aler; einen u. halten Frisius 943ᵃ; Adelung, Krünitz; vollführen, führen Haltaus 1954; Aler (1727) 2, 2068ᵃ; zu u. gebieten, in u. reden Fischer 6, 230. u. heiszt auch das collegium der untergänger und die stelle des untergangs Fischer 6, 231. oberuntergang ein auszerordentlicher u. durch eine andre behörde 6, 230; 5, 20. 'auf den dörfern heiszt es der untere u., in den städten der obere u.' Beck de jure limitum 20 bei Frisch (1741) 1, 317ᵇ; danach ober- und unteruntergang Zedler 49, 2121; Adelung; Krünitz.
3)
hintergang 4 entsprechend, schiedsrichterlicher vergleich, compromisz. mhd. wb. 1, 476ᵇ; Lexer 2, 1785; Staub - Tobler 2, 345, 5; Schmeller 1, 922. s. ¹unter III B 1 b ε: und liesze bede partheien durch ain untergang gutlich gegen einander vertragen ... entschiede er die selben partheien wider nach ausweisung des obgedachten untergangs, den kaiser Carls rathe gethan heten L. Fries würzb. chron. 69ᵃ. veraltet.
Zitationshilfe
„untergang“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/untergang>, abgerufen am 23.05.2019.

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