unterhalt m.
Fundstelle: Lfg. 10 (1926), Bd. XI,III (1936), Sp. 1594, Z. 64

Unterbegriffe in diesem Artikel

zum verb. unterhalten. mnd. underholt; mnl. onderhout, nl. onderhoud; dän. underhold, schwed. underhaͦlt aus dem deutschen. vgl.unterhalten, n., unterhaltnis, unterhaltung. veraltet ist das f. (die vorderst underhalt [bedeckung, soutien, ¹unter III B 1 a δ] L. Fronsperger kriegsbuch 1, 47ᵇ; forderst und hinderst unterhalten Garg. 316 ndr.; im wortspiel von seiner auff- und unterhalt [bed. A II 2] 195 ndr.; Staub - Tobler 2, 1217); vgl. die hinterhalt th. 4, 2, 1504; die aufenthalt th. 1, 637; die aufhalt Wurm 613ᵃ.
A.
mit ¹unter III B 1 a (sub).
I.
eigentlich.
1)
nach unterhalten A I 1 a: aunderhaut das nachtgeschirr Tonnar-Evers Eupen 11ᵃ (vgl.unterhaltschale Kramer [1700] 1, 611ᶜ; Rädlein [1711] 992ᵃ; Mozin [1846] 4, 968ᵃ); nicht schriftsprachlich.
2)
halbsinnlich im bilde nach unterhalten A II 1: es ... sich gründet, steiffet und stützet auff eine unbewegliche basin, stütze, seul und unterhalt Dannhawer catechism. (1657 ff.) 6, 753;
wer wird mein unterhalt, mein trost, mein stecken seyn?
Gottsched d. schaubühne 4, 252.
II.
übertragen, wie unterhalten A II 2.
1)
unterstützung, hilfe, adminiculum (unterhalten A II 2 a): würdt gott zu unseren kriegen auch seinen sieg und zum unterhalt seine gnadt und segen verleihen Reutter v. Speir kriegsordnung A 3ᵃ; ihre religionsverfassung und hierarchie ... soll den lehrern keinen unterhalt, keinen bestand mehr geben Jung - Stilling 3, 143 Gr. veraltet.
2)
nach unterhalten A II 2 c receptaculum, schutz, aufenthalt; mnd. wb. 5, 29ᵃ; vgl. die unterhalt oben. underhalt ort, da einer ist Hulsius-Ravellus (1616) 371ᵃ; Rädlein (1711) 992ᵃ: battens, dasz si disen taͤtern kein schirm noch unterhalt bi inen geben und behulffen wöltind sin, damit disz mord ... gerochen wurd Tschudi chron. (1734) 1, 243; J. Letzner dasselische chron. (1596) 1, 187ᵃ: welcher mir auch versprochen hat, dasz ich möchte u. und ruhe bekommen J. Böhme (1620) 6, 252; H. ... suchete bey ihme dreyjährigen u. J. Micrälius Pommerland 2, 148;
khein unterhalt ist an dem ort
Hartmann volksschauspiele in Bayern u. Österreich (1880) 357, 118.
veraltet.
3)
fortbestand, erhaltung (unterhalten A II 2 d, e):
zu underhalt des menschenleben
hat gott bestendige mittel geben
B. Waldis Esopus 1, 174 K.;
Angelus Silesius wandersmann 61 ndr.;
so fein hat als sein underhalt
im meer, lufft, erden manigfalt
Bäumker kath. kirchenlied 2, 250;
in welcher (resolution) man den könig ... requiriret ... sich des unterhalts der garnison in Spandaw ... zu entbrechen Chemnitz schwed. krieg 1, 167;
sonderlich wollst du mir geben
nahrung, zwar nur der gestalt,
damit mein vergnüglich leben
habe seinen unterhalt
Neumark lustwald (1657) 1, 35;
ach mich elenden, ich bin eben damalen ein u. der verdrusz, da ich wünsche ein erhalterin des trostes zu sein! sendbrief der Teresa von Jesu 27; zum u. des umgangs Kant 1, 108 H.; das feuer erfordert stoff und nahrung zum unterhalte 8, 336 H.;
was diesem unterhalt, bringt jenem tod
J. D. Falk satiren (1800) 3, 13;
oft nach 4 übergreifend: ich würde denken, dasz zum u. des lebens sehr wenig erfordert wird Ayrenhoff 4, 23; für den u. seiner sauberen äuszeren erscheinung G. Keller 2, 56 (ungewöhnlich). salvatio Fischer-Tümpel 1, 448; veraltet.
4)
die hauptbedeutung victus, alimonia, nutrimentum, sustentatio entspricht der des v. unterhalten A II 2 f; mnl. wb. 5, 363; nl. wb. 10, 1347. 'u. heiszt überhaupt alles dasjenige, was der mensch zu seiner nahrung, kleidung u. auferziehung von nöthen hat' allgem. haushalt. lex. (1749) 3, 612; Gottsched beobachtungen fügt dach und fach hinzu; aliment u. Kinderling (1795) 229. unterhalt, auskommen, brot Weigand syn. 3, 887. entreteniren ... seinen u. verschaffen Apinus gloss. (1728) 202; subsistiren ... seinen u. haben Belemnon bauernlex. (1728) 184. Zedler 49, 2132 ff.
a)
anno ... ist die pfarkirche zu L. ... so gar zergangen, dasz ... der versecher derselbigen kirchen nit stattlich underhalt mocht haben
Knebel chron. v. Kaisheim 126;
sie thaten das und gaben im
sein unterhalt und speise
Ringwald evangelia C 2ᵇ;
sein brodt und underhalt bekommen F. W. Kirchhof milit. disciplina (1602) 215; ihres lebens u. erwerben J. Rist d. friedejauchzende Teutschland (1653) 107; vgl.lebensunterhalt; du giebst den u. zu leben Opitz poemata 203 ndr.; D. v. d. Werder ras. Roland (1636) 9. ges. 49. str.; G. Treuer Dädalus (1675) 1, 476; ihr gewohnliche speiszliche u. (f.?) in der hauszhaltung ist schmal und mäszig D. Federman Niderlands beschreibung (1580) 48; so sollte ich ehrliche stelle und guten u. haben Schweinichen denkwürdigk. 42 Ö.; zue u. schlesischer cantzley acta publ. 1, 39 P.;
sein beutel ist nicht schwer,
doch auch nicht allzu leer.   so darf er sich nicht grämen,
wo er den unterhalt von kleidern her soll nehmen
P. Fleming 1, 130 Lappenberg;
ein fürst bedarf mehr u. als ein bettelman Chr. Weise d. drei klügsten leute (1675) 50; seinem leibe nöthigen u. verschaffen Chr. Wolff gedanken v. d. menschen thun u. lassen (1720) 523;
lasz uns für ihn sorgen, Leonore ...
dasz ihm der herzog seinen unterhalt
auch in der ferne willig reichen lasse
Göthe 10, 176 (Tasso 1743) W.;
der mutter erde den u. abzwingend Scheffel (1907) 2, 52; verwandte in grader linie sind verpflichtet, einander u. zu gewähren bgb. 1601; handelsgb. 63, 1; sonstige attribute: freyer, sicherer, diebischer, kümmerlicher, leidlicher, dürftiger, täglicher, standesmäsziger u. s. w. u. Rabener 2, 19; Wieland Lucian 1, 85; Shakespeare 4, 195; Göthe 45, 198 W.; 21, 98 W.; Rückert 9, 10; Raumer Hohenstaufen 1, 307; Ranke 15, 239. rechtssprachlich: nothdürftiger u. alimenta naturalia, standesmäsziger u. alimenta civilia Krünitz 199, 405. verpflegungsgeld, unterhaltskosten: ists auch recht, ... dasz ich meine satteldecke ... zum pfande für entlehneten u. habe müssen stehen lassen? A. Olearius pers. rosenthal 12; Hippel lebensläufe (1778) 1, 81; im institut miszhandeln sie ihn, weil nicht einmal sein u. regelmäszig bezahlt wird Ebner - Eschenbach 4, 437; pension: verdiene ich ... für meine mühe mit ihm (dem kinde) nicht einen kleinen u. für mein künftiges leben? Göthe 23, 108 W.; ernährungszustand Kant 3, 507, 36 akad. ausg.
zusammensetzungen:
unterhaltsanspruch
bgb. 1611, 2,
unterhaltsbedürfnis
handwb. d. staatswiss. 6², 289,
unterhaltsbeitrag
Schweiz. zgb. 153,
unterhaltsberechtigt
bgb. 1602, 1,
unterhaltsentziehung
handwb. d. staatswiss. 3², 277,
unterhaltsgeld
ständeakten Joachims II (1568) Friedensburg 3, 547,
unterhaltsgefährdung
handwb. d. st. 3², 276,
unterhaltsgewährung
3², 821,
unterhaltskosten
J. H. Widerhold sechs reisen (1681) 2, 92ᵃ,
unterhaltsmittel
Lassalle reden u. schr. 1, 419,
unterhaltspflicht
bgb. 528,
unterhaltspflichtig
1603, 1,
unterhaltsquelle
Tholuck vorgesch. d. rationalismus 1, 1, 84,
unterhaltsverpflichtung
v. Alten handb. f. heer u. flotte 1, 260 u. v. a.
b)
in der heeresspr.: 'unterhalt, entretien, subsistance, lebensmittel ... der u. der kriegsvölker so wohl im felde als den quartieren' J. R. Fäsch kriegs-, ingenieur- u. seelex. (1735) 263ᵇ: der hertzog von Friedland konte den u. vor seine armee aus Böhmen und Mähren zur satten noturfft haben Chemnitz schwed. krieg 2, 169; zuforderst fieng der u. an, je länger, je knapper zu werden 4, 1, 45ᵇ; der karge sold des gemeinen soldaten, mit dem er seinen ganzen u. zu bestreiten hatte ... wurde 1799 nur ungenügend erhöht Meinecke Boyen 1, 94; zusammensetzung: unterhaltsaufbringung acta publ. 8, 25 P. plur.: drey monatliche unterhalt F. A. v. Brandis ehrenkränzel (1678) 210; ungewöhnlich.
c)
von thieren: sie (hirsche) fraszen ... zu ihrem u. all das umbstehende grasz hinweg A. Olearius pers. rosenthal 111; beim gutskauf ist zu beachten, wie viel man schafe mit gehörigem u. überwintern kan Hohberg georgica curiosa (1682) 1, 10; der gemeine kranich ist bald feld-, bald sumpfvogel, je nachdem er da und dort u. zu finden hofft J. A. Naumann naturgesch. d. vögel (1822) 9, 358.
d)
veraltet von bäumen und blumen:
auch disz ist nicht genug; die jung- und alten eichen,
so ihren unterhalt von diesem ströhmchen ziehn,
die tragen eingeschnitzt des halben mondes zeichen
Neumark lustwald (1657) 301;
(die rose) hat nur von dem taw noch ihren underhalt
Opitz poemata 88 ndr.
e)
vom feuer: so ohnfehlbar eine flamme ohne u. sich selbst verzehret ... Zinzendorf bedenken u. besondere sendschreiben (1734) 19; vom liebesfeuer theatrum amoris (1626) 269. f) vom gedächtnisz, von wissenschaften: es (d. gedächtnisz) ist so wohl eines unterhalts benötiget als der leib Butschky Pathmos (1677) einführung 3ᵇ; wir leben jetzo in einer zeit, da man den nöthigsten wissenschaften den nöthigsten u. lieber entziehen ... solte Morhof unterricht (1682) 2, 3.
5)
unterhalten, unterhaltung A II 2 h entsprechend, angenehme beschäftigung, kurzweil, zeitvertreib, occupatio, delectamentum (nl. wb. 10, 1349): der verfasser nicht die gute art, liebliche sprach und holdselige geberden, mit welchen solcher u. verübet werden solle, beygesetzet und auszgedrucket hat Harsdörfer gesprechspiele (1641) 2, 19;
sie verobligiren
zu dienstlichem faveur, durch schönen unterhalt
und lieblichen discours
Logau 234 Eitner;
umb ... durch annehmlichen u. ihr gemüthe zu ermuntern
Lohenstein Arm. 2, 515ᵇ;
jagd, karten, kleider, tantz und hundert andre glossen
sind aller unterhalt, bis dasz die zeit verflossen
Canitz nebenstunden (1727) 110;
so oft der morgen kömmt, so machet Yariko
durch neuen unterhalt den lieben fremdling froh
Gellert 1, 24;
konnt ich dafür, dasz, während die eigensinnigen reize ihrer schwester mir einen angenehmen u. (Werther 1774, 1787 unterhaltung) verschafften, dasz eine leidenschaft in dem armen herzen sich bildete! Göthe bei Hirzel d. junge G. 3, 234; da hatte ich auf eine viertelstunde u. mit ihren beyden artigen knaben S. Laroche frl. v. Sternheim (1771) 1, 124; zeitschr. f. d. wortf. 12, 57; der u. mit der gaukelhenne besteht darin, dasz ... S. Grüner sitten u. gebräuche der Egerländer 56. nur noch mundartlich: gemüthliche unterhaltung, vergnügen, zeitvertreib Staub-Tobler 2, 1217; Fischer 6, 233; vgl. B.
B,
mit ¹unter III B 1 b ε, reciprok wie unterhalten B 3, anziehende unterredung (nl. onderhoud wb. 10, 1350): welche (fragen, antworten) nicht allein höchst nüzzlich, sondern auch zu einem geschickten u. überaus tüchtig gewesen wären J. v. Breitenfels Swift (1756) 1, 7;
ein junger mensch kann wol einmal einen u. haben mit so einer — ich weisz wohl, wie man in den jahren ist
M. Meyr erz. a. d. Ries (1868) 2, 298;
sahe mich heute gezwungen, die kleine demoiselle von allem verkehr und u. mit denen baurenkindern abzusperren
G. Keller 1, 49.
schriftsprachlich sonst unüblich.
Zitationshilfe
„unterhalt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/unterhalt>, abgerufen am 16.06.2019.

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